Didaktische und methodische Schwerpunkte
Die Klasse Kinderpflege setzt sich aus 27 Schülerinnen 1 und einem Schüler zusammen. Sie befindet sich in der Oberstufe der Kinderpfleger/-innenausbildung. Eine Schülerin in der Klasse hat ein Dauerattest und nimmt nicht aktiv am Sportunterricht teil. Zwei weitere Schülerinnen sind schwanger, nehmen aber, soweit es ihnen möglich ist, derzeit noch am Sportunterricht teil. Gerade im Fach Sport/Gesundheitsförderung ist die Teilnahme der Schülerinnen am Sportunterricht unbeständig, sodass man einen gewissen Anteil von passiven oder nicht anwesenden Schülerinnen einkalkulieren muss.
Die Klasse ist in Bezug auf Leistungsvermögen und soziale Kompetenzen sehr heterogen zusammengesetzt. Im Rahmen der kognitiven Fähigkeiten ist eine geringe Leistungsfähigkeit der Schülerinnen zu beobachten, welche auch auf andere Unterrichtsfächer zu beobachten ist. Um Überforderungen zu vermeiden, ist der Anspruch der Inhalte in kognitiven Phasen gering zu halten, dennoch sind die Schülerinnen zu fordern.
Das Unterrichtsfach Sport/Gesundheitsförderung wird in diesem Bildungsgang zweistündig unterrichtet. Der Schwerpunkt wird in diesem Fach auf die Bewegungserziehung gelegt, welche einen elementaren Bestandteil in der Ausbildung zur Kinderpflegerin darstellt. Das übergeordnete Ziel der Ausbildung ist es, die Schülerinnen zu befähigen, die Gesamtpersönlichkeitsentwicklung des Kindes aktiv zu fördern. Den Richtlinien 2 ist zu entnehmen, dass den angehenden Kinderpflegerinnen viele Anregungen zu vermitteln sind, wie sie die Kinder motivieren sich regelmäßig zu bewegen, um entwicklungs- und altersgerecht Sport zu treiben. Sie sollen zur Bereicherung der Erlebnis- und Bewegungswelt der Kinder beitragen können.
Die Inhalte der Unterrichtsreihe „Entwicklung verschiedener Bewegungsaufgaben zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung von Kindern im Alter von 3-6 Jahren am Beispiel der `motorischen Fähigkeit Kraft`“ sind in der Oberstufe vorgesehen und befinden sich im Lernfeld 3: Erziehungs- und Bildungsprozesse sowie Pflege- und Versorgungshandlungen planen, durchführen und reflektieren. Die Lernsituation „Starke Kinder“ (siehe Anlage 7) bezieht sich auf das Projekt „gesunde kitas starke kinder“. Dieses Projekt wird im Rahmen der „peb -Plattform für Ernährung und Bewegung“ 3 durchgeführt. Die „Plattform Ernährung und Bewegung e.V.“ (peb) bündelt eine Vielzahl gesellschaftlicher Kräfte, die sich aktiv für eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung als wesentliche Bestandteile eines gesundheitsförderlichen Lebensstils bei Kindern und Jugendlichen engagieren. Die Arbeit mit Kindertageseinrichtungen ist ein Handlungsschwerpunkt der „Plattform
1 Im weiteren Verlauf des Entwurfs wird auf die männliche Sprachform verzichtet, wenn sowohl Schülerinnen als auch Schüler gemeint sind, da es sich in der Mehrzahl um weibliche Schülerinnen handelt. Hiermit soll die Lesbarkeit erleichtert werden.
2 Vgl. Lehrplänen zur Erprobung für die zweijährige Berufsfachschule für Sozial- und Gesundheitswesen mit der Fachrichtung Kinderpflege von 2006.
3 Vgl. http://www.ernaehrung-und-bewegung.de/
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Ernährung und Bewegung“. Hier können Präventionsprojekte besonders nachhaltig wirken, da unmittelbar Impulse für den Ernährungs- und Bewegungsalltag der Kinder und der Eltern gegeben werden können. 4
An der Lernsituation „Starke Kinder“ ist neben dem Fach Sport/Gesundheitsförderung das Fach Theorie und Praxis der Gesundheitsförderung beteiligt. Der Bearbeitungszeitraum beträgt jeweils ca. 8 Doppelstunden. Das Fach Theorie und Praxis der Gesundheitsförderung sieht im Kontext dieser Lernsituation, die Themen „Der Bewegungs- und Haltungsapparat und ausgewählte pathologische Veränderungen im Kindesalter“ sowie „Stärkung des Immunsystems durch Bewegung“ vor. In der Unterrichtsreihe „Entwicklung verschiedener Bewegungsaufgaben zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung von Kindern im Alter von 3-6 Jahren am Beispiel der `motorischen Fähigkeit Kraft`“ geht es insbesondere darum, selbstständig Bewegungsaufgaben mit Alltagsmaterialien und Kleingeräten zu entwickeln, um den Kindern verschiedene Bewegungsanlässe zu bieten. Bewegungsaufgaben ermöglichen den Kindern, im Gegensatz zu den meisten Spiel- und Wettkampfformen vielseitige und kreative Lösungsmöglichkeiten zu entdecken. Insbesondere lassen sich Bewegungsaufgaben mit Alltagsmaterialien und Kleingeräten gut in den Kindergartenalltag integrieren, denn sie lassen sich schnell und praktisch umsetzen.
Zur Entwicklung verschiedener Bewegungsaufgaben hatten die Schülerinnen folgende Materialien zur Verfügung: Zeitungen, Bierdeckel, Bank, Seil, Teppichfliese, Decke/ Plane, Reifen und Bälle. Die Schülerinnen bildeten durch die jeweilige Auswahl der Materialien verschiedene Gruppen. Dies hatte den Vorteil, dass die individuellen Interessen der Schülerinnen, ihre Ideen und ihre Kreativität berücksichtigt und unterstrichen wurden. Die Schülerinnen konnten auch verschiedene Materialien bzw. eine Materialkombination wählen. In der letzten Stunde wurden die Bewegungsaufgaben von den Gruppen entwickelt und schriftlich festgehalten.
Um den Bewegungsanteil durch kognitive Anteile nicht zu verringern, wurde im Verlauf der Unterrichtsreihe ein zusätzlicher Termin für eine Theorieneinheit eingeschoben. Die Schülerinnen erarbeiteten sich hier zunächst die Vorteile der Kräftigung ganz allgemein und stellten dann den Zusammenhang von körperlicher Kraft und Selbstbewusstsein heraus. Anschließend haben die Schülerinnen verschiedene Kriterien, die für die Formulierung und Gestaltung offener Bewegungsaufgaben zur Ganzkörperkräftigung bei Kindern zu berücksichtigen sind, erarbeitet. Die erarbeiteten Kriterien für die Bewegungsaufgaben lauten „motivierend“, „kräftigend“ und „kindgerecht“.
In der heutigen Stunde präsentieren die Gruppen ihre in den Stunden zuvor erarbeiteten Bewegungsaufgaben. Um die Bewegungsaufgaben auch angemessen reflektieren zu können, sollen in dieser Stunde zunächst die Gruppen „Bank“ und „Teppichfliesen“ ihre Bewegungsaufgaben der Klasse
4 http://www.ernaehrung-und-bewegung.de/peb.php?view=viewcompiler&id_view=51
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vorstellen. Die Schülerinnen erproben die verschiedenen Bewegungsaufgaben. Während die gesamte Klasse erprobt, sucht sich die vorstellende Gruppe drei Schülerinnen aus, die dann beurteilen, inwieweit die Umsetzung der erarbeiteten Kriterien erreicht wurde, indem jede Schülerin jeweils ein Kriterium an der Zielscheibe (siehe Anlage 5) mit Hilfe von Magneten visualisiert. Die passiven Schülerinnen nehmen eine Beobachterrolle ein und sollen mit Hilfe eines Beobachtungsprotokolls die Bewegungsaufgaben mit den verschiedenen Lösungsmöglichkeiten zur Bewältigung der Aufgabe notieren. Das Sammeln der Bewegungsaufgaben gewährleistet die Sicherung der Inhalte für die spätere Praxisaufgabe im Praktikum. Das Beobachtungsprotokoll wird am Ende der Stunde von der Lehrkraft eingesammelt, um die Inhalte korrigiert an die Schülerinnen weitergeben zu können. Nach jeder Gruppenpräsentation erfolgt eine kurze Reflexion. Hier wird ein Feedback zur Offenheit der Bewegungsaufgabe gegeben und es werden die visualisierten Eindrücke zur Erfüllung der Kriterien kurz reflektiert. Gegebenenfalls werden Alternativen aufgezeigt oder mögliche Materialkombinationen genannt, um die Bewegungsaufgabe motivierender zu gestalten. Der Einsatz von grafischen Darstellungen zur Erarbeitung bietet neben dem Vorteil der Anschaulichkeit die Möglichkeit, Inhalte mit einem geringen Zeitaufwand zu besprechen. Das Ziel der Unterrichtseinheit ist es, am Ende verschiedene Bewegungsaufgaben für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren zu haben, die gut in den Alltag des Kindergartens zu integrieren sind. In Zusammenarbeit mit den betreuenden Praxislehrerinnen, wurde festgelegt, dass die dokumentierte Unterrichtsreihe in einer Praxisaufgabe zur Erprobung und Evaluation von selbsterarbeiteten Bewegungsaufgaben mündet. Des Weiteren können die Schülerinnen die Sammlung der Bewegungsaufgaben für die spätere berufliche Praxis verwenden.
4
Ziele und Kompetenzen
Stundenziel
Die Schülerinnen können Bewegungsaufgaben vorstellen und erproben. Des Weiteren können sie die vorgestellten Bewegungsaufgaben hinsichtlich der Merkmale „motivierend“, „kräftigend“ und „kindgerecht“ bewerten.
Förderung der...
Fachkompetenz
Zu Beginn der Unterrichtsreihe besaßen die Schülerinnen bereits Erfahrungen mit Alltagsmaterialien und Kleingeräten in der Bewegungserziehung. Das Initiieren von Bewegungsanlässen insbesondere durch offene Bewegungsaufgaben war den Schülerinnen bisher nicht bekannt.
Im Verlauf der Unterrichtseinheit haben die Schülerinnen Erfahrungen mit der eigenen Körperkraft gemacht und konnten die Bedeutung körperlicher Stärke für das Selbstbewusstsein erfahren. Zudem lernten die Schülerinnen Kriterien zur Umsetzung von Bewegungsaufgaben und -anweisungen in der Theorie kennen. Die Schülerinnen haben sich ganz konkret mit der Gestaltung und Formulierung von Bewegungsaufgaben zur Ganzkörperkräftigung beschäftigt, dabei hatten die meisten Schülerinnen noch Probleme. In der heutigen Stunde sollen die Kleingruppen ihre erarbeiteten Inhalte vorstellen können. Die Klasse soll die vorgestellten Bewegungsaufgaben hinsichtlich der Offenheit und der festgelegten Kriterien reflektieren können. Zudem sollen die passiven Schülerinnen die Bewegungsaufgaben und insbesondere die Lösungsmöglichkeiten schriftlich festhalten können. In den folgenden Stunden sollen sich die Schülerinnen mit verschiedenen Bewegungsaufgaben zu weiteren motorischen Fähigkeiten auseinandersetzen, um diese in der Praxisaufgabe im nächsten Praktikum erproben und reflektieren zu können
Methodenkompetenz
Zu Beginn der Unterrichtsreihe fiel es den meisten Schülerinnen noch schwer offene und geschlossene Aufgabenstellungen zu unterscheiden. Zudem fällt den Schülerinnen das Vortragen und Anleiten von Gruppen hinsichtlich verschiedener Aufgabenstellungen gerade in der Sporthalle sehr schwer, da es schwierig ist die Aufmerksamkeit der Mitschülerinnen zu gewinnen.
Im Verlauf der Unterrichtsreihe erhielten die Schülerinnen einige Beispiele und machten Erfahrungen mit offenen Bewegungsaufgaben. In der heutigen Stunde sollen die Schülerinnen das Anleiten der selbstständig geplanten Bewegungsaufgaben üben. Außerdem sollen sie lernen, Bewegungsaufgaben mit den selbst erarbeiteten Kriterien einzuschätzen und mit Hilfe einer Zielscheibe zu visualisieren.
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Arbeit zitieren:
Sonja Kellner, 2007, Sport in der Kinderpflege, München, GRIN Verlag GmbH
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