Inhaltsverzeichnis
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis III
1. Problemstellung 1
2. Selbstverwaltung und Korporatismus im Gesundheitswesen 2
2.1. Die Bedeutung im Gesundheitswesen 2
2.2. Neustrukturierung der Selbstverwaltung in der GKV 4
3. Die Auswirkungen der jüngsten Gesundheitsreformen hinsichtlich des
korporatistischen Gedankens auf ausgewählte Regulierungsfelder 5
3.1. Die ambulante Versorgung 6
3.2. Die integrierte Versorgung 7
3.3. Die Hilfs-, Heil- und Arzneimittelversorgung 8
3.4. Die stationäre Versorgung 10
3.5. Fazit 10
4. Der Trend zur Dekorporatisierung von Akteursbeziehungen
aus Sicht des Patienten 11
4.1 Der Patient im Gesundheitswesen 11
4.2 Die Vorteile 13
4.3 Die Nachteile 14
4.4 Fazit 15
5. Schlussbetrachtung 16
Literaturverzeichnis 17
- II -
1. Problemstellung
In Deutschland wird im Gesundheitswesen das System der „Selbstverwaltung“ angewendet, welches dem Korporatismus zugeordnet wird. Der Korporatismus charakterisiert ein Modell, bei dem Verbände politische und ökonomische Interessen vertreten. Sie versuchen ihre Anliegen in Verhandlungen und mittels Kollektivverträgen zum Ausgleich zu bringen. 1 Es wird ein Zusammenspiel zwischen Regierung, Parteien und den Interessengruppen beschrieben, mit dem Ziel Konflikte zu mildern und den Staat zu entlasten. Kennzeichnend für den Korporatismus ist die begrenzte Anzahl von Zwangsverbänden, welche fest vorgeschrieben sind und oft auf staatlicher Gründungsinitiative basieren. Es liegt eine hierarchische Struktur ohne Wettbewerb vor. 2 Dieses nicht auf Wettbewerb ausgerichtete System ist vor allem hinsichtlich des Kriteriums der Wirtschaftlichkeit wenig zielführend. Dies kann anhand des deutschen Gesundheitswesens eindrucksvoll nachvollzogen werden, dessen Kosten aufgrund des demographischen Wandels und des technischen Fortschritts stetig anstiegen. Die Lösungen, welche diesen Kostenzunahmen zumeist entgegengesetzt wurden, bezogen sich einzig auf Leistungskürzungen und Einführung oder Erhöhung von Zuzahlungen für die Patienten. Um das Gesundheitssystem effizienter zu gestalten, braucht es allerdings einen Paradigmenwechsel im Gesundheitsbereich, der auf Strukturveränderungen setzt. Das im Jahr 1993 beschlossene Kassenwahlrecht sollte hier eine Trendwende einläuten. Erstmals wurde damit Wettbewerb ins System gebracht. Dieser Weg wurde im weiteren Zeitverlauf und wird mittels der jüngsten Gesundheitsreformen - aufgelistet in Tabelle 1 - fortgesetzt.
Tabelle 1: Die jüngsten Gesundheitsreformen
Eigene Darstellung Quelle: Runde, A.: 2009, S. 99f
Sie beinhalten eine Vielzahl von institutionellen und leistungsrelevanten Veränderungen für Versicherte, Krankenkassen und Leistungserbringer. 3 Durch eine Erweiterung des Wettbewerbes, besonders im Bereich der Leistungserbringer soll eine Verbesserung der Versorgung und mehr Transparenz im Gesundheitswesen geschaffen werden. Inwieweit der
1 Vgl. Schroeder, W., Raquet, R.: 2009, S. 325
2 Vgl. Runde, A.: 2009, S. 61
3 Vgl. Schroeder, W., Raquet, R.: 2009, S. 22
- 1 -
Wettbewerbsmechanismus des Gesundheitssektors durch diese Reformen weiter ausgebaut werden konnte und ob es in Folge zu einer Schwächung oder Stärkung des Korporatismus kommt, wird in der vorliegenden Hausarbeit dargelegt.
In Kapitel zwei wird zunächst die Bedeutung des Korporatismus im Gesundheitswesen erläutert sowie gegenwärtige Strukturveränderungen beschrieben. Kapitel drei befasst sich mit den Auswirkungen der jüngsten Gesundheitsreformen im Gesundheitswesen auf ausgewählte Regulierungsfelder hinsichtlich des korporatistischen Konzeptes. Hierbei wird Bezug auf die Aussagen Thomas Gerlingers genommen, welcher zur vorangegangenen Thematik von einer „regelrechten Dekorporatisierung“ spricht. In Kapitel vier wird die Rolle des Patienten im Gesundheitssystem kurz erläutert sowie die Vor- und Nachteile, die sich für ihn aus der aktuellen Entwicklung ergeben, skizziert. Die Hausarbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der die wichtigsten Aussagen kurz und prägnant zusammengefasst werden.
2. Selbstverwaltung und Korporatismus im Gesundheitswesen
2.1. Die Bedeutung im Gesundheitswesen
Das gesamte deutsche Gesundheitssystem ist nach dem Grundsatz der Selbstverwaltung organisiert. Mittels verpflichtungsfähiger Interessensverbände werden in Kollektiv-verhandlungen verbindliche Vereinbarungen über den Preis, die Qualität sowie die Art der medizinischen Leistung getroffen. Der Staat delegiert seine Handlungskompetenzen im Gesundheitswesen demnach an von ihm festgelegte Verbände. 4
Kriterien der Selbstverwaltung sind die Pflicht zur Mitgliedschaft und die Erledigung öffentlicher Aufgaben durch öffentlich-rechtliche Körperschaften. 5 Es werden im Gesundheitswesen drei Bereiche der Selbstverwaltung unterschieden. Hierbei sind unterschiedliche Verbände mit jeweils differierenden Aufgaben betraut. Einen kurzen Überblick dazu liefert die folgende Abbildung.
4 Vgl. Gerlinger, T.: 2002, S. 42
5 Vgl. Preusker, U.: 2008, S. 146
- 2 -
Abbildung 1: Die drei Bereiche der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen
Eigene Darstellung Quelle: Preusker, U.: 2008, S. 146
Zwei bedeutende Merkmale im System der Selbstverwaltung sind die Kollektivverträge und der Kontrahierungszwang. Kollektivverträge sind öffentlich- rechtliche Verträge, die zwischen den Verbänden der Krankenkassen und den Spitzenverbänden der Leistungserbringer im jeweiligen Sektor „gemeinsam und einheitlich“ geschlossen werden. 6 Unter Kontrahierungszwang versteht sich die Verpflichtung zum Abschluss eines Vertrages. Zum Einen sind die Krankenkassen dadurch zur Aufnahme aller Mitglieder verpflichtet, unabhängig vom Gesundheitszustand jener. Zum Anderen dürfen bei gesetzlich zugelassen Leistungserbringern die Kassen ein Vertragsangebot nicht zurückweisen. Die Zulassungen und die dahinter stehenden Kollektivverträge sind für alle Krankenkassen verbindlich. 7 Die Kassen können daher keine individuellen sowie kostengünstigeren und effektiveren Versorgungsformen wählen. Des Weiteren sind einzelne Ärzte und Krankenhäuser nicht ermächtigt mit den einzelnen Krankenkassen Verträge zu schließen. Die wichtigsten Elemente für den Wettbewerb - die Auswahl zwischen qualitativ hochwertigen und preislich günstigen Leistungsanbietern - stehen den Kassen somit nicht zu Verfügung. Damit wird das Kernproblem der korporatistischen Koordination im deutschen Gesundheitswesen verdeutlicht. 8 Mit den jüngsten Gesundheitsreformen wurden in einigen Sektoren Änderungen getroffen, die direkte Konsequenzen auf den bis dahin sehr ausgeprägten Korporatismus haben. Welche Konsequenzen dies sind und inwieweit sich diese auswirken, wird in Kapitel 3
6 Vgl. Preusker, U.: 2008, S. 332
7 Vgl. Runde, A.: 2009, S. 106f
8 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: 2000, S. 22
- 3 -
Arbeit zitieren:
Anne Wittig, 2009, Korporatismus im Gesundheitswesen, München, GRIN Verlag GmbH
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