Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Plastik in seinen Anfängen 2
2.1 Vorteile des Kunststoffs gegenüber natürlichen Produkten 2
2.1.1 Ein kurzer Überblick 2
2.1.2 Plastik - Ein Lebensgefühl 4
2.1.2.1 Vom Luxus für die Unterschicht zum Lebensgefühl 4
2.1.2.2 Die Hygienegesellschaft - „Amerika wurde vollständig in Zello-
phan gehüllt.“ 6
2.1.2.3 Frauenmode - Nylonmanie in den USA 8
2.2 Plastik fühlt sich einfach gut an - Die Verbreitung und Durchsetzung des Plastiks in
alle Ecken des Lebens. 10
2.2.1 Der Zweite Weltkrieg - Katalysator der Kunststoffverbreitung. 10
2.2.2 Plastik als Erleichterung des Lebens 11
3. Plastik heute 12
3.1 Superwerkstoffe 12
3.2 Was täten wir ohne Kunststoffe? - Eine Frage des Ausgangsstoffs 13
3.3 Plastik in der Umwelt 14
4. Schlussbemerkung 16
Anhang
Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Kunststoff. Ein Stoff mit einer unglaublichen Erfolgsgeschichte und dessen Entwicklung nur zu oft von Zufall bestimmt war. Ein Stoff, der sowohl das alltägliche Leben, als auch das Lebensgefühl grundlegend veränderte - und es zum Großteil vereinfachte. Ein Stoff, dessen Verwendungszwecke nicht vielfältiger sein könnten und ein Stoff, von dem wir Menschen kaum abhängiger sein könnten. Ein Stoff, der zwiespältige Meinungen hervorruft, den wir aber doch alle für unser tägliches, modernes Leben brauchen. Ein Stoff, der die Forscher seit über 150 Jahren beschäftigt und noch weit bis in die Zukunft beschäftigen wird.
Kunst-Stoff, ein Wort, das für unzählige Arten von Plastik steht und einfacher nicht zu definieren sein könnte: Ein künstlicher Stoff, den die Natur so nicht hervorgebracht hat, sondern vom Menschen synthetisch hergestellt wurde.
Dabei war das gar nicht von Anfang an so. Die ersten Kunststoffe bestanden aus natürlichen Polymeren 1 und waren auch noch biologisch abbaubar. Erst später entfernte man sich von der Natürlichkeit des Plastiks und schuf immer neue Superkunststoffe, die immer neue Wunder vollbrachten.
In dieser Hausarbeit soll durchleuchtet werden, wie Kunststoffe seit ihrer marktreifen Erfindung unser Leben verändert haben und wie abhängig wir von ihnen geworden sind. Es werden viele Vorteile des Plastiks zur Sprache kommen, aber auch die Nachteile dieses Wundermaterials dürfen nicht unerwähnt bleiben.
2. Plastik in seinen Anfängen
2.1 Vorteile des Kunststoffs gegenüber natürlichen Produkten
2.1.1 Ein kurzer Überblick
Schon lange vor dem 19. Jahrhundert haben die Alchimisten einen Stoff herzustellen versucht, der die Unzulänglichkeiten der natürlichen Stoffe umging. So hat schon Schobinger im 16. Jahrhundert nach einem vermutlich alten Rezept einen Kunststoff aus Magerkäse, also Milchproteinen hergestellt. 2 Dieses erste Plastik war ein duroplastischer Kunststoff,
1 Großkettige Moleküle.
2 Vgl. Udo Tschimmel: Die Zehntausend-Dollar-Idee: Kunststoff-Geschichte vom Zelluloid zum Superchip.
Düsseldorf, Wien, New York 1991, S.12f.
2
der nicht wiedereinschmelzbar war und zersprang, wenn er auf den Boden fiel oder auf ihn eingehämmert wurde. Trotzdem konnte man aus ihm, da er gut formbar war, fabelhafte Schalen mit verschiedenen Färbungen herstellen.
1846 wurde von C.F. Schönbein - durch Zufall - die Schießbaumwolle (Salpeter- und Schwefelsäure werden hier auf Baumwolle gegeben) entdeckt, die den Vorteil hatte, dass sie nahezu rauchfrei verbrannte und hochexplosiv war. Leider so hochexplosiv, dass bei ihrer Herstellung oftmals die Fabriken in die Luft flogen und ihre Verwendung und Produktion somit wieder eingestellt wurden. 3
Nach der Erfindung des Kollodiums durch Schönbein, dessen Grundlage ebenso die Baumwolle war und das zunächst als Wundpflaster diente, entwickelte Alexander Parkes das Parkesin aus den Bestandteilen Baumwolle, Salpeter- und Schwefelsäure, sowie Rohbenzin, Pflanzenöl und Kampfer. Das Parkesin wurde dann für allerlei Gegenstände wie Messergriffe und Schmuck verwendet, da es leicht einzufärben war, ähnelte es den Naturstoffen täuschend. Doch da Parkes für die Massenherstellung minderwertige Baumwolle verwendet hatte, verzogen sich die Messergriffe und Kämme wellten sich. Damit ging das Parkesin mit seinem Erfinder unter. 4
1865 wurde immer deutlicher, dass es an ausreichend Elfenbein mangelte. Elfenbein war im 19. Jahrhundert weit verbreitet als Besteckgriffe, Schmuck und vor allem in Form von Billardkugeln! Die Gier nach diesem Material hatte mittlerweile fast alle Elefanten ausgerottet und so bestand die Notwendigkeit, einen neuen Stoff zu entwickeln, der dieselben Eigenschaften als Billardkugel besaß, denn dieses Spiel war zu der Zeit sehr beliebt und verbreitet. 5
Auf die Umstände, wie und warum John W. Hyatt dazu kam, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Wichtig ist, dass er das Zelluloid erfand, welches dem Kollodium sehr ähnlich ist, jedoch fantastische Eigenschaften aufwies: Es konnte hart wie Horn, aber auch weich wie Leder sein und ließ sich in jede beliebige Farbe und Farbvariation einfärben. Hier war nun endlich ein Stoff gefunden, der alle möglichen Unzulänglichkeiten von Naturstoffen umging und jeglicher Form und Anwendung gefällig war. Und: Er ersetzte das Elfenbein (wenn auch mit anfänglichen Schwierigkeiten, da die Zelluloidbillardkugeln leicht explodierten, wenn sie aufeinandertrafen). 6
3 Vgl. Stephen Fenichell: Plastic. Unser synthetisches Jahrhundert. Originaltitel: Plastic. The Making of a
Synthetic Century. Berlin 1997, S.37-41.
4 Tschimmel, vgl. S. 20 - 27.
5 Vgl. Fenichel, S.52.
6 Vgl. ebd., S.53-57.
3
2.1.2 Plastik - Ein Lebensgefühl
2.1.2.1 Vom Luxus für die Unterschicht zum Lebensgefühl
Zelluloid war der Stoff der Träume, denn er hielt, was das Parkesin versprochen hatte: Ab 1880 wurden, nachdem es sich als Zahnersatz nicht wirklich etabliert hatte, Spielsachen, Dosen, Kämme, Messergriffe, Brillengestelle und sogar Hemdkragen daraus produziert 7 -und diese Stücke verzogen sich nicht nach kurzem Gebrauch. Der Zelluloidkragen hatte zudem den Vorteil, dass er nicht gestärkt und gebügelt werden musste und von Schmutz ganz einfach mit einem Lappen zu reinigen war. „Der Zelluloidkragen wurde zum Symbol für das Streben nach Mittelklasse-Respaktabilität - und natürlich auch dafür, daß man sie noch nicht erreicht hatte.“ 8 Denn die Unterschicht trug diesen Kragen mit Stolz, während die Reicheren, die sich genug Bedienstete für die Arbeit des Hemdenstärkens leisten konnten, mit gerümpften Nasen auf das Bemühen der Ärmeren dazuzugehören, hinabsahen. 9 Andere Produkte aus Zelluloid waren auch deshalb so beliebt, weil es jede natürliche Färbung täuschend echt imitieren konnte und sich nun auch weniger gut bemittelte Frauen „Perlmutt“- oder „Korallen“-Schmuck leisten konnten. Es galt sogar als schick, „ein halbes Kilo Zelluloid in Form von Schmuck und Accessoires zu tragen“ 10 .
Als 1902 Leo Baekeland das Bakelit erfand, entwickelte sich ein neuer Trend, denn Kameras wurden nun immer kleiner und bezahlbarer und das Radio setzte sich als Informationsquelle durch.
Baekeland, selbst begeisterter Fotograf, erfand zunächst ein neues Fotopapier, mit dem man Fotos schneller entwickeln konnte. 11 Hauptaugenmerk der Chemiker der Zeit lag jedoch darauf, einen Stoff zu finden, der Stromkabel wirkungsvoll isolierte und der auch bei höheren Belastungen nicht durchschmorte. 12 Baekeland beteiligte sich an der Suche nach dem Material, das diese Eigenschaften besitzen sollte und experimentierte mit Phenolharzen, bis er schließlich mit Hilfe von Säuren und Laugen das Bakelit hergestellt hatte.
7 Vgl. Tschimmel, S. 36.
8 Fenichel, S.63.
9 Vgl ebd., S.62f.
10 Tschimmel, S 36.
11 Vgl. Ebd., S. 55.
12 Vgl. ebd., S. 57f.
4
Arbeit zitieren:
Miriam Marie Hirschauer, 2010, Plastik - Ein Material verändert die Gesellschaft , München, GRIN Verlag GmbH
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