Gliederung
1. Einleitung
-4-
2. Relevante Kriterien
-5-
2.1. Die Methode
-5-
2.2. Menschenbild: Idealismus vs. Realismus
-7-
2.3. Akteure und ihre Beziehungen
-9-
3. Fazit - Riezler ein IB-Theoretiker?
-13-
4. Literatur und Quellen
-14-
- 3 -
1. EINLEITUNG
Kurt Riezler veröffentlichte unter dem Pseudonym J.J. Ruedorffer im Jahr 1914 das Werk „Grundzüge der Weltpolitik in der Gegenwart“ welches im Herbst 1913 geschrieben wurde 1 . Als Vorlage dieser Arbeit dient die 1920 veröffentlichte Ausgabe, welche in ihrem Hauptbestandteil unverändert ist, jedoch um ein Nachwort unter dem Titel „Eine Untersuchung über den gegenwärtigen politischen Weltzustand“ (Sommer 1920) ergänzt wurde. 2 Folgt man der allgemeinen Beschreibung Hedley Bulls, wonach unter theory of international politics „[…] the body of general propositions that may be advanced about political relations between states, or more generally about world politics” 3 verstanden wird, so kann die These aufgestellt werden, dass Kurt Riezler 4 im Herbst 1913 ein (Früh)werk geschaffen hat, welches (sozial)wissenschaftlich gesehen, unter dem Bereich der IB-Theorie subsumiert werden kann. 5 Im Folgenden soll ein Katalog aufgestellt werden, mithilfe dessen eben dieser behauptete Charakter bzw. Anspruch „IB-Theorie zu sein“ überprüft wird. Im Zuge des Hausarbeitscharakters und der dadurch begrenzten quantitativen Möglichkeiten, kann es ich bei den zu betrachtenden Faktoren in ihrem Geltungsanspruch nur um sehr subjektive handeln, die aus dem Vergleich mit späteren Theoriegebäuden der IR gewonnen werden. Eine Abarbeitung an diesen Punkten kann das Werk Riezlers jedoch gut systematisieren und seine Kernaussagen für die weitere Diskussion fruchtbar machen.
Im Anschluss soll die Frage beantwortet werden können, ob dem entworfenen Anspruch nach, Kurt Riezler als einer der ersten Theoretiker der internationalen Beziehungen gesehen werden kann?
1 Ruedorffer, J. (1920). Grundzüge der Weltpolitik in der Gegenwart (8. und 9. Tausend). Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt. S. VII
2 Im Vorwort zum 8. und 9. Tausend verweist Riezler auf seine Begründung, das Werk trotz historischen Geschehnissen, die Annahmen seinerseits eindeutig widerlegt haben, nicht zu ändern. „Was ich damals schrieb, kann heute nur Wert haben, wenn es in Wahrheit und Irrtum als Zeugnis der Zeit stehen bleibt, wie es geschrieben war.“, ebd. S. X
3 Bull, Hedley (1972): The theory of international politics 1919 - 1969, in: Porter, Brian (Hg.) (1972): The Aberystwyth papers. International politics 1919-169, p. 30
4 im folgenden wird auf den Verweis auf sein Pseudonym J.J. Ruedorffer verzichtet, die Literaturangaben verbleiben jedoch im Original.
5 eine etwas erweiterte Beschreibung liefern Jackson und Sørensen: „The traditional core of IR [International Relations] has to do with issues concerning the development and change of sovereign statehood in the context of the larger system or society of states. That focus on states and the relations of states helps explain why war and peace is a central problem of traditional IR theory.” Jackson, R. H., & Sørensen, G. (2003). Introduction to international relations: Theories and approaches (2., rev. and expanded ed). Oxford: Oxford Univ. Press. p. 34
- 4 -
2. RELEVANTE KRITERIEN
Nach Auffassung des Autors sind folgende Kriterien relevant, um den Anspruch „IB-Theorie zu sein“ im hier gesteckten Rahmen zu erfüllen 6 :
a) Beschäftigung mit und Festlegung auf eine Methode,
b) Beschreibung des Menschenbildes, von dem ausgegangen wird und die u.a. davon abhängende Verortung auf der fiktiven Skala Idealismus - Realismus 7 .
c) Bestimmung der handelnden Akteure und die ihr Verhalten (zueinander) beeinflussenden Grundannahmen,
Theorie an sich wird hierbei vor allem als Erkenntnisinstrument gesehen, welche definiert werden kann als „Sätze von Aussagen, die in einem logischen Zusammenhang stehen, die einer wissenschaftlichen Untersuchung als Bezugsrahmen dienen, eine begrifflich-systematische Ordnung der Ergebnisse ermöglichen und zu praktischem Handeln befähigen können.“ 8 Diese Beschreibung stellt jedoch einen relativ hohen Anspruch an die IB-Theorie, dessen Erfüllung im breiten Spektrum der Lehrmeinungen häufig nur partikular aufzufinden ist. Kernfrage stellt dabei stets die folgende dar:
„Wie läßt [sic] sich das internationale System der Gegenwart begreifen, d.h. begrifflich fassen und erklären?“ 9
2.1. DIE METHODE
Hinter der Frage nach der Methode steckt jene, nach dem epistemologischen Charakter - was wird überhaupt betrachtet (Gegenstand) und wie kommt man zu Ergebnissen/Erkenntnissen über den Betrachtungsgegenstand?
Grundlegend sind zwei methodische Ansprüche zu unterscheiden - sie können in ihren reinen Varianten ebenfalls als gegenüberstehende Pole angesehen werden, zwischen denen sich die einzelnen Ansichten bewegen.
Bis ca. 1950 dominierte der Traditionalismus - geprägt durch geisteswissenschaftlichhermeneutische Methoden, v.a. der Ideengeschichte, der politischen Theorie, dem Völkerrecht und der Diplomatiegeschichte verpflichtet. Dabei geht es primär um das Verstehen gesellschaftlicher Tatbestände, eruiert aus dem inneren gesellschaftlichen Zusammenhang. 10
6 Es wurde bereits erörtert, dass dieser Kriterienkatalog keinem umfassenden Anspruch genügt. Weiterhin muss auf den Beweis verzichtet werden, dass etablierte Theorien diesen Kriterien standhalten können. Thesenartig wird hierbei jedoch von der Geltung des Kriterienkatalogs ausgegangen und auf die folgenden (Übersichts)Monographien verwiesen: Menzel (2004); Jackson/Sørensen (2003); Lemkuhl (1996); Krell (2004); Schieder/Spindler (2003)
7 Ulrich Menzel verweist darauf, „[…] daß [sic] sich die gesamte Theorie der Internationalen Beziehungen auf die vier großen Paradigmen Idealismus, Institutionalismus, Strukturalismus und Realismus zurückführen läßt [sic], wobei sich alle Lehrmeinungen zwischen den Polen Idealismus und Realismus bewegen.“ Menzel, U. (2004). Zwischen Idealismus und Realismus: Die Lehre von den internationalen Beziehungen (Orig.-Ausg., 1. Aufl., [Nachdr.]). Edition Suhrkamp, 2224. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 7
8 Haftendorn, Helga (1975): Theorie der internationalen Politik - Gegenstand und Methode der Internationalen Beziehungen. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg, S. 9f
9 ebd. S. 10
10 siehe Schieder/Spindler (2003): 21f; Menzel (2004): 44ff ; Haftendorn (1975): 13ff; Jackson/Sørensen (2003): 7f, 46-48
- 5 -
Arbeit zitieren:
2008, Kurt Riezler (J.J. Ruedorffer) „Grundzüge der Weltpolitik in der Gegenwart“ (1913), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien: Kurt Riezler (J.J. Ruedorffer) „Grundzüge der Weltpolitik in der Gegenwart“ (1913) ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien: neuer Titel erschienen: Kurt Riezler (J.J. Ruedorffer) „Grundzüge der Weltpolitik in der Gegenwart“ (1913)
Forum Geschichte 03. Von den Folgen des Ersten Weltkriegs bis zur Gege...
Gymnasium Schleswig-Holstein, ...
Hans-Otto Regenhardt
Internationale Sozialpolitik vor dem Ersten Weltkrieg
Die Anfänge europäischer Koope...
Madeleine Herren
Internationale Beziehungen aus der Perspektive nationaler Öffentlichke...
Beiträge zur Soziologie intern...
Paul Pachernegg, Christine Pichler, Christine Pilz, Dieter Reicher, Daniel Semper
0 Kommentare