UE Filmanalyse: Melodrama Sandra Folie
nes von Selznick recht bodenständig und vergleichsweise wenig mythologisierend, da es sich um eine echte Abbildung des eigenen Studios handelt. Statt einem spektakulären Design fiel die Entscheidung hier auf schlichte Eleganz, die Werte wie Tradition, Stil und Qualität auszustrahlen scheint.
Die nächste Einstellung erwähnt neben der Eigenmarke noch die Zusammenarbeit mit Metro-Goldwyn-Mayer, sowie dass es sich um eine Technicolor Produktion handelt, was zu einer Zeit, in der Farbfilme noch vergleichsweise selten waren, eine Attraktion darstellte. 3 Wovon denn eigentlich der Film handelt, eröffnet nach rascher Überblendung der Blick auf ein weites durch eine lange Reihe von Sklaven beackertes Feld
South. Die Musik hat an dieser Stelle von einer fröhlichen, leichtfertig-hüpfenden Melodie zu dumpfen Schlägen gewechselt. Schwarze, schwer arbeitende Sklaven, das sei an dieser Stelle hervorzuheben, sind die ersten Personen, welche, sogar noch vor dem Titel und den Credits des Films, eingeführt werden.
Erst jetzt wird der Blick wieder auf jenes, uns schon aus der Ouvertüre bekanntes, Eingangsmotiv von Eiche, Zaun und rotem Himmel gelenkt, nur dass es sich diesmal nicht um
sondern die Kamera nach rechts fährt und so allmählich den Titel, GONE WITH THE WIND, entblößt, der in übergroßen weißen Lettern, die eine Art Windschatten nach sich ziehen, einfliegt. Der Himmel wird dabei auffallend heller, die große dunkle Wolke zerteilt sich und verliert so an Bedrohlichkeit. Wie schon der Beginn dieser Kamerafahrt durch die Eiche eingeleitet wurde, so wird auch das Ende mittels Baum begrenzt und dazwischen weilt der Zaun. Es scheint, dem Titel auf den ersten Blick zum Widerspruch, die Begrenzung eines Herrschaftsraumes, zwischen zwei Fixpunkten, vorgenommen zu werden. Was auch immer in der Story noch vom Winde verweht werden wird, wohl kaum das Land, die Herrschaft, der Besitz. Brüchig, darauf lässt der Zaun schließen, ja; dunkel, wie die Wolke verrät, auch beizeiten; aber nicht so leicht wegzuwehen.
Starring: Clark Gable as Rhett Butler, Vivian Leigh as Scarlett
Melanie Hamilton in
dieser Reihenfolge fahren die
Credits
der HauptdarstellerInnen relativ zügig von unten nach oben ein, so-
3 Vgl.Ebd. S. 168/169.
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Clark Cable als erstens eingeführt wird, ist, obgleich Vivian Leigh eigentlich als DIE Hauptdarstellerin des Films gilt, klar, da er im Gegensatz zu ihr, einer Quasi-Neueinsteigerin, 1939 schon große Erfolge nachzuweisen hatte und beim Publikum bekannt war. Rhetts Aufritt ist einzig mit jenem Scarletts verbunden, die Namen der Schauspieler und der Figuren teilen sich kurzzeitig, wenn auch nur angeschnitten, die Bildfläche, so wie auch Melanies Erscheinen einzig mit dem Ashleys zusammengeht. Scarlett und Ashley jedoch sind mit zwei anderen Personen verknüpft, sie mit Rhett und ihm, er mit ihr und Melanie zweimal eine Dreieckskonstellation.
Im Hintergrund grasen Pferde bei Schönwetter auf einer grünen Wiese. Da es Tag zu sein oder zu werden scheint, wird der bislang omnipräsente Rosaton am Himmel Morgenrot darstellen, das noch am Horizont klebt und in ein pastelliges Blau übergeht. Die Bäume, teils schon grün, teils kahl mit Knospen, deuten auf Frühling hin. Die Tages- wie auch die Jahreszeit zeigt auf Anfang, klarerweise jenen der Geschichte, doch drängen sich auch assoziativ Begriffe wie Lebensbeginn und Jugend auf.
Als nächstens tritt samt dem Namen des Produzenten, David O. Selznick, ein bewegtes Gewässer, noch fast völlig im Dunkeln, in Erscheinung, womit sich der Kreis der Elemente schließt, das Wasser gesellt sich als letztes zu Erde, Feuer (der rote Himmel) und Luft (der Wind) hinzu. Blicken wir auf die antike und mittelalterliche Wissenschaftstradition zurück, so wird im Elementarkreis jedem der vier Elemente auch ein Temperament zugeordnet: Wasser - Phlegmatiker, Erde - Melancholiker, Feuer - Choleriker, Luft - Sanguiniker. Dieses Schließen eines Motivkreises, der alles, nicht zu knapp Gegensätze, zu beinhalten scheint, kündigt großen, weitläufigen Erzählstoff an.
Dem sehr dunkel gehaltenen Bild folgt Kontraste überall eine Nahe auf einen pink blühenden Baum, die Sidney Howard, den Drehbuchautoren einführt. Gleich darauf sehen wir einen größeren Ausschnitt des Baumes bzw. mehrerer Bäume und erfahren, dass Max Steiner, 1939 bereits Oscargewinner, die Musik komponiert hat.
Auf jenes Szenario hin wird eine alte Mühle samt wasserangetriebenem laufenden Rad gezeigt, dessen Kreisform symbolisch für die Wiederkehr des Immergleichen stehen kann, denn jeder Punkt auf dem Mühlrad kehrt beim Drehen periodisch wieder, wie sich auch bestimmte bildliche oder narrative Momente im Film wiederholen werden. Da gleich auf dieses Symbol des Wiederkehrenden nun schon zum zweiten Mal arbeitende Sklaven gezeigt werden, drängt sich der Verdacht auf, dass sie ein wichtiges Element der bevorstehenden Story sein werden.
Während die nachrangigeren Credits gezeigt werden, pflücken sie, die nachrangigen Menschen, Baumwolle bisher immer noch als einzig menschliche Lebewesen auf dem Screen. Wenn der Zeitpunkt des Erscheinens der Sklaven auf dem Bildschirm mit vorher, der 1A Po-
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Arbeit zitieren:
Sandra Folie, 2011, Filmanalyse "Gone with the Wind", München, GRIN Verlag GmbH
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