W 20 Zivilgesellschaft Universitätslehrgang Politische Bildung (MS)C
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis............................................................................................................................. 1
1 Erste Schritte 2
1.1 Kroatien als Teil der Habsburger Monarchie. 3
1.2 Ansätze einer bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert. 3
1.3 Kroatien 1918 bis 1945. 5
1.3.1 Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) 5
1.3.2 Königreich Jugoslawien 6
1.3.3 Unabhängiger Staat Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska NDH) 6
1.3.4 Ziviler (?) Widerstand 1918 - 1945. 7
2 Ein langer Weg 9
2.1 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (SFRJ) 9
2.1.1 Erste zivile Keime - „Kroatischer Frühling“ - im Keim erstickt. 10
2.2 Der Zerfall Jugoslawiens 13
2.2.1 Kroatiens Weg zu einem unabhängigen Staat 13
2.2.2 Noch zuwenig Zivilgesellschaft - eine Ursache des Zerfalls 14
2.3 Die Republik Kroatien im Krieg (1991/92 - 1995) 17
2.3.1 Ziviles (Über-)Leben 18
2.3.2 Das Recht auf unabhängige Information 21
3 Noch nicht in der Zielgerade. 23
3.1 Die Ära Tuđman nach dem Krieg (1995 - 1999) 23
3.2 Neue Aufgaben für eine Zivilgesellschaft für das 21. Jh. 24
4 Zivilgesellschaft in Kroatien - Gegenwart und Zukunft. 29
Literaturverzeichnis. 34
Quellenverzeichnis 36
Abbildungsverzeichnis 36
Mag a Dr in Gertraud Wagenhofer
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1 Erste Schritte
Kroatien war seit dem 8. Jh. in zwei Bereiche geteilt, die auch heute noch existieren und unter verschiedensten kulturellen und politischen Einflüssen standen: Slawonien und Dalmatien. 925 wurde Kroatien (bis auf Istrien) unter Tomislaw ein Königreich, das bis 1102 existierte. Slawonien war von 1102 bis 1526 mit Ungarn in Personalunion vereinigt. Dalmatien wurde 1409 vom Ungarischen König an Venedig verkauft, den Küstenstädten wurde eine gewisse Autonomie gewährt, wenngleich das Stadtoberhaupt immer Venezianer war. Dies führte dazu, dass vor allem die Küstenstädte eine eigene Kultur entwickelten. Dubrovnik 1 war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ein starker, unabhängiger Stadtstaat und nimmt auch bis heute nicht nur als UNESCO-Weltkulturerbe eine besondere Rolle in Kroatien ein, auf die die Dubrovniker Bürger/innen sehr stolz sind. In den dalmatinischen Städten entwickelte sich aus der Struktur von Handels- bzw. Stadtstaaten ein deutliches bürgerliches Bewusstsein.
1 Exkurs: Dubrovnik ein Sonderfall? Weil die Kultur noch am Leben ist ...
Im 16. Jh. war Dubrovnik eine wirtschaftlich bedeutende Stadt. Es hatte ein Netz von Konsulaten bis Spanien und Portugal und ans Schwarze Meer. Im 17. Jh. wurde das Hinterland osmanisch, sowohl die Zufuhr von Waren als auch die Absatzmärkte gingen verloren, ein Erdbeben zerstörte die Altstadt und Split wurde zunehmende Konkurrenz. Dennoch blieb die patrizische Stadtverfassung aus früheren Zeiten bis in die napoleonische Zeit, ein selbstbewusstes Bürgertum bis heute erhalten.
1986 Frauensymposion des Inter-University-Centre of Dubrovnik: Thema sind Fragen der weiblichen Ästhetik in der Literatur:
„Die Tagungsfragen hatten die Wände der Seminarräume in der Frana Bulića 4 nicht sprengen können. Verdrossen hingen sie herum, theorielastig und dem Ansturm von Dubrovniks Vitalität nicht gewachsen. Das Ereignis war - die Stadt“ (Rakusa 2008, S. 74).
Dubrovnik wurde 1991 drei Monate belagert und stellte als UNESCO-Weltkulturerbe eine Besonderheit dar, weil die Weltöffentlichkeit dieser Stadt mehr Aufmerksamkeit schenkte als anderen, zB Vukovar. Einen Beitrag dazu leisteten auch die Intellektuellen, die schon im November 1991 mit der Zeitschrift „Glaz iz Dubrovnika -The Voice from Dubrovnik“ die Weltöffentlichkeit auf die prekäre Situation der Bewohner aufmerksam machten. Auch wurde versucht, kulturelle Angebote zu organisieren, um ein Zeichen für die Unbesiegbarkeit der kroatischen Kultur, der ja die Angriffe symbolhaft galten, zu setzen:
„Kultur, durchsetzt mit nationalistischer Propaganda, wurde von den Intellektuellen als Überlegensstrategie für die Einheimischen und als sichtbares Zeichen des Widerstandswillens der Weltöffentlichkeit präsentiert“ (Derler 2002, S. 89).
Ernst Molden zeigt in seinem literarischen Essay auch dieses kulturelle Leben, das alle schweren Zeiten überdauert hat, auf: „Sie haben ja Glück mit ihrem Besuch. Man spürt ja kaum noch etwas vom Krieg. Weil die Kultur noch am Leben ist. Das ist das Entscheidende. Die Kultur ist wie der Puls.“ (Molden 1994, S. 101f). Kunst und Krieg sind auch 1994 nicht trennbar, die Erfahrungen der Belagerung (Igor Štiks 2008 thematisiert Ähnliches für Sarajewo) spielen auch in die Kunst hinein. Mag a Dr in Gertraud Wagenhofer 2/37
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1.1 Kroatien als Teil der Habsburger Monarchie
Im restlichen Kroatien allerdings herrschte die feudale Ordnung vor. Nach der Schlacht bei Mohács wurden die Habsburger Könige von Ungarn, und damit auch von Kroatien. Um das Gebiet vor osmanischen Angriffen abzusichern, wurde im späten 15. Jh. die kroatische Militärgrenze 2 geschaffen, die bis 1882 als politische Einheit existierte und hauptsächlich von Serben besiedelt wurde. Sie umfasste Gebiete, die im Krieg 1991-1995 der SRK angehörten. Erst mit dem Frieden von Karowitz 1699 nahmen für die Kroaten die Kämpfe zwischen dem Habsburgerreich und den Osmanen, die größtenteils auf dem Balkan geführt wurden, ein Ende. 1723 wurde Kroatien mit Ungarn vereinigt, nach dem Brand von Varaždin, das kurzfristig zur faktischen Hauptstadt des Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien aufgestiegen war, übernahm Zagreb die Funktion als Ratssitz.
Kurzzeitig stand ein Teil Kroatiens als „Illyrien“ unter napoleonischer Herrschaft und sowohl die Militärgrenze als auch Zivilkroatien sowie Dubrovnik und Istrien etc. unter einer gemeinsamen Verwaltung. Nach den napoleonischen Kriegen kamen Istrien und Dalmatien unter österreichische Verwaltung, während der Rest unter ungarischer Herrschaft blieb. Oft wurden die Kroaten von den Habsburgern in den Auseinandersetzungen mit Ungarn als kaisertreue Untertanen instrumentalisiert.
1.2 Ansätze einer bürgerlichen Gesellschaft im 19. Jahrhundert
Eine „Refeudalisierung“ (Gross 1993, S. 11) prägte im 17./18. Jh. das östliche Mitteleuropa sowie Südeuropa, so dass das ständisch-feudale System auch in Nordkroatien bis 1848 erhalten blieb. So gab es - anders als in West- und Mitteleuropa im Zeitalter der Aufklärung und der Industrialisierung - nur eine sehr eingeschränkte Möglichkeit zur Entwicklung einer bürgerlichen Gesellschaft, vor allem durch die „lang andauernde systematische Verhinderung der Modernisierung in der Militärgrenze durch die Spitzen der Armee“ (Gross 1993, S. 12). Der kroatische Feldherr und Ban Jelačić, heute noch kroatischer Volksheld, der für die
2 Im 17. Jh. wanderten Tausende serbischer Familien mit dem Patriarchen von Peć, Arsenije III., auf habsburgisches Gebiet, Leopold I. sicherte ihnen kirchliche und nationale Selbstverwaltung. Die einen ließen sich in der heutigen Vojvodina nieder, andere wurden Wehrbauern, die vor allem an der so genannten Militärgrenze (Krajina) angesiedelt wurden und dort bis in die 1990er Jahre die serbische Mehrheit in Kroatien bildeten (vgl. Bremer, S. 15). Die Militärgrenze unterstand direkt der militärischen Verwaltung des Habsburgerreiches, so dass, anders als in „Zivil-Kroatien“, die traditionellen Feudalstrukturen (Banschaften) keine Bedeutung hatten und sich auch eine andere Kultur entwickelte. Mag a Dr in Gertraud Wagenhofer 3/37
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Einigung Kroatiens steht, ermöglichte durch seine Teilnahme an der Niederschlagung der bürgerlichen Revolution in Wien im Oktober 1848 und dem anschließenden Sieg über die ungarischen Aufständischen den Neoabsolutismus. Im Rahmen der Schaffung der Doppelmonarchie 1867 blieb der Großteil Kroatiens bei Ungarn, während Dalmatien, die Adriaküste von Karlobag bis Rijeka sowie Istrien der österreichischen Reichshälfte zugeschlagen wurden, ohne den Vereinigungswünschen der Kroaten Rechnung zu tragen.
Habsburgermonarchie gesellschaftlich veränderten, war davon in Kroatien (mit Ausnahme der Adriaküste) wenig zu spüren. Zu stark war noch immer der feudale Einfluss, zu wenig stark die Wirtschaft und damit die inneren Modernisierungskräfte. Die Zeit nach 1850 beeinflusste zwar die bürgerlichen Gruppen und Intellektuellen in ihrer Orientierung, aber selbst in der Gründerzeit vor 1873 konnten keine deutlichen Modernisierungsschritte aktiviert werden. Es fehlte ein einheitlicher Markt, Geld, ein modernes Schulwesen sowie Infrastruktur und „vor allem eine Eisenbahnverbindung Ost-West als Voraussetzung für weltmarktorientierte Agrarproduktion sowie kulturelle und politische Kommunikation“ (Gross 1993, S. 13). Daher entstand auch in den gebildeten Schichten, die Träger einer liberalen, bürgerlichen Gesellschaft hätten sein können, die Idee, dass nur der Nationalstaat die Voraussetzung des Fortschritts sein könne, alles andere würde zum Untergang Kroatiens führen. Das Bürgertum Kroatiens war entweder traditionelles Stadtbürgertum (kleine Händler und Handwerker) oder ein neues Bürgertum, das sich als Klasse zwischen Bauern und Adel definierte, jedoch aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse keine Bourgeoisie herausbildete. Bildungsbürger war ganz anders als im westlichen Mitteleuropa nur eine kleine Gruppe von Intellektuellen, die Liberalismus über Nationalismus vermittelte. Von der Herausbildung einer bürgerlichen Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. Jh. kann für Kroatien nur in einem sehr eingeschränkten Rahmen gesprochen werden: „Das Vordringen der bürgerlichen Leitbilder geschah eher langsam [war] noch sehr bescheiden [erreichte] aber im Laufe der Zeit immer mehr Ähnlichkeit mit den Vorbildern der ‚Kernländer’ Europas“ (Gross 1993, S. 15).
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Vor allem Kultur war wichtig für das Selbstverständnis des kroatischen Bürgertums, war allerdings als Hochkultur aufgrund der sozialen und gesellschaftlichen, aber auch der traditionellen bäuerlichen und modernen städtischen Gegensätze eher exklusiv, so dass an ihr nur wenige städtische Intellektuelle, die die Modernisierung über die nationale Einigung 3 vorantreiben wollten, teilhatten und kleinbürgerliche und bäuerliche Schichten lange Zeit nicht teilnehmen konnten, was wiederum zur Spaltung zwischen diesen Gruppen und zum Hemmnis einer liberalen Modernisierung wurde.
1.3 Kroatien 1918 bis 1945
Bereits während des Ersten Weltkriegs kommt es am 20.7.1917 auf Korfu zwischen Nikola Pašić (serbische Regierung) und Ante Trumbić (Vorsitzender des „Südslawischen Ausschusses“ mit Sitz in London auf Seiten der Alliierten) zur Einigung über einen neuen Staat
Abbildung 3: Jugoslawisches Territorium vor der Vereinigung 1918 (Kind 1994, S. 42f).
Nach dem Ersten Weltkrieg sind die Serben die Siegermacht, Slowenen und Kroaten auf Seiten der Verlierer, die Serben sehen sich als Befreier.
1.3.1 Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS)
Am 1.12.1918 proklamiert Thronfolger Alexander Karađorđe das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Ein Völkergemisch entsteht als künstliches Gebilde, das vollkommen unterschiedliche historische Erfahrungen, Traditionen und Religionen hat: „Deshalb verband sich die Vorstellung von Kroatentum in der Folge eng mit der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Das galt vor allem für Bosnien-Herzegowina, aber auch für
3 Beispielhaft dafür sind die Ideen des (serbischen) Illyrismus von 1830 - 1850 (vgl. Frangeš 1995 und Libal 1993) und daraus entstehenden kroatischen Nationalismus eines Antun Starčević oder der Jugoslawismus, zB Bischof Josip Strossmayer will einen südslawischen Staat (inkl. Serben ), gegen Österreich-Ungarn gerichtet mit dem Zentrum Agram (Zagreb), auch Strossmayers Einsatz für eine eigenständige slawische Liturgie (vgl. Cavalieri 1994, S. 10). Mag a Dr in Gertraud Wagenhofer 5/37
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Dalmatien, wo sich bedingt durch die unterschiedliche Entwicklung zunächst durchaus ein eigenes pränationales Bewusstsein herausgebildet hatte, das sich vom kroatischen unterschied“ (Bremer, Th. 2003, S. 20).
Bereits 1920 gibt es bei der Konstituante schwere Auseinandersetzungen zwischen Serben und Kroaten, daran zerbricht schließlich das Königreich SHS. In 10 Jahren Königreich SHS gibt es 30 Kabinette, keine innenpolitische Stabilität, Radikalisierung zwischen Serben und Kroaten, nach einem Attentat im Belgrader Parlament 1928 wird die Kluft unüberbrückbar. Am 30.12.1928 löst der König das Parlament auf und wird per Gesetz alleiniger Träger der Macht. Auf Basis des Staatschutzgesetzes werden fast alle Parteien, Bezirks- und Gemeindeverwaltungen aufgelöst, die Zensur wird eingeführt, regionale Strukturen zentralisiert.
1.3.2 Königreich Jugoslawien
1929 wird durch einen Staatsstreich die Diktatur unter dem Namen „Königreich Jugoslawien“ begründet. Ministerpräsident und Außenminister wird General Peter Žinković und regiert brutal bis 1932. Historische Grenzen und Traditionen werden total zerschnitten. Es herrscht ein Polizeiregime, keine Bürgerrechte, Folter, brutale Verhörmethoden, Sondergerichte gegen Kommunisten, Gewerkschafter, kroatische und mazedonischen Nationalisten und ehemalige Parteiführer. „Auch auf der Straße wird straflos gemordet, und obwohl die Mörder bekannt sind, werden sie nicht gestellt“ (Libal 1993, S.29). Ante Pavelić kommt aus der kroatischen Rechtspartei, die 1918 den SHS-Staat ablehnt und eine eigenständige kroatische Republik unter Vereinigung aller kroatischen Gebiete anstrebt. 1928 gründet er die „Revolutionäre Kroatische Aufstandsorganisation“, kurz „Ustaša“ (Libal 1993, S.30) und ist vom Exil aus für das Attentat auf König Alexander in Marseille 1934 verantwortlich. 1939 kommt es zum Ausgleich zwischen Belgrad und Zagreb, dem „Sporazum“ (Libal 1993, S. 37). 1939-1941 bemüht sich Jugoslawien um gute Beziehungen überall hin, auch zu Mussolini und vor allem Hitler, tritt aber dem Antikommintern-Pakt nicht bei.
1.3.3 Unabhängiger Staat Kroatien (NDH)
1941 verlangt Hitler den Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt, Prinzregent Paul will trotz Beitritts Jugoslawien aus dem Krieg heraushalten. 1941 kommt es zu einem Putsch, die Regierung wird gestürzt, der Prinzregent abgesetzt. Hitler eröffnet am 6.4.1941 ohne Kriegserklärung das Bombardement auf Belgrad, am 10.4. erfolgt der Einmarsch in Zagreb. Am 17.4.1941 kapituliert die jugoslawische Armee (750.000 Mann), das Königreich Ju-
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goslawien existiert nicht mehr. Das Land wird aufgeteilt, ein blutiger Bürger- und Religionskrieg mit 1,7 Mio. Toten (10% der Bevölkerung) ist die Folge.
Die Ausrufung des Unabhängigen Staates Kroatien (Nezavisna Država Hrvatska) durch Gefolgsleute des Ustaša-Führers Ante Pavelić erfolgt am 12.4.1941, drei Tage später kommt Pavelić aus dem Exil und erklärt sich zum Poglavnik (Führer) des neuen Staates. Mussolini macht Aimone, den Herzog von Spoleto, zu König Tomislav II. 4 und schafft so ideologisch einen Bezug zum mittelalterlichen Königreich des 10. Jahrhunderts.
1.3.4 Ziviler (?) Widerstand 1918 - 1945
In der Zeit zwischen 1918 und 1945 gibt es in Kroatien, ähnlich wie in anderen europäischen Staaten, große Probleme mit der Demokratisierung. Schnell münden Konflikte in einem Bürgerkrieg. Zudem können die Kroaten (wie auch die anderen Staatsbürger des SHS-Staates und des Königreichs Jugoslawien) auch keine republikanische Erfahrung machen, weil sie von einem Königreich (Habsburger Monarchie) in das nächste übertreten müssen. Die Zeit ist geprägt von Krisen und politischen Attentaten, sicherlich ein Ausdruck der Unzufriedenheit und des Veränderungswillens Einzelner und weniger Gruppen, jedoch diese als Ausdruck von Zivilgesellschaft zu sehen, erschiene mir doch sehr gewagt. Sowohl das Königreich als auch der NDH-Staat bemüht sich, keine bürgerliche (staatsbürgerliche) Gesellschaft aufkommen zu lassen, sondern Untertanen zu schaffen, wie auch der Rückgriff auf den kroatischen mittelalterlichen Feudalstaat zeigt. Wer Kritik am System öffentlich kundtut, wird vernichtet, sowohl unter dem Terrorregime des MP Žinković als auch unter dem des Poglavnik Pavelić. In diesem Mangel, weil ein Aufbau weder in der Monarchie noch nach dem Ersten Weltkrieg richtig gelingen konnte, liegt auch eine Ursache für den schnellen Zerfall des ersten Jugoslawien 1941. In der Zeit von 1918 bis 1941 entwickeln die Staatsbürger aufgrund der extremen nationalen bzw. religiösen Konflikte zwischen Serben und Kroaten kein Gemeinschaftsgefühl, sie sind nach den Auseinandersetzungen ausgehöhlt, daher kommt es
4 dieser betritt sein Reich aber nie, sondern überlässt Pavelić und der Ustaša die Macht.
5 kroatisches Parlament Mag a Dr in Gertraud Wagenhofer 7/37
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MSc Mag. Dr. Gertraud Wagenhofer, 2009, Zivilgesellschaft - Entwicklung und Beschaffenheit einer Zivilgesellschaft in Kroatien, München, GRIN Verlag GmbH
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