Inhaltverzeichnis
1.1. Was ist Ordoliberalismus und woraus entstand dieser? 1
1.2. Walter Eucken: Biografie und Bibliografie 2
1.3. Walter Eucken und sein Akademisches Umfeld 3
1.3.1. Der Vater als Lehrer 3
1.3.2. Der Methodenstreit 4
2.1. Allgemeines zur Herangehensweise von Walter Eucken 7
2.2. Wirtschaftspolitik des Laissez-faire 7
2.3. Wirtschaftspolitik der Experimente 8
2.4. Politik der zentralen Leitung des Wirtschaftsprozesses 9
2.4.1. Der Wirtschafsprozesses in einer Zentralverwaltungswirtschaft 10
2.4.2. Lenkungssystem der Zentralverwaltungswirtschaft 11
2.4.3. Die Rolle der Preises 12
2.5. Auswirkungen auf das ordnungspolitische Problem 13
2.6. Vergleich mit der Verkehrswirtschaft 14
2.7. Freiheit, Ordnung und Macht 15
2.8. Wettbewerbsordnung 16
2.8.1. Was ist Wettbewerbsordnung? 17
2.8.2. Politik der Wettbewerbsordnung 17
2.8.3. Die Stellung des Privateigentums in der Wettbewerbsordnung. 18
2.8.4. Vertragsfreiheit und Haftung in der Wettbewerbsordnung 18
2.8.5. Verwirklichung der Wettbewerbsordnung 19
2.9. Vergleich von Eucken und von Hayek 20
2.9.1. Allgemeines 20
2.9.2. Gemeinsamkeiten 21
2.9.3. Die Unterschiede 21
2.10. Ordoliberalismus und dessen Entwicklung 22
2.11. Verbindungen zur Sozialen Marktwirtschaft 22
3.1. Freiburger Schule und das Eucken Institut als Basis für neue Ordnungspolitik 24
3.1.1. Ordnungspolitische Aspekte der Europäischen Integration 24
3.1.2. Grüne Ordnungspolitik 25
3.2. Resümee und Ausblick 25
Literaturverzeichnis 27
1. Einleitung
1.1. Was ist Ordoliberalismus und woraus entstand dieser?
Walter Eucken ist ohne Zweifel ein Schwergewicht in der ordnungspolitischen Theorie. Ziel seiner Konzeption war es, der Politik einen Anhaltspunkt für die politische und wirtschaftliche Ordnung der Gesellschaft zu bieten. Er versteht Ordnungspolitik nicht nur als reine Wirtschaftspolitik, sondern auch als wichtigen Teil der Sozial- und Umweltpolitik. Diese breite Definition unterscheidet sich von seinem engen Verständnis der Wirtschaftspolitik. Die von ihm eingeführte Trennung zwischen Prozess- und Ordnungspolitik ist ein wesentlicher Eckpfeiler seines Werkes und nur dadurch können seine Ideen verstanden werden. Die Differenzierung zwischen den beiden Politikbereichen finden wir schon in Euckens „Grundlagen der Nationalökonomie“ und wird durch die Trennung, der Schaffung eines institutionellen Rahmens für wirtschaftliches Handeln, (Ordnungspolitik) von dem Eingriff in alltägliche Wirtschaftsprozesse abgegrenzt (Prozesspolitik) 1 .
Die nun vorgestellte Denkrichtung des Ordoliberalismus basiert hauptsächlich auf dieser Unterscheidung. Walter Eucken ist der Ansicht, dass die Aufgabe der Politik „nur“ die Schaffung eines Rahmens (Spielregeln) ist, jedoch jeder Eingriff in den Prozess der Preisbildung und des Wettbewerbs zu Instabilität und Unordnung führt. Dieser Denkansatz wird seit 1950 als Ordoliberalismus bezeichnet und geht Großteils auf die Freiburger Schule und Walter Eucken zurück. Der Begriff selbst wurde von Hero Moeller, in Anlehnung an die Zeitschrift ORDO - Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft geprägt. Diese Fachschrift, welche seit 1948 jährlich erscheint, wurde von Walter Eucken selbst ins Leben gerufen und enthält Schriften u. a. von August Friedrich von Hayek, James McGill Buchanan und Milton Friedman. Das Wort „Ordo“ stammt aus dem Lateinischen und beschreibt einen Zu-stand der römischen Gesellschaft, in dem sich deren Mitglieder frei fühlten, und die Möglichkeit hatten, sich weiterzuentwickeln. 2
In den ersten Kapiteln dieser Arbeit werden die Einflussfaktoren zur Entstehung dieser Denkrichtung beleuchtet. Anschließend wird das familiäre Umfeld Walter Euckens betrachtet, um dadurch den Einfluss auf sein Werk zu analysieren. Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist das Verständnis für die damals herrschende Situation in der Wirtschaftswissen- 1 Vgl.Gerken/Renner (2000), S. 28 ff.
2 Vgl. Kasper/Streit (1998), S. 340f.
schaft und Nationalökonomie. Der Titel seines 1947 erschienen Werkes zeigt die Unsicherheit in der Wissenschaft „Nationalökonomie wozu?“. Des Weiteren ist zu beachten, dass er in seinem 59 jährigen Leben beide Weltkriege sowie die Zwischenkriegszeit hautnah miterlebte. Die in diesen politisch instabilen Zeiten herrschende Politik beschreibt er in seinen Werken als Zeitalter wirtschaftspolitischer Experimente.
1.2. Walter Eucken: Biografie und Bibliografie
Warum seine biografische Situation eine so große Rolle spielt wird in diesem Teil bearbeitet und es wird versucht sich auf die Beziehungen zu den Schlüsselfiguren in seinem Leben zu konzentrieren. 3 Am 17. Januar 1891 erblickte Walter Eucken in der deutschen Kleinstadt Jena das Licht der Welt. Als jüngstes Kind des angesehenen Universitätsprofessors Rudolf Eucken und der um 17 Jahre jüngeren Malerin Irene Eucken wächst der junge Walter in einem hochgebildeten Umfeld voller Inspiration und geistiger Herausforderungen auf. Die Gastfreundschaft im Hause Eucken war sehr entscheidend um seine Beziehungen zu anderen Akademikern, u. a. August Friedrich von Hayek, aufzubauen bzw. sein gesamtes Leben lang aufrecht zu erhalten. Walter Eucken stand Modell für einen berühmten Maler seiner Zeit und konnte immer an den private Theatervorstellungen im eigenen Hause teilnehmen. In dem damals entstandenen Bild werden schon wesentliche Charakterzüge des späteren Nationalökonomen ersichtlich: Nachdenklichkeit und Entschlossenheit im Aufbruch. 4 Auch das Denken seines Vaters hat ihn wesentlich geprägt, die ethische Komponente und seine Ansicht von Freiheit, sind auf den Vater zurückzuführen. Sein Vater erhält 1909 den Literaturnobelpreis, ein Jahr bevor Walter Eucken sein Studium beginnt. Schon vor seinem Studium schildert Eucken in einem Brief an seine Großmutter seine Zweifel bezüglich der Studienwahl. Zunächst beschäftigt er sich in Kiel 3 Semester mit Staatswissenschaft, Nationalökonomie und Neuerer Geschichte. Danach vertieft er sein Wissen in Bonn, wo er später auch wie sein Bruder und Vater summa cum laude sein Doktoratsstudium abschließt. Sein erster Vortrag im Ausland an der Columbia-University in New York, wurde jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhindert. Stattdessen diente er 4 Jahre lang und verliert einige seiner besten Freunde u.a. den Maler August Macke. Trotz
3 Vgl. Von Klinckowstroem (2000), S. 54ff.
4 Vgl. Von Klinckowstroem (2000), S. 59.
dieses traurigen Verlusts schließt er auch neue Bekanntschaften, darunter der Sozialwissenschaftler und Ökonom Alexander Rüstow.
Wie soviele seiner Freunde lernt er auch seine Frau Edith Erdsiek an der Universität kennen. Auch sie beschäftigte sich mit Nationalökonomie, jedoch lagen ihre Hauptgebiete in der Literaturgeschichte und der Philosophie. Sie wollte weder einen Beruf haben, noch wollte ihr Mann am Abend wiederum über die Nationalökonomie sprechen. Sie sah es als ihre Aufgabe ihm andere Literatur nahe zu legen, wofür er auch sehr dankbar war und sowohl Philosophisches als auch Literaturwissenschaftliches mit ihr diskutierte. Nach außen wirke er oft distanziert und kühl, sowohl durch seine resolute Art, als auch durch sein Erscheinungsbild 5 . Jedoch war Walter Eucken ein sehr fröhlicher Mensch, der sich sowohl für seine Kinder als auch seine Studenten genügend Zeit nahm, wie er es auch zu Hause bei seinem Vater gesehen hatte.
1923 erscheint sein erstes Buch „Kritische Betrachtungen zum deutschen Geldproblem“ und auch hier zeigt Eucken seine resolute Art. Eucken äußerte wie folgt im Bezug auf sein Werk: „Freunde werde ich mir nicht machen, denn es ist recht energisch geschrieben.“ 6 Im Alter von 34 Jahren wird er schließlich in Tübingen Professor für Volkswirtschaftslehre und Statistik. Da jedoch in Tübingen seine Kollegen andere Denkrichtungen bevorzugen z. B. Robert Wilbrandt den Kommunalsozialismus, verlässt er Tübingen 1927 schon wieder in Richtung Freiburg im Breisgau. Dort bleibt er auch bis zu seinem Tod, während einer Gastvorlesung an der London School of Economics.
1.3. Walter Eucken und sein Akademisches Umfeld
1.3.1. Der Vater als Lehrer
Erst mit dem Wechsel nach Freiburg und dem Tod seines Vater im Jahr bevor begeht Walter Eucken philosophisch und ökonomisch seinen eigenen Weg, der zuvor sehr stark an jenen des Vaters gebunden war. 7 Er beginnt seine eigenen Fragen zu stellen und weicht von der Frage zur anzustrebenden Lebensordnung ab und beschäftigt sich nun mit den Voraussetzungen, welche die Wahl der individuellen Lebensordnung ermöglichen. 8 Er versucht ab die-
5 WalterEucken war 190 cm groß, trug Brillen und war glatzköpfig.
6 Brief an Irene Eucken, geb. Passow, vom 24.8. 1923. Zitiert nach Hüfner (1995,64).
7 Vgl. Von Klinckowstroem (2000) S. 71ff.
8 Vgl. Dathe/Goldschmidt (2003), S. 57f.
sem Zeitpunkt eine menschenwürdige und funktionsfähige Ordnung für moderne industrialisierte Gesellschaften zu finden. Hier ist jedoch noch immer der Einfluss des Vaters in der Menschenwürdigkeit zu spüren. Die ethische Verträglichkeit von Lebensordnungen spielt für Walter Eucken durch seine christliche Erziehung und den philosophischen Hintergrund eine zentrale Rolle. Die christliche Ethik kommt besonders in seinen ersten Werken noch stark durch. Er ist der Ansicht, dass das rechnerische Handeln und Denken und das dauernde Vergleichen von Kosten und Ertrag dem Leben seinen inneren Gehalt nimmt. 9 Er war auch einer der Ersten, die Auswirkungen von Wirtschaftspolitik auf die Umwelt und dadurch die heute moderne Nachhaltigkeit gesehen hat.
Nicht nur im Denken sondern auch im Freundes- und Kollegenkreis wurde Eucken sehr stark von seinem Vater beeinflusst. Ein gutes Beispiel ist die Freundschaft mit Edmund Husserl einem Philosophen und Mathematiker der auch mit Euckens Vater schon eine enge Freundschaft pflegte. Husserl versuchte seine skeptische Einstellung gegenüber Sekundärliteratur an Eucken weiterzugeben und ihn auch nach dem Tod seines Vaters mit philosophischen Denkanstößen zu begleiten. Dies dankten Irene und Walter Eucken, dem im Nationalsozialismus zusehends isolierten hochgebildeten Husserl, mit einer bis zu seinem Grabe andauernden Freundschaft.
1.3.2. Der Methodenstreit
In diesem Teil wird Bezug auf seine Zeit Tätigkeit als Hochschulprofessor in Freiburg genommen, welche er von 1927 bis zu seinem Tod am 20. März 1950 inne hatte. 10 Eucken sieht sich noch vor dem Studienbeginn das erste Mal mit dem Methodenstreit konfrontiert, er steht vor der Frage ob das Studium der Nationalökonomie oder nicht doch das Geschichtestudium vorzuziehen sei. Er entschied sich für die Nationalökonomie als Hauptfach und bereits zu Beginn seiner Arbeit in Freiburg geht aus einem Briefwechsel mit Alexander Rüstow hervor, dass Walter Eucken sich im Methodenstreit zwischen der historischempirischen und der theoretischen Schule der Nationalökonomie bereits entschieden hatte. Er war der Ansicht, dass sich die Ökonomie auf Grund des zu großen Einflusses der Historischen Schule in Deutschland abwärts bewegt hatte. Gemeinsam versuchen Vertreter der theoretischen Denkansätze durch Vereinigung der verschiedenen Lager innerhalb ihrer
9 Vgl. Gerken/Renner (2000), S. 4.
10 Von Klinckowstroem(2000), S. 72 ff.
Gruppe quer über alle Lager, von Sozialisten bis zu Liberalisten den Historismus zurück zu drängen. Die beiden Hauptkontrahenten des Methodenstreits waren einerseits die Österreichische Schule rund Carl Menger und auf der anderen Seite Gustav Schmoller, der dem deutschen Historismus zurechnet wird. Die wesentlichen Streitpunkte waren: Geschichte vs. Theorie, Beschreibung vs. Gesetz, Relativismus vs. Absolutismus der Lösungen. 11 Andere ideologische Querelen innerhalb der Gruppe rund um Eucken verlangsamten die Umsetzung ihrer Ziele und schließlich setzte die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten dem Ganzen ein Ende.
Nach der Machtergreifung bilden sich neue Kreise, zu denen sich Walter Eucken hingezogen fühlt. 1933 wird sich Walter Eucken bewusst, dass sowohl er, als auch seine Kollegen Hans Großmann-Doerth als auch Franz Böhm, sich mit ähnlichen Fragen zur Ordnung der Gesellschaft befassen. Alle drei beschäftigen sich mit der Frage der privaten Macht in der freien Gesellschaft und der sich daraus entwickelnden Frage nach der entsprechenden Ordnung in dieser Gesellschaft. Gemeinsam mit den beiden Juristen gibt Eucken Seminare zu diesem Thema und behandelt darin auch ähnliche Fragestellungen wie in seinen später verfassten Büchern. Begonnen wird mit einem Überblick der verschiedenen Typen und Möglichkeiten von Ordnungen und welche Rolle Macht darin spielt, wobei hier sowohl die Macht des Staates als auch der Privaten gemeint ist.
Durch die Entwicklung im Deutschland der 30er Jahre wird das Schaffen der Universitäten stets schwieriger und ein beachtlicher Teil an Akademiker wandert aus. Der dadurch verursachte Brain-Drain erschwert die Situation zusätzlich und so bilden sich neue Gruppen von Wissenschaftler, die in Deutschland blieben. 12 Eucken der selbst angibt niemals nationalsozialistisch gewählt zu haben, arbeitet mit großem Eifer in diesen Seminaren und heimlichen Treffen mit. Die Arbeit dort wird jedoch nach Ausbruch des Krieges zunehmend gefährlicher und Eucken selbst wird zweimal von der Gestapo verhört. Nichts desto trotz und umso bewundernswerter aufgrund seiner halbjüdischen Ehefrau setzt Eucken seine Arbeit u.a. im Bonhoeffer Kreis fort. In all diesen Treffen mit Gleichgesinnten wird an Plänen für eine friedliche, freie Ordnung im Nachkriegsdeutschland gearbeitet. Nicht zuletzt daher wird Euckens Theorie auch als wichtige Basis für die Weiterentwicklungen von Müller-Armack und der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands in den Nachkriegsjahren betrachtet. Wie später
11 Vgl. Runk (1962), S 83.
12 Vgl. Ptak (2004), S. 58ff.
Arbeit zitieren:
Michael Huemer, 2010, Die ordnungspolitische Konzeption von Walter Eucken, München, GRIN Verlag GmbH
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