Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Theorie-Theorie, Simulationstheorie und deren Kritik
aus phänomenologischer Perspektive 4
2.1. Theorie-Theorie und Simulationstheorie 4
2.2. Phänomenologische Kritik an TT und ST 5
3. Interaktionstheorie 6
3.1. Direkte Wahrnehmung 6
3.2. Primäre und sekundäre Intersubjektivität 9
3.3. Die Narrative Practice Hypothesis (NPH) 12
4. Fazit / Ausblick 14
5. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Wie verstehen wir andere? Auf welchem Wege erlangen wir Kenntnis von deren Gefühlen, Wünschen und Absichten? Um dies zu erklären, wird in der philosophischen Diskussion häufig auf den Begriff der theory of mind zurückgegriffen. Dieser Begriff wird verwandt, um auf unsere Fähigkeit zu verweisen, anderen mentale Zustände zuzuschreiben und diese zu verstehen. In der zeitgenössischen Debatte herrschen zwei Ansätze vor, welche diese Fähigkeit auf unterschiedliche Arten erklären: die Theorie-Theorie (TT) sowie die Simulationstheorie (ST). 1
Beide Ansätze werden aus Sicht der Phänomenologie jedoch scharf kritisiert. Aus phänomenologischer Perspektive sind bereits die grundlegenden Annahmen dieser beiden Ansätze abzulehnen. Als Alternative zu TT und ST stellt GALLAGHER daher einen eigenen Vorschlag zur Diskussion: die Interaktionstheorie (IT).
Zunächst werde ich im Folgenden die Ansätze von TT und ST kurz vorstellen. Anschließend daran werde ich erläutern, an welchen Punkten diese Theorien aus phänomenologischer Perspektive zu kritisieren sind. Im darauf folgenden Teil der Arbeit werde ich die IT von Gallagher ausführlich darstellen. Anhand der wesentlichen Elemente dieses Ansatzes werde ich den Erklärungsgehalt und die Schlüssigkeit der IT kritisch hinterfragen. Als Resultat dieser Untersuchung möchte ich feststellen, ob die IT eine ernstzunehmende, umfassende Alternative zu TT und ST bietet.
1 Vgl. Gallagher/Zahavi, S. 171f.
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2. Theorie-Theorie, Simulationstheorie und deren Kritik aus phänomenologischer Perspektive
Im den folgenden Abschnitten werde ich zunächst die TT und die ST erläutern und in einem weiteren Schritt deren Kritik aus phänomenologischer Perspektive darstellen.
2.1. Theorie-Theorie und Simulationstheorie
Sowohl TT als auch ST gehen von der Annahme aus, dass wir, sofern wir versuchen, die Handlungen anderer zu verstehen, uns bemühen, deren mentale Zustände zu ergründen. Diese sind uns jedoch nach Ansicht der Vertreter von TT und ST nicht direkt zugänglich. Demzufolge müssen wir, um das Verhalten anderer zu verstehen, deren Überzeugungen, Wünsche und Intentionen erschließen, indem wir sozusagen ihre „Gedanken lesen“. 2 Wie dieser Prozess vonstatten geht, wird von der TT und der ST unterschiedlich betrachtet.
Vertreter der TT gehen davon aus, dass wir über eine Theorie verfügen, mit Hilfe derer wir andere verstehen. Diese Theorie ist insofern vergleichbar mit einer wissenschaftlichen Theorie, als sie wesentliche Charakteristika einer solchen, wie beispielsweise Erklärungskraft und Voraussagbarkeit, beinhaltet. 3 Diese Theorie greift nach Ansicht der TT auf die Alltagspsychologie zurück und versucht die Handlungen anderer anhand deren mentaler Zustände, in erster Linie von Überzeugungen und Wünschen, zu erklären und vorauszusagen. 4
Aus Sicht der ST brauchen wir jedoch keine solche Theorie. Vielmehr bietet unserer eigener Geist die Basis dafür, dass wir andere verstehen. 5 Die ST geht davon aus, dass wir unseren eigenen Geist als Modell zugrunde legen, um die mentalen Zustände anderer zu simulieren. Zwar streiten Vertreter der ST nicht prinzipiell ab, dass wir über Wünsche und Überzeugungen verfügen, jedoch liegt ihrer Ansicht nach der wichtigste
2 Vgl. Gallagher/Hutto, S. 18.
3 Vgl. Gopnik/Wellman, S. 147.
4 Vgl. Gopnik/Wellman, S. 156.
5 Vgl. Gallagher/Hutto, S. 18.
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Prozess, um andere zu verstehen, in der Simulation ihrer mentalen Zustände auf Basis des eigenen Geistes. 6
2.2. Phänomenologische Kritik an TT und ST
Aus phänomenologischer Perspektive bieten sowohl TT als auch ST Anlass zu umfassender Kritik. Zunächst wird die Ansicht kritisiert, die theoretischen oder simulierenden Prozesse würden bewusst oder explizit ablaufen. Wenn dies so wäre, müssten sich diese auch in der Erfahrung wahrnehmen lassen, dies ist jedoch aus phänomenologischer Sicht selten der Fall. 7
Insofern von Vertretern der TT sowie der ST angenommen wird, die den Ansätzen zu-grunde liegenden Prozesse würden implizit oder zumindest nicht eindeutig bewusst ablaufen, bringt die phänomenologische Kritik weitere gegenläufige Argumente vor. In Hinblick auf die TT gibt es nach Meinung der Phänomenologen keinerlei Hinweise dafür, dass die zugrunde liegenden Prozesse implizit ablaufen. Vielmehr richten sich ihrer Auffassung nach sogar jene Experimente aus der Entwicklungspsychologie, welche die TT stützen sollen, auf den Nachweis, dass diese Prozesse sich explizit vollziehen. 8
Jene Vertreter der ST, die davon ausgehen, die simulierenden mentalen Prozesse würden implizit ablaufen, stützen dies oft auf die Forschung zu Spiegelneuronen und geteilten Repräsentation. Wichtiger Bestandteil der Simulationsprozesse, wie sie von der ST dargestellt werden, ist jedoch, dass anhand derer vorgetäuscht wird, man befände sich an Stelle der Person, deren mentale Zustände man ergründen möchte. Diese Vortäuschung findet jedoch nicht statt, wenn Spiegelneuronen aktiviert werden. Wenn diese aktiv sind, ist es demgegenüber problematisch, überhaupt zwischen der ersten und der dritten Person zu unterscheiden. 9
Des Weiteren widerspricht die phänomenologische Kritik der Annahme, dass unsere alltäglichen Begegnungen mit anderen sich aus der beobachtenden Perspektive der drit-
6 Vgl.Gordon, S. 165f.
7 Vgl. Gallagher/Hutto, S. 18f.
8 Vgl. Gallagher/Hutto, S. 19.
9 Vgl. Gallagher 2011, S. 58.
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Arbeit zitieren:
B.A. Nicolas Lindner, 2011, Die Interaktionstheorie und die phänomenologische Kritik an Theorie-Theorie und Simulationstheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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