ten wie mit einem Hund redet. Überdies ist es sehr unprofessionell, Nachrichten bloß nach eigener Meinung zu sortieren. Damit der Leser wirklich informiert ist, sollte sich der Chefredakteur mindestens eine weitere Meinung einholen. Als der Volontär mit dem „Künstlernamen“ „Doktor Irrgang“ - unter anderem hier erkennt man, dass das Stück eine Satire ist - noch eine Nachricht benötigt, um fünf Zeilen Platz in einem gekürzten Artikel zu füllen, hofft er darauf, dass im Verlauf des Tages noch „etwas Brauchbares [an Nachrichten]“ hereinkäme. Doch Münzer ist über diese Idee wenig erfreut, vielmehr verspottet er „Doktor Irrgang“: Er hätte besser „Säulenhei- liger“werden sollen. Münzer sagt, dass man, wenn man eine Nachricht braucht und keine hat, einfach eine erfinden soll. Ohne nachzudenken schreibt er einige Zeilen nieder und gibt diesen Text Doktor Irrgang. Als er und Fabian den Text lesen, sind sie entsetzt, denn Münzer hat eine Nachricht über Straßenkämpfe in Kalkutta erfunden, in denen es 14 Tote und 22 Verletzte geben habe. Das Verhalten des Chefredakteurs ist auch hier wieder sehr ungewöhnlich. Eine Zeitung soll den Leser über aktuelle Ereignisse unterrichten und nicht mit ausgedachten Nachrichten locken. An diesem Beispiel wird aber auch der Charakter der Satire noch einmal klar: Erich Kästner stellt das Verhalten Münzers überspitzt dar. Zudem verwendet er die Übertreibung: Münzer kommandiert alle, Münzer belügt alle (die Leserschaft der Zeitung), Münzer handelt ganz so, wie es ihm gefällt. Später redigiert der Chefredakteur die Rede des Reichskanzlers und streicht dabei halbseitenlange Textpassagen nach seinen Vorstellungen. Im letzten Satz der Textpassage wird Münzers Absicht deutlich: Als Fabian fragt, warum das Blatt nicht eingestellt wird, da es doch eh nur nach Wünschen Münzers gestaltet ist, fragt dieser, wovon man leben solle, wenn man den Verkauf einstelle. Hier wird deutlich, dass es Münzer einzig und allein ums Geld geht.
Abschließend kann man sagen, dass die Redaktion sehr ungewöhnlich aufgeteilt ist: Der Chef Münzer hat seine Laufburschen und Stenotypistinnen, die alles in Windeseile erledigen müssen. Er selber aber nimmt sich aus einem Haufen von Texte einige wenige heraus und zerschneidet diese nach seinen Wünschen. Auch schreckt er nicht davor zurück, seine Leser anzulügen; so kann eine Meinungsbildung durch die Zeitung nicht gewährt werden. Aber diese übertriebenen Darstellungen sind gerade die Teile, die eine Satire ausmachen. Chefredakteur Münzer ist die treibende Kraft, die dafür sorgt, dass aus einem „normalem Text“ eine Satire wird.
Arbeit zitieren:
Tim Blume, 2009, Erich Kästner: „Fabian“, in der Zeitungsredaktion – eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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