Fritz Mauthner in der Moderne
Die Sprache in der Krise? - Zur historischen Dimension
der Sprachphilosophie Fritz Mauthners
Inhalt :
Einleitung 4
A. Sprachkrise und Sprachkritik 10
I. Sprachkrise 10
1. Der gebrochene Vertrag und der Symbolismus 10
2. Vom Epilog zum Vorwort 12
II. Sprachkritik 14
1. Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung 15
2. Sprachkritik vom Standpunkt des bildungsbürgerlichen Elitarismus und
Konservativismus 20
3. Sprachkritik vom Standpunkt der „Philologie“ - Das Karl-Kraus-Syndrom 24
4. Sprachkritik im Sinne Mauthners 26
B. Fritz Mauthner in seiner Zeit 28
I. Fritz Mauthners Selbstverortung in der Geschichte der Philosophie 28
1. Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung 28
2. Die Dialektik der Aufklärung und Fritz Mauthners Sprachkritik 30
II. Ein ganz kurzer Abriss einer Biographie Fritz Mauthners 33
III. Fritz Mauthner in den Krisen um 1900 38
1. Identitätskrisen als existenzielle Krisen - zwei Seiten der Moderne 38
2. Der Selbstmord als natürlicher Tod, als Weg aus der Krise 41
3. Der Selbstmord als Metapher - zwei Beispiele 43
4. Die Krisen der Politik - das Fortwursteln als Selbstmord des Regierens 44
5. Die Identität des Deutschnationalen - Fritz Mauthners persönlicher Weg aus der
österreichischen Krise 48
6. Das Ende der Erzählungen - die (post)moderne Unbestimmtheit als Ursache für die
Krise der Sprache? 51
C. Die Krise der Sprache, ihre Ursachen und Symptome nach Fritz Mauthner 53
1. Die Krise der Zeit, des Denkens und der Sprache - zwei Diagnosen 53
2. Mauthners Kampf gegen den Wortaberglauben 56
3. Mauthners Naturalisierung der Muttersprache und seine Legitimation der Nation 64
4. Literarische Reflexionen der Krise der abstrakten Sprache - zwei Beispiele 67
D. Die Genese der sprachkritischen Atmosphäre in der Habsburgermonarchie 71
Allgemeines : Sprachkrise versus Sprachenkrisen 71
I. Regionale Erweiterung, Barock und Gegenreformation 72
1. Schlacht bei Mohács 72
2. Barock und Gegenreformation 73
3. Barocke Rhetorik 80
II. Zentralisierung, Aufklärung und aufgeklärter Absolutismus 85
1. Vom Barock zur Aufklärung 85
2. Staatsraison 87
3. Joseph von Sonnenfels und der Geschäftsstil 89
III. Der Nationalismus und die Sprachenkrisen 100
1. Konservativismus und Vormärz 100
2. Der Nationalismus und die Ideologisierung der Sprachen 102
IV. Zusammenfassung 108
Literatur 110
3
„Alle Philosophie ist ‚Sprachkritik’. (Allerdings nicht im Sinne Mauthners.)“ 1 heißt es in der 1919 erschienenen Logisch-Philosophischen-Abhandlung Ludwig Wittgensteins, der damit der Philosophie des böhmischen Schriftstellers, Journalisten und Philosophen Fritz Mauthner ein trauriges Denkmal setzte.
Diese Arbeit stellt nun die Sprachskepsis Mauthners - jene erste umfassende Artikulation des Umstandes, dass die Sprache die Welt nicht mehr angemessen erfasst - in einen historischen Kontext, zunächst in einen weiteren geistesgeschichtlichen und dann in den konkreten der zentraleuropäischen Region um die Jahrhundertwende. Dabei folge ich im Wesentlichen einer
- nicht ganz neuen These - der zufolge die intensive Auseinandersetzung der österreichischen Intellektuellen, Schriftsteller und Philosophen mit der Sprache, auch mit der Vielsprachigkeit und der kulturellen Pluralität und Heterogenität des zentraleuropäischen Raumes in Zusammenhang steht. 2 Diese Behauptung möchte ich verifizieren.
Die Ausführungen ranken sich hauptsächlich um die Person und das Werk 3 Fritz Mauthners, in dessen Leben und Denken sich viele Bezüge auf das geistige und politische Leben um die Jahrhundertwende ausmachen lassen.
1 Ludwig Wittgenstein: Tractatus-logico-philosophicus. In: Ders.: Werkausgabe Bd 1. Tractatus logicophilosophicus. Tagebücher 1914-1916. Philosophische Untersuchungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984, S. 26.
2 Eine solche Hypothese stellt Peter Stachel 2001 auf. Vgl. Peter Stachel: Ein Staat, der an einem Sprachfehler zugrunde ging. Die ‚Vielsprachigkeit’ des Habsburgerreiches und ihre Auswirkungen. In: Johannes Feichtinger, Peter Stachel (Hg.): Das Gewebe der Kultur. Kulturwissenschaftliche Analysen zur Geschichte und Identität Österreichs in der Moderne. Innsbruck: Studienverlag 2001, S. 11.
3 Was die Beschäftigung mit Mauthners Werk in dieser Arbeit anbelangt sind einige Anmerkungen zu machen. Ich analysiere hier lediglich einige grundlegende Gedanken Mauthners, um das historische Feld, die Ursachen und Symptome der Sprachkrise zu bestimmen. Ich behandle sein Werk gewissermaßen als historische Quelle, die Aufschluss über historische Probleme geben soll, die also ein Ausdruck des sprachskeptischen Klimas ist. Meine Darstellung versucht demnach nicht, Mauthners Denken in allen Einzelheiten gerecht zu werden, mein Bestreben ist es vielmehr, ihn und einige seiner sprachkritischen Gedanken mit seiner Zeit in Verbindung zu bringen. Dennoch muss auch der Forschungsstand zur Philosophie Mauthners hier Erwähnung finden. Eine erste Studie zu Mauthners Philosophie ist in dem Werk von Walter Eisen zu finden. Vgl. Walter Eisen: Fritz Mauthners Kritik der Sprache. Eine Darstellung und Beurteilung vom Standpunkt eines kritischen Positivismus. Wien, Leipzig: Braumüller 1929. Eine der ersten Untersuchungen zu Mauthners Philosophie in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts stellt die Dissertation von Heinz Müller dar. Vgl. Heinz Müller: Fritz Mauthners Stellung in der Geschichte der Philosophie. Greifswald: Phil. Diss. 1966. Die maßgeblichste Studie zu Mauthners Sprachkritik ist, meiner Meinung nach, nach wie vor jene von Gershon Weiler aus dem Jahr 1970. Vgl. Gerschon Weiler: Mauthner’s Critique of Language. Cambridge: University Press 1970. Seit den 1970ger Jahren macht sich auch eine Tendenz bemerkbar, Mauthner in einen historischen Kontext zu rücken. So 1972 bei William Johnston. Vgl. William M. Johnston: The Austrian Mind. An Intellectual an Social History. Berkeley: University of California Press 1972. [ Deutsch: William M. Johnston: Österreichische Kultur und Geistesgeschichte. Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848 bis 1938. Wien, Köln, Graz: Böhlau 1974.] Des Weiteren auch 1973 in: Allan Janik/Stephen Toulmin: Wittgenstein’s Vienna. Chicago: Elephant Paperbacks 1996. In den Rahmen einer historischen Verortung fällt auch Eschenbachers Studie. Vgl. Walter Eschenbacher: Fritz Mauthner und die deutsche Literatur um 1900. Eine Untersuchung zur Sprachkrise der Jahrhundertwende. Frankfurt am Main, Bern: Lang 1977, (=Europäische Hochschulschriften. 163.) Aus den 1980er Jahren muss zunächst Zilians Forschungsbericht
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Fritz Mauthner in der Moderne
Daraus ergeben sich zwei Methoden der Untersuchung: Zum einen stellen biographische Betrachtungen den Zusammenhang zwischen dem Denken Mauthners und seiner unmittelbaren Lebenswirklichkeit her, zum anderen beschreiben geistesgeschichtliche und kulturwissenschaftliche Analysen die Krise der Sprache als Phänomen, das die ganze westliche Welt betraf, und geben zudem Aufschluss über die historische Genese einer sprachkritischen Atmosphäre in Zentraleuropa.
Der erste Teil der Arbeit formuliert auf der Basis der Thesen von George Steiner 4 , was das „Wesen“ der Sprachkrise der westlichen Welt ist. Als „Zeugen“ der Faktizität der Krise der Sprache fungieren dabei Texte der französischen Symbolisten Charles Baudelaire und Stéphane Mallarmé sowie ein Aufsatz über den Symbolismus von Hermann Bahr 5 . Daran schließt ein kurzer geistesgeschichtlicher Überblick über die Formen philosophischer Sprachkritik an. Die Diskussion erfolgt an ausgewählten Beispieltexten und ließe sich oftmals stark erweitern. Die Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung wird anhand Platons Kratylos 6 und John Lockes Versuch über den menschlichen Verstand 7 dargestellt. Die Sprachkritik vom Standpunkt des bildungsbürgerlichen Elitarismus bzw. Konservativismus - die bereits aus der Krise der Sprache entstanden ist - wird an Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes 8 und Martin Heideggers Sein und Zeit 9 veranschaulicht und die Sprachkritik vom Standpunkt der „Philologie“ wird durch ein Gedicht von Karl Kraus 10 illustriert.
Erwähnung finden. Vgl. Hans Georg Zilian: Dimensionen der Sprachkritik am Beispiel Fritz Mauthners. Forschungsbericht, Forschungsstelle und Dokumentationszentrum für österreichische Philosophie. Graz: masch. 1986. Zu erwähnen ist auch Steiners Diplomarbeit von 1986. Vgl. Christian Theodor Gustav Steiner: Wider den Sprachzwang. Fritz Mauthner und die Kritik von Sprache. Graz: Phil. Dipl. 1986. In den 1990er Jahren untersucht Andreas Hajos Mauthners Bezug zu Vertretern der Wiener Moderne. Vgl. Andreas Hajos: Empfindung, Ich und Sprache um 1900. Ernst Mach, Hermann Bahr und Fritz Mauthner. Frankfurt am Main, Bern: Lang 1994. Des Weiteren erschien 1995 ein solider Einführungsband, herausgegeben von der Mauthner-Kennerin Elisabeth Leinfellner. Vgl. Elisabeth Leinfellner/Hubert Schleicher (Hg.): Fritz Mauthner. Das Werk eines kritischen Denkers. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1995. Eine Untersuchung zu Mauthners parodistischem Werk im Hinblick auf seine sprachkritischen Gedanken bietet Almut Vierhufe 1999. Vgl. Almut Vierhufe: Parodie und Sprachkritik. Untersuchungen zu Fritz Mauthners „Nach berühmten Mustern“. Tübingen: Niemeyer 1999, (=Reihe Germanistische Lingusitik. 209.)
4 George Steiner: Von realer Gegenwart. Hat unser Sprechen Inhalt? Mit einem Nachwort von Botho Strauß, aus dem Englischen übers. v. Jörg Trobitius. München, Wien: Hanser 1990.
5 Hermann Bahr: Symbolisten. In: Gotthard Wunberg (Hg.): Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Stuttgart: Reclam 1981, (=Universal Bibliothek. 7742.), S. 248-254.
6 Platon: Kratylos. Übersetzt und erläutert von Otto Apelt. In: Ders.: Sämtliche Dialoge. Bd 2. Menon, Kratylos, Phaidon, Phaidros. Hamburg: Meiner 1998.
7 John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand. In vier Büchern. Bd 2. Buch III und IV. 3. Aufl. Hamburg: Meiner 1988, (=Philosophische Bibliothek. 76.)
8 Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte. Nachw. v. Detlef Felken. 26. Aufl. München: dtv 2003.
9 Martin Heidegger: Sein und Zeit. 18. Aufl. Tübingen: Niemeyer 2001.
10 Karl Kraus: Vom Abenteuer der Arbeit. In: Ders.: Ausgewählte Gedichte. Zürich: Oprecht & Helbling 1939, S. 13-17.
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Den Abschluss des ersten Teiles bildet die Verortung der Sprachkritik Mauthners im Geflecht der drei Standpunkte.
Der zweite Teil der Arbeit stellt zunächst die aufklärerischen Intentionen, die Mauthner mit seiner Sprachkritik verfolgte, dar - Aufschluss darüber geben die Beiträge zu einer Kritik der Sprache 11 und das Wörterbuch der Philosophie 12 -, um sie anschließend einer Kritik zu unterziehen. Basis dieser Kritik ist Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung 13 . Darüber hinaus gibt der zweite Teil Aufschluss über die Biographie Mauthners - basierend hauptsächlich auf Joachim Kühns Mauthnerstudie Gescheiterte Sprachkritik 14 sowie auf Selbstzeugnissen Mauthners, zu finden in seinen Jugenderinnerungen 15 . Des Weiteren versucht der zweite Teil ein soziokulturelles Bild der Monarchie zu zeichnen und den Lebensraum, der Mauthners Denken und Erleben nach eigenen Angaben so stark prägte, darzustellen. Dabei soll die Bedeutung der Krisen der Zeit, also der Krisen der Identität, der Religion, der Sprache, aber auch der Politik, für Mauthner und andere Intellektuelle und Schriftsteller erfasst werden. Das historische Gerüst beziehe ich hauptsächlich aus den Werken von Karl Vocelka 16 und Moritz Csáky 17 , die Krise der Kunst analysiere ich anhand einer Passage aus Egon Friedells Kulturgeschichte der Neuzeit 18 , die Krise der Politik, deren Unfähigkeit bzw. die Unmöglichkeit, mit dem Nationalitäten- und Sprachenproblem umzugehen, illustriere ich an Palackýs Oesterreichs Staatsidee 19 und einer Passage aus Musils Der Mann ohne Eigenschaften 20 . Bei den Krisen der Identität folge ich Janik/Toulmin 21 und Jac-
11 FritzMauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache I. Zur Sprache und zur Psychologie. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1999.
Fritz Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache II. Zur Sprachwissenschaft. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1999.
Fritz Mauthner: Beiträge zu einer Kritik der Sprache III. Zur Grammatik und Logik. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1999.
12 Fritz Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. Neue Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Bd 1. A - Intuition. Zürich: Diogenes 1980, (= Diogenes Taschenbuch. 215/1.)
Fritz Mauthner: Wörterbuch der Philosophie. Neue Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Bd. 2. kategorisch -Zweck. Zürich: Diogenes 1980, (=Diogenes Taschenbuch. 215/2.)
13 Max Horkheimer/Theodor Wiesengrund Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. 13. Aufl. Frankfurt am Main: Fischer 2001.
14 Joachim Kühn: Gescheiterte Sprachkritik. Fritz Mauthners Leben und Werk. Berlin, New York: de Gruyter 1975.
15 Fritz Mauthner: Prager Jugendjahre. Erinnerungen von Fritz Mauthner. Frankfurt am Main: Fischer 1969.
16 Karl Vocelka: Geschichte Österreichs. Kultur - Gesellschaft - Politik. 2. Aufl. München: Heyne 2002.
17 Moritz Csáky: Geschichte und Gedächtnis. Erinnerung und Erinnerungsstrategien im narrativen historischen Verfahren. Das Beispiel Zentraleuropas. In: Österreichische Osthefte 44. Jahrgang 2002 Heft 1/2.
18 Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit. Die Krisis der europäischen Seele von der schwarzen Pest bis zum ersten Weltkrieg. Ungekürzte Sonderausgabe in einem Band. München: Beck 1979.
19 Franz Palacký: Oesterreichs Staatsidee. Unveränderter Nachdruck der Ausgabe Prag 1866. Wien: H. Geyer 1947.
20 Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. In: Ders.: Gesammelte Werke in 9 Bänden. Hrsg. v. Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1978.
21 Allan Janik/Stephen Toulmin: Wittgenstein’s Vienna. Chicago: Elephant Paperbacks 1996.
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ques Le Rider 22 . Mauthners persönlichen Weg aus den Krisen seiner Zeit versuche ich an den bereits zitierten Erinnerungen zu zeigen. Die abstrakte Bestimmung der Ursachen der Krisen folgt Lyotard 23 .
Der dritte Teil der Arbeit beschäftigt sich wieder mit einigen philosophischen Gedanken aus dem Werk Fritz Mauthners. Den Anfang bilden zwei Zeitdiagnosen, zum einen eine Passage aus dem ersten Band der Beiträge, zum anderen ein Text aus Nietzsches zweiter unzeitgemäßer Betrachtung 24 . Diese Texte zeichnen ein Bild von den grundlegenden Problemen der Moderne, sie zeigen auf, welche Auswirkungen die Unverbindlichkeit der philosophischen, moralischen und religiösen Ideen auf die Zivilisation hat. Dabei stellt sich heraus, dass Mauthner alle krisenhaften Erscheinungen seiner Zeit in der Krise der Sprache verortet. Am Begriff „Wortaberglauben“ versuche ich zu zeigen, worin Mauthner die Ursachen und Auswirkungen der Krise der Sprache der Wissenschaft sieht. Dabei kann man Bereiche in der Wissenschaft zur Zeit Mauthners entdecken, für die seine Diagnosen zutreffen. Grundlegend dafür ist der Abschnitt „Wortaberglauben“ aus dem ersten Band der Beiträge. Anschließend steht wieder Mauthners persönliche Identitätskrise zur Debatte, wenn er versucht seine deutschnationale Gesinnung philosophisch zu rechtfertigen. Die Grundlage für diese Untersuchung bildet seine 1907 erschienene Monographie Die Sprache 25 . Den Abschluss des dritten Teiles bilden zwei literarische Zeugnisse aus dem zentraleuropäischen Raum, die ebenfalls die Krise der Sprache reflektieren und verdeutlichen sollen, dass die Artikulation der Sprachkrise als fundamentales Problem des Weltverlustes aufgrund des sprachskeptischen Klimas in der Monarchie besonders früh und intensiv erfolgte. Die Texte sind zum einen der berühmte Chandos-Brief 26 Hugo von Hofmannsthals und ein Fragment aus dem Nachlass Franz Kafkas, das mit Von den Gleichnissen 27 betitelt ist. Nach diesen ersten drei Teilen der Arbeit, die Mauthner als Person und sein Werk in der philosophischen Tradition und in seiner Zeit wie auch im soziokulturellen Kontext der Habsburgermonarchie verorten sollen, soll im vierten Teil gerade der zentraleuropäische Raum, dem
22 Jacques Le Rider: Das Ende der Illusion. Die Wiener Moderne und die Krisen der Identität. Wien: ÖBV 1990.
23 Jean Francois Lyotard: Das Postmoderne Wissen. Ein Bericht. 4. Aufl. Wien: Passagen 1999, (=Edition Passagen. 7.)
24 Friedrich Nietzsche: Unzeitgemässe Betrachtungen II. Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben. In: Ders.: Sämtliche Werke. KSA Bd 1. Hrsg. v. Giorgo Colli und Mazzino Montinari. München, Berlin, New York: dtv/de Gruyter 1999, S. 243-334.
25 Fritz Mauthner: Die Sprache. Frankfurt am Main: Rütten & Loenig [1907], (=Die Gesellschaft. 9.)
26 Hugo von Hofmannsthal: Ein Brief. In: Gotthard Wunberg (Hg.): Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Stuttgart: Reclam 1981, (=Universal Bibliothek. 7742.) S. 431-444.
27 Franz Kafka: Von den Gleichnissen. In: Ders.: Gesammelte Werke in acht Bänden. Hrsg. v. Max Brod. Beschreibung eines Kampfes. Novellen, Skizzen, Aphorismen aus dem Nachlaß. Frankfurt am Main: Fischer 1983, S. 72.
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ich aufgrund des sprachskeptischen Klimas einen privilegierten Zugang zur Erfassung der allgemeinen Sprachkrise attestiere, auf die Genese dieser sprachskeptischen Atmosphäre hin untersucht werden.
Diese Atmosphäre resultiert zunächst daraus, dass die Vielsprachigkeit der Monarchie im fortschreitenden 19. Jahrhundert Sprachenkrisen als äußeren Ausdruck der ihnen zugrundeliegenden Nationalitätenkämpfe hervorbrachte, die die Sprachen zu einem regelrechten Sprengstoff für die Monarchie machten. Dieser Ideologisierung der Sprachen im Nationalismus des 19. Jahrhunderts gehen einige historische Entwicklungen voran, die die Dispositionen für diese Probleme erst schufen.
Der vierte Teil dieser Arbeit gliedert sich darum in drei Unterkapitel, die diese Entwicklung von der frühen Neuzeit bis ins beginnende 20. Jahrhundert nachzeichnen. Die wesentlichen Phasen für diese Entwicklung sind erstens die Gebietserweiterung 1526, die den kleinen Kern um große Randbereiche vergrößerte, sowie die Reformation, Gegenreformation und das Barock. Neben der wachsenden kulturellen, ethnischen und politischen Heterogenität, die der Gebietsgewinn mit sich brachte, ist auch das Verhältnis von Reformation und Gegenreformation zur Sprache beachtenswert. Die Auswirkungen der regionalen Erweiterung beschreibe ich anhand der Überlegungen von Moritz Csáky 28 , das Verhältnis der Reformation zur Sprache illustriere ich mit Luthers Sendbrief vom Dolmetschen 29 , die internationale, barocke Bildersprache diskutiere ich an einer Passage aus Nietzsches Werk Menschliches, Allzumenschliches 30 und an einigen Überlegungen der Kunsthistoriker Carlo Giulio Argan 31 und Hans Sedlmayr 32 . Die mentalitätsgeschichtlich bedeutende Rolle des Jesuitenordens versuche ich durch Max Weber 33 , Peter Hartmann 34 und Astrid Jahreiss 35 darzustellen. Die zweite wesentliche Phase für die Genese einer sprachkritischen Atmosphäre sind die josephinischen Reformen im aufgeklärten Absolutismus. Dabei steht natürlich die Sprachenre-
28 MoritzCsáky: Ideologie der Operette und Wiener Moderne. Ein kulturhistorischer Essay zur österreichischen Identität. Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1996.
29 Martin Luther: Sendbrief vom Dolmetschen. In: Karl Gerhard Steck (Hg.): Martin Luther Studienausgabe. Frankfurt am Main, Hamburg: Fischer 1970, S. 218f.
30 Friedrich Nietzsche: Vom Barockstile. Menschliches, Allzumenschliches II. In: Ders.: Sämtliche Werke. KSA Bd. 2. Hrsg. v. Giorgo Colli, Mazzino Montinari. München: dtv/de Gruyter 1999, S. 437 f.
31 Giulio Carlo Argan: Das Barock. Genf: Skira 1989.
32 Hans Sedlmayr: Österreichische Barockarchitektur. 1690-1740. Wien: Filser 1930. Und: Hans Sedlmayr: Die Schauseite der Karlskirche in Wien. In: Ders.: Epochen und Werke. Bd 2. Wien, München: Herold 1960, S. 174-187.
33 Max Weber: Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus. 3. Aufl. Weinheim: Beltz Athenäum 2000.
34 Peter C[laus] Hartmann: Die Jesuiten. München: Beck 2001, (=Beck’sche Reihe. 2171.)
35 Astrid Jahreiss: Grammatiken und Orthographielehren aus dem Jesuitenorden. Eine Untersuchung zur Normierung der deutschen Schriftsprache in den Unterrichtswerken des 18. Jahrhunderts. Heidelberg: Winter 1990, (=Germanistische Bibliothek. 3.)
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form von 1784 im Zentrum der Überlegungen sowie Joseph von Sonnenfels und sein Werk Ueber den Geschäftsstil 36 . Zum einen lassen sich durch die Sprachenreform die Sprachenkrisen des 19. Jahrhunderts besser verstehen, zugleich sind aber auch im Geschäftsstil selbst Anleitungen zu einer mehrdeutigen Sprachverwendung erkennbar, deren Auswirkungen und Reflexionen ich unter verschiedenen Gesichtspunkten an Passagen aus Kafkas Der Prozeß 37 , Stifters Der Nachsommer 38 und Musils Der Mann ohne Eigenschaften 39 illustriere. Diese Mehrdeutigkeit ist auch eine der wenigen Möglichkeiten für kritische Geister im Vormärz, indirekt Kritik an dem konservativen System zu üben. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich zunächst auch mit den politischen und kulturellen Entwicklungen im System Metternich und der Regierungszeit Franz Josephs I. Dabei stehen die nationalistische Ideologisierung der Sprachen - Aufschluss darüber gibt unter anderem Benedict Anderson 40 - und die aus ihr resultierenden Probleme, veranschaulicht an zwei der bekanntesten Sprachenkrisen, der Cilli-Schulaffäre und den Badeni-Sprachenverordnungen, im Zentrum. Aus den Mehrdeutigkeiten der Sprachverwendung und der politisch-ideologischen Aufladung der Sprachen resultiert letztendlich auch die sprachskeptische Atmosphäre, die die Intellektuellen, Schriftsteller und Philosophen Zentraleuropas zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Sprache an sich mitangeregt hat und aus der heraus auch Fritz Mauthners Sprachskepsis geboren wurde.
36 Joseph von Sonnenfels: Ueber den Geschäftsstil. Die ersten Grundlinien für angehende österreichische Kanzleybeamte. Wien: Kurzböck 1784.
37 Franz Kafka: Der Prozess. In: Gesammelte Werke. Hrsg v. Max Brod. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag 1983.
38 Adalbert Stifter: Der Nachsommer. Mit einem Essay von Hugo von Hofmannsthal. Frankfurt am Main, Leipzig: Insel 1982.
39 Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. In: Ders.: Gesammelte Werke in 9 Bänden. Hrsg. v. Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1978.
40 Benedict Anderson: Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts. Erweiterte Neuausgabe. Frankfurt am Main, New York: Campus 1996.
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I. Sprachkrise
1. Der gebrochene Vertrag und der Symbolismus
Die Sprachkrise ist ab dem Moment fassbar, in dem sich zeigt, dass der „Vertrag zwischen Wort und Gegenstand, die Voraussetzung, dass das Sein in einem praktikablen Maße ‚sagbar’ ist“ 41 gebrochen ist. „Ich bin der Überzeugung“, schreibt Steiner weiter, „dass dieser Vertrag zum ersten Mal in irgend fundamentalem und folgenreichem Sinne während der Jahrzehnte zwischen 1870 und 1940 in Kultur und spekulativem Bewusstsein Europas, Mitteleuropas und Russlands gebrochen wird. Es ist dieser Bruch des Kontraktes zwischen Wort und Welt, der eine der wenigen echten geistigen Revolutionen in der Geschichte des Westens darstellt und durch den sich die Moderne definiert.“ 42 Die Weltgeschichte teilt sich so in zwei Phasen, in die erste, die des logos, in der sich das „Dasein ‚sagen’ lässt“ 43 und die sich bis ins späte 19. Jahrhundert erstreckt, und in die zweite Phase, jene die danach kommt, die damit die Zeit der Sprachkrise ist. Als Friedrich Nietzsche 1878 Menschliches, Allzumenschliches veröffentlicht, hat er diesen Bruch zwischen Wort und Welt bereits erkannt, wenn er im 11. Aphorismus des ersten Teils schreibt: „Sehr nachträglich - jetzt erst - dämmert es den Menschen auf, dass sie einen ungeheuren Irrthum in ihrem Glauben an die Sprache propagiert haben.“ 44 Der Sprache, wie auch der Logik, die beide nur Modelle der Wirklichkeit sind, entspricht in Wirklichkeit gar nichts.
Wenngleich Steiner festhält, dass sich die tieferen Gründe dieser Revolution weitgehend unserem Verständnis entziehen, so lassen sich doch einige der „eigentlichen Momente und Erklärungen, einige der Einstellungen und Texte oder Kunstwerke identifizieren, in denen die Krise zur Bewusstseinstatsache wurde.“ 45 Konkret verweist Steiner auf Mallarmés Loslösung der Sprache von äußerer Referenz. 46 Und tatsächlich deutet sich schon im Symbolismus
41 George Steiner: Von realer Gegenwart. Hat unser Sprechen Inhalt?. Mit einem Nachwort von Botho Strauß, aus dem Englischen übers. v. Jörg Trobitius. München, Wien: Hanser 1990, S. 124. [In der Folge zitiert als: Steiner, Von realer Gegenwart, S. x.].
42 Ebda, S. 127.
43 Ebda, S. 128.
44 Friedrich Nietzsche: Die Sprache als vermeintliche Wissenschaft. Menschliches, Allzumenschliches I. In: Ders.: Sämtliche Werke. KSA Bd. 2. Hrsg. v. Giorgo Colli, Mazzino Montinari. München: dtv/de Gruyter 1999, S. 31.
45 Steiner, Von realer Gegenwart, S. 129.
46 Vgl. ebda.
10
Fritz Mauthner in der Moderne
Charles Baudelaires an, wie die Korrespondenz zwischen Wort und Welt aufgebrochen wird. Das berühmte Gedicht Correspondances aus dem Jahre 1857 gibt Aufschluss über dieses Phänomen: Correspondances
Die Natur ist ein Tempel, wo lebendige Pfeiler Manchmal wirre Worte aus sich entlassen; Der Mensch geht dort durch Wälder von Symbolen, die ihn mit vertrauten Blicken betrachten.
Wie lange Echos, die sich in der Ferne vermischen In einer dunklen und tiefen Einheit, weit wie die Nacht und wie die Helligkeit, Antworten sich die Düfte, die Farben und die Töne. […] 47
Hermann Bahr unterscheidet in seinem bekannten Aufsatz „Symbolisten“ 48 zwei historische Formen des Symbolismus, die dadurch verbunden sind, dass beide Symbole gebrauchen, die sich aber gerade dadurch trennen, wie sie die Symbole gebrauchen. „Der überlieferte Symbolismus des zweiten Faust, des zweiten Willhelm Meister, der Novelle, des Märchens, oder Byrons, Richard Wagners und Victor Hugos, suchte den Ausdruck unsinnlicher Dinge durch sinnliche Zeichen.“ 49 Diese ersten oder alten Symbolisten gebrauchten Symbole, um das Sinnlich-nicht-Wahrnehmbare, das Wesen, das Ewige in den Dingen und der Welt auszudrücken. Sie gebrauchen gewisse Worte mit dem Ziel, das Sein der Welt zu beschreiben. Der neue Symbolismus hingegen braucht die Symbole ganz anders, in ihm verlieren die Zeichen ihren beschreibenden Charakter, „er verwendet die Symbole als Stellvertreter und Zeichen nicht des Unsinnlichen, sondern von anderen ebenso sinnlichen Dingen.“ 50 Das, was die Lyrik bis zum neuen Symbolismus durch beschreibende Symbole und Zeichen auszudrücken suchte, versucht der Symbolismus allein durch Symbole, die auf nichts als auf sich selbst verweisen, zu erreichen. Bahr vermeint im neuen Symbolismus den Versuch zu entdecken, durch Symbole, die ähnliche Affekte wie der darzustellende Sachverhalt wecken sollen, die Verbindung zwischen dem Wort und der Welt herstellen zu wollen, 51 greift damit aber zu kurz, denn die Worte im Gedicht Baudelaires sind nichts als Worte, die als Worte, als Lautgebilde und nicht als Stellvertreter für etwas wirken. „Das Wort bewahrt bei Baudelaire seinen Charakter als irrati-
47 CharlesBaudelaire: Correspondances. In: Ders.: Gedichte der Revolution. Hrsg. und kommentiert v. Oskar Sahlberg. Berlin: Wagenbach 1977, S. 32.
48 Hermann Bahr: Symbolisten. In: Gotthard Wunberg (Hg.): Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910. Stuttgart: Reclam 1981, (=Universal Bibliothek. 7742.), S. 248-154.
49 Ebda, S. 249.
50 Ebda.
51 Vgl. ebda, S. 250f.
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Fritz Mauthner in der Moderne
onale Beschwörungsformel, als Werkzeug einer magischen Operation […].“ 52 Das Gedicht steht für sich, seine Worte verweisen nicht auf etwas außerhalb der Sprache, die Sprache selbst ist das Material. „Das Wort Rose hat weder Stiel noch Blatt noch Dornen. Es ist weder rosa noch rot noch gelb. Es verströmt keinen Geruch. Es ist per se ein völlig willkürliches phonetisches Kennmal, ein leeres Zeichen.“ 53 Die Sprache verweist nicht mehr auf die Welt, viel mehr noch, „[d]ie Wahrheit des Wortes ist die Abwesenheit der Welt.“ 54 Das reine Werk verlangt das Verschwinden des Autors, der die Worte nur durch den Zusammenstoß ihrer Ungleichheiten einmal in Bewegung versetzt und ihnen dann die Initiative überläßt; wie der Schein eines Feuerwerks das Geschmeide aus Edelsteinen überläuft, so entzünden sie sich in wechselseitigen Reflexen, und dieser Vorgang ersetzt sowohl den Rhythmus des Atems, von dem das alte lyrische Gedicht getragen wurde, wie auch die pathetisch überhöhte personelle Führung der Phrase. Die Anordnung des Versbuches eliminiert überall den Zufall; dieser Ordnung bedarf es auch noch, um den Autor auszusparen. 55
Damit löst Mallarmé die Sprache vollkommen von jeder Referenz, die Worte bedeuten nichts als sich selbst, mit ihnen ist nichts gemeint, selbst der, der sie schreibt, kann keinen Aufschluss darüber geben, warum sie geschrieben worden sind, wie sie geschrieben worden sind. Allein die wechselseitigen Reflexe der Wörter machen das Werk und nichts sonst. Die Krise der Sprache ist die Krise der sprachlichen Zeichen, ist die Krise der Zeichen überhaupt. „Weder das Gedicht noch das metaphysische System besteht aus ‚Ideen’, aus verbalisierten externen Daten. Sie bestehen aus Worten.“ 56 Und: „Sie bedeuten nur sich selbst.“ 57 Der Vertrag zwischen Wort und Welt ist gebrochen.
2. Vom Epilog zum Vorwort
Der Vertragsbruch, die Krise der Sprache, ist nach Steiner die Triebkraft der Moderne, die er als Zeit des Epilogs, des Nachworts zu den großen Erzählungen beschreibt. Und tatsächlich: Die Sprache, die Frage nach ihrem Wesen und ihren Funktionen, ist ein bestimmendes Thema in Moderne und Postmoderne. Künstlerische Phänomene, wie der Dadaismus und die konkrete Poesie, die den Verlust der referenziellen Kraft der Sprache reflektieren, aber auch die Sprachphilosophie, zunächst die Mauthners, die diesen Verlust allein zum Thema hat, dann jene Wittgensteins, die zuerst behauptete, die Welt sei teilweise unsagbar, und dann feststell-
52 BrunoAdriani: Baudelaire und George. Berlin: Riemerschmidt 1993, S. 36.
53 Steiner, Von realer Gegenwart, S. 130.
54 Ebda, S. 132.
55 Stéphane Mallarmé: Krise des Verses. Zitiert nach: Gerhard Plumpe: Autor und Publikum. In: Helmut Brackert, Jörn Stückrath: Literaturwissenschaft. Ein Grundkurs. 5. erw. Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1992, (=rowohlts enzyklopädie. 55523.), S. 383.
56 Steiner, Von realer Gegenwart, S. 134.
57 Ebda.
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te, dass es nur sprachliche und keine philosophischen Probleme gebe, die Psychoanalyse, die „in toto ein Sprachhandwerk, eine Sprachpraxis“ 58 ist, und die dem Versprecher, dem Wort, das so nicht gemeint war, einen direkteren Bezug zu den Sachen selbst zuweist, als er dem intentional geäußerten Wort zukommt - all diese Phänomene zeugen davon, dass das Wort die Welt nicht mehr angemessen erfasst. Wittgenstein ist es auch, der das Wort unhistorisch begreifen will, der den Epilog zum Vorwort einer neuen Zeit macht, wenn er am 7. Mai 1914 aus dem selbstauferlegten Exil in Norwegen an seinen Doktorvater in Cambridge, George Edward Moore, der den fehlenden formal-akademischen Aufbau des Tractatus bemängelte, schreibt:
Dein Brief hat mich geärgert. Als ich die ‚Logik’ schrieb, habe ich die ‚Vorschriften’ nicht zu Rate gezogen, und deshalb glaube ich, wäre es nur fair, wenn auch Du mir den (Bachelor-) Grad zukommen lassen würdest, ohne die Vorschriften allzu sehr zu befragen! 59
Darin zeigt sich, dass der Bruch mit der Welt, wie sie vor dem Vertragsbruch zwischen Welt und Wort war, bereits vollzogen ist. Die philosophischen Probleme der Vergangenheit werden nicht als philosophische Probleme wiederaufgenommen, sondern als Sprachprobleme. Das ist der Kern der neuen Zeit, der Zeit der Sprachkrise, und das ist zugleich auch der Weg aus der Krise heraus, wie er heute von einem Großteil der Philosophen der Welt gegangen wird. Doch das Thema dieser Arbeit ist zunächst nicht der Weg hinaus aus der Krise, als vielmehr die Krise selbst und der Weg in die Sprachkrise. Die Sprachkrise wird im Folgenden unter einschränkenden Gesichtspunkten untersucht. Beleuchtet werden vorrangig Zeugnisse der Krise, die im geographischen Kontext Zentraleuropas und im geistigen Kontext der Wiener und Prager Moderne zu verorten sind. Zugleich wird jenen Texten und Äußerungen ein Vorzug eingeräumt, die selbst zerstörerisch die Krise feststellen, ohne sie zu überwinden. Zum Dritten werden gesellschaftliche, politische und historische Gründe angeführt, warum gerade in der Habsburgermonarchie so viele Intellektuelle ihre Aufmerksamkeit auf die Sprache richteten, wie die sprachskeptische Atmosphäre entstand. Darüber darf aber nicht vergessen werden, dass geistesgeschichtliche Bezüge nie einfach, sondern immer komplex sind, und dass Sprachkritik als philosophische Disziplin eine lange Tradition im Abendland hat. Das nächste Kapitel stellt daher sprachkritische Unternehmen in einen größeren geistesgeschichtlichen Rahmen.
58 Ebda, S. 145.
59 Ludwig Wittgenstein in einem Brief an George Edward Moore. Zitiert nach: Kurt Wuchterl/Adolf Hübner: Ludwig Wittgenstein. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 12., neu überarbeitete Aufl. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 2001, (=rowohlts monographien.50275.), S. 46.
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II. Sprachkritik
Der Begriff „Sprachkritik“ weist unterschiedliche Bedeutungskomponenten auf; je nachdem, in welcher Zeit und zu welchem Zweck Sprachkritik getrieben wird, variiert die Bedeutung. Es lassen sich im Wesentlichen drei unterschiedliche Formen der Sprachkritik festmachen, die, obzwar nicht immer genau geschieden, dennoch unterschiedliche Intentionen verfolgen. Der grundlegende Gedanke, aus dem heraus Sprachkritik betrieben wird und wurde, ist der der Aufklärung. Sprachkritik bedeutet in diesem Zusammenhang zunächst, sich der Mittel zu versichern, deren man bedarf, um sein Anliegen zu vermitteln und zu formulieren. Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung ist ein Unterfangen, das andere Unternehmungen wie Religionskritik, Ideologiekritik und in weiterer Folge auch Metaphysikkritik befördern soll. Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung ist nicht auf die Aufklärung als Epoche beschränkt, sie kann auch schon in der antiken Philosophie erfasst werden. Zudem reicht sie weit über die Aufklärung als Epoche hinaus bis in die Gegenwart.
Dem Bestreben der aufklärerischen Sprachkritik, die versucht, die Sprache zu einem bestimmten Zweck zu klären, steht die Sprachkritik vom Standpunkt des bildungsbürgerlichen Elitarismus bzw. Konservativismus gegenüber. Diese Sprachkritik verfolgt auch das Ziel, die Sprache zu klären und für einen anderen Zweck verwendbar zu machen oder zu erhalten, zugleich und zuvorderst wendet sie sich aber auch konkret gegen die Ursachen der Sprachverderbnis. Diese zweite Komponente steht im Zusammenhang mit der Demokratisierung des Sprechens, wie sie schon ab der frühen Neuzeit beginnt.
In ihrer dritten Form verliert die Sprachkritik ihren funktionalistischen Charakter und wird gewissermaßen zum Selbstzweck. Es geht nicht darum, die Sprache für irgendein Unternehmen zu klären, das außerhalb ihrer selbst liegt, als vielmehr allein darum, die Sprache um ihrer selbst willen von Verderbnis zu befreien. Diese Form der Sprachkritik, deren Kern die Philologie, die Liebe zum Wort ist, äußert sich vor allem im Werk Karl Kraus’, bei dem die Beschäftigung mit der Sprache oftmals einen quasi-religiösen Charakter annimmt.
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1. Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung
Zunächst hat Sprachkritik eine grundlegende Funktion, man bedient sich ihrer, um sich der Mittel, die man braucht, um sein eigentliches Anliegen zu formulieren, zu versichern. Noch vor Platon lässt sich in der Sophistik ein Interesse an der Sprache, ihren Wörtern und Funktionen feststellen, bei Platon selbst aber findet sich die Grundlage zu einer Sprachkritik im Sinne der Aufklärung. 60
In dem vermutlich um 388 vor Christus entstandenen Dialog Kratylos 61 sprechen Hermogenes, Kratylos und Sokrates über die Frage, ob die Bedeutung eines Zeichens oder Wortes von der Natur dessen, was es bezeichnet, bestimmt wird (physei), oder ob die Bedeutung lediglich auf Konvention beruhe (thesei). Das Ergebnis der Diskussion fasst Rudi Keller so zusammen: Mittels Konventionen sind wir in der Lage, Dinge zu bezeichnen, dadurch daß wir dem anderen zu erkennen geben, woran wir denken, ganz gleich ob Ähnlichkeit gegeben ist, oder nicht. Allerdings, so fügt Sokrates hinzu, sind Wörter ‚auf das bestmögliche’ gebildet, wenn Ähnlichkeit vorhanden ist. 62
Die bestmögliche, auf Ähnlichkeiten beruhende Bildung der Wörter attestiert Sokrates all jenen Wörtern, deren Etymologie auf einen nichtsprachlichen Sachverhalt zurückweist. So finden sich in Homer zwei Namen für den Sohn des Hektor: „Astyanax“ und „Skamandrinos“. Sokrates erklärt, warum Astyanax der richtige Name sein muss, da erstens die vernünftigeren unter den Menschen, also die Männer, diesen Namen gebrauchen, um den Sohn des Hektor zu bezeichnen, zum anderen kann der Sohn des Hektor (éktor bedeutet Sokrates zufolge „Inhaber“), also jenes Mannes, den Homer den alleinigen Schützer der Stadt nennt, nicht anders heißen, als ánax (= König). 63
Platons Kratylos ist die erste umfassende philosophische Auseinandersetzung mit dem Thema Sprache, als solche dient sie allein der Klärung der grundsätzlichen Frage, wie Zeichen und Wörter in der Lage sind, Wirklichkeit wiederzugeben. Notwendig und möglich hatte eine solche Untersuchung der Umstand gemacht, dass die Sprache der Menschen von der Sprache der Götter verschieden ist. Sokrates verweist Hermogenes auf Homer und dessen Aussagen über die Worte:
Hermogenes: Und was sagt denn Homer über die Worte und wo?
60 Beispiele für Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung lassen sich viele finden. So könnte man die von mir - ob ihrer Griffigkeit ausgewählten Beispiele -, mit sprachkritischen Texten der Scholastik, mit Texten anderer Aufklärer, wie Hume, Bacon oder Berkeley, sogar mit Passagen aus Kants „Kritik der reinen Vernunft“ sowie mit den Untersuchungen zur Sprache und zur Logik Freges aus dem 19. Jahrhundert erweitern.
61 Platon: Kratylos. Übersetzt und erläutert von Otto Apelt. In: Ders.: Sämtliche Dialoge. Bd 2. Menon, Kratylos, Phaidon, Phaidros. Hamburg: Meiner 1998. [In der Folge zitiert als: Platon, Kratylos, S. x.].
62 Rudi Keller: Zeichentheorie. Zu einer Theorie semiotischen Wissens. Tübingen, Basel: Francke 1995, (=UTB. 1849.), S. 35.
63 Platon, Kratylos, S. 52f.
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Sokrates: An vielen Stellen; das Wichtigste und Beste aber sind seine Unterscheidungen der Namen, welche die Menschen und Götter den nämlichen Dingen beilegen. Oder meinst du nicht, daß er damit einen wichtigen und bewundernswerten Aufschluß über die Richtigkeit der Worte gebe? Denn es ist doch sonnenklar, daß die Götter sich bei ihren Benennungen eben der Wörter bedienen, die richtig und naturgemäß sind. Oder meinst du nicht? Hermogenes: So viel weiß ich ganz sicher, daß, wenn sie überhaupt Benennungen gebrauchen, sie dies in richtiger Weise tun. Aber was für welche meinst du? 64
In der Folge führt Sokrates zwei Beispiele aus dem Homer an: So heißt zum einen ein Fluss bei den Göttern anders als bei den Menschen, zum anderen nennen die Götter einen Vogel, der bei den Menschen Habicht heißt, „Chalkis“. Im weiteren Verlauf des Dialogs wird nicht mehr weiter darauf eingegangen, warum Menschen und Götter unterschiedliche Wörter für die nämlichen Dinge verwenden. Es scheint, als ob allein die Feststellung, dass die Sprache der Götter von der Sprache der Menschen verschieden ist, die Kritik an der Sprache zu einer Kritik an der Sprache und nicht an den Göttern machte, als leitete sich daraus die Legitimation der Sprachkritik ab, denn an der Sprache der Götter kann man nichts verhandeln, an der der Menschen sehr wohl.
Der Dialog offenbart seine ganze Bedeutung also nur, wenn man ihn unter ähnlichen Gesichtspunkten liest, wie man die Texte der neuzeitlichen Aufklärung liest. Seit Protagoras aus Abdera das „deus mensura“ durch das „homo mensura“ 65 ersetzt hat, musste sich die Philosophie der Wirklichkeit unter menschlichen und nicht mehr unter göttlichen Gesichtspunkten stellen. Im Kratylos diskutieren Menschen über die Sprache der Menschen, weil den Zeichen und den Dingen die göttliche Verbindung, kraft derer Wörter magische Namen der Dinge waren, abhanden gekommen ist. 66 Im Kratylos wird die Sprache erstmals bezüglich ihrer Bedeutungsfunktion untersucht. Sie ist so ein menschliches Instrument, das, um zu funktionieren, der Wartung, also der Kritik bedarf.
Nun soll noch ein Beispiel, das auch der Aufklärung als Epoche zuzuschlagen ist, Aufschluss über die Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung geben. Die Sprachkritik des englischen Empirismus findet mit John Locke (1632-1704) ihren Höhepunkt. Das gesamte, mit „Von den
64 Ebda, S. 51.
65 Vgl. Wilhelm Capelle (Hg.): Die Vorsokratiker. Die Fragmente und Quellenberichte. Stuttgart: Kröner 1968, (=Kröners Taschenausgabe. 119.), S. 327.
66 Vgl. Christian Theodor Gustav Steiner: Wider den Sprachzwang. Fritz Mauthner und die Kritik von Sprache. Graz: Phil. Dipl. 1986, S. 22 f. Dort stellt Steiner, mit Rekurs auf Karl Otto Apel, Folgendes fest: „Nach Apel ist die Frage nach der ‚orthótes onomáton’ im Kratylos ein letzter Reflex in Griechenland auf jenes (‚mystische’) Zeitalter, da der Mensch die Sprache (noch) nicht in ihrer Bedeutungsfunktion sah, sondern immer nur als Name für eine Sache, als einen mit einer magischen Kraft erfüllten Namen.“ Damit wird Platons Kratylos in den Kontext einer griechischen Aufklärung gerückt.
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Wörtern“ überschriebene dritte Buch seines 1689 erscheinen Werkes Versuch über den menschlichen Verstand 67 beschäftigt sich mit den Wörtern und der Sprache. Als mögliche Gefahren, die vom Missbrauch der Wörter ausgehen, nennt Locke erstens: „die Verwendung von Wörtern ohne klare Ideen 68 oder, was noch schlimmer ist, die Verwendung von Zeichen ohne jegliche Bedeutung“, 69 zweitens: die „Unbeständigkeit“ im Gebrauch der Wörter. 70 Ein weiterer Missbrauch der Sprache ist, drittens, „eine erkünstelte Dunkelheit, die dadurch hervorgerufen wird, daß man entweder alte Wörter in einer neuen ungebräuchlichen Bedeutung verwendet oder neue und mehrdeutige Ausdrücke einführt, ohne sie in einem dieser Fälle entsprechend zu definieren.“ 71 Ein vierter Missbrauch der Wörter besteht darin, „daß man sie für die Dinge ansieht.“ 72 Diesem Problem fallen vor allem jene Leute anheim, die ihr Denken auf ein ganz bestimmtes überliefertes System richten und davon ausgehen, „die Terminologie der betreffenden Schule entspräche so genau der Natur der Dinge“. 73 Ein fünfter Missbrauch liegt dann vor, wenn Wörter „für Dinge eingesetzt werden, die sie gar nicht bezeichnen, ja unter keinen Umständen bezeichnen können.“ 74 Dies gilt ganz besonders für die Substanznamen: So verwendet mancher das Wort „Gold“ so, als ob es etwas Konkretes wäre und nicht nur Einzeldinge bezeichnete, deren Eigenschaften unter diesem Namen subsumiert würden. 75 Der sechste und letzte Kritikpunkt an der Sprache ist ein pragmatischer: „Die Menschen haben durch langen, ihnen vertraut gewordenen Gebrauch bestimmte Ideen mit Namen verknüpft; daher nehmen sie gern eine so enge und notwendige Verbindung zwischen den Namen und der Bedeutung, in der sie gebraucht werden, an, daß sie ohne weiteres voraussetzen, man müsse ihren Sinn unbedingt verstehen.“ 76 Ein sorgloser Umgang mit Worten mag für den gewöhnlichen Umgang genügen, er „reicht aber nicht für philosophische Untersuchungen aus.“ 77
67 John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand. In vier Büchern. Bd 2. Buch III und IV. 3. Aufl. Hamburg: Meiner 1988, (=Philosophische Bibliothek. 76.) [In der Folge zitiert als: Locke, Über den menschlichen Verstand 2, S. x.].
68 Unter „Idee“ versteht Locke alles, was der Geist in sich selbst wahrnimmt oder was unmittelbares Objekt der Wahrnehmung, des Denkens oder des Verstandes ist. Vgl. John Locke: Versuch über den menschlichen Ver-stand. In vier Büchern. Bd 1. Buch I und II. 5. durchges. Aufl. Hamburg: Meiner 2000, (=Philosophische Bibliothek. 75.), S. 28.
69 Locke, Versuch über den menschlichen Verstand 2, S. 120.
70 Vgl. ebda, S. 122.
71 Ebda, S. 123.
72 Ebda, S. 128.
73 Ebda, S. 129.
74 Ebda, S. 132.
75 Oberflächlich betrachtet bleibt diese Kritik Lockes an der Sprache im Dunkeln, ihre volle Berechtigung zeigt sich erst, wenn man sie mit Lockes Philosophie als ganzer in Zusammenhang bringt. Für diese Auflistung der Gefahren der Sprache, wie Locke sie beschrieben hat, genügt es festzuhalten, dass der Satz „Gold ist dehnbar“ irreführend ist und heißen müsste: „Das, was ich Gold nenne, ist dehnbar.“
76 Locke, Versuch über den menschlichen Verstand 2, S. 136 f.
77 Ebda, S. 138.
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In dieser letzten Kritik zeigt sich nun auch die Stoßrichtung der Sprachkritik vom Standpunkt der Aufklärung: Die Sprache muss, um sich auch für hochdifferenzierte Analysen zu eignen, einer Kritik, einer Aufklärung unterzogen werden. Denn: „[d]ieser Missbrauch, die Wörter auf Treu und Glauben hinzunehmen, ist nirgends so weit verbreitet und hat nirgends so üble Folgen gehabt wie unter den Gelehrten.“ 78 Locke antizipiert Wittgensteins berühmten Satz „[d]enn die philosophischen Probleme entstehen, wenn die Sprache feiert“, 79 wenn er weiter schreibt: „Die Häufigkeit und Hartnäckigkeit der Streitigkeiten, die in den Kreisen der Intellektuellen so verderblich gewirkt haben, ist durch nichts mehr verschuldet worden, als durch diesen Mißbrauch der Sprache.“ 80 Locke selbst fasst die Gefahren, die mit dem Missbrauch der Wörter einhergehen, so zusammen:
Wer die Namen ohne Ideen besitzt, dessen Wörtern fehlt der Sinn; er spricht nur inhaltslose Laute aus. Wer die komplexen Ideen, aber keine Namen dafür besitzt, dem fehlt die Freiheit und Schnelligkeit des Ausdrucks; er ist gezwungen, Umschreibungen zu gebrauchen. Wer seine Wörter sorglos und unbeständig verwendet, wird entweder unbeachtet bleiben oder nicht ver-standen werden. Wer seine Namen auf Ideen anwendet, die von ihrer gewöhnlichen Verwendung abweichen, ermangelt der Korrektheit der Rede und spricht Kauderwelsch. Wer endlich Ideen von Substanzen besitzt, die mit der realen Existenz der Dinge nicht übereinstimmen, dem fehlt die Voraussetzung wahrer Erkenntnis und sein Verstand ist statt des wahren Materials mit Hirngespinsten angefüllt. 81
Um nun dem Sprechen Sinn zu geben und diesen Gefahren aus dem Weg zu gehen, sind nun fünf Mittel zu beachten. Erstens: „Man verwende kein Wort, ohne daß eine Idee damit verknüpft sei.“ 82 Es genügt, zweitens, nicht, „daß man die Wörter als Zeichen für irgendwelche Ideen verwendet; vielmehr müssen die Ideen, mit denen man sie verbindet […] klar und deutlich sein.“ 83 Drittens muss man auch darauf achten, „daß man seine Wörter so genau wie möglich auf jene Ideen anwendet, die der herrschende Sprachgebrauch mit ihnen verknüpft hat.“ 84 Sind doch die Wörter nicht Privatbesitz, sondern das gemeinsame Maß für den gegenseitigen Austausch. Allerdings sind die Wörter im herrschenden Sprachgebrauch nicht immer genau bestimmt, daher ist es, viertens, nach „Befolgung der obengenannten Regeln mitunter erforderlich, den Sinn der Wörter zu erklären.“ 85 Das kann durch das Anführen von Beispielen erfolgen, durch Definitionen oder sowohl durch Beispiele als auch durch Definitionen.
78 Ebda.
79 Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen. In: Ders.: Werkausgabe Bd 1. Tractatus logicophilosophicus. Tagebücher 1914-1916. Philosophische Untersuchungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984, S. 260.
80 Locke, Versuch über den Menschlichen Verstand 2, S. 138. Locke übernimmt diesen Kritikpunkt von Thomas Hobbes. Vgl. Christian Theodor Gustav Steiner: Wider den Sprachzwang. Fritz Mauthner und die Kritik von Sprache. Graz: Phil. Dipl. 1986, S. 33.
81 Locke, Versuch über den Menschlichen Verstand 2, S. 141.
82 Ebda, S. 149.
83 Ebda, S. 150.
84 Ebda, S. 152.
85 Ebda, S. 153.
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Sollten nun Menschen die Mühe scheuen, zu definieren und zu erklären, so darf man, fünftens, „doch wohl wenigstens erwarten, daß jemand bei allen Erörterungen, durch die er einen anderen belehren oder überzeugen will, immer dasselbe Wort in dem selben Sinne verwendet.“ 86
Der grundlegende Gedanke, der die Überlegungen John Lockes mit den zweitausend Jahre älteren Überlegungen Platons verbindet, ist die Überzeugung, dass Wörter und Sprache prinzipiell die Welt angemessen repräsentieren können, unterzieht man sie nur einer fundierten Kritik und entdeckt Prinzipien, die ein klares und eindeutiges Sprechen ermöglichen, wenn man sie befolgt. Wenngleich Platons Kratylos einen wesentlich prinzipielleren Charakter hat, so trifft er sich mit Locke auch in einigem Speziellen. So hält Sokrates fest, dass es bestmöglich gebildete Worte gibt, die entweder onomatopoetisch sind oder eine stringente und kohärente Etymologie aufweisen. In anderen Worten: Wörter sind dann gut, wenn sie in Gegenwart und Geschichte ihres Gebrauches in ein und demselben Sinne gebraucht werden, und wenn das, was sie bezeichnen, tatsächlich existiert.
Darüber hinaus sind die Texte miteinander noch dadurch verbunden, dass in beiden die Sprache als menschliches Geschäft gesehen wird. Den Worten kommt ihre Bedeutung nicht durch ein göttliches Prinzip zu, was Sokrates durch den Verweis auf Homer, bei dem die Götter manches anders nennen als die Menschen, gezeigt hat und was bei Locke aus seinem Empirismus folgt. Zwar kommen die Sprachwerkzeuge von Gott, allein daraus folgt aber noch keine Sprache, denn eine Sprache hinter dem Sprechen ist ein Zeichensystem, in dem Wörter Zeichen für Ideen sind. Die Sprache hängt also nicht allein von den gottgegebenen Sprachwerkzeugen ab, sondern vielmehr davon, dass der Mensch ein Mensch ist. Er mag, wie er ist, von Gott geschaffen sein, die Wörter aber, die Ideen bezeichnen, stammen, wie die Ideen selbst, aus der Erfahrung und nicht von Gott. Daher sind sie verhandelbar. Es muss noch festgehalten werden, dass die sprachkritischen Überlegungen in den Werken der beiden Denker einen je eigenen, abgegrenzten Raum einnehmen, sie sind nicht das eigentliche Ziel der Gesamtwerke als vielmehr notwendige Teile zum Verständnis dieser.
86 Ebda, S. 164.
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2. Sprachkritik vom Standpunkt des bildungsbürgerlichen Elitarismus und Konservativismus
Die in der Folge diskutierten Beispiele weisen einen durchwegs anderen Ton in der Ausei-nandersetzung mit der Sprache auf. Zwar verwies schon Locke auf das Kauderwelsch, doch nur im Status der Möglichkeit, in der Form also: Befolgst du die Regeln für einen verständlichen Sprachgebrauch nicht, sprichst du Kauderwelsch.
Die folgenden Beispiele stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert, aus der Zeit also, für die Steiner den Vertragsbruch und die Krise der Sprache bereits als gegeben annimmt. Es ist daher wesentlich zu bedenken, dass jene Texte schon auf die Krise der Sprache Bezug nehmen, ja aus ihr heraus geschrieben sind.
Die Erstausgabe von Oswald Spenglers Der Untergang des Abendlandes 87 erschien 1913. Spenglers Blick auf die Welt und die Sprache ist ein historischer. Er beschreibt den Verfall der Sprache, der seine Wurzeln in dem Umstand hat, dass jeder spricht und schreibt, ganz gleich, ob er etwas zu sagen hat oder nicht. „Nur wir leben in einer Zivilisation, in welcher die Kinder mit Selbstverständlichkeit das Schreiben wie das Gehen lernen. In allen früheren Kulturen war es eine seltene und nicht jedem zugängliche Kunst.“ 88 In allen Kulturen war die Schrift im Besitz des Priestertums, dem Spengler auch Gelehrte und Dichter zurechnet. „Der Adel verachtet das Schreiben. Er läßt schreiben. Diese Tätigkeit hatte von jeher etwas Geistiges und Geistliches.“ 89 Erst durch diese Schriftkultur wurden zeitlose Wahrheiten von Priestern auf- und festgeschrieben. Spengler beschreibt die Dichotomie zwischen Sprechen und Schreiben als den Gegensatz zwischen Burg und Dom. „Was soll hier dauern - die Tat oder die Wahrheit? Die Urkunde bewahrt Tatsachen, die heilige Schrift Wahrheiten.“ 90 Die Entstehung des Bürgertums hatte zur Folge, dass die Schrift von einer Verkünderin der Wahrheit und des Ruhmes des Adels zu einem Mittel des geschäftlichen und wissenschaftlichen Verkehrs wurde, 91 zum Medium ephemerer Belanglosigkeiten.
Im Laufe der Geschichte vollzieht sich auch „die Ablösung der Sprache vom Sprechen.“ 92 Dieser Vorgang geht der Schriftlichkeit und der Verschriftlichung ewiger Wahrheiten voraus und schon mit dieser Transformation vollzieht sich der Bruch zwischen Wort und Welt, zwischen Zeichen und Bezeichnetem. Sobald ein fester Zeichenbestand etabliert ist, verschwindet
87 Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte. Nachw. v. Detlef Felken. 26. Aufl. München: dtv 2003.
88 Ebda, S. 733f.
89 Ebda, S. 739.
90 Ebda, S. 739f.
91 Vgl. ebda, S. 740.
92 Ebda, S. 717.
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das „lebendige Zeichengeben“ 93 . Das Zeichen wird nicht nur von einer unmittelbaren Tätigkeit, dem Zeichengeben, abgetrennt, auch das Mittel, das Zeichen selbst, wird von seiner Bedeutung, dem Bezeichneten gelöst. Allein durch das Festschreiben eines Zeichens hört die Einheit zwischen dem Zeichen und der Welt auf zu existieren, denn: „Kein Zeichen, und sei es noch so bekannt und gewohnt, wird je in genau derselben Bedeutung wiederholt.“ 94 Die Etablierung eines Zeichensystems macht deutlich, dass die Sprache - losgelöst vom Sprechen - nichts weiter ist, als ein Modell der Wirklichkeit. „Das Reich der starren Zeichen ist etwas unbedingt Gewordenes und rein Ausgedehntes, kein Organismus, sondern ein System, das seine eigene, kausale Logik besitzt.“ 95 Es zeigt sich, dass Spengler diesen Prozess des Festschreibens nicht in jener Zeit verortet, in der tatsächlich die Schrift erfunden wurde, als vielmehr in jeder Zeit, in der sich das Wort, zum System verkommen, von der Natur entfernt. „[N]eben der vornehmen Gesellschaft zur Zeit der griechischen Tyrannen und der Troubadoure, neben den Fugen Bachs und den Vasengemälden des Exekias steht die Kunst der attischen Rede und der französischen Konversation, die beide wie jede andere Kunst eine strenge und langsam erarbeitete Konvention und für den einzelnen eine lange und anspruchsvolle Übung voraussetzen.“ 96 Die Lüge ist mit der Abtrennung von Sprache und Sprechen in die Welt gekommen, die Zeichen sind fest, aber die Bedeutung ist es nicht. Die Sprache als Sprachkunst, ohne Bezug zur Wirklichkeit erscheint Spengler zu jeder Zeit als leeres Geschwätz. Diese Darstellung einiger Gedanken Spenglers zeigt, wenngleich sie dem gigantischen Werk nicht ganz gerecht wird, doch einiges über die Sprachkritik vom Standpunkt des bildungsbürgerlichen Elitarismus bzw. Konservativismus. Die Kritik der Sprache verfolgt hier zunächst nicht den Zweck, die Sprache als Medium für andere Unternehmungen bereitzustellen, als vielmehr den Zweck, gegen Erscheinungen anzukämpfen, die die Sprache zweifelhaft und fragwürdig machen, indem man diese Erscheinungen benennt. Wenn John Locke von einer Sprachkrise spricht, die darin besteht, dass jemand Zeichen verwendet, die nichts bezeichnen, denen keine Ideen zugrunde liegen oder die sich aus den falschen Ideen speisen, so spricht er über jenes Kauderwelsch im Status der Möglichkeit. Spengler hingegen attestiert seiner Zeit fast gänzlich tatsächlich Kauderwelsch zu sprechen. Die Sprachkritik des bürgerlichen Konservativismus, wie Spengler ihn repräsentiert, zielt also deutlich bemerkbar gegen die Verursacher und Forttreiber der Sprachkrise. Wenn Spengler lediglich historische Strukturen als
93 Ebda.
94 Ebda.
95 Ebda, S. 718.
96 Ebda.
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Verursacher der Sprachkrise aufzeigt, so geht Martin Heidegger einen Schritt weiter und benennt für seine eigene Gegenwart die Ursachen den Sprachkrise ganz genau.
In Heideggers 1927 erschienenem Hauptwerk Sein und Zeit 97 gibt es zwei für die Krise der Sprache wesentliche Begriffe: das „Man“ und das „Gerede“. Das Man entfaltet in seiner Unauffälligkeit und Nichtfeststellbarkeit seine „eigentliche Diktatur.“ 98 Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man sieht und urteilt, wir ziehen uns aber auch vom ‚großen Haufen’ zurück, wie man sich zurückzieht; wir finden auch ‚empörend’, was man empörend findet. 99
Das Man, in dem sich jeder Mensch immer auch aufhält, zeigt sich in Phänomenen wie dem Nachrichtenwesen, also der Zeitung oder auch dem öffentlichen Verkehrswesen, in dem „jeder Andere wie der Andere“ 100 ist. Das Man umfasst die Existenz des Menschen in allen Bereichen, es bestimmt z.B. über die Zeitung, was sich gehört, was sich nicht gehört, was man gelten lässt und was nicht. „Alles Ursprüngliche ist über Nacht als längst bekannt geglättet. Alles Erkämpfte wird handlich. Jedes Geheimnis verliert seine Kraft.“ 101 Das Man darf alles, weil es niemand ist, als Öffentlichkeit bestimmt es alle Welt- und Daseinsauslegung, nicht, weil es einen privilegierten Zugang zu den Sachen selbst hätte, sondern vielmehr darum, weil es „unempfindlich gegen alle Unterschiede des Niveaus und der Echtheit ist.“ 102 „Die Öffentlichkeit verdunkelt alles und gibt so das Verdeckte als das Bekannte und jedem Zugängliche aus.“ 103 Das Verdeckte, wie Heidegger es nennt, ist das Sein der Dinge und der Welt. Auf der Ebene der Sprache entspricht dem Man das „Gerede“. Das Gerede ist das Medium des Man und der Öffentlichkeit. Indem es über alles spricht, gibt es vor, über alles Bescheid zu wissen, tatsächlich aber verdunkelt es die Sachen selbst, das Sein, nur. Der Sprache kommt in der Metaphysik Heideggers eine grundsätzliche Position zu. Der Mensch ist immer schon in die Welt hineingeboren, sie bestimmt sein Wissen von der Welt wesentlich mit. Zudem ist der Mensch immer schon in die Sprache hineingeboren, sie ist ebenso Teil seiner Existenz wie die Welt. Die fundamentale Rolle der Sprache für den Menschen zeigt sich in Heideggers
97 Martin Heidegger: Sein und Zeit. 18. Aufl. Tübingen: Niemeyer 2001. [In der Folge zitiert als: Heidegger, Sein und Zeit, S. x. ].
98 Ebda, S. 126.
99 Ebda, S. 126f.
100 Ebda, S. 126.
101 Ebda, S. 127.
102 Ebda.
103 Ebda.
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berühmtem Satz: „Die Sprache ist das Haus des Seins.“ 104 Das Sein ist für Heidegger unter bestimmten Voraussetzungen in einem praktikablen Maß sagbar.
Nun gibt es Formen des Redens, die dem Menschen helfen, sein Sein und das Sein der Welt zu ergründen; und es gibt Formen des Redens, das Gerede, das den Zugang zum Sein und der Welt verschleiert. Ihm, dem Gerede, liegt nicht primär daran die Welt zu erfassen, als vielmehr daran, dass geredet wird. Im Gerede hat die Rede, wie Heidegger den logos apophantikos, die entdeckende Rede nennt, ihren Mitteilungscharakter verloren. Und weil das Reden den primären Seinsbezug zum beredeten Seienden verloren bzw. nie gewonnen hat, teilt es sich nicht mit in der Weise der ursprünglichen Zueignung dieses Seienden, sondern auf dem Wege des Weiter- und Nachredens. 105
Die Sache ist nicht so, weil sie so und so ist, sondern die Sache ist so, weil man es sagt. Im Weiter- und Nachreden steigert sich das Gerede, dem es zu Beginn schon an „Bodenständigkeit“ fehlt, zur „Bodenlosigkeit“ und die Sätze und Worte des Geredes hängen in der Luft, bilden ein System, das in sich stimmig sein mag und das dennoch nichts über die Wirklichkeit aussagt. Der Vertrag zwischen Wort und Welt ist gebrochen. Auf der Ebene der Schriftlichkeit ist das „Geschreibe“ das Pendant zum Gerede, es speist sich nicht aus Gehörtem, sondern aus dem Angelesenen. Das Problem, das Heidegger im Gerede und Geschreibe sieht, besteht darin, dass sich der Mensch der Durchschnittlichkeit niemals aus der Durchschnittlichkeit der Öffentlichkeit erheben muss und nicht zu einem echten Verstehen gelangt, da er das Nachgeredete und Nachgeschrieben ohnedies versteht und dieses ein stimmiges System bilden kann, das dennoch bodenlos, also ohne Bezug zur Wirklichkeit, zum Sein, ist. Anders als Spengler, dessen Blick auf Wirklichkeit und Sprache ein historischer ist, der immer eine Zeit vor Augen hat, zu der es besser war, ist Heideggers Blick auf die Sprache ein systematischer und gänzlich unhistorischer. Wenngleich die Beschreibungen und Analysen des Man und des Geredes unmissverständlich den elitären Charakter von Heideggers eigener Sprache hervorheben, so zeigt sich darin dennoch das Bestreben, trotz der Krise der Sprache, durch klare Worte zu den Sachen selbst durchzudringen. Da Heideggers metaphysisches System auf der Erkenntnis fußt, dass alles Dasein dadurch mitbestimmt ist, dass der Mensch immer schon in der Welt ist, fließt auch die Krise der Sprache als Tatsache des In-der-Welt-Seins, in Heideggers Denken mit ein. Im Gegensatz zu Spengler, mit dem er Konservativismus und Elitarismus teilt, beschränkt sich Heidegger nicht allein darauf, die Verderbtheit der Sprache zu diagnostizieren, er ist auch bestrebt, eine Sprache zu finden, in der das Sein in
104 Martin Heidegger: Das Wesen der Sprache. In: Ders.: Unterwegs zur Sprache. 13. Aufl. Stuttgart: Klett-Cotta 2003, S. 166.
105 Heidegger, Sein und Zeit, S. 168.
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Arbeit zitieren:
Mag. Dr. Christopher Ebner, 2004, Fritz Mauthner und die Moderne, München, GRIN Verlag GmbH
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