Inhaltsverzeichnis
Identifizierung der Herausforderungen bei der ERP-Software-Einführung
insbesondere unter den Gesichtspunkten von Kleinst- und Kleinunternehmen
(Ein Leitfaden zur Objektivierung des ex-ante Evaluierungsprozesses für ERP-Software-Systeme)
Inhaltsverzeichnis Seite
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis IX
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Motivation. 2
1.2 Zielsetzung 4
1.3 Begriffliche Abgrenzung 4
1.3.1 Enterprise Resource Planning (ERP) und ERP-Systeme 4
1.3.2 Kleinst- und Kleinunternehmen 7
1.4 Aufbau der Arbeit 10
2 ERP-Systeme als betriebswirtschaftliche Standardsoftware
im Wandel 11
2.1 Überblick über die Marktsituation 11
II
Inhaltsverzeichnis
2.2 Historische Entwicklung des Marktangebots 19
2.3 Einordnung von ERP-Systemen im Software-Spektrum 22
2.4 Der Funktionsumfang im Überblick 24
2.5 Typisierung des Nutzens 26
2.6 Typisierung von Herausforderungen und Risiken 28
2.7 Neuer Trend: On Demand ERP 30
2.7.1 Was ist On Demand 30
2.7.2 Unterschied On-Demand-Anwendungen zu Lizenz- bzw.
Kaufmodellen 31
2.7.3 Aktueller On-Demand-Markt - Angebot und Nachfrage 34
3 Herausforderungen des Auswahlprozesses. 37
3.1 Strukturierungsbedarf und Einsatz von Projektmanagement-
Ma ßnahmen 37
3.2 Sicherstellung von Know-how durch Zusammenstellung des
Projektteams 43
3.3 Einbringung von „Best Practice“ durch externe Berater 45
3.4 Ermittlung von Ist- und Soll-Prozessen mittels Zustandsanalyse 47
3.4.1 Ist-Analyse 48
3.4.2 Soll-Konzept 55
3.5 Schaffung der Bewertungsbasis durch Etablierung von
Auswahlkriterien 58
3.6 Sammlung der Anforderungen an den Systemanbieter in Form des
Lasten -/Pflichtenhefts 62
3.7 Das Durchlaufen der Systemauswahl 67
3.7.1 Marktanalyse als Sichtung des Markt-Angebots an ERP-
L ösungen 68
III
Inhaltsverzeichnis
3.7.2 Die Grobauswahl zur Eingrenzung des Angebotes auf relevante
L ösungen 71
3.7.3 Die unternehmensspezifische Eignungsprüfung zur weiteren
Eingrenzung 72
3.7.4 Die Feinauswahl als mehrinstrumentelle, iterative
Entscheidungsphase 73
3.7.4.1 Nutzwertanalyse 75
3.7.4.2 Sensitivitätsanalyse 80
3.7.4.3 Selbstpräsentationen der Hersteller 81
3.7.4.4 Systemtests 82
3.8 Das Vertragsmanagement zur Absicherung der Umsetzung der
Entscheidungskriterien 86
4 Resümee 93
Literaturverzeichnis X
IV
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
APS Advanced Planning System
ASP Application Service Provider
BPR Business Process Reengineering
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
CTI Computer Telephony Integration
d. h. das heißt
EU Europäische Union
ERP Enterprise Resource Planning
etc. et cetera
F+E Forschung und Entwicklung
IfM Institut für Mittelstandsforschung
IT Informationstechnik
ITK Informationstechnik und Telekommunikation
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
Lat. Lateinisch
Mio. Millionen
MRP Material Requirements Planning
MRPII Manufacturing Resources Planning
PM Projektmanagement
PPS Produktionsplanung und -steuerung
V
SAAS Software as a Service
SCM Supply-Chain-Management
sog. sogenannten
Tab. Tabelle
u.a. unter anderem
usw. und so weiter
vgl. vergleiche
vs. versus
z.B. zum Beispiel
VI
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Marktanteil ERP-Software für kleinere und mittlere Unternehmen
Abbildung 2: Prinzipieller Aufbau eines ERP-Systems
Abbildung 3: Übliche Module einer ERP-System-Software
Abbildung 4: Verbreitung von ERP-Software in Unternehmen mit weniger als
500 Mitarbeitern
Abbildung 5: Integration in der Supply Chain über bestehende ERP-Systeme
Abbildung 6: Evolution der informationstechnischen Unterstützung
Abbildung 7: ERP-System erweitert um überbetriebliche Funktionen (ERPII)
Abbildung 8: Klassifizierung von Software
Abbildung 9: Betriebsformen von On Demand
Abbildung 10: Kostenfaktoren bei Lizenz- bzw. Kaufsoftware
Abbildung 11: On-Demand-Software und geschäftlicher Nutzen
Abbildung 12: Das Vorgehensmodell strukturiert den Weg von „Ist“ zum „Soll“
Abbildung 13: Anforderungen an die Mitarbeiter eine Projektteams
Abbildung 14: Teilaufgaben der Zustandsanalyse
Abbildung 15: Beispiel für Visualisierung der Gesamtprozesse (Handel)
Abbildung 16: Vorgehensweise bei der Modellierung des Soll-Zustandes
Abbildung 17: Auswahlkriterien der ERP-System-Auswahl
Abbildung 18: Mindmap über Auswahlkriterien
Abbildung 19: Zusammenhang zwischen Lasten und Pflichtenheft
Abbildung 20: Kombination Markterkundung mit Erstellung Lasten-/Pflichtenheft
Abbildung 21: Die Stufen der Systemauswahl.
Abbildung 22: Systematischer Überblick über Bewertungsverfahren für die
ERP -Auswahl
Abbildung 23: Nicht eindeutiges Ergebnis aus Nutzwertanalyse
Abbildung 24: Gesamt- und Einzeltestfahrplan
Abbildung 25: Grafischer Systemvergleich, System B zu System A
Abbildung 26: Projektvertragswerk für ERP-Einführung
VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Qualitative u. quantitative Kriterien für Kleinst- u. Kleinunternehmen 8 Tabelle 2: Größeneinteilung von KMU gem. EU ................................................. 9 Tabelle 3: Branchen, in denen Branchenlösungen basierend auf Microsoft Dynamics existieren ........................................................................ 14 Tabelle 4: Typische ERP-Funktionsbereiche / Module ..................................... 25 Tabelle 5: Mögliche Vorteile durch ERP-Systeme nach Shang und Seddon ... 26
Tabelle 6: Vor- und Nachteile ERP ................................................................... 29 Tabelle 7: Vergleich von Lizenzsoftware und On-Demand-Anwendung ........... 33 Tabelle 8: Mögliche Komponenten eines Vorgehensmodell ............................. 40 Tabelle 9: Wichtige Fragenstellungen der Ist-Erhebung ................................... 50 Tabelle 10: Paarweiser Vergleich für Gewichtungsfaktor in Nutzwertanalyse .. 77 Tabelle 11: Beispielskala der Zielerfüllung in Nutzwertanalyse ........................ 78 Tabelle 12: Beispiel für fertige Nutzwertanalyse ............................................... 79 Tabelle 13: Unterschiede Werkvertrag zu Dienstvertrag .................................. 89
IX
Produkte oder Dienstleistungen auf dem Markt erfolgreich anbieten zu können, wird aufgrund steigender Arbeitsteilung und Spezialisierung immer komplexer. Der ebenso hinzukommende Trend nach stärker individualisierten Erzeugnissen bzw. Dienstleistungen lassen den Abstimmungsbedarf zwischen dem Konsument und der gesamten „Supply Chain“ auf ein Rekordniveau steigen (Sharma 2004, S. 1).
Diese Tatsachen und die gleichzeitige Erfordernis nach schnellen Lieferzeiten sind ohne eine enge Verzahnung der Prozesse des eigenen Unternehmens, welche der Lieferanten und denen der Kunden nicht zu realisieren. Eine schnelle Bereitstellung setzt voraus, dass Bearbeitungszeiten in allen ablaufenden Prozessen gesenkt und die Effizienz und Effektivität auf ein Höchstmaß angehoben werden. Dazu benötigen die Unternehmen ein effizientes Planungs- und Kontrollsystem, welches die gesamten Prozesse in der Wertschöpfungskette optimal zu koordinieren hilft.
Das Enterprise-Resource-Planning-System (ERP) ist ein strategisches Software-Werkzeug, welches es den Unternehmen ermöglicht, Prozesse äußerst gestrafft, bei gleichzeitig maximaler Information- und Kostentransparenz, darzustellen. Die Einführung oder ein Wechsel einer solchen integrierten betriebswirtschaftlichen Standardsoftware stellt aber in der Praxis eine Herausforderung der eigenen Art dar. (Hesseler, Görtz 2008, S. 6-7) Gerade kleinere Unternehmen stoßen bei der Auswahl eines geeigneten Produkts an Grenzen, unter anderem wegen der Vielzahl von Angeboten in diesem Marktsegment (Hesseler, Görtz 2008, S. 51).
1
Großunternehmen operieren vornehmlich nur mit den fünf größten ERP-Herstellern (Big Five), welche auch unter der Abkürzung „JBOPS“ zusammengefasst werden. Im Einzelnen handelt es sich dabei um J. D. Edwards, Baan, Oracle, Peoplesoft und SAP 1 . Bekannt sind diese Unternehmen auch als „Big Five“.
Im Gegensatz dazu ist das Angebot an ERP-Lösungen für Klein- und mittelständische Unternehmen bereits nicht mehr zu überschauen. Eine noch größere Anbieter- und Lösungsvielfalt erwartet die Kleinstunternehmen und Handwerksbetriebe (Hesseler, Görtz 2008, S. 51-54). Das große Angebot kommt aus gutem Grund; denn mit zirka zwei Millionen Handwerksbetrieben, Einzelhändlern, Fertigungsbetreiben, Dienstleistungsunternehmen und öffentlichen Institutionen alleine im Bereich der Kleinstunternehmen, erweist sich dieser Markt als der Wirtschaftmotor der ITK-Branche (Klüpfel, Mayer 2007, S. 1). Im Gegensatz zum Bereich der Großuntnehmen herrscht in diesem Marktsegement noch Nachholbedarf und es lassen sich Umsatz- und Gewinnsteigerungen erzielen (Hesseler, Görtz 2008, S. 54). Bereits diese Tatsache zeigt, dass es für Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen nicht einfach ist, eine optimale ERP-Lösung auszuwählen. Hinzukommt, dass die Big Five derzeit zusätzlich für Unsicherheit sorgen, indem sie versuchen, mit vorgefertigten Lösungspaketen und einem hohem Marketingbudget ebenso das untere Mittelstandsegment für sich zu gewinnen (MEPA DATA AG). Doch hier ist - wie generell bei der ERP-Auswahl - Vorsicht geboten, denn häufig stimmen Anforderungen und Bedürfnisse nicht überein. So sind bei diesen Angeboten vielfach die Funktionsumfänge zu groß und die Implementierungs-, Integrations- und Anpassungskosten mehrfach teurer als bei einer passgenauen Lösung. Aber auch ERP-Lösungen, die speziell für Kleinst- und Kleinunternehmen konzipiert wurden, bergen Risiken.
1 In der Zwischenzeit wurden J. D. Edwards und Peoplesoft von Oracle aufgekauft.
2
Exemplarisch fehlt es diesen Produkten häufig an einfacher Skalierbarkeit, zwischenbetrieblichen Schnittstellen, Mehrwährungs- und Mehrsprachenfähigkeit.
Abbildung 1: Marktanteil ERP-Software für kleinere und mittlere Unternehmen
Die Ausführungen zeigen bereits, dass es sich bei der ERP-Auswahl um eine äußerst schwierige und zeitaufwendige Aufgabe handelt. Diese setzt notwendige Mitarbeiterkapazitäten, ausreichende finanzielle Mittel und das fachspezifischen Wissen voraus, um das Softwareangebot beurteilen zu können. Der Erfolg wird dadurch aber noch nicht gesichert. Vielmehr ist es heute selbst unter Praktikern unbestritten, dass die ständig steigenden Anforderungen und die fortwährenden Innovationen des Marktes nur mit methodischem Vorgehen bewältigt werden können (Scheer, Köppen 2001, S. 190). Wird dies nicht beachtet, so fehlt es häufig an Investitionssicherheit, da nicht alle kritischen An-forderungen definiert und alle entscheidenden Auswahlkriterien ausreichend berücksichtigt werden.
Trotz dieser Tatsachen herrscht häufig gerade in kleineren Unternehmen die Meinung vor, dass es wichtiger ist, eine ERP-Lösung schnell zu
3
implementieren, als viel Zeit und damit auch Kosten für die Suche nach dem perfekten Software-Paket sowie des Systempartners aufzuwenden (Shields 2002, S. 108). Diese Meinung teilt der Autor dieser Arbeit jedoch nicht. Er plädiert vielmehr dafür, den Auswahlprozess als etwas Wertschöpfendes zu begreifen. Man könnte nämlich nur von einem Zufall sprechen, wenn „Bauchentscheidungen“ auch bei einer objektivierten Evaluierung zu dem gleichen Ergebnis führen würden.
1.2 Zielsetzung
Die Wahl der passenden betriebswirtschaftlichen Standardsoftware kann nur mit methodischem Vorgehen zu einem Höchstmaß an Produktivität führen. Somit ist die Evaluierung ein wertschöpfender Prozess. Diese Arbeit soll dementsprechend einen generellen Überblick über den ERP-Software-Markt geben, sich aber im Wesentlichen mit der Identifizierung von Herausforderungen bei der ERP-Auswahl aus Kundensicht beschäftigen. Diese Herausforderungen sollen so aufbereitet werden, dass sie dem implementierenden Kunden als Methodenkonzept bzw. „Leitfaden“ durch den Auswahlprozess bzw. sog. ex-ante Evaluierungsprozess dienen können. Der Fokus der Arbeit liegt dabei auf Kleinst- und Kleinunternehmen. Die eigentliche Implementierung sowie der empfohlene nachgelagerte „Continuous-Improvement-Prozess“ sind nicht Bestandteil dieser Arbeit.
1.3 Begriffliche Abgrenzung
Ziel dieses Unterpunktes ist es, die zentralen Begriffe dieser Arbeit, also Enterprise Resource Planning sowie Kleinst- und Kleinunternehmen abzugrenzen und zu definieren.
1.3.1 Enterprise Resource Planning (ERP) und ERP-Systeme
Unter einem ERP-System wird eine allgemeine, integrierte betriebswirtschaftliche Standardsoftware verstanden. Mit ihr lassen sich betriebswirtschaftliche
4
Aufgaben aus den verschiedensten Unternehmensbereichen IT-gestützt bearbeiten. Eine wortgemäße Übersetzung ins Deutsche als „Unternehmensressourcenplanung“ ist nicht stark genug an Aussagekraft, um alle Facetten eines solchen Systems aufzuzeigen.
Festzustellen ist, dass der Begriff ERP nicht immer eindeutig und gleich zu interpretieren ist. Zum einen ist dies zurückzuführen auf die unterschiedlichen Sprach- und Kulturkreise (Hesseler, Görtz 2008, S. 2) und zum anderen auf die stetigen Erweiterungen, welche die Software seit 1965 - damals noch unter dem Begriff MRP und gänzlich ausgerichtet auf die Produktion - erfahren hat (Werner 2002, S. 221-222).
5
Vor diesem Hintergrund werden hier zumindest zwei Definitionen aufgeführt:
Definition 1 „Unter Enterprise Resource Planning Systemen versteht man
"Enterprise resource planning (ERP) is a term usually used Definition 2
in conjunction with ERP software or an ERP system which is intended to manage all the information and functions of a business or company from shared data stores. An ERP system typically has modular hardware and software units and ‘services’ that communicate on a local area network. The modular design allows a business to add or reconfigure modules (perhaps from different vendors) while preserving data integrity in one shared database that may be centralized or distributed." (Wikimedia Foundation Inc. 2009a)
Aus diesen Definitionen hat auch der Autor seine Begriffsdefinition abgeleitet, welche die weitere Grundlage für die Arbeit darstellen: Bei ERP-Systemen handelt es sich um eine integrierte Software in modular (Abb. 3 zeigt alle üblichen Module) aufgebauter Weise. Ein ERP-System soll nach Möglichkeit alle betriebswirtschaftlichen Prozesse informationstechnisch
6
unterstützten und auf Basis der verarbeiteten Daten operative sowie strategische Entscheidungen ermöglichen.
Für die Begriffe Kleinstunternehmen und Kleinunternehmen gibt es in der Literatur keine einheitliche Definition. Begründet liegt dies unter anderem darin, da ein Vergleich nach Größe erst dann aussagekräftig ist, wenn Unternehmungen innerhalb derselben Branchen operieren (Böhm 2001, S. 17-18). Als gängiges Raster zur Größeneinteilung der Unternehmen bietet sich die Zahl der Beschäftigten an. Auch andere eindimensionale Kriterien wie Bilanzsumme, der Gewinn, der Kapitaleinsatz etc. kommen häufig zum Tragen. Mit dieser Methode lassen sich relativ einfach klare Ergebnisse über die größenmäßige Struktur der jeweiligen Unternehmen erzielen. Die Komplexität der Geschäfts-vorfälle und die charakteristischen Anhaltspunkte bleiben dabei jedoch unberücksichtigt. Dazu bedarf es eines mehrdimensionalen Merkmalskataloges, der sowohl quantitative sowie qualitative Merkmale beinhalten kann und damit
7
einen genaueren Einblick in das Wesen der jeweiligen Unternehmungen ermöglicht. (Belz, Bieger 2006, S. 460-461)
Im Folgenden seien einige qualitative und quantitative Merkmale aufgeführt, die dafür sprechen, dass es sich um Kleinst- und Kleinunternehmen handelt:
Tabelle 1: Qualitative u. quantitative Kriterien für Kleinst- u. Kleinunternehmen
Es gibt demnach eine Vielzahl von ein- oder mehrdimensionalen Maßstäben, nach denen man Unternehmen entsprechend Größe klassifizieren kann. Im deutschsprachigen Raum wird häufig der Einteilung des Institutes für Mittel-standsforschung, IfM Bonn, und der Europäischen Kommission gefolgt. Demnach handelt es sich um Kleinstunternehmen, wenn das Unternehmen 0 bis 9 Mitarbeiter beschäftigt. Beschäftigt das Unternehmen 10 bis 49 Mitarbeiter handelt es sich um ein Kleinunternehmen. Aber auch die Merkmale Umsatzgröße und Bilanzsumme sind für die Einordnung von Bedeutung (vgl. Tabelle 2). (Brauweiler 2008, S. 115-116)
Kleinstunternehmen Bis zu 9 Bis 2 Mio. Bis 2 Mio. Kleine Unternehmen 10 bis 49 Bis 10 Mio. Bis 10 Mio.
Quelle: Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften 2002, S. 1-11
Im Fokus dieser Arbeit stehen Kleinst- und Kleinunternehmen nach der vom IfM und der EU herausgegebenen, quantitativen Größeneinteilung. Jedoch soll bereits an dieser Stelle dafür sensibilisiert werden, wie wichtig auch qualitative Größenmerkmale im Auswahlwahlprozess der passenden ERP-Software sind, denn schließlich beeinflussen diese im hohen Maße die ablaufenden Arbeitsprozesse in einer Unternehmung. Angefügt sei auch, dass bei der Auswahl der Software auch weniger die Anzahl der Beschäftigten entscheidend sind als vielmehr die Anzahl der Benutzer, die das ERP-System nutzen.
9
Zu Beginn (Gliederungspunkt 2) erfolgt ein genereller Überblick über ERP-Systeme. Geschildert werden die Marktsituation sowie die historische Entwicklung. Ebenfalls wird aufgezeigt, wie die Software klassifiziert werden kann und welche typischen Funktionsumfänge eine ERP-Lösung bietet. Aufbauend darauf werden die Vorteile und die Risiken dargelegt, die durch einen ERP-System-Einsatz entstehen. Das Kapitel gewährt zugleich einen Einblick in sogenannte On-Demand-ERP-Systeme. Über die Anbieter und deren Produkte wird ein Kurzüberblick gegeben.
Im Hauptteil (Gliederungspunkt 3) werden Herausforderungen während des Auswahlprozesses identifiziert und Techniken aufgezeigt, die ein methodisches bzw. standarisiertes Vorgehen durch den Auswahlprozess für Kleinst- und Kleinunternehmen ermöglichen. Dabei wird herausgearbeitet, wie wichtig es ist, bereits die Auswahl eines ERP-System mit Projektmanagement-Maßnahmen zu begleiten und ein geeignetes Projektteam zusammenzustellen. Es wird auf die möglichen Vorzüge und Herausforderungen bei der Wahl von externen Beratern eingegangen. Genauso wird auf die Bedeutung der Zustandsanalyse hingewiesen, die im Rahmen einer Evaluierung durchzuführen ist. Es werden mögliche Auswahlkriterien typologisiert und aufgezeigt, der Weg zum Pflichtenheft dargelegt sowie Wege dargestellt, die eine objektivierende Endauswahl überhaupt ermöglichen. Abschließend wird das Vertragsmanagement beleuchtet.
Im abschließenden Kapitel (Gliederungspunkt 4), dem Resümee, fasst der Autor die wesentlichen Arbeitsergebnisse zusammen.
10
2 ERP-Systeme als betriebswirtschaftliche Standardsoftware
im Wandel
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem ERP-Software-Markt und befasst sich ebenso mit dessen historischer Entwicklung. Es wird aufgezeigt, wie sich Software klassifiziert lässt und welche Funktionsumfänge ERP-Software abdecken kann. Ebenso werden die Vor- und die Nachteile eines Einsatzes dieser Software näher betrachtet. Der Schluss des Kapitels beschäftigt sich mit dem Angebot „On-Demand-ERP“.
2.1 Überblick über die Marktsituation Markt erwartet Wachstum bei KMU
Der ERP-Software Markt hat trotz zeitweiser Wachstumsschwächen bisher eine kontinuierliche Steigerung vorgewiesen. Die Marktforscher von IDC 2 prophezeien dem weltweiten ERP-Markt bis 2011 ein Wachstum auf 45,2 Mrd. Dollar. Im Jahr 2006 belief sich das Volumen auf 30,6 Mrd. Dollar. (Bohmann Druck und Verlag Ges.mbH & Co KG 2008, S. 22)
Diese Wachstumsaussichten sind deshalb hervorzuheben, da der Markt im Bereich der Großunternehmen bereits gesättigt ist. Im Marktsegment der Großunternehmen konnten in der vergangenen Dekade - trotz Euroeinführungen und des Jahrtausendwechsels - nur sehr moderate Wachstumsquoten erzielt werden.
Anders verhält es sich es mit dem Wachstum im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen. Hier wurde viele Jahre kaum in Software investiert. Folglich erweist sich dieser Bereich nun - unter anderem bedingt durch den
2 International Data Corporation (IDC) ist ein internationales tätiges Marktforschungs- und Beratungsunternehmen auf dem Gebiet der Informationstechnologie und der Telekommunikation
11
Angebot wurde der Nachfrage angepasst
Diese sich abzeichnende Tendenz veränderte seit Jahr 2000 kontinuierlich das Angebot auf dem ERP-Markt. Angeboten wird nunmehr immer mehr ERP-Software, die den Anforderungen der Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen Rechnung tragen. (Sankar, Rau 2006, S. 60) Diesem Trend konnten sich auch große Software-Anbieter nicht verschließen und tätigten Zukäufe, um Ihr Know-How im Bereich der kleinen- und mittleren Unternehmen zu verstärken. Exemplarisch seien hier nur zwei Firmen genannt: die Firma Microsoft und die SAP AG. Microsoft verstärkte sich im Jahre 2002 mit dem Kauf des Unternehmens Navision Software A/S (Wikimedia Foundation Inc. 2009b) und die SAP AG tätigte zeitgleich eine Akquisition mit der Software „TopManage“ des israelischen Herstellers TopManage Financial Solutions LTD (Wikimedia Foundation Inc. 2010). Die zugekauften Produkte decken speziell die Bedarfe der Klein- und mittleren Unternehmen und werden unter den Namen „Microsoft Dynamics“ bzw. „SAP Business One“ vermarket. Branchenlösungen etablieren sich aufgrund von Kostenvorteilen Zur Veränderungen am ERP-Markt haben aber auch sogenannten Branchenlösungen verstärkt beigetragen. Diese Branchenlösungen werden für viele ERP-Systeme angeboten. Es handelt sich hierbei Erweiterungen oder Anpassungen des Standards eines ERP-Systems an die Besonderheiten der jeweiligen Branche. Diese Branchenlösungen werden häufig nicht vom Hersteller selbst sondern von Partnern entwickelt. Die Partner spezialisieren sich auf spezielle Wirtschaftszweige (Hesseler, Görtz 2008, S. 58). Da sich häufig die Prozessdifferenzen im Klein- und Mittelstand in Grenzen halten und damit Kosten- und Nutzenvorteile bei einer solchen Lösung existieren, können sich solche ERP-Branchenlösungen etablieren. Die SAP AG wirbt zum Beispiel bei Ihrem Produkt „SAP Business One“ damit, dass sie mit mehr als 550 branchenspezifischen Lösungen und Funktions-Add-ons ein breites Spektrum geschäftlicher Erfordernisse sicher abdecken könne.
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Arbeit zitieren:
Reiner Löffler, 2010, Identifizierung der Herausforderungen bei der ERP-Software-Einführung insbesondere unter den Gesichtspunkten von Kleinst- und Kleinunternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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