Inhaltsverzeichnis
1. Woran sollen wir uns nach Kant orientieren? S. 1 - 2
2. Wie orientieren Tugenden nach Aristoteles? S. 3 - 5
3. Bestimmen Sie das Verhältnis von Tugend
(Person) und sozialer Trägerschaft (Institution) S. 5 - 6
4. Die aktuelle Relevanz der „Tugenden des
Glaubens “ S. 7 - 9
5. Kritik der Tugendethik. S. 10 - 12
Literaturverzeichnis S 13
1. Woran sollen wir uns nach Kant orientieren?
Der Philosoph Immanuel Kant lebte vom 22. April 1724 bis zum 12. Februar 1804. Er lebte, studierte und lehrte in Königsberg, das er nur in seiner Hauslehrerzeit verlassen hat. 1770 wurde er Professor für Logik und Metaphysik. Er ist der wichtigste Denker der Aufklärung in Deutschland. Mit seiner Begründung des kritischen Idealismus wurde er zu einem der einflussreichsten Denker der Neuzeit. 1
Im Folgenden möchte ich darstellen, woran die Menschen sich nach Ansicht von Immanuel Kant zu orientieren haben. Hierbei beziehe ich mich auf einen Auszug des Buches „Einführung in die Ethik“ von Peter Fischer.
Zu Beginn des 7. Kapitels „Transzendentallogische Vernunft. Immanuel Kants Konzept der Freiheit als Autonomie“ erklärt Fischer, Kant gehe zuerst vom Ansatz der Glückseligkeit aus. Dies sei es, wonach Menschen ein Leben lang streben würden. Allerdings beobachte er dabei Konflikte, da das Glück als das natürliche Streben eines jeden Menschen nicht zur materialen Willensbestimmung dienen dürfe, sondern Folge der sittlichen Anstrengung sei. 2 Um die Frage „woran sollen wir uns dann orientieren“ 3 zu beantworten, schreibe Kant in seiner „Kritik der praktischen Vernunft“: „Wenn ein vernünftiges Wesen sich seine Maxime als praktische allgemeine Gesetze denken soll, so kann es sich dieselben nur als solche Prinzipien denken, die, nicht der Materie, sondern bloß der Form nach, den Bestimmungsgrund des Willens enthalten.“ 4 Nach Kant sind Maximen „unsere je eigenen materialen praktischen oder besser gesagt: pragmatische Grundsätze“ 5 , sie sind also subjektive Grundsätze des Handelns. Eine Maxime sei ein Prinzip des Handelns, dass sich ein Mensch setze. Sie gelte deshalb auch nur für diesen einen Menschen.
Dadurch, dass eine Maxime nur subjektive Gültigkeit besitzen könne, müsse es andere Gesetzte geben, die allgemeine Gültigkeit beanspruchen können. Diese universale Gültigkeit bestehe für Kant im Handeln nach dem „Kategorischen Imperativ“: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ 6
Kant fordere die Menschen auf, eine Maxime zu formulieren, welche einer Handlung zugrunde liegen solle. Diese Maxime müsse anschließend auf Allgemeingültigkeit überprüft
1 vgl. Art. Kant, in: Brockhaus Enzyklopädie.
2 vgl. Fischer, Einführung in die Ethik, S. 149.
3 a.a.O. S.150.
4 Kant, Kritik der praktischen Vernunft, A 48; zitiert nach Fischer, S.150.
5 Fischer, Einführung in die Ethik, S. 150.
6 Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, BA 52; zitiert nach Fischer, S.152.
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werden. Da man den „Kategorischen Imperativ“ auch mit der Goldenen Regel vergleichen könne („was du nicht willst, das man dir tu`, das füg auch keinem andern zu“ 7 ), solle ein jeder Mensch nur nach solchen Maximen handeln, „von denen ein jeder wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werden.“ 8 Maximen würden also als Orientierung für moralisches Handeln dienen.
Weiter erläutere Kant: „Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person einen jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“ 9
Dadurch, dass der Mensch die Freiheit besitze, besitze er zugleich Würde, die ihm nicht durch die Betrachtung als Mittel genommen werden darf. 10
Dieser „Kategorische Imperativ“ setze einen wichtigen Zustand den Menschen betreffend voraus: Die Freiheit. Wenn der Mensch nicht frei wäre, also den Naturgesetzen unterworfen, könnte er sich wiederum nicht nach dem „Kategorischen Imperativ“ richten. Er vermittele uns „die Einsicht in unsere Freiheit.“ 11 Zum einen zeige er den Menschen, dass es uns immer möglich sei, uns von der Heteronomie abzusetzen und somit unabhängig von Neigungen entscheiden zu können. Durch seine Autonomie sei dem Menschen die Möglichkeit gegeben, seinen eigenen Willen zu bestimmen. 12 Zum anderen würden wir uns durch das Handeln nach Maximen „selbst ein Gesetz“ 13 geben. Die Menschen würden sich dazu verpflichten, ihre eigene, gemeinsame Gesetzgeberrolle als Maßstab für die Wahl der Maximen zu benutzen. „Beide zusammen, die mögliche Unabhängigkeit von den Neigungen und die Selbstgesetzgebung durch die Vernunft, bilden den Begriff der Freiheit als Autonomie.“ 14 Der Begriff der „Pflicht“ habe für Kant und somit auch für das Handeln der Menschen eine wichtige Bedeutung, da der Philosoph zwischen pflichtgemäßen und Handlungen aus Pflicht unterscheide.
Pflichtgemäße Handlungen seien nicht moralisch, da sie von irgendwelchen Bestimmungsgründen abhängen, aus denen man die Pflicht befolgen würde. Für Kant sei das Handeln aus Pflicht entscheidend. „Damit ist gemeint, dass wir die Pflicht um der Pflicht willen tun.“ 15
Komme die Pflicht von mir selbst und bewege meinen Willen, so geschehe dies in Freiheit.
7 Fischer, Einführung in die Ethik, S. 150.
8 a.a.O. S. 153.
9 Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, BA 66f; zitiert nach Fischer, S.154.
10 vgl. Fischer, Einführung in die Ethik, S. 154.
11 ebd.
12 a.a.O. S. 155.
13 ebd.
14 ebd.
15 a.a.O. S. 163.
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2. Wie orientieren Tugenden nach Aristoteles?
Der griechische Philosoph Aristoteles lebte von 384 - 322 vor Christus. Er hinterließ ein Schriftwerk, welches die Gebiete der Logik und der Erkenntnistheorie, der Naturphilosophie, der Metaphysik, der Ethik, Politik, Rhetorik und Kunsttheorie umfasst. 16 Zuerst möchte ich den Begriff der „Tugend“ anhand eine Definition von Aristoteles vorstellen. Kennzeichnend sei eine Unterscheidung zwischen theoretischen (dianoetischen) Tugenden (wie z.B. Wissenschaft und Weisheit) und den ethischen (poietischen) Tugenden (wie z.B. Künste und Fähigkeiten). Letztere würden moralisch gutes Handeln automatisch mit sich „bringen“, „denn eine ethische Tugend ist dann erworben, wenn die sinnlichen Neigungen im betreffenden Praxisfeld vernunftmäßig gestaltet sind, so dass das Gute leicht, gerne und mit Freude getan wird.“ 17
Nach Aristoteles sollte das Streben der Menschen auf ein „höchstes Gut“ 18 , der Glückseligkeit, ausgerichtet sein. Da er sich durchaus bewusst sei, dass Menschen über das, was Glückseligkeit ausmacht, unterschiedlicher Meinung sein können, unterscheide Aristoteles drei Lebensformen: das Genussleben, dessen Inhalt die Lust sei, politisches Leben, wo die Menschen nach Macht streben und das Leben in philosophischer Kontemplation, dessen Ziel die Erkenntnis sei. 19 Zwar gelinge es ihm eine Hierarchie aufzubauen, in dem die philosophische Lebensform über die der anderen gestellt werde, aber dies allein genüge nicht. Lust, Begierde und Erkenntnis seien nicht das höchste Gut, da unter anderem der „Spaß“ ausgegrenzt werde. Deshalb hätte sich Aristoteles der Frage angenommen, was das Spezifische des Menschen sei, was zum Menschsein dazu gehöre. „Das Besondere am Menschen [...] ist seine Vernunftbegabung.“ 20 Somit definiert Aristoteles „Glückseligkeit“ als eine Handlung, die „der Vernunftbegabung und der sozialen Natur des Menschen entspricht.“ 21 Wenn man also ein Leben führen würde, so wie es der Vernunftnatur des Menschen entspreche und dieses nahe beziehungsweise gut erfüllen würde, dann sei dies eine tugendhafte Handlung.
Um dieses für das Handeln der Menschen noch konkreter zu bestimmen, hätte sich Aristoteles der Seele des Menschen zugewendet und unterscheide hier zwischen dem „nicht-
16 vgl.Art Aristoteles, in: Brockhaus Enzyklopädie.
17 Anzenbacher, Einführung in die Ethik, S. 138.
18 Fischer, Einführung in die Ethik, S. 80.
19 a.a.O. S. 81.
20 a.a.O. S. 82.
21 ebd.
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Arbeit zitieren:
2006, Orientierung an Tugenden?, München, GRIN Verlag GmbH
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