Executive Summary
Die SEPA Initiative hat zum Ziel einheitliche Zahlungsinstrumente im gesamten Europa bereitzustellen. Hierzu wurden sowohl die rechtlichen als auch die technischen Standards definiert. In Deutschland ist die Lastschrift das meist genutzte Zahlungsmittel.
Die Thesis wird sowohl die deutsche Lastschrift als auch die SEPA Lastschrift vorstellen. Zunächst wird die Lastschrift im Allgemeinen, wie z. B. die Funktionsweise und Bestandteile, dargestellt. Im nächsten Schritt werden die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Zahlen und Fakten zur deutschen Lastschrift präsentiert. Die technischen und kaufmännischen Unterschiede zwischen den beiden Verfahren sind gravierend. Während die deutsche Lastschrift aus drei Teilen bestand, beruht die SEPA Lastschrift auf dem XML Format welches auf dem ISO Standard 20022 basiert. Im kaufmännischen Bereich bestehen die größten Unterschiede zum einen in der Rückgabefrist, welche nun 13 Monate in Gegensatz zu sechs Wochen nach Rechnungsabschluss beträgt. Zum anderen sind für das SEPA Verfahren IBAN und BIC zwingend erforderlich, während das deutsche Verfahren mit Kontonummer und Bankleitzahl auskommt. Weiterhin werden eine Gläubigeridentifikationsnummer und eine Mandatsreferenz benötigt, welche bei jeder SEPA Lastschrift angegeben werden muss. Die bislang in Deutschland genutzten Einzugsermächtigungen stellen keine SEPA konforme Mandate dar.
Die in der Literatur und im Internet gefundenen Meinungen und Aussagen werden mit den Ergebnissen der Expertenbefragung verglichen. Im Wesentlichen gehen die befragten Kreditinstitute von mehr Wettbewerb, sinkenden Erlösen, hohen Anfangsinvestitionen und mehr Betrugsversuchen aus. Die Privatwirtschaft sieht die hohen Umstellungskosten (technisch und kaufmännisch) ebenfalls als Problem. Ob die korrespondierenden Einsparungen, z. B. durch Prozessoptimierung, Kostensenkung bei den Transaktionskosten, diese amortisieren werden bleibt abzuwarten. Folgend werden in einer SWOT Analyse die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der SEPA Lastschrift im Vergleich zur deutschen Lastschrift präsentiert und gegenübergestellt.
Das Fazit ist, obwohl Schwächen und Risiken bestehen, dass SEPA Direct Debit Verfahren kommen wird. Die Kreditwirtschaft erwartet durch die Einführung von SEPA kein Anstieg der Transaktionszahlen mit Auslandsbezug. Ein gesetzlich festgelegtes Endedatum für die nationalen Zahlungsinstrumente gibt es noch nicht. Das Europäische Parlament und der Rat haben am 16.12.2010 einen Vorschlag dazu eingereicht, über den allerdings bis heute noch nicht entschieden worden ist. Das in Deutschland vorherrschende Problem mit der Überführung der Einzugsermächtigungen in SEPA konforme Mandate ist bislang ebenfalls noch nicht gelöst. Zudem gehen die Befragten Unternehmen der Kreditwirtschaft anfänglich von erhöhten Betrugsversuchen aus.
Executive Summary
The SEPA initiative aims to provide uniform payment instruments throughout Europe. Due to that goal, both the legal and the technical standards are defined. In Germany, the most widely used payment instrument is the direct debit payment. The thesis will present in the first part the German direct debit system. Relating to that, I will start with the direct debit system in general, such as the functioning and components. The next step is the legal framework as well as facts and figures relating to the German direct debit.
The technical and commercial differences between the two methods are significant. While the German direct debit do have three parts, the SEPA direct debit is based on the XML format which is based on the ISO standard 20022. In the commercial area, the largest differences are first in the return period, which is now 13 months in contrast to six weeks after closure of accounts. Second, for the SEPA process IBAN and BIC is mandatory, whereas the German method still works with account number and bank number. Furthermore, a creditor identification number and a SEPA mandate reference are required, which will be announced in each SEPA direct debit needs. The previously in Germany used “Einzugsermächtigungen” are not compliant with the SEPA-direct debit mandates.
The data recorded in the literature and found on the Internet regarding opinions and statements are compared with the results of the survey. In essence, the banks surveyed expect increased competition, declining revenues, high initial investment and more fraud. The private sector sees also the high initial investment costs (technical and commercial) also as problem. It´s outstanding if the corresponding savings, for example, through process optimization, cost reduction in transaction costs amortized the costs.
In a SWOT analysis the strengths, weaknesses, opportunities and risks of the SEPA direct debit compared to the German direct debit will be presented. The conclusion, although there are weaknesses and risks SEPA Direct Debit will come into the market. The banking industry expects of the introduction of SEPA, no increase in the number of transactions with foreign entities. There is no legally defined end date for the national payment instruments. The European Parliament and the Council submitted a proposal by 16.12.2010 on that, but this is not decided until today. The predominant problem in Germany with the transfer of national direct debit authorisations into SEPA compliant mandates is also not yet been resolved. In addition, the surveyed banking industry companies assume that when the SEPA Direct Debit system starts the fraud will increase.
- III -
Inhaltsverzeichnis
Executive Summary (Deutsch) I
Executive Summary (Englisch) II
Inhaltsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Einleitung 1
Überblick. 1
Anwendungsbereich von SEPA. 2
Ziele von SEPA. 3
Zielsetzung der Thesis 4
Kapitel 1: Die deutsche Lastschrift. 5
1.1 Allgemeines. 5
1.2 Rechtliche Rahmenbedingungen zur deutschen Lastschrift 8
1.3 Zahlen und Fakten zur deutschen Lastschrift 9
1.3.1 Nutzungshäufigkeit der Zahlungsinstrumente 9
1.3.2 Wertverteilung der Nutzung auf die Zahlungsinstrumente. 10
1.3.3 Darstellung des Auslandsbezuges 11
1.3.4 Warum ist die Lastschrift so beliebt? 12
Kapitel 2: Die SEPA Lastschrift. 14
2.1 Allgemeines. 14
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen zur SEPA Lastschrift 16
2.3 Zahlen und Fakten zur SEPA Lastschrift 20
Kapitel 3: SEPA Direct Debit vs. deutsche Lastschrift. 22
3.1 Technische Unterschiede. 22
3.2 Kaufmännische Unterschiede. 22
Kapitel 4: Expertenbefragung zu SEPA. 24
4.1 Fragenkatalog. 24
4.2 Teilnehmer der Expertenbefragung. 24
4.3 Darstellung der Ergebnisse aus der Expertenbefragung 25
4.3.1 Ergebnisse aus der Kreditwirtschaft 25
4.3.2 Ergebnisse aus der Privatwirtschaft. 26
4.3.3 Persönliche Erfahrungen Meinungen der befragtenPersonen 26
4.3.4 Sichtweise der Legislative 27
4.4 Marktmeinungen zum Thema SEPA 28
4.5 Marktmeinung vs. Expertenbefragung. 29
Kapitel 5: Die SWOT Analyse zum SDD Verfahren 30
5.1 Strength - Stärken 30
5.2 Weakness - Schwächen. 30
5.3 Opportunities - Chancen 31
5.4 Threads - Risiken 31
Schlussbetrachtung 32
Fazit / Zusammenfassung 32
Quellenverzeichnis. 35
Anhang 38
Fragenkatalog an die Kreditwirtschaft 38
Fragenkatalog an die Privatwirtschaft. 38
Pers önliche Erfahrungen der befragten Personen 38
- IV -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Der Weg zur SEPA
Abbildung 2: SEPA Teilnehmerländer
Abbildung 3: Aufbau der Bankleitzahlen
Abbildung 4: Grundschema des deutschen Einzugsermächtigungsverfahrens
Abbildung 5: Grundschema des deutschen Abbuchungsauftragsverfahrens
Abbildung 6: Nutzung (Anzahl) bargeldloser Zahlungsinstrumente durch Nichtbanken
Abbildung 7: Nutzung (Wert) bargeldloser Zahlungsinstrumente durch Nichtbanken.
Abbildung 8: Auslandsbezug bei deutschen Zahlungsinstrumenten,
Abbildung 9: IBAN Darstellung in Deutschland.
Abbildung 10: BIC Darstellung der Deutschen Bundesbank
Abbildung 11: Ablauf des SEPA Lastschriftverfahrens.
Abbildung 12: Beispiel für den neuen Veröffentlichungszyklus des EPC
Abbildung 13: Gestaltungsvorschlag für ein SEPA konformes Mandat
Abbildung 14: Anteil der SEPA Lastschriften am europäischen Gesamtvolumen
Abbildung 15: Gegenüberstellung der SEPA-Lastschrift und der Einzugsermächtigung
Einleitung
Überblick
Als die Europäische Gemeinschaft gegründet wurde, sind im Gründungsvertrag Grundfreiheiten festgeschrieben worden. Diese sind der freie Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital. Das auf dem Deckblatt verwendete Logo 1 der EU ist die offizielle und einheitliche Fahne der Europäischen Gemeinschaft. SEPA ist der Kategorie Kapital zuzuordnen und bedeutet Single Euro Payments Area bzw. einheitlicher europäischer Zahlungsverkehrsraum. Das European Payment Council (EPC) hat offizielle SEPA Logen für jedes Land bzw. in jeder Sprache entworfen. Das auf dem Deckblatt verwendete Logo 2 ist das offizielle zweisprachige Logo für den deutschen Sprachraum.
Die SEPA Initiative wurde aufgrund der Komplexität in mehrere Meilensteine geteilt und entsprechend zu unterschiedlichen Terminen in nationales Recht umgesetzt. Folgende Meilensteine 3 wurden definiert:
2002: Gründung des European Payment Council (EPC)
2007: Payment Services Directive (PSD) wurde als rechtliche Basis für SEPA übernommen
2008: Start des SEPA credit transfers (SEPA Überweisung) 2009: Start des SEPA direct debits (SEPA Lastschrift, SDD) 2010: Alle europäischen Banken müssen per SDD erreichbar sein 2010: Alle Zahlungsterminals müssen EMV fähig sein 2011: Start des SEPA for cards (SEPA Kartenzahlung)
Abbildung 1: Der Weg zur SEPA 4
1 http://europa.eu/abc/symbols/emblem/index_de.htm, Abruf vom 25.11.2010
2 http://www.europeanpaymentscouncil.eu/content.cfm?page=sepa_logos, Abruf vom 25.11.2010.
3 http://www.ecb.int/paym/sepa/about/html/index.en.html, Abruf vom 25.11.2010
4 http://www.bundesbank.de/zahlungsverkehr/zahlungsverkehr_sepa.php, Abruf vom 25.11.2010
Anwendungsbereich von SEPA
Die SEPA Initiative hat folgenden Anwendungsbereich 5 :
Belgien Bulgarien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Griechenland Großbritannien Irland Italien Island (EWR) Lettland Liechtenstein (EWR) Litauen Luxemburg
Die Länder, welche nicht den Euro als Währung haben, wie z. B. Norwegen oder die Schweiz sind auch eingebunden, sofern sie die für den Zahlungsverkehr relevanten rechtlichen Regelungen verbindlich in nationales Recht übernehmen. Für die Einbeziehung der Schweiz war eine Änderung des Staatsvertrages zwischen der Europäischen Union und der Schweiz erforderlich 7 .
5 http://www.ecb.int/paym/sepa/about/countries/html/index.en.html , Abruf vom 25.11.2010
6 http://www.sparkasse.de/privatkunden/konto-karte/sepa/allgemeines.html, Abruf vom 12.12.2010
7 Der Übergang vom nationalen zum europäischen Zahlungsverkehr, vom VÖB Verband Öffentlicher Banken Deutschlands, Stand Mai 2008, Seite 10
Ziele von SEPA
Die SEPA Initiative, die durch die EU-Kommission, Europäische Zentralbank und der Europäischen Kreditwirtschaft vorangetrieben und initiiert wurde hat das globale Ziel eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes, in dem sämtliche Zahlungen so behandelt werden, als ob sie inländische Zahlungen wären. Dies bedeutet, dass bargeldlose Zahlungen von einem einzigen Konto innerhalb von Europa möglich und die Zahlungsinstrumente (SEPA Überweisung, SEPA Lastschrift und SEPA Kartenzahlung) vereinheitlicht sind. Ebenso sind die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen und Standards für diese Zahlungsinstrumente in allen teilnehmenden Ländern vereinheitlicht.
Die europäische Kreditwirtschaft 8 hat ihrerseits die Abwicklungsverfahren definiert, worunter Dateiformate, Schnittstellenbeschreibungen usw. fallen. Weiterhin hat sie Rechte und Pflichten für die SEPA Zahlungsinstrumente definiert. Die EU-Kommission schaffte mit entsprechenden Richtlinien, die in nationales Recht umgesetzt werden mussten, einen einheitlichen rechtlichen Rahmen, der als Basis für die Rechtssicherheit bei Kreditinstituten und bei den Nutzern der SEPA Zahlungsinstrumente dient.
Die Europäische Zentralbank wird durch die Unterstützung bei der SEPA Initiative den gemeinsamen Währungsraum vollenden.
Somit führt SEPA letztendlich zur Verwirklichung eines einheitlichen Binnenmarktes, in der die Abschottung der nationalen Märkte im bargeldlosen Zahlungsverkehr zu Gunsten eines einheitlichen Zahlungsverkehrsraumes aufgehoben werden und ein europaweiter Wettbewerb geschaffen werden soll. 9
Langfristig sollen durch SEPA die nationalen Zahlungsinstrumente vollständig integriert und abgelöst werden. 10
8 Der Übergang vom nationalen zum europäischen Zahlungsverkehr, vom VÖB Verband Öffentlicher Banken Deutschlands, Stand Mai 2008, Seite 9
9 http://www.bundesbank.de/zahlungsverkehr/zahlungsverkehr_sepa.php , Abruf vom 25.11.2010
10 http://www.bundesbank.de/zahlungsverkehr/zahlungsverkehr_sepa.php , Abruf vom 25.11.2010
Zielsetzung der Thesis
Die Thesis soll die Ziele der SEPA Initiative im Allgemeinen vorstellen und sich dann auf den Teilbereich der Lastschriften, die in Deutschland ein bedeutendes Zahlungsmittel darstellt, spezialisieren. Hierzu soll sowohl das SEPA Direct Debit Core (SDD) Verfahren und das deutsche Lastschriftverfahren verglichen bzw. erläutert sowie die Vor- und Nachteile herausgearbeitet werden. Dabei soll mit Hilfe der Thesis belegt werden, dass SEPA das innereuropäische
Zahlungsverkehrsvolumen nicht wesentlich verändern und dennoch enorme Kosten und Investitionen verursachen wird.
Dazu wird im ersten Schritt die deutsche Lastschrift vorgestellt. Es werden die rechtlichen Rahmenbedingungen der deutschen Lastschrift, sowie Zahlen und Fakten dargestellt. Als nächstes werden die beiden SEPA Direct Debit (SDD) Verfahren Core und B2B vorgestellt. Der Schwerpunkt ist auf das Core oder auch Basis Verfahren genannt gerichtet, was die Beziehung zwischen Unternehmen und Privatpersonen regelt. In der Praxis wird dieses sehr häufig z. B. bei Mieten, Gas-und Stromabschläge, Mitgliedsbeiträge, B2C im Internet, Telefon- und Mobilfunkabrechnungen sowie in der Mehrzahl der Kartenzahlungsverfahren verwendet und somit einen großen Anteil an der Transaktionsanzahl ausmacht. Im nächsten Schritt werden die Unterschiede der beiden Verfahren gegenübergestellt.
Zur Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des SDD Verfahrens wurde eine Expertenbefragung durchgeführt. Dazu wurde bei Vertretern der deutschen Kreditwirtschaft, der Privatwirtschaft und deren persönlichen Erfahrungen bzw. Meinungen eingeholt. Diese sollte sowohl die Akzeptanz und Nutzung in der privaten Wirtschaft und in der Kreditwirtschaft aus heutiger Sicht darstellen, aber auch die daraus resultierenden Möglichkeiten und Risiken aufzeigen. Auch wurde hinterfragt, ob durch die Vereinheitlichung in Europa die Privatwirtschaft Kostenvorteile erwartet und Prozessoptimierungen durchführen wird.
Um auch die Sichtweise, Ziele und Probleme der Gesetzgebung zu berücksichtigen, werden offizielle Internetseiten wie z. B. der EU Kommission bzw. der Fachgremien der Kommission oder des European Payment Council, EPC durchsucht. Es soll dargestellt werden, ob sich die EU dadurch einen Anstieg des Binnenmarktes erhofft und welche Vor- und Nachteile die Legislative von SEPA erwartet. Die Erwartung der Kostenentwicklung hinsichtlich der Bankgebühren und Transaktionsgebühren seitens der Legislative sollen mit den Erwartungen der Privatwirtschaft verglichen werden. Die Thesis wird sich ebenfalls der Frage widmen, ob SEPA Direct Debit den Unternehmen oder der Kreditwirtschaft eine Kostenentlastung bringen wird. Auch wird durch die Expertenbefragung die Erwartung der Kreditwirtschaft in Richtung Betrug oder Betrugsvorbeugung der SDD dargestellt werden. Die Ergebnisse, sowohl aus den eigenen Recherchen als auch aus der Befragung und eigenen Erfahrungen, sollen letztendlich mit Hilfe der SWOT Analyse präsentiert werden. Im Anschluss werden die wichtigsten Punkte in der Schlussbetrachtung zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Arbeit zitieren:
Michael Maas, 2011, SEPA–Lastschrift im Vergleich zur deutschen Lastschrift, München, GRIN Verlag GmbH
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