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Die Barbaren waren schon seit jeher ein unbegreiflicher und eigensinniger Feind der Römer gewesen, welche an der Nordgrenze des römischen Reichs durch ihre Rohheit und wiederholte Übergriffe für Schrecken sorgten. Zudem lebten sie in einem Land, welches durch seine unwirtlichen Klimaverhältnisse und Vegetation unbewohnbar schien. Die Dokumentation der Ereignisse während des Prinzipats unter Augustus, gerade über die in Germanien geführten Kriege, ist nur sehr fragmentarisch überliefert, weshalb es sich empfiehlt, möglichst alle vorhandenen Quellen zu Rate zu ziehen, denn sie ergänzen sich größtenteils und man gewinnt somit doch einen guten Gesamteindruck. SUETONs Kaiserbiographien Le vite dei Cesari aus dem 2. Jh. enthalten detailreiche Beschreibungen sämtlicher Lebensbereiche, da er als Funktionär des Kaisers Zugang zu den imperialen Archiven hatte. Jedoch unverzichtbar für die militärischen Feldzüge Roms gegen den germanischen Feind ist die Storia Romana des griechischen Geschichtschreibers CASSIUS DIO, der uns einen zusammenhängenden Bericht liefert. Hierbei sind als Ergänzungen insbesondere die authentischen Schilderungen des römischen Offiziers VELLEIUS PATERCULUS in seinen Historiae Romanae hilfreich, denn er selbst nahm an den Feldzügen gegen Germanien teil. ANNEUS FLORUS wiederum trug in seinen Epitome e Framenti Einzelbetrachtungen sämtlicher Kriege zusammen. Die Annalen des Senatoren TACITUS geben ein detailliertes Bild der Germanicus-Feldzüge wieder, jedoch erfährt man bei ihm kaum etwas über die Zeit vor und um die Varusschlacht. Dafür gibt sein einzigartiges Werk Germania, das er zwischen 98 und 100 n.Chr. veröffentlichte und somit das erste dieser Thematik war, sehr viel Aufschluss über die Bräuche und Kriegsführung der Germanen. Tacitus gilt damit noch heute als Experte der Germanen. CAESARs De bello gallico ist von großer Bedeutung für die ersten Feldzüge in Gallien vor der Zeit des Prinzipats. Augustus selbst hinterließ kurz vor seinem Tod eine Art Tatenbericht Res gestae divi Augusto, um der Nachwelt seine Erfolge und Triumphe für immer zu erinnern. Augustus in seiner außergewöhnlichen politischen Stellung gewann viele neue Gebiete als Provinzen zum römischen Imperium dazu, somit entsprach es auch seinen Vorstellungen, das freie Germanien endlich zu einer Provinz zu machen, um keine Angriffe aus dem Norden mehr fürchten zu müssen. Jedoch stellte sich die Realisierung der Pläne als schwieriger heraus als zunächst angenommen, und die Germanen erwiesen sich als hartnäckige und zähe Feinde, welche länger als alle anderen Völker einer Unterwerfung der Römer standhielten. Auf die Erläuterung der Innenpolitik möchte ich daher in dem begrenzten Rahmen dieser Arbeit verzichten. Im Folgenden möchte ich mit der Ausgangssituation in Germanien beginnen, d.h. mit den Angriffen der Kimbern und Teutonen, Caesars Kriegsführung in Gallien und einer allgemeinen Beschreibung der Germanen. Danach werde ich auf die einzelnen Feldzüge unter Augustus gegen Germanien
im Detail eingehen. In einem weiteren Punkt möchte ich zusammenfassend seine Ziele und seine Politik im Bezug auf Germanien herausarbeiten, wo besonders zwei Forschungskontroversen zu beachten sind, welche sich in dem Punkt streitig sind, ob der Kaiser eher imperialistisch oder weitsichtig war. Bei näherer Betrachtung wird klar, wie unglaublich komplex die Thematik der Beziehungen zwischen Rom und Germanien wirklich ist, was genau mein Untersuchungsgegenstand sein soll. Hauptsächlich bestanden die Kontakte der beiden ‚Nationen‘ militärischer Natur, jedoch werden hierbei ebenfalls kulturelle und soziale Aspekte deutlich, die zudem eine nicht unbedeutende Rolle spielten. Im Folgenden möchte ich zeigen, wie genau diese Wechselwirkungen den Verlauf der historischen Ereignisse bestimmten?
Sowohl die Kimbern als auch die Teutonen und Tiguriner sind Nomadenstämme aus der Gegend des ozeannahen Germaniens, welche im Jahre 113 v.Chr. den Versuch starteten, gewaltsam in Italien einzumarschieren und dort zu plündern. Die Barbaren sorgten durch ihre Rohheit und Andersartigkeit überall für Furcht und Schrecken beim Römischen Volk. Doch als sie bereits die Alpen überquert hatten, gelang es dem Popolaren Gaius Marius, mehrmaliger Konsul während der Römischen Republik, mit all seinen militärischen Kräften diese in zwei Schlachten zurückzudrängen: in der von Acquae Sextiae 102 v.Chr. und in der bei Vercelli 101 v.Chr. 1 Bei letzteren erwähnt Florus, dass auf Seite der Kimbern 65.000 Krieger fielen, auf römischer dagegen weniger als 300, denn „per omnem diem conciditur barbarus“. 2 Plutarch und Livius sprechen hierbei sogar von der doppelten Zahl der germanischen Seite. Beide Kriege endeten nach einem großen Blutbad zu Gunsten Roms, der dritte Stamm war sodann über die Alpen zurückgeflüchtet und die Bedrohung war fürs Erste abgewandt.
Der Erfolg des Republikaners jedoch war nicht von allzu langer Dauer, denn schon die zwei darauffolgenden Jahrhunderte waren gezeichnet von den blutigen Revolten der Germanen und den kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Römischen Imperium. Deswegen ist der Kommentar von Tacitus in Germania 17 recht trefflich:
Non il Sannio, non i Cartaginesi, non le Spagne né le Gallie, neppure i Parti ci
preoccuparono più spesso […]. I Germani […] strapparono al popolo romano cinque
eserciti consolari e a Cesare tre legioni e Varo. Non impunemente Caio Mario li
sconfisse in Italia, il divo Giulio (Cesare) nella Gallia, Druso Nerone e Germanico nelle
loro sedi. Quindi la pace, che durò finché approfittando della nostra discordia e delle
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nostre lotte civili, i Germani espugnarono i quartieri invernali delle legioni e assalirono
3 pure le Gallie.
Hier wird kurz und knapp umrissen, welch ständige Unruhen zwischen den barbarischen Nordvölkern und dem zivilisierten Mittelmeerreich herrschten und besonders wird deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt kein äußerer Feind so kontinuierlich die Aufmerksamkeit des römischen Militärapparats für sich beanspruchte wie die Germanen. Die erwähnten Ereignisse werden nun im Folgenden genauer ausgeführt.
Der Erste, der versuchte, die Germanen 4 zu befrieden, war der Triumvir Gaius Julius Caesar gewesen. Er selbst beschreibt in seinem autobiographischen Werk De bello gallico die Kriege gegen Gallier und Germanen unter seiner Führung. Gallien lässt sich in die drei Gebiete der Gallier, Aquitanier und Belger unterteilen, die sich an Beschaffenheit der Natur, der Völker und Sitten alle voneinander unterscheiden. Unter den Belgern gibt es den Stamm der Helvetier, deren Sitz sich bis zum Niederen Rhein erstreckt, und durch die ständigen Machtkämpfe mit den angrenzenden Germanen gelten sie als die Tapfersten ihrer Art. 5 Es begann im Jahre 58 v. Chr. damit, dass die Helvetier auf Zureden des Orgetorix ihr Land verlassen wollten und durch die römische Provinzen ziehen wollten. 6 Doch Caesars Legionen gelang es, diese in der Schlacht bei Bibracte zu besiegen und da er die Brücke über den Rhein zerstörte, wurde ihnen jede Fluchtmöglichkeit genommen und sie mussten doch zurückkehren. 7 Hier wird an der Stelle „totius fere Galliae legati, principes civitatum, ad Caesarem gratulatum convenerunt“ 8 deutlich, wie erleichtert die restliche Bevölkerung Galliens war, dass die Römer eine helvetische Vormachtstellung verhindert hatten. Doch daraufhin erbaten die Häduer bei Caesar Hilfe bei Caesar gegen die Germanen unter Ariovist, die in großer Zahl über den Rhein in das Land der Gallier einwanderten, diese beherrschten und die dort Ansässigen beinahe vertrieben. Aus Sorge vor einer wiederholten Invasion auch in Italien, schlägt er diese nach einem Massaker in die Flucht. 9 Des Weiteren besiegt Caesar die aufständischen Belger sowie die Nervier und Aduatici, um danach Gallia Transalpina als römische Provinz einzurichten. 10 In den darauffolgenden Jahren des gallischen Krieges wird der Alpenpass beim Großen San Bernhard gesichert und die Stämme der Venelli, Soziati in Aquitanien und die Vocati und
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Tarusati besiegt. 11 Im Jahre 55 v.Chr. unternimmt Caesar dann einen Feldzug gegen die Germanen, baut die erste Brücke über den Rhein nahe Colonia (Köln) und streift kurz durch deren Land, ohne dass es jedoch zu weiteren kämpferischen Auseinandersetzungen kommt. 12 Nachdem Gallien befriedet war, kommt es dort 54 v.Chr. doch zu Rebellionen, währenddessen zwei Legaten samt ihrer Legion zwischen der Mosel und dem Rhein in einen Hinterhalt der Eburonen geraten und niedergemacht wurden. Zwei anderen Legaten gelang es mithilfe Caesar dem Angriff der Eburonen und Trever standzuhalten und diese zu besiegen. 13 Im Jahr darauf jedoch ging Caesar gezielt gegen die Germanen vor und lässt eine weitere Brücke über den Rhein bauen, wobei die Römer bei den Eburonen sogar ein Blutbad anrichteten. 14 Nachdem in Germanien Ruhe eingekehrt war kam es aber plötzlich in Gallien unter dem angesehenen Arverner Vercingetorix zu einem Gesamtaufstand. Durch die Verschwörung mehrerer gallischer Stämme alamiert, nahm Caesar mit seinen Truppen nach einer Belagerung die Stadt Avarico (das heutige Bourges) bei den Biturigi ein und machte dort Beute. Es schlossen sich zwar plötzlich auch die Häduer den Aufständischen an, doch die Römer belagerten die Hauptstadt Alesia, wo sich Vercingetorix mit einer 250.000 Mann starken Verteidigung zurückgezogen hatte. Doch letzten Endes wurde die gallische Koalition von den Römern besiegt und Vercingetorix musste kapitulieren. 15 So soll er nach Florus zu Caesar gesagt haben: „Ecco, o uomo fortissimo, tu hai vinto un uomo forte.“ 16 Danach konnte Gallien unter Caesar endgültig als Provinz eingerichtet werden. Es war Caesars Verdienst, dass später im Territorium der Ubier und Bataver Stützpunkte errichtet werden konnten, denn nachdem er die Strukturen dieser beiden Stämme zerschlagen hatte, galten sie als Verbündete Roms und so waren seitdem die Garnisonen der Römer in Neuss und Nijmegen sicher. 17
Als der Stern des ‚Diktators auf Lebenszeit‘ am höchsten stand, wurde er an den Iden des März 44 v.Chr. von einer Verschwörung von Senatoren um Brutus und Cassius umgebracht, während er im Senat auf seinem kurulischen Stuhl saß. 18 Noch zu seinen Lebzeiten hatte er seinen Neffen Oktavian, den späteren Augustus, zum Nachfolger ernannt, welche das „Germanenproblem“ weiterverfolgte. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass sich die Befriedigung der Germanen als weitaus problematischer als die der Gallier gestalten sollte.
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Wie bereits zu Beginn erläutert überlieferte uns Tacitus sehr aufschlussreiche Informationen, was die Germanen sowie ihre Bräuche betrifft. Die Germania Magna, zwischen Gallien, Rätien und Pannonien eingeschlossen, wird durch die Flüsse Rhein und Donau natürlich vom Römischen Reich abgegrenzt. 19 Die barbarischen Bewohner im Allgemeinen beschreibt er folgendermaßen: “occhi arroganti e azzurri, chiome fulve, corpi alti (…), abituati a tollerare il freddo e la fame.” 20 Weiterlesend wird im Kapitel 14 neben dem fremdartigen Äußeren klar, warum sie auf Andere eine so einschüchternde Wirkung haben, denn in der Schlacht legen sie eine ihnen eigene Moral zu Tage, die sie nahezu unerschütterlich macht und sie bis zum Äußersten gehen lässt:
In guerra è vergognoso per il capo essere superato in coraggio, vergognoso per il
seguito non eguagliare in coraggio il capo. […] il giuramento impone principalmente di
difenderlo, salvarlo e attribuire alla gloria di lui anche i propri atti di valore; i capi
21 combattono per la vittoria, i seguaci per il capo.
Auch wenn sie den Römern in ihrer Kampftechnik und -ausbildung weit nachstehen, so machen sie dies durch disziplinierte Moral sowie andere Vorteile wieder wett. Während sumpfiges Gebiet und dichte Wälder, sowie Regen und Kälte den fremden Eindringlingen zusetzten, sind jene daran gewöhnt und wissen dies zu ihrem eigenen Vorteil umzumünzen. 22 Überraschungsangriffe gelingen besonders deswegen so gut, weil der Feind in solch kniffligen Situationen zu sehr mit sich selbst beschäftigt und daher abgelenkt ist. Heinrichs, der sich mit den Germanenstämmen befasste, betont besonders die stark ausgeprägte Rivalität innerhalb der „Führungszirkel“, aus mehreren Personen mit abgestufter Hierarchie bestehend, wodurch sich verschiedene Gruppen herausbildeten. Hierbei werden auch Koalitionen eine nicht mindere Rolle spielen, denn schließlich konnte man seine eigene Position gegen den Rivalen erheblich durch den Zusammenschluss mit mächtigen Nachbarn stärken. 23 Welche kämen dabei besser in Frage als die Römer selbst? Darauf werde ich später im Kapitel 5.1 noch zu sprechen kommen.
Die Römer unter dem Prinzipat des Augustus mussten gegen die Germanen insgesamt zwei Niederlagen einstecken, doch während jene des Varus vor allem
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Laura Berger, 2011, Beziehungen zwischen Rom und Germanien zur Zeit Augustus, München, GRIN Verlag GmbH
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