Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort 2
2 Themen aus dem Seminar 3
2.1 Funktionen und Aufgabe von Schule (Schultheorie 1) 3
2.2 Schulsystem, soziale Ungleichheit und Durchlässigkeit (Schultheorie 2) 3
2.3 Schulqualität/Qualitätssicherung (Schulentwicklung) 4
3 Analyse der Fakten zu G8 im Hinblick auf das im Seminar Erlernte 4
3.1 G8 und die Qualifikationsfunktion von Schule 4
3.2 G8 und die Qualität der schulischen Ausbildung 5
3.3 G8 und Selektion von Schule 5
3.4 G8 und Durchlässigkeit von Schulen 6
4 Bewertung 6
5 Literaturangaben 8
1 Vorwort
„Es ergibt ein Bild, das beruhigt “, so kommentierte Baden-Württembergs Kultusministerin Ma-
rion Schick dieser Tage eine Pressemeldung ihres Ministeriums, die sich erneut mit dem wohl
meist diskutiertem Thema im Bereich Bildung, dem G8, befasst. Diese Pressemeldung veröf-
fentlichte die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die herausfand, dass der Notendurchschnitt
von G8 Schülern in der Sekundarstufe II nur um 0,44 Notenpunkte hinter dem der Schüler des
G9 zurückliegt. 1 Doch sind diese Zahlen und Ergebnisse wirklich so beruhigend, wie Kultusmi-
nisterien Schick sie kommunizieren möchte oder rühren sie eher von der Tatsache her, dass,
auf Kosten der Qualität der schulischen Ausbildung, das Anforderungsniveau im G8 soweit ge-
senkt wurde, damit sich keine Leistungsunterschiede zwischen G8 und G9 feststellen lassen?
Diese Frage will der vorliegende Essay weder klären, noch kann er sie beantworten. Hingegen
soll untersucht werden, inwieweit sich drei zentrale Themenbereiche (Funktion von Schule,
Schulsystem , soziale Ungleichheit und Durchlässigkeit und Schulqualität/Qualitätssicherung)
aus dem Seminar mit G8 vereinen lassen und, falls nötig, herausgearbeitet werden, worin even-
tuelle Hindernisse begründet liegen.
Dabei werden nun im Folgenden (Punkt 2) zunächst die einzelnen Themenbereiche definiert,
über weiterführende Literatur mit dem Thema G8 verknüpft (3) und abschließend in einer kurz-
en Conclusio (4) bewertet werden. Es sei zudem darauf hingewiesen, dass aufgrund der Län-
derhoheit im Bereich Bildung und der damit resultierenden Unterschiede grundsätzlich auf das
Land Baden-Württemberg Bezug genommen wird.
1 vgl. Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg vom 14.02.2011
2
2 Themen aus dem Seminar
Da die folgenden Themen bereits ausführlich im Seminar besprochen wurden, sollen an dieser Stelle lediglich ihre relevanten Punkte herausgearbeitet werden, um eine fundierte Diskussionsbasis für die Verknüpfung mit dem Thema G8 zu erhalten.
2.1 Funktionen und Aufgabe von Schule (Schultheorie 1)
Mit der These, dass die Schule als Sozialisationsinstanz zwischen Gesellschaft und Individuum wirkt, arbeitete Helmut Fend drei Schlüsselfunktionen der Schule heraus: Qualifikations-, Selektions- und Integrationsfunktion. 2 Dabei versteht man unter Qualifikation die Vermittlung aller wichtigen Kenntnisse und Fertigkeiten für eine erfolgreiche Partizipation in Gesellschaft und Wirtschaft („Kulturtechniken“, aber auch Musisches), unter Selektion die Aufgabe, jedem Individuum einen Platz in der Gesellschaft zu zuweisen, der seiner Leistungsfähigkeit entspricht und unter Integration die Eingliederung des Individuums in die bestehende Gesellschaft sowie deren Legitimation vor dem Einzelnen. Bei Fend werden zudem die im Seminar zusätzlich genannten Funktionen (Kustodialfunktion, Personale Funktion) bereits mitgedacht. Alle diese Funktionen sind gleichzeitig sowohl durch Gesetze, wie auch die Landesverfassung gesichert und geschützt (vgl. z. Bsp.: Art. 13 3 LVBW 4 : Kustodialfunktion, Art. 11 5 LVBW: Qualifikations/Selektionsfunktion). Hierbei kommt es zugleich unweigerlich zu Spannungen zwischen den einzelnen Bereichen (z. Bsp. Selektion/Integration), worauf später im Punkt 3 eingegangen werden wird.
2.2 Schulsystem, soziale Ungleichheit und Durchlässigkeit (Schultheorie 2)
„Kein Abschluss ohne Anschluss!“ Dieser Slogan des Kultusministeriums mag zwar Gültigkeit besitzen, doch so leicht es einem fallen mag, nach einem Abschluss eine weiterführende Schule zu besuchen, so schwer ist es auch während dem Besuch einer Schule in die nächst höhere aufzusteigen. Dabei sind die Profilbildung der Schulen, die verschiedenen Bildungspläne (Staatlich wird nur ein Basiscurriculum, das erst durch das schuleigenen komplettiert wird, vorgegeben!), sowie die Einführung der zweiten Fremdsprache in Klasse 6 am Gymnasium der größte Hemmschuh für einen, wie geplant, nahtlosen Übergang zwischen den Schultypen für „Spätentwickler“ in der Orientierungsstufe (Klasse 5/6). Somit scheint es fast vorprogrammiert, dass nur etwa 22,5% Aufstiege 77,5% Abstiegen unter den Schultypen gegenüberstehen. 6 Verschärft wird dieses Problem durch Studien (PISA, IGLU, TIMSS), die belegen, dass es eigentlich sehr große Überschneidungen in Bezug auf die Leistungsfähigkeit der Schüler von Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien gibt. 7 Grund hierfür scheint eine „soziale Selektion“ zu sein, sodass oftmals nicht die Leistung sondern vielmehr der soziale Hintergrund für die
2 vgl. Fend 1981/2009
3 „Die Jugend ist gegen Ausbeutung und vor sittlicher, körperlicher und geistiger Gefährdung zu schützen“
4 Verfassung des Landes Baden-Württemberg
5 „Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine Herkunft und die wirtschaftliche Lage ein Recht auf Bildung und Erziehung gemäß seinen eigenen Leistungen.“
6 vgl. Bellenberg 1999
7 vgl. Programme for International Student Assessment 2000-2009, Trends in International Mathematics and Science Study 2007, Internationale Grundschul-Lese-Untersuchungn 2006
3
Wahl der weiterführenden Schule maßgebliche Relevanz besitzt (Selbsteliminierung/Berwertung nach sozialer Herkunft).
Beide Tatsachen unterstützen somit die Forderung nach einer Gesamtschule, wie auch immer diese gestaltet sein möge und die in anderen Bundesländern schon längst existiert, deren Kritiker jedoch hauptsächlich anmahnen, dass mit ihrer Einführung Schulbildung zum „Einheitsbrei“ verkomme und in Folge deren Qualität darunter leide.
2.3 Schulqualität/Qualitätssicherung (Schulentwicklung)
In den Bereich von Schulentwicklung und der ständigen Verbesserung und Sicherung von Schulqualität gehört, neben den Themengebieten Input und Prozessvariablen, auch das Produkt, das Schule hervorbringt: der Schüler, der sich während seines Schullebens fachliche und soziale Kompetenzen angeeignet haben sollte (Output/Outcome). Dass in diesem Fall der Qualitätsbegriff ob der Tatsache, dass jede Schule mit anderen Voraussetzungen klarkommen muss, schwer zu fassen ist, mag einleuchtend sein, genauso leicht nachvollziehbar ist es aber auch, dass eine Schule, der es gelingt den Schülern ein breites Wissen in allen wissenschaftlichen Disziplinen (von Mathematik bis Sport, von Deutsch bis Geographie) sowie im sozialen Bereich zu vermitteln, und es zudem noch schafft, auf jeden Schüler einzugehen, ihn gezielt zu fordern und zu fördern, qualitativ als gut bezeichnet werden würde.
3 Analyse der Fakten zu G8 im Hinblick auf das im Seminar
Erlernte
Nachdem die Themen des Seminars, noch einmal beschrieben wurden, sollen im weiteren Verlauf nun Fakten und Erkenntnisse, die mittlerweile zu G8 vorliegen, im Hinblick auf ihre Kompatibilität zu eben diesen Themen untersucht werden.
3.1 G8 und die Qualifikationsfunktion von Schule
Polemisierende Sätze wie „Seit PISA wissen wir, was Bildung ist: Bildung ist, wenn 15-jährige ’ausreichende Kompetenzen’ im Lesen, Schreiben, Rechnen und in den Naturwissenschaften zeigen.“ 8 sind hinlänglich bekannt; doch wie viel Wahrheit steckt dahinter? Fakt ist, dass in der eingangs erwähnten Studie nur die Fächer Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften untersucht wurden; 9 dass dabei die größten Differenzen im Fach Latein, mit einem Unterschied von 0,92 Notenpunkten, auftraten, wird aufgrund der Tatsache, dass sich die Leistungen sowieso im hohen Bereich befänden und nur die wenigsten Schüler Latein belegten, somit also kaum ein repräsentatives Ergebnis erzielt werden könne, abgetan. 10 Lässt man dies alles außer Acht, so findet sich dennoch in keiner Untersuchung eine Erwähnung der Künste und der Sozialwissenschaften. Ortwin Nimczik, seines Zeichens Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der HfM Detmold, mahnt deshalb zurecht an, dass die Schulreform die schon lange bestehende Tendenz unterstütze, sich nur auf die Kernfächer zu
8 Lehn 2010, S. 57
9 vgl. Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg vom 14.02.2011
10 vgl. ebd.
4
Arbeit zitieren:
Johannes Hammer, 2011, G8 und LPO - (un)vereinbar?, München, GRIN Verlag GmbH
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