schleichend wirken“ (Z.28-29), was dazu führt, dass unsere eigentlich synthetisch erlernte Sprache immer analytischer wird, das heißt anwendungsbezogener, statt auf fundamentalen Regeln beruhend (Z. 29-33).
Dazu bringt Krischke das Beispiel vom „Haus meines Vaters“ was schließlich immer drastischer vereinfacht und zum „Haus von mein Vater“ wird (Z. 33-39). 5
Durch das Beispiel bekommt der Leser eine realistischere und naturalistischere Vorstellung des tatsächlich fortschreitenden Sprachwandels.
Im letzten Teil des ersten großen Abschnitts (Z. 41-58) nennt Krischke einige der Ursachen, die die Sprachverfälschung antreiben. 10
Zur Einleitung stellt er eine direkt an den Leser gerichtete Frage: „Warum verstärken sich solche Tendenzen gerade jetzt?“ (Z. 41-42) und regt ihn somit zum Nachdenken an, da die Ursache eigentlich ganz alltäglich und subtil ist, schließt er seine Antwort direkt daran an. Er nennt als erste Ursache den Einfluss der englischen Sprache, zudem kommen neue technologische Kommunikationsmöglichkeiten wie E-Mails und Chat-Foren, bei denen 15
ausführliches Formulieren Abkürzungen und Vereinfachungen weicht und sich durch stetige Gewohnheit langsam aber sicher in unserem „normalem” Sprechen und Schreiben manifestiert (Z. 41-52).
Krischke kritisiert außerdem die gesellschaftliche Einstellung zu diesem Prozess, der diesen als Kontrast zum angeblichen „Spießer-Abbild” sogar begrüßt (Z. 53-55), was durch „das 20
Geschwätz der Talk- und Casting-Shows” (Z. 56) gefestigt wird und diese gewünschte „Lockerheit” (Z.55) wiederum die Verformung der deutsch Hochsprache antreibt. Er zeigt seine Abneigung zudem deutlich, da er das eher abwertende Wort „Geschwätz” (Z.56) für Gespräche in „Talk- und Casting-Shows” verwendet und ironischerweise die Formulierung „besser rüber” (Z. 57-58) benutzt. 25
Der zweite große Abschnitt trägt die Überschrift „Gehst du Schule?”, wobei er nun seinen Schwerpunkt auf das Problem der Migration hinsichtlich des Sprachumbruchs legt. Durch die Überschrift gibt Krischke direkt ein Beispiel, sodass der Leser sich schon im Voraus eine Vorstellung des Problems machen kann. 30
35
Hierbei erläutert er im ersten Abschnitt (Z. 59-75) grob die, seiner Meinung nach Hauptursache, bzw. „wichtigste Triebkraft” (Z. 59) der Sprachverfälschung. Er stützt seine Thesen dabei auf den Leipziger Sprachwissenschaftler Uwe Hinrichs und bedient sich somit weiteren Autoritätsargumenten, um seine Argumentation glaubwürdig zu gestalten (Z. 61-40 62).
Seine These, der Sprachumbruch wird hauptsächlich durch „die vielfältige Sprachmischungen [immigrierter Bürger] geprägt” (Z. 62-65) beruht auf Hinrich (bzw. auf einem seiner Bücher). Dieses Problem, so erläutert Krischke, entsteht dadurch, dass immigrierte Einwohner die deutsche Sprache nicht oder nur „bruchstückhaft” (Z. 67) beherrschen und diese zusätzlich 45
mit ihrer Muttersprache mischen. Bedeutend sei nur die Verständlichkeit, nicht die Richtigkeit dessen, wie sie es formulieren (Z. 66-72). Zudem stellt er die Prognose auf, dass dieser Prozess sich auf Dauer nicht nur auf die
2
„Immigrantenmilieus” (Z. 74) auswirkt, wobei nicht klar ist, ob es seine persönliche Vorhersage, oder die einer Studie o.Ä ist.
Im nächsten Abschnitt (Z. 76-94) erkennt man seitens Krischke eine deutliche Warnung. Er sagt, dass die Auswirkungen der „Kanak Sprak” (Z. 77), wie er es ironischerweise formuliert, um noch mal die Sprachverformung zu unterstreichen, von Linguisten nicht 5
deutlich genug erkannt werden würde und uns daher eine „radikale Simplifizierung des grammatischen Systems bevor[steht]” (Z. 79-83). Krischke gibt dabei Hinrichs Meinung wieder, die er offensichtlich vertritt.
Des weitern warnt Krischke davor, dass sich der Prozess des sprachlichen Umbruchs wahrscheinlich schon in einigen Generationen immer mehr standardisiere und lehnt diese 10
Prognose wieder an Hinrichs Wissen als Slawist, der „ähnliche Entwicklungen im Russischen und in den Balkansprachen beobachtet” (Z. 84-89) und schafft somit wieder ein Autoritätsargument, welches dem Leser eine gewisse Überzeugungskraft vermittelt. Am Ende des Abschnitts greift er wieder die Tatsache auf, dass „seine germanistischen Kollegen” (Z. 90-91) diese Problematik übersehen, was er nun mit „einem blinden Fleck, der 15
auf einer subtilen politischen Korrektheit beruhe” (Z. 93-94) begründet. Damit bezieht er sich auf seinen Einleitungssatz (Z. 1-5) und meint damit, dass die Annahme, dass das Verlangen von korrekter Ausdrucksweise gleichzusetzen ist mit Diskriminierung, schlich falsch ist und verstärkt seine Aussage zudem wieder mit Hinrich.
Zu dem bedient er sich, in dem Zusammenhang des Sarkasmus, indem er sich mit der 20
Formulierung „germanistischen Kollegen” von ihrem Standpunkt abgrenzt. Im folgendem Abschnitt (Z. 95-107) bezieht er sich auf die breite Öffentlichkeit und formuliert eine indirekte Fragestellung.
Er zieht den Leser auf seine Seite, indem er ihm „berechtigtes Interesse (...) an Art und 25
Ursache der (...) Veränderungen” (Z. 98-102) zuschreibt und stellt daraufhin die Fragestellung auf, welche Auswirkungen der sprachliche Umbruch auf unsere Hochsprache hat (Z. 104-107). Krischke regt damit den Leser zum Nachdenken an und weckt sein Interesse an der Problematik, da er durch das benutzen des Wortes „Öffentlichkeit” (Z. 99, 103) den Leser betroffen macht. 30
Im nächsten Abschnitt (Z. 108-118) bringt er dazu eine offene Antwort. Er bezieht sich wieder auf Uwe Hinrich und seine Kollegen, die im Gegensatz zu „publizistischen Sprachkritikern wie Bastian Sick”, die „von der Linguistenzunft als populistische und ignorante Besserwisser verpönt werden” (Z. 113-118), keinerlei Bewertungen in der Hinsicht 35
äußern. Krischke kritisiert diese Tatsache damit indirekt, und stellt sich ein wenig auf die Seite Bastian Sicks, indem er Hinrichs Kollegen als „Linguistenzunft” (Z. 116) bezeichnet und somit wieder sarkastisch wird, um die spürbare Arroganz der bewertungsablehnenden Linguisten deutlich werden zu lassen. Er sagt damit sozusagen, dass eine Bewertung des problematischen Prozesses durchaus angebracht ist. 40
Die Zeilen 119 bis 146 stellen den ersten Abschnitt des dritten großen dar, der die Überschrift „Hab ich krassen Sprachtrend!” trägt.
3
Arbeit zitieren:
Valeria Gutjahr, 2011, Sachtextanalyse zu "Wolfgang Krische: Triebkräfte des sprachlichen Umbruchs heute", München, GRIN Verlag GmbH
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