II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
1 Einleitung 1
2 Rivalität fördert Wohlstand und Sicherheit. 2
2.1 Globalisierung und ihre Effekte. 2
2.2 Warum es Sinn macht, alle mitspielen zu lassen. 4
3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen 5
3.1 Was sind Entwicklungsländer? 6
3.2 Erfordernisse wirtschaftlicher Entwicklung und die Rolle des Staates 9
3.2.1 Auslöser wirtschaftlicher Entwicklung von Volkswirtschaften 9
3.2.2 Die besondere Rolle des Staates 11
3.2.3 Entwicklungsstrategie für LDCs. 12
3.3 Woran es Entwicklungsländern mangelt 13
4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt 16
4.1 Eingeschränkte nationale Refinanzierungsmöglichkeiten. 16
4.2 Wie Kapital fließen sollte und welchen Weg es wirklich geht. 18
4.3 Ursachen und Folgen fehlender Investoren in LDCs 20
4.4 Position von Entwicklungsorganisationen zum Heilen der Schwächen. 22
4.5 Langfristige Erfordernisse zur Nutzung internationalen Kapitals 25
5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. 27
5.1 Vertrauen durch das bewährte Pfandprinzip. 27
5.1.1 Das Modell „Faustpfand Währungsreserven“ 27
5.1.2 Chancen und Grenzen des Modells in der Anwendung auf LDCs 29
5.2 Kapitalfluss aus „nationalem Tafelsilber“? 32
5.3 Die Wiederentdeckung von Agrarland 34
III
Inhaltsverzeichnis
6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs. 38
6.1 Die eigene Bewirtschaftung. 38
6.2 Kauf und Pacht durch ausländische Investoren 42
6.3 Kombinierter Ansatz: Vertragslandwirtschaft mit institutionellem Rahmen 44
6.4 Die Möglichkeiten im Überblick 47
7 Zusammenfassung. 49
Literaturverzeichnis. 51
Internet-/ Intranetverzeichnis 55
Anhang 58
IV Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung c.p. ceteris paribus EU Europäische Union f. folgende ff. fortfolgende ggü. gegenüber HDI Human Development Index IWF Internationaler Währungsfonds LDCs Least-Developed-Countries Mio. Millionen OECD Organisation for Economic Co-operation and Development S. Seite S&P Standard & Poor’s UN United Nations UNDP United Nations Development Programme US United States USA United States of America USD US-Dollar Vgl. Vergleiche WTO World Trade Organization
V Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1: Entwicklung des Welthandelsvolumens in Milliarden USD,
saisonbereinigt, 1991-2009................................................................................. 3 Abb. 2: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Kaufkraftparitäten in LDCs und
Abb. 3: Entwicklung des Human Development Index nach Regionen,
1980-2007........................................................................................................... 7 Abb. 4: Wirtschaftliche Entwicklungslinie basierend auf Vertrauen in den
Staat und einer adäquaten Infrastruktur............................................................ 13 Abb. 5: Relationen von Bankbilanzen nach Weltregionen und Anlageobjekten,
2005 .................................................................................................................. 17 Abb. 6: Direkt- und Portfolioinvestitionen pro Kopf in Tausend USD
nach Entwicklungsstand des Landes, 1970-2000 ............................................. 19 Abb. 7: Unterscheidung der Kredite an LDCs nach öffentlichen und privaten
Abb. 8: Entwicklung von Chinas Bestand an Währungsreserven in
Milliarden USD, 1980-2008. ............................................................................ 29 Abb. 9: Entwurf einer internationalen Organisation zur Sicherstellung
fairer und gesicherter Nahrungsmittellieferungen............................................ 45 Abb. 10: Gruppierung von Ländern durch die Weltbank nach
Pro-Kopf-Einkommen, 2006 ............................................................................ 59 Abb. 11: Least-Developed-Countries nach der Klassifizierung des
UNDP auf Basis des HDI, 2007 ....................................................................... 60 Abb. 12: Globale Verteilung von Währungsreserven und Gold in
Milliarden USD, 2006 ...................................................................................... 61 Abb. 13: Kumulierte Leistungsbilanzsalden, 2008 ......................................................... 63
1 1 Einleitung
1 Einleitung
»Wir leben in einem System, in dem man entweder Rad sein muß oder unter die Räder gerät.« 1
So stellt es sich dar in einem System, das auf die Leistungsfähigkeit eines jeden Einzelnen und dessen Streben nach mehr gebaut ist. In einem fairen Wettbewerb setzt sich der Bessere durch. Wenn man noch nicht der Bessere ist, übt man weiter und tritt erneut an. Oder man sucht sich eine andere Disziplin. Und wenn alles nicht gelingt, bleibt man als Verlierer zurück.
Betrachtet man die Länder dieser Erde, lassen sich gewisse Parallelen feststellen. Es gibt Länder, die offensichtlich ein großes Rad sind und erfolgreich am internationalen Wettbewerb teilnehmen. Dann gibt es jene Länder, die sich als Verlierer etabliert haben und scheinbar unter die Räder gekommen sind. Dabei braucht das internationale Spiel gar keine Verlierer. Seine Regeln lassen es zu, dass jeder gewinnen kann. Trotzdem wird es anders gespielt. Dieser Missstand führt dazu, dass ein Teil der Menschheit in Wohlstand lebt, während ein anderer in bitterer Armut verharrt - ohne Aussicht auf Besserung. Das Paradoxe: Könnte jeder seinen Beitrag leisten, würden sich die Lebensumstände aller verbessern. Aber das Spiel wird nicht fair gespielt. Mittlerweile sind einige Mitspieler so geschwächt, dass sie keine Kraft mehr haben, weiter zu üben und besser zu werden.
Diese Arbeit untersucht, woran es den schwächsten Ländern der Welt fehlt, um am internationalen Wettbewerb wieder partizipieren zu können. Anhand des identifizierten Initialproblems werden schließlich Lösungsansätze diskutiert und ihre Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt.
Um sich der Problemstellung zu nähern, wird zunächst erläutert, warum und in welcher Weise Länder global miteinander agieren und welche Folgen dies nach sich zieht. Auf dieser Grundlage wird herausgestellt, warum es für jeden Wettbewerber sogar von Vorteil wäre, wenn sich jedes verfügbare Land einbringen könnte. Dann werden die Länder charakterisiert, die im internationalen Wettbewerb eine untergeordnete Rolle spielen, und ihre defizitären Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung identifiziert. Dem schließt sich die Frage an, wie diese ausgeglichen werden können, um einen Aufholprozess zu starten. Neben ordinären Ansätzen, die sich für entwickelte Länder als gangbarer Weg erwiesen haben, werden alternative Überlegungen angestellt, die einen Beitrag zum Aufholen der mangelnden Teil-nahmevoraussetzungen leisten können.
1 Nietzsche, Friedrich (1844-1900), deutscher Philosoph.
2 2 Rivalität fördert Wohlstand und Sicherheit
Wie heißt also das Spiel? Wer darf mitmachen und wer nicht? Und wie können schließlich die Voraussetzungen zum reibungslosen Ablauf geschaffen werden, damit jeder als potentieller Gewinner auf dem Spielfeld steht? Diesen Fragen wird im Folgenden nachgegangen.
2 Rivalität fördert Wohlstand und Sicherheit
Zunächst stellt sich die Frage, warum es sich lohnt, jedem Land die Chance zu geben, international zu wirtschaften. Stellt man sich einen Wettlauf vor, an dem kein anderer außer einem selbst teilnimmt, so wird man hier als Sieger hervorgehen. Was ausbleibt sind Anerkennung und der Ansporn zu mehr Leistung. Ein ähnliches Bild zeichnet sich ab, wenn man ein Musikkonzert besucht, zu dem niemand anderes kommt. Man steht allein vor der Bühne, die Halle ist leer und die Feierstimmung bleibt fort.
Beide Situationen teilen eins: Auch wenn die Anwesenheit von anderen zunächst störend erscheint, so ist das Vergnügen dadurch geprägt, dass man die gleiche Sache beansprucht, teilt und mit anderen interagiert. Die Untersuchung von Parallelen zwischen diesen banalen Situationen und dem globalen Zusammenspiel von Staaten ist Bestandteil dieses Kapitels.
2.1 Globalisierung und ihre Effekte
Deutsche Maschinen, asiatische Fahrzeuge oder amerikanische Computertechnologie sind nur mikroskopische Ausschnitte von möglichen Gütern, die rund um den Globus verfügbar sind. Die Welt rückt näher zusammen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch, rechtlich und kulturell. In den vergangenen fünfzig Jahren prägte der Begriff Globalisierung die zunehmende Verflechtung von Güter-, Kapital- und Dienstleistungsströmen. 2 Jedoch ist Globalisierung kein Trend der Neuzeit. Seit Jahrtausenden werden Gewürze, Stoffe und Edelmetalle gehandelt. 3
Zur Erklärung dieses Verhaltens gibt es zahlreiche Theorien. Neben dem Austausch von Gütern, die in einem Land aufgrund seiner Faktorausstattung einfach nicht verfügbar sind, erklärte David Ricardo weltweiten Handel mit komparativen Kostenvorteilen. Dabei produziert jedes Land die Güter, die es verhältnismäßig am günstigsten herstellt, und tauscht diese gegen Güter anderer Länder, die diese wiederum am besten produzieren können. Durch Skaleneffekte und faktorschonende Produktion entstehen komparative Kostenvorteile, die den Wohl-stand der Länder erhöhen, die auf Handel vertrauen. 4
2 Vgl. Kaminski, Hans / Eggert, Katrin u.a. (2010), S. 57.
3 Vgl. Globus (2010), S. 67.
4 Vgl. Ricardo, David (1817), S. 85 ff.
3 2 Rivalität fördert Wohlstand und Sicherheit
Auffällig ist die starke Zunahme des Handelsvolumens zwischen Staaten seit Mitte des letzten Jahrhunderts. Allein in den letzten zwanzig Jahren hat es sich verdreifacht (siehe Abbildung 1), was durch geringere Kapitalverkehrskosten, den günstigen Transport von Gütern sowie verbesserte Kommunikationsmittel begünstigt wurde. 5
Abb. 1: Entwicklung des Welthandelsvolumens in Milliarden USD, saisonbereinigt, 1991-2009.
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis The World Bank Group (2010c), Download-Dokument (siehe Internetverzeichnis). Die Effekte der Globalisierung werden vielfach diskutiert. Zunächst wurde beobachtet, dass Länder, die sich dem Freihandel öffnen und an ihm partizipieren, eine zunehmende Investitionstätigkeit in ihrem Land durch Ausländer erleben. Damit wird generell ein positiver Zusammenhang zwischen Globalisierung und wirtschaftlichen Aufholprozessen beobachtet. Globalisierung bietet also theoretisch allen Ländern die Chance, sich wirtschaftlich zu entwickeln. Außerdem nahm die Abhängigkeit von Staaten untereinander zu, was politisch und wirtschaftlich zur Zusammenarbeit auffordert, aber auch nationale Souveränität einschränkt. 6
Auf der anderen Seite provozierte der Trend die Entstehung dramatischer Unterschiede in der Entwicklung von Ländern. Denjenigen, die zögerten mitzumachen und ihren Heimatmarkt sogar abschotteten, wurden weitere Steine in den ohnehin herausfordernden Entwicklungsweg gelegt. 7 Spätere Versuche entwicklungsökonomischer Fortschritte wurden schließlich durch protektionistische Maßnahmen der Industrieländer behindert. 8 Die 49 ärmsten Länder tragen mit zwölf Prozent zur Weltbevölkerung bei, halten am Welthandel jedoch nur einen Anteil von zwei Prozent. Im historischen Vergleich, konstatiert Jeffrey Sachs 9 , führte dies schließlich zu einer heftigen Entfernung der durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen zwischen armen und reichen Ländern. Lag deren Verhältnis 1820 noch bei 1:4, hat es sich bis
5 Vgl. Globus (2010), S. 67.
6 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 5 f.
7 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 107 ff.
8 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 5 f.
9 Sachs, Jeffrey (*1954), US-amerikanischer Ökonom.
4 2 Rivalität fördert Wohlstand und Sicherheit
1998 auf ein Verhältnis von 1:20 voneinander entfernt. 10 Abbildung 2 verdeutlicht den stetig zugenommenen Abstand seit 1981 anhand der Bruttoinlandsprodukte der Länder mit hohem Einkommen und der am wenigsten entwickelten Länder.
Abb. 2: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Kaufkraftparitäten in LDCs und Länder mit hohem Einkommen, sowie die
kumulierte Zunahme des Abstandes zwischen beiden Ländergruppen, 1981-2008.
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis The World Bank Group (2010b), Download-Dokument (siehe Internetverzeichnis).
2.2 Warum es Sinn macht, alle mitspielen zu lassen
Während sich arme und reiche Länder immer weiter voneinander entfernten und einige Staaten es immer schwerer haben, sich im Welthandel zu platzieren, an den positiven Folgen zu partizipieren und eine Entwicklung ihres eigenen Landes zu forcieren, würde es für alle Beteiligten doch einen Gewinn darstellen.
Der im Jahre 2002 in Johannesburg abgehaltene World Summit on Sustainable Development hielt in der „Johannesburg Declaration on Sustainable Development“ folgendes Ergebnis fest: »The deep fault line that divides human society between the rich and the poor and the
ever-increasing gap between the developed and developing worlds pose a major threat
to global prosperity, security and stability. The global environment continues to suffer.
Loss of biodiversity continues, fish stocks continue to be depleted, desertification
claims more and more fertile land, the adverse effects of climate change are already
evident, natural disasters are more frequent and more devastating and developing
countries more vulnerable, and air, water and marine pollution continue to rob
millions of a decent life.« 11
Dabei ist das dargestellte Szenario keine Gegebenheit, die akzeptiert werden muss. Langfristige Produktions- und Wohlfahrtsteigerungen der reichen Volkswirtschaften sind hauptsächlich technischem Fortschritt zu verdanken und nicht der Ausbeutung armer Länder. Eine ge-
10 Vgl.Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 43 f.
11 UN Department of Economic and Social Affairs (2002), Hauptframe, Absatz 12 f. (siehe Internetverzeichnis).
5 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
naue Ausführung schließt in Kapitel 3.2.1 an. Zunächst bedeutet es aber, dass theoretisch alle Länder eine Chance auf wirtschaftliche Entwicklung haben. Denn diese ist kein Nullsummenspiel, bei dem sich Gewinne der einen aus Verlusten der anderen ergeben. In diesem Spiel könnte jeder dazugewinnen. 12
Neben wirtschaftlichen Effekten einer angemessenen und vorteilhaften Arbeitsteilung würden arme Länder mit bislang geringem oder gar keinem Ausblick auf Entwicklung eine Perspektive erhalten. Entwicklung trägt die Idee von mehr menschlicher Würde, mehr Sicherheit, Gerechtigkeit und Gleichheit in sich. 13 Es ist die Chance, den eigenen Wohlstand aus eigener Kraft steigern zu können und erworbenen Güterreichtum zu schützen. Es ist die Aussicht, Kindern eine gesicherte Ernährung, eine solide Schulbildung und schließlich Arbeit bieten zu können, was Menschen davon abhält, zu Gewalt oder gar zu Terror zu tendieren. Entwicklung verbessert die Verteilung von materiellem Wohlstand in der Gesellschaft. Und eine gerechte Verteilung vermindert Neidgefühle. Eine Gesellschaft in extremer Armut ist chronisch destabilisiert und neigt dazu, Brutstätte von Unruhen, Gewalt und sogar weltweit agierender Ter-roristen zu werden. 14
»Die 450 Milliarden Dollar, die die US-Regierung 2005 für das Militär [ausgegeben
hat], werden niemals den Frieden erkaufen können, wenn sie auch weiterhin nur etwa
ein Dreißigstel dieser Summe, nicht mehr als 15 Milliarden, dafür aufwendet, das
Elend der Ärmsten der Armen auf der Welt zu lindern.« 15
Daher sollte es im Interesse aller sein, den wirtschaftlich benachteiligten und destabilisierten Ländern die Möglichkeit zu geben, an der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung zu partizipieren und sie bei der Schaffung notwendiger Grundlagen zu unterstützen.
3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Es ist also ein Vorteil aller, wenn jedes Land die Chance auf Entwicklung erhält. Jedoch gelingt es einigen einfach nicht, ihren Platz im globalen Wettbewerb zu finden. Dieses Kapitel betrachtet, wer diese Länder sind und was sie charakterisiert. Weiterhin wird auf die Frage eingegangen, was wirtschaftliche Entwicklung erfordert und woran es den identifizierten Ländern noch fehlt, um endlich mitzuspielen.
12 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 46.
13 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 7 f.
14 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 13 f.
15 Ebenda.
6 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
3.1 Was sind Entwicklungsländer?
Wenn bei gering entwickelten Ländern von Entwicklungsländern die Rede ist, erscheint der Ausdruck unangemessen. Sein Wortlaut unterstellt, dass sich die bezeichneten Länder entwickeln, was sie gerade nicht tun. 16 Es gibt keine einheitliche Festlegung zur Klassifizierung von Entwicklungsländern, da jede wissenschaftliche Betrachtung unterschiedliche Anforderungen stellt. International anerkannt sind die Zuordnungsmaßstäbe der Weltbank und des United Nations Development Programmes (UNDP).
Die Weltbank orientiert sich ausschließlich am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf und unterscheidet nach niedrigen, mittleren und hohen Einkommen. Die Unterscheidung des UNDP im Human Development Index (HDI) ist dabei differenzierter. Dieser verdichtet die Lebenserwartung, das Bildungsniveau und das Pro-Kopf-Einkommen in realer Kaufkraft zu gleichen Anteilen in einer Kennzahl, die auf einen Wert zwischen null und eins standardisiert wird. Durch die Verdichtung mehrdimensionaler Informationen versucht der HDI die eigentliche Lebenssituation in den Ländern genauer zu messen. Jedoch ist die Methodik nicht unumstritten. Hauptkritikpunkte sind dabei die berücksichtigten Einflussfaktoren, deren Gewichtung und die Skalierung maximal erreichbarer Werte. 17 Neben den vorgestellten Möglichkeiten gibt es noch weitere Differenzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel nach dem Verschuldungsstand, Binnen- und kleinen Inselländern, Ländern in Entwicklungsfallen und gescheiterten Staaten. 18 Die möglichen Klassifizierungen ergeben gewisse Schnittmengen, da arme Länder häufig eine Vielzahl von Problemen aufweisen (siehe Anhang, Kapitel 1.1 und 1.2). Als Ausgangspunkt dieser Arbeit soll trotz diskutabler Zusammensetzung und aus Ermangelung einer besseren Alternative der HDI des UNDP genügen, da er die Lebensbedingungen in gering entwickelten Ländern umfänglicher erfasst, als es das BIP pro Kopf nach der Weltbankklassifizierung tut.
Länder, deren HDI kleiner 0,5 ist, zählen zur Gruppe der Länder niederen Entwicklungsstandes, den Least-Developed-Countries (LDCs, Auflistung siehe Anhang, Kapitel 1.2). Das bedeutet im Detail, dass etwa 500 Millionen Menschen 19 bei einer Weltbevölkerung von 6.800 Millionen 20 in absoluter Armut leben. Absolute Armut, auch extreme Armut genannt, beschreibt einen Zustand der Abwesenheit grundlegender Lebensbedingungen zur Befriedigung
16 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 7.
17 Vgl. Caplan, Bryan (2009), Hauptframe (siehe Interneverzeichnis).
18 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 22 ff.
19 Vgl. ebenda, S. 7 f.
20 Vgl. ebenda, S. 13.
7 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
menschlicher Existenzbedürfnisse. Diese Haushalte sind chronisch unterernährt, haben keine ausreichende gesundheitliche Versorgung, kein sauberes Trinkwasser und keine Kanalisation, hohe Zugangsbarrieren zu Bildung, provisorische Unterkünfte und keine Grundausstattung an Kleidung. 21
Beim Blick auf die klassifizierte Weltkarte im Anhang (Kapitel 1.2) fällt auf, dass sich LDCs auf dem afrikanischen Kontinent konzentrieren. Entwicklungsbemühungen der vergangenen Jahrzehnte konnten keinen signifikanten Beitrag zum Aufholen dieser Länder leisten (siehe Abbildung 3). 22 Daher werden die afrikanischen LDCs in den Fokus der Betrachtung gestellt. Die Umstände dieser Länder sind extrem und viele ihrer Probleme würden sich mit dem Überwinden der extremen Armut entspannen. Daher haben sie zunächst den dringendsten Bedarf an schneller internationaler Integration, um durch die Partizipation an seinen Vorteilen den Entwicklungsprozess anzustoßen.
Abb. 3: Entwicklung des Human Development Index nach Regionen, 1980-2007.
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis United Nations Development Programme (2010), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis). Jedes Land begegnet Schwierigkeiten, die so vielfältig sind, wie die Länder selbst. An dieser Stelle sollen vielmehr häufige Charakteristika solcher Länder eine Vorstellung von den Umständen vermitteln, unter denen sie versuchen müssten, aufzuholen. Zunächst weisen LDCs vielfach Schwächen in ihrer Binnenökonomie auf: 23
Das Bruttoinlandsprodukt ist gering und die Einkommensverteilung im Vergleich zu Industrieländern extrem ungleich, sowohl regional betrachtet, als auch nach Personen Die Spar- und Investitionstätigkeit ist niedrig
21 Vgl. The World Bank Group (2010g), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
22 Vgl. Chen, Shaohua / Ravallion, Martin (2004), S. 30.
23 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 17.
8 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Die Infrastruktur ist schlecht entwickelt
Die Schul- bzw. Ausbildung ist unzureichend, der Alphabetisierungsgrad gering Es besteht ein großer, informeller Sektor und hohe, verdeckte Arbeitslosigkeit Als größter Produktionsbereich dominiert der primäre Sektor, dennoch leiden weite Teile der Bevölkerung unter Mangelernährung
Weiterhin teilen die LDCs häufig Gemeinsamkeiten in folgenden Bereichen: Einseitiges Exportangebot von natürlichen Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen, hingegen nur geringe Anteile weiterverarbeiteter Erzeugnisse 24 Andauernde Verschlechterung der Terms of Trade 25
Ökologische Probleme durch Überweidung von Agrarflächen, vorrückende Wüste und Waldvernichtung zugunsten neuer Anbauflächen 26 Hohes Bevölkerungswachstum und geringe Lebenserwartung 27 Starke Orientierung an Primärgruppen, wie der Familie, zur sozialen Sicherung und geringe Loyalität gegenüber dem Staat 28
Defizite in verantwortungsvoller Staatsführung, auch good governance genannt 29 Der letzt genannte Punkt bedarf aufgrund seiner weitreichenden Bedeutung einer vertiefenden Ausführung. Good governance bezieht sich auf das Verhalten der Regierung, bezeichnet also einen Faktor, der menschlich direkt beeinflusst werden kann. Der Begriff bezeichnet Umstände, unter denen der Staat Menschenrechte missachten, das Staatssystem von weitreichender Korruption durchzogen ist und schwache Staaten mit quasi nicht mehr existenten staatlichen Institutionen letzte Legitimation durch ein hohes Maß an Gewalt sicherzustellen versuchen. Nicht zuletzt durch diese Umstände ist der Staat in diesen Ländern häufig zum ökonomischen Beuteobjekt einer politischen Elite geworden - zulasten der Entwicklungschancen. 30
Problematisch ist nun, dass Teile dieser Probleme, die sich durch Entwicklung lösen ließen, selbst aber Ursache für den Mangel an Entwicklung sind. Eine derartige, fesselnde Wechselwirkung hat Jeffrey Sachs unter dem Begriff Entwicklungsfallen zusammengefasst. Im Jahr
24 Vgl. Honohan, Patrick / Beck, Thorsten (2007), S. 44.
25 In gleichen Währungseinheiten ausgedrücktes Austauschverhältnis von Exporten und Importen eines Landes.
Eine Verschlechterung bedeutet, dass bei gleicher Menge von Exportgütern weniger Importgüter erworben
werden können.
26 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 17.
27 Vgl. ebenda.
28 Vgl. ebenda.
29 Vgl. ebenda.
30 Vgl. ebenda, S. 10 ff.
9 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
2006 lebten rund 980 Millionen Menschen in solchen Fallen-Ländern. Das bedeutet sogar, dass doppelt so viele Menschen, wie die in extremer Armut, derart schlechten Bedingungen begegnen, dass sie sich selbst aus ihrer Lage nicht befreien können. Afrika ist mit siebzig Prozent dieser Menschen der Kontinent, auf dem sich diese Probleme bündeln. 31
3.2 Erfordernisse wirtschaftlicher Entwicklung und die Rolle des
Staates
Da sich LDCs in vergangener Zeit nur sehr schwach entwickelt haben und sich scheinbar im Leerlauf für eine forcierte wirtschaftliche Entwicklung befinden, wird nun betrachtet, wie diese überhaupt angetrieben wird. Was sind Voraussetzungen, die bei Volkswirtschaften zu Wachstum führen, und was bedeutet das für die Strategie von LDCs?
3.2.1 Auslöser wirtschaftlicher Entwicklung von Volkswirtschaften
Zur Ergründung von Auslösern wirtschaftlicher Erfolge von Volkswirtschaften wird zunächst ein Blick zurück in die Geschichte geworfen. John Maynard Keynes schrieb 1930 in seinem Essay „Economic Possibilities for Our Grandchildren“:
»From the earliest times of which we have record-back, say, to two thousand years
before Christ - down to the beginning of the eighteenth century, there was no very
great change in the standard of life of the average man living in the civilised centres of
the earth. Ups and downs certainly. Visitations of plague, famine, and war. Golden
intervals. But no progressive, violent change. Some periods perhaps 50% better than
others - at the utmost 100% better - in the four thousand years which ended (say) in
A.D. 1700.« 32
Weiterhin stellt Keynes fest, welche Dinge es schließlich waren, die Jahrhunderte des Still-stands überwanden:
»The absence of important technical inventions between the prehistoric age and com-
paratively modern times is truly remarkable. Almost everything which really matters
and which the world possessed at the commencement of the modern age was already
known to man at the dawn of history. Language, fire, … , the wheel, …, leather, …,
banking, statecraft, mathematics, astronomy, and religion. There is no record of when
we first possessed these things. … There must have been an era of progress and in-
vention comparable to that in which we live to-day. …
The modern age opened, I think, with the accumulation of capital which began in the
sixteenth century. … From that time until today the power of accumulation by com-pound interest, which seems to have been sleeping for many generations, was re-born
and renewed its strength.« 33
31 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 20.
32 Keynes, John M. (1963), S. 358 f.
33 Ebenda, S. 359 f.
10 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Wirtschaftlichen Erfolg begünstigen also zwei Dinge besonders: Technischer Fortschritt und Kapitalakkumulation. Großbritanniens Aufstieg zur ehemals wichtigsten Wirtschaftsmacht der Welt wurde durch wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse eingeleitet, die die Grundlage für weitere technische Entdeckungen legten und in der industriellen Revolution mündeten. Der wohl größte Impuls ging 1687 von Isaac Newtons Principia Mathematica aus, die grundsätzliches, mathematisches Handwerkszeug für weiteren Entdeckergeist lieferte. Wichtige Rahmenbedingungen für das Forschertum bestanden im Platz für Einzelinitiativen und soziale Aufwärtsmobilität, die das Königreich schon früh durch Lösung von starren gesellschaftlichen Hierarchien schuf. Unterstützt wurde es durch den Schutz privaten Eigentums und ein freies politisches Klima mit Offenheit gegenüber neuen Ideen. 34
Ein jüngstes Exempel für erfolgreiche Kapitalakkumulation und damit einhergehenden wirtschaftlichen Aufschwung bietet China. Das Reich der Mitte strebt seit den vergangenen 25 Jahren zurück zu alter Größe. Während dieser Zeit öffnete es seine abgeschottete Gesellschaft und Wirtschaft und ist mittlerweile größte Exportmacht der Welt. Zurückzuführen ist das vor allem auf einen kräftigen Zustrom von ausländischem Kapital und Technologien, den Bau und die Adaption moderner Fabriken, Maschinen und Verfahren, und die relativ billigen chinesischen Arbeitskräfte, deren Qualifikation sich stetig verbessert. 35
Hört es sich auch einfach an, sich durch Kapital und technischen Fortschritt zu entwickeln, ist nun die zentrale Frage, wie ein Land derartiges generieren kann. Denn das Land selbst und seine Regierung sind keine primären Wirtschaftsteilnehmer. Vielmehr agieren Unternehmen eines Landes auf Märkten, sodass es Ziel der Länder sein muss, Unternehmen mit hoher Wertschöpfungskapazität an den Standort zu bringen. 36
Zunächst zum erforderlichen Kapital. Dieser Begriff umfasst sechs verschiedene Dimensionen, die nötig sind, um Entwicklung zu erzielen: 37
Humankapital beschreibt die Gesundheit und Kompetenzen der beteiligten Menschen für ökonomische Produktivität
Betriebskapital schließt Maschinen, Anlagen und motorisierte Verkehrsmittel ein Natürliches Kapital besteht aus Ackerland, gesunden Böden, biologischer Vielfalt und intakten Ökosystemen
34 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 49.
35 Vgl. ebenda, S. 185 ff.
36 Vgl. Sell, Axel (2003), S. 245.
37 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 301 ff.
11 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Institutionelles Kapital umfasst Handelsrecht, Justizsysteme, staatliche Dienstleistungen, Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung Wissenskapital schließt wissenschaftliches und technisches Know-How ein, um die Produktivität zu steigern und andere Kapitalarten effizient nutzbar zu machen Infrastruktur mit Verkehrswegen, Elektrizität, Wasserversorgung und Müllentsorgung ist zwingende Grundlage für gesamtwirtschaftliche Produktivität
Auf diese Kapitalarten ist eine effiziente Volkswirtschaft angewiesen. Sie ergänzen sich, können aber nicht von ein und demselben Akteur angeboten werden. Während der staatliche Sektor durch Infrastruktur, natürliches Kapital, institutionelles Kapital und Teile des Wissenskapitals (Grundlagenforschung) notwendige Rahmenbedingungen stellt, obliegen die verbleibenden Kapitalarten der Privatwirtschaft. 38
3.2.2 Die besondere Rolle des Staates
Das Gebilde Staat ist für die Gewährleistung wirtschaftlicher Effizienz von zentraler Bedeutung. Zunächst schafft es institutionelle Rahmenbedingungen für faire und geordnete Strukturen, die Schwächen und Tendenzen freier Märkte ausgleicht, insbesondere Gesetze zum Schutz des Eigentums und zur Regelung von Wettbewerbsbedingungen. Weiterhin unterstützt der Staat die „unsichtbare Hand des Marktes“, wenn ineffiziente Verteilungen oder eine tendenzielle Fehlversorgung mit Gütern zu erwarten ist. Diese Situation tritt dann ein, wenn am Markt für eine Leistung keine Preise festgestellt oder erhoben werden können. Güter mit positiven externen Effekten wären nur mangelhaft verfügbar, da ihr Nutzen auch ohne Gegenleistung in Anspruch genommen werden kann und kein privater Wirtschaftsteilnehmer bereit wäre, die Leistung anzubieten. Güter mit negativen externen Effekten würden im Gegensatz ein Überangebot generieren und zu Moral Hazard und Adverse Selection führen, da der Produzent für den verursachten Schaden nicht aufkommen muss und dieser von der gesamten Gesellschaft getragen würde. 39
Aus diesen Gründen bietet auch der Staat, und nicht der private Sektor, Infrastruktur an. Harte Infrastruktur, wie Energie, Transport und Telekommunikationsnetze, ist anfällig für Monopolbildung und würde infolge dessen ineffizient genutzt. Gleiches gilt für weiche Infrastruktur, Grundlagenforschung, Bildung und rechtliche Rahmenbedingungen umfassend. Der wirtschaftliche Nutzen wird maximiert, wenn sie allen zur Verfügung steht und damit gleiche
38 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 301 ff.
39 Vgl. Moreno-Dodson, Blanca / Wodon, Quentin (2008), S. 2 ff.
12 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Bedingungen gelten. 40 Somit ist der Staat für die Wirtschaft essentiell, sowohl als Anbieter von Leistungen als auch als Partner von Aktivitäten. 41
Jedoch sind staatlichem Handeln Grenzen gesetzt, da politische Prozesse stets durch Druck von Interessengruppen begleitet werden. Regierungen dürfen nicht genutzt werden, um die Interessen von Individuen zu verfolgen. Sonst werden sie zum Hindernis ökonomischer Aktivitäten und Entwicklungen. Außerdem weisen öffentliche Einrichtungen eine geringere Dynamik auf als private, was in einem komplexen Wirtschaftsumfeld Adaptionsschwierigkeiten bereitet und das Fortbestehen gefährdet. 42
3.2.3 Entwicklungsstrategie für LDCs
Wie lassen sich diese Überlegungen nun auf Least-Developed-Countries übertragen? Zunächst soll angemerkt sein, dass bereits zahlreiche Strategien für die überfällige Entwicklung der LDCs entwickelt wurden. Da diese Länder bislang keine signifikante Verbesserung ihrer Lage verzeichneten, sollen die historisch erfolgreichen Strategien und Indikatoren anderer Staaten als Exempel statuieren. Jedoch ist ungewiss, ob die gleichen Indikatoren auch in Zukunft noch von Relevanz sein werden.
Das zentrale Problem der LDCs ist ihr fehlendes Wachstum. 43 Aus den angestellten theoretischen Überlegungen ergibt sich daher folgende langfristige Entwicklungslinie: Ziel jeder dieser Volkswirtschaften und ihres staatlichen Handelns muss es sein, technisches Wissen und Kapital aus dem Ausland anzuziehen, die nicht aufgrund geringer sozialer, menschenrechtlicher und umweltpolitischer Mindeststandards den Weg ins Land finden. 44 Sie müssen versuchen, einen exportfähigen Industriesektor aufzubauen. 45 Denn dieser bietet, im Gegensatz zu bisher übergewichtigen Primärgütern, die nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen und eine bessere Einkommensverteilung. Der Weltmarkt für diese Güter bietet umfangreiche Expansionsmöglichkeiten. 46 Den Ländern muss es gelingen, Rohstoffe selbst zu verarbeiten und Wertschöpfung im eigenen Land zu erzielen, um technisches Wissen aufzubauen. Denn der Vorteil von Wissen besteht darin, dass es immer wieder genutzt und erweitert werden kann. Es ist unerschöpflich. 47
40 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 301 ff.
41 Vgl. Moreno-Dodson, Blanca / Wodon, Quentin (2008), S. 4.
42 Vgl. ebenda.
43 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 27.
44 Vgl. Wahl, Peter (2008), S. 33.
45 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 20.
46 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 109 f.
47 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 51.
13 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Abb. 4: Wirtschaftliche Entwicklungslinie basierend auf Vertrauen in den Staat und einer adäquaten Infrastruktur.
Quelle: Eigene Darstellung.
Somit stellt Vertrauen in den Staat die erste Grundlage einer jeden wirtschaftlichen Aktivität an einem Standort dar, idealerweise gefestigt durch eine Verfassung und funktionierende Gewaltenteilung. Dieser schafft dann Rahmenbedingungen in Form von harter und weicher Infrastruktur, eine marktwirtschaftliche und rechtliche Ordnung einschließend. Durch fairen Wettbewerb, den Schutz des Eigentums und Vertragsbindung wird der wirtschaftliche Rahmen gestärkt. Bildung, Forschung und Gesundheit unterstützen den Faktor Arbeit und gründen ein investorenfreundliches Umfeld, um schließlich Wissen und Kapital aus dem Ausland anzuziehen und für das eigene Land arbeiten zu lassen. Langfristig müssen also die Bausteine Vertrauen in den Staat und eine adäquate Infrastruktur gebildet werden (siehe Abbildung 4). Was nicht zuverlässig nachgewiesen werden konnte, war ein Zusammenhang zwischen Demokratisierung und höherem Wirtschaftswachstum. Eine demokratische Regierung verspricht eher die Achtung von Menschenrechten und verringert die Wahrscheinlichkeit staatlichen Machtmissbrauchs, korreliert aber nicht signifikant mit Wirtschaftswachstum. 48
3.3 Woran es Entwicklungsländern mangelt
Wie angesprochen, sind die Probleme der ärmsten Länder vielfältig. Ungünstige natürliche Gegebenheiten, innere Probleme wie Bevölkerungswachstum und ungünstige Wirtschaftsstrukturen, strukturelle Abhängigkeiten infolge der Kolonialzeit und daraus folgende konzentrierte Exportstrukturen können als Ursachen für ausgebliebenes Wachstum allein nicht herhalten. 49 Viele Probleme würden sich gar erübrigen, wenn das Land ein investorenfreundliches Umfeld gestalten könnte und dadurch nicht nur Kapital und technischen Know-How importieren würde, sondern die gesamte Wirtschaft auf eine breitere Basis stellen könnte. In Afrika fehlt es bisher noch an privaten Investitionen und damit an technischer Ausrüstung.
48 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 382.
49 Vgl. ebenda, S. 236 ff.
14 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Hier ist doppelt so viel öffentliches wie privates Kapital investiert. Ein Verhältnis, das weltweit einmalig ist. 50 Woran scheitert es also, um Direktinvestitionen anzuziehen?
Die erste Grundlage in der Entwicklungslinie besteht im Vertrauen in den Staat und seiner Fähigkeit, die notwendigen Rahmenbedingungen mit erforderlicher Infrastruktur stellen zu können. Die Anforderungen an den Staat in LDCs sind aufgrund der Vielfalt der Probleme höher als in entwickelten Ländern. Marktversagen ist weiter verbreitet, Verwaltungsversagen reduziert die Wirksamkeit öffentlicher Eingriffe und fehlende Daten erschweren fundierte Analysen für eine angemessene Regierungspolitik. 51 Diesen hohen Anforderungen stehen eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten des Staates gegenüber und rechtfertigen Zweifel an seiner Zuverlässigkeit. Als ein weiteres, schwerwiegendes Problem wird häufig Korruption angeführt. Als Gegenargument kann man die wirtschaftliche Entwicklung Bangladeschs heranziehen. Dieses Land zählt zu den korruptesten Ländern der Erde 52 , weist aber dennoch eine vernünftige Wirtschaftspolitik, eine moderate Besteuerung und eine den Transport von Waren begünstigende Infrastruktur auf. 53
Aus diesem Grund wird zunächst der Faktor Vertrauen in den Staat außen vor gelassen und untersucht, ob die Bedingung einer adäquaten Infrastruktur dennoch zu erfüllen ist. Während Afrikas Länder zehn Prozent des Sozialprodukts in Militärausgaben investieren, verbleiben durchschnittlich vier Prozent für die Infrastruktur. Es gibt keine geteerte Straße oder Bahnlinie, die Afrika durchgehend verbindet. Nur zwanzig Prozent der Straßen sind überhaupt asphaltiert. Von 2.500 Flughäfen sind rund 250 funktionsfähig. In Ghana, ein Land, das als Hoffnungsträger Westafrikas gilt und zu den bestentwickelten Ländern südlich der Sahara zählt, sind die Transportkosten dreimal so hoch wie in Thailand oder Pakistan. Auch die Energieversorgung, zu der ohnehin nur jeder Fünfte Zugang hat, ist fragil. Regelmäßige Stromausfälle sind auf dem gesamten Kontinent eine Selbstverständlichkeit. Damit sind die Umstände für eine geordnete Industrieproduktion denkbar schlecht. 54 Weiterhin haben viele benachteiligte Länder keinen Zugang zum Meer oder natürliche Häfen, liegen in Bergregionen und können auch keine binnenschifffahrtsfähigen Flüsse nutzen. Gegenüber dem internationalen Wettbewerber China führt dies zu ernsten Einschränkungen der Wettbewerbsfähigkeit. China verfügt sowohl über ein geringes Lohnniveau als auch investorenfreundliche
50 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 116 ff.
51 Vgl. Moreno-Dodson, Blanca / Wodon, Quentin (2008), S. 1.
52 Vgl. Transparency International (2010), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
53 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 90.
54 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 21.
15 3 Warum Entwicklungsländer nicht mitspielen
Rahmenbedingungen. Würden LDCs im Schnitt ein Sechszehntel des chinesischen Lohns fordern, würde dies Investoren mit arbeitsintensiven Gütern einen Preisvorteil von 15 Prozent verschaffen, der schnell durch die erschwerten Umstände schlechter Transportwege, fehlender Rechtsrahmen, mangelhafter Elektrizitätsversorgung und einem fragilen Faktor Arbeit aufgezehrt ist. 55 Die Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit durch bessere Rahmenbedingungen zu stärken, scheint damit umso dringender. Diese Probleme sind auch lösbar. Jedoch erfordert der Aufbau und Erhalt von Infrastruktur umfangreiche Sachinvestitionen und fortlaufende Ausgaben, die entwickelte Länder problemlos tätigen können. 56
Klassischerweise werden Infrastrukturinvestitionen über langfristige Kredite finanziert, da sie das wirtschaftliche Umfeld stärken und steigende Realeinkommen erwarten lassen. Weiterhin ist die ökonomische Lebensdauer sehr lang und rechtfertigt die finanzielle Beteiligung aller Nutznießer, auch zukünftiger Generationen. 57
Mittel für laufende Instandhaltung werden aus dem Haushalt aufgebracht. Dieser bleibt neben Gesetzen und Regulierungen das wichtigste Instrument der Regierung zur Förderung der Wirtschaft und folglich zur Armutsreduktion. 58 In LDCs hat der Haushalt häufig nicht den erforderlichen Umfang. Ein einfacher Grund kann in der Unfähigkeit der Regierung liegen, einen wirtschaftspolitisch sinnvollen Haushalt aufzustellen. Dieses Problem soll im Rahmen dieser Arbeit aber keine weitere Beachtung finden. Weiterhin könnte die Regierung noch durch Schuldendienste früherer Jahre derart belastet sein, dass der aktuelle Haushalt keinen Platz für neue Investitionen lässt. 59 Die Unabhängigkeit von früheren Kolonialmächten spornte viele dieser Länder zum schnellen, wirtschaftlichen Aufbau an. Zur gleichen Zeit hielten ausländische Banken viel Liquidität vor und waren bereit, langfristige Kredite zu vergeben. Diese Freizügigkeit führte zu einem sorglosen und unproduktiven Umgang mit Krediten in Entwicklungsländern, der schließlich im Import von Konsumgütern mündete. Mit einem internationalen Zinsanstieg zur Inflationsbekämpfung in Industrieländern führte dies in den siebziger Jahren zur weitverbreiteten Unfähigkeit der Entwicklungsländer, Kredite zu bedienen. Folgen waren harte Einschränkungen in allen Wirtschaftsbereichen, soziale und politische Destabilisierung, Kreditsperren von Banken für diese Länder und ein tiefer Vertrauensverlust ausländischer Investoren. 60
55 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 209 ff.
56 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 74 ff.
57 Vgl. Welfens, Paul J. (2005), S. 173.
58 Vgl. Moreno-Dodson, Blanca / Wodon, Quentin (2008), S. 1.
59 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 78.
60 Vgl. Engelhard, Karl (2004), S. 1 f. (siehe Internetverzeichnis).
16 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Ein weiterer Grund für unzureichende Haushaltsmittel und daraus folgende Ohnmacht von LDCs, Infrastruktur bereitzustellen, besteht in der Armut seiner Bevölkerung selbst. Wenn diese absolut verarmt ist, der größte Teil der verbliebenen Wirtschaft im informellen Sektor stattfindet und die Steuerverwaltung schwach ist, kann der Staat einfach keine Steuern erheben. 61 Wenn das gesamte Einkommen für den Konsum verwendet werden muss, wird der übliche Kapitalbildungsprozess nicht angestoßen. Schließlich führt das sogar dazu, dass ein geringes Einkommen, das keine Ersparnisse zulässt, auch keine Mittel für öffentliche Investitionen bereitstellen kann. Infolge sinkt das Pro-Kopf-Einkommen sogar. 62
Welche anderen Möglichkeiten obliegen LDCs noch, um notwendige finanzielle Mittel für den Aufbau ihrer Infrastruktur zu erhalten?
4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Zunächst werden Refinanzierungskanäle, denen sich Regierungen höher entwickelter Länder wie selbstverständlich bedienen können, auf ihre Eignung für LDCs geprüft.
4.1 Eingeschränkte nationale Refinanzierungsmöglichkeiten
Zunächst sollen nationale Refinanzierungsmöglichkeiten auf ihre Fähigkeit hin untersucht werden, den Kapitalbedarf der LDCs zu decken. Traditionell sparen Haushalte einen Teil ihres Einkommens. Der Staat kann darauf theoretisch in Form von Krediten oder Schuldverschreibungen zurückgreifen. 63 Für LDCs sieht es gewöhnlich anders aus. Aufgrund unzugänglicher Informationen für diese Länder stützt sich die nachfolgende Betrachtung auf Informationen zur Subsahara-Region, die 22 der 24 LDCs einschließt. In dieser Region befinden sich 25 weitere Länder, die sogar einer höheren Entwicklungskategorie zuzuordnen sind. Daher können die identifizierten Probleme nach ihrer Art, wenn auch in anderem Umfang, auch für LDCs anerkannt werden. 64
Zunächst weisen die Haushalte der betrachteten Länder eine sehr geringe Sparfähigkeit auf, begründet in der dargelegten Notwendigkeit, das Einkommen zur Existenzsicherung zu verwenden. 65 Der Bankensektor ist zwar weitgehend existent, aber nur in rudimentärer Ausprägung und mit fundamentalen Problemen belastet. Etwa zwanzig Prozent der erwachsenen
61 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 78.
62 Vgl. ebenda, S. 302 ff.
63 Vgl. Welfens, Paul J. (2005), S. 431 f.
64 Vgl. Canadian International Development Agency (2009), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
65 Vgl. Dieckheuer, Gustav (2001), S. 383.
17 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Bevölkerung besitzt ein Konto. 66 Das reicht den Banken jedoch nicht aus, um Skaleneffekte entfalten zu lassen. Der Markt ist klein und die Fixkosten sind hoch. Weiterhin herrscht weitgehende Informalität für Märkte und Kunden. Eine defizitäre staatliche Verwaltung erschwert die eindeutige Identifikation von Kreditnehmern, mangelhafte Rechtsysteme die juristische Durchsetzung von Forderungen, lückenhafte Beurkundungsverfahren an Eigentum und nicht existente Informationssysteme über Kreditnehmer hindern Banken, typische Herausforderungen des Kreditgeschäfts, wie Moral Hazard bei der Verwendung der Kredite und Adverse Selection bei potentiellen Kreditnehmern, zu bewältigen. Das schränkt die möglichen Geschäftsaktivitäten ein. 67
Abb. 5: Relationen von Bankbilanzen nach Weltregionen und Anlageobjekten, 2005.
Quelle: Honohan, Patrick / Beck, Thorsten (2007), S. 34.
All dies mündet schließlich in Risikoaversion, die in den Bankbilanzen ersichtlich wird (siehe Abbildung 5). Ein im internationalen Vergleich sehr geringer Anteil wird dem privaten Sektor zur Verfügung gestellt, im Gegensatz ungewöhnlich hohe Anteile staatlichen Akteuren und Unternehmen mit staatlichem Einfluss. Auch Anteile internationaler Vermögensanlagen sind signifikant höher als in anderen Regionen der Welt. 68 Teilweise erschweren sogar noch aufsichtsrechtliche Restriktionen ein adäquates Kapitalangebot, indem sie Fristentrans-formationen unterbinden. Die Region leidet unter akuter Knappheit langfristigen Kapitals. 69 Zunehmend bilden sich private, soziale Sicherungssysteme und Pensionsfonds, die bereit
66 Vgl. Honohan, Patrick / Beck, Thorsten (2007), S. 25 f.
67 Vgl. ebenda, S. 6.
68 Vgl. ebenda, S. 34.
69 Vgl. ebenda, S. 15 f.
18 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
sind, langfristige Mittel zur Verfügung zu stellen. Diese sind aber noch lange nicht ausreichend. 70
Dadurch bleibt auch den Regierungen der LDCs nichts weiter übrig, als ihren Blick über die Ländergrenzen hinaus zu richten und zu versuchen, internationales Kapital zur Refinanzierung zu verwenden.
4.2 Wie Kapital fließen sollte und welchen Weg es wirklich geht
Globaler Kapitalverkehr findet auf internationalen Kapital- und Geldmärkten statt. Grundsätzlich kann man dabei zwischen Portfolioinvestitionen und Direktinvestitionen unterscheiden. 71 Letztere beschreiben Geldtransfers mit der Absicht, unternehmerisch im Ausland tätig zu werden. Das ist jedoch das große Ziel, das die Regierungen der LDCs anstreben sollten und das infrastruktureller Rahmenbedingungen bedarf. Daher konzentriert sich die folgende Betrachtung auf Portfolioinvestitionen, welche zunächst die zu schaffende Infrastruktur refinanzieren könnten.
Grundsätzlich steht es allen großen Unternehmen, Banken, Staaten und staatlichen Stellen frei, internationale Anleihen zu emittieren. Es handelt sich dabei um Fremdkapital. 72 Für den Erwerber einer internationalen Forderung sind zwei Einflussgrößen maßgeblich: die Rendite und das Risiko der Anlage im Vergleich zu inländischen Alternativen. 73 Die Theorie geht dabei von effizienten Märkten aus. Diese verarbeiten alle verfügbaren Informationen und bilden stets einem fairen Gleichgewichtswert, da kein rationaler Marktteilnehmer einen risikolosen Gewinn zulässt. Dieser Gleichgewichtswert kann etwa in einem risiko- und laufzeitadäquaten Zinssatz Ausdruck finden. 74
Auf freien Märkten würden nach der neoklassischen Wachstumstheorie freie Ressourcen allokationseffizient in ihre produktivsten Verwendungsmöglichkeiten gelenkt werden. Das hieße konkret, dass Kapital in die ärmeren Länder fließen würde, da diese hohen Kapitalbedarf aufweisen und ihr großes Entwicklungspotential attraktive Renditen bietet. 75 Somit müssten Entwicklungsländer Nettokapitalimporteure sein.
Soweit die Theorie. Jedoch erweist sich der Kapitalfluss in der Praxis als entgegensetzt. Robert Lucas konstatierte 1990 in seiner Studie „Why doesn't Capital Flow from Rich to Poor
70 Vgl. Iossifov, Plamen / Khamis, May (2009), S. 15 (siehe Internetverzeichnis).
71 Vgl. Sell, Axel (2003), S. 12 ff.
72 Vgl. ebenda.
73 Vgl. Dieckheuer, Gustav (2001), S. 354 f.
74 Vgl. Filc, Wolfgang (2008), S. 4.
75 Vgl. Folkerts-Landau, David / Garber, Peter M. u.a. (2007), S. 5.
19 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Countries?“, dass sowohl von der effizienten Allokation von Geldern als auch von Finanzmarkteffizienz keine Rede sein kann. 76 Anlageentscheidungen sind auf die Zukunft gerichtet und agieren folglich mit Wahrscheinlichkeiten. Die Informationen, die der Meinungsbildung für zukünftige Ereignisse dienen sollen, sind stets unvollständig, hochkomplex, asymmetrisch verteilt und können unterschiedlich beurteilt werden. 77 Eine wiederholte, empirische Überprüfung dieser Studie führte 2005 noch immer zu demselben Ergebnis (siehe Abbildung 6). 78 Schlimmer noch: Die Kapitalströme, die in Least-Developed-Countries fließen, dienen meist allein dem Abbau natürlicher Ressourcen und leisten keinen Beitrag zum Aufbau von Know-How und technischer Ausstattung. 79
Abb. 6: Direkt- und Portfolioinvestitionen pro Kopf in Tausend USD nach Entwicklungsstand des Landes, 1970-2000.
Quelle: Alfaro, Laura / Kalemli-Ozcan, Sebnem u.a. (2005), S. 62. Aus diesen Ländern fließt sogar Kapital ab. Offshore-Zentren ziehen regelrecht Kapital aus den Entwicklungsländern und begünstigen Kapitalflucht. Weitgehend frei von Aufsicht und Regulierung werden sie international als ideale Orte für Geldwäsche und Steuerhinterziehung verurteilt. Aufgrund der Diskretion und versteckten Transaktionen geben nur Schätzungen eine Vorstellung über das Ausmaß der Kapitalflucht. Demnach sind fünfzig Prozent aller Barvermögen und Wertpapiere aus Lateinamerika in Offshore-Zentren angelegt. An dieser Stelle ist die Globalisierung der Finanzmärkte kein Entwicklungsmotor. Im Gegenteil: Die Mobilität des Kapitals vergrößert die Schwierigkeiten der Entwicklungsländer. 80
76 Vgl. Lucas, Robert E., Jr. (1990), S. 96.
77 Vgl. Filc, Wolfgang (2008), S. 6 f.
78 Vgl. Alfaro, Laura / Kalemli-Ozcan, Sebnem u.a. (2005), S. 21.
79 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 117.
80 Vgl. Wahl, Peter (2008), S. 35.
20 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
4.3 Ursachen und Folgen fehlender Investoren in LDCs
Anlage- und Investitionsentscheidungen eines grundsätzlich risikoscheuen Investors und Kreditgebers basieren auf der Verdichtung verfügbarer Informationen zu einem Urteil bezüglich des Anlagebetrags, des Anlagehorizonts und der erwarteten Rendite im Verhältnis zum eingegangenen Risiko. Dabei steigt der Wert eines Investitionsgegenstandes mit der Länge des Anlagezeitraums und der erwarteten Kapitalisierungszuflüsse. 81
Die Auswertung vorhandener, wenn auch unvollständiger Informationen ist kostenintensiv und zeitaufwendig. An dieser Stelle leisten internationale Kreditratingagenturen einen wichtigen Beitrag. Die größten Agenturen sind Moodys, Fitch und Standard & Poor‘s. Sie analysieren potentielle Kreditnehmer und geben ein Urteil zur Kreditwürdigkeit von diesen Ländern und Regierungen ab. Auch wenn ihre wichtige Position im Investmentprozess nicht unumstritten ist, reduzieren sie signifikant das Principal-Agent-Problem zwischen Kreditgebern und -nehmern bei geringem Aufwand für Investoren. 82 Die Erstellung eines Ratings muss die Regierung beauftragen und den Agenturen umfangreiche Informationen zugänglich machen. 83
Potentiellen Investoren in LDCs erweisen sie aber kaum nützliche Dienste. Von den 24 Ländern der UNDP-Kategorie LDC erhielten acht Länder ein offizielles Rating einer der genannten Agenturen. Davon wurden drei von den Agenturen zurückgezogen. Die verbleibenden fünf sind schon veraltet. Senegals letztes Rating wurde 2000 erstellt, das von Benin, Mosambik und Burkina Faso im Jahr 2004. Das jüngste Rating aus 2006 erhielt Ruanda. Entweder sind die Regierungen nicht willens oder einfach nicht in der Lage, notwendige In-formationen bereitzustellen. Oder sie entscheiden sich aus Kosten-Nutzenüberlegungen gegen ein Rating, da die Erstellung mehrere Hunderttausend Euro kostet und sich in Form eines Finanzierungsvorteils aufwiegen müsste. 84
Damit verlangt eine Investition in diese Länder einen vielfach höheren Aufwand unter gleichzeitig erschwerten Bedingungen, Zugang zu urteilsfördernden Informationen zu erhalten. 85 Als Konsequenz dieser Unsicherheit werden Investitionspläne im schlimmsten Fall verworfen, zumindest jedoch höhere Erwartungen an den Zins zur Deckung ungewisser Risikokosten gestellt.
81 Vgl. Welfens, Paul J. (2005), S. 172 ff.
82 Vgl. Elkhoury, Marwan (2008), S. 2.
83 Quelle aus Datenschutzgründen geschützt.
84 Quelle aus Datenschutzgründen geschützt.
85 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 118 f.
21 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Weiterhin berücksichtigen Kreditgeber ein mögliches Zeitkonsistenzproblem. Wenn Investitionen erst einmal vorgenommen sind, können sie meist nur kostspielig wieder rückgängig gemacht werden. 86 Diese Eigenschaft ist in LDCs noch stärker ausgeprägt als andernorts, da die Märkte klein sind und nur eine geringe Liquidität aufweisen. 87 Investoren scheuen sich selbst, vielversprechende Erfolge in Politik und Wirtschaft positiv aufzufassen, da Zweifel an deren Kontinuität bestehen. 88 Wirtschaftsreformen stellten sich häufig als fragil heraus und Umschwünge waren oft nicht von Dauer. Lag ein Teil der Ursache in Konditionalitäten internationaler Organisationen, hat es dennoch der Glaubwürdigkeit der gesamten Ländergruppe nachhaltig geschadet. 89 Aufgrund der schlechten Informationslage und des unkalkulierbaren Risikos bevorzugen es also Kreditgeber, sich durch kurzfristige Anlagen den jederzeitigen Abzug der Mittel vorzubehalten. Im konsolidierten Verschuldungsprofil von LDCs bedeutet dies, dass private Investoren ohne öffentliche Garantien nur einen Anteil von vier Prozent einnehmen. 90
Gleiche Motive veranlassen auch Einheimische, ihr Vermögen außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren. Die lokalen Investitionsmöglichkeiten neben staatlichen Investitionen sind sehr eingeschränkt. 91 Die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen begrenzen unternehmerisches Handeln. Außerdem stellt die hohe Informalität des Bankensektors regionale Kreditvergaben vor große Herausforderungen. Der Staat weist zwar einen hohen Kapitalbedarf auf, aber damit verbundene, politische Unsicherheiten sind kaum kalkulierbar. 92
In der Konsequenz bedeutet das für Regierungen der LDCs, dass sie neben der unzureichenden, nationalen Refinanzierung auch auf dem internationalen Kapitalmarkt schlechte Aussichten auf eine für Infrastrukturen benötigte, langfristige Finanzierung haben. Sie müssen sich gezwungenermaßen nach den Wünschen der Anleger richten und sich mit kurzfristigen Mitteln begnügen. 93 Diese bergen für sie das ständige Risiko des Mittelabzugs und führen zu einem ökonomischen Stabilitätsrisiko. Durch die ständige Exit-Option können sie sogar als Druckmittel ein Wohlverhalten der Regierungen erzwingen. 94
86 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 193.
87 Vgl. Mühlberger, Marion (2009), S. 7.
88 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 193.
89 Vgl. ebenda, S. 118 f.
90 Vgl. The World Bank Group (2010e), Download-Dokument (siehe Internetverzeichnis).
91 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 116 ff.
92 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010b), S. 20.
93 Vgl. Wahl, Peter (2008), S. 36.
94 Vgl. Honohan, Patrick / Beck, Thorsten (2007), S. 17.
22 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
4.4 Position von Entwicklungsorganisationen zum Heilen der
Schwächen
LDCs fällt es also schwer, an internationalen Finanzmärkten aufgrund ihrer geringen Kreditwürdigkeit überhaupt Kredite zu generieren. Wenn sie es schaffen, dann nur zu ungünstigen Konditionen. Das hindert sie maßgeblich am Aufbau der Grundlagen, um ihre wirtschaftliche Entwicklung zu forcieren.
Daher haben sich internationale Organisationen gegründet, deren Aufgabe den Ausgleich dieser Missstände beinhaltet. Zu den einflussreichsten zählen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) als Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Sie wurden 1944 gegründet und bilden zusammen mit der Welthandelsorganisation (WTO) die organi-satorischen Pfeiler der Weltwirtschaftsordnung in den Bereichen Entwicklungsfinanzierung, Währung und Handel. 95
Der Aufgabenschwerpunkt der Weltbank besteht in der Gewährung der knappen, langfristigen Darlehen an weniger entwickelte Mitgliedsländer. Dafür refinanziert sich die Organisation über öffentliche Anleihen und Schuldscheine am internationalen Kapitalmarkt oder direkt über Kredite anderer Mitgliedsländer. Da alle Mitglieder für die Rückzahlung bürgen, genießt die Weltbank eine sehr gute Bonität und erhält niedrige Zinsen. Kreditnehmer können sich auf diese Weise günstiger finanzieren, als würden sie direkt an den Kapitalmarkt gehen. Besonders arme Länder erhalten auch subventionierte Kredite. Die Weltbank muss von der Rückzahlungsmöglichkeit der Gläubiger überzeugt sein, da sie die Kredite schließlich selbst bedienen muss. 96 Zur Sicherstellung wird die Mittelgewährung an Bedingungen gekoppelt. Damit hat die Weltbank die Möglichkeit, auf die Regierungen der Entwicklungsländer und deren Entwicklungspolitik Einfluss zu nehmen. 97
Der IWF ist eine Währungs-, und keine Entwicklungsorganisation. Er hat die Förderung stabiler Währungsbeziehungen zum Ziel. Im Fall von Zahlungsbilanzdefiziten und Währungskrisen kann er seinen Mitgliedern Mittel aus verschiedenen Kreditprogrammen anbieten. Er bindet diese Darlehen wie die Weltbank an politische Auflagen. 98 Beiden Sonderorganisationen gehören die gleichen 187 Staaten an. Ihre Einzahlungsverpflichtung, Rechte und die Stimmverteilung richten sich nach einer festgelegten Quote. 99
95 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 38.
96 Vgl. Sell, Axel (2003), S. 146.
97 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 38 f.
98 Vgl. ebenda, S. 39 f.
99 Vgl. Sell, Axel (2003), S. 134.
23 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Daneben gibt es weitere, regionale Entwicklungsbanken, die für die Finanzierung von gewisser Relevanz sind. Dazu gehören die Asiatische Entwicklungsbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. 100 Auf diese soll aber nicht weiter eingegangen werden.
Abb. 7: Unterscheidung der Kredite an LDCs nach öffentlichen und privaten Kreditoren, sowie Aufteilung der öffentlichen
und öffentlich garantierten Kreditoren, 1998-2008.
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis The World Bank Group (2010e), Download-Dokument (siehe Internetverzeichnis). Die Finanzierung der Weltbank und des IWF spielen im Verschuldungsprofil von LDCs eine wesentliche Rolle (siehe Abbildung 7). Zunächst werden nur vier Prozent aller Kredite von privaten Investoren ohne öffentliche Garantien gewährt. Die restlichen 96 Prozent stellen öffentliche Kreditoren bereit oder sind durch diese garantiert. Davon wird etwa ein Drittel über bilaterale Vereinbarungen zwischen Staaten gewährt. Das Engagement der Weltbank und des IWF umfasst zusammen einen ähnlichen Umfang.
Während der globalen Finanzkrise haben der IWF und die Weltbank ihre Kredite an LDCs aufgestockt, während bilaterale Kredite bestenfalls stagnierten. 101 Außerdem wird den Programmen der Organisationen ein Multiplikatoreffekt finanzieller Zuflüsse nachgesagt. Selbst wenn die Beteiligung der Organisationen nur gering ist, wird das Vertrauen anderer potentieller Kreditgeber positiv beeinflusst und führt schließlich zu Kapitalzuflüssen. 102 Ähnlich verhält es sich mit der Kapitalflucht, die dadurch reduziert wird. 103
100 Vgl. Sell, Axel (2003), S. 133.
101 Vgl. Mühlberger, Marion (2009), S. 4.
102 Vgl. Sell, Axel (2003), S. 146.
103 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 160.
24 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Trotz der Bedeutung zur Finanzierung von Entwicklungsländern gibt es jedoch zahlreiche Kritikpunkte der Öffentlichkeit an den Organisationen. Die wohl häufigste Anklage betrifft die geforderten Konditionalitäten, die vielfach als Diktat und Einmischung in nationale Souveränität empfunden werden. 104 Die neoklassische Auffassung, Kapital suche sich effizient seinen eigenen Weg in die Entwicklungsländer, prägte unter dem Titel „Washington Consensus“ die Wirtschaftspolitik der Organisationen und hat großen Schaden angerichtet. 105 Der IWF hat lange Zeit Standardratschläge - wie das Budget zu kürzen, den Handel zu liberalisieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren - erteilt, ohne besondere Umstände wie Klima, Krankheiten, Transportmöglichkeiten etc. zu berücksichtigen. 106 In der Konsequenz hat trotz harter, verordneter, aber unvollkommener Strukturreformen seit den achtziger Jahren kaum ein afrikanisches Land Fortschritte vorzuweisen. Ein weiterer schwerer Fehler der Entwicklungsorganisationen war die Abwendung von Infrastrukturinvestitionen in den neunziger Jahren, im Glauben, der private Sektor würde sie stellen. 107 Das Vertrauen in die Aktivitäten des IWF und der Industrieländer wurde final mit den Finanzkrisen in Asien und Lateinamerika verspielt. 108
Neben inhaltlichen Fehlern weisen die Organisationen schädliche strukturelle und organisa-torische Schwächen auf. Zunächst wird die Politik der beiden Großen, Weltbank und IWF, durch Quoten und Stimmrechte festgelegt, die sich beim IWF aus dem BIP und der Handelsstärke ableiten 109 , bei der Weltbank aus den gezeichneten Anteilen am Fonds 110 . Dabei sind die Machtstrukturen durch Asymmetrien gekennzeichnet: Die OECD-Länder, vor allem die USA, prägen die Politik des IWF, während die Betroffenen vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer sind. Das birgt nicht nur die latente Gefahr einer Politisierung, was das Implizieren wirtschaftlich notwendiger Reformen gefährdet. 111 Weiterhin führt die Machtverteilung zu Zorn bei den Betroffenen. Zum Beispiel hat Indonesien weniger Stimmrechte als Schweden. Und das, obwohl seine Bevölkerung die Schwedens um das 23-fache übertrifft und das Land während der Asienkrise wichtiger Kreditnehmer des IWF war. Eine Stimm-rechtsreform wird von den Stimmrechtsführern abgelehnt, da Kreditnehmer nicht selbst über ihre Kreditbedingungen entscheiden könnten. Dagegen argumentiert die andere Seite, dass
104 Vgl. Sell, Axel (2003), S. 137 f.
105 Vgl. Folkerts-Landau, David / Garber, Peter M. u.a. (2007), S. 3.
106 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 103 f.
107 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 141.
108 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 20.
109 Vgl. IWF (2010), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
110 Vgl. The World Bank Group (2010f), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
111 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 131.
25 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
beide Organisationen keine Geschäftsabsichten verfolgen, sondern der globalen Gemeinschaft dienen sollen und von allen Mitgliedsländern getragen werden. 112 Erste Stimmrechtsreformen wurden initiiert, die grundsätzliche Diskussion besteht aber fort. 113
Schließlich existiert generelle Kritik an Entwicklungsorganisationen, die ihre Eignung zur Heilung der Schwierigkeiten von Entwicklungsländern einschränkt. Dabei werden ungeklärte Zuständigkeiten, Kompetenzgerangel und fehlende Abstimmung bemängelt. Am Beispiel Burkina Fasos wird ein solcher Konflikt deutlich. Burkina Faso ist als LDC Empfänger umfangreicher Entwicklungshilfeleistungen, darunter die Weltbank. Sie stellt etwa die Hälfte aller staatlichen Kredite zur Verfügung. 114 Im Mai 2002 genehmigte US-Präsident George W. Bush amerikanischen Bauern Subventionen im Umfang von USD 180 Milliarden. Auf einem freien Markt hätten die amerikanischen Bauern keine Chance. Bauern in Burkina Faso hingegen können Baumwolle zu einem Drittel des amerikanischen Preises produzieren. Durch die Subventionen exportiert Amerika jedoch mehr Baumwolle, als die Textil- und Bekleidungsunternehmen der Welt verarbeiten. Der Weltmarktpreis ist von über einem Dollar pro Pfund auf USD 0,40 gefallen, Burkina Faso geriet mit seinem einzigen Exportgut in ernste Schwierigkeiten, dieses am Weltmarkt zu halten und die Produktion fortzusetzen. 115 Derartige, nationale Politik wirkt allen Bemühungen entgegen, LDCs in den internationalen Handel zu integrieren und daraus die Entwicklung zu forcieren. Es fehlt eine ganzheitliche Strategie der beteiligten Parteien.
Die Entwicklungshilfe im Ganzen leistet somit zwar einen armutsreduzierenden Beitrag. Jedoch ist sie allein zu gering, um den betroffenen Ländern aus dem Zustand chronischen Kapitalmangels zu helfen. Äthiopien bräuchte nach Jeffrey Sachs Auffassung zum Beispiel USD 70 pro Kopf und Jahr, um der Armut zu begegnen. Jedoch erhält es nur USD 14. 116
4.5 Langfristige Erfordernisse zur Nutzung internationalen
Kapitals
Unter Berücksichtigung dieses Sachverhaltes wäre es für betroffene Länder erstrebenswert, derartige Abhängigkeiten langfristig aufzulösen und alternative Refinanzierungsquellen zu erschließen.
112 Vgl. Dieter, Heribert (2008), S. 12 f.
113 Vgl. Bryant, Ralph C. (2008), S. 5 f. (siehe Internetverzeichnis).
114 Vgl. The World Bank Group (2010e), Download-Dokument (siehe Internetverzeichnis).
115 Vgl. Uchatius, Wolfgang (2003), Absatz 4 ff.
116 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 328.
26 4 Warum der Geldfluss aufwärts fließt
Daher muss es zuerst Aufgabe der Regierungen sein, Vertrauen zu generieren - auf welchem Weg auch immer. Eine kontinuierliche, stabile Politik und makroökonomischer Stabilisierung sind dafür zwar erforderlich, aber kein Garant für mehr Glaubwürdigkeit. Selbst Länder, die nachweislich eine gute Politik verfolgt haben, können sich aufgrund undifferenzierter Wahrnehmung ihrer Ländergruppe in der Öffentlichkeit nur schwer von den Stigmata befreien. In den neunziger Jahren verabschiedete Uganda umfassende Reformen, die eine anhaltende Wachstumsphase einleiteten. Die wahrgenommene Risikoeinschätzung bei Investoren verblieb trotz begleitender Imagekampagne unter dem Niveau, ab dem solide Investoren tätig werden. Als Gründe werden kleine Märkte mit schlecht zugänglichen Informationen, eine tiefe Skepsis gegenüber dem Staat sowie eine undifferenzierte Betrachtung der Ländergruppe angeführt. 117
Zweitens sollten interessierte Kreditgeber erleichterten Zugang zu Informationen und zeitnah makroökonomische Daten erhalten. Die Bemühung um ein offizielles Rating einer Ratingagentur würde einen wesentlichen Beitrag zur Transparenz des Marktes leisten. Drittens, und diese Aufgabe ist langwierig und umfassend, muss die Kapitalmarktinfrastruktur im Land verbessert werden. Das Angebot von Handelsplätzen, die regionale Integration von Börsen und die Motivation zum Listing von regionalen Unternehmen würde den nationalen Kapitalmarkt vergrößern und die Liquidität erhöhen. Gleiches würde verstärkt durch einen leichteren Marktzugang für ausländische Investoren und geringe Transaktionskosten am Zweitmarkt. Eine nationale Emission von Wertpapieren wäre erforderlich, um Investoren eine Zinsstrukturkurve zur Orientierung zu bieten. 118
Die dargestellten Anforderungen sind umfangreich und ihre Umsetzung herausfordernd. Daher sollten sie als langfristiges Ziel ins Auge gefasst werden. Jedoch können LDCs darauf nicht warten. Die vergangenen zwanzig Jahre haben gezeigt, dass die Geschwindigkeit, mit der sie den Anschluss an die entwickelte Welt verloren haben, stark zugenommen hat.
117 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 116 ff.
118 Vgl. Mühlberger, Marion (2009), S. 13.
27 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und
Entwicklungsmöglichkeiten
Es bleibt nun zu prüfen, ob es nicht auch kurzfristig umzusetzende Möglichkeiten gibt, Mittel zur Deckung des Kapitalbedarfs bereitzustellen, die den Bedürfnissen entsprechen. Das zentrale Problem, dem LDCs begegnen, ist mangelndes Vertrauen, herrührend aus fehlenden Informationen oder negativen Erfahrungen. Wie kann man dieses zunächst überbrücken, bis es geheilt wird?
5.1 Vertrauen durch das bewährte Pfandprinzip
Bei Geschäften mit ungewissem Ausgang wurde schon im Mittelalter das Pfand zur Sicherung ungewisser Risiken am eigenen Vermögen bei Rechtsgeschäften eingesetzt. 119 Ob das bewährte Prinzip auch auf staatlicher Ebene seine Funktion erfüllen kann, ist Gegenstand dieses Abschnitts.
5.1.1 Das Modell „Faustpfand Währungsreserven“
Eine Untersuchung der Ökonomen David Folkerts-Landau und Peter Garbers hat 2007 Erkenntnisse geliefert, die eine Art Pfand als Sicherheit für Investitionen in sich entwickelnden Ländern identifizierte.
Die Studie untersuchte Schwellenländer, mit besonderem Augenmerk auf China, die in jüngster Vergangenheit in großem Umfang Währungsreserven aufgebaut haben, meist in Form von ausländischen Staatsanleihen höchster Bonität. Sie beobachteten, dass eben diese Länder verstärkt Direktinvestitionen verzeichneten, die, wie eingangs erläutert, technische Ausstattung und Know-How ins Land bringen. Konkret heißt das, dass die Zunahme ausländischer Kapitalzuflüsse in 49 Schwellenländern dem Anstieg ihrer Währungsreserven entsprochen hat. 120
Dieses Ergebnis erklären die Ökonomen mit dem Ausgleich der Risiken durch Informationsasymmetrie. Da die Währungsreserven in den Ländern gehalten werden, in deren Staatspapiere sie investiert sind, könnten sie jederzeit von der ausländischen Regierung gesperrt werden, wenn der Deponent gegenüber ausländischen Investoren dazu neigt, Willkür walten zu
119 Vgl. Büter, Andreas (2005), S. 6.
120 Vgl. Folkerts-Landau, David / Garber, Peter M. u.a. (2007), S. 11 f.
28 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
lassen oder diese gar enteignen zu wollen. Auf diese Weise entsprechen Währungsreserven einem Pfand und verringern das Investitionsrisiko. 121
Um den Mechanismus im Detail zu erfassen, muss zunächst klar sein, was Währungsreserven sind und wie ein Land in deren Besitz kommt. Währungsreserven sind kurzfristige Forderungen der Zentralbank an das Ausland und bezeichnen im Allgemeinen den Bestand eines Landes an Devisen und Sorten, der Reserveposition im IWF, den dortigen Sonderziehungsrechten und Goldbeständen. 122 Sie dienen der Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten und der Stützung bzw. Lenkung von Wechselkursen. Zum Aufbau gibt es drei Möglichkeiten: 123 Leistungsbilanzüberschüsse: Exportiert ein Land mehr Güter, als es importiert, entsteht c.p. am Devisenmarkt ein Überangebot an Devisen, das die Notenbank aufkaufen kann. Dieser Mechanismus setzt ein Leistungsbilanzdefizit eines Landes voraus, in dessen Währung die Reserve aufgebaut werden soll.
Eigenproduktion: Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten können diese auch über den Verkauf von Goldvorräten finanzieren. Die Bedeutung sinkt zwar, ist aber immer noch als Reservewährung anerkannt. Dabei muss das Gold jedoch, wie andere Exportgüter, zunächst exportiert werden, um mit den Erlösen agieren zu können. Währungskredite: Länder mit einem Zahlungsbilanzdefizit können sich am internationalen Kapitalmarkt in fremder Währung refinanzieren - eine ausreichende Bonität vorausgesetzt.
Den Schwellenländern, allen voran China, half der Aufbau von Währungsreserven bei der wirtschaftlichen Entwicklung wie folgt: Durch Devisenmarktinterventionen in Form vom Ankauf ausländischer Währung durch die Zentralbank wurde zunächst der Wechselkurs niedrig gehalten, was die Attraktivität bei Investoren erhöht hat. Die günstige Währung verschaffte dann am Weltmarkt Exportvorteile und schließlich Exportüberschüsse, die den Ankauf und Aufbau weiterer Währungsreserven begünstigten und ausländischen Investoren als eine Art psychologisches Pfand dienten. Denn das mangelnde Vertrauen von Investoren und die Furcht vor Enteignung oder anderen Nachteilen wurde dadurch aufgewogen, dass die Regierung des Investorenlandes im Missbrauchsfall die Möglichkeit hätte, die bei ihr lagernden Devisenreserven einzufrieren und als Schadensausgleich zu verwenden. Das Wissen darum würde das Zielland davon abhalten, Investoren zu benachteiligen. Diese Art Sicherheit schafft wiederum
121 Vgl. ebenda, S. 8.
122 Vgl. Köhler, Claus (1979), S. 313.
123 Vgl. Rübel, Gerhard (2005), S. 145 ff.
29 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
Vertrauen und erhöht erneut den Zufluss von Kapital und Technologie in diese Schwellenländer. 124
Der Nachteil dieser Strategie besteht in der Anhäufung öffentlicher Schulden. Im Ausland angelegte Gelder können nicht mehr im Land arbeiten. Diesen Platz nehmen Kredite ein. 125
Chinas enormer Aufbau an Währungsreserven (siehe Abbildung 8) in den vergangenen zehn Jahren ist auch Ausdruck des Strebens nach Unabhängigkeit vom IWF, trotz der hohen, damit verbundenen Kosten. So stellt das Land sicher, im Falle sich andeutender Wirtschafts- oder Währungskrisen ohne bindende Hilfe des IWF zahlungsfähig zu bleiben. 126
Abb. 8: Entwicklung von Chinas Bestand an Währungsreserven in Milliarden USD, 1980-2008.
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis The World Bank Group (2010d), Download-Dokument (siehe Internetverzeichnis).
5.1.2 Chancen und Grenzen des Modells in der Anwendung auf LDCs
Schwellenländer können also durch den Aufbau von Währungsreserven Direktinvestitionen anziehen. Für LDCs ist das jedoch der übernächste Schritt. Zunächst müssen diese Länder es schaffen, die notwendige Infrastruktur zu stellen. Da ihnen dafür die notwendigen Mittel fehlen und sich internationales Kapital scheut, in diese Länder zu fließen, soll nun geprüft werden, ob Folkerts-Landaus / Garbers Erkenntnis von Direktinvestitionen in Schwellenländern auf LDCs übertragen werden kann.
Betrachtet man den Bestand an Währungsreserven in LDCs, stellt man fest, dass diese Länder im Weltvergleich zwischen Rang 101 und 154 aus insgesamt 154 berücksichtigten Ländern vertreten sind (siehe Anhang, Kapitel 2.1). Wie können LDCs also Währungsreserven aufbauen, um Vertrauen zu gewinnen? Möglichkeiten bestehen in Währungskrediten, Leis- 124 Vgl.Folkerts-Landau, David / Garber, Peter M. u.a. (2007), S. 10 f.
125 Vgl. Wahl, Peter (2008), S. 35 f.
126 Vgl. Dieter, Heribert (2008), S. 10.
30 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
tungsbilanzüberschüssen und Eigenproduktion. Ersteres kommt nicht infrage, da Kreditmangel und Zweifel an der Bonität der LDCs Ursprung des Problems sind. Da LDCs keine Währung besitzen, die andere Länder als Reservewährung in Erwägung ziehen würden, bliebe für eine Eigenproduktion von Währungsreserven die Liquidation von Goldvorräten als Möglichkeit bestehen - einen verwertbaren Bestand an Gold vorausgesetzt. Sie werden bei der Berechnung des Bestandes an Währungsreserven aber bereits berücksichtigt. Und dieser ist bei LDCs vergleichsweise gering. Außerdem werden Goldvorräte der Zentralbank im Inland gelagert und sind damit außerhalb des Zugriffs ausländischer Regierungen. Sie werden in der Regel erst dann international verkauft, wenn die Deckung eines Zahlungsbilanzdefizits erforderlich ist. De facto verschaffen sie LDCs beim Gewinnen von Glaubwürdigkeit keinen Vorteil. 127
Auch Leistungsbilanzüberschüsse scheinen problematisch. Von 24 Ländern der Kategorie LDC weisen 21 Leistungsbilanzdefizite auf (siehe Anhang, Kapitel 2.2). Und das, obwohl sie in der Landwirtschaft und Textilindustrie wettbewerbsfähig sein könnten. Das Problem ist ein bekanntes. LDCs werden durch zahlreiche Handelsbarrieren und Subventionen der Industrieländer am Export wettbewerbsfähiger Güter gehindert und haben dadurch keine Chance, eine Wertschöpfungskette im eigenen Land zu etablieren. 128 Ihr Anteil am Welthandel lag vor fünfzig Jahren noch bei fast zehn Prozent und beträgt heute kaum noch zwei Prozent. 129
Schon seit 2001 versucht die WTO, internationale Institution zur Forcierung freien Handels, diesen Missstand im Rahmen der DOHA-Runde zu heilen. Die Verhandlungen sollten drei Jahre dauern. Doch die Standpunkte der unterschiedlichen Lager sind derart konträr und verfestigt, dass die Gespräche mehrfach unterbrochen wurden und bisher zu keinem Ergebnis führten. Die Erfolgsaussichten werden als gering eingeschätzt. Entwicklungsländer fordern unter anderem in den Verhandlungen den Abbau von Handelshemmnissen für Agrarprodukte. Zwar macht ihr Anteil weniger als zehn Prozent des internationalen Handels aus, jedoch sind sie in diesem Bereich wettbewerbsfähig. Die EU und die USA bestehen jedoch auf eine gesicherte Mindesteigenversorgung mit existenznotwendigen Gütern zur Nahrungsmittelsicherung. Die für diesen Zweck eingesetzten Agrarsubventionen drücken den Preis nach unten und verdrängen die Produkte der Entwicklungsländer. 130
127 Vgl. Rübel, Gerhard (2005), S. 145 ff.
128 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 40.
129 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 20.
130 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 52 f.
31 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
Weiterhin wird die Aussicht auf selbst generierte Leistungsbilanzüberschüsse durch Barrieren eingetrübt, die sich LDCs selbst auferlegen. Via Protektionismus und hohen Zöllen versuchen sie, ihre eigenen Märkte zu schützen. Dadurch verringern sie jedoch die Konkurrenz. Es fehlen in Folge Anreize für eine effiziente Produktion, wodurch die bestehende automatisch ineffizienter und teurer wird. Sie büßen mögliche Wettbewerbsfähigkeit ein. 131 Damit ist auch diese Möglichkeit für LDCs zunächst nicht praktikabel, jedoch unter allen der einzige gangbare Weg, den Aufbau von Währungsreserven und damit einen Vertrauenszuwachs weiterer Investoren in Gang zu setzen.
Einen Bestand an Währungsreserven vorausgesetzt, könnte dieser Ansatz auch LDCs nützlich sein, das Vertrauensdefizit über ein psychologisches Barpfand der Investoren auszugleichen. Jedoch ist die erste Grundlage für ein erstes Interesse von Investoren eine vorhandene Infrastruktur. Um diese zu stellen, brauchen die Länder langfristige Kredite. Die schlechte Informationslage über LDCs und das schwer einzuschätzende Risiko für In-vestoren veranlasst sie, das mangelnde Vertrauen und das ungewisse Risiko in vollem Umfang abzusichern. Auf derartiger Entscheidungsgrundlage fordern deutsche Geschäftsbanken nur Bargeld und Staatsanleihen in US-Dollar, Britischen Pfund, Euro, Japanischen Yen und Kanadischem Dollar als Sicherheit. Währungsreserven in einer dieser Währungen, die im Land der Reservewährung gehalten werden, treffen damit die Anforderungen an eine mögliche Kapitalbereitstellung. 132
Im Umkehrschluss hat das Land also keinen Nutzen davon, Währungsreserven als Pfand zu hinterlegen und in wohl geringerem Umfang einen ausländischen Kredit aufzunehmen. Da in den sich entwickelnden Ländern der Zins höher ist als in entwickelten Ländern, sind eine Kapitalanlage im Ausland in Form von Währungsreserven und ein Kapitalimport in Form von Krediten zur gleichen Zeit ein Verlustgeschäft, das Mittel im Ausland bindet. Ein Nutzen würde allein dann eintreten, wenn die Rahmenbedingungen für Investitionen im Land bereits bestehen und ausländische Geldanlagen nur erfolgen, um Vertrauen bei Direktinvestoren zu gewinnen. Zum Aufbau der nötigen Voraussetzungen ist das jedoch keine Alternative. Die Entwicklung initiierenden Mittel müssen also über andere Wege bereitgestellt werden.
131 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 209 ff.
132 Quelle aus Datenschutzgründen geschützt.
32 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
5.2 Kapitalfluss aus „nationalem Tafelsilber“?
Da die Lage der LDCs jedoch akut ist, sollte nun geprüft werden, ob „nationales Tafelsilber“ verwendet werden kann, um Kapital für Infrastruktur zu generieren, das mangelnde Vertrauen zu überbrücken, dem Bestand an Währungsreserven einen Schub zu verleihen und schließlich Direktinvestitionen und Wachstum ins Land zu bringen. Was hat also noch Wert in den ärmsten Ländern der Erde?
Wird der Blick auf die Subsahara-Region gerichtet, begegnet man Ländern mit den global geringsten Einkommen. Gleichzeitig jedoch findet man in dieser Region bedeutende Rohstoffvorkommen. Sechzig Prozent der internationalen Diamantenreserven, fünfzig Prozent der Kobaltreserven, zwanzig Prozent der Goldreserven, fünf Prozent aller nachgewiesenen Ölreserven, vier Prozent der Erdgasreserven und drei Prozent der Kupferreserven befinden sich in Ländern südlich der Sahara. 133 Simbabwe, ein von der UNDP-Klassifizierung nicht erfasster, aber umfassend gescheiterter Staat, hat Anfang 2010 eines der reichsten Dia-mantenvorkommen aller Zeiten entdeckt. 134 Der Kongo verfügt zugleich über Gold, Diamanten, Edelhölzer, Zinn, Kobalt, Wolfram und Erze wie Coltan und Tantal. Ein Viertel der Tantal-Weltproduktion stammt aus diesem Land, ein Rohstoff, der für besonders harten Stahl benötigt wird und ohne den kein Kernreaktor und keine modernen Elektrogeräte funktionieren können. 135
Rund 29 Prozent der ärmsten Milliarde Menschen leben in Ländern, in denen derartiger Ressourcenreichtum das Wirtschaftsleben dominiert. Nun könnte man meinen, dass es für rohstoffreiche Länder ein Segen sei und diese als Rentiers der Erträge keine Arbeitsleistung erbringen müssen. Aber tatsächlich hat mit einzelnen Ausnahmen Rohstoffreichtum in der Vergangenheit mehr Schaden angerichtet, als er einem Land einen Dienst erwiesen hat. Auch die Neuentdeckung von Rohstoffen leistete keinen signifikanten Beitrag zur Entwicklung eines Landes. Im Gegenteil: Große Erträge aus Rohstoffexporten wirken wachstumshemmend. 136
Eine wesentliche Ursache liegt in der Dutch Disease. Mit steigender Nachfrage nach den bedeutenden Rohstoffen gewinnt die inländische Währung gegenüber anderen Währungen an Wert. Dadurch büßen andere Exportgüter eines Landes ihre Wettbewerbsfähigkeit ein und
133 Vgl. Mühlberger, Marion (2009), S. 12.
134 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010b), S. 20.
135 Vgl. Perras, Arne / Bitala, Michael (2010), S. 3.
136 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 20.
33 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
deren Produktion wird eingestellt. Jedoch ist die weiterverarbeitende Industrie wichtigster Treiber technologischen Fortschritts und wirtschaftlicher Entwicklung. Zur gleichen Zeit erhöht sich mit hohen Rohstoffeinnahmen der politische Druck, die staatlichen Ausgaben zum Wohle der Bevölkerung an die höheren Mittelzuflüsse anzupassen. Die Legitimation, Steuern zu erheben, nimmt ab. Und damit sinkt wiederum die Notwendigkeit der Bevölkerung, staatliches Handeln und seine Ausgaben zu kontrollieren. Problematisch ist weiterhin, dass Rohstoffpreise sehr volatil sind. Die schwankenden Einnahmen erschweren eine solide Finanzplanung. Bei einem Preisverfall ist es dann schwer, mit der notwendigen Schnelligkeit zugesagte Ausgaben wieder zu reduzieren. Insgesamt hindert es die Wirtschaft an der Diversifikation ihrer Industrien und verringert die Chance auf den Export weiterverarbeiteter Waren und Dienstleistungen. 137
In LDCs, die generell zu politischer Instabilität neigen, erhöhen Rohstoffe das Risiko, in einen Bürgerkrieg zu verfallen. Das Interesse an Konzessionen und Schürfrechten hat in der Vergangenheit bereits internationale Konzerne dazu veranlasst, Rebellenbewegungen mit Geld zu unterstützen, um bei einem etwaigen Sieg Zugang zu den Rohstoffen zu erhalten. 138
Bei den Problemen, denen Entwicklungsländer im Zusammenhang mit Rohstoffreichtümern begegnen, spielen ihre Regierungen eine zentrale Rolle. Häufig sind Regierungen und staatliche Unternehmen direkt an der Rohstoffförderung beteiligt. Theoretisch wären die Probleme, denen die Länder begegnen, durch politisches Durchgreifen lösbar; sowohl die Dutch Disease, schwankende Rohstoffpreise als auch politischer Druck. Eine disziplinierte Fiskalpolitik, temporäre Subventionen zum Erhalt und Ausbau einer diversifizierten Wirtschaft und Stabilisierungsfonds sind theoretische Möglichkeiten der Regierung, die Rohstoffvorkommen zu ihren Gunsten zu verwenden. 139
»‘In so far as one general conclusion can be drawn [from our collection of empirical
studies] it is that a country’s economic performance following a resource boom de-
pends to a considerable extent on the policies followed by its government… [E]ven
small economies have considerable influence over their own economic perfor-
mance.’« 140
Botswana macht vor, dass Diamanten den Staat auch stützen können. Die Regierung investiert die Einnahmen diszipliniert in Infrastruktur und das Gesundheitswesen. 141
137 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 58 f.
138 Vgl. ebenda, S. 33 f.
139 Vgl. Ross, Michael L. (1999), S. 307.
140 Ebenda, S. 307.
141 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 21.
34 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
Dennoch ist diese zufriedenstellende und wachstumsfördernde Form die Ausnahme. Die Erklärungsversuche können in drei Gruppen aufgeteilt werden. Kognitive Theorien weisen die Schuld der Kurzsichtigkeit der staatlichen Akteure zu. Den Regierungen fließt Geld zu, sie verwendet es nur schlecht. 142 Gesellschaftliche Theorien führen den schädlichen Einfluss von privilegierten Klassen, Branchen, Auftraggebern oder Interessengruppen an. Zuletzt werden in etatistischen Theorien die Ursachen in der institutionellen Stärke oder eben Schwäche gesucht - in der Fähigkeit des Staates, Rohstoffe freizusetzen, Eigentumsrechte durchzusetzen und dem Druck von Interessengruppen standzuhalten. 143
An einem praktischen Beispiel heißt das Folgendes: Das in Simbabwe entdeckte Diamanten-vorkommen wird auf einen Wert geschätzt, der ausreichen würde, das Land aus Verschuldung und Armut zu befreien. Eine britische Firma, die offizielle Konzessionen erhielt, wurde aus dem Land vertrieben und gegen einen südafrikanischen Unternehmer ersetzt. Andere Schürfer wurden mit militärischer Gewalt aus dem Gebiet entfernt. 144 In Folge profitieren von den neuen Rohstofferträgen nun eine kleine Elite rund um die Regierung, also Generäle, der Verteidigungsminister sowie der Gouverneur der Zentralbank. 145
Währungsreserven sind in LDCs knapp. Jedoch besäßen die Länder die Voraussetzung, aus natürlichen Rohstoffen die nötigen Grundlagen für eine langfristig orientierte Entwicklung zu legen. Theoretisch würde sie diese Quelle befähigen, zweierlei Probleme zu lösen. Sie könnten sowohl Gelder für den Aufbau von Infrastruktur generieren, als auch Überschüsse zum Aufbau von Währungsreserven nutzen. Jedoch statuieren erfolgreiche Entwicklungen durch Rohstoffvorkommen eher als Ausnahme.
»We are in part to blame, but this is the curse of being born with a copper spoon in
our mouths.« 146
Obwohl die Schwierigkeiten bekannt sind, gibt es lange Historien von Missmanagement und Entwicklungsrückschlägen.
5.3 Die Wiederentdeckung von Agrarland
Sind viele der Länder mit der gegebenen Situation schon überfordert, werden weitere Rohstoffquellen in ihren Hoheitsgebieten identifiziert. So wurden 2007 Ölquellen vor der Küste Ghanas gefunden und eben neue Diamantenvorkommen in Simbabwe.
142 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 140.
143 Vgl. Ross, Michael L. (1999), S. 308.
144 Vgl. Drechsler, Wolfgang (2010a), S. 20.
145 Vgl. Klein, Stefan (2010), S. HF3.
146 Kaunda, Kenneth (*1924), Präsident Sambias von 1964-1991.
35 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
Richtet man nun einen Blick auf Afrikas Landwirtschaft, scheint diese weit entfernt davon, werttragend zu sein und hohe Erträge zu generieren. Im Gegenteil: Die landwirtschaftliche Produktivität ist sehr gering, die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf niedrig und rückläufig. Der Ackerbau ist zu über neunzig Prozent von Niederschlägen abhängig. Den Bauern fehlt es an Transportwegen, Dünger und Zugang zu Märkten. LDCs haben mit enormen Nahrungsmitteldefiziten und ländlicher Armut zu kämpfen. 147 Seit den achtziger Jahren haben sich ihre Weizen- und Reiseinfuhren verdoppelt, wobei die Importabhängigkeit stetig stieg. 148
Aufgrund der geringen Produktivität und des hohen Potentials begegnen diese Länder nun einem zunehmenden Interesse an ihren Agrarflächen. Internationale private und staatliche Investoren versuchen sich mittels langfristiger Pacht- oder Kaufverträge Rechte an Agrarflächen zu sichern. 149 Zum Umfang dieser Geschäfte können aufgrund der Intransparenz nur Schätzungen angestellt werden. Danach sollen zehn bis dreißig Prozent der globalen Ackerflächen zur Verhandlung stehen. 150 Rund 22 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche wurden bereits verkauft oder verpachtet, was etwa der Größe Großbritanniens entspricht. 151 Im Durchschnitt handelt es sich in den Projekten um Investitionssummen von fünf Millionen USD 5 Millionen, die im Mittel etwa 15000 Hektar umfassen. 152
Diese Entwicklung von Direktinvestitionen in ausländisches Land wird als Land Grabbing bezeichnet. Die dabei geschlossenen Verträge umfassen Landnutzungsrechte und Landbesitzrechte über eine festgelegte Periode, häufig mit der Möglichkeit, Verträge zu verlängern. 153
Besonderes Interesse bekunden ostasiatische Länder mit hohem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, nahrungsmittelimportierende Länder im arabischen Raum mit begrenzten Land- und Wasserressourcen, Ölkonzerne und Investmentfonds. Die Flächen sollen schließlich verwendet werden zum Anbau von
Grundnahrungsmitteln zur Nahrungsmittelsicherung und der Verringerung der Abhängigkeit von der Weltmarktpreisentwicklung, Futterpflanzen zur verstärkten Fleischproduktion,
Pflanzen zur energetischen Nutzung aufgrund von Ölpreissteigerungen und Alternativen zu diesem Energieträger, sowie Beimischungsquoten für Agrartreibstoffe, 154
147 Vgl. BMZ (2009), S. 4.
148 Vgl. Fritz, Thomas (2009), S. 13.
149 Vgl. BMZ (2009), S. 3.
150 Vgl. Fritz, Thomas (2009), S. 7.
151 Vgl. BMZ (2009), S. 3.
152 Vgl. Behme, Dagmar (2009), S. 23.
153 Vgl. Behaim, Dorith v. / Görgen, Matthias u.a. (2009), S. 9.
36 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
Pflanzen zur stofflichen Nutzung, wie Kautschuk und Baumwolle. 155
Privatwirtschaftliche Investmentfonds begründen ihr Interesse mit einem erwarteten, anhaltenden „landwirtschaftlichen Superzyklus“ 156 mit steigenden Preisen und höheren Bodenrenten. Folgende Faktoren sprechen für die Verknappung des Faktors Boden und der damit einhergehenden Erwartung steigender Preise für Agrarerzeugnisse: 157 Das geschätzte Wachstum der Weltbevölkerung von derzeit 6,8 Milliarden auf neun Milliarden Menschen bis 2050 158 und einer damit einhergehenden Erfordernis, die Nahrungsmittelproduktion um siebzig Prozent zu steigern 159 Abnehmende Agrarflächen durch Urbanisierung, fortschreitende Flächenversiegelung, Klimawandel, Desertifikation und Bodenerosion 160
Weltweit geplante Förderung von Biokraftstoffen; der Preisanstieg für Energiepflanzen allein durch die EU-Kraftstoffquote wird auf 6,5 Prozent geschätzt 161 Kohlenstoffzertifikate verstärken die Flächenkonkurrenz, denn viele der Optionen wie Biotreibstoffe oder Senken 162 konkurrieren um die gleichen Bodenressourcen Steigender Wohlstand ändert Essgewohnheiten hin zu verstärktem Fleischkonsum; dessen Produktion erfordert ein Vielfaches an Getreide
Gegen eine nachhaltige Preissteigerung sprechen die aktuell niedrige Produktivität der vor-handenen Flächen und die Möglichkeit, den Bedarf durch Investitionen in moderne landwirtschaftliche Verfahren wie Saatenzucht, Agrobiotechnologie und wissenschaftlicher Bodenbewirtschaftung schnell zu steigern. 163 Dadurch könnten sogar bislang als unfruchtbar geltende Böden erschlossen werden und Preissteigerungen ausbleiben. Vor diesem Hintergrund und der weiterhin bestehenden Abhängigkeit von Wettereinflüssen bleibt der Investmentgedanke in Agrarrohstoffe spekulativ. 164
Das Interesse der Investoren ist enorm, ebenso der eigene Bedarf der Zielländer. Die Erhöhung der Produktivität könnte die dringend notwendige Nahrungsmittelversorgung der afri-
154 Vgl.BMZ (2009), S. 4.
155 Vgl. Behme, Dagmar (2009), S. 23.
156 Fritz, Thomas (2009), S. 11.
157 Vgl. Detering, Michael (2010), S. 44.
158 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005), S. 13.
159 Vgl. BMZ (2009), S. 3.
160 Vgl. ebenda.
161 Vgl. Handelsblatt (2010), S. 20.
162 Nutzung von Böden und Biomasse als Kohlenstoffspeicher.
163 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 355.
164 Vgl. Detering, Michael (2010), S. 44.
37 5 Identifizierung alternativer Finanzierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten
kanischen Bevölkerung durch den Heimatmarkt sicherstellen und einen Beitrag zum überfälligen Wachstum leisten. Die gesamte Agrarwirtschaft könnte vom Know-How-Zuwachs und einer verbesserten Infrastruktur profitieren. 165
Als problematisch stellen sich jedoch die Verhandlungen dar. Sie sind von großer Intransparenz geprägt, involvierte Staaten bzw. Unternehmen, der Umfang der zur Verhandlung stehenden Flächen sowie deren vorgesehene Nutzung sind weitgehend unbekannt. Weiterhin gestaltet sich der Markt als bilaterales Oligopson. Es treffen nur wenige anbietende Staaten auf relativ wenige Nachfrager. Dazu ergibt sich in Verhandlungen ein Kräfteungleichgewicht zwischen zahlungsfähigen Investoren und unter akutem Kapitalmangel leidenden Anbietern. Hinzu kommen teilweise korrupte Eliten, die ihren Vorteil vor dem derer stellen, die das Land selbst nutzen könnten. Das führt trotz großer Nachfrage, die etwa in Botswana das Angebot um etwa das doppelte übertrifft, zu Zugeständnissen der Regierungen in Form von agrarischen Sonderwirtschaftszonen, Zoll- und Steuersenkungen sowie den freien Transfer von Gewinnen und Ernten. 166 Daraus ergeben sich Befürchtungen, die Verhandlungsergebnisse und die Projektdurchführung würden der Mehrheit der armen Bevölkerung in den ländlichen Räumen schaden und diese weiter in Armut binden. 167 Direkte, negative Folgen für Bauern bestehen in der Verdrängung von ihren Feldern aufgrund nicht dokumentierter Rechte an Grund und Boden, die bislang auf Gewohnheitsrecht beruhen. 168
Darüber hinaus ist vor diesem Hintergrund auch keine signifikante Verbesserung der inländischen Nahrungsmittelsituation in Land Grabbing-Ländern zu erwarten, da sich Investoren die augenblickliche Anpassung der Produktion an heimatliche Bedürfnisse und den Export der Ernte vorbehalten. 169
Das umfassende Interesse an Agrarflächen der Länder ist neu. Bestand früher Verlangen nach Luxusgütern wie Tee und Kaffee, geht es heute um die Deckung des Grundbedarfs an Lebensmitteln und alternativen Energiequellen. 170 Die Chancen, die sich hieraus für die Länder im Fokus des Interesses ergeben, sind umfangreich. Allerdings ist die aktuelle Umsetzung mit Problemen behaftet, unter der die Effizienz und das Potenzial für die Länder leiden könnten.
165 Vgl. Behme, Dagmar (2009), S. 23.
166 Vgl. Fritz, Thomas (2009), S. 12.
167 Vgl. BMZ (2009), S. 3.
168 Vgl. Behme, Dagmar (2009), S. 23.
169 Vgl. ebenda.
170 Vgl. Fritz, Thomas (2009), S. 8.
38 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen
Entwicklung von LDCs
Ein Land braucht für die wirtschaftliche Entwicklung technisches Know-How und Kapitalakkumulation. Dieses kann durch Unternehmen bereitgestellt werden. Da in LDCs diese Faktoren in nur eingeschränktem Umfang vorhanden sind, sollte es Ziel dieser Länder sein, Direktinvestitionen aus dem Ausland anzuziehen. Dafür fehlen jedoch noch die Rahmenbedingungen. Ein wichtiger Faktor, der durch die öffentliche Hand gestellt werden muss, ist Infrastruktur.
Daher bleibt nun zu überlegen, ob aus dem Investoreninteresse an Böden und der dringende Wunsch nach gesicherter Nahrungsmittelgrundversorgung Mechanismen entwickelt werden können, die den Ländern helfen, die benötigte wirtschaftliche Entwicklung anzutreiben oder zumindest finanzielle Mittel zu generieren, die die Voraussetzungen für eine solche Entwicklung schaffen können.
6.1 Die eigene Bewirtschaftung
Wenn internationales Interesse an der Sicherung von Grundnahrungsmitteln besteht, so muss geprüft werden, ob es LDCs dienen könnte, selbst durch professionelle Landbewirtschaftung und Kapazitätsausbau ihre Erzeugnisse in den Export einzubringen und damit die Integration in den Welthandel zu finden.
Dass die aktuelle Kapazität der Landwirtschaft noch umfangreiches Ausbaupotenzial bietet, wurde bereits aufgezeigt. Jeffrey Sachs errechnete am Beispiel eines Maisfeldes, dass allein durch das Ausbringen von Dünger im Wert von USD 100 pro Hektar und Jahr sich die durchschnittlichen Ernteerträge einer normalen Saison c.p. von einer Tonne auf drei Tonnen je Hektar steigern ließen. Diese Mehrernte hätte einen Marktwert von etwa USD 200 bis USD 400 pro Hektar, Transportmittel und stabilen Maispreis vorausgesetzt. 171
Jedoch fehlen wichtige Voraussetzungen zur Hebung dieses Potentials, wie der Zugang zu Dünger, verlässliche Bewässerung, Maschinen und die Erreichbarkeit von Märkten. In den Ländern südlich der Sahara weisen die Hochlandregionen in Äthiopien und Ruanda die höchste Bevölkerungsdichte auf, geschuldet der Tatsache, dass es hier zuverlässiger regnet und der Boden ertragreicher ist, als im Tiefland und an den Küsten. Dadurch ist aber ihr Zugang zu den Kanälen internationalen Handels erschwert. 172 Zur defizitären Bewässerung be-
171 Vgl.Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 290.
172 Vgl. ebenda, S. 261 f.
39 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
trachtet man beispielhaft das fruchtbare Land entlang der Senegal- und Niger-Ströme. Hier verfügen nur 13 Prozent des bewässerbaren Ackerlandes tatsächlich über ein Bewässerungssystem. Aber auch traditionelle Barrieren hindern am Fortschritt. So besitzt Mali einen riesigen Bestand an Rinderherden, die keiner organisierten Fleisch- oder Molkereiproduktion zugute kommen. Vielmehr messen sich Bauern an der Anzahl an Vieh, um persönlichen Reichtum zu demonstrieren. 173 Besitzrechtsstände an Böden werden traditionell von chefs de terre 174 bestimmt, die keine Dokumentation, offizielle Rechtsgültigkeit oder gar die Fähigkeit zur Veräußerung besitzen. Eine Verwendung als Sicherheit für Agrarkredite ist damit nicht möglich. Nur 1,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen befinden sich dokumentiert in Privatbesitz. 175
Trotz des aktuell schlechten Zustandes des Agrarsektors stehen die Voraussetzungen so, dass Länder der Subsahara-Region wettbewerbsfähig sein könnten. Zentrales Problem waren bisher Handelsbarrieren und Exportsubventionen der Industrieländer, die sich ihre Unabhängigkeit bei der Nahrungsmittellieferung bewahren möchten. Diese reduzieren künstlich den Weltmarktpreis für Lebensmittel und hindern damit Entwicklungsländer, sich kostendeckend zu positionieren. Das neue Interesse an den afrikanischen Landflächen geht jedoch von Golfstaaten und asiatischen Ländern aus. Deren oberster Anspruch richtet sich an die Unabhängigkeit von Mengen- und Preisschwankungen bei der Nahrungsgrundversorgung am Weltmarkt. Ihnen fehlt das Vertrauen in die Effizienz der Märkte. 176
Vor dem Hintergrund politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten in LDCs dürfte eine etwaige Argumentation dieser Staaten schwer fallen, den Bedarf selbst bedienen zu können und über bilaterale Verträge zu garantieren. Dieses Vertrauen erzwingen zu können, etwa durch die Abhängigkeit der Interessenten und in Ermangelung von Alternativen, ist ebenso unwahrscheinlich, da die LDCs das zu investierende Kapital dringend benötigen und eben auch untereinander um gute Investoren buhlen. Die mangelnde Kommunikation untereinander und die Ungewissheit über das Handeln des anderen führen damit zu einem schlechteren Ergebnis der schwächeren Parteien, wie es die Spieltheorie theoretisch nachweist. Eigentlich müssten die LDCs das Kauf- oder Pachtangebot mit Verweis auf den Weltmarkt ablehnen, den die Länder durch eigene Produktionssteigerungen selbst verstärkt beliefern sollten. So könnten sie fortwährend an Wertsteigerungen partizipieren.
173 Vgl. Haefliger, Markus M. (2009), S. 3.
174 Französische Bezeichnung für traditionell verantwortliche Personen über den Faktor Boden in einer
afrikanischen Dorfgemeinschaft, die verbindlich über den Besitz und die Verwendung bestimmen.
175 Vgl. Haefliger, Markus M. (2009), S. 3.
176 Vgl. Fritz, Thomas (2009), S. 10.
40 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
Wollte das Land aus eigener Kraft die Lücke in der globalen Zulieferkette einnehmen, müsste der Staat eine wesentliche Rolle spielen, um den enormen Kapitalbedarf zur technischen Aufrüstung zu decken, der von winzigen, dezentral organisierten Bauernvereinigungen allein nicht aufzubringen ist. Eventuell kann er vorübergehend mit einem überzeugenden Aktionsplan Hilfen internationaler Organisationen in Anspruch nehmen. Sobald die Regierung aber Privatbetrieben Kapital zur Verfügung stellt, muss jenen Gefahren vorgebeugt werden, die staatliche Eingriffe in die freie Wirtschaft mit sich bringen. Es muss sichergestellt werden, dass nach betriebswirtschaftlichen statt politischen Aspekten Entscheidungen getroffen werden und nicht allein die Interessen einzelner Eliten dominieren. 177
Wenn das Entwicklungsland dann selbst produziert, müsste es die Waren am Weltmarkt platzieren - den Abbau oder die Umgehung von Handelsbarrieren vorausgesetzt - und würde dort Exporterträge generieren. Die zersplitterte Struktur von Bauernverbänden könnte durch ex-portunterstützende Organisationen konzentriert werden.
Die Stärkung der Landwirtschaft könnte die Eigenversorgung der eigenen Bevölkerung mit regionalen Gütern verbessern, würde die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten verringern und mit Exportüberschüssen einen Leistungsbilanzüberschuss produzieren. Die Entwicklung vom Selbstversorger zum globalen Zulieferer schafft Beschäftigungsmöglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette, würde damit Arbeitsplätze schaffen und potentiell zu Einkommenssteigerungen führen. Der Zahlungsbilanzüberschuss bietet dann der Zentralbank eines Landes die Möglichkeit, Währungsreserven aufzubauen, die das internationale Vertrauen von ausländischen Investoren stärken könnten und zu weiteren Direktinvestitionen führen. Die allgemeine Glaub- und Kreditwürdigkeit könnte in der Weise gesteigert werden, als dass die Integration in die globale Grundversorgung mit einer stabilen und fortwährenden Nahrungsmittellieferung die Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit unterstreicht. Dies erfordert zunächst jedoch Vertrauen auf Kredit.
Diese Entwicklungslinie scheint attraktiv in Anbetracht der gegenwärtigen Lage. Sie birgt aber auch ernste Gefahren für die Entwicklung des Landes. Der Ausbau der Aktivitäten im primären Sektor würde zu einer weiteren Konzentration des Arbeitskräftepotentials führen und an ländliche Strukturen binden. Die Abhängigkeit vom Nahrungsexport könnte das Land in die von anderen Rohstoffen bekannte Rohstofffalle führen und gar zur Dutch Disease führen. Durch die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln würde die inländische Währung gegenüber anderen Währungen an Wert gewinnen. Dadurch würden andere Exportgüter des
177 Vgl. Sachs, Jeffrey D. / Rennert, Udo u.a. (2005), S. 311 f.
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Landes ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßen und sich zurückbilden. Arbeitskräfte würden sich dem Sektor annehmen, der bessere Einkommensaussichten verspricht. Ihre Qualifikation würde auf einen Bereich konzentriert. Damit würde die Diversifikation der Wirtschaft aufgehalten und Fortschritte in Richtung weiterverarbeiteter Güter und Dienstleistungsangebote behindert. Dabei ist es gerade der Aufbau von Wissen und die Generierung von Wertschöpfung, was nachhaltige Entwicklung antreibt. Dazu kommen die Gefahren, denen eine schlechte Regierung ausgesetzt ist, wenn Rohstoffe erfolgreich Erträge generieren. Erinnert sei an die verminderte Möglichkeit, Steuern zu erheben, den Druck, Ausgaben zu erhöhen und die fehlende Argumentationsgrundlage für notwendige Reformen.
Auch ist nicht gesagt, dass Faktoren, die für die Verknappung von Boden und steigende Lebensmittelpreise sprechen, auch schließlich dazu führen. Die Weltbevölkerung ist bereits in vergangenen Jahrzehnten rasant gewachsen. Bereinigt man die Agrarpreisentwicklung um die Inflation, sind die Preise der Vergangenheit sogar gesunken. Außerdem hängen die Preise weiterhin stark von Wettereinflüssen und weltweiten Ernteerträgen ab und neigen zu hoher Volatilität. 178 Und damit kann ein Staat ohnehin nicht zuverlässig planen.
Um eine Eigenproduktion zugunsten eines Landes durchführen zu können, bedarf es einer Lösung für mangelndes Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Länder und eines Mechanismus, der das Land selbst vor den negativen Folgen gleich denen anderer hoher Rohstoffeinnahmen schützt. Hierfür wäre es denkbar, die Verwaltung und Entscheidungen über Einnahmeverwendungen einer unabhängigen Stelle zu überlassen, entweder dargestellt durch eine zivilgesellschaftlich organisierte Institution oder eine internationale Verwaltung, wie es Fidschi zur Bewältigung der Einnahmen seiner Mahagoni-Plantagen organisierte. 179 Dies würde die Gefahr politischer Unwägbarkeiten eindämmen und könnte grundlegende, staatliche Leistungen finanzieren. 180 Auch der Aufbau eines Stabilisierungsfonds wäre denkbar, der Ersparnisse bildet und schwankende Einnahmen ausgleicht.
Eine alternative Idee zum Ausschluss schwankender Preise führt zum Barter-Tausch, also dem Tausch zweier Sachen. So könnte ein Teil der Exporte gegen „Gutscheine“ für ausländisches Fachpersonal der entwickelten Länder getauscht werden, die den akuten Mangel an Humankapital, dem notwendigen und passenden Know-How ausgleichen könnten.
178 Vgl. Detering, Michael (2010), S. 44.
179 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 42.
180 Vgl. ebenda, S. 154 f.
42 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
6.2 Kauf und Pacht durch ausländische Investoren
Staaten, deren Ziel unabhängige Grundnahrungsmittellieferungen sind, verlangen Autonomie vom Lieferanten. Daher umfassen die meisten, bisher abgeschlossenen Geschäfte um Agrar-land den Verkauf oder die jahrzehntelange Verpachtung an Investoren. 181
Dieser Ansatz führt in LDCs zunächst zu einem Anstieg der Direktinvestitionen, dessen Defizit die schlechte Entwicklung von diesen Ländern mit verantwortet. Außerdem fließt der Landwirtschaft durch umfangreiche Investitionen in Maschinen und technische Ausstattung in großem Umfang dringend notwendiges Kapital zu. Weiterhin werden Düngemittel und Hochleistungssaatgut verwendet, was in der Summe zu einem schnellen Aufholen der Leistungsfähigkeit des Agrarsektors führt.
Gesamtwirtschaftlich ergeben sich - eine gute Regierungspraxis vorausgesetzt - daraus folgende Chancen: Die Regierungen nehmen Devisen ein, die sie entweder direkt in den Aufbau des Landes investieren können, um ein investorenfreundliches Umfeld zu schaffen. Oder sie nutzen es zum Aufbau von Währungsreserven, die ebenfalls das Investoreninteresse durch verstärktes Vertrauen verbessern. Durch die Direktinvestitionen in Land fließen der Volkswirtschaft sowohl betriebliches als auch Wissenskapital zu. Dieses kann als Grundlage für weitere Wachstumsimpulse mit einhergehender Produktions- und Einkommenssteigerung beurteilt werden. Sofern die Investoren die Flächen zur Selbstversorgung nutzen, droht dem LDC keine Gefahr aus der Dutch Disease. Und Risiken schwankender Nachfrage, Mengen und Preise bleiben den Staaten ebenso vorenthalten. Die Wirkung für einen besseren Zugang zu Kapital beschränkt sich zunächst auf den Umfang neuer Währungsreserven. Spätere Effekte, etwa durch verbesserte Infrastruktur und weiter zunehmende Direktinvestitionen, sind wahrscheinlich, aber in ihrem Ausmaß allgemein nicht zu schätzen. Als besonders problematisch erweisen sich drei Umstände. Zunächst stellt das Ungleichgewicht zwischen Nachfragern und Anbietern ein Marktversagen zulasten der schlechter entwickelten Länder dar. Der zweite Nachteil besteht in der Einmaligkeit der erhaltenen Zahlungen. Sollten die Verhandlungen schlecht geführt worden sein und die Vereinbarung das Übergewicht der ausländischen Partei begünstigt haben, hieße es für das LDC, auf lange Zeit keine weiteren Erträge auf und aus dem Boden zu erzielen. Was der Regierung bleibt, ist die einmalige Abschlagszahlung. Von Preissteigerungen und anderen Potentialen des Bodens
181 Vgl. BMZ (2009), S. 3 f.
43 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
kann der Staat nicht mehr profitieren. Außerdem würde der Trend zur Selbstversorgung der Staaten die Aussichten für Lebensmittelhandel am Weltmarkt eintrüben. 182
In Anbetracht der weitreichenden Folgen dieser Art der Geschäftsabwicklung sollte den anbietenden Ländern eine faire Preisfindung gewährleistet werden und die Nutzung der Flächen gewisse Mindestansprüche der lokalen Bevölkerung berücksichtigen. So sollte sichergestellt werden, dass die Nahrungs- und auch Arbeitssituation in jedem Fall zugunsten des Land anbietenden Staates ausfallen.
Diesen Prozess könnte man durch eine internationale Ausschreibung und eine offizielle Vergabe begleiten. Während jeder Interessent ein Gebot für die Flächen abgeben könnte und so der maximal mögliche Ertrag für das Land herauskommt, würde man gleichzeitig die internationale Transparenz und Kontrolle korrupter Regierungen und übergewichtiger Käufer zum Wohle der Armutsreduktion in den Zielländern begünstigen. Derartige Verkäufe könnten durch eine selbstverpflichtende Charta begleitet werden, die die Wahrung der Interessen der ländlichen Bevölkerung sicherstellt, traditionelle Landnutzungsrechte respektiert und die Öffentlichkeit transparent über Zahlungen aus den Geschäften und über die Mittelverwendung in Kenntnis setzt. Chartas bieten im Allgemeinen armen Ländern die Möglichkeit, sich aus Prestigegründen oder auch nur aus Gruppenzwang selbst zur Einhaltung von Mindest-standards und Regeln zu verpflichten, wodurch eine internationale Selbstkontrolle bewirkt wird. Je mehr Länder eine Charta übernehmen, umso stärker wird der Druck auf den Rest, weil diese als Komplizen der Korruption wahrgenommen werden können. Ein solcher Beitritt sollte augenblicklich möglich sein, sobald eine verantwortungsvolle Führung die Macht übernommen hat, um das Land für die Zeit nach dieser Regierung abzusichern. 183
Weiterhin müssten die Verträge zur Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards verpflichten und die Produktion für den örtlichen Markt sicherstellen, um die Ernährung der Bevölkerung der Zielländer zu gewährleisten. 184
182 Vgl. BMZ (2009), S. 7.
183 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 177 ff.
184 Vgl. BMZ (2009), S. 10 f.
44 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
6.3 Kombinierter Ansatz: Vertragslandwirtschaft mit
institutionellem Rahmen
Die vorgestellten Ansätze weisen jeweils Probleme auf, die LDCs benachteiligen können und sie mit Problemen allein lassen, an deren Bewältigung sie schon bei Rohstofferträgen gescheitert sind. Es herrscht eine ungleiche Machtverteilung, die das Verhandlungsergebnis übermäßig zugunsten der Investoren verschieben kann und die Gefahr birgt, dass Entwicklungsländer die Möglichkeiten, die ihnen aus ihrem Bodenreichtum erwachsen, nicht für sich nutzen können und weiter in Armut verharren. In Folge würden sich hochentwickelte Länder und LDCs noch weiter von einander entfernen.
Zunächst gibt das Interesse an dem Boden in Entwicklungsländern eine Perspektive auf möglichen Nutzen für diese Länder. Jedoch ist der Anspruch der Investoren eine garantierte Grundversorgung. Diese darf aber nicht auf Kosten des schwächeren Teils der Welt gesichert werden, während in diesem Land Menschen Hunger leiden, ihren Besitz und ländliche Strukturen verlieren und das Land den Anspruch auf eigenen Grund und Boden aufgibt, als Konsequenz eines Moments geschuldet, in dem Regierende sich unter ungleichen Verhandlungsbedingungen oder gegen inoffizielle Gefälligkeiten einigen. Aus diesen Umständen ergibt sich die Notwendigkeit, die Intransparenz bei der Abwicklung zu überwinden und Ungleichgewichte durch einen Intermediär auszugleichen. Außerdem müssen die Bedürfnisse von LDCs Berücksichtigung finden. Ihre Chance auf Entwicklung erfordert zunächst die Bereitstellung einer Infrastruktur, dessen Aufbau- und Instandhaltungskosten sie nicht tragen können. In Anbetracht der nachteiligen Lage in Entwicklungsländer sollte ein garantierter Zugang zu Lebensmitteln also mit Verpflichtungen verbunden sein.
Dafür ließe sich die Etablierung einer internationalen Organisation, einer Arche für Landwirtschaft und Ernährung diskutieren, im nachfolgenden Agri Ark genannt. Dieser könnten alle Länder mit geringer Produktivität in der Landwirtschaft, aber einem hohen Potential auf Leistungssteigerung beitreten. Auf der anderen Seite der Agri Ark beteiligen sich Interessenten mit dem Bedürfnis an Grundnahrungssicherung. Der schematische Aufbau ist in Abbildung 9 dargestellt.
45 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
Abb. 9: Entwurf einer internationalen Organisation zur Sicherstellung fairer und gesicherter Nahrungsmittellieferungen.
Quelle: Eigene Darstellung.
Um nun den Bedarf der Länder zu decken, muss die technische Ausstattung und Infrastruktur der Zulieferer verbessert werden. Das dafür benötigte Kapital kann auf zweierlei Wegen zur Verfügung gestellt werden. Die Abnehmer leisten entweder einen finanziellen Beitrag an die Agri Ark, der die nachfragenden Länder gleichzeitig an die Organisation bindet. Diese Länder könnten aber auch für die Organisation bürgen. Dadurch erhält die Agri Ark eine Kreditwürdigkeit, die sie befähigt, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren und den produzierenden Ländern Kredite zur Verfügung zu stellen - gleich dem Vorgehen der Weltbank. Im Gegenzug erhalten diese Länder ein Vorkaufsrecht für die produzierten Lebensmittel. Bei Überdeckung des Bedarfs haben die Nachfrager die Freiheit, diese an den Weltmarkt weiterzureichen. Damit stellt die Agri Ark einen Zweitmarkt da, der wie ein Club Mitglieder bevorzugt behandelt und ein Eingreifen Außenstehender verhindert.
Die Zulieferer können mit einer Verpflichtung zu Vertragslandwirtschaft für die Agri Ark Zugang zum notwendigen Kapital erhalten, in Form von Krediten, Betriebskapital und Wissenskapital. Alle Arten von Kapital können sie nach Bedarf in gerechtfertigtem Umfang abrufen. Unterstützung mit Know-How wird bei Erfordernis angeboten, jedoch bleiben die Länder generell souverän.
Während des Prozesses sollte die Agri Ark die Einhaltung moralischer, ökologischer und sozialer Mindeststandards sicherstellen. Es muss bei der Intermediation ein Ausgleich nationaler Interessen gefunden werden. So sollte auch ein angemessener Teil der Produktion den Heimatmarkt bedienen, um die eigene Abhängigkeit von Importen zu verringern. Um dem Problem hoher, volatiler Rohstoffeinnahmen zu begegnen, sollte innerhalb der Agri Ark für jedes produzierende Land eine unabhängige, zivilgesellschaftliche Verwaltungseinheit gebildet werden, die die Verwendung der erhaltenen Rückflüsse verantwortungsvoll organi-
46 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
siert und den Missbrauch durch schlechte Regierungsführung verhindert. Sie könnte Anträge auf Mittelverwendung entgegennehmen und in gemeinsamer Abstimmung eine Zuteilung vornehmen. Gegenseitige Kontrollmechanismen oder demokratische Strukturen könnten einem Missbrauch innerhalb der Verwaltungseinheit vorbeugen. Während einer fortlaufenden Produktion für den clubartigen Zweitmarkt neben dem Weltmarkt können Entwicklungsländer unter Wahrung ihrer Interessen dann die dringend notwendigen Investitionen in ihre Landwirtschaft vornehmen, den Ausbau der Infrastruktur vorantreiben, die eigene Nahrungsmittelsituation verbessern, ihre Handelsaktivitäten stärken, je nach Ausmaß einen Zahlungsbilanzüberschuss produzieren, der ihnen den Aufbau von Währungsreserven ermöglicht und die Attraktivität gegenüber Direktinvestitionen erhöht. Die Strukturierung und Professionalisierung der Wirtschaft und die Integration in den Handel schaffen Voraussetzungen für positive Arbeitsmarkteffekte und Einkommenssteigerungen. Der Zweitmarkt könnte gleichzeitig Behinderungen durch Exportsubventionen der Industrieländer umgehen. Auf diesem alternativen Markt könnten die Produktivität und das Vertrauen in der Art steigen, dass sich Entwicklungsländer als „Kornkammer der Welt“ etablieren. Mit der kontinuierlich weiterentwickelten Infrastruktur werden Bedingungen für weitere wirtschaftliche Aktivitäten gelegt, die zu einer vertikalen Diversifikation im Prozess der Lebensmittelproduktion führen können und durch Weiterverarbeitung im Land die Wertschöpfung erhöhen. Die bewiesene Zuverlässigkeit könnte idealerweise Industrieländer dazu bewegen, von ihren Handelsbarrieren abzulassen. Damit würde der primäre Zweck der Agri Ark erfüllt, das Marktversagen der Gründungsphase auszugleichen. Auf lange Sicht könnte der Machtüberhang der Nachfrager die Abhängigkeit von den Nahrungslieferanten aufwiegen und zu einer Rückkehr zum freien Welthandel führen.
Nach diesem Prinzip würde jedoch das Risiko eingegangen, Wirtschaftsaktivitäten des Ent-wicklungslandes auf den primären Sektor zu konzentrieren. Dieser bietet aber gerade die Gelegenheit, hier einen längst überfälligen Entwicklungsprozess starten zu lassen. Asien hat derzeit neben günstigen Lohnkosten für Investoren räumliche Skaleneffekte geschaffen. Denn die Produktion vieler Betriebe am selben Standort senkt die Kosten jedes einzelnen Betriebes. Unter Berücksichtigung von Afrikas Defiziten bei Transport, rechtlichen Grundlagen, Arbeitskräftepotential und Elektrizität müssen über Agglomerationen nötige Grundlagen für neue Industrien gelegt werden, die den nötigen Lohnunterschied zwischen beiden Regionen
47 6 Potentiale der Landverwendung zur wirtschaftlichen Entwicklung von LDCs
auf ein realisierbares Maß führt. Aktuell würde ein Lohn von einem Sechszehntel der chinesischen Lohnkosten die Standortnachteile kaum ausgleichen. 185
Als problematisch dürfte sich herausstellen, die beteiligten Länder dazu zu bringen, einer Art Agri Ark beizutreten. Für Entwicklungsländer bestünde ein zeitlicher Verzug zwischen Nutzen und Kosten. Der Staat müsste zum Wohle der Bevölkerung Teile seiner Souveränität aufgeben und nur die Aussicht auf mögliche positive Wachstumseffekte akzeptieren. Weiterhin wären Rechtfertigungen für die Überlassung von Krediten erforderlich, die schließlich auch noch zurückgeführt werden müssen. Dieser Weg kann in Anbetracht der Unwägbarkeiten un-komfortabel scheinen und zur bisherigen Strategie verleiten, kurzfristig Land in bare Mittel zu verwandeln. Hier tritt der Nutzen sofort ein, während sich negative Effekte durch den Verlust von produktiven Landflächen erst später äußern. Ein weiteres Problem besteht in der Diskrepanz zwischen Einzelinteressen der Regierungsmitglieder und dem Gesamtwohl des Landes, deren Effekte ebenfalls zeitlich auseinander fallen.
Die nachfragenden Länder würden ihre Verhandlungsmacht aufgeben und sich mit anderen Staaten in eine Reihe stellen. Dies würde umfangreiche Kommunikation und Einigung erfordern. Außerdem ist es fraglich, welchen Preis diese Länder bereit sind, für Nahrungsmittelsicherheit zu bezahlen und welche Kompromisse sie dafür eingehen würden. Wenn die Regierungsführung schlecht ist und die Bevölkerung kein Mitspracherecht hat, sind die Möglichkeiten der Unterstützung denkbar schlecht. Dennoch bietet dieser Ansatz der internationalen Gemeinschaft die Chance, eine Institution zu etablieren, die, ähnlich einer Charta, Ländern mit guter Regierungsführung einen Rahmen bietet, sich und das Land binnen kürzester Zeit vorhandenen Strukturen unterzuordnen, die internationale Selbstkontrolle ermöglichen. Wenn ein Land erst einmal einer solchen Organisation angehört, ist ein Austritt aus dieser nur mit medialer Aufmerksamkeit und öffentlichem Interesse und Druck möglich, der die Barrieren für durch Eigeninteresse getriebenes Handeln einer Regierung höher legt.
6.4 Die Möglichkeiten im Überblick
Die drei vorgestellten Möglichkeiten bieten allesamt gewisses Potential, LDCs aus ihrer misslichen Lage zu verhelfen. Die Eigenproduktion bietet die Chance einer vollen Partizipation an möglichen Wertsteigerungen und der eigenen Unabhängigkeit von Nahrungsimporten. Eine Integration in den Welthandel würde die überfällige Entwicklung initiieren. Aktuell haben Entwicklungsländer aber durch Handelsbarrieren und gedrückte Weltmarktpreise aufgrund der Exportsubventionen der Industrieländer schlechte Voraussetzungen, sich
185 Vgl. Collier, Paul / Seuß, Rita (2008), S. 110.
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positionieren zu können. Für faire, bilaterale Vereinbarungen fehlen ihnen die Verhandlungsmacht, das notwendige Startkapital und das Vertrauen der Gegenpartei. Außerdem verbleiben die Risiken volatiler und ungewisser Preisentwicklungen sowie die eigenverantwortliche Umsetzung der Strategie bei den LDCs.
Der Verkauf oder die lange Verpachtung befreien von diesen Problemen und überbrücken ein Vertrauensdefizit über eine eigenverantwortliche, inselartige Produktion in einem fremden Land. Das führt zwar zu einem Anstieg der Direktinvestitionen und erhöht die Produktivität des unterentwickelten Landwirtschaftssektors, paradoxerweise aber ohne gesicherten Anspruch auf verbesserte Nahrungslieferungen im produzierenden Land und ohne gezielten Anspruch auf die Verbesserung der Lebens- und Wirtschaftsbedingungen. Im Gegenteil: Die geplante Selbstversorgung der Investoren würde das zukünftige Potential auf Integration der armen Länder in den Welthandel sogar verringern, da die von Ländern selbstproduzierten und konsumierten Güter den Weltmarkt überhaupt nicht tangieren. Das Land würde lediglich eine einmalige Abschlagszahlung erhalten, die reinvestiert werden könnte. Jedoch unterliegt der Erlös einem Verhandlungsungleichgewicht zu Lasten der Schwächeren. Der kombinierte Ansatz unter Einbezug einer multinationalen Organisation berücksichtigt sowohl den Anspruch der Nachfrager nach gesicherter Grundversorgung, als auch die der Produzenten nach Berücksichtigung nationaler Bedürfnisse zur Armutsreduktion und der Schaffung von Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung. Die Chancen dieses Modells sind vielfältig, jedoch müssen adäquate Anreize gefunden werden, die sowohl die anbietenden Regierungen als auch Nachfrager dazu motivieren, auf ein bilaterales Geschäft zu verzichten und sich einem institutionellen Rahmen zu unterstellen, wo doch das Kaufgeschäft beiden Parteien einen höheren kurzfristigen Nutzen erweist.
49 7 Zusammenfassung
7 Zusammenfassung
Das Ziel der Arbeit bestand in der Identifikation von Problemen, denen die am schwächsten entwickelten Länder ausgesetzt sind und die sie schließlich davon abhalten, die Chancen der Globalisierung zur Forcierung einer eigenen Entwicklung zu nutzen. LDCs begegnen vielfältigen Hürden, wobei das schwerwiegendste Hemmnis in einem akuten Mangel an investoren- und produktionsfreundlicher Infrastruktur besteht. Um diese im erforderlichen Umfang anbieten zu können, fehlt es ihnen an Kapital. Ein üblicher Weg stellt die Refinanzierung über die Sparleistungen des Inlandes dar. In den LDCs kann der Bankensektor diese Leistung aber nicht in ausreichendem Umfang erfüllen. Alternativ können sich höher entwickelte Länder am internationalen Kapitalmarkt refinanzieren, wofür LDCs jedoch kein ausreichendes Vertrauen bei Investoren genießen. Daher müssen sie auf bilaterale Vereinbarungen mit anderen Ländern und den traditionellen Weg der Entwicklungsfinanzierung über multinationale Organisationen zurückgreifen, wenn diese auch den Bedürfnissen nicht voll entsprechen und etwa die Souveränität durch auferlegte Konditionalitäten einschränken. Damit begegnen LDCs bei allen gewöhnlichen Refinanzierungsquellen Grenzen, die einer eigenständigen Entwicklung im Weg stehen. Erfolge dieser Methoden erfordern den langfristigen Aufbau von Vertrauen über grundlegende Reformen in der Politik und gesicherte, gesetzliche Rahmenbedingungen. Damit ist diesen Ländern jedoch kurzfristig nicht geholfen, weshalb für diesen Zeithorizont weitere Alternativen geprüft wurden, um den Mangel an Vertrauen auszugleichen. Ein vielversprechendes Modell für Schwellenländer, Währungsreserven als internationales Faustpfand für Direktinvestitionen anzusehen, kommt für LDCs noch nicht infrage, da die Grundlagen für Investoren zunächst geschaffen werden müssen. Damit waren die Möglichkeiten zur Kreditgewährung ausgeschöpft, das Problem jedoch nicht gelöst. Ein Blick auf etwaiges, zu verwertendes „Tafelsilber“ der jeweiligen Länder schien hoffnungsvoll, da viele über umfangreiche Rohstoffvorkommen verfügen. Jedoch sind sie hoffnungslos überfordert, die Rohstoffeinnahmen angemessen zu managen und die damit verbundenen Probleme zu bewältigen.
Schließlich wurde ein aktuell großes Interesse anderer Staaten an Landflächen in Entwicklungsländern auf seine Tauglichkeit geprüft, dem Staat bedarfsgerechte Mittel zur Schaffung der erforderlichen Infrastruktur zuzuführen. Vor dem Hintergrund gesicherter Grundnah-rungsversorgung wiesen sowohl die Eigenproduktion und der Verkauf beziehungsweise die Verpachtung durchaus Chancen auf. Jedoch waren sie stets von Risiken begleitet, deren Aus-
50 7 Zusammenfassung
maß essentiell von guter Regierungspraxis beeinflusst wird, die in LDCs akute Schwächen aufweist. Eine enorme Chance aus diesem Interesse ergibt sich für diese Länder aus der Einschaltung einer multinationalen, intermediären Organisation, die vielfache Funktionen übernehmen könnte. Während ein Kräfteungleichgewicht zwischen Nahrungsproduzenten und Nahrungsmittelnachfragern besteht, könnte eine Dachorganisation beide Interessen ausgleichen und unter der Wahrung sozialer, ökologischer und ökonomischer Mindeststandards einen signifikanten Beitrag zur Besserstellung von LDCs in diesem Kontext leisten und ihre Interessen durchsetzen. Wie groß ein davon ausgehender Entwicklungsimpuls sein kann, hängt maßgeblich von dem Preis ab, den Nahrungsmittelimporteure bereit wären zu zahlen, um gesicherte Grundversorgung über einen clubartigen Zweitmarkt neben dem Weltmarkt sicherstellen zu können. Die genaue Ausgestaltung der Rechte und Pflichten jener Parteien, die interne Organisationsstruktur, Kontrollmechanismen und eine Abschätzung des davon möglicherweise ausgehenden Wachstumsstimulus konnten im Rahmen dieser Arbeit keine ausreichend detaillierte Beantwortung finden. Vielmehr wurde die Idee einer Agri Ark vorgestellt und das enthaltende Potential aufgezeigt. Überlegungen zur genauen Ausgestaltung einer solchen Organisation bieten Platz für weitere Untersuchungen. Damit sind die Möglichkeiten von den am schlechtesten entwickelten Ländern begrenzt und bedürfen für ihren Erfolg stets der Nachsicht der schon weiter entwickelten Länder, um den Teilnahmevoraussetzungen des internationalen Wettbewerbs zu genügen und schließlich selbst ein Rad in der Weltwirtschaft zu werden.
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56 Internet-/ Intranetverzeichnis
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58
Anhang
Anhang
Inhaltsverzeichnis
1 Klassifizierung schwach entwickelter Länder 59
1.1 Low Income Economies nach Klassifizierung der Weltbank. 59
1.2 LDCs nach Klassifizierung des UNDP. 60
1.2 60
2 Wirtschaftliche Indikatoren von LDCs 61
2.1 Bestand an Währungsreserven in LDCs 61
2.2 Leistungsbilanzergebnisse der LDCs 63
59 Anhang: 1 Klassifizierung schwach entwickelter Länder
1 Klassifizierung schwach entwickelter Länder
1.1 Low Income Economies nach Klassifizierung der Weltbank
Abb. 10: Gruppierung von Ländern durch die Weltbank nach Pro-Kopf-Einkommen, 2006.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an The World Bank Group (2010a), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
Afghanistan Guinea-Bisau Rwanda
Bangladesh Haiti Senegal
Benin Kenya Sierra Leone
Burkina Faso Korea, Dem Rep. Somalia
Burundi Kyrgyz Republic Tajikistan
Cambodia Lao PDR Tanzania
Central African Republic Liberia Togo
Chad Madagascar Uganda
Comoros Malawi Uzbekistan
Congo, Dem. Rep Mali Vietnam
Eritrea Mauritania Yemen, Rep.
Ethiopia Mozambique Zambia
Gambia Myanmar Zimbabwe
Ghana Nepal
Guinea Niger
60 Anhang: 1 Klassifizierung schwach entwickelter Länder
1.2 LDCs nach Klassifizierung des UNDP
Abb. 11: Least-Developed-Countries nach der Klassifizierung des UNDP auf Basis des HDI, 2007.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an IWF (2009), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
159 Togo 0,499 171 Ethiopia 0,414
160 Malawi 0,493 172 Mozambique 0,402
161 Benin 0,492 173 Guinea-Bissau 0,396
162 Timor-Leste 0,489 174 Burundi 0,394
163 Côte d'Ivoire 0,484 175 Chad 0,392
164 Zambia 0,481 176 Congo, Dem, Rep 0,389
165 Eritrea 0,472 177 Burkina Faso 0,389
166 Senegal 0,464 178 Mali 0,371
167 Rwanda 0,460 179 Central African Republic 0,369
168 Gambia 0,456 180 Sierra Leone 0,365
169 Liberia 0,442 181 Afghanistan 0,352
170 Guinea 0,435 182 Niger 0,340
61 Anhang: 2 Wirtschaftliche Indikatoren von LDCs
2 Wirtschaftliche Indikatoren von LDCs
2.1 Bestand an Währungsreserven in LDCs
Abb. 12: Globale Verteilung von Währungsreserven und Gold in Milliarden USD, 2006.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Central Intelligence Agency (2006), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
Insgesamt erfasste Länder: 154
146 Guinea 119 Rang Land Reserve (Mio. USD) Zum Vergleich: 1 Republic of China 2.454.300 101 Côte d'Ivoire 2.500 114 Mozambique 1.470 116 Senegal 1.350 123 Zambia 1.100 126 Chad 997 127 Burkina Faso 897 129 Ethiopia 840 130 Benin 825 135 Rwanda 511 137 Togo 363 144 Malawi 140 145 Gambia 120
62
Rang Land Reserve (Mio. USD) 147 Burundi 118 151 Liberia 49 152 Congo 36 154 Eritrea 22
Nicht erfasst:
Timor-Leste Guinea-Bissau Mali Central African Republic Sierra Leone Afghanistan Niger
63 Anhang: 2 Wirtschaftliche Indikatoren von LDCs
2.2 Leistungsbilanzergebnisse der LDCs
Abb. 13: Kumulierte Leistungsbilanzsalden, 2008.
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an IWF (2008), Hauptframe (siehe Internetverzeichnis).
Rang Land Leistungsb.-Saldo Rang Land Leistungsb.-Saldo 50 Timor-Leste 89 Burundi -0,156 +1,161 58 Chad 90 Togo -0,160 +0,116 60 Afghanistan 92 Rwanda -0,168 +0,081 65 Guinea-Bissau -0,008 94 Congo, Dem, Rep -0,191 73 Eritrea -0,049 104 Niger -0,321 76 Sierra Leone -0,063 107 Benin -0,372 78 Malawi -0,074 112 Mali -0,502 79 Central African Republic -0,075 115 Burkina Faso -0,560 81 Gambia -0,080 120 Mozambique -0,768 82 Guinea -0,083 121 Zambia -0,810 85 Liberia -0,137 123 Ethiopia -0,868 86 Côte d'Ivoire -0,146 129 Senegal -1,161
Arbeit zitieren:
Mathias Hübener, 2010, Vom Geräderten zum Rad, München, GRIN Verlag GmbH
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