Inhalt
1 Einleitung 3
2 Marter 4
2.1. Funktion der Marter 4
2.2. Organisation der Marter 8
3 Disziplin. 9
4 Das Gefängnis als umfassende Strafe 13
5 Fazit 15
6 Bibliographie. 18
2
1 . Einleitung
Ein Verbrechen wird mit einer Strafe geahndet. Das war schon immer so. Aber die Art und Weise, ihre Funktion und Ordnung, sowie ihr Folgen haben sich mit der Zeit grundlegend geändert. Dabei stellte sich die Frage welche Strafe zu welcher Ahndung führt schon in den Anfängen der Strafjustiz. Mit der Entstehung der (einer) Gesellschaft entstand auch eine Art des Vertrags, wie Menschen miteinander Leben sollen bzw. wollen. Durch das Verbrechen entzieht sich der Verbrecher des Vertrages und bricht ihn. Das zieht immer eine Strafe mit sich. Ende des 18. Jahrhunderts, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sind die „Martern, d.h. die peinlichen Strafen“ 1 nahezu ausgestorben. Von da an ist der Weg für ein körperloses Strafsystem geebnet 2 . Doch davor war die Todesstrafe ein Mittel, welches annähernd täglich umgesetzt wurde. Dabei viel die Strafe des jeweiligen Souverän immer um ein vielfaches grauenhafter aus, als der Delinquent seine Tat angerichtet hatte. Selbst bei Königs- oder Vater(bzw. Mutter)morden (was nur für sich genommen natürlich eine absolut unmenschliche Tat darstellt), musste der Straftäter meist einen mehrfachen Tod sterben. Das er sterben musste, stand außer Frage. Mit der Zeit änderte sich dies und nicht mehr der Körper, sondern die Seele stand im Mittelpunkt der Strafe und der Körper bildete nur einen sekundären Teil daran. Man sperrte Sträflinge Weg; man hielt sie von der Gesellschaft fern und versuchte ihren Trieb zum Verbrechen einzudämmen und sie zu heilen. Es war eine Strafe die den Körper nur indirekt angreift, nämlich „nur“ den Freiheitsentzug. Damit einhergehend war das Aufkommen einer Züchtigung: der Ausübung von Disziplin, um den von der Gesellschaft Ausgeschlossenen zu „heilen“. In Klöstern (und dann auch in Fabriken, Schulen und Gefängnissen) wird bemerkt, dass durch Zeitzerlegung und detailliertem Handlungsverlauf ein Handlungsmuster erlernt werden kann, der (aus ökonomischer Sicht) die Nutzung von Menschen optimiert.
Was hat dazu geführt, dass Menschen sich von den Martern zu einem „neuen“ Strafsystem bewegten und dabei die Disziplin, zur optimalen Nutzung von Menschen, entdeckten? Warum spielten Marter damals so eine gewichtige Rolle? Wieso waren Marter nur so bis ins zeremoniell geplante Rituale, deren Ende schon vor dem Beginn eindeutig war? Warum hat der Mensch, als Wesen von Moral und Ethik, ein solches Schauspiel toleriert und meist noch mit großem Interesse verfolgt? Ist der Mensch dadurch, dass er heutzutage (im Verhältnis zu damals) weniger Menschen bei Strafen tötet ein besseres Wesen geworden, oder hat sich einfach das Verständnis von Vergehen zu Strafe transformiert? Das sind Fragen, auf die ich
1 Foucault, Michel, Überwachen und Strafen, Frankfurt a.M. 1976, S. 14
2 vgl. ebd.
3
im Laufe dieser Arbeit Stellung nehmen werde und versuche mithilfe von Michel FoucaultÜberwachen und Strafen und Wolfgang Sofsky - Traktat über die Gewalt eine adäquate Lösung zu finden.
2 . Marter
Marter, das sind peinliche Strafen, „schmerzhafte und mehr oder weniger grausame Strafen.“ 3 Nun ist es aber falsch anzunehmen, dass Marter komplett ohne Regel und Technik abgelaufen sind. 4 Eine Marter ist eine Marter, wenn sie drei Kriterien erfüllt 5 : 1. Die Strafe muss eine bestimmte Menge an Schmerzen erzeugen, die man in etwa abschätzen oder vergleichen kann
2. Der Tod ist nicht nur einfach das Ende der Folter, sondern der Abschluss einer kalkulierten Abstufung von Schmerzen
3. Marter sind die Kunst das Leben im Schmerz festzuhalten und es so zu beenden Nun muss man sich die Frage stellen, welche „Qualität, Intensität (...) und Länge der Schmerzen mit der Schwere des Verbrechens“ 6 in Verbindung steht. Allerdings waren die Marter nicht gleichwertig dem begangenen Verbrechen gegenüber; sie sollten einen triumphalen Sieg für den Souverän darstellen, sie sollten das Verbrechen überbieten und den Verbrecher vernichten. Deshalb waren sie überdurchschnittlich grausam 7 . Es stand bei den Martern also nur das Verhältnis von Verbrecher und Souverän, von Kampf und Sieg 8 zur Debatte, bei dem das Resultat bereits vor Beginn der Hinrichtung feststand.
2.1. Funktion der Marter
Die Marter, so grausam und unmenschlich sie auch gewesen sein mögen, sie hatten ihre Funktionen. Man wollte damals keine Wiedergutmachung, sondern eine Züchtigung, die sich meist auf dem Körper des mutmaßlichen Täters äußerte. Sie galt als Sühnung des Unrechts. Der Delinquent musste bestraft werden, da er gegen die direkten Gesetze des Königs verstoßen hat. Somit hatte die Marter eine „rechtlich-politische Funktion“ 9 , die sich in einer öffentlichen (für das gesamte Volk zugänglichen) Rache äußerte. Die Strafe ist damit, so
3 z.n. Foucault, Michel, Überwachen und Strafen, Frankfurt a.M. 1976, S. 45
4 vgl. ebd., S. 46
5 vgl. ebd., S. 46
6 ebd., S. 46
7 vgl. ebd., S. 67
8 vgl. ebd., S. 67
9 ebd., S. 64
4
erhofft vom Souverän, eine „unüberwindliche Kraft“ 10 , die jeden Nachahmversuch möglichst ausschaltet. Zudem ist die Strafe eine persönliche Wiedergutmachung für den König, da der Verbrecher seine Gesetze missachtet hat und den König damit indirekt angreift. Während der Marter trat die Strafe am Körper des Verurteilten in Kraft, sie sollte ihn an einem öffentlichen Exempel „brandmarken, besiegen, brechen“ 11 , sodass die Vergeltung abschreckend ist, um den Menschen, die diesem Schauspiel beiwohnten, zu demonstrieren, was passiert, wenn man des Souveräns Gesetze missachtet oder bricht und ihn somit „angreift“. Aber durch diese Sühne des Verbrechens des Delinquenten wurde nicht die Gerechtigkeit wieder hergestellt, sondern nur die Macht des Königs 12 . Der König hat bewiesen, dass er derjenige ist, der gewinnt; der Triumph, der allumfassende Sieg über den gebrochenen Körper.
Die Marter ist bis ins 18.Jahrhundert als ein politisches Ritual zu verstehen, weil das Verbrechen direkt oder indirekt den Souverän angreift 13 . Zudem ist sie ein „Wahrheitsbeweis und Machtvollzug“ 14 . „Sie verbindet das Schriftliche mit dem Mündlichen, das Geheime mit dem Öffentlichen, das Untersuchungsverfahren mit der Geständnisablegung. Sie kehrt das Verbrechen gegen den sichtbaren Körper des Verbrechers und wiederholt es an ihm; in ein und demselben Schrecken macht sie das Verbrechen kund und zunichte. Den Körper des Verurteilten macht sie zum Ort der souveränen Rache, der offenbarten Macht und der Asymmetrie der Kräfte.“ 15 Denn es ist ein ungleicher Kampf. Auf der einen Seite ein Mensch, der sich schuldig an der Gesellschaft gemacht hat, auf der anderen Seite „alle Kräfte, alle Macht, alle Rechte“ 16 . Und genau so muss es sein. Der Verbrecher wird zum gemeinsamen Feind der Gesellschaft, zum Abtrünnigem, zum Außenseiter; es ist keine Koexistenz innerhalb der „normalen“ Gesellschaft mehr möglich 17 . Er wird ausgestoßen. Also hatte die Marter ebenso die Funktion des „feierlichen Abschluss der Ermittlung und festlichen Triumph des Souveräns“ 18 .
Aber auch das Volk spielte in diesem Ensemble eine wichtige Rolle. Es war sozusagen die Hauptperson. Denn „eine Hinrichtung, von der man gewusst hätte, die aber im Geheimen
10 Foucault, Michel, Überwachen und Strafen, Frankfurt a.M. 1976, S. 65
11 ebd., S. 65
12 vgl. ebd., S. 65
13 vgl. ebd., S. 71
14 ebd., S. 73
15 ebd., S. 73
16 ebd., S. 114
17 vgl. ebd., S. 114
18 ebd., S. 74
5
Arbeit zitieren:
Sebastian Veit, 2008, Die Organisation der Marter, München, GRIN Verlag GmbH
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