[...] Hier sind allerdings keine
biographischen Daten zu diesen beiden Vertretern der Quinctilii zu erwarten.
Zum anderen bietet sich die ‘Historia Romana’ von Velleius Paterculus an, in
welcher man mehr persönliche Informationen über die Quinctilii erhält als bei
Caesar, jedoch eingeschränkt durch ihre Relevanz für den Verlauf der
römischen Geschichte. Allerdings ist bei Velleius darauf zu achten, daß
seine Berichte nicht wertungsfrei sind und er Varus die alleinige
Verantwortung für die Niederlage im Teutoburger Wald unterstellt.
Zum Verständnis der politischen Vorgänge in Rom in den Jahren 60 v. Chr.
bis 40 n. Chr. ist Ronald Symes ‘The Roman Revolution’ sehr nützlich. Hier
wird vor allem auf die Motivationen der Politiker dieser Zeit und ihre Stellung
im Machtgefüge Roms eingegangen.
Die beste Möglichkeit, sich einen weitgehend vollständigen Überblick über
alle zu den Lebensläufen der Quinctilii verfügbaren Details zu verschaffen,
stellen die Artikel über die Quinctilii von den Verfassern Hans Gundel und
Walter John in ‘Paulys Realenzyklopädie der Klassischen
Altertumswissenschaft’ dar. ‘The Augustan Aristocracy’ von Ronald Syme gehört wohl zu der aktuellsten
Literatur zum Thema. Hier findet sich eine ausführliche Abhandlung über P.
Quinctilius Varus und seine verwandtschaftlichen Beziehungen. Da Syme
sich nur mit den Zeitgenossen von Augustus beschäftigt, schließt dies den
Großvater und Vater von Varus aus.
Die Vorgehensweise in dieser Arbeit folgt chronologisch den Generationen,
um so auch eine eventuelle Entwicklung aufzeigen zu können. Die
Gliederung für jedes dargestellte Familienmitglied ist die, daß zuerst eine
kurze Darstellung der politischen Lage zu dessen Lebzeiten am Anfang des
Kapitels steht, welcher dann eine ausführliche Beschreibung des
persönlichen Werdegangs folgt. Am Ende steht eine Deutung des
Verhältnisses zu Augustus aufgrund der vorliegenden Informationen.
In einer Schlußbetrachtung werden die vorgestellten Mitglieder der Qunctilii
in ihrem jeweiligen Verhältnis zu Augustus in einen Zusammenhang gestellt.
Der Anhang enthält eine Liste der verwendeten Literatur und Quellen sowie
die Stammbäume der Quinctilii und der Familie des Augustus. Die
Numerierung der Quinctilii folgt der Numerierung in ‘Paulys
Realenzyklopädie der Klassischen Altertumswissenschaft’.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Sex Quinctilius Varus (Nr.4)
1. Politische Lage
2. Persönlicher Werdegang
3. Verhältnis zu Augustus
III. Sex. Quinctilius Varus (Nr. 17)
1. Politische Lage
2. Persönlicher Werdegang
3. Verhältnis zu Augustus
IV. P. Quinctilius Varus (Nr. 20)
1. Politische Lage
2. Persönlicher Werdegang
3. Varus’ Schwestern
4. Verhältnis zu Augustus
V. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht das historische Verhältnis der Mitglieder der Familie Quinctilii Varii zu Caesar Augustus. Dabei wird analysiert, wie sich dieses Verhältnis über mehrere Generationen wandelte und inwieweit Publius Quinctilius Varus innerhalb seiner Familie eine Sonderstellung in Bezug auf seine Nähe zum Herrscherhaus einnahm.
- Politische Entwicklung und dynastische Politik unter Augustus
- Biographische Analyse der drei Generationen der Quinctilii Varii
- Bedeutung von Heiratsverbindungen für den politischen Aufstieg
- Reaktion der alten Führungsschicht auf den Übergang zur Monarchie
Auszug aus dem Buch
3. Varus’ Schwestern
In Bezug auf Varus’ Verhältnis zu Augustus lohnt es sich, einen näheren Blick auf die verwandtschaftlichen Beziehungen zu werfen, die Varus mit Hilfe seine Schwestern knüpfte. Varus hatte drei Schwestern, für die er schon in den Jahren 30 - 25 v. Chr. Vorkehrungen traf, als er noch ein junger Mann war.
Die erste Quinctilia ging an L. Nonius Asprenas. Dieser war der Sohn eines Konsuls aus einer neuen Familie (suff. 36) und ein enger Freund von Caesar Augustus. Allerdings wurde Asprenas eines kriminellen Vergehens angeklagt, für das er zwar einen Freispruch erzielte, aber in jedem Fall ein Konsulat verwirkte. Seine Schwester, Nonia Polla war übrigens die Gattin von Volusius, welcher ein Vetter ersten Grades von Tiberius Claudius Nero war.
Eine andere Quinctilia wurde mit dem Patrizier Cornelius Dolabella verheiratet. Sein Vater wurde 44 v. Chr. vom Diktator zum Konsul ernannt, woraus man entnehmen kann, daß auch diese Familie den Caesaren nahe stand. Der Sohn aus dieser Ehe taucht als junger Adeliger in der Gesellschaft von Caesars Erben auf, als Alexandria erobert wurde: er leitete die Verhandlungen mit der Königin von Ägypten.
Die dritte Schwester verheiratete Varus mit Sextus Appuleius (cos. 29). Julius Caesar hatte dessen Vater, welcher mit Octavia, der Halbschwester von Augustus, verheiratet war, unter die Patrizier gewählt. Der Vater wurde ein ‘flamen Julialis’ und fand eine Ruhestätte im Mausoleum der Julii. Der Bruder von Sextus Appuleius (cos.29), Marcus Appuleius, war im Jahre 20 v. Chr. Konsul. Der Sohn von Sextus Appuleius (cos.29) war zusammen mit Sex. Pompeius im Jahre 14 n. Chr. Konsul.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der familiären Beziehungen der Quinctilii Varii zu Augustus und Erläuterung der methodischen Vorgehensweise.
II. Sex Quinctilius Varus (Nr.4): Untersuchung des Großvaters von P. Quinctilius Varus, dessen politisches Wirken in der Ära des Triumvirats und dessen wahrscheinliche Gegnerschaft zu Caesar.
III. Sex. Quinctilius Varus (Nr. 17): Analyse des Vaters von P. Quinctilius Varus, der als erklärter Gegner von Caesar und Augustus auf der Seite des Pompeius kämpfte.
IV. P. Quinctilius Varus (Nr. 20): Detaillierte Darstellung des Werdegangs von Publius Quinctilius Varus, inklusive seiner politischen Karriere, seiner verwandtschaftlichen Netzwerke und seines engen Verhältnisses zu Augustus.
V. Schlußbetrachtung: Fazit über die Integration der Quinctilii in die neue aristokratische Monarchie des Augustus und die Einordnung der Rolle von Varus.
Schlüsselwörter
P. Quinctilius Varus, Caesar Augustus, Quinctilii, Römisches Reich, Antike, Familienpolitik, Dynastie, Clades Variana, Kaiserzeit, Aristokratie, Römische Geschichte, Heiratsbündnisse, Senatsadel, Politische Karriere.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das sich wandelnde Verhältnis der Familie Quinctilii Varii zu Augustus im Laufe dreier Generationen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die politische Geschichte der römischen Spätrepublik und frühen Kaiserzeit, dynastische Heiratsstrategien und das Machtgefüge unter Augustus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum sich das Verhältnis der Familie zu den Caesaren von einer Gegnerschaft (beim Großvater und Vater) zu einer engen Gunstbeziehung (bei P. Quinctilius Varus) entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung folgt einer chronologischen und genealogischen Methode, um die Entwicklung der Familienmitglieder im Kontext der politischen Lage ihrer Zeit darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Lebensläufe, Ämter und das politische Umfeld von drei Generationen der Quinctilii.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Dynastie, Augustus, Varus, Adel, politische Gegnerschaft und verwandtschaftliche Netzwerke geprägt.
Welche Rolle spielten die Schwestern von Varus für seinen Aufstieg?
Varus nutzte geschickte Heiratsverbindungen seiner Schwestern, um sich mit einflussreichen Patrizierfamilien zu verbünden und so seine Nähe zum Herrscherhaus zu festigen.
War die Niederlage im Teutoburger Wald der einzige Grund für den Statusverlust der Familie?
Nein, die Niederlage markierte zwar das Ende von Varus' Karriere, jedoch zeigt die Arbeit, dass das Ansehen der Familie durch die vier Neffen von konsularischem Rang eine Zeit lang geschützt blieb.
- Arbeit zitieren
- Ulrike Kemper (Autor:in), 1996, Das Verhältnis der Quinctilii Varii zu Caesar Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17016