Eidesstattliche Erklärung
Ich erkläre hiermit, dass ich diese Bachelorarbeit selbstständig ohne Hilfe Dritter und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Quellen und Hilfsmittel verfasst habe. Alle den benutzten Quellen wörtlich oder sinngemäß entnommenen Stellen sind als solche einzeln kenntlich gemacht. Diese Arbeit ist bislang keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegt worden und auch nicht veröffentlicht worden.
Ich bin mir bewusst, dass eine falsche Erklärung rechtliche Folgen haben wird.
Ort und Datum
Unterschrift
I
Inhalt
Eidesstattliche Erklärung. I
Inhalt II
Abk ürzungsverzeichnis V
1. Einleitung. 1
2. Kitsch 2
2.1 Herleitung des Kitschbegriffs 2
2.2 Etymologie 2
2.3 Kitsch und Kunst. 3
2.4 Kitsch und Kultur 6
3. Zur Human Computer Interaction (HCI) 9
3.1 Historische Hintergründe. 9
3.2 Metaphern im Alltag 11
3.3 Metaphern im Interface 11
3.4 Visualität von Metaphern 13
3.5 Schwächen von Metaphern 14
3.6 Reduktion auf das Nötigste. 15
4. Produkt- vs. UI-Design bei Apple 17
4.1 Weit entfernt von Kitsch? 17
4.2 Apple und Braun 18
4.3 Verbergen der Technik 19
4.4 Kontrast Aussen und Innen. 21
4.5 Styleguide. 21
4.6 iBooks 23
4.7 Adressbuch 24
5. Historische Parallelen 25
5.1 Kai s Power Tools. 25
5.2 MS BOB 27
5.3 Packard Bell Navigator 29
5.4 Moderne Betriebssysteme 29
II
6. Kritik am iPad-Interface. 31
6.1 Kitsch im iPad? 31
6.2 Gebrochene Metaphern 32
6.3 Inkonsistenz und Verwirrung 33
6.4 Das Uncanney Valley. 34
6.5 Einschränkungen 35
6.6 Authentizität 37
6.7 Ikone. 39
6.8 Weitere Aufladungen 40
6.9 Skeuomorphismus 41
6.10 Definition von Kitsch im Interface 42
7. Vorteile und Nachteile von Kitsch im Interfacedesign. 43
7.1 Realer Kitsch vs. Interfacekitsch 43
7.2 Kunst und Interfacekitsch 44
7.3 Verwirrung der Nutzer. 45
7.4 Einordnung von Kitsch im Interfacedesign 46
7.5 Gründe für Apples Kitschoffensive. 47
8. Ausblick 50
8.1 Zukünftige Bedeutung von Kitsch im Interfacedesign 50
8.2 Hyperrealität und Zukunft. 52
9. Erkenntnisse in Bezug auf die praktische Arbeit 54
Literaturverzeichnis A1
Onlinequellen. A4
Abbildungsverzeichnis. A6
Vergrößerte Abbildungen. A9
Danksagung A15
III
Abkürzungsverzeichnis
ACSI ..... American Customer Satisfaction Index
Apps ..... Applikationen für Mobilgeräte
CGI ....... Computer Generated Image (vollständig digital erstelltes Bild) GID ....... Graphical Input Device (Graphisches Eingabegerät, z.B. Maus) GUI ....... Graphical User Interface (Grafische Benutzeroberfläche) HCI ....... Human Computer Interaction (Mensch-Computer-Interaktion) Icon ...... Piktogramm, welches Befehle oder Programme symbolisiert iOS ....... Betriebssystem des iPhone bzw. iPad von Apple Inc. PC......... Personal Computer (Einzelplatzrechner) UX ........ User Experience (Nutzererlebnis während einer Anwendung)
Hinweise:
Alle Bildunterschriften sind von links nach rechts beschriftet. Die Lupe signalisiert ein im Anhang vergrößertes Bild.
Alle Quellenangaben mit tagesgenauem Datum sind Onlinequellen.
V
1. Einleitung
Mit Einführung der Geräte iPod, iPhone und iPad hat die kalifornische Firma Apple Inc. interessante Entwicklungen im Interfacedesign angestoßen, die ich in dieser Bachelorarbeit untersuchen möchte. Angesichts der Direktheit, mit der viele Applikationen (Apps) reale Gegenstände und nostalgische Interfaces abbilden, möchte ich mit dieser Arbeit untersuchen, ob dies eine neue Form von Kitsch ist, dessen digitale Weiterentwicklung oder - um es in der Sprache von Marketingstrategen zu sagen : Kitsch 2.0. Wo ist die Grenze zwischen anschaulicher Funktionalität und süßlicher Sentimentalität, zwischen Metapher und Kitsch?
1
2. Kitsch
2.1 HERLEITUNG DES KITSCHBEGRIFFS
Eine allgemeingültige, kurze und klare Definition des Phänomens Kitsch existiert nicht. Schon seit dem Aufkommen des Begriffs Ende des 19. Jahrhunderts besteht Uneinigkeit unter Kunsthistorikern, Philosophen, Soziologen, Schriftstellern und Kritikern über dessen genaue Auslegung. „Der Begriff ‚Kitsch‘ neigt zur Verwaschenheit. Wer will, mag sich um Definitionen streiten“ stellte der amerikanische Soziologe Norbert Elias bereits 1933 fest. 1 Trotzdem möchte ich kurz einen Überblick über verschiedene Interpretationen vorstellen, um dann zu erörtern, wie und ob diese im digitalen Medium funktionieren.
2.2 ETYMOLOGIE
Die etymologische Herkunft von ‚Kitsch‘ ist bisher nicht abschließend geklärt. Es gibt Vermutungen, dass der Begriff synonym mit der Kolportage, also dem Hausierertum, gehandelt wurde.
2
Zunächst wertneutral als Bezeichnung einer Transport- und Handelsform, dann übertragen auf die gehandelte Ware. Die Abwertung und emotionale Aufladung des Begriffs erfolgte im Rahmen der indus-
1 2
2
triellen Revolution, die im Gegensatz zum (Kunst-)Handwerk nur mechanisch unzählige Kopien eines Gegenstandes herstellte. 3 So sagte auch der amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg über Kitsch Ende der 1930er Jahre: „Kitsch ist mechanisch und funktioniert nach festen Formeln. Kitsch ist Erfahrung aus zweiter Hand, vorgetäuschte Empfindung [...] Kitsch ist der Inbegriff alles Unechten im Leben unserer Zeit.“ 4
Eine andere Erklärung leitet den Begriff aus dem Maurerhandwerk ab, so sei ‚kitschen‘ synonym mit schleifen und gleiten auf glatter oder schmieriger Unterlage und im Zusammenhang mit der ‚Kitsche‘, der Maurerkelle, zu sehen. Der geglättete Schlamm schlussendlich sei dann ‚das Gekitschte‘ oder kurz ‚der Kitsch‘. 5
2.3 KITSCH UND KUNST
Ob Ramsch oder glatter Schlamm: Kitsch ist wenig schmeichelhaft konotiert. Oft in Bezug zur Kunst gesetzt galt er als deren Gegenspieler, zudem sei er lügenhaft und täuschend, da er Kunst vorspiegele, wo nur das plakativ Schöne sichtbar sei und tiefe Emotionalität, wo nur kalkulierte Tränen flössen. 6 Drastisch formuliert es
4
5
6
3
der Schrifsteller Hermann Broch: „Das Kitsch-System verlangt von seinen Anhängern ‚Arbeite schön‘, während das System der Kunst das ethische ‚Arbeite gut‘ an seine Spitze gestellt hat. Der Kitsch ist das Böse im Wertsystem der Kunst.“ 7
Schon vor Aufkommen des Begriffs entsteht eine Diskussion um Trivial- und Unterhaltungsliteratur, die Anfang des 19. Jahrhunderts durch den rapiden Anstieg der Lesekundigen massenhaft aufgelegt wurde, die zunehmende Nachfrage nach leichter Unterhaltung befriedigte und klassischer Erbauungs- und Belehrungslektüre Konkurrenz machte. In der Abwertung dieses Phänomens profilieren sich zeitgenössische Kunstströmungen und unterstellen dem später „Kitsch“ genannten und dessen Gefühlsbeschreibungen mangelnde Authentizität. 8
Zunehmend wird Kitsch jedoch differenzierter betrachtet. Elias argumentierte bereits 1935 eine Bewertungsänderung: „Originally, terms such as ‚Baroque‘ or ‚Gothic‘ did not have a much more positive ring than ‚kitsch‘ has today. Their value-content changed only in the course of social development, and [...] the term ‚kitsch style‘ is sent on its way here with the same likelihood and expectation
8
4
that its value may change, and to prepare for such a change.“ 9 Mit Aufhebung der Trennung zwischen Kunst und Kitsch in der Kitsch-Art in den 1980er Jahren - Jeff Koons sei als prominenter Vertreter genannt - rehabilitiert sich der Kitsch schließlich in der Rezeption der Kritiker. 10
In der Gunst der Allgemeinheit war Kitsch dagegen wohl nie unpopulär. So entlarvt die Definition des Dichters Ferdinand Avenarius die Kitschkritik selbst als letztlich elitäre Debatte: „Kitschig ist dem Künstler ein Bild, das dem breitesten Publikumsgeschmack entspricht und gleichzeitig leichte Verkaufsware ist.“ 11 Wenn auch Künstlern und Intellektuellen der Kitsch bisweilen zu trivial erscheint, so ist er für den Kapitalismus doch von unschätzbarer Bedeutung. Das, was Kitsch ist, ist manifestierte Konvention der Gesellschaft, ein Blick in Seele und Identität eines Volkes. Was könnte deutscher sein als ein Gartenzwerg? Amerikanischer als ein Marlboro-Cowboy? Wer den Kitsch kennt, kennt die Bevölkerung und ihre Sehnsüchte und kann seine Produkte und Werbung dementsprechend anpassen. Doch nicht nur der Inhalt des Kitsches allein macht ihn so bedeutend für die Werbebranche.
10
11
5
2.4 KITSCH UND KULTUR
Das „Kitsch-Lexicon von A bis Z“ von 1972 beschreibt ein weiteres Kriterium des Kitsches, nämlich die „Häufung bestimmter stilistischer oder kompositorischer Elemente. Alles tritt im Übermaß auf, wird im Übermaß angewendet [...] Also ist im Kitschwerk das Edle nur und ausschließlich edel, das Gemeine nur und ausschließlich gemein, das Süße nur süß [...] Von allem wird die zehnfache Dosis gegeben [...]“ 12 Die penetrante Eingängigkeit des Übersteigerten lässt es in den Augen des Psychologen Hans Schauer „als besonders geeignet erscheinen für soziale Bewegungen und auch für Moden und Kaufmotivierung. Allein dass etwas neu und anders ist, kann seine Attraktivität ausmachen, aber es muss auch etwas von
Abb. 1
Kitschige Landliebe-Werbung
12 Richter 1972, S. 11
6
Steigerung darin zu erkennen sein [...] Das macht die Nähe zwischen Kitsch und Werbung aus: auch die Werbung hat es mit den Übertreibungen.“ 13 Offensichtlich sprechen die perfekten Werbewelten aber Sehnsüchte in uns an, wir mögen die Vorstellung einer heilen Welt.
Sowohl hilfreich als auch problematisch für die Reklame ist dabei die Austauschbarkeit der Bonbonwelten: „Der Kitsch hat für das Publikum den Vorteil, daß er ihm den Genuß so mühelos wie möglich macht, ihm Unsicherheit und Anspielung auf unliebsame Erinnerungen erspart. [...] Daher kommt es, daß der Kitsch, der sich im Grunde auf das bewährte Alte stützt, in seiner Erscheinung den Reiz des Neuesten und Allerneuesten nicht entbehren kann: Ein Schlager folgt auf den anderen, jede Saison bringt ihre Operetten und Revuen - in der Erinnerung sehen sie sich alle zum Verwechseln ähnlich.“ 14
Der Kitsch scheint in alle Schichten unserer Gesellschaft zu dringen, denn es gibt nicht nur einen Kitsch - sondern für jeden Geschmack den richtigen: „Wir werden uns über das Bedürfnis nach einer Definition dessen, was Kitsch ist, hinaussetzen müssen. Man
14
7
meint gewöhnlich, sein Charakteristikum sei das Süßliche und Sentimentale, das Weglassen der peinlichen und widerwärtigen Seiten der Realität, aber damit ist der Begriff noch keineswegs erschöpft, denn neben dem rosafarbenen Kitsch gibt es auch noch einen brutalen, mit einem Parfum von Blutgeruch, einen wilden Originalitätskitsch und einen Edelkitsch, der allen hohen Ansprüchen zu genügen scheint.“ 15
Gibt es nun auch für Nutzer der neuen, omnipräsenten Welt der Displays eine Form von Kitsch? Ist dieser mit ein Grund für den Erfolg von Apples Trendgeräten iPhone und iPad? Was macht ihn aus, den Digitalkitsch?
15 Sachs 2007, S. 186
8
Arbeit zitieren:
Simon Schmidt, 2011, Kitsch im Zeitalter des iPads, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing: Kitsch im Zeitalter des iPads ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing: neuer Titel erschienen: Kitsch im Zeitalter des iPads
Human-Computer Interaction. Interaction Design and Usability
12th International Conference,...
Julie A. Jacko
Human-Computer Interaction. Interaction Platforms and Techniques
12th International Conference,...
Human-Computer Interaction.HCI Intelligent Multimodal Interaction Envi...
12th International Conference,...
Julie A. Jacko
Designing the User Interface: Strategies for Effective Human-Computer ...
Ben Shneiderman, Catherine Plaisant
Human-Computer Interaction - INTERACT 2007
11th IFIP TC 13 International ...
Cécilia Baranauskas, Philippe Palanque, Julio Abascal, Simone Diniz Junqueira Barbosa
Human-Computer Interaction - INTERACT 2007
11th IFIP TC 13 International ...
Cécilia Baranauskas, Philippe Palanque, Julio Abascal, Simone Diniz Junqueira Barbosa
New Trends on Human-Computer Interaction: Research, Development, New T...
Josa(c) A. Maca-As, Toni Granollers, Pedro Latorre
Engineering Human Computer Interaction and Interactive Systems
Joint Working Conferences EHCI...
Philippe Palanque, Rémi Bastide, Jörg Roth
0 Kommentare