Kontext menschlicher Entwicklung 1
- Die ökologische Perspektive -
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. Seite 2
2. Ein Zugang zum Kontext der menschlichen Entwicklung. Seite 3
3. Der ökologische Ansatz nach Bronfenbrenner. Seite 4
3.1. Grundbegriffe. Seite 4
3.2. Das ökologische System. Seite 7
3.2.1. Das Mikrosystem. Seite 7
3.2.2 Das Mesosystem. Seite 8
3.2.3. Das Exosystem. Seite 8
3.2.4. Das Makrosystem. Seite 9
3.2.5. Das Chronosystem. Seite 9
3.3. Die Bedeutung des ökologischen Ansatzes. Seite 10
4. Schlussbetrachtung. Seite 11
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Jeder Mensch hat sich entwickelt, entwickelt sich im Moment und wird sich auch im Laufe seines Lebens weiter entwickeln. Es sollte jedem Menschen ein Anliegen sein, sich weiter zu entwickeln. Daher stellt sich die Frage, ob wir selbst etwas dazu tun können, um uns weiter zu entwickeln. Als Mitmenschen sind wir bereit, die Entwicklung unserer Partner zu fördern und möchten sie vielleicht sogar vorhersagen. Noch stärker am Verständnis der Entwicklungsprozesse sind Jene interessiert, deren beruflichen Bereich es ausmacht, Entwicklung zu steuern, zu unterstützen oder gewisse Entwicklungen zu verhindern. Viele Menschen haben solche Aufgaben wie beispielsweise Eltern, Politiker, Lehrer, Sozialarbeiter, Psychiater, Personalchefs und gerichtliche Vollzugspersonen. 1 Daher existiert eine Vielzahl von Theorien, die sich mit dem Kontext der menschlichen Entwicklung beschäftigen. Der Entwicklungspsychologe Urie Bronfenbrenner hat sich mit dem Ansatz der Ökologie der menschlichen Entwicklung befasst. Er beschreibt das Individuum als wachsende dynamische Einheit, die sowohl durch die jeweilige Umwelt beeinflusst ist, gleichzeitig selbst diese Umwelt verändern und beeinflussen kann. Nach seiner Vorstellung setzt sich die Umwelt aus unterschiedlichen Lebensbereichen und ihren Verbindungen untereinander zusammen. 2 Nach der ökologischen Tradition wird Umwelt als eine ineinander geschachtelte Anordnung ineinander gebetteter Strukturen verstanden. Diese Strukturen bezeichnet Bronfenbrenner als Mikrosystem, Exosystem, Mesosystem und Makrosystem. 3 Dieser Ansatz bietet mit der Unterscheidung von vier systematisch miteinander verbundenen Entwicklungskontexten ein breit angelegtes Konzept, um alle möglichen Sozialisations- und Erziehungseinflüsse zu erfassen, mit denen ein Individuum sich auseinander zu setzen hat. 4 Der Ausgangspunkt der menschlichen Entwicklung ist somit ein bestimmtes Verständnis der in Entwicklung begriffenen Personen und ihrer Umwelt, insbesondere der allmählichen entstehenden Wechselwirkung zwischen Beiden. 5 Daher soll sich im Zuge dieser Arbeit genauer mit dem Ansatz des ökologischen Systems nach Bronfenbrenner beschäftigt und der Frage nachgegangen werden, inwieweit dieses Verständnis von Entwicklung für den pädagogischen Bereich von Interesse ist. Am Anfang dieser Arbeit steht zunächst die kurze Betrachtung des Kontextes der menschlichen Entwicklung. Nicht nur aus ökologischer Perspektive erfolgt die Beschäftigung mit der Entwicklung. So kann beispielsweise im Zusammenhang der
1 vgl. Flammer 2003, S. 7
2 vgl. Reutlinger 2008, S. 338
3 vgl. Bronfenbrenner 1981, S. 38
4 vgl. Schneewind 2008, S. 118
5 vgl. Bronfenbrenner 1981, S. 19
Entwicklung eine theoretische Darstellung der Kultur erfolgen und somit die menschliche Entwicklung beschrieben werden. Im Zusammenhang mit der ökologischen Perspektive erfolgt darauf die Beschreibung des Ansatzes von Bronfenbrenner. Dazu werden notwendige Grundbegriffe und der Terminus der Entwicklung definiert. Weiterhin wird sich genauer mit dem ökologischen System beschäftigt, in dem die verschiedenen Bereiche beleuchtet werden. Darauf erfolgt eine kurze Betrachtung der Bedeutung der ökologischen Perspektive und Kritik an diesem Ansatz wird geäußert. Mit einer kurzen inhaltlichen Zusammenfassung sowie der persönlichen Meinung in Bezug auf das Thema soll diese Arbeit beendet werden.
2. Ein Zugang zum Kontext der menschlichen Entwicklung
In der Entwicklungspsychologie gibt es eine Vielzahl von Forschungstraditionen mit unterschiedlichen Fragestellungen und Konzeptionen der Entwicklung. Auf der einen Seite existieren die traditionellen Konzeptionen als Abfolge von Phasen und Stufen. Zum Anderen bleibt der modernen Entwicklungspsychologie die Unterscheidung differentieller und kontextabhängiger Entwicklungen vorbehalten. Sie hat die differentiellen Veränderungen als Folge der Interaktion externaler und internaler Faktoren erforscht. Somit wird es möglich, durch Unterschiede zwischen Kulturen, Subkulturen, Familien, Schulen und weiteren Kontexten Einflussfaktoren auf die Entwicklung zu ermitteln. Nach Montada (2008) hat die moderne Entwicklungspsychologie erkannt, dass eine Person nicht nur durch seine Entwicklungsumwelt beeinflusst wird, sondern seinerseits Einfluss auf seine Umwelt nimmt, die seine passende Umwelt sucht und sich somit seine Entwicklungskontexte selbst wählt und mitgestaltet. 6 In der Literatur bestehen verschiedene Auffassungen über den Kontext der menschlichen Entwicklung. Wie bereits genannt gibt es die klassischen Extrempositionen, die endogenistische und die exogenistische Entwicklungstheorien. Weiterhin existiert in tiefenpsychologischer Tradition die psychoanalytische Entwicklungstheorie um Sigmund Freud und etwa die Theorie der psychosozialen Entwicklung nach Erik H. Erikson. Eine weitere Ansicht über Entwicklung wurde von Jean Piaget aufgestellt oder die Theorie der Fertigkeitsentwicklung nach Kurt W. Fischer. In kontextualistischer Tradition wird Entwicklung zum Einen als dialektischer Prozess gesehen oder es bestehen Ansätze zu einer systemischen Entwicklungstheorie. 7 Unter diesen Bereich fällt auch die ökologische Entwicklungstheorie von Urie Bronfenbrenner, die nun im Folgenden näher betrachtet werden soll.
6 vgl. Montada 2008, S. 3/6
7 vgl. Flammer 2003, S. 5
3. Der ökologische Ansatz nach Bronfenbrenner
Der Mensch wird in der ökologischen Perspektive als ein selbstregulierendes System aufgefasst, das mit beliebigen äußeren Reizen fertig zu werden hat und sich als wohlabgrenzendes für sich existierendes Lebewesen präsentiert. Dabei lebt das Lebewesen mit seiner Umwelt in Symbiose. Jedoch umfasst das menschliche Ökosystem mehr als biologische Lebensbedingungen. Zu ihr gehören die in einer Kultur erzeugten materiellen Gegenstände wie zum Beispiel Häuser, Möbel und Werkzeuge. Weiterhin sind menschliche Ökosysteme gekennzeichnet durch die Regeln des Zusammenlebens, den impliziten oder expliziten Handlungsvorschriften. Außerdem gehören zu ihnen die in der Kultur für menschliche Entwicklung vorgesehenen Einrichtungen wie Familie, Schule, soziale Partner und soziale Gruppen, als auch das ganze gesellschaftliche System, in das ein Individuum eingebettet ist. Daher ist nach Oerter (2008) die ökologische Perspektive für die Entwicklungspsychologie unentbehrlich, da zum Einen die Beschreibung und das Verständnis früher Entwicklung ohne die Wirkung des Ökosystems nicht möglich ist und zum Anderen die Umwelten im Laufe der menschlichen Entwicklung beträchtlich wechseln. Bronfenbrenner spricht daher bei der menschlichen Entwicklung vom sich verändernden Individuum in einer sich wandelnden Umwelt. 8 Grundlegend für seine Konzeption der menschlichen Entwicklung ist der Gedanke, dass sich die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit als gemeinsame Funktion von Person und Umwelt vollzieht. Entwicklung wird als Prozess betrachtet, der durch den interaktiven Austausch zwischen dem aktiven, sich verändernden Individuum und den wechselnden Eigenschaften der Umwelt ausgeübt wird. Dieser Prozess dauert lebenslang an. 9
3.1. Grundbegriffe
Es soll mit zwei Begriffen begonnen werden, die auch historisch das ökologische Verständnis menschlicher Entwicklung eingeleitet haben. Dies ist der Begriff des Lebensraumes, der vor allem durch Lewin geprägt worden ist und der Begriff des Settings, welcher durch Barker definiert wurde. Der Lebensraum im Sinne von Lewin ist der Gesamtbereich dessen, was das Verhalten einer Person in einem gegebenen Zeitmoment bestimmt, er ist der Inbegriff möglichen Verhaltens. 10 Er beschreibt die subjektiven Aspekte, vor allem die subjektive
8 vgl. Oerter 2008, S. 85
9 vgl. Schartmann 1999, S. 158
10 vgl. Lewin 1969, S. 34/36
Arbeit zitieren:
Carolin Bengelsdorf, 2010, Kontext menschlicher Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
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