Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung der Fremdenrepräsentanz nach Sigmund Freud
3. Das Fremde als das eigene Unbewusste und das unbewusste
Eigene : Die Fremdheitskonzeption von Julia Kristeva
4. "Kritische Selbstreflexion" als zusammenfassendes Ergebnis der
oben genannten Ansätze zur Fremdenrepräsentanz
5. Das psychologische Bild des Fremden
6. Zum Umgang mit Selbst- und Fremdbildern
6.1 Eine interkulturelle Übung: "Ich-Tier - Fremd-Tier"
6.1.1 Einige Erfahrungen über den Einsatz der Übung innerhalb des
Seminars
6.1.2 Reaktionen auf die Übung innerhalb des Seminars
6.2 Welchen Nutzwert hat diese Übung im schulischen Alltag?
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
9. Graphiknachweis
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1. Einleitung
Ausländerhass, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus, Vorurteile, Integration, Asylanten, Migration: all dies sind Begriffe mit denen wir fast täglich konfrontiert werden. Kaum vergeht ein Tag, an dem nicht in irgendeiner Spalte der Tageszeitung eine Headline erscheint, die uns auf grausame meist auch mit tödlicher Folge endenden Übergriffe auf Ausländer jeglicher Art aufmerksam macht. Bestimmt hat jeder von uns noch ein Ereignis im Gedächtnis oder Bilder vor Augen, die durch das Fernsehen gingen, die uns die schreckliche Realität und den Alltag von unseren ausländischen Mitbürgern/innen vor Augen führt. Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, dann weiß man, daß einem selbst auch einmal das Schicksal treffen kann, daß schon vor uns so viele Menschen erleiden mussten. Denn kaum verlassen wir unser Land und begeben uns in ein anderes, zum Beispiel um Urlaub zu machen, dann sind wir auch Fremde oder Ausländer. Gerade dieser Gedanke sollte uns zu Denken geben und uns zudem motivieren, uns mit der Thematik auseinander zu setzen. Dieser Gedanke und ein allgemeines Interesse an interkultureller Pädagogik hat mich in das Seminar „Einführung in die interkulturelle Pädagogik“ geführt. Um nicht den Rahmen des Seminars zu sprengen, wurden von der Dozentin Schwerpunkte gesetzt, die dann in den einzelnen Veranstaltungen sowie einer Kompaktveranstaltung nacheinander bearbeitet wurden. So ging es zum Beispiel um Begrifflichkeiten, wie Heimat, Kultur, kulturelle Identität, aber auch um Themen, wie Migration, Integration und interkulturelles Lernen. Weitere Themenbereiche handelten von Einstellungen gegenüber Fremden und Fremdem und der Fremdwahrnehmung.
Viele dieser Inhalte wurden von den Studenten-/innen selbst erarbeitet und dann vor der gesamten Gruppe in Form eines Referates vorgetragen. Ich persönlich habe mich sofort für den Bereich „Fremdwahrnehmung“ und hier insbesondere für die psychologischen Aussagen zur Fremdwahrnehmung interessiert. Dies ist auch der Grund, warum ich ein Referat zu diesem speziellen Thema vorbereitet habe und heute in dieser Hausarbeit die wichtigsten Aussagen dieses Referates noch einmal aufgreife und ausarbeite.
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Im Folgenden möchte ich zwei Ansätze zur Entstehung und Erklärung von Fremdenrepräsentanz darstellen, nämlich den von Sigmund Freud und den von Julia Kristeva. Im Anschluß daran folgt ein Resümee aus diesen beiden Ansätzen, aus dem hervorgehen soll, inwieweit Bildung und Erziehung sich verändern müssen, damit die Wahrnehmung von Fremden und Fremdem nicht nur durch eine negativ gefärbte „Brille“ erfolgt. Auch werde ich in diesem Zusammenhang auf den Aspekt des interkulturellen Lernens zu sprechen kommen. Ziel ist es dabei, aufzuzeigen, daß interkulturelles Lernen heute zwar nicht mehr wegzudenken ist, es jedoch sehr stark vom jeweiligen Konzept und Programm abhängt, wie sinnvoll, produktiv und erfolgsversprechend es ist oder ob es sogar eventuelle Gefahren in sich birgt. Danach möchte ich auf die Doppelgestaltigkeit von Fremdheit eingehen und dort auch die bunte und reichhaltige Bilderwelt über die Fremden darstellen.
Als letztes möchte ich auf das im Kompaktseminar vorgestellte und durchgeführte Spiel „Ich-Tier - Fremd-Tier“ eingehen und mich mit seiner Bedeutung im Umgang mit Selbst- und Fremdbildern auseinandersetzen. Außerdem möchte ich noch meine Erfahrungen mit dem Spiel darlegen und die Frage erörtern, wie sinnvoll ich persönlich dieses Spiel halte und ob ich mir vorstellen kann, es im Schulunterricht produktiv und erfolgversprechend einzusetzen.
2. Die Entstehung der Fremdenrepräsentanz nach Sigmund Freud
Die frühesten psychoanalytischen Erkenntnisse zur Entstehung der Fremdenrepräsentanz lassen sich bei Freud im Zusammenhang seiner Triebtheorie ausfindig machen.
Freud bemühte sich in seiner Forschung, das Funktionieren des psychischen Apparates zu erklären. Diesen Apparat verstand er als ein System von Kräften und Antrieben, die nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten zusammenwirken. Seine Triebtheorie entstand zunächst bei der Behandlung von Neurotikern, die er ab 1882 als Arzt im Krankenhaus von Wien betreute.
„Freud definiert Trieb als psychischen Repräsentant der aus dem Körperinneren stammenden, in die Seele gelangenden Reize, als ein Maß der
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Arbeitsanforderung, die dem Seelischen infolge seines Zusammenhanges mit dem Körperlichen auferlegt ist“ ( Proske R., Psychologie die uns angeht, S. 108). Der Trieb ist gekennzeichnet durch Drang, Ziel und Objekt. Unter dem Drang eines Triebes versteht Freud dessen motorisches Moment, die Summe von Kraft oder das Maß von Arbeitsanforderung, die er repräsentiert. Das Ziel des Triebes ist laut Sigmund Freud die Befriedigung und das Objekt des Triebes ist dasjenige, an welchem oder durch welches der Trieb sein Ziel erreichen kann. Objekt kann dabei durchaus auch ein Mensch sein, etwa wenn ein geliebter Mensch als „Sexualobjekt“ eines anderen wird.
Triebe haben somit nach Sigmund Freud körperliche Grundlagen. Zudem unterscheidet er zwei elementare Triebe voneinander. Der grundlegende Antrieb für alles seelische Geschehen ist der Sexualtrieb (Eros). Dieser liefert die psychische Energie, die er „Libido“ nannte (lateinisch: Begehren). Diese Libido ist die Kraft, die den psychischen Apparat in Bewegung hält. Später postulierte Freud, unter dem Eindruck des ersten Weltkrieges, noch einen zweiten Grundtrieb, den Todestrieb (oder auch Destruktionstrieb). Dieser Trieb ist so Sigmund Freud der Drang, das Lebendige zum Tode zu führen. Ein weiterer Schwerpunkt in Freuds Forschungen ist die Frage nach der Persönlichkeit des Menschen. Für ihn stellte sich die Persönlichkeit aufgeteilt in drei Instanzen dar und zwar in das Es, das Ich und das Über-Ich. Sigmund Freud war der Meinung, dass sich Ich und Über-Ich - bei der Geburt noch Teile des Es - erst im Laufe der Entwicklung differenzieren und zu separaten Funktionseinheiten werden.
Das Es stellt somit den Sitz aller angeborenen und vererbten Impulse dar, wobei sowohl libidinöse als auch aggressive Triebenergien beinhaltet sind. Beherrscht wird das Es durch das Lustprinzip, das heißt durch den Willen, die Triebe mit dem Ziel einer möglichst großen Lust zu befriedigen und gleichzeitig eine Unlust zu vermeiden. Dabei wird keine Rücksicht auf die Realität genommen, wobei das Ich und das Über-Ich hier kontrollierend eingreifen, um Konflikte zu vermeiden. Das Es ist ein unbewusster Teil der Persönlichkeit. Besonders deutlich wird dies, wenn man bedenkt, das neben den Trieben das Verdrängte eine weitere Komponente innerhalb des Es darstellt. Mit dem Bereich des Verdrängten sind
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diejenigen gefährlichen oder tabuisierten Inhalte gemeint, durch deren Bewusstwerden Gefahr für das ich und somit für die Integrität der gesamten Persönlichkeit drohen würde.
Das Ich beginnt sich in den ersten sechs oder acht Lebensmonaten vom Es zu differenzieren und dessen Existenz ist schließlich mit zwei bzw. drei Jahren endgültig feststellbar. Allgemein regelt das Ich die Beziehung des Individuums zu seiner Außenwelt, seine spezifischen Aufgaben bestehen jedoch in der motorischen Kontrolle, der Wahrnehmung, der Erinnerung, der Affekte und des Denkens. Wichtig ist, dass sich das Ich im Unterschied zum Es nicht am Lustprinzip orientiert, sondern am Realitätsprinzip. Die Hauptaufgabe des Ich besteht darin, die Wünsche des Es mit den Forderungen des Über-Ich zu koordinieren.
Das Über-Ich, die moralische Instanz, beginnt sich erst im Alter von fünf bis sechs Jahren zu entwickeln, benötigt aber noch ca. weitere fünf Jahre, bis man von einem fest ausgeprägten Über- Ich sprechen kann. Die Aufgaben des Über-Ichs, das oftmals auch als Gewissen bezeichnet wird, gegenüber diesem allerdings unbewusst tätig ist, belaufen sich auf folgende Bereiche: die (Miss-) Billigung von Handlungen, Selbstkritik bzw. Bestrafung, das Verlangen nach Wiedergutmachung und Reue bzw. Eigenlob.
Graphik 1
Mit diesem grundlegendem Wissen ist es nicht schwer zu verstehen, wie Sigmund Freud die Entstehung der Fremdenrepräsentanz erklärt. Seiner
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Arbeit zitieren:
Simone Smit, 2002, Wahrnehmung des Fremden: Psychologische Aussagen zur Fremdwahrnehmung, München, GRIN Verlag GmbH
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