Gymnasium St. Ursula Dorsten
Schuljahr 2010/2011
Scheitern des Umsturzes: Der 20. Juli 1944 unter
historisch - kritischer Begutachtung der Darstellung der
Ereignisse im 21. Jahrhundert auf der Basis des U.S. -
amerikanischen Spielfilms ,,Operation Walküre" (2009)
Facharbeit, vorgelegt von Franziska Jockenhöfer
Jahrgangsstufe:
12.2
Fach:
Geschichte
Kursbezeichnung:
GE LK 1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
...
1
2. Historischer Kontext
...
3
2.1 Die Attentatspläne...3
2.1.1 Der 13. März 1943...3
2.1.2 Der 15. Juli 1944...4
2.1.3 Der 20. Juli 1944...5
2.2 Claus Schenk Graf von Stauffenberg...6
3. Analyse des Spielfilmes ,,Operation Walküre"
...
8
3.1 Darstellung der Attentatspläne...8
3.1.1 Darstellung des 13. März 1943...9
3.1.2 Darstellung des 15. Juli 1944...9
3.1.3 Darstellung des 20. Juli 1944...10
3.2 Darstellung Claus Schenks Graf von Stauffenberg...13
4. Schlussbetrachtung
...
15
Literaturverzeichnis
...
I
1.Einleitung
1
1.
Einleitung
,,Der 20. Juli 1944 war das erste sichtbare, weithin wirkende Fanal, das der Welt
zeigte, dass in Deutschland der Wille zur Freiheit und der Wille zum eigenen Leben
nicht untergegangen war."
Ernst Reuter 1953
1
Die vorliegende Facharbeit untersucht an Hand des Spielfilmes ,,Operation Walküre",
welcher im Januar 2009 in den deutschen Kinos Premiere feierte, die gegenwärtige
Darstellung der Ereignisse vom 20. Juli 1944.
Am 20. Juli 1944 verübt Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein Bombenattentat
im Führerhauptquartier, der Wolfsschanze, mit dem Ziel, Adolf Hitler zu töten und zusammen
mit seinen Verbündeten einen Staatsreich zu verüben, der die Herrschaft der
Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg beenden sollte. Im Laufe der Nachkriegszeit
ist der 20. Juli 1944, kurz 20. Juli, zum Symbol des deutschen Widerstandes gegen den
Nationalsozialismus geworden. So gibt es in Deutschland einige Erinnerungsorte
2
und in
Bibliotheken findet sich eine kaum überschaubare Fülle an Literatur zu diesem Thema.
Außerdem war der Attentatsversuch Grundlage für zahlreiche bisherige Filme
3
.
Auch wenn der Staatsreich missglückt ist, so zeigt er der internationalen Gemeinschaft,
und insbesondere den Alliierten in der Nachkriegszeit, dass die Person Hitler nicht mit dem
deutschen Volk gleich zu setzten ist. Trotz des totalitären Systems haben sich Deutsche
gegen das Regime, gegen den Antisemitismus und gegen den Zweiten Weltkrieg gewandt
und sind dabei bereit gewesen für ihr Land und ihre Ideale ihr Leben zu geben, so auch der
Oberst Stauffenberg.
Die vorliegende Arbeit ist in zwei Abschnitte gegliedert: Der erste Abschnitt, die
historische Einordnung, beschäftigt sich mit den Vorbereitungen des Attentats und den
Ereignissen vom 20. Juli 1944. Bereits hier liegt der Schwerpunkt auf die auch im Spielfilm
dargestellten Attentatspläne und auf der Person Stauffenbergs.
In dem zweiten Abschnitt, der Filmanalyse, wird der U.S.-amerikanische Spielfilm
,,Operation Walküre" aus dem Jahre 2009 unter den herausgearbeiteten historischen
Aspekten hin kritisch untersucht. Der Film dient dabei als ein Beispiel für die Art der
Darstellung der Geschehnisse im 21. Jahrhundert. Untersuchungsgegenstände sind hierbei
1 Ernst Reuter war 1953 Bürgermeister in Berlin. Bei dem Zitat handelt es sich um einen
Auszug aus seiner Rede am 19. Juli 1953 zur Einweihung des Denkmals für die Opfer des
20. Juli 1944 im Ehrenhof des Bendlerblockes in der Bendlerstrasse, heute
Stauffenbergstrasse, in Berlin.
2 z.B. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock, Berlin.
3 z.B.: Der deutsche Fernsehfilm ,,Stauffenberg" (2004) oder die deutsche Fernseh-
Dokumentation ,,Operation Walküre" (1971).
1.Einleitung
2
die historische Richtigkeit und Authentizität der Darstellung.
Geleitet von der Fragestellung, ob die Präsentation der Ereignisse des 20. Juli im hier
untersuchten U.S.-amerikanischen Spielfilm der Realität entspricht, wird ein besonderes
Augenmerk auf die richtige Darstellung der Zusammenhänge des Attentatsversuches gelegt.
Da der Figur des Stauffenberg in der Verfilmung ein exponierter Stellenwert zugeordnet
wird, soll in der Analyse des Spielfilmes besonders untersucht werden, ob diese Darstellung
der Person der Realität entspricht.
In der zusammenfassenden Schlussbetrachtung werden die gewonnen Ergebnisse aus
der Analyse mit den Fakten aus dem historischen Kontext einander gegenübergestellt und
miteinander verglichen.
2.Historischer Kontext
3
2.
Historischer Kontext
2.1
Die Attentatspläne
Der 20. Juli 1944 ist nicht der erste Versuch gewesen, Hitler zu töten. Er ist vielmehr
,,Ende und Klimax einer langen Kette von Putschplänen und Anschlägen"
4
gewesen. Um die
vierzig Putschversuche sind bereits vor dem 20. Juli verzeichnet worden.
5
Die meisten
davon scheiterten jedoch bereits im Vorfeld an der Schwierigkeit in Hitlers Nähe zu
gelangen, der Beschaffung von Sprengmaterial, technischen Schwierigkeiten,
Denunziationen oder schlicht am mangelndem Glück.
6
In den folgenden Unterkapiteln dieser Arbeit wird der Schwerpunkt auf dem
Attentatsversuch ,,Operation Walküre" liegen. Dieser Plan hat ursprünglich der Zerschlagung
innerer Unruhen und Aufständen von Zwangsarbeitern gedient. Die vollziehende Gewalt und
die militärische Führung lägen dann nicht mehr in den Händen der SS, sondern der des
Ersatzheeres.
7
Im weiteren Verlauf ist die Besetzung von ,,Regierungsinstanzen,
Rundfunksendern, Telefon- und Telegrafenämtern, Konzentrationslagern und
Verkehrsknotenpunkten"
8
vorgesehen gewesen, so wie die Entwaffnung der SS - Einheiten
und Verhaftung von SS - Führern.
Die Beteiligten des 20. Juli machen sich diesen Plan zu eigen, um mit ihm einen
,,legitimen" Staatsreich ausführen zu können und wollen ihn nach außen so aussehen
lassen, als wäre er von Nationalsozialisten hohen Ranges ausgegangen. Nur so glauben sie
mit dem Rückhalt aus der Armee und dem Volk rechnen zu können
9
.
Der Plan ist mehrmals von den Beteiligten geändert worden: Die letzte Version ist im
Jahre 1943 entstanden und von General Friedrich Olbricht und Oberst Albrecht Ritter Mertz
von Quirnheim überarbeitet worden.
10
2.1.1
Der 13. März 1943
Am 13. März 1943 besucht Adolf Hitler die Heeresgruppe Mitte in Smolensk, Russland.
11
4 van Roon 1979, S. 175
5 Vgl. Steinbach 1998, S. 3
6 Vgl. Sellen 2010, S. 127 f.
7 Vgl. Steinbach 1997, S. 2
8 van Roon 1979, S. 175 f.
9 Vgl. Fest 2004, S. 141
10 Vgl. Hoffmann 1992, S. 345
2.Historischer Kontext
4
Oberst Henning von Tresckow hat für diesen Besuch ein Attentat vorbereitet, bei dem ihm
sein Adjutant, Fabian von Schlabrendorff, unterstützt hat. Dieser schmuggelt in Hitlers
Flugzeug eine Bombe, welche in einem Paket versteckt gewesen und als zwei Flaschen
Cognac ausgegeben worden ist.
12
Die Verschwörer sind sich zu diesem Zeitpunkt somit
bereits einig gewesen, dass ein Putsch nur Erfolg versprechen könne, wenn Hitler zuvor
getötet würde. Die Bombe ist jedoch nicht explodiert. Gegenwärtige Forscher gehen davon
aus, dass es im Gepäckraum des Flugzeuges zu kühl für eine Detonation gewesen ist.
13
Entscheidender Vorteil dieses Planes wäre gewesen, dass das Attentat wie ein
tragischer Unfall ausgesehen hätte. Denn bei einem offensichtlichen Anschlag auf Hitler
befürchteten die Verschwörer einen von Heinrich Himmler, den damaligen
Reichsinnenpräsidenten, eingeleiteten Bürgerkrieg, welchen die Verschwörer vermutlich
ihrer eigenen Einschätzung nach verloren hätten.
14
Unter dem Vorwand, es handle sich um eine Verwechslung, hat Schlabrendorff das
Paket bei Oberstleutnant Heinz Brandt, der Mann, der das Paket an Board gebracht hatte,
in Berlin abgeholt. Der Putschversuch ist unentdeckt geblieben.
15
2.1.2
Der 15. Juli 1944
Für den 15. Juli 1944 hat sich Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg bereit erklärt,
das Attentat auszuführen (für nähere Informationen zur Biografie des Attentäters siehe 2.2).
Zusammen mit General Friedrich Fromm ist Stauffenberg zu einer Sonderlagebesprechung
in das Führerhauptquartier, die Wolfsschanze, in Ostpreußen bestellt worden. Mit sich führt
er zwei Bomben, versteckt in seiner Aktentasche.
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Die Besprechung findet in der ,,Lagerbaracke", einem ,,niedrigen Holzbau statt".
17
Die
Problematik dieses Attentatsversuchs besteht darin, dass Stauffenberg sich erst
vergewissern sollte, ob auch Heinrich Himmler und Joseph Goebbels, damaliger
Reichsminister, an der Besprechung teilnähmen. Da Himmler abwesend ist, hält
Stauffenberg zunächst Rücksprache mit seinen Mitverschwörern in Berlin. Er ruft Mertz von
Quirnheim im Blenderblock, der Zentrale des Widerstandes, an, der wiederum Olbricht und
Beck anruft. Beide sind unter diesen Umständen gegen das Ausführen der ,,Operation
11 Vgl. Kniebe 2009, S. 9
12 Vgl.van Roon 1979, S. 135
13 Vgl. Fest 2004, S. 197
14 Vgl. Kniebe 2009, S. 15
15 Vgl. Kniebe 2009, S. 21
16 Vgl. Fest 2004, S. 246 ff.
17 Hoffmann 1992, S. 440f.
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