Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Theologie der Religionen 4
3. Die Einstellung zum interreligiöse Dialog im Vergleich der katholischen und evangelischen
Kirche 5
3.1 Hans Kessler „Pluralistische Religionstheologie und Christologie - Thesen und Fragen“ 5
3.2. Wolfhart Pannenberg „Das Christentum eine Religion unter anderen“ 8
3.3. Ein zusammenfassender Vergleich - Kessler / Pannenberg 12
4. Stellungnahme des katholischen Lehramts und der evangelischen Kirche zum interreligiösen
Dialog 13
4. 1 Neue lehramtliche Aussagen auf katholischer Seite 13
4.2 Stellungnahmen der evangelischen Kirche zum interreligiösen Dialog 16
5. Schluss 17
Literaturverzeichnis : 18
1. Einleitung
„Hat von
Euch jeder seinen Ring von seinem Vater: So glaube jeder sicher seinen Ring Den echten. - Möglich; dass der Vater nun Die Tyrannei des einen Rings nicht länger
In seinem Hause dulden wollen! - Und gewiss;Dass er euch alle drei geliebt, und gleich Geliebt: indem er zwei nicht drücken mögen, Um einen zu begünstigen. - Wohlan! Es eifre jeder seiner unbestochenen Von Vorurteilen freien Liebe nach!“ 1
In dem Drama „Nathan der Weise“ spricht Nathan diese Verse im Gespräch mit dem Moslem Saladin. Mit seiner Ringparabel versucht Lessing die Frage nach der einen, wahren Religion zu lösen, indem er absichtlich dieser scheinbar unlösbarem Frage aus dem Weg geht. Es gehe nicht um die einzelnen Religionen als Religionsgemeinschaften, sondern allein um den jeweiligen Menschen, wie Nathan dem Tempelherrn zu verstehen gibt. Lessing geht es also um ein Ideal des Zusammenlebens, das durch Toleranz, Vernunft, Gleichberechtigung und Menschlichkeit geprägt ist und bei dem nicht der transzendente Gehalt und die Wahrheit der Religion im Vordergrund stehen.
Diese Annahme vertritt auch die pluralistische Religionstheorie von z.B. John Hick. Nämlich, dass es eine Vielfalt von Heilswegen gibt, die alle genau gleich zu Gott führen bzw. zur Erkenntnis einer absoluten, transzendenten Wirklichkeit. Neben diesem gibt es noch das Modell des Inklusivismus und des Exklusivismus, die ich im ersten Kapitel meiner Arbeit kurz erläutern möchte. Danach widme ich mich den Professoren Hans Kessler auf katholischer Seite und Wolfhart Pannenberg auf Seite der evangelischen Kirche und ihren jeweiligen Artikeln und Beiträgen zum Thema des interreligiösen Dialoges. Ihre Ansichten werde ich zuerst einzeln zusammenfassen und danach vergleichend darstellen. Um den Vergleich zu unterstützen, ziehe ich zudem die lehramtlichen Äußerungen der katholischen Kirche und die Arbeit des Ökumenischen Rates der evangelischen Kirchen zu diesem Thema hinzu. Meine Absicht ist es deutlich zu machen, wie die Einstellung des Christentums zu dem mit der Pluralität der Religionen in unserer heutigen Zeit verbundenen Thema des interreligiösen Dialoges ist und in wieweit sich eventuell Unterschiede in der Sichtweise dieser beiden Konfessionen ergeben und wie sie begründet sind.
1 Lessing, Vers 2032-2042.
2. Die Theologie der Religionen
Bei der Frage des Verhältnisses zu den anderen Religionen gibt es drei Grundmodelle, die ich im Folgenden kurz erläutern werde.
Die Pluralität der Religionen ist ein Merkmal unserer heutigen, modernen Lebenswelt. Sie bezeichnet auf die Theologie im Allgemeinen und die Fundamentaltheologie im Speziellen bezogen, die „teilweise nicht mehr in Einheit synthetisierbare, teilweise aber auch divergie- rendeund konfligierende Vielfalt unterschiedlicher, weltanschaulicher [...] Geltungsansprü- che.“ 2 Somitcharakterisiert sie die heute, seit der Aufspaltung der Christenheit, bestehende Vielfalt von Bekenntnissen und Religionen. Innerhalb dieser Theologie der Religionen gibt es drei Grundmodelle, die die Frage des Verhältnisses zu den anderen Religionen zu klären beanspruchen.
Der Exklusivismus schließt für andere Religionen den Heilsvermittelnden- bzw. den Offenbarungscharakter deutlich aus. Beispielhaft für diese Haltung war auch die katholische Kirche mit ihrer Lehre. Sie vertrat bis zum zweiten Vatikanischen Konzil die Ansicht extra ecclesiam nulla salus- eine Aussage des Cyprian von Karthago. 3
Das Grundmodell des Pluralismus, deren berühmtester Vertreter John Hick ist, beschreibt eine Vielzahl von Heilswegen, die alle genau gleich zu Gott führen. Hick erklärt sein Werk als kopernikanische Revolution. Dieses Modell besagt, dass das Christentum oder die Kirche nicht mehr in der Mitte stehen und alle Religionen um dieses Zentrum kreisen (=Exklusivismus). Gott ist das Zentrum, um das das Christentum als einer der Planeten kreist. Die absolut transzendente Wirklichkeit selbst offenbart sich in den verschiedenen Religionen, also nicht nur in der Bewegung des Menschen zu Gott hin. 4
Das Modell, welches unter anderem vom zweiten Vatikanischen Konzil vertreten wurde, ist das des Inklusivismus. Er spricht allen Menschen die Möglichkeit zu, das Heil zu erlangen. Auch wenn Jesus Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist, haben andere Religionen bzw. Menschen aber teil an dieser Mittlerschaft. 5 Die Nicht-Christen können das Heil durch die Gnade erlangen, die ihnen durch den Heiligen Geist gegeben worden ist. 6
2 LThK S. 361.
3 Anmerkung.: weitere Dokumente, die sich auf dieses Modell beziehen u.a.: Bulle „Unam Sanctam“ von Papst Bonifatius VIII; Die Bulle Cantate domino (Konzil von Florenz) und die Ansprache Pius IX „Singulari quadam.“
4 vgl. Danz, S. 154ff.
5 vgl. RM 5.
6 vgl. GS 22.
Eine charakteristische Gestalt für die Protestanten ist Karl Barth, für den alle Religionen, außer der Christlichen, ein Bemühen sind, die Gunst Gottes zu gewinnen, also sich selbst zu Gott zu erheben. Somit stellt Religion Unglauben und Sünde dar. 7 In der Offenbarung ist es hingegen Gott, der die Menschen sucht. Das Christentum vereinigt für ihn beide Momente, den der Offenbarung und den der Religion. Alles, was außerhalb des Glaubens an Jesus Christus ist, ist seiner Ansicht nach der Sünde unterworfen.
Jean Danielou, der zwischen dem Übernatürlichem und dem Natürlichen unterscheidet, stand diesen Ansichten auf katholischer Seite gegenüber. Für ihn ist die christliche Religion übernatürlich. Die anderen Religionen betrachtet er als kosmischen Bund also als Vorgeschichte des Heils. Sie würden über ein Wissen von Gott aus ihrer natürlichen Veranlagung heraus verfügen, allerdings noch nicht über die Gnade, die erst durch Jesus Christus in Erfüllung gehe. 8 Der natürliche Glaube ist also hingeordnet auf den übernatürlichen, auf die jüdisch-christliche Offenbarung. Dies spricht eindeutig gegen die Position von Barth. In unseren Tagen wurde die inklusivistische Position maßgeblich von Karl Rahner transzendentaltheologisch begründet und in zahlreichen Artikeln entfaltet.
3. Die Einstellung zum interreligiöse Dialog im Vergleich der katholischen und evangelischen Kirche
3.1 Hans Kessler „Pluralistische Religionstheologie und Christologie - The- senund Fragen“
Hans Kessler, katholischer Professor für Systematische Theologie, beginnt seine Ausführungen unter der Überschrift Pluralistische Religionstheologie und Christologie - Thesen und Fragen, ein Beitrag der zusammen mit anderen in dem Buch Christus allein? von Raymund Schwager erschienen ist, mit eigens erlebten interreligiösen Erlebnissen und Begegnungen, die seinen Umgang mit der Pluralität der Religionen prägten und ihn zu Überlegungen bezüglich dieses Themas anregten.
Er stellt klar, dass ein interreligiöser Dialog nur dann als ehrlicher Dialog, also als Dialog, der nicht nur mit etwaigen strategischen oder taktischen Mitteln die eigene Position zu stärken versucht, angesehen werden könne, wenn niemand mit dem Anspruch beginne, er allein besit-
7 vgl.Barth, KD, 17.
8 vgl. Danielou, S. 126-143.
Arbeit zitieren:
2009, Interreligiöser Dialog, München, GRIN Verlag GmbH
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