Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung und Forschungsstand 3
2. Isokrates und sein Verhältnis zu Philipp. 5
2.1. Historischer Kontext zur Entstehung von Isokrates Philippos. 5
2.2. Inhalt und Absicht von Isokrates Philippos 7
2.3 Isokrates Philippos als Bitte um königliches Patronat. 8
3. Speusippos und sein Verhältnis zu Philipp 10
3.1 Historischer Kontext zur Entstehung von Speusippos Brief an Philipp II. 11
3.2 Inhalt und Absicht von Speusippos Brief an Philipp II. 12
3.3. Speusippos gescheiterter Versuch, in der Gunst des Königs aufzusteigen. 14
4. Schlusswort 15
5. Literatur. 17
5.1 Quellen, Bearbeitungen und Übersetzungen. 17
5.2 Sekundärliteratur 17
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1. Einleitung und Forschungsstand
Philipp II. ist der Nachwelt vor allem als Vater von Alexander dem Großen in Erinnerung geblieben. Meist unbekannt hingegen ist die Tatsache, dass Alexanders Erfolge ohne die Vorarbeit seines Vaters kaum möglich gewesen wären. In seiner Regierungszeit 359-336 gelang Philipp nicht nur die „innere und äußere Konsolidierung des makedonischen Staates“ 1 , auch konnte er durch geschickte Diplomatie und eine Reform des Heerwesens, die Hegemonie über Griechenland erringen. In der Gründung des Korinthischen Bundes 337 fand diese Hegemonie ihre Legitimation. Zugleich war eine bis 323 dauernde Friedensordnung geschaffen worden. 2 Diese beeindruckenden Leistungen schufen nicht nur die Voraussetzungen dafür, dass Alexander sich in einem Feldzug nach Osten gegen die Perser wenden konnte, auch bewogen sie Theopompos zu seiner Einschätzung, Philipp sei der mächtigste König seiner Zeit. 3
Jener Theopompos ist uns heute hauptsächlich als antiker Publizist und Geschichtschreiber bekannt, doch Erfahrungen sammelte er auch als Rhetoriker an der Rhetorikschule des Isokrates, eines berühmten Logographen aus Athen, der sich neben dem Abfassen von Gerichtsreden vor allem durch politische Schriften einen Namen machte. So unter anderem auch durch einen offene Rede, die er 346 an Philipp II. von Makedonien sandte. In diesem, in der Wissenschaft als Philippos bezeichneten Schreiben wird Isokrates‘ promakedonische Haltung deutlich, die er mit vielen anderen athenischen Intellektuellen teilte. Diese erhofften sich durch ihre promakedonischen Aussagen unter anderem die Gönnerschaft des makedonischen Königs, dessen Macht 346 schon die der führenden griechischen Poleis überflügelt hatte. 4
Isokrates‘ Schule war auch bemüht, sich in ihrem philosophischen Schaffen von der athenischen Konkurrenz abzugrenzen, so etwa von der Akademie Platons, dessen Leitung nach dessen Tod 347 von Speusippos übernommen wurde. Während Platon sich um kein gutes Verhältnis zum makedonischen Königtum bemühte, war es die Absicht von Speusippos’ Brief an Philipp II. von 343/42, eben jenes Verhältnis wieder auszubauen. Genau wie
1 Dobesch, Gerhard: Der Panhellenische Gedanke im 4. Jh. v. Chr. und der "Philippos" des Isokrates.
Untersuchungen zum Korinthischen Bund I., Wien, 1968, S.1.
2 Engels, Johannes: Philipp II. und Alexander der Große, Darmstadt, 2006, S. 4-5.
3 FGrHist 115 F 27.
4 Natoli, A.F.: The Letter of Speusippus to Philipp II. Introduction, Text, Translation and Commentary,
Stuttgart, 2004, S. 51.
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Isokrates ging es auch ihm unter anderem um die Erlangung königlichen Patronats für die eigene Schule.
Diese beiden Schreiben und ihr Versuch zur Erlangung königlichen Patronats bilden das Thema für diese Hausarbeit. Dabei soll aufgezeigt werden, dass Isokrates und seine Schule ein weitaus besseres Verhältnis zum makedonischen Königshof hatten als es die platonische Akademie genoss.
Da Speusippos‘ Brief einige Jahre später und in einem anderen historischen Kontext als Isokrates‘ Philippos verfasst wurde, werde ich zunächst das Schreiben des Isokrates untersuchen. Dabei gehe ich zu Beginn kurz auf Isokrates‘ Leben und dessen Beziehung zu Philipp ein. Im Unterkapitel 2.1 werde ich dann den historischen Kontext zur Entstehung des Philippos erläutern und in 2.2 kurz den Inhalt wiedergeben, um dann in 2.3 zu untersuchen, inwiefern der Text als Bitte um königliches Patronat gelesen werden kann. In gleicher Struktur folgt dann die Auswertung von Speusippos‘ Brief an Philipp II. Nach einer kurzen Darstellung von Speusippos‘ Leben und seinem Verhältnis zu Philipp werde ich in 3.1 aufzeigen, inwieweit sich die Begebenheiten der damaligen Zeit, seit der Abfassung des Philippos, geändert haben und schließlich in 3.2 den Inhalt des Briefes darstellen, wobei wieder die Bitte um königliche Gunst im Vordergrund stehen soll. Auch aber soll geprüft werden, inwieweit der Brief ein Angriff auf Isokrates‘ Philippos ist. 3.3 stellt dann heraus, dass Speusippos mit seinem Versuch in der königlichen Gunst zu steigen, gescheitert ist. Im Fazit schließlich werde ich nochmal zusammenfassend herausarbeiten, warum Isokrates und seine Schule am Hofe des Königs mehr Einfluss hatte als die platonische Akademie. Bei wörtlichen Zitaten aus den beiden behandelten Schreiben werde ich die deutsche Übersetzung angeben, in den Fußnoten jedoch auf den entsprechenden Paragraphen im Original verweisen. Die Übersetzung von Isabelle Ley-Hutton aus dem Jahr 1993 wird für Isokrates‘ Philippos herangezogen. Gleichwohl zu Speusippos‘ Brief an Philipp II. eine aktuelle englische Bearbeitung samt Übersetzung von Anthony Francis Natoli aus dem Jahr 2007 vorliegt, werde ich zur besseren Lesbarkeit aus der deutschen Übersetzung von Elias Bickermann und Johannes Sykutris zitieren, die 1928 für die erste Bearbeitung des Briefes verantwortlich waren. Desweiteren bieten Gerhard Dobeschs Untersuchungen über den panhellenischen Gedanken und Minor M. Markles Aufsatz über die Unterstützung des athenischen Adels für Philipp weitere wichtige Gedanken für diese Arbeit. Für ereignisgeschichtliche Daten und Zusammenhänge bilden Johannes Engels‘ Zusammenfassung über das Wirken von Philipp II. und Alexander dem Großen in der Reihe
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Geschichte Kompakt sowie Ian Worthingtons aktuelle Philipp-Biografie von 2008 die Grundlage für diese Arbeit.
2. Isokrates und sein Verhältnis zu Philipp
Isokrates wurde um 436 geboren. Um 390 eröffnete er in Athen eine Schule der Redekunst und verfasste neben seinen philosophischen Schreiben auch einige politische Reden. 5 Im Panegyrikos (380) entwickelte er erstmals sein Konzept eines panhellenischen Kriegszuges gegen das Perserreich. Zwar war Isokrates nicht der erste, der diese Idee unterstützte, doch wurde er in der Folge zu einer Art „literarisches Haupt“ 6 der panhellenischen Bewegung. Anfangs hoffte Isokrates noch, dass die Griechen eine Versöhnung untereinander erreichen würden und unter der Führung von Sparta und Athen in den Krieg gegen die Perser ziehen könnten. Doch nachdem er eingesehen hatte, dass diese innergriechische Einigung nicht zu Stande kam, wandte er sich Philipp II. zu. 7
Dieser Schritt lässt sich einfach damit erklären, dass Philipp zum damaligen Zeitpunkt über die meiste „politische Handlungsfreiheit“ und „solche Finanz- und Machtmittel verfügte wie sonst keiner der Hellenen.“ 8 So stellte Isokrates in seinem Schreiben an Philipp heraus, wie sehr sich eine mächtige Einzelperson als Führer für den Panhellenismus eigne. 9
2.1. Historischer Kontext zur Entstehung von Isokrates‘ Philippos
Ursprünglich hatte Isokrates die Arbeiten für ein Schreiben an Philipp mit der Absicht begonnen, die beiden Parteien, Athen und Makedonien, im Krieg um Amphipolis zu Friedensverhandlungen zu bewegen. 10 Doch innerhalb Athens hatte der seit 357 laufende Konflikt mit Philipp, der ohne nennenswerte Erfolge für den Polisstaat verlief, Kriegsmüdigkeit hervorgerufen, was dazu führte, dass man Friedensverhandlungen mit Philipp aufnahm, „bei denen der König militärisch und diplomatisch in der stärkeren
5 Isocrates, Sämtliche Werke. Band I. Reden I-VIII. Übersetzt von Christine Ley-Hutton. Eingeleitet und erläutert von Kai Brodersen, Stuttgart, 1993, S. 1-2.
6 Dobesch, 1968, S. 56.
7 Zucker, Friedrich: Isokrates‘ Panathenaikos. In: Seck, Friedrich: Isokrates, Darmstadt, 1976, S. 227-253. Hier: S. 229.
8 Dobesch, 1968, S. 59.
9 Isokrates Philippos § 127.
10 Dobesch, 1968, S. 61. 5
Arbeit zitieren:
Fabian Wilhelmi, 2010, Isokrates‘ Philippos und Speusippos‘ Brief an König Philipp II. als Bitte um königliches Patronat, München, GRIN Verlag GmbH
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