Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1. 1
2. Bismarcks Umgang mit deutschen Handelstützpunkten
2
vor 1884
Umdenken in der Kolonialpolitik 3. 4
4. Territorien unter dem Schutz des Deutschen Reiches in
9
der Kanzlerschaft Bismarcks
Ergebnisse und Zusammenfassung 5. 11
Quellen - und Literaturverzeichnis 14
II
1. Einleitung
Die Deutsche Kolonialgeschichte umfasst im Vergleich zu anderen europäischen Nationen, wie zum Beispiel England oder Frankreich, nur wenige Jahrzehnte und dauerte von 1884, mit dem Erwerb Deutsch-Südwestafrikas, bis hin zum Jahre 1919, indem das Reich durch den Versailler Vertrag nach dem 1. Weltkrieg alle Kolonien aufgeben musste. 1 Trotz dessen gingen diese 35 Jahre deutscher Kolonialpolitik nicht unbeeinflusst an den annektierten Territorien vorüber. Immer noch prägt deutsche Architektur und Bauweise in Namibia und Tansania das Erscheinungsbild vieler Städte, wie etwa in Lüderitz. In Namibia ist die deutsche Sprache neben Englisch und Afrikaans halboffizielle dritte Amtssprache. 2 Für die Betroffenen annektierten Völker bedeutete die deutsche Kolonialpolitik eine radikale Veränderung ihrer bisherigen Lebensverhältnisse. Häufig machten diese, für das Deutsche Reich fremden Kulturen, schmerzliche Erfahrungen mit den Eroberern. Gewalttätige Annexion, das Sendungsbewusstsein der imperialistischen Mächte und der alltägliche Kontakt mit „den fremden Deutschen aus der modernen Welt“ führten zu tiefen soziokulturellen Umbrüchen in den betroffenen Gebieten. 3
Wie bei vielen anderen Kolonialmächten Europas kam es auch in den deutschen Kolonien zu zahlreichen Ausbeutungen, Gewaltverbrechen und Sklavereien, wie das Verhalten Carl Peters in Deutsch-Ostafrika im Umgang mit den Eingeborenen zeigt. 4
Im weiteren negativen Blickwinkel gesehen, hat auch die Apartheidpolitik Südafrikas ihre Vorläufer in der Kolonialpolitik des Deutschen Reiches in Namibia. 5
Jedoch kann die deutsche Kolonialgeschichte nicht nur mit negativen Assoziationen in Verbindung gebracht werden. So schreibt der Schweizer Kolonialhistoriker Rudolf von Albertini, dass durch die Kolonialpolitik Wachstum und eine spürbare Entwicklung eingesetzt hätte, welche zu einem Modernisierungsprozess in den Kolonien führte. 6
1 Vgl. Ney, Thomas, Außenpolitische Beweggründe kolonialen Engagements in der Ära Bismarck, Berlin
2007, S.1.
2 Vgl. Gründer, Horst, Geschichte der deutschen Kolonien, 2. Auflage, Paderborn/München/Wien/ Zürich
1991, S. 10.
3 Vgl. Westphal, Wilfried, Ein Weltreich für den Kaiser, Köln 2001, S.325-327.
4 Vgl. Speitkamp, Winfried, Deutsche Kolonialgeschichte, Stuttgart 2005, S.138.
5 Vgl. Gründer, Horst, Geschichte der deutschen Kolonien, 2. Auflage, S. 10.
6 Vgl. Bade K.J., Die Deutsche Kolonialexpansion in Afrika. Ausgangssituation und Ergebnis, in: Brötel,
D. (Hg.), Europa und die Dritte Welt: Kolonialismus - Gegenwartsprobleme - Zukunftsperspektiven,
- 1 -
Ausgangspunkt der imperialistischen Politik des Deutschen Reiches war die Entscheidung des damaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck im Jahre 1884, erstmals Gebiete von privaten Entdeckern und Eroberern unter die Schutzherrschaft des Deutschen Reiches zu stellen. 7 Diese politische Bestimmung stand jedoch im Zwiespalt zur bisherigen Außenpolitik des Deutschen Reiches unter Bismarck, welcher zuvor oft die „Saturiertheit“ Deutschlands und eine antikoloniale Haltung betont hatte.
Ziel der Seminararbeit ist es aufzuzeigen, warum sich Reichskanzler Otto von Bismarck letztendlich doch für eine koloniale Expansion entschied und welche Argumente und Entwicklungen ihn dabei zum Einlenken brachten.
Des Weiteren ist es erforderlich, auf die annektierten Gebiete des Deutschen Reiches einzugehen, um ein angemessenes Gesamtverständnis für die Untersuchung zu bekommen. Interessant wird auch die Tatsache sein, wie Bismarck vor dem Jahre 1884 mit kolonialen Bestrebungen umging. Abgerundet wird die Arbeit, indem auf die Ergebnisse der bismarckschen Kolonialpolitik eingegangen wird.
2. Bismarcks Umgang mit deutschen Handelstützpunkten vor 1884
Die Ursprünge deutscher Expansionen reichen bis in das 16. und 17. Jahrhundert zurück. Schon damals forderten viele Entdecker, Handelsleute und Wissenschaftler, wie etwa Johann Joachim Becher, dass Deutschland sich im Prozess der Kolonialisierung zu den anderen europäischen Nationen gesellen sollte. 8 Diese Idee blieb lange Zeit unrealisierbar, da sich die vielen deutschen Staaten erst 1871 unter Reichskanzler Otto von Bismarck vereinigten und ein gemeinsames, staatlich souveränes Gebilde darstellten. Zuvor kann nicht von einer einheitlichen Expansionspolitik gesprochen werden. Trotzdem existierten viele Handelsleute, welche sich privat auf Entdeckungstour begaben und sich an verschiedenen Gebieten des Erdballs niederließen. So zum Beispiel kontrollierte der Herzog Jakob von Kurland die Insel Tobago auf den kleinen Antillen und Territorien in Gambia. Auf Friedrich Wilhelm I. von
Stuttgart 1992, S. 35 ff.
7 Vgl. Westphal, Wilfried, Ein Weltreich für den Kaiser, Köln 2001, S. 20 f.
8 Vgl. Gründer, Horst, Geschichte der deutschen Kolonien, 2. Auflage, S. 15.
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Brandenburg ging die Initiative zur Gründung der Stadt „Groß-Friedrichsburg“ im heutigen Ghana im Jahre 1683 zurück. 9
Bis das Deutsche Reich die Schutzherrschaft für solche Gebiete übernehmen sollte, würden allerdings noch zahlreiche Jahrzehnte verstreichen.
Mit den Jahren um die Deutsche Reichsgründung 1871 setzte eine erste staatlich geführte Debatte über koloniale Bestrebungen ein. So äußerte sich Bismarck im Jahre 1868 in einem Brief an den damaligen Kriegsminister Roon über die einsetzende Kolonialbewegung. Hierbei betonte er, dass „die Vorteile, welche man sich von Kolonien für den Handel und die Industrie des Mutterlandes verspricht, zum größten Teil auf Illusionen“ beruhen. 10 Demnach würden die Kosten, welche in die Kolonien investiert werden müssten, den wirtschaftlichen Nutzen, welcher daraus gezogen wird, übersteigen. Zudem sei die „Marine noch nicht weit genug entwickelt, um die Aufgabe nachdrücklichen Schutzes in fernen Staaten übernehmen zu können.“ 11
Bekräftigt wird Bismarcks antikoloniale Haltung, indem er selbst 1883 dem damaligen Chef der Admiralität, Caprivi, nochmals verdeutlichte gegen koloniales Expansionstreben zu sein. 12
Bismarck wollte nach der Deutschen Reichsgründung unter allen Umständen weitere militärische Konflikte mit anderen europäischen Mächten vermeiden und eine außenpolitische Friedenspolitik einleiten. Durch ein umfangreiches Bündnissystem wurde versucht, unterschiedliche Machtinteressen durch ein System von Gewichten und Gegengewichten zu etablieren. Eine politische Abhängigkeit der europäischen Mächte sollte zum Deutschen Reich hergestellt werden. 13 Diese Strategie ging in den folgenden Jahren auf. Bismarck agierte 1878 als „ehrlicher Makler“ auf dem Berliner Kongress und führte zu einer Lösung in der Balkankrise. 14 1879 kam es zum Zweibund, einem Defensivvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn. Zwei Jahre später folgte der Dreikaiserbund, einem Neutralitätsabkommen mit dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Russland. Weitere derartige Verträge intensivierten Bismarcks Strategie.
Größte Furcht hatte Bismarck vor einer militärischen Revanche Frankreichs. Auch dieser Aspekt machte Bismarck zum Gegner kolonialer Bestrebungen. 1881 äußerte sich Bismarck
9 Vgl. Gründer, Horst, Geschichte der deutschen Kolonien, 2. Auflage, S. 15.
10 Vgl. Spellmeyer, Hans, Deutsche Kolonialpolitik im Reichstag. Stuttgart 1931, S. 3.
11 Vgl. Spellmeyer, Hans, Deutsche Kolonialpolitik im Reichstag. S. 3.
12 Vgl. Richter, W, Bismarck, Frankfurt a. M. 1962, S. 432.
13 Vgl. Schmidt; Rainer, Otto von Bismarck. Realpolitik und Revolution, Stuttgart 2004, S. 207 ff.
14 Vgl. Schmidt; Rainer, Otto von Bismarck. Realpolitik und Revolution, S. 210, 212.
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Arbeit zitieren:
Nico Ocken, 2010, Bismarcks Kolonialpolitik, München, GRIN Verlag GmbH
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