Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
I. Die Romane und der Kulturbetrieb 5
I.1. Unterschiede Parallelen. 12
I.2. Protagonisten, Geld und die Typologie der Autoren. 19
II. Autoren, Geld und autobiographische Aspekte der Romane 21
III. Das Thema des Geldes 26
III.1. Einzelne Protagonisten und ihr Bezug zum Geld. 28
IV. Zusammenfassung 34
V. Anhang 35
V.1. Grafik 35
VI. Literatur 36
VI.1. Primärliteratur 37
VI.2. Sekundärliteratur 37
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Einleitung
Thema dieser Seminararbeit ist das Verhältnis von Geld und Literatur am Beispiel der Romane Illusions perdues (1837-1843) von Honoré de Balzac und Im Schlaraffenland (1900) von Heinrich Mann. Es wird dabei sowohl das Verhältnis der Autoren zum Geld behandelt als auch die Darstellung des Geldes in der Literatur und im speziellen die Darstellung des Verhältnisses von „Geld“ und „Literatur“. Ein wesentliches Augenmerk wird also auf die Ausgestaltung des Kulturbetriebs in den Romanen gelegt, in dem sich die Beziehung von „Geld“ und „Literatur“ besonders aufschlussreich festmachen lässt.
Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen:
Erstens, wird der Kulturbetrieb in den Romanen geschildert wird. Den Begriff Kulturbetrieb verstehe ich hier als weit gefasst, der sowohl den Literaturbetrieb im engeren Sinn als auch den Journalismus und das Theater einschließt. Eine oft angewendete Theorie des Literaturbetriebs hat Pierre Bourdieu in die Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes entworfen, in der man auch die Struktur des kulturellen Feldes innerhalb der Romane wiederkennt. Bourdieu’s bekannte Typologie der Autoren soll in der Seminararbeit auf die sich im Literaturbetrieb zu positionieren versuchende Protagonisten der Romane angewendet werden. Die Typologie von Autoren, die sich im literarischen Feld eine Position suchen, ist bei Bourdieu zweiseitig: Auf der einen Seite gibt es den heteronomen Pol, wo sich Autoren finden, die für schnellen Geldgewinn arbeiten und sich an den Markt bzw. an die Nachfrage anpassen. Sie streichen zwar kurzfristige Gewinne ein, können sich aber langfristig selten eine anerkannte Position innerhalb des Literaturbetriebs schaffen. Auf der anderen Seite gibt es den autonomen Pol, an dem, die sich befindenden Autoren an Werten wie der Autonomie der Kunst orientieren. Am autonomen Pol kann man sich langfristig positionieren, aber man muss meist auf kurzfristige Gewinne verzichten. 1
Zweitens, wird das Verhältnis der Autoren zum Geld betrachtet und ob autobiographische Züge in den Romanen feststellbar sind. Hier erfolgt eine
1 Vgl. Bourdieu, 1999, S. 198ff.
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Bestandsaufnahme der finanziellen Situation der Autoren zum Zeitpunkt des Verfassens der jeweiligen Romane. Außerdem wird erörtert, ob autobiographische Bezüge in den Romanen feststellbar sind.
Drittens, wird das Thema des Geldes in den Romanen behandelt und wie die einzelnen Protagonisten im Bezug zum Geld und dem Umgang mit ihm stehen.
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I. Die Romane und der Kulturbetrieb
Honoré de Balzacs Roman Illusions perdues 2 , entstanden zwischen 1837 - 1843, spielt im Frankreich der Restauration um 1821/1822 und wird innerhalb der Comédie humaine, welche zu den bedeutendsten und einflussreichsten Werken des
Realismus in Frankreich zählt, den Scènes de la vie de province zugeordnet. Mit der Comédie humaine, welche unvollendet blieb, wollte Balzac ein monumentales Werk in Angriff nehmen, in dem das gesamte Gesellschaftsbild Frankeichs seiner Zeit in all ihren Verwerfungen und Widersprüchen widergespiegelt werden sollte. Illusions perdues sind Teil dieses so umfassenden Werks und in diesem Roman beschäftigt sich Balzac vor allem mit den Problematiken des Literaturbetriebs, des Journalismus und den Problemen von Druckereien und Papierherstellung im Kontext des sich herauskristallisierenden kapitalistischen Systems. Dieser Roman ist einer der wichtigsten Beiträge zur Sozialgeschichte der Literatur. Der Roman besteht aus 3 Teilen (1) Die beiden Dichter (2) Ein großer Mann aus der Provinz in Paris (3) und die Leiden des Erfinders.
Hauptfiguren des Romans sind zwei ungleiche Freunde: David Séchard, ein Buchdrucker, welcher nachdem er zu äußerst ungünstigen Bedingungen die Druckerei seines geizigen Vaters übernommen hat und nun an einer Erfindung in der Papierherstellung arbeitet und Lucien Chardon, Sohn eines kleinbürgerlichen Apothekers aus der südfranzösischen Provinzstadt Angoulême, welcher vom Dichterruhm träumt. Lucien ist „von unternehmungslustigem, aber unbeständigen Wesen“ 3 besitzt eine Verwegenheit „die in Widerspruch zu seiner weichen, fast schwächlichen, allerdings auch weiblich anmutenden Haltung stand“ 4 , während David als „ein schwermütiger und krankhafter Geist, der an sich selbst zweifelte“ 5 beschrieben wird und von „kräftige[r] und bäurischen Gesundheit war“ 6 . David verliebt sich Ève, die Schwester von Lucien und Lucien wird von einem Baron in den Salon der Madame Anaïs de Bargeton eingeführt, welcher für ihn zwar den ersten Zutritt zur großen Welt darstellt, aber dies Zutritt gestaltet sich auch schwierig ist, weil
2 (dt. Verlorene Illusionen, 1846) Vgl. Balzac, 2007.
3 Balzac, 2007, S. 45
4 Balzac, 2007, S. 45
5 Balzac, 2007, S. 45
6 Balzac, 2007, S. 45
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er von Anfang an mit einer geschlossenen Gesellschaft konfrontiert ist, die sehr viel Wert auf Adelstitel legt. So heißt es dann:
„Lucien wurde an diesem Abend mit Gewalt und Zwang in die Gesellschaft der Madame de Bargeton eingeführt; aber man nahm ihn wie einen giftigen Stoff auf, den jeder zu entfernen
7 trachtete, in dem er ihn dem Gegenangriff der Impertinenz unterwarf.“
Er nimmt um den Vorurteilen des Landadels zu begegnen das ehemalige Adelsprädikat seiner Mutter an und nennt sich fortan Lucien de Rubembré. Er verliebt sich in die deutlich ältere und intellektuelle Madame Anaïs de Bargeton, was Anlaß zu üblen Nachreden wird und zur Folge hat, dass Lucien und Madame de Bargeton nach Paris gehen. Um nach Paris gehen zu können leiht ihm David, der später Lucien’s Schwester Éve heiratet, Geld.
Der zweite Teil handelt von Lucien’s Erlebnissen in Paris, dem Literaturbetrieb und dem Pressebetrieb. In Paris angekommen lässt Madame de Bargenton Lucien bald fallen, um ihrer gesellschaftliche Stellung nicht zu gefährden. Es fehlt ihm in Ihren Augen in den Kreisen, wo sie sich bewegt, an Haltung. Lucien geht das Geld aus und er versucht vergeblichen einen Verleger für seinen historischen Roman „Bogenschütz Karl IX“ und seine Sonette zu finden. Ein berechnender und geldgieriger Buchhändler will ihm zwar ein Manuskript abkaufen, aber der Preis den er bietet, ist unter jeder Würde. Er lernt den Dichter D’Arthez kennen und schließt sich begeistert dessen Kreis von fortschrittlich-liberalen Intellektuellen an. Dieser Kreis ist gekennzeichnet durch „Elend der äußeren Lebensumstände“ 8 und „Reichtum an geistigen Werten“ 9 . Dieser Kreis verurteilt den Journalismus stark, denn er sei „eine Hölle, ein Abgrund, in dem alle Lügen, aller Verrat, alle Ungerechtigkeiten lauern“ 10 und sie raten Lucien strikt von diesem Weg ab. Hin und her gerissen zwischen dem Wunsch weiter an einem Romanwerk zu arbeiten und dem Wunsch seine Geldprobleme zu lösen und Anerkennung in der Gesellschaft zu finden, entscheidet sich Lucien nachdem er den Journalisten Lousteau besser kennenlernt für den Journalismus im naiven Glauben, er könne sich selber treu bleiben. Er verdingt sich dann als Theater und Literaturkritiker und ist später auch
7 Balzac, 2007, S. 80
8 Balzac, 2007, S. 299
9 Balzac, 2007, S. 299
10 Balzac, 2007, S.311
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gezwungen das erste Buch seines ehemaligen Freundes, dem Dichter D’Arthez zu kritisieren.
Er gerät immer tiefer in die Intrigen des Journalismus hinein, auch wenn er als einflussreicher Journalist gut bezahlt ist und Zutritt zur gehobenen Pariser Gesellschaft erlangt. Er wechselt zur Parteizeitung der Royalisten in der Hoffnung so leichter die legale Rückgewinnung seines Adelsprädikats durchsetzen zu können. Außerdem macht er Schulden und spielt. Die Schauspielerin Coralie, seine Geliebte, unterliegt währenddessen den Machenschaften ihrer Konkurrentinnen beim Theater und stirbt. Wegen seines aufwendigen Lebens völlig verschuldet, ohne Aussicht auf entsprechende Einkünfte droht er zu verarmen. Um seine Schulden zu begleichen, fälscht er Wechsel seines Schwagers David, wodurch er diesen und seine Schwester mit ins Unglück reißt, wie er dann nach seiner Rückkehr nach Angoulême erfährt.
Im dritten Teil erscheint Lucien mehr als Nebenfigur, und die wichtigste Rolle spielt David und seine Verwickelungen in die Druckereigeschäfte, welche sich aufgrund der Konkurrenz als schwierig gestalten. David hat die Druckereigeschäfte Ève überlassen, die durch die Brüder Cointet, die Besitzer der Konkurrenzdruckerei, in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Der geizige Vater Davids weigert sich ihnen zu helfen und David wird durch eine Ungeschicklichkeit Lucien’s in Schubhaft genommen und muss die Rechte an seiner Erfindung an die Konkurrenz verkaufen. Lucien fühlt sich schuldig und will Suizid begehen, doch er wird vom dem spanischen Abbé Carlos Herra angesprochen, der ihm Geld anbietet, wenn er diesem blind gehorche. Das Geld kommt für David jedoch zu spät, aber immerhin können David und Ève auch nach dem Verkauf des Druckereipatents so den Rest ihres Lebens gesichert auf einem Landgut verbringen. Die sich anschließenden Ereignisse im Leben Luciens werden in dem Roman Glanz und Elend der Kurtisanen 11 erzählt.
11 Original: Splendeurs et misères des courtisanes, Roman, erschienen 1838-44. In diesem Roman, der die Fortsetzung von Illusions perdues darstellt, übt Balzac wieder Gesellschaftskritik, vor allem am aufstrebenden Bürgertum. Inhaltlich geht es darum, dass Lucien nach Paris zurückgekehrt ist und das Vertrauen der Gesellschaft zurückgewinnt und beabsichtigt Clothilde von Grandlieu zu heiraten. So könnte er Botschafter werden und den Titel des Marquis tragen. Anstifter dazu ist ein spanische Abbé, der in Wirklichkeit ein Krimineller ist und mit dem er am Ende von dem Roman Illusions perdues einen Bund geschlossen hatte, für Geld und Erfolg diesem Abbé zu gehorchen. Ein Baron und vermögender Bankier verliebt sich in eine Kurtisane mit der Lucien ein Verhältnis hat und dies nützt der angebliche spanische Abbé aus um diesen Baron zu erpressen, da noch Geld für die Hochzeit mit Clothilde benötigt wird. Nachdem die Polizei dies aufdeckt, verübt Lucien Suizid. Auch die Kurtisane, die vom Baron einen Palast geschenkt bekam und nun wieder ihr früheres Leben führen muss, verzweifelt und vergiftet sich. Als der angebliche spanische Abbé vom Suizid Luciens erfährt, beschließt er sich von nun an in den Kampf gegen die korrupte Gesellschaft zu involvieren und deckt ein Verbrechen des Chefs der Polizei auf und wird dessen Nachfolger. Vgl. Balzac, 2009.
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Am aufschlussreichsten spiegelt sich das Pariser Literaturleben zur Zeit der Restauration im zweiten Teil des Roman, in dem Balzac auf mehr als 300 Seiten Balcac ergiebig und nüchtern den Buchhandel, das Verlagswesen und das Funktionieren des Massenmediums Zeitung beschreibt. Er beschreibt wie in den Redaktionen die Aufträge nach Kriterien der Lukrativität verteilt werden und wie man Buchkritiken nach Absprachen reguliert, wie ein schlechtes Theaterstück zum Erfolg werden kann, wenn die Kritik dies wünscht und allgemein was zu tun ist, damit die Presse das schreibt, was die Mächtigen wünschen. Das gesamte Pressesystem ist durchsetzt von materiellem Interesse. Aber auch der Buchhandel und das Geschäft mit dem Verlegen ist geprägt von einer Gewinnorientierung, die meist kurzfristig ausgerichtet ist und gerade die Werke zum Publikum bringt, welche dem gerade vorherrschenden Geschmack entsprechen und nicht jene welche neue künstlerische Formen etablieren könnten, da diese kurzfristig finanziell risikoreicher sind. Balzac beschreibt in diesem Abschnitt des Romans aber auch die Entstehung eines neuen Typs von Erfolgsschriftsteller: den Feuilletonisten, zu denen Balzac auch selbst gehörte. Die Beschreibungen sind dabei äußerst genau, zahlreiche Angaben zu Kosten und Preisen werden genannt, und die Machenschaften, die Balzac als Journalist und Schriftsteller aus eigener Erfahrung kannte, werden bis ins kleinste Detail beschrieben.
Heinrich Manns Roman Im Schlaraffenland. Ein Roman unter feinen Leuten 12 spielt in Berlin 1893, wie auf der ersten Seite des Romans vermerkt ist. Dort ist es wo Zumsee Fuß fassen möchte, um eigentlich journalistisch tätig zu sein, was laut dem Schriftsteller Köpf, eine Leichtigkeit darstellt, denn „oh, was das anbelangt, man wird überall mit offenen Armen aufgenommen“ 13 und er vermittelt ihn gleich weiter ins Café Hurra, wo sich Mitarbeiter angesehener Zeitungen tummeln. Dort zeigt sich gleich das wahre Gesicht, denn der dort verkehrende Doktor Libbenow, gibt gleich zu Beginn zu verstehen, dass er seit zehn Jahren kein Buch gelesen hätte und „man dies als beachtenswerte Leistung zu halten [schien]“ 14 und auch Andreas bewundert diesen auch wenn er sich über diese Aussage wundert.
12 Mann, 1977.
13 Mann, 1977, S. 8
14 Mann, 1997, S. 9
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Arbeit zitieren:
Verena Wiesner, 2010, Geld und Literatur am Beispiel der Romane "Im Schlaraffenland" von Heinrich Mann und "Illusions perdues" von Honoré de Balzac, München, GRIN Verlag GmbH
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