Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Zur Person Maria Montessori 4
3 Die Pädagogik nach Maria Montessori 5
4 Freiarbeit und freie Arbeit - Grundlagen der Montessori-Pädagogik 6
4.1 Die Grundprinzipien 6
4.2 Bedingungen für freies Arbeiten 7
4.3 Die Bedeutung der Montessori-Freiarbeit 11
5 Prinzipien der freien Arbeit 13
6 Probleme bei der freien Arbeit nach Montessori 15
6.1 Wahl der Arbeit 15
6.2 Wahl des Materials 15
6.3 Wahl des Raumes 16
6.4 Das Kind 16
6.5 Der Erzieher / Lehrer 17
7 Wie frei ist freie Arbeit 18
8 Fazit 19
9 Literatur 21
2
1 Einleitung
„Non scholae, sed vitae discimus“ - Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. 1 So ist es zumindest der Wunsch aller Eltern, Lehrer und zuletzt auch des Bildungssystems. Dass Wunsch und dessen Erfüllung jedoch manchmal weitgehend auseinander divergieren, lässt die Suche nach alternativen Handlungsmöglichkeiten erwachen und führte in der Menschheitsgeschichte schon oft zu mehr oder weniger bahnbrechenden Entdeckungen und Fortschritten. Solche Handlungsalternativen werden besonders häufig in Diskussionen zur richtigen Erziehung von Kindern und Jugendlichen gefordert - leider aber zu selten gefördert. Der Anspruch an unser Bildungswesen nimmt stetig zu, bedingt durch die hohen Anforderungen an Leistungs- und Bildungsstandards. So wächst auch der Druck auf die Schüler, die die Inhalte der Lehrpläne aufnehmen sollen und oft genau mit den einhergehenden Problemen konfrontiert sind. Im Laufe der Geschichte entwickelten sich aus verschiedenen Blickrichtungen Ansätze zur Kompensation oder vielmehr zur Verbesserung des Bildungswesens. Einen dieser Ansätze findet man in der Reformpädagogik. Den Beginn dieser neuen Sichtweise auf die Erziehung und Bildung von Jugendlichen zeichnet sich zum Ende des 19. Jahrhunderts ab. Neben Selbstständigkeit, Erlebnispädagogik und Lernen durch Handeln ist dieser Ansatz durch das freie Lernen gekennzeichnet. Maria Montessori rückte dabei insbesondere das Kind in den Fokus weiterer Ideen - das Kind als „Baumeister seiner selbst“. 2 Durch freies Arbeiten lernt das Kind seine Umwelt wahrzunehmen und mit dieser umzugehen, Teil der Welt zu werden und problemorientiert Aufgaben zu lösen. Montessori entwickelt mit ihrer Kinderzentrierten Pädagogik einen der entscheidenden Bildungsansätze der Moderne und nicht zuletzt auch Konzepte für heutige, führende Bildungsstrategien. 3 Ausgehend von den Gedanken Montessoris möchte ich in dieser Arbeit neben den Grundlagen der Montessoripädagogik besonders auf das Konzept der freien Arbeit eingehen, des freien Lernens im Kontext heutiger Schulkonzepte und Möglichkeiten zur Vereinbarkeit mit Lehrplänen und Standardanforderungen an das heranwachsende und lernende Individuum. Im Zentrum der Fragestellung soll aber auch besonderes Augenmerk auf die Frage nach der Freiheit der Freiarbeit gelegt werden. Wie weit kann ein Kind frei lernen und an welche Grenzen stoßen dabei Lehrer und Eltern, vor allem aber die Schüler innerhalb des Bildungsprozesses. 4 In einem modernen und effektiven Bildungssystem ist die Freiarbeit - oder besser die freie
1 Vgl. Pelikan, R.: Ethik lernen in der Arbeitswelt. Berlin 2009, S. 22
2 Vgl. Ludwig, H: Montessori-Pädagogik und frühe Kindheit. Münster 2004, S. 94
3 Vgl. Wallrabenstein, W: Freiarbeit in der Grundschule. Frankfurt (Main) 2002, S. 12
4 Vgl. Hilger, G:Religionsdidaktik. München 2001, S. 479
3
Arbeit, wie Montessori selbst immer wieder betont - nicht mehr wegzudenken und ebnet stets neue Möglichkeiten und Fortschritte, die ich mit dieser Arbeit kompakt vorstellen möchte.
2 Zur Person Maria Montessori
Maria Montessori wird zum Ende des 19. Jahrhunderts in Italien als Tochter einer katholischen, der Bildung zugewandten Familie geboren. 5 Nach ihrer Schulzeit und dem Abitur nahm sie das Studium der Naturwissenschaften an der Universität zu Rom auf und erhielt als erste Frau Italiens mit ihrer Promotion einen Doktortitel. 6 Neben Anthropologie und Philosophie studierte sie insbesondere auch Erziehungsphilosophie, die Grundlage für ihre späteren Reformpädagogischen Ansätze. Besonders prägend waren dabei die Ideen von Itard und Seguin, aber auch die eigene Arbeit mit geistig behinderten Kindern. 7 Aus diesen Erfahrungen und Ansätzen heraus setzte sich Montessori neben Frauenrechten stark für neue Ideen im Bildungswesen der damaligen Zeit ein und wurde somit neben Petersen und Steiner zu einer der führenden Reformpädagogen. 8
Nach der Gründung eines Armenhauses für Kinder 1907 in Rom verwirklichte Montessori ihre pädagogischen Gedanken und erweiterte ihre Konzepte anhand der gesammelten Erfahrungen und Erfolge. 9 Ausgehend von den Kernpunkten ihrer Erziehung wurde 1923 die erste Montessori-Schule auch in Deutschland gegründet und ermöglichte in Jena bis zur Schließung 1929 durch die Nationalsozialisten reformpädagogische Bildung im Sinne Montessoris, der kosmischen Erziehung, auf die ich im Folgenden noch genauer eingehen möchte. 10 Bis zu ihrem Tod 1952 in den Niederlanden setze sie sich stark für den Ausbau ihrer Pädagogik ein und entwickelte die kosmische Erziehung zu einer umfassenden Bildungscharta für moderne Erziehung von Kindern. 11 Die Erfahrungen die sie dabei auf Reisen nach Indien und in ihren Arbeiten mit Schülern sammelte waren stets die Grundlage ihrer Ansätze - getreu dem Prinzip des freien Lernens.
5 Vgl. Heiland, H: Maria Montessori. Reinbek 1993, S. 9
6 Vgl. Meinhard, G: Hilf mir es selbst zu tun. http://www.gilthserano.de/bio/m/montessori.html
7 Vgl. Ludwig, H: Sozialerziehung in der Montessori-Pädagogik. Münster 2005, S. 21
8 Vgl. Berg, H.K.: Freiarbeit im Religionsunterricht. Stuttgart 2003, S. 13 f.
9 Vgl. http://www.montessori-seminar.de/maria-montessori/casa-dei-bambini.php
10 Vgl. Helsper, W: Schule und Bildung im Wandel. Wiesbaden 2009, S. 83
11 Vgl. Meinhard, G: Hilf mir es selbst zu tun. http://www.gilthserano.de/bio/m/montessori.html
4
3 Die Pädagogik nach Maria Montessori
Aus der einfachen Bitte eines kleinen Mädchens heraus - Hilf mir es selbst zu tun - entwickelt Maria Montessori eine neue Leitlinie der Pädagogik. Dabei setzt sie den Fokus auf das Kind selbst und orientiert sich direkt an den Bedürfnissen der Heranwachsenden. Erkenntnisse, die sie durch die Beobachtungen von Kindern erlangte waren Ausgang ihrer Ideen, die später zum Kernaspekt der kosmischen Erziehung führen. Dieser Leitgedanke fußt in all ihren Ansätzen zu einer Pädagogik, die dem Kind in erster Linie Freiheit gewähren soll seine Umwelt zu erleben, wahrzunehmen und zu entdecken. Aus der Neugier heraus sollen Objekte erfasst und Wissensstrukturen arrangiert werden. Der Wunsch nach Selbstständigkeit - eine der Kernkompetenzen von Kindern - steht hier ganz im Zentrum, gegensätzlich zur Bevor-mundung und ungewollter Hilfe von Erwachsenen. 12 Ihr geht es nicht darum, dass Kinder etwas nachahmen oder ohne zu hinterfragen tun, sondern den Sinn und den Gedanken der kosmischen Ganzheit hinter all ihrem Tun erkennen und verstehen. Sie entwickelt eine neue Sicht auf das Kind als „konzentrationsfähiges und aktives Wesen, das seine individuelle Persönlichkeit selbst aufbaut“. Grundlegend für diesen Ansatz ist ein Verständnis von Erziehung, die dem Lehrer eine Rolle des fördernden Hilfestellers zuschreibt, einem Erzieher, der dem Kind eine Umgebung schafft, in der es sich frei entfalten kann. Einem Erzieher, der das Kind in seinem Streben motiviert seine Umwelt entdecken und erkunden zu wollen und dadurch kulturelles Bewusstsein und erforderliche Kompetenzen zu entwickeln. Es geht also um die „Freude am Lernen“. 13 Es ist nicht das Bild des Erziehers oder des Dompteurs, das hier gezeichnet wird, sondern mehr ein Bild des Helfers oder Begleiters. 14 Ihre Vision ist ein Erziehungsausziel, das selbstständige und unabhängige Menschen fokussiert, die in der Lage sind eigene Entscheidungen zu treffen und zu vertreten. Sie geht stets dabei davon aus, dass es keinen „Einen“ Weg gibt, sondern das der Weg das Ziel ist und der Lehrer diesen Werdegang des Kindes begleitet. Die Funktion des Erziehers, wie sie Lehrer und Eltern oft bezeichnet, liegt klar im Beobachten und sobald das Kind darum bittet auch in der Hilfestellung, aber nur in dem unbedingt notwendigen Umfang. 15 Erziehung wird nach Montessori somit direkt vom Zwang entkoppelt und fußt in der Freiheit des Kindes und Begleitung durch den Erwachsenen. 16
12 Vgl. Schmutzler, H.J.: Fröbel und Montessori. Freiburg 1996, S. 93
13 Hellmich, A.: Montessori-, Freinet-, Waldorfpädagogik. Weinheim 2007, S. 77
14 Vgl. Becker-Textor, I.: Maria Montessori. Freiburg 1994, S. 9
15 Vgl. Montessori, M.: Lernen ohne Druck. Freiburg i.B. 1995, S. 152
16 Vgl. Hobmair, H.: Pädagogik. Troisdorf 2002, S. 401
5
Diese Neudefinition von Erziehung setzt bestimmte Ansichten einer Pädagogik voraus, in der das Kind von Geburt an die Kompetenz des selbstständigen Lernens, aber auch den Willen zur Entdeckung des Kosmos besitzt. Der Erzieher muss zwar Grundkenntnisse über die Bedürfnisse des Kindes haben und diese bei der Erziehung berücksichtigen, wird aber im Prozess der Erziehung in eine sich zurückhaltende Position versetzt. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, die Lernumgebung zu schaffen und dafür zu sorgen, dass keine Störungen in der Erkundung der Umwelt auftauchen. 17 Kernaspekt ist hierbei die Vorstellung, dass Kinder ihren eigenen Weg finden, der nicht mit dem Weg kongruent sein muss, den ein Erwachsener dank seiner Erfahrung oder Vorstellung wählt. 18 So formuliert Hobmair das Ziel der Pädago- gikMaria Montessoris mit „Erziehung als Hilfe zum Leben“. 19
4 Freiarbeit und freie Arbeit - Grundlagen der Montessori-Pädagogik
4.1 Die Grundprinzipien
Für Montessori liegt in der freien Arbeit der Schlüssel zur Entwicklung des Kindes. Von zentraler Bedeutung ist die Selbstfindung des Kindes im Kontext der kosmischen Erziehung. Es überrascht daher nicht, dass sie in der freien Wahl des Kindes „die höchste Tätigkeit“ 20 über- hauptsieht. „Nur das Kind, das weiß, was es benötigt, um sich zu üben und sein geistiges Leben zu entwickeln, kann wirklich frei auswählen.“ 21 Auch wenn sie selbst den Begriff der Freiarbeit nie verwendet, so sieht sie in der selbstständigen Arbeit den zentralen Ansatzpunkt ihrer Entwicklungskonzeption. 22 Es ist die Freiheit der Zeit, die Freiheit des Interesses aber auch die Freiheit der Kooperation, die ihrer Meinung nach von größter Bedeutung für Lernerfolg und Spaß am Lernen ist. 23 Es gilt für den Erzieher, die Lernumgebung so herzurichten, dass dem Kind Freiheiten zur Selbstentscheidung gewährt werden. Dabei sollen der Schüler in sich in folgenden Punkten entfalten können: 24 Freiheit in der Wahl der Arbeit
Das Kind entscheidet selbst, womit es sich beschäftigen möchte
17 Vgl. Montessori, M.: Kinder sind anders. Stuttgart 1993, S.56 f.
18 Vgl. Tilmann, H.: Montessori Pädagogik - Was ist das? in Winkels, T.: Montessori Pädagogik. Bad Heilbrunn 2000, S. 14 f.
19 Hobmair, H.: Pädagogik. Troisdorf 2002, S. 401
20 Montessori, M.: Das kreative Kind. Freiburg i.B. 1996, S. 244
21 Ebd.
22 Vgl. Heimbring, D.: Montessori Pädagogik und naturwissenschaftlicher Unterricht. Aachen 1990, S. 73 f.
23 Vgl. Eichelberg, H.: Handbuch zur Montessori-Pädagogik. Wien 1997, S. 21
24 Vgl. Allmann, S.: Lernalltag in einer Montessori-Schule. Münster 2007, S. 99 f.
6
Arbeit zitieren:
Stephan Baier, 2010, Freiarbeit nach Maria Montessori, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Wilhelm Hammer gefällt Freiarbeit nach Maria Montessori
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik: Freiarbeit nach Maria Montessori ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik: neuer Titel erschienen: Freiarbeit nach Maria Montessori
Maria Montessori: E.M. Standing with a New Introduction by Lee Havis
E. M. Standing, Lee Havis
0 Kommentare