Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 1
2. Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. 2
2.1 Ursachen der Bevölkerungsentwicklungen 3
2.2 Folgen der Bevölkerungsentwicklung 5
2.3 Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung auf den ländlichen Raum. 6
3. Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Annaberg 8
4. Auswirkungen auf lokale Beispiele 9
4.1 Am Beispiel des Trinkwasserverbandes GmbH Erzgebirge. 9
4.2 Am Beispiel der Schließung des Dorfladens „BM“
in Neudorf OT Sehmatal. 10
5. Konsequenzen für die Raumordnung 12
6. Literaturverzeichnis III
II
1. Einführung
„Mitteldeutschland 2080. Außerhalb der Ballungsgebiete wurden in den vergangenen 30 Jahren sämtliche Schulen geschlossen. Das Sterben dieser Einrichtungen begann bereits im Jahr 2020, als verfügt wurde, dass ein Schulweg von 150 Kilometer für Erstklässler zumutbar sei. Das führte zu einem massiven Wegzug der Bevölkerung aus diesen ländlichen Gebieten, wo man mit Landwirtschaft schon lange nicht mehr rentabel wirtschaften kann. In den wenigen überlebenden Dörfer und Kleinstädten hat man sich komfortabler mit modernster Kommunikationstechnik ausgestattet und so werden Schule, Amtsgänge, Kultur und Unterhaltung von der Wohnung aus erledigt. Eine vernünftige Verkehrsinfrastruktur außerhalb der Großstädte unter 200 000 Einwohner gibt es schon lange nicht mehr, sie ist einer Optimierung des Streckennetzes der Deutschen Bahn zum Opfer gefallen.“ 1
1 vgl. Dagmar Haase 2006 (verändert nach Rosenkrantz 2005)
1
2. Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
Das oben skizzierte Szenario kann man aufgrund der momentanen Bevölkerungsentwicklung in Deutschland kaum als unrealistisch abhaken. Mit 8,7 Geburten auf 1000 Einwohnern hat Deutschland neben Slowenien das niedrigste Bevölkerungswachstum in der Europäischen Union. In einem Vergleich der Weltbank zur Bevölkerungsentwicklung von 190 teilnehmenden Staaten steht Deutschland nur auf Platz 185.
Der Demografische Wandel wird zu Recht seit geraumer Zeit als Dauerthema in den deutschen Medien behandelt. Denn wir sollten gewarnt genug sein, schließlich werden laut Berechnung des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2050 nur noch 65 Millionen Menschen in Deutschland leben. Wobei schon 100 000 bis 200 000 Einwanderer pro Jahr mit eingerechnet sind.
Die Geburtenraten sind sehr niedrig und die Zahl der „Alten“ nimmt rapide zu, allein im letzten Jahr standen 7,1 Millionen Geburten 7,9 Millionen Sterbefällen 2 gegenüber. Die Bevölkerung schrumpft dramatisch. Fast allen Regionen in Deutschland blüht Bevölkerungsschwund, selbst im „goldenen“ Westen der Republik wird der Schwund nur noch durch die Zuwanderung der neunziger Jahre kaschiert. Noch sind es erst wenige Kommunen in den alten Bundesländern, welche ähnliche Einwohnerverluste wie die ostdeutschen Städte haben (z.B.: Bremerhaven oder Essen).
Seit Ende der sechziger Jahre werden in Deutschland weniger Kinder geboren als für die Erhaltung des Status Quo notwendig wären. Um diesen Zustand zu erreichen müsste jede Frau im statistischen Schnitt 2,1 Kinder zur Welt bringen. Dies wird errechnet durch die „Total Fertility Rate“ (TFR), welche die Durchschnittszahl von Kindern pro Frau anzeigt, um eine Generation durch die Nächste ersetzen zu können 3 .
Jedoch schwankt die Geburtenrate tatsächlich, in Ost und West nahezu gleichermaßen, seit 40 Jahren zwischen 1,3 und 1,4. Somit ist jede nachwachsende Generation um ein Drittel kleiner als ihre Elterngeneration. Schon im Jahr 1950 (man bedenke unmittelbar nach dem Krieg) sind in Deutschland noch ca. 1 Millionen Menschen auf die Welt gekommen, im Gegensatz dazu waren es 2004 nur noch 705 000 Menschen.
2 vgl. Kirbach, Land ohne Leute, Die Zeit
3 vgl. Heilig 2002, S.3 f.
2
Die neuen Bundesländer haben alleine seit der Wende 1990 10% ihrer Bevölkerung verloren 4 . Und die Entleerung des Ostens wird immer stärker weitergehen, denn tatsächlich kommt zu der mächtigen Abwanderungsbewegung in den Westen bald der allgemeine Bevölkerungsrückgang dazu. Die aktiven Jüngeren wandern ab, die Alten und diejenigen, die keine Arbeit finden bleiben da, somit wachsen die Soziallasten für die Kommunen erheblich und gehen im Gegenzug die Einnahmen aus der Gewerbesteuer dramatisch zurück. Diese Dynamik ist nicht mehr aufzuhalten, denn Bevölkerungsentwicklungen seien „Prozesse von großer Trägheit, die auf Jahrzehnte hinaus kaum mehr umgelenkt werden können, wenn sie erst einmal eine bestimmte Richtung eingeschlagen haben.“ 5
2.1 Ursachen der Bevölkerungsentwicklungen
Natürlich steht als die Hauptursache für den anhaltenden Bevölkerungsrückgang das extrem niedrige Geburtenniveau der letzten 20 bis 30 Jahren im Vordergrund. Es herrscht in Deutschland seit diesem Zeitraum ein deutliches Geburtendefizit, dass heißt der Alterungsprozess der Gesellschaft aus der stetig steigender Lebenserwartung heraus, ist nur zu einem kleinen Teil an der Alterung der Gesellschaft beteiligt.
Das Problem ist deutlich sichtbar an der Bevölkerungspyramide, welche in Zukunft an der Basis deutlich schrumpfen wird, aber sich die Spitze deutlich verbreitert 6 .
Der „Babyboom“ der späten 50er-Jahre und frühen 60er-Jahre wird diese Problematik noch verschärfen, da diese Jahrgänge im nächsten Jahrzehnt in die Rentensysteme kommen. Die Spuren des 2. Weltkrieges, Wirtschaftskrisen und andere gesellschaftspolitischen Veränderungen haben tiefe Einschnitte in Form von Geburtenausfälle und erhöhter Sterbefälle hinterlassen. Jedoch trat in der Bevölkerungsentwicklung ab 1990 der sog. „Wende-Knick“ bei den Geburtenzahlen ein (in Anlehnung an den „Pillen-Knick“ der 70er - Jahre). In den hoch entwickelten Industriestaaten kommt die ständig steigende Lebenserwartung zu den geringer werdenden Geburtenzahlen dazu, somit kommt es zu einer drastischen Überalterung der Bevölkerung und damit zu einer
4 vgl. Wirtschaftatlas Sachsen
5 Zitat von Professor Herwig Birg, Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung und
Sozialpolitik der Universität Bielefeld aus dem Artikel „Land ohne Leute“ aus „Der Zeit“
3
Arbeit zitieren:
Jens Benedict, 2007, Die Bevölkerungsentwicklung und die Folgen für die Raumordnung , München, GRIN Verlag GmbH
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