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Inhaltsverzeichnis
A) Vorwort
Alltag und Stimmung in Weilheim während des
B )
Nationalsozialismus
I. Die Stimmung in Weilheim vor dem Spiegel wichtiger politischer
Ereignisse
1. Das Jahr 1933
i. Die Zeit vor dem 30. Januar
ii. Die Zeit nach der nationalsozialistischen
Macht übernahme
2. So genannter „Röhm-Putsch“ 1934
3. Wiedereingliederung des Saargebietes und
Einf ührung der Arbeitsdienst-Pflicht 1935
4. Olympische Spiele 1936
5. „Anschluss“ Österreichs und Sudeten-Krise 1938
6. Kriegsbeginn 1939
7. Kriegsverlauf bis zur Schlacht von Stalingrad 1943
8. Kriegsende in Weilheim: Der Einmarsch der
Amerikaner im April 1945
II. Die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf den Alltag in Weilheim
1. Antisemitismus
2. Gebrauch des „Hitler-Grußes“
3. Kontrolle der Bevölkerung
4. Schule
III. Verhältnis einzelner ausgewählter Bevölkerungsschichten
zum Nationalsozialismus
1. Jugend
2. Bauern
3. Kirchlich Geprägte
a) Protestanten
b) Katholiken
)C Weilheim als bürgerliche und patriotische Stadt im
Nationalsozialismus
D) Glossar
E) Kuriositätensammlung
Danksagung
F )
G) Literaturverzeichnis
- 3 - EricSangar 2000/2001
Alltag und Stimmung in Weilheim während
Verantwortung statt Verdrängung
A) VORWORT
Die bedrückendste Epoche der deutschen Geschichte liegt nun über 50 Jahre zurück. Viel ist über den Nationalsozialismus gesagt und geschrieben worden, und dieses Wissen wird zum Glück anders als in der Nachkriegszeit heute den nachfolgenden Generationen in den Schulen mehr oder weniger intensiv vermittelt.
Ein Manko in der Erinnerungsarbeit zum Nationalsozialismus besteht jedoch nach wie vor: Während alle Schülerinnen und Schüler nach ihrer Schulzeit mit den wichtigsten Tatsachen zur Innen- und Außenpolitik Deutschlands unter Hitler vertraut sein sollten, wird in den Schulen über die Auswirkungen der Jahre 1933 bis 1945 auf die lokale Ebene in der Regel nicht gesprochen. Ich halte jedoch gerade die Beschäftigung mit dem, was sich in der unmittelbaren Umgebung abgespielt hat, für geeignet, um die von Schülerinnen und Schülern oft beklagte Distanz zu geschichtlichen Ereignissen abzubauen. Dies war auch der Grund dafür, mich für die Grundrichtung „Weilheim im Nationalsozialismus“ für meine Facharbeit zu entscheiden. Dass ich es mir mit diesem Entschluss nicht unbedingt leicht gemacht hatte, begann ich bald nach Festlegung der Facharbeitsthemen zu spüren. Am Anfang stand die Frage: Wie soll mein Thema konkret lauten? Da das Problem „Verhalten von Verwaltung und Justiz“ nach Auskunft des Weilheimer Stadtarchivars auf Grund der Materiallage kaum zu verwirklichen war, die Untersuchung „Machtergreifung und Umbesetzung des Stadtrats“ bereits mehrmals bearbeitet wurde und ich einen neuerlichen Anlauf von mir daher für sinnlos hielt, und schließlich das Thema „Zwangsarbeiter“ bereits vergeben war, legte ich mich nach einigem Für und Wider letzten Endes auf eine Beschreibung der Stimmung in der Bevölke-
- 4 - rungfest. Wie reagierte eine eher konservative und christlich geprägte Bevölkerung auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten? Wie stand sie zur Umsetzung ihrer Ideologie, wie reagierte sie auf den Ausbruch des Krieges, die Zurückdrängung des kirchlichen Einflusses oder den Zwang, neue Umgangsformen wie den Hitler-Gruß anzunehmen? Welche Einflüsse hatte der Nationalsozialismus auf Aspekte des Alltags einer Kleinstadt wie Weilheim? Auf all diese Fragen versuchte ich, eine Antwort zu finden. Für mich stand schon bald fest, dass eine Schilderung der damals herrschenden Stimmung in Weilheim am ehesten von Personen geleistet werden kann, die in dieser Zeit in Weilheim lebten. Mir wurde daher klar, dass Zeitzeugen-Interviews eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einer fundierten und aussagekräftigen Bearbeitung des Themas werden würden. Das Problem war nur, welche Personen im relevanten Alter (d.h. älter als 70 Jahre) haben in ihrer Kindheit bereits in Weilheim gewohnt und könnten bereit sein, mir ihre Erinnerungen an ihre Eindrücke im Nationalsozialismus mitzuteilen? Meine Familie zog erst im Jahre 1985 nach Weilheim, wir gehören also nicht zu den „Ur-Weilheimern“, die auf die eben gestellte Frage leicht Antworten finden könnten. Dass ich letztendlich dennoch neun bzw. zehn 1 , wie ich meine, durchaus aufschlussreiche Zeitzeugen finden konnte, habe ich nicht zuletzt einigen der Personen zu verdanken, die ich am Ende der Facharbeit unter dem Stichwort „Danksagung“ erwähne. Die Befragungen nahm ich mit einem Diktiergerät auf (siehe beiliegende Cassetten) und wertete sie später aus. Doch ich konnte mich nicht allein auf meine Interviews verlassen: Dass das Gedächtnis nachlässt und manche Erinnerungen eventuell nachträglich variiert, ist allzu menschlich. Deshalb wollte ich die Eindrücke aus den Interviews so weit als möglich mit „handfesten“ Informationen aus Zeitungen, Akten oder Publikationen, die sich entweder direkt mit Weilheim beschäftigen oder deren Ergebnisse sich auf Weilheim übertragen lassen, unterfüttern. Ich musste jedoch sehr bald feststellen, dass das Zeitungsstudium aus Gründen, die zu erläutern den Rahmen sprengen würden, nicht praktikabel sein würde; mehr denn je war ich also auf andere Original-Dokumente angewiesen. Leider musste ich feststellen, dass im Stadtarchiv Weilheim so gut wie keine Akten aus der NS-Zeit vorhanden sind. Dies bedeutete, dass meine Recherchen sich erheblich auf-
1 EinZeitzeuge, Dr. Walter Gronauer, kannte das Dritte Reich nur aus den Erzählungen seiner Eltern
- 5 - wändigergestalten würden; um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ich wurde im wesentlichen fündig im Pfarramtsarchiv der evangelischen Gemeinde Weilheim, im Münchener Institut für Zeitgeschichte sowie im Staatsarchiv München. Außerdem konnte mir im Laufe meiner Interviews insbesondere Hubert Schmidt Erkenntnisse vermitteln, die über seine persönlichen Erlebnisse weit hinausgehen, dafür möchte ich ihm auch an dieser Stelle herzlich danken. Durch diese Schilderung kann vielleicht auch nachvollzogen werden, dass sich meine Nachforschungen insgesamt über fünf Monate (März bis September 2000) erstreckten; erst im Oktober 2000 konnte ich mit der Auswertung der 13 Cassetten mit den Interviews, dem Material aus den Archiven und sonstigen Quellen, das einen Ordner füllte, sowie den mir relevant erscheinenden Publikationen (siehe Literaturverzeichnis) beginnen. Die Facharbeit selbst fing ich an, im November desselben Jahres zu schreiben. Ich habe darauf geachtet -und ich hoffe, dass mir dies auch gelungen ist - in meinen Ausführungen nicht pauschal zu verurteilen, sondern nur „sine ira et studio“, wie Tacitus sagt, dar-zustellen und kritisch zu hinterfragen, was sich in den Köpfen der Menschen in Weilheim abgespielt hat. Dies ist schwierig genug, und ich kann und will keinen Anspruch darauf erheben, die endgültige und volle Wahrheit herausgefunden zu haben.
Meine Arbeit ist in drei Teile gegliedert: Das Verhalten der Weilheimer im Alltag und ihre Stellung zu den neuen Entwicklungen im Nationalsozialismus, die Haltung der Weilheimer zu wichtigen Ereignissen im Verlauf der Jahre 1933 bis 1945 sowie die Stimmung in einzelnen Teilen der Bevölkerung; im Schluss wird die Einstellung Weilheims als „patriotischer und bürgerlicher Stadt“ zum Nationalsozialismus diskutiert. Die Komplexität des Themas, die u.a. darauf zurückzuführen ist, dass Weilheim trotz seiner im Vergleich zu heute geringen Einwohnerzahl auch damals keine homogene Bevölkerungsstruktur besaß, ließ eine weitere Vereinfachung der Gliederung leider nicht zu. Bei der Erstellung der Arbeit wurde auf eine möglichst lückenlose Belegung von Thesen durch Quellen und Literatur Wert gelegt. Zitate, die direkten Quellen entstammen, sind durch kursive Schrift gekennzeichnet. Begriffe, die im Glossar erklärt sind, wurden in blauer Farbe und unterstrichen gedruckt. Eine letzte Anmerkung, bevor es zum Hauptteil übergeht: Durch das Thema sah ich die Facharbeit von Anfang an nie als „lästige Pflichtübung“ an; im Laufe meiner Recherchen machte es mir sogar mehr und mehr Spaß, in die braune
- 6 - VergangenheitWeilheims einzudringen, über die ja in der Öffentlichkeit recht wenig bekannt ist. Ich hoffe und glaube, dass dies dazu beigetragen hat, die an die Facharbeit gestellten Anforderungen mit dem nun vorliegenden Ergebnis zu erfüllen.
- 7 - B)ALLTAG UND STIMMUNG IN WEILHEIM WÄHREND DES NATIONALSOZIALISMUS
I. Die Stimmung in Weilheim vor dem Spiegel wichtiger
Erst im Laufe der Weltwirtschaftskrise entwickelte sich die NSDAP in Deutschland zur Massenpartei. Der wirtschaftliche Niedergang und die damit verbundene Arbeitslosigkeit verstärkten das schon vorhandene Misstrauen zur Demokratie 2 , das sich vor dem Hintergrund des „Diktatfriedens von Versailles“ und der obrigkeitsstaatlichen Traditionen durch die gesamte Zeit der Weimarer Republik zog, und begünstigten radikale politische Strömungen und die Sehnsucht nach dem „starken Mann“, der dem politischen Chaos ein Ende machen sollte 3 .
Dies lässt sich für diese Zeit auch in Weilheim beobachten. Weilheim hatte damals nur etwa ein Drittel seiner heutigen Einwohnerzahl (1933: 6 659 Einwohner 4 ), und war erwerbsmäßig vom Mittelstand (Händler, Handwerker) und durch den Sitz zahlreicher Behörden geprägt 5 . Politisch war die Stadt bürgerlich-konservativ geprägt, was sich auch in den Wahlergebnissen widerspiegelte: Die Bayerische Volkspartei (BVP) erhielt von 1919 bis 1932 durchwegs mehr als ein Drittel der Stimmen 6 . Die Angst des bürgerlichen Mittelstands vor den Kommunisten war wohl mit ein Grund dafür, dass die sich betont anti-bolschewistisch gebende NSDAP bereits 1924 bei den Landtagswahlen 14 % der Stimmen erhielt.
Ab 1932 konnte die NSDAP einen Aufstieg feiern, der dem in ganz Deutschland ähnelte: Bei den Wahlen im Juli und November 1932 konnte die NSDAP in Weilheim jeweils ein Viertel der Stimmen auf sich vereinigen. Die Gründe dafür sind ebenfalls wesensgleich mit denen, die für das gesamte Deutsche Reich
2 vgl. Hans Thieme: Hitlers Weg zur Macht, Krise und Untergang der Weimarer Republik, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band I, Machtergreifung und Machtsicherung 1933-1935. München 1994, S. 17
3 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung 123/126/127. Bonn 1978, S. 20f.
4 Angabe aus: Theobald Wirth: Weilheimer Geschichte. Weilheim 1978, S. 228 5 vgl. Sepp Klasen: Zu Störungen irgendwelcher Art ist es nirgends gekommen, Texte und Dokumente zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in den Gemeinden des heutigen Landkreises Weilheim-Schongau März bis Juni 1933. O. O. 1983, S. 10 6 für alle Wahlergebnisse vgl. ebenda, S. 9
- 8 - gelten:„Man sehnt sich nach Ruhe, Ordnung und vor allem nach Arbeit“ 7 ; die Arbeitslosigkeit führte auch in Weilheim zu Armut und Not 8 , die so genannten kleinen Leute „haben nicht gewusst, was sie morgen essen sollen mit der Familie“ 9 und wurden mit ihrer wachsenden Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen eine leichte Beute für die Propaganda der Natio-nalsozialisten.
b) Die Zeit nach der nationalsozialistischen Machtübernahme Verstärkt durch organisierte Feiern und Umzüge der NSDAP und die propagandistischen Versprechungen Hitlers, er werde die Arbeitslosigkeit beseitigen und Deutschlands Größe wiederherstellen, erlebte Deutschland nach Hitlers Machtübernahme eine „Welle der Begeisterung und Zustimmung über das ‚nationale Einigungswerk’“ 10 , die sich in zweieinhalb Millionen Aufnahmeanträgen in die NSDAP bis September 1933 äußerte 11 . Trotz der offensichtlichen Terrormaßnahmen gegen politische Gegner hielt diese Stimmung beim Großteil der Deutschen an, auch wegen der Erholung der Wirtschaft, die scheinbar Hitler zu verdanken war 12 . Für Weilheim lässt sich dies ebenso verfolgen. Allenthalben herrschte Begeisterung über Hitler und den Aufschwung, den er in Aussicht stellte, „es sind ganz wenige gewesen, die einen klaren Kopf behalten haben.“ 13 Bei den Wahlen im März 1933 lag die NSDAP in Weilheim mit 45 % sogar leicht über dem Durchschnittsergebnis in Deutschland, „und sie drängten sich herzu zur neuen Vereinigung - in jedem Lebensalter -, und selbst ergraute ehemalige Volksparteiler suchten heimlich Parteiangehöriger zu werden.“ 14 Dass der Sieg der Nazis verbunden war mit der Umbesetzung des Stadtrates, der Entfernung und Verfolgung politisch Andersdenkender und der Agitation gegen die Juden, wurde offenbar eher wenig beachtet, denn die primäre Erwartungshaltung schien sich zu erfüllen: Die Arbeitslosigkeit ging zurück, was als Erfolg der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik (Stichwort: Autobahnbau) gesehen
7 unveröffentlichte, für ihre Familie bestimmte zeitgenössische Chronik der Weilheimerin Josefine Hartlmaier (1869-1957) 8 vgl. Wirth, S. 89ff.
9 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000
10 Frank Grube/Gerhard Richter: Alltag im Dritten Reich. Hamburg 1982, S. 26 11 vgl. ebenda, S. 37 12 vgl. ebenda, S. 40 13 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 14 Hartlmaier
- 9 - wurde 15 .Weitere Maßnahmen der NS-Regierung fielen gleichfalls positiv ins Gewicht: Die 1933 begonnene Ausgrenzung der Sinti und Roma und Verhaftungswellen gegen Bettler, die als „Asoziale“ bezeichnet wurden, erfüllten das Ordnungsbedürfnis der Bürger, denn „das war angenehmer, wenn nicht alle Augenblicke jemand läutet und bettelt oder wenn die Zigeuner oben sind und du musst Obacht geben, dass alles zu ist und dass sie nichts mitnehmen.“ 16 Zudem stieß die Ankündigung Hitlers, er werde Deutschland aufrüsten, auf große Zustimmung 17 , denn auch viele Weilheimer sehnten sich nach einer Überwindung der „Knechtungen“ des Versailler Vertrages 18 , wofür Hitler garantieren wollte.
2. So genannter „Röhm-Putsch“ 1934
Unter dem Vorwand, die SA-Führung unter Ernst Röhm plane einen Putsch gegen ihn, beseitigte Hitler vom 30. Juni bis 2. Juli 1934 seine letzten innerparteilichen Konkurrenten und andere missliebige Opponenten. Insgesamt wurden auf seinen Befehl hin über 200 Menschen ermordet 19 . In der deutschen Bevölkerung stießen die Maßnahmen allgemein auf Zustimmung 20 , da Hitler geglaubt wurde, er habe den Staat vor gefährlichen Aufrührern gerettet.
Erstaunlicherweise wich die Stimmung in Weilheim angesichts dieses Ereignisses sehr von der im übrigen Deutschland ab. Wie dem evangelischen Pfarrer von Weilheim, Gustav Steger 21 , muss wohl vielen Leuten die Verlogenheit der NS-Propaganda aufgegangen sein, was vielleicht daran liegt, dass prominente Vertreter aus dem konservativen und katholischen Milieu zu den Opfern der „Säuberungen“ zählten, unter ihnen auch der gebürtige Weilheimer Dr. Wilhelm Schmid, der bereits im KZ Dachau inhaftiert war 22 . Es
15 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000
16 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 17 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000 18 vgl. Interview mit Frau Y vom 21/9/2000
19 vgl. Thieme, Hitlers Weg zur Macht, Krise und Untergang der Weimarer Republik, S. 78 20 vgl. Wolfgang Petter: SA und SS als Instrumente nationalsozialistischer Herrschaft, in: Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 1993, S. 83 21 vgl. einen Brief des Pfarrers an seine Eltern vom 11/4/1936 (Archiv des Pfarramtes der evangelisch-lutherischen Gemeinde Weilheim)
22 vgl. Günther Kimmel: Das Konzentrationslager Dachau, in: Martin Broszat/Elke Fröhlich (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Band II, Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt. München 1979, S. 365f.; Dr. Schmid wurde irrtümlich umgebracht, da er mit einem SA-Führer gleichen Namens verwechselt wurde.
- 10 - kamin der Folge zu Witzen und gleichzeitig zu ersten Bedenken über die Machtausübung der Nationalsozialisten 23 , denn wenn Hitler schon so radikal gegen Leute aus den eigenen Reihen vorging, wie mochte er dann seine politischen Gegner behandeln? Auch Vater und Onkel von Friedrich Auer, wiewohl beide Parteigenossen waren, lehnten die brutale Aktion als „nicht sauber“ 24 ab: „Die haben sich sehr erbost darüber und waren also unzufrieden.“ 25
3. Wiedereingliederung des Saargebietes und Einführung der Arbeitsdienst-Pflicht 1935
Außer der Einführung der Nürnberger Gesetze, die im Kapitel „Antisemitismus“ thematisiert werden, hielt das Jahr 1935 noch zwei weitere bedeutende Ereignisse bereit: Als die Bevölkerung des Saargebietes im Januar 1935 gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages mit über 90 % für einen Beitritt zum Deutschen Reich stimmte, stellten dies die Nationalsozialisten als Ausdruck der Zustimmung zur Politik Hitlers dar 26 , was ihnen innenpolitisch einen Prestigegewinn einbrachte und nationale Begeisterung auslöste 27 . Die Einführung der Pflicht, den Reichsarbeitsdienst abzuleisten, wurde im Juni desselben Jahres als Ausdruck eines „deutschen Sozialismus“ verkauft und führte zu durchweg bejahender Resonanz in der deutschen Bevölkerung, denn die gemeinsame harte Arbeit schien alle Klassen- und Standesunterschiede zu überwinden helfen 28 .
Beide Stimmungsäußerungen lassen sich auch auf Weilheim übertragen: Die Propaganda anlässlich der Saar-Abstimmung verfing auch hier, die Wiederangliederung des Gebietes wurde dem Verdienst Hitlers angerechnet und gab dem Nationalgefühl der Weilheimer einen zusätzlichen Aufschwung 29 . Auch die Verpflichtung für alle jungen Menschen, im Reichsarbeitsdienst körperliche Arbeit zu verrichten, wurde als Mittel zur Beseitigung gesellschaftlicher Schranken befürwortet: „Dann hat man das als positiv emp-
23 vgl.Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000
24 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 25 ebenda
26 vgl. Rudolf Berg/Rolf Selbmann: Grundkurs Deutsche Geschichte Band 2, 1918 bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main 1987, S. 165
27 vgl. Hans Thieme: Vom Revisionismus zum Expansionismus, Nationalsozialistische Außenpolitik 1933-1936, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band I, Machtergreifung und Machtsicherung 1933-1935. München 1994, S. 253, 265 28 Grube/Richter, S. 62f. 29 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
- 11 - funden,dass alle, ganz gleich, ob sie aus einer Akademikerfamilie oder aus ganz einer einfachen Arbeiterfamilie kommen, die jungen Männer mussten zum Arbeitsdienst.“ 30
4. Olympische Spiele 1936
Einen weiteren Erfolg konnte Hitler bei den Olympischen Spielen 1936 durch ihre perfekte Inszenierung und die Siege der deutschen Mannschaft verzeichnen: „Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Olympischen Spiele (...) die Deutschen mit Stolz erfüllten, von inneren Schwierigkeiten ablenkten und die Identifikation mit dem ‚Führer’ förderten.“ 31 Auch für Weilheim gilt dies grundsätzlich, obwohl sich schon seit dem „Röhm-Putsch“ viele Einwohner über die Herrschaft des Nationalsozialismus fragten: „Ist das Recht oder ist das Unrecht?“ 32 Doch die Anerkennung, die das Regime durch die Olympischen Spiele von Seiten des Auslands erfuhr, schien die Skepsis zu widerlegen, und so war die Stimmung in Weilheim gleichfalls positiv 33 , zumal die Stadt auch unmittelbar profitierte durch den Bau der „Olympiastraße“ nach Garmisch-Partenkirchen 34 , der heutigen B2.
5. „Anschluss“ Österreichs und Sudeten-Krise 1938
In das Jahr 1938 fielen neben der Reichspogromnacht am 9. November, auf die im Kapitel „Antisemitismus“ eingegangen wird, der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und die internationale Krise, die der Ausdehnung des deutschen Territoriums auf die Siedlungsgebiete der Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei vorausging.
Das Echo in der deutschen Bevölkerung war durchaus unterschiedlich: Während die Eingliederung Österreichs in das Reichsgebiet mehrheitlich auf große Zustimmung stieß und Hitler einmal mehr als begnadeter Staatsmann gefeiert wurde, der nun sogar die alte Idee vom „Großdeutschen Reich“ verwirklichen konnte 35 , vollzog sich im Zuge der sich anbahnenden Sudeten-Krise ein Stimmungswandel, den der damals im diplomatischen Dienst tätige
30 ebenda
31 Grube/Richter, S. 154 32 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 33 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 34 vgl. Brief von Hubert Schmidt an den Verfasser vom 6/1/2001
35 vgl. Ambros Schor: Weichenstellung in Richtung Krieg, Nationalsozialistische Außenpolitik, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band II, Friedenspropaganda und Kriegsvorbereitung 1935-1939. München 1993, S. 119
- 12 - undnach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 hingerichtete Ulrich von Hassell in seinem Tagebucheintrag vom 17. September 1938 so beschreibt: „Innen wachsende Depression unter dem Druck der Parteiherrschaft und der Kriegsfurcht.“ 36
Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf Weilheim übertragen. Der Parole „Heim ins Reich!“ anlässlich des Einmarsches deutscher Truppen in Österreich stimmten die Weilheimer nicht nur auf Grund ihrer patriotischen Gefühle zu 37 , sondern auch der Tatsache wegen, dass es nun viel einfacher war, nach Österreich (beispielsweise für eine Bergtour) zu fahren, da die bisherige Grenzüberschreitungsgebühr von 500 RM entfiel 38 . Das positive Stimmungsbild änderte sich, wie Eva Hafner erzählt, als wegen der Sudeten-Gebiete ein Kriegsausbruch drohte, obwohl die Nationalsozialisten ebenfalls mit der Herstellung nationaler Einheit argumentierten: „Es ist noch auf der Kippe gestanden (...) und da habe ich gesehen, da ist meine Mutter im Schlafzimmer gesessen und hat Rotz und Tränen geheult: ‚Jetzt gibt es Krieg!’ Und ihre Brüder, die sind alle Offiziere, die müssen raus.“ 39
6. Kriegsbeginn 1939
„Seit fünf Uhr fünfundvierzig wird jetzt zurückgeschossen!“ 40 - diese Worte Hitlers vom 1. September 1939 markieren den deutschen Angriff auf Polen und damit den Beginn des II. Weltkrieges.
Trotz der ständigen Propaganda der Nationalsozialisten, Deutschland brauche neuen „Lebensraum“ im Osten, herrschte zu diesem Zeitpunkt in der Bevölkerung Deutschlands keineswegs Begeisterung über den Krieg. Nach den Erfahrungen im I. Weltkrieg „voller Kriegsfurcht und Friedenssehnsucht“ 41 , „hoffte man wider alle Vernunft, es werde Hitlers ‚Staatskunst’ gelingen, ihn zu vermeiden.“ 42 Ungeachtet aller Bedenken hielten die meisten Deutschen die
36 Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen (Hrsg.): Die Hassell-Tagebücher 1938-1944. Berlin 1988, S. 51
37 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 38 vgl. Brief von Hubert Schmidt an den Verfasser vom 6/1/2001 39 vgl. Interview mit Eva und Alfred Hafner vom 6/9/2000 40 zitiert aus: Ralf Schabel: Weltmacht oder Untergang, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band III, Das bittere Ende 1939-1945. München 1993, S. 45 41 ebenda, S. 45
42 Marlis G. Steinert: Deutsche im Krieg: Kollektivmeinungen, Verhaltensmuster und Mentalitäten, in: Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 1993, S.
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- 13 - Teilnahmeam Krieg für eine Pflicht gegenüber dem Vaterland 43 , oder anders ausgedrückt: „Wie in einem Bericht der Exil-SPD zum Ausdruck kam, war der Nationalismus stärker ausgeprägt als die Abneigung gegen das Regime.“ 44 Die Abneigung gegen einen neuerlichen Krieg war nach den Erfahrungen des I. Weltkriegs auch in Weilheim weit verbreitet, wie bereits deutlich geworden ist. Sogar Anhänger der NSDAP machten hier keine Ausnahme: Heinz Staudinger beschreibt in seinem Buch „Zwischen Hakenkreuz und Sternenbanner“ über seine Kindheitserlebnisse in Weilheim, wie sein Vater, ein SA-Mann erster Stunde, im August 1939 auf die Frage nach der Möglichkeit eines Krieges antwortet: „Wir wollen’s nicht hoffen.“ 45 Auch Friedrich Auer erzählt von seinem Vater, der auf Grund des scheinbar von Hitlers Machtübernahme getragenen Wirtschaftsaufschwungs am 1. Mai 1933 in die NSDAP eintrat, er sei „nicht erfreut, eher bedrückt gewesen“ 46 , ähnlich sei ferner die Stimmung bei den eingerückten Weilheimer Reservisten gewesen. Religiös geprägte Personen, wie die Eltern von Hubert Schmidt oder Hans Vollmann, waren schon lange vor 1939 der Meinung: „Hitler bedeutet Krieg!“ 47 ; der Kriegsausbruch wurde trotz dieser Vorhersehung als „große Erschütterung“ 48 empfunden. Doch der Krieg wurde auch bei dieser Personengruppe als „vaterländische Sache“ gesehen, denn obwohl beispielsweise Hubert Schmidts Vater vor 1933 der BVP nahe stand, war das „Deutschtum (...) ein Wert“ 49 für ihn. Insofern ist auch verständlich, dass es bei den anfänglichen militärischen Erfolgen „schon eine gewisse Euphorie und Be-geisterung (...) [gab], aber nicht für den Nationalsozialismus, sondern für Deutschland“ 50 . Vor dem Hintergrund der ständigen Propaganda blieben wohl Personen wie der Vater von Frau Y, der von Anfang an pessimistisch über den Ausgang des Krieges war 51 , die Ausnahme.
7. Kriegsverlauf bis zur Schlacht von Stalingrad 1943
43 vgl. Schabel, S. 45
44 vgl. Steinert, S. 476
45 Heinz Staudinger: Zwischen Hakenkreuz und Sternenbanner. Glonn 1999, S. 57 46 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
47 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000, Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 48 Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 49 ebenda 50 ebenda
51 vgl. Interview mit Frau Y vom 21/9/2000
- 14 - InDeutschland keimte erst langsam mit den schnellen Erfolgen der Armee Siegesjubel auf, allerdings immer „gepaart mit der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende.“ 52 Diese Freude wurde alsbald wieder gedämpft mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 sowie mit der Kriegserklärung an die USA im Dezember desselben Jahres. 53 Vollends zum Umkippen geriet die Stimmung dann nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad: Die meisten Menschen verloren nun trotz aller Propaganda vom „totalen Krieg“ den letzten Glauben an den „Endsieg“ 54 .
In Weilheim berichtet der Landrat von Mai 1940 bis April 1941 in seinen geheimen Monatsberichten von guter Stimmung und Zuversicht auf baldigen Sieg 55 , bemerkt aber auch wie im Dezember 1940: „Die Bevölkerung sehnt sich sehr nach einer baldigen Beendigung des Krieges.“ 56 Hans Vollmann bestätigt, dass in den ersten Kriegsjahren durchaus noch Siegessicherheit geherrscht habe 57 . Eine Änderung dieser Stimmungslage ergab sich in Weilheim zunächst im Mai 1941 mit dem Scheitern des Friedensangebotes an Großbritannien 58 ; vier Monate später - Hitler hatte bereits zum Angriff gegen den „russischen Bolschewismus“ geblasen - gibt der Landrat im September zu: „Die Siegesfreude ist allerdings etwas gedämpft durch die gegenüber den bisherigen Feldzügen größeren Verluste, die noch dazu von gewissenlosen Elementen teilweise übertrieben werden.“ 59 Auch der Vater von Friedrich Auer, der ja Mitglied der NSDAP war, wusste vom Zeitpunkt des Kriegsbeginns mit der Sowjetunion, dass der Krieg nun lange dauern würde. 60 Die Niederlage von Stalingrad brachte für viele Weilheimer den endgültigen Stimmungsumschwung, auch angesichts der steigenden Zahl von Gefallenen, denen man anstatt „in stolzer Trauer“ zunehmend nur noch „in tiefer Trauer“ gedachte 61 , was auf steigende Kriegsmüdigkeit und Ernüchterung schließen lässt. Die Aussage von Hans Vollmann, „ab 1942 hat sowieso kein Mensch mehr
52 Steinert, S. 478
53 vgl. ebenda, S. 480/481 54 vgl. Schabel, S. 66 55 vgl. Staatsarchiv München, NSDAP 617 56 ebenda
57 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 58 vgl. Staatsarchiv München, NSDAP 617
59 ebenda; noch im gleichen Monat warnte der Landrat die Bürgermeister im Landkreis Weilheim vor der „Gerüchtebildung (...) seit Beginn des Feldzuges gegen Russland“ (NSDAP 617), als deren Quellen er Feindsender sowie „kommunistische Agitation“ ausmachte. 60 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 61 vgl. Brief von Hubert Schmidt an den Verfasser vom 6/1/2001
- 15 - darangeglaubt, dass wir den Krieg gewinnen.“ 62 ist dennoch zu undif-ferenziert, denn laut Friedrich Auer haben nach diesem Ereignis, das für seine Familie den Wendepunkt darstellte, „Viele noch nicht geglaubt, dass der Krieg verloren ist.“ 63 Gleichwohl kann davon ausgegangen werden, dass selbst NSDAP-Funktionäre nun Zweifel am letztendlichen Triumph Deutschlands bekamen; so schildert Friedrich Auer, wie nach Stalingrad der „Zellenleiter meinem Vater erzählt [hat], was er im Feindsender gehört hat, und mein Vater hat ihm erzählt, was er im Feindsender gehört hat.“ 64
8. Kriegsende in Weilheim: Der Einmarsch der Amerikaner im April 1945
Zur „dumpfen Resignation“ 65 , die sich 1943 in der Bevölkerung Deutschlands auszubreiten begann, kam nach und nach die durch den von Goebbels ausgerufenen „totalen Krieg“ verursachte Erschöpfung durch
Nahrungsknappheit, Überarbeitung sowie der Schrecken der andauernden Luftangriffe. 66 So ist es verständlich, dass sich angesichts des sich abzeichnenden Kriegsendes Erleichterung ausbreitete, und dass die einmarschierenden Alliierten eher als „Befreier“ denn als „Besatzer“ gesehen wurden 67 . Ähnlich gestaltete sich die Situation in den letzten Kriegsmonaten auch in Weilheim. Heinz Staudinger erzählt in seinem Buch über die Anstrengungen seiner Mutter, durch so genanntes Hamstern „die notwendige Ergänzung der immer knapper werdenden Lebensmittelzuteilungen“ 68 zu erlangen, indem sie bis in ein Bauerndorf in der Nähe von Mindelheim fuhr. Weiter beschreibt er aus seinen Erlebnissen als Sammler für das Winterhilfswerk: „Manchen war anzusehen, dass sie am liebsten nichts gegeben hätten.“ 69 ; eine alte Frau antwortete, als er ihr im April 1945 mit dem Hitler-Gruß begegnete: „Lass mi in Ruah mit dei’m Hitler! Mit dem werd’s jetzt nacha glei vorbei sei, mit eiam Hitler, mit dem Sauhund, dem verreckt’n!“ 70 In die ähnliche Richtung geht auch
62 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000
63 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 64 ebenda 65 Steinert, S. 481 66 vgl. Steinert, S. 482 67 vgl. Steinert, S. 483 68 Staudinger, S. 196 69 ebenda, S. 207 70 ebenda, S. 232
- 16 - FrauX, die feststellt: „Zuletzt waren alle froh, wie das System aus war.“ 71 Hieraus wird deutlich, wie wenig Rückhalt der Nationalsozialismus in der Bevölkerung Weilheims am Ende noch hatte. Für die Kriegsmüdigkeit in Weilheim spricht zudem, dass die Weilheimer, die im Oktober 1944 noch zu einer Volkssturm-Einheit eingezogen wurden, ihre Unwilligkeit bei der
Vereidigung durch den NSDAP-Kreisleiter mit „ungebührliche[n]
Bemerkungen“ 72 äußerten. Trotz einiger NSDAP-Veranstaltungen mit dem Motto „Kämpfen, Opfern, Siegen, nicht nachlassen“ im selben Jahr 73 glaubten nur noch wenige 74 weiter an den Sieg.
Hans Vollmann berichtet über die Zeit zum Ende des Krieges, als die alliierten Bomber nahezu ungehindert in den deutschen Luftraum eindringen konnten, dass ihm die Angst bei möglichen Luftangriffen noch heute aufsteige 75 . Als Einheiten der US-Armee im April 1945 sich im Raum Landsberg befanden, wurde eine Verteidigung Weilheims vorbereitet, was in der Stadt „nur Spott über diese Maßnahmen“ 76 auslöste. Am 27. April machten sich deutsche Pioniertruppen daran, die beiden Brücken über die Ammer zu sprengen, um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten. Mehrere Weilheimer Bürger machten sich keine Illusionen über die Sinnlosigkeit dieser Aktion und versuchten, die Sprengung zu verhindern 77 .
Vor dem Hintergrund der starken Friedenssehnsucht der Menschen trifft die Ansicht von Frau Y, die meisten Weilheimer seien froh gewesen, als die Amerikaner am 29. April einmarschierten 78 , wohl zu.
II. Die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf den
Ein Grundbestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war die Propagierung der Losung „die Juden sind unser Unglück!“ Als Konsequenzen
71 Interview mit Frau X vom 2/8/2000
72 Wirth, S. 108 73 vgl. ebenda, S. 107 74 vgl. ebenda, S. 108
75 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000; Weilheim wurde zwar nur einmal Opfer eines Bombenangriffes (am 19/4/1945), jedoch gab es des öfteren Luftalarme sowie in der Umgebung Tieffliegerangriffe 76 Wirth, S. 111
77 vgl. ebenda, S. 112/113; letztendlich wurde jedoch trotz des Protestes eine der beiden Brücken zerstört.
78 vgl. Interview mit Frau Y vom 21/9/2000
- 17 - darausfolgte nach der Machtübernahme Hitlers der schrittweise Ausschluss der Menschen jüdischen Glaubens aus dem wirtschaftlichen und öffentlichen Leben und schließlich der schlimmste Völkermord der Geschichte, die Ermordung von ca. sechs Millionen Juden in Europa.
Auf welche Reaktionen stieß die alltägliche antisemitische Hetzjagd bei den „unbeteiligten“ Menschen? Zum besseren Verständnis ist eine Schilderung der allgemeinen diesbezüglichen Stimmungslage in Südbayern 79 hilfreich. Der radikale Antisemitismus des Nationalsozialismus stieß dort auf Grund des starken Einflusses der katholischen Kirche 80 , aber auch auf Grund der Tatsache, dass der Bevölkerungsanteil mit jüdischem Glauben sehr gering war 81 , insofern kaum auf Widerhall, als die Bevölkerung der antisemitischen Propaganda „wenig Beachtung schenkte und an sich vorüberziehen ließ“ 82 , gewalttätige Aktionen gegen Juden als Ruhestörung empfand 83 , und insbesondere die Bauern erst auf Druck der NSDAP Geschäftsbeziehungen mit jüdischen Händlern abbrachen 84 ; diese Erscheinung zeigt jedoch gleichzeitig, dass der Grund für dieses Verhalten nicht Mitleidsgefühle mit den Juden, sondern vor allem wirtschaftliche Interessen waren 85 . Dennoch fanden die Nürnberger Gesetze 1935 auch in Südbayern „anscheinend starke allgemeine Zustimmung
der Bevölkerung.“ 86 Die Reichspogromnacht 1938 hingegen wurde hauptsächlich wegen ihrer Gewalttätigkeit und Zerstörungswut v.a. von der katholischen und ländlichen Bevölkerung kritisiert 87 . Insgesamt lässt sich behaupten, dass die radikale Form des Judenhasses der NS-Propaganda von der Gesellschaft wohl kaum geteilt wurde, sodass „die ‚dynamischen Judenhasser’ sicherlich einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung [bildeten]. Die Zahl wirklicher Freunde von Juden war aber wohl noch geringer.“ 88
79 die folgende Darstellung stützt sich im wesentlichen auf die Studie von Ian Kershaw: Antisemitismus und Volksmeinung, in: Martin Broszat/Elke Fröhlich (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Band II, Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt. München 1979, S. 281ff. 80 ebenda, S. 309; jedoch gab es sehr wenige Pfarrer wie Karl Steinbauer aus Penzberg, die explizit vor dem Antisemitismus warnten (vgl. ebenda, S. 311);
81 in Oberbayern betrug der Anteil nach der Volkszählung von 1933 lediglich 0,54% (vgl. ebenda, S. 288) 82 ebenda, S. 291 83 vgl. ebenda, S. 294 84 vgl. ebenda, S. 308 85 vgl. ebenda, S. 302 86 vgl. ebenda, S. 297 87 vgl. ebenda, S. 330 88 ebenda, S. 343
- 18 - Wiestand nun die Bevölkerung Weilheims dem Antisemitismus gegenüber? Vorangestellt muss werden, dass „die Judenverfolgung im Altlandkreis Weilheim angesichts des minimalen jüdischen Bevölkerungsanteils nur eine eher untergeordnete Rolle“ 89 spielte, denn wie im gesamten Oberbayern lebte auch in Weilheim nur eine verhältnismäßig kleine Zahl von Juden: 1926 waren nur acht jüdische Bürger im Weilheimer Adressbuch verzeichnet 90 , darunter waren die Geschäftsleute Buxbaum und Harburger und der Viehhändler Kahn nach Aussagen der Interviewpartner die prominentesten, auch nach der Machtübernahme der Nazis. Die Weilheimer brachten ihnen Respekt entgegen 91 und kauften nach wie vor im „Kaufhaus Gebrüder Buxbaum“ bis zu seiner erzwungenen Schließung nach der Reichspogromnacht 1938 92 ein 93 . Ebenso sei die Tochter Buxbaums in der Schule nicht isoliert gewesen 94 , erzählt Frau Y -obwohl die allermeisten Schüler der HJ angehörten. Daher lässt sich die Ansicht, Antisemitismus sei in Weilheim kaum verbreitet gewesen 95 , durchaus nachvollziehen. Es ergab sich sogar ein „Prestigeverlust der NSDAP“ 96 , da diese bei ihren antisemitischen Aktionen „keine Rücksicht auf die Volksmeinung“ 97 nahm, die Boykotte gegen Juden ablehnte 98 und zumindest 1933 noch hier und da dagegen Widerspruch äußerte 99 . Auch die Nürnberger Gesetze stießen in Weilheim auf kein Verständnis 100 , denn trotz aller Hetze herrschte noch immer die Ansicht vor: „Die Juden sind doch honorige Leute!“ 101 . Doch zu offenem Protest kam es wohl aus Angst vor Repressalien nicht 102 . Selbst Mitglieder der NSDAP waren nicht in jedem Falle zugleich Antisemiten: Der Vater von Heinz Staudinger, der sogar Blutordensträger war, urteilte 1939 über einen Vertretungsarzt, der angeblich „Halbjude“ war: „Der Arzt soll tüchtig sein, und
89 Tobias Reuß: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Altlandkreis Weilheim. Polling 1996, S. 86
90 vgl. Zeitungsartikel „Juden in Weilheim: Einst angesehen, später verfolgt“ von Ingrid Kuhn, Weilheimer Tagblatt Nr. 100 vom 2/5/1995
91 vgl. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000, Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 92 vgl. Reuß, S. 84
93 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000, Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000
94 vgl. Interview mit Frau Y vom 21/9/2000 95 vgl. ebenda 96 Reuß, S. 86 97 ebenda, S.86 98 ebenda, S. 86
99 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000 100 vgl. ebenda 101 ebenda 102 vgl. ebenda
- 19 - wennihn der Doktor Goltermann als Vertreter benennt, dann ist alles in Ordnung. Der hat doch auch eine Menschenkenntnis!“ 103 Friedrich Auer erzählt von der Reaktion seines Vater und seines Onkels auf die Reichspogromnacht 1938: „Beide Parteigenossen, aber kritisch, (...) da haben sie sich entsetzt damals.“ 104 Der 9. November 1938 offenbart jedoch auch einen „Fleck auf der weißen Weste“ der Weilheimer in bezug auf den Antisemitismus: Die Schaufenster des Kaufhauses Buxbaum wurden von Schülern aus Weilheim 105 zerstört; daraufhin stürmten Leute in das Geschäft und ließen offen liegende Ware mitgehen 106 . Ein weiteres Beispiel für die persönliche Profitierung durch den Judenhass gibt es: Ein Weilheimer Parteigenosse, der Gerüchten zufolge große Schulden bei dem Kaufhaus hatte, behauptete im antisemitischen Hetzblatt „Der Stürmer“, dass Buxbaum eine von einem Familienmitglied bereits benutzte Decke verkauft habe 107 . Insgesamt lässt sich jedoch sagen, dass sich der von den Nationalsozialisten so heftig vertretene Antisemitismus in Weilheim bei weitem nicht so durchsetzte wie in anderen Gebieten Bayerns, oder auch Teilen Frankens 108 .
2. Gebrauch des Hitler-Grußes
Eine wesentliche konkrete Veränderung im Alltagsleben bestand in dem Zwang, statt traditioneller Begrüßungsformen (in Weilheim vor allem „Grüß Gott“) den „Deutschen Gruß“ zu gebrauchen: Ein aufrechter Deutscher musste bei einer Begegnung mit einem „Volksgenossen“ seinen rechten Arm in die Höhe strecken und dazu „Heil Hitler!“ deklamieren 109 . Über die Reaktionen in der Weilheimer Bevölkerung auf diese Neuerung ergibt sich kein einheitliches Bild: Frau Y meint, „die meisten haben sich nicht gern angepasst“ 110 an die vom Nationalsozialismus verordneten Veränderungen wie den Hitler-Gruß, letztendlich sei es der Zwang gewesen, der zu einer Verhaltensänderung geführt habe. Hingegen ist Dr. Walter Gronauer der Meinung, über den Hitler-Gruß sei hauptsächlich gewitzelt worden 111 ; der Ernst,
103 Staudinger, S. 74
104 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 105 vgl. Interview mit Frau Y vom 21/9/2000
106 vgl. Interview mit Eva und Alfred Hafner vom 6/9/2000 (Aussage von Eva Hafner) 107 vgl. Zeitungsartikel von Ingrid Kuhn 108 vgl. Kershaw, S. 294 ff.
109 vgl. Alfred Krink: Leben im Dritten Reich. Bonn o. J., S. 10 110 Interview mit Frau Y vom 21/9/2000 111 vgl. Interview mit Dr. Walter Gronauer vom 28/11/2000
- 20 - derder Anwendung des Hitler-Grußes beigemessen wurde, manifestiere sich auch an der Erzählung seines Vaters über einen Bekannten, der „gesagt [hat] ‚Habe die Ehre, Grüß Gott, Heil Hitler!’, sodass für jeden etwas dabei war.“ 112 Hans Vollmann sagt, Jugendliche hätten nur Lehrer und Parteigrößen mit dem Hitler-Gruß gegrüßt, generell sei lediglich auf den Behörden auf eine korrekte Anwendung des Grußes geachtet worden 113 . Willi Simader wiederum nimmt an, der Hitler-Gruß sei zum Teil sogar positiv aufgenommen worden, so sei bei- spielsweisefür Schüler „Heil Hitler“ praktischer auszusprechen gewesen als „Guten Tag, Herr Professor Sowieso“ 114 . Allen Äußerungen gemeinsam ist jedoch die Auffassung, dass die dahinter stehende Ideologie, durch den „Deutschen Gruß“ solle die „Volksgemeinschaft“ ständig im Bewusstsein aller bleiben 115 , bei den Menschen in Weilheim wohl wenig zum Tragen kam.
3. Kontrolle der Bevölkerung
Der Nationalsozialismus versuchte in vielfältiger Weise, das öffentliche wie das private Alltagsleben der Menschen zu kontrollieren und „gleichzuschalten“. Zwei Aspekte dieser Bestrebungen sollen im Folgenden für Weilheim näher beschrieben werden.
Um die perfekte Überwachung der Gesellschaft sicherzustellen, war die NSDAP bis in die unterste Ebene durchorganisiert. Auch in Weilheim drang die Partei mit den Blockwarten in die Privatsphäre der Einwohner ein und verursachte das Gefühl, fortdauernd bespitzelt zu werden. Eva Hafner erinnert sich: „Was ich als Kind schlimm empfunden habe (...), war der Sonntagseintopf. (...) Da hat man nur in einem Topf kochen dürfen, (...) und da ist am Vormittag kurz vor zwölf Uhr der Blockwart gekommen und ist bei den Küchen herein (...) und hat Deckel aufgehoben und nachgeschaut, ob man tatsächlich [sich] da dran gehalten hat. (...) Die waren gefürchtet, die Blockwarts.“ 116 Weiterhin äußerte 1944 Heinz Staudingers Mutter mit folgenden Worten die Nervosität, die sie angesichts der dauernden Nachspionierung durch den Blockwart, der sogar nachts mit der Taschenlampe seiner Aufgabe nachging, verspürte: „Allmählich
112 ebenda
113 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 114 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000 115 vgl. Krink, S. 10
116 Interview mit Eva und Alfred Hafner vom 6/9/2000
- 21 - regtmich dieser Mensch auf. Immer schaut er aus dem Fenster, wenn man vorbeigeht, man fühlt sich ständig beobachtet.“ 117 Für politisch Unliebsame richteten die Nazis noch im ersten Jahr ihrer Herrschaft ein Konzentrationslager in Dachau ein. „Halt’s Maul, sonst kommst nach Dachau!“ 118 - diese Warnung war teilweise in abgewandelter Form fast allen Weilheimern vertraut; bekannt war den meisten außerdem: In Dachau geschah „etwas Schlimmes“ 119 , und: „Nach Dachau kommt man, wenn man gegen das Regime aktiv tätig wird, oder, nicht einmal aktiv, sondern nur mit Worten sich massiv gegen das Regime in der Öffentlichkeit äußert.“ 120 Auch auf einige Weilheimer fiel das Damoklesschwert der KZ-Haft tatsächlich herunter, vor allem natürlich auf politische Gegner des Nationalsozialismus, wie einen SPD-Stadtrat 121 und einen Gewerkschaftssekretär 122 , und
weltanschauliche Opponenten, wie eine Familie, die den Zeugen Jehovas angehörte 123 . Doch es reichte allein schon, betrunken am Biertisch eine Bemerkung wie „1923 haben sie dummerweise den Hitler nicht erwischt!“ 124 zu machen, um in ein KZ gesteckt zu werden. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass in Weilheim eine Atmosphäre großer Angst geherrscht hat 125 . Damit nicht genug - die NSDAP verfügte über weitere Mittel, um das Angstpotenzial noch zu vergrößern und sich die Menschen politisch gefügig zu machen: Wer in seinen Meinungsäußerungen Widerspruch zur Parteilinie kundgab, wurde bevorzugt zum Kriegsdienst eingezogen 126 oder einfach gewaltsam zur Raison gebracht wie Pfarrer Steger, der 1936 von SA-Männern überfallen wurde, nachdem er bei der Reichstagswahl seinen Wahlzettel lediglich mit dem Datum „30. 06. 34“ (dem Tag des so genannten „Röhm-Putsches“) beschrieben abgegeben hatte 127 . Es gibt jedoch Hinweise darauf, die Friedrich Auers Ansicht, „in einer Kleinstadt ist das alles ein bisschen menschlicher als in einer Groß- 117 Staudinger,S. 194
118 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000
119 Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000; die genauen Details der Vorgänge im KZ waren vermutlich nicht bekannt, denn entlassene KZ-Häftlinge wurden mit erneuter Inhaftierung bedroht, falls sie etwas über ihre Haft erzählen sollten (vgl. ebenda) 120 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 121 vgl. Klasen, S. 42 122 vgl. ebenda, S. 22 123 vgl. Interview mit Frau Y vom 21/9/2000 124 Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000 125 vgl. ebenda
126 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000
127 vgl. Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Weilheim (Hrsg.): 100 Jahre Evangelische Apostelkirche in Weilheim. Weilheim 1999, S. 26f.
- 22 - stadt“ 128 ,stützen; so erzählt Alfred Hafner: „Geschimpft haben sie alle, ein bisschen halt, ein Witzerl hat man gemacht“ 129 - und dies trotz aller Bedrohungen. Der Grund dafür mag darin liegen, dass Partei und Behörden teilweise bei missliebigen Äußerungen wohl ein Auge zudrückten: Zwar sagten Parteigenossen, wenn sie in Wirtshäusern mithörten, dass jemand das Regime verspottete: „Wenn noch einmal so etwas kommt, kannst du damit rechnen, dass du eingesperrt wirst!“ 130 , doch es wurde in der Regel nicht sogleich denun-ziert, sondern es blieb bei dieser Warnung 131 . Wie weit diese „Toleranz“ gehen konnte, zeigt ein Beispiel, an das sich Friedrich Auer erinnert: Es habe einen Benefiziaten gegeben, „der war etwas unvorsichtig und hat etwas zu deutlich zu erkennen gegeben, wie sehr er das NS-Regime ablehnt. (...) Da weiß ich, dass dein Vater (d.h., der Vater von Friedrich Auers Ehefrau) als Polizeichef von Weilheim zum Stadtpfarrer Braunmiller gegangen ist (...) und hat zum Stadtpfarrer Braunmiller gesagt: ‚Herr Stadtpfarrer, machen’s dem Herrn Freuding klar, dass er das nicht machen darf, ich kann nicht immer meine schützende Hand darüber halten.’“ 132 Doch all dies soll nicht darüber hinwegtäuschen, wie viel Mut es erforderte, aktiv Widerstand zu leisten, wie es ein Weilheimer Student mit Verbindungen zur Weißen Rose getan hat, der mit orangeroter Farbe quer über die Bahnhofstraße das Wort „FREIHEIT“ schrieb 133 und zusammen mit anderen sogar eine illegale Partei in Weilheim gründete 134 .
4. Schule
„Das Wesentliche der Revolution ist nicht die Machtübernahme, sondern die Erziehung des Menschen“ 135 - gemäß dieser Aussage Hitlers vom 3. Juli 1933 versuchte die NSDAP ihren Einfluss auf die Schulen auszudehnen, um ihr Erziehungsideal verwirklichen zu können. Konnte sich dieser Anspruch auch im Schulalltag in Weilheim durchsetzen, und wie wurde der Nationalsozialismus
128 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
129 Interview mit Eva und Alfred Hafner vom 6/9/2000 130 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 131 vgl. ebenda
132 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
133 vgl. unveröffentlichter Aufsatz von Hubert Schmidt: Die weiße Rose in der Kleinstadt. München 1984, S. 4ff.
134 vgl. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000
135 zitiert aus: Ambros Schor: Erziehung Propaganda und Kunst in der Hand der NSDAP, Der totale Zugriff des Staates auf den Menschen, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band I, Machtergreifung und Machtsicherung 1933-1935. München 1994, S. 116
- 23 - mitden Veränderungen, die er mit sich brachte, von den Lehrern aufgenommen?
Zunächst scheint es aufschlussreich, die Zeit unmittelbar nach der Machtübernahme zu beleuchten. Interessanterweise wurden die Feiern anlässlich des „Tages von Potsdam“ am 21. März 1933, dem Datum der Eröffnung des Reichstages nach den Wahlen vom 5. März, von zwei Schulen in Weilheim offenbar sehr unterschiedlich zelebriert. Das „Oberländer Volksblatt“, eine Zeitung, die bereits ganz auf Parteilinie getrimmt war, berichtet darüber: „Die Feier der Eröffnung des deutschen Reichstages am 21. März gestaltete sich in der Volksknabenschule in Weilheim zu einem erhebenden Fest. (...) Leider Gottes wurde der Tag in der Mädchenschule ganz anders begangen - gefeiert kann man da nicht mehr sagen. Die Lehrerinnen sprachen mit keinem Wort vom Reichspräsidenten, vom Reichskanzler; (...) Als die Mädchen spontan das Horst-Wessel-Lied anstimmten, wurde ihnen das untersagt mit dem Hinweis, dieses Lied gehöre nicht in die Schule.“ 136
Eine Woche später beschreibt dieselbe Zeitung das Motto der Schlussfeier der städtischen Berufsschule Weilheim: „Wer national und christlich denkt, folgt Hitler.“ 137 Zwei Tage darauf wird eine Rede zur Schlussfeier der Realschule Weilheim mit den Worten „Zusammenhänge zwischen Gott und Vaterland betonend“ 138 kommentiert, Lobgesänge auf Hitler und sein neues Regime werden jedoch nicht erwähnt. Diese Beispiele zeigen, dass anfangs die Einstellung zu Hitler und seinem neuen Regime von Schulleitung zu Schulleitung variierten.
Äußerlich vollzog sich der Machtwechsel innerhalb der Schulen dann sehr rasch: Der Jahresbericht der Realschule Weilheim über das Schuljahr 1933/1934 erläutert, dass die Schule sich an insgesamt zehn nationalsozialistischen oder deutsch-nationalen Kundgebungen beteiligte und fünf Feiern ähnlichen Charakters selbst organisierte, dass die Schüler in den Genuss des „Reichsparteifilms der NSDAP“ und zwei ähnlicher Werke kamen, und dass die Schlussfeier des Jahres 1934 das Motto „Bekenntnis der Schule zu Führer und Volk“ hatte 139 . Friedrich Auer, der diese Schule besuchte, erinnert
136 Oberländer Volksblatt Nr. 72 vom 26/3/1933 (Stadtarchiv Weilheim); die Mädchenschule wurde von den „Englischen Fräulein“, einer katholischen Schwesterngemeinschaft, geführt. 137 Oberländer Volksblatt Nr. 81 vom 5/4/1933 (Stadtarchiv Weilheim) 138 Oberländer Volksblatt Nr. 83 vom 7/4/1933 (Stadtarchiv Weilheim) 139 alle Angaben vgl. Staatsarchiv München, Gymnasium Weilheim 57
- 24 - sichneben der vielen Feiern ferner daran, dass die Schüler eine Reihe neuer Lieder lernen mussten 140 .
Im Schulalltag aber machte sich der Nationalsozialismus - außer beim täglichen „Deutschen Gebet“, das das morgendliche Vaterunser ersetzt hatte 141 - darüber hinaus relativ wenig bemerkbar. Hans Vollmann meint, zwar habe der Kriegsverlauf dargestellt werden müssen, doch die Ideologie sei nur gestreift worden 142 . Auch der Ablauf eines typischen Schultags im Jahre 1942, geschildert in einem Bericht in der Schülerzeitung aus demselben Schuljahr, lässt nicht auf eine starke Indoktrinierung der Schüler im Sinne des Nationalsozialismus schließen 143 . Mitursache dafür ist die Tatsache, dass der größte Teil der Lehrer eher ablehnend gegenüber dem NS-Regime eingestellt war 144 . Doch da „es ausgesprochen gefährlich gewesen [wäre], wenn der Lehrer direkt gegen das Regime Stellung bezogen hätte“ 145 , konnten die Schüler nur über Umwege die Haltung ihres Lehrers erkennen: So versuchten Viele, den Hitler-Gruß durch Begrüßungen wie „setzt euch!“ oder „shut the windows!“ zu vermeiden 146 . In der Volksschule wiederum gab es einen Lehrer, von dem Heinz Staudinger erwähnt, dass er im Lesebuch die Passagen ausgelassen habe, die sich mit Hitler und dem Nationalsozialismus beschäftigten 147 . Auf die Beliebtheit der Lehrer bei den Schülern hatte ihr politischer Standort wohl keinen Einfluss, denn obwohl „man (...) von den Elternhäusern gegen diese Sache eingestellt [war]“ 148 , mochten die Schüler laut Friedrich Auer einen Lehrer, der begeisterter Nazi war und oft mit seiner SA-Uniform in die Schule kam 149 .
140 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000; welcher Wert auf diese „Bildung“ gelegt wurde, ist daraus ersichtlich, dass Friedrich Auer bis heute Texte dieser Lieder rezitieren kann. 141 vgl. Staudinger, S. 128f. 142 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000
143 vgl. Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Weilheim (Hrsg.): Jahresschrift 1997. Weilheim 1997, S. 5ff.
144 vgl. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000, Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000
145 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 146 vgl. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 147 vgl. Staudinger, S. 84 148 Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 149 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
- 25 - DieAttraktivität des Nationalsozialismus für Jugendliche hatte erheblichen Anteil am Aufstieg der NSDAP, die zahlreiche junge Wähler mit der Parole „Nationalsozialismus ist organisierter Jugendwille“ an sich binden konnte 150 . Trotzdem konnte die Hitlerjugend (HJ) bis Ende 1932 nicht mehr als 100 000
Mitglieder gewinnen 151 . Innerhalb eines Jahres nach der Machtübernahme jedoch steigerte sie ihre Mitgliederzahl auf mehr als zwei Mio. Diesen Zuwachs hatte die HJ der Anwendung des Prinzips „Zuckerbrot und Peitsche“ bei der Mitgliederwerbung zu verdanken: Allen Jugendlichen, armen wie reichen, Jungen wie Mädchen, in der Stadt wie auf dem Land, erbot sich einerseits die Möglichkeit, zusammen mit Gleichaltrigen scheinbar eigenverantwortlich ihre Freizeit zu gestalten im Bewusstsein, an der „Wiederherstellung nationaler Größe“ mitzuwirken 152 , „das Abenteuerliche der Soldatenspiele, das geheimnisvoll Dämonische der Fackelzüge und Lagerfeuer“ 153 inbegriffen. Andererseits wurde über Eltern, Schulen und Betriebe Druck auf die Jugendlichen ausgeübt, beizutreten, gleichzeitig wurden konkurrierende Jugendverbände bekämpft und schließlich nach und nach verboten 154 . Bereits 1936, also lange vor dem 25. März 1939, als der Dienst in der HJ für alle Zehnbis 18-jährigen verpflichtend wurde, konnte Reichsjugendführer von Schirach anlässlich der Erfassung von 95 % der Jugendlichen des Jahrgangs 1926 triumphieren: „Der Kampf um die Einigung der Jugend ist beendet!“ 155 Vor diesem Hintergrund ist die Frage, wie die Weilheimer Jugend zum Nationalsozialismus stand, daher am besten mit der Untersuchung der Beliebtheit der HJ zu beantworten, der Organisation, in der die Jugendlichen einen großen Teil ihrer Freizeit verbrachten und wohl am unmittelbarsten mit dem NS-Staat konfrontiert wurden.
Auch für Weilheim sind wohl die bereits angeführten Gründe dafür ausschlaggebend, dass auch hier bereits 1933 ein relativ großer Teil der Jugendlichen zur HJ ging und die anderen Jugendgruppen der Pfadfinder und
150 vgl. Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich, in: Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 1993, S. 222 151 vgl. ebenda, S. 223
152 vgl. ebenda, S. 225 sowie Hans Thieme: „Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder“, Nationalsozialistische Jugenderziehung bis 1939, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band II, Friedenspropaganda und Kriegsvorbereitung 1935-1939. München 1993, S. 296 153 vgl. Krink, S. 4 154 vgl. Klönne, S. 223 155 zitiert aus: Grube/Richter, S. 87
- 26 - derkatholischen Kirche schnell schrumpften 156 . Die HJ war attraktiv wegen der Sport- und Freizeitmöglichkeiten (es gab u.a. eine „Nachrichten-HJ“, eine Reiter-HJ, und sogar Segelfliegen war im Programm) 157 , der Fahrten 158 und dem Kameradschaftserlebnis 159 . Friedrich Auer, nach eigener Aussage ein begeisterter Führer im Jungvolk, charakterisiert die Anziehungskraft der HJ
folgendermaßen: „Wir haben viel Geländespiele gemacht in Weilheim, (...) exerziert hat man gern, schon im Jungvolk. (...) Die Propaganda, die auf uns Heranwachsende gewirkt hat, war (...) hervorragend und teuflisch zugleich. (...) Das hat Einen angesprochen! Vieles ist, ich sag’s jetzt mit Anführungszeichen, unter die Haut gegangen.“ 160 Gleichzeitig gab es aber auch Jugendliche, die eigentlich wussten, dass „[ihr] Typ hier nicht gefragt ist“ 161 : „Man war schon mehr oder weniger verpflichtet, da mitzumachen“ 162 , denn „wenn Sie nicht einer Jugendvereinigung angehört haben, waren Sie schon ein Außenseiter, waren Sie also bewusst ein Außenseiter.“ 163 Doch in Anbetracht der Tatsache, dass in Weilheim niemand gewaltsam zur HJ-Mitgliedschaft gezwungen wurde 164 , ist es wahrscheinlich, dass die Neueintritte zumindest in der Anfangszeit auf freiwilliger Basis erfolgten, wie Willi Simader bestätigt 165 . Jedoch bedeutet dies nicht, dass sich die Mitglieder auch automatisch mit den Zielen des Nationalsozialismus identifizierten, denn für sie wie auch für die meisten Eltern war die HJ keine „politische“, sondern eine „deutsche“ Organisation 166 , so wie es die NS-Propaganda verbreitete. Dazu kommt, dass gerade für Weilheim feststeht, „dass die Wirklichkeit des HJ-Betriebs und der HJ-Erziehung ‚unten’ nicht annähernd dem Anspruch entsprach, den der Staat und die NS-Jugendführung stellten“ 167 : Bei der ideologischen Schulung, die von den HJ-Führern in so genannten Heimabenden und „Jugendfilmstunden“ vollzogen werden sollte, hat es zwar „welche gegeben, die haben sich da aufgeblasen“ 168 , doch insgesamt war die Ideologie wohl eher nebensächlich 169 .
156 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000
157 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 158 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000 159 vgl. ebenda
160 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
161 Aufsatz von Hubert Schmidt: Meine Zeit in der Hitlerjugend. München o. J., S. 1 162 Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 163 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 164 vgl. ebenda
165 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000 166 vgl. ebenda 167 Klönne, S. 239
168 vgl. Interview mit Eva und Alfred Hafner vom 6/9/2000 (Aussage von Alfred Hafner)
- 27 - Außerdemist es durchaus vertretbar, wie Hans Vollmann den Dienst in der Weilheimer HJ als „relativ liberal“ 170 einzustufen: Hubert Schmidt hat natürlich Recht, wenn er sagt: „Der Drill, der war da, der Zwang war da“ 171 , doch dieser Drill wurde zumindest in manchen Bereichen verhältnismäßig locker gehandhabt. Drei Beispiele sollen hierfür genügen: So hatten die wenigsten HJ-Mitglieder eine vollständige Uniform 172 - die vorschriftsmäßigen Hosen „nannte man wegen ihrer Kürze auch ‚Schnellscheißhosen’“ 173 ; einem damals begeisterten Hitlerjungen wie Heinz Staudinger ging es angesichts des „Idealbild[s], das er sich auf Grund der offiziellen Darstellungen (...) bisher von der HJ gemacht hatte (...) bei weitem nicht zackig genug zu in seinem Jungzug.“ 174 Das bemerkenswerteste Beispiel aber ist sicherlich die Aussage von Frau X, im Weilheimer BDM sei sogar die Führerin manchmal nicht zu
Appellen gekommen und es seien dort auch Witze über Hitler gemacht worden 175 . All dies zeigt, dass das Gros der Jugendlichen in Weilheim den HJ-Dienst mit seinen Schlagworten „Pflichterfüllung“ oder „Ehre“ nicht besonders ernst nahm. Dafür spricht auch, dass die, die sich nach wie vor z.B. als Ministranten in der Kirche engagierten, keine Nachteile in der HJ erlitten 176 oder von den HJ-Führern deswegen gehasst wurden 177 . In der Zeit nach Kriegsbeginn war es zumindest in der Umgebung Hubert Schmidts so, dass es als mutig galt, „beim Aufmarsch der HJ statt ‚Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen. SA marschiert mit ruhig festem Schritt’ den Vers ‚Die Pfanne hoch, die Eier sind gesotten. SA marschiert, mit Hennendreck poliert’ zu singen. 178 Es scheint daher die Einschätzung stimmig, dass die meisten Jugendlichen, aus konservativen und kirchlich gebundenen Elternhäusern stammend, in den Kriegsjahren „der Partei und ihren Organisationen gegenüber eher skeptisch, wenn nicht gar zynisch eingestellt“ 179 waren. Dies manifestierte sich sogar in Ansätzen von Opposition, beispielsweise
169 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000, Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
170 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 171 Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 172 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 173 Schmidt, Meine Zeit in der Hitlerjugend, S. 2 174 Staudinger, S. 159 175 vgl. Interview mit Frau X vom 2/8/2000 176 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 177 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
178 Hubert Schmidt: Geschichte einer Schulklasse von 1937 bis 1947, in: Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Weilheim (Hrsg.): Jahresschrift 1992/93. Weilheim 1993, S. 10 179 ebenda, S. 9
- 28 - inder aktiven Beteiligung an einer Fronleichnamsprozession, weswegen die betroffenen Väter von der NSDAP-Kreisleitung mit Repressalien bedroht wurden. 180 Dass die Beliebtheit der HJ in Weilheim spätestens mit Kriegsbeginn stark nachließ, zeigen ferner zwei Quellen: Am 31. Oktober 1940 beklagt sich der Landrat von Weilheim in seinem geheimen Monatsbericht an die NSDAP-Kreisleitung: „Bei den gemäß Gesetz über die Hitlerjugend durchgeführten Erfassungsappellen musste festgestellt werden, dass ein großer Teil der HJ.-Dienstpflichtigen nicht erschienen ist.“ 181 Im Jahre 1943 appelliert eine Bannmädelführerin in der „Weilheimer Zeitung“ an die Eltern: „Die ab 17. Februar 43 wieder regelmäßig durchgeführten Appelle des Bundes deutscher Mädel haben gezeigt, dass ein großer Teil der Mädel nicht zum angesetzten Dienst kamen und die erforderlichen, begründeten Entschuldigungen der Erziehungsberechtigten wurden von den Mädeln nur selten abgegeben. Außerdem ist es vorgekommen, dass Mädel ihren Eltern angegeben haben, sie gingen zum Dienst und sind nicht erschienen.“ 182
2. Bauern
Die Bevölkerungsgruppe der Landwirte und Bauern wurde vom Nationalsozialismus als ein wesentlicher Bestandteil seiner Volkstumsideologie betrachtet: Der spätere Reichsernährungsminister und Reichsbauernführer Walter Darré schrieb 1929 ein Buch mit dem aufschlussreichen Titel „Das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse.“ Darin fordert er, „der Landstand soll der Eckstein des Staatsaufbaus sein, weil er der Lebensmotor und die Bluterneuerungsquelle des ganzen Volkes ist.“ 183 Dieser Bedeutung entsprechend, die die Nationalsozialisten ihm zumaßen, blieb „der Bauernstand zwölf Jahre hindurch in der Propaganda das verhätschelte Lieblingskind“. 184 Doch die Bauern selbst spielten in der Regel die ihnen zugedachte Rolle nur unwillig mit, als das Regime bereits im September 1933 an die praktische Umsetzung der ideologischen Ziele ging: Mit dem Reichsnährstand, nach dessen Produktions- und Preisvorgaben sich die Bauern entgegen der nationalsozialistischen Parole „Freie Bauern auf freier Scholle“ zwangsweise richten mussten, sicherte sich die NSDAP die vollständige Kontrolle über die
180 vgl. ebenda, S. 10
181 Staatsarchiv München, NSDAP 617
182 Staatsarchiv München, NSDAP 627, Weilheimer Zeitung Nr. 65 vom 18/3/1943 183 zitiert aus: Johannes Hampel: „Kanonen statt Butter“, Die Wirtschaft im Dienst der Aufrüstung, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band II, Friedenspropaganda und Kriegsvorbereitung 1935-1939. München 1993, S. 92 184 Grube/Richter, S. 70
- 29 - landwirtschaftlicheProduktion in Deutschland. Die Bauern waren -verständlicherweise - wenig erfreut über die dadurch erfolgte Beschränkung ihrer unternehmerischen Freiheit 185 . Die Übertragung der rassistischen Weltanschauung (Stichwort: „Blut und Boden“ - das Motto des Reichsnährstandes) auf die Landwirtschaft, die „von der bäuerlichen Bevöl-kerung zunehmend als lästig, ja als lächerlich empfunden wurde“ 186 , wurde mit Hilfe des Reichserbhofgesetzes vollzogen. Vor allem eine konkrete Veränderung,
die das Gesetz vorsah, nämlich das Verbot der Aufnahme einer Hypothek auf den Hof, wirkte sich erschwerend auf die bäuerliche Existenz aus: „Die Ehrenbezeichnung ‚Bauer’ (...) nutzte diesem wenig, wenn er zur Finanzierung technischer Neuerungen seinen Besitz nicht mit Hypotheken belasten konnte.“ 187
Vor diesem Hintergrund erscheint verständlich, dass der Anteil von Bauern unter den NSDAP-Mitgliedern 1935 nur 12,6% betrug und damit halb so groß wie ihr Anteil an der Gesamtbevölkerungszahl war 188 . Die Gestapo stellte im Februar 1936 in einem Lagebericht sogar fest, dass der Bauer „derjenige [ist], der vom Nationalsozialismus am wenigsten erfasst ist“, und folgert daraus, er zeige „völlige Verständnislosigkeit gegenüber der nationalsozialistischen Kardinalforderung ‚Gemeinnutz geht vor Eigennutz.’“ 189 Es finden sich zahlreiche Hinweise darauf, dass die Stimmung unter den Bauern in Weilheim und Umgebung nicht wesentlich anders war als eben allgemein beschrieben.
So protestierte 1937 die Kreisleitung der NSDAP Weilheim bei der Kreisamtsleitung der NS-Volkswohlfahrt (NSV) gegen eine Erhöhung der Richtsätze für die pseudo-freiwillige Agrarspende an das Winterhilfswerk (WHW) und führte als Begründung an, „eine neue Steuer von 40 Pfennig je Tagwerk [würde] die an sich recht wenig erfreuliche Stimmung in der Bauernschaft noch mehr verschlechtern.“ 190 In seiner (ablehnenden) Antwort gibt der Kreisbeauftragte des Winterhilfswerks an, „dass sich kein einziger Bauer an diese Richtsätze hält.“ 191 Hierfür nahm die NSDAP-Kreisleitung die
185 vgl. Hampel, S. 93
186 ebenda, S. 93 187 Grube/Richter, S. 71 188 vgl. ebenda, S. 72 189 beides Zitate aus: Ebenda, S. 72 190 Staatsarchiv München, NSDAP 608 191 ebenda
- 30 - Gründevorweg: Nicht nur die finanzielle Belastung der Bauern spielte eine Rolle, sondern es schien auch eher selten zu sein, „dass der Bauer sieht, dass die Gaben des WHW wirklich nur an Würdige verteilt werden.“ 192 Auch die Bevormundung durch die NSDAP bzw. den Reichsnährstand und die dadurch auferlegten Zwänge wirkten sich eher negativ auf die Stimmung unter den Bauern aus. In seinem geheimen Monatsbericht vom 2. Dezember 1940 an die Kreisleitung der NSDAP in Weilheim erwähnt der Landrat von Weilheim: „Wegen der Heuablieferung sind die Bauern vielfach sehr missgestimmt. (...) In letzter Zeit wird von den Bauern darüber kritisiert, dass sie in der Fettzuteilung wesentlich eingeschränkt werden.“ 193 „Die Stimmung in der ländlichen Bevölkerung ist wesentlich besser geworden.“ 194 vermerkt zwar der Monatsbericht vom 30. Juni 1941, gleichzeitig „hat allerdings die Ablieferungspflicht der Zentrifugen und Butterfässer zu Beunruhigungen und Missstimmungen geführt, da sich der Bauer durch solche Maßnahmen in seiner Ehre getroffen fühlt.“ 195 Hierbei wird, besonders in Anbetracht des Ausdrucks „in seiner Ehre getroffen“, wiederum deutlich, wie sehr die Bauern die Beschneidung ihrer Selbstständigkeit durch die Anordnungen des Regimes als Zumutung empfanden.
Weitere Rückschlüsse auf die Stimmung in der Bauernschaft ermöglichen die Reaktionen auf das Projekt der Schaffung einer Mustersiedlung für Erbhofbauern, die nach dem Krieg zum heutigen Weilheimer Ortsteil Lichtenau ausgebaut wurde. Vor der Machtübernahme Hitlers war die Lichtenau „ein weitläufiges Gebiet, bestehend aus Streuwiesen, Birken und viel gesunder Natur“ 196 , also das, was man unter einer Einöde verstehen kann. Für die Nationalsozialisten in Weilheim und Umgebung war das Vorhaben eine Art Prestigeobjekt, so wurde 1934 auf einer Versammlung der NSDAP in Wessobrunn das Ziel genannt, „in der Lichtenau eine Siedlung zu schaffen, wie sie idealer nicht sein kann. Wir werden dort sogar eine Kirche, eine Schule, überhaupt alles, was zu einer vorbildlichen Gemeinde im Dritten Reich notwendig ist, schaffen.“ 197 Laut Aussage von Cornelia Pscheidl, der Autorin der Chronik „Lichtenau 1939-1999“ blieb es die einzige Unternehmung ihrer Art in
192 ebenda
193 Staatsarchiv München, NSDAP 617 194 ebenda 195 ebenda
196 Cornelia Pscheidl: Lichtenau 1939-1999. Weilheim 1999, S. 1 197 zitiert aus: Ebenda, S. 1
- 31 -
Deutschland,die zumindest in Ansätzen realisiert wurde. Nach den ersten Planungen von 1934 sollten ca. 50 Bauernhöfe, umgeben von 15 bis 16½ Hektar Land, errichtet werden, die von Neusiedlern nicht gepachtet, sondern mit Hilfe von Darlehen mit relativ geringem Zinssatz gekauft werden sollten.
198
Natürlich hatten die betroffenen Flächen bereits vor 1933 Besitzer; diese mussten daher Teile ihrer Gebiete abtreten. Dies sollte hauptsächlich durch Flurbereinigung oder Grundstückstausch geschehen, doch es stand auch anfangs bereits fest, dass „Bauern,
die einen großen Besitz haben, (...) angegangen [werden], z. B. bei 100 Tagwerk 30 Tagwerk abzutreten“
199
. Außerdem wurde im Vornherein erklärt, dass die Verkäufer „jedenfalls
nicht den Preis wie sonst für einen Bauplatz“
200
erhalten würden. Dass die Bauern unter solchen Umständen -trotz der Propaganda vom „zweitgrößten
Siedlungsunternehmen des Großdeutschen Reiches“
201
und trotz der „minderwertige[n] Grundstücke (Moorböden, saure Streuwiesen)“
202
- auf eine Abtretung ihrer Grundstücke nicht erpicht waren, liegt auf der Hand. Diese Tatsache wird auch in einem Monatsbericht des Landrats an die Kreisleitung der NSDAP vom 30. September 1940 bestätigt:
„Von den Bauern und Landwirten der Gemeinde Unterhausen und Wielenbach wird vielfach darüber kritisiert, dass die abzutretenden Grundstücke in der Flurabteilung Lichtenau (Neubauernsiedlung) sehr schlecht bezahlt würden.“
203
Die NSDAP führte im späteren Verlauf daher Enteignungen durch. Hans Vollmann erwähnt, dass vor allem auf Grund dieser Maßnahme viel über das Projekt geschimpft wurde
204
. Eine weitere Inter-viewpartnerin fand auch eine Begründung für die Missbilligung der Siedlung: „Die
waren so arm, die waren saufroh, dass sie’s um so ein Geld losgekriegt haben. Aber wie sie gesehen haben, dass das alles kultiviert wird (...), damit sich da Leute ansiedeln können, waren ihnen das leid, dass sie es hergegeben haben. Sie hätten das doch selber machen können.
(...)
Und hernach, wie sie gesehen haben, dass es schön war, da war lauter Neid da.“
205
Bei solchen Denkweisen kann leicht nachvollzogen werden, wie wenig die Nationalsozialis-
198 vgl.Zeitungsartikel über eine „Aufklärungsversammlung“ der NSDAP in Weilheim in: Ebenda, S. 10/11 199 ebenda, S. 10/11 200 ebenda, S. 10/11 201 ebenda, S. 10/11 202 ebenda, S. 1 203 Staatsarchiv München, NSDAP 617 204 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 205 Interview mit Frau X vom 2/8/2000
- 32 - tenmit ihrer Agitation bei den Bauern in Weilheim und Umgebung bewirken konnten. Der Vollständigkeit halber muss hinzugefügt werden, dass das Projekt wegen des Kriegsbeginns in den Anfängen stecken blieb und bis 1942 nur insgesamt drei Höfe errichtet werden konnten 206 .
Hitlers scheinheilige Werbung bei den Christen für die Hinwendung zur NSDAP hatte Erfolg: Bei der Machtübernahme herrschte eine „nationale Aufbruchstimmung im Protestantismus“ 207 in Deutschland, in der späteren Zeit aber lag ein eher ambivalentes Verhältnis zum Nationalsozialismus vor: Auf der einen Seite standen die Gläubigen, die sich in der „Bekennenden Kirche“ gegen die Vereinnahmung der Kirche durch den Nationalsozialismus, die schon 1933 einsetzte, wehrten 208 . Auf der anderen Seite waren die NS-Anhänger, organisiert als „Deutsche Christen“, die genau dies erreichen wollten. Dieser Gegensatz führte zu einer Spaltung, die sich bis in das Leben einzelner Gemeinden zog 209 . In jedem Fall steht jedoch fest: Die große Mehrzahl der evangelische Christen blieb dem NS-Staat gegenüber loyal, denn „die Kirche verstand ihren Widerstand gegen die Kirchenpolitik Hitlers [der die Kirche vereinheitlichen und unter staatliche Hoheit stellen wollte] nicht als grundsätzliche politische Opposition gegen den Nationalsozialismus. Sie war bereit, den nationalsozialistischen Staat als rechtmäßige Obrigkeit anzuerkennen“ 210 . Demzufolge „ist die evangelische Kirche den Herausforderungen, die der Völkermord an den Juden für sie bedeutet hätte, ausgewichen.“ 211 Es wird zu untersuchen sein, ob sich diese Erkenntnisse auch auf die Gläubigen der evangelischen Kirche in Weilheim, die zu dieser Zeit nach Befinden des
206 vgl. Pscheidl, S. 1
207 Ulrich von Hehl: Die Kirchen in der NS-Diktatur, in: Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 1993, S. 164
208 vgl. Carsten Nicolaisen: Widerstand oder Anpassung? Evangelische Kirche zwischen Kreuz und Hakenkreuz, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band I, Machtergreifung und Machtsicherung 1933-1935. München 1994, S. 186f. 209 vgl. ebenda, S. 194 210 vgl. ebenda, S. 189
211 Carsten Nicolaisen: Widerstand oder Anpassung? Die evangelische Kirche im Zweiten Weltkrieg, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band III, Das bittere Ende 1939- 1945. München 1993, S. 287
- 33 - damaligenevangelischen Pfarrers Gustav Steger eine „Diaspora-Gemeinde“ 212 war, übertragen lassen.
Zunächst ist festzustellen, dass Besuch oder Mitarbeit in der evangelischen Kirche nicht automatisch bedeutete, für oder gegen den Nationalsozialismus eingestellt zu sein. So ging Eva Hafners Mutter, eine überzeugte Nationalsozialistin, regelmäßig zum Gottesdienst 213 und übernahm zeitweise sogar die Vertretung der Mutter von Erich Kuby, die ihrerseits eine ausgesprochene Antisemitin war 214 .
Vor 1933, schreibt Pfarrer Steger, war „von politischen Gegensätzen nichts zu spüren. Viele dachten deutsch-national. Einzelne traten als aktive Nationalsozialisten hervor.“ 215 Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler „herrschte Hoffnung, sogar Begeisterung“ 216 , doch schon bald begann ein Teil der Gemeindemitglieder zu zweifeln, als die bisherigen Kirchenvorstände aufgelöst werden mussten und Neuwahlen angeordnet wurden. Die Saat für die Spaltung wurde auch in Weilheim gelegt, denn es beteiligten sich an der Wahl nun auch Leute, die teils sogar in Parteiuniform in der Kirche erschienen, und „für die bisher die Kirche Nebensache war.“ 217 Doch überraschenderweise kam es in Weilheim zu einem Kirchenvorstand, „der kirchliches und politisches Denken nicht vermengte.“ 218 Dies zeigt, dass zumindest die Mehrheit der Weilheimer Protestanten ein weiteres Vordringen des Nationalsozialismus in den kirchlichen Bereich nicht wünschte. Die Nationalsozialisten wurden infolgedessen zunehmend misstrauisch gegenüber der evangelischen Gemeinde und ihrem Pfarrer, so verboten sie am 6. Juni 1934, im Kirchengebäude über den NS-Chefideologen Rosenberg zu sprechen, und ließen kirchliche Publikationen beschlagnahmen 219 . Doch Pfarrer Stegers nazikritische Haltung 220 stieß nicht auf Zustimmung bei allen Mitgliedern der Gemeinde. Über
212 Manuskript von Gustav Steger auf Basis seiner persönlichen Tagebücher: Zur Geschichte der evang.-luth. Gemeinde in Weilheim während der Jahre 1931-39. O. O., 1963 (Archiv des Pfarramtes der evangelisch-lutherischen Gemeinde Weilheim) 213 vgl. Interview mit Eva und Alfred Hafner vom 6/9/2000 214 vgl. Interview mit Erich Kuby vom 13/8/2000 215 Steger, S. 3 216 ebenda, S. 3 217 ebenda, S. 3 218 ebenda, S. 3
219 vgl. ebenda, S. 4; Pfarrer Steger erwähnt ausdrücklich, dass sich manche Weilheimer Polizisten „kirchentreu“ gezeigt hätte und Hausdurchsuchungen vorher angekündigt und rücksichtsvoll durchgeführt hätten.
220 vgl. hierzu einen Brief des Pfarrers an seine Eltern vom 11/4/1936 (Archiv des Pfarramtes der evangelisch-lutherischen Gemeinde Weilheim)
- 34 - dasJahr 1936, als er bei der Reichstags-„Wahl“ wie oben beschrieben nicht zu den 99 % gehörte, die zustimmten, und er deswegen von der SA verfolgt wurde, schreibt er: „Besonders wild gebärdeten sich einige Mitglieder des Kirchenchors, die teilweise mit bayerischen Pfarrern verwandt waren.“ 221 Der Kirchenchor war nach Stegers Beobachtung „ein starker Stützpunkt“ 222 der Deutschen Christen. Diese fanden zwar in Weilheim keinen so starken Zulauf, um eine Ortsgruppe bilden zu können, dennoch waren sie nach wie vor über die Jahre vorhanden, wie Erwähnungen in Monatsberichten der Regierung von Oberbayern beweisen 223 . Dass sie auch nach den Kirchenvorstandswahlen versuchten, Einfluss auf die Gemeinde zu gewinnen, ist wohl der Grund für die „Zeit der Spannung“ 224 im Jahre 1933. Doch der größte Teil der Gemeinde muss den Gedanken der „Bekennenden Kirche“ nahegestanden haben, denn Vorträge zur Schriftenreihe „Bekennende Kirche“ waren gut besucht, obwohl sie unter der Woche stattfanden 225 ; „begehrt waren Schriften gegen Rosenberg, den Deutschglauben und in minderem Maß gegen die D.C.“ 226 Zwar ließ dieses Interesse ab 1937 nach, der Pfarrer aber hatte nach wie vor großen Rückhalt in der Gemeinde, die schockiert nach dem Überfall von SA-Leuten auf ihn war 227 , und die Zahl der Gottesdienstbesucher ging gemäß Steger bis zum Jahr vor seiner Versetzung kaum zurück 228 . „Dass die Kirchgänger immer weniger wurden“ 229 , vollzog sich wohl erst nach der erzwungenen Versetzung Pfarrer Stegers 1938. Die Gründe dafür sind unbekannt, vielleicht waren die neue Person des Pfarrers oder der Kriegsbeginn ausschlaggebend. Abschließend lässt sich sagen, dass der Nationalsozialismus auf wenig Gegenliebe bei den meisten Protestanten in Weilheim gestoßen ist, auch wenn in der Anfangszeit die Stimmung der evangelischen Gemeinde in Weilheim der im ganzen damaligen Reich glich. Ebenfalls wie in ganz Deutschland entstanden Spannungen durch das Auftreten der Deutschen Christen, doch diese konnten kaum Fuß fassen. Bis zu seiner Versetzung hatte Pfarrer Steger das Vertrauen
221 ebenda, S. 6
222 Bericht von Gustav Steger: Die evangelische Gemeinde in den Jahren 1933-37. Weilheim 1937, S. 3 (Archiv des Pfarramtes der evangelisch-lutherischen Gemeinde Weilheim) vgl. Konrad Repgen (Hrsg.): Die kirchliche Lage in Bayern nach den 223
Regierungspräsidentenberichten 1933-1943 Band I. Mainz 1966, S. 137, 167, 308 224 Steger, Die evangelische Gemeinde in den Jahren 1933-37, S. 2 225 ebenda, S. 2 226 ebenda, S. 5
227 vgl. Interview mit Frau Y vom 21/9/2000
228 vgl. Steger, Die evangelische Gemeinde in den Jahren 1933-37, S. 4 229 Interview mit Frau Y vom 21/9/2000
- 35 - seinerGemeinde, das sich auch in der Unterstützung der „Bekennenden Kirche“ bis ins Jahr 1937 zeigte. So ist Tobias Reuß’ Urteil auch auf Weilheim selbst übertragbar, das da lautet:
„Insgesamt gesehen weicht das Bild der evangelischen Kirche im Altlandkreis Weilheim erheblich von der allgemeinen Entwicklung ab. Während in den meisten Gebieten Bayerns der offene Konflikt der Landeskirche mit dem Regime im Verlauf des Jahres 1934 zu Ende ging, fanden in der Gegend von Weilheim bis Ende der 1930-er Jahre Auseinandersetzungen mit den nationalsozialistischen Machthabern statt.“ 230 Trotzdem ist in Weilheim nicht bekannt, dass, außer Pfarrer Steger selbst, sich einzelne Gemeindemitglieder anders als die meisten ihrer Glaubensgenossen in Deutschland verhalten und ihre Pflichten „als loyale Staatsbürger“ nicht erfüllt hätten.
b) Katholiken 231
Bis 1933 konnte der Nationalsozialismus die Katholiken in Deutschland nicht für sich gewinnen. Bei den Wahlen im Juli 1932 hatte die NSDAP relativ geringe Stimmanteile von 30 bis 40 % in den Gebieten, in denen mehr als 60 % der Bevölkerung katholisch waren 232 , was darauf zurückzuführen ist, dass die katholische Bevölkerung sich von der Zentrumspartei bzw. von der Bayerischen Volkspartei politisch vertreten fühlte, und die katholische Kirche massiv vor der NSDAP warnte 233 . Als die nationalsozialistische Herrschaft Wirklichkeit wurde, standen viele Katholiken in einem Gewissenskonflikt zwischen Gehorsam gegenüber der Kirche und gegenüber den neuen Machthabern im Staate 234 . Im März 1933 begann jedoch „ein grundsätzliches Aufbrechen der katholischen Abwehrhaltung“ 235 , die sich in einer zunehmenden Beliebtheit der Person des „Führers“ äußerte. Gleichzeitig bildete sich Misstrauen angesichts der Versuche der NS-Organisationen, den Spielraum der Kirche einzuschränken, und „Unmut auf die als Schwäche ausgelegte öffentliche Zurückhaltung der Bischöfe.“ 236 Wie um die Loyalität zur Kirche zu demonstrieren, stieg nach 1934 die Beteiligung
230 Reuß, S. 36
231 Leider sind in den Archiven der beiden katholischen Gemeinden Weilheims keine Dokumente erhalten bzw. zugänglich, die das Verhalten der Gläubigen im Dritten Reich illustrieren könnten. Daher musste dies mithilfe der Interviews und von Archivalien aus dem Staatsarchiv München rekonstruiert werden.
232 vgl. politische Karten von Deutschland, abgedruckt in: Herbert Immenkötter: Die katholische Kirche und der Nationalsozialismus, Verurteilung - Vertrauen - Verweigerung, in: Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band I, Machtergreifung und Machtsicherung 1933-1935. München 1994, S. 212f. 233 vgl. ebenda, S. 207 234 vgl. ebenda, S. 209 235 ebenda, S. 217 236 Hehl, S. 174
- 36 - ankirchlichen Veranstaltungen stark an 237 . Dass die Verbundenheit mit der Kirche erhalten blieb, wird auch durch die „Ablehnung der nationalsozialistischen Schulpolitik [,die eine Abschaffung des Religi-onsunterrichts und der Bekenntnisschulen zum Ziel hatte,] durch 85 Prozent der erwachsenen westdeutschen Kirchenbesucher“ 238 und die daraus resultierenden Proteste verdeutlicht. Selbst der Propagandafeldzug der NSDAP gegen die katholische Kirche von 1935 bis 1937 konnte die Bindung zur Kirche nicht zerstören 239 . Dennoch gilt ebenso für die Katholiken, dass die Bindung zur katholischen Kirche nicht die Aufhebung der Loyalität und Pflichterfüllung gegenüber dem Staat bedeutete 240 .
Trifft Hubert Schmidts Meinung, die katholische Prägung hätte eine gewisse Immunität gegenüber dem Nationalsozialismus gewährt 241 , für die Weilheimer Katholiken zu?
Zunächst ist dazu zu sagen, dass auch in Weilheim praktisch die gesamte Bevölkerung, die damals zum ganz überwiegenden Teil katholisch war, Hitlers „Machtergreifung“ begrüßte 242 . Doch wuchs bei strengen Katholiken wie den Eltern von Hans Vollmann rasch das Misstrauen, als klar wurde, dass sich die Propaganda vom Nationalsozialismus als wahren Erhalter des Christentums nicht bewahrheitete, sondern die Kirche mehr und mehr verdrängt werden sollte 243 . Laut Dr. Walter Gronauer verfuhren viele Katholiken aber folgendermaßen: „Die haben damals (...) getrennt zwischen Kirche und Staat, nach dem Motto ‚Gebt dem Staat, was des Staates ist, und Gott, was Gott ist.’“ 244 Dies bedeutete einerseits, dass Hubert Schmidts Eltern ihren Sohn nach wie vor zur vaterländischen Pflichterfüllung erzogen 245 , und dass sich selbst für regelmäßige Kirchgänger wie dem Vater von Friedrich Auer eine Mitarbeit in der NSDAP keineswegs ausschloss 246 . Andererseits gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie sensibel die katholisch geprägten Einwohner Weilheims auf die Bestrebungen der NSDAP reagierten, den Spielraum der Kirche einzuschränken. So wurde, als 1937 die Mädchenschule der Englischen Fräulein
237 vgl. ebenda, S. 174
238 ebenda, S. 175 239 vgl. Immenkötter, S. 175 240 vgl. Hehl, S. 179
241 vgl. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 242 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 243 vgl. ebenda
244 Interview mit Dr. Walter Gronauer vom 28/11/2000 245 vgl. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 246 vgl. Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000
- 37 - zwangsweisegeschlossen wurde, „über die Entlassung klösterlicher Lehrkräfte lebhaft und größtenteils ablehnend diskutiert.“ 247 Der Landrat von Weilheim berichtet ferner in seinem Monatsbericht vom 31. Mai 1941: „In den kirchlich eingestellten Kreisen herrscht einige Verbitterung über die Beschlagnahme der Klöster, Verlegung der Bittgänge und Prozessionen und die Beseitigung des Schulgebetes aus dem Unterricht.“ 248 Außerdem scheinen von Zeit zu Zeit in den Kirchen verlesene Hirtenbriefe des Bischofs, die sich gegen die Maßnahmen gegen die Kirche wandten, zusätzliche Missstimmung gegen die nationalsozia-listischen Machthaber erzeugt haben, wie für die Jahre 1937 249 und 1941 250 bestätigt ist. Bei mindestens zwei Anlässen regte sich bei den Katholiken in Weilheim überdies das Pflänzchen aktiven Widerstands gegen die Staatsgewalt: Als an den Schulen in den Klassenzimmern die Kruzifixe abgehängt werden sollten, verweigerte Hans Vollmanns Mutter die Annahme des Mutterkreuzes, woraufhin sie vor den Kreisleiter der NSDAP gerufen wurde; andere Mütter demonstrierten sogar gegen diese Bestimmung vor dem Kreisamt 251 . Und trotz eines Verbotes von Primizfeiern unter freiem Himmel „wurde am Vorabend einer Priesterjubiläumsfeier durch den Kirchenchor und einen Teil der Knapp-schaftskappelle dem Jubilar ein Ständchen im Hofe des Pfarrhofes darge-bracht.“ 252 Der NSDAP scheint dieses Protestpotenzial durchaus bewusst gewesen zu sein, denn teilweise nahm sie Rücksicht auf die religiöse Bindung der Katholiken, um sie nicht zusätzlich gegen den Staat aufzubringen. Dies geschah sowohl allgemein in Oberbayern, was beispielsweise in der Anordnung „Offene Kampfansagen gegen den „Politischen Katholizismus“ haben zu unterbleiben“ 253 des Gau-Propagandaleiters an die Kreisleitungen anlässlich der Einführung der Nürnberger Gesetze deutlich wird, als auch speziell in
Weilheim, z.B. illustriert durch ein Rundschreiben des Kreisleiters der NSDAP von 1935:
„Ich mache darauf aufmerksam, dass der Geburtstag des Führers auf den Karsamstag fällt. Ein polizeiliches Verbot musikalischer Darbietungen besteht nicht. Sie wollen jedoch dafür Sorge tragen, dass das Empfinden der [mit dem Mutterkreuz]
247 Reuß, S. 20
248 Staatsarchiv München, NSDAP 617 249 vgl. Reuß, S. 20 250 vgl. Staatsarchiv München, NSDAP 617 251 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000
252 Monatsbericht der Regierung von Oberbayern vom 10/8/1939, aus: Repgen, S. 312 253 Staatsarchiv München, NSDAP 654
- 38 - zubeschenkenden Frauen nicht verletzt wird. Zweckmäßig wird die Feier so gelegt, dass sie vor den Veranstaltungen der Kirche stattfindet.“ 254 Auch bei den eigenen Parteigenossen war die NSDAP anscheinend „tolerant“, wie Friedrich Auer erzählt: „Die Partei hat das nicht gerne gesehen, Kirche und die Aktivitäten der Kirche, aber bei uns haben sie sich eigentlich wenig aktiv dagegen gestellt.“ 255
Insgesamt lässt sich auch für die Weilheimer Katholiken sagen, dass sich ihre Verbundenheit zur Kirche durch den Nationalsozialismus nicht erschüttern ließ. Jegliche darauf abzielende Versuche stießen auf Ablehnung, teils sogar auf offenen Protest. Dennoch gilt ebenso für die Weilheimer Katholiken, dass ihre Kirchentreue nicht die völlige Verdammung der Machthaber oder aber Widerstand gegen staatliche Willkürakte auf anderen Gebieten nach sich zog.
C) WEILHEIM ALS BÜRGERLICHE UND PATRIOTISCHE STADT IM NATIONALSOZIALISMUS
Wie konnte sich in einer Stadt wie Weilheim, in der nach allem, was sich aus den Interviews herauskristallisiert hat, der überwiegende Teil der Bevölkerung eine bürgerliche und patriotische Einstellung hatte, der Nationalsozialismus durchsetzen? War es so, wie Erich Kuby in seinem Buch „Lauter Patrioten“ meint, dass gerade das konservative Bürgertum eine Art Nährboden für den Aufstieg Hitlers bildete 256 ? Oder trifft vielmehr die Ansicht einiger Interviewpartner zu, dass Katholizismus und Bürgerlichkeit eine Art Schutzmantel gegen die totale Durchdringung der NS-Ideologie verliehen 257 ? Für die erste These spricht erstens, dass in Weilheim schon seit dem Anfang der Weimarer Republik nationalistische Strömungen existierten. So hielt die NSDAP schon am 3. September 1921 in der Stadt eine Versammlung ab, auf der Hitler sprach 258 . Die 200-köpfige Weilheimer Einwohnerwehr, die eigentlich der Abwehr kommunistischer Angriffe dienen sollte, nahm gar am Hitler-Putsch von 1923 teil 259 . Zweitens ist die verblüffende Schnelligkeit und Reibungslosigkeit des Machtwechsels 1933 und die damit verbundene Begeisterung in Weilheim zu verzeichnen, wie Josefine Hartlmeier es schildert.
254 ebenda
255 Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 256 vgl. Erich Kuby: Lauter Patrioten. München 1996, S. 12 257 vgl. u.a. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000
258 vgl. Weilheimer Zeitung Nr. 65 vom 18/3/1943 (Staatsarchiv München, NSDAP 627), bestätigt durch Angaben des Weilheimer Stadtarchivars 259 vgl. Kuby, S. 179f.
- 39 - Aberauch für die zweite Auffassung gibt es Argumente: Die NSDAP hatte vor der Machtübernahme kaum Einfluss 260 , die Nazis wurden vielmehr als „Hitler-Lausbuben“ und „braune Bibelforscher“ verspottet; danach trat die überwiegende Mehrzahl der Neumitglieder wohl eher aus Anpassung oder der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, in die Partei ein, „echte“ Fanatiker waren eher in der Minderheit 261 . Unter der bürgerlichen Bevölkerung gab es viele, die von Verfolgung bedrohten Menschen Hilfe gewährten 262 . Die antisemitische und anti-kirchliche Ideologie der Nationalsozialisten wurde vom Großteil der Weilheimer nicht angenommen, wie dargelegt wurde.
Eine Erklärung für diese scheinbaren Widersprüche lässt sich meiner Meinung nach in der Naivität der Weilheimer Bürger finden, die auch Willi Simader sieht 263 . Die wirkliche Bedrohung für den Staat wurde in den Kommunisten wahrgenommen; Hitler wurde, als der demokratische Staat immer mehr in politisches und wirtschaftliches Chaos zu versinken drohte, nur zu gerne geglaubt, er könne die Ordnung wiederherstellen. Welche anderen Zielsetzungen er und seine Partei hatten, war den Leuten anscheinend gleichgültig oder nicht in ihrer vollen Tragweite erkennbar. Die Folgen der Radikalität, mit der er seinen Herrschaftsanspruch und seine Ideologie durchzusetzen trachtete, wurden ausgeblendet und erst wahrgenommen, als es zu spät war und die Machtinstrumente des Regimes voll etabliert waren.
260 vgl. Interview mit Dr. Walter Gronauer vom 28/11/2000
261 vgl. Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000, Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000
262 vgl. Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 263 vgl. Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000
(Diemeisten Angaben basieren auf Wolfgang Benz/Hermann Graml/Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Stuttgart 1997)
ImLaufe meiner Recherchen stieß ich auf eine Reihe kurioser Dinge, die zwar nicht relevant für mein Thema sind, die ich aber dennoch dem neugierigen Leser nicht vorenthalten möchte.
In einem Brief vom 4/7/1934 forderte die Kreisleitung Weilheim der NSDAP alle Ortsgruppen- und Stützpunktleiter auf, Männer mit militärischen Vorkenntnissen als „Abrichter“ (!) für die Politischen Leiter bereitzustellen. (vgl. Staatsarchiv München, NSDAP 654)
Am 22/12/1937 schrieb die Kreisleitung Weilheim an die Bergwerksdirektion in Penzberg: „Der Winter hat wiederum bei uns Einzug gehalten, und die Kreisleitung Weilheim friert! Die beiden Bergwerksverwaltungen unseres Kreises haben bisher in so anerkennender Weise für die nötige Wärmezufuhr gesorgt; im vergangenen Jahr war es das Werk Peißenberg, das uns unter die Arme griff, weshalb ich mir gestatte, mich heuer wieder an Sie mit der Bitte um Zufuhr eines Lastzuges kostenloser Hausbrandkohle zu wenden. Da die Kältegrade von Tag zu Tag beängstigend zunehmen, wäre ich Ihnen für baldige Erfüllung meiner Bitte außerordentlich dankbar.“ (Staatsarchiv München, NSDAP 608) Der Kreisleiter von Weilheim kritisierte in einem Brief vom 17/6/1941 an den Landrat, dass dieser der HJ keine Zuschüsse erteilt habe, und schrieb weiter: „Ich ersuche Sie, mir deshalb baldmöglichst mitzuteilen, welchen Betrag Sie der HJ zur Verfügung stellen, und teile Ihnen die Beträge anderer Landkreise mit, um Ihnen die Festsetzung der Summe zu erleichtern. Landkreis Schongau RM 6.000 -Landkreis Landsberg RM 15.000 - Landkreis Dachau RM 12.000. Da sie bestimmt nicht hinter dem Nachbarlandkreis Landsberg zurückstehen wollen, bitte ich den dort ausgesetzten Betrag auch für Weilheim festzusetzen.“ (Staatsarchiv München, NSDAP 617)
Die Weilheimer Wirtschaft stellte sich recht schnell auf die neuen Machtverhältnisse ein, was eine Anzeige des Kaufhauses Rid vom 23/5/1933 zeigt: „Alles für Braun-Hemden: Popeline-Köper, Gminder-Linnen in den bekannt guten Qualitäten!“ (Oberländer Volksblatt Nr. 119 vom 23/5/1933 (Stadtarchiv Weilheim))
F) DANKSAGUNG
Ohne die Unterstützung zahlreicher Menschen hätte meine Facharbeit nicht in dieser Form verwirklicht werden können. Folgenden Personen möchte ich an dieser Stelle ganz besonders danken:
Roland Milisterfer (für die aufgeschlossene und konstruktive Betreuung), Christina Braunreuther (für die wertvollen Anregungen bei der Wahl meines Themas),
meinen Interviewpartnern Friedrich Auer, Dr. Walter Gronauer, Alfred und Eva Hafner, Erich Kuby, Hubert Schmidt, Willi Simader, Hans Vollmann und
Ludwig Degele, Ursula Dürr, Alexander Esser, Gerhard Haberl, Joachim Heberlein, Ingrid Neuger, Marlies Podechtl, Cornelia Pscheidl, Ingo Remesch, Michael Weiser, Bernhard Wöll, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des
- 43 - Institutsfür Zeitgeschichte und des Staatsarchives München (für weiterführendes Material bzw. für Hinweise auf lohnende Recherchen) und natürlich meiner Familie und meiner lieben Gefährtin (für den seelischen
Quellen:
Archiv des Pfarramtes der evangelisch-lutherischen Gemeinde Weilheim: Bericht des Pfarrers Gustav Steger: Die evangelische Gemeinde in den Jahren 1933-37. Weilheim 1937; Brief von Gustav Steger an seine Eltern vom 11/4/1936 Staatsarchiv München:
Gymnasium Weilheim 57; NSDAP 608; NSDAP 617; NSDAP 627 (mit Weilheimer Zeitung Nr. 65 vom 18/3/1943); NSDAP 654 Stadtarchiv Weilheim:
Oberländer Volksblatt Nr. 72 vom 26/3/1933; Oberländer Volksblatt Nr. 81 vom 5/4/1933; Oberländer Volksblatt Nr. 83 vom 7/4/1933; Oberländer Volksblatt Nr. 119 vom 23/5/1933 Zeitzeugengespräche: Interview mit Friedrich Auer vom 5/9/2000 Interview mit Dr. Walter Gronauer vom 28/11/2000 Interview mit Eva und Alfred Hafner vom 6/9/2000 Interview mit Erich Kuby vom 13/8/2000 Interview mit Hubert Schmidt vom 1/9/2000 Interview mit Willi Simader vom 7/7/2000 Interview mit Hans Vollmann vom 23/8/2000 Interview mit Frau X vom 2/8/2000 Interview mit Frau Y vom 21/9/2000
Friedrich Freiherr Hiller von Gaertringen (Hrsg.): Die Hassell-Tagebücher 1938-1944. Berlin 1988
Zeitgenössische Familienchronik der Weilheimerin Josefine Hartlmaier (1869-1957) Institut für Zeitgeschichte:
Konrad Repgen (Hrsg.): Die kirchliche Lage in Bayern nach den Regierungspräsidentenberichten 1933-1943 Band I. Mainz 1966
Darstellungen:
Wolfgang Benz/Hermann Graml/Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Stuttgart 1997
Rudolf Berg/Rolf Selbmann: Grundkurs Deutsche Geschichte Band 2, 1918 bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main 1987
Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen (Hrsg.): Deutschland 1933-1945, Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft. Bonn 1993
Martin Broszat/Elke Fröhlich (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit Band II, Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt. München 1979
- 44 - Bundeszentralefür politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung 123/126/127. Bonn 1978
Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Weilheim (Hrsg.): 100 Jahre Evangelische Apostelkirche in Weilheim. Weilheim 1999 Frank Grube/Gerhard Richter: Alltag im Dritten Reich. Hamburg 1982 Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band I, Machtergreifung und Machtsicherung 1933-1935. München 1994
Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band II, Friedenspropaganda und Kriegsvorbereitung 1935-1939. München 1993
Johannes Hampel: Der Nationalsozialismus Band III, Das bittere Ende 1939-1945. München 1993
Sepp Klasen: Zu Störungen irgendwelcher Art ist es nirgends gekommen, Texte und Dokumente zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in den Gemeinden des heutigen Landkreises Weilheim-Schongau März bis Juni 1933. O. O. 1983
Alfred Krink: Leben im Dritten Reich. Bonn o. J. Erich Kuby: Lauter Patrioten. München 1996
Ingrid Kuhn: Juden in Weilheim: Einst angesehen, später verfolgt, Artikel im Weilheimer Tagblatt Nr. 100 vom 2/5/1995 Cornelia Pscheidl: Lichtenau 1939-1999. Weilheim 1999 Tobias Reuß: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Altlandkreis Weilheim. Polling 1996
Hubert Schmidt: Die weiße Rose in der Kleinstadt. München 1984 (unveröffentlichter Aufsatz)
Hubert Schmidt: Meine Zeit in der Hitlerjugend. München o. J. (Aufsatz) Hubert Schmidt: Brief an Eric Sangar. München, 6/1/2001 Heinz Staudinger: Zwischen Hakenkreuz und Sternenbanner. Glonn 1999 Gustav Steger: Zur Geschichte der evang.-luth. Gemeinde in Weilheim während der Jahre 1931-39. O. O., 1963 (Aufsatz, gefunden im Archiv des Pfarramtes der evangelisch-lutherischen Gemeinde Weilheim) Theobald Wirth: Weilheimer Geschichte. Weilheim 1978 Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Weilheim (Hrsg.): Jahresschrift 1992/93. Weilheim 1993
Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums Weilheim (Hrsg.): Jahresschrift 1997. Weilheim 1997
Arbeit zitieren:
Eric Sangar, 2001, Alltag und Stimmung in Weilheim während des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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