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1 Einleitung
Dem ressourcenarmen Inselstaat Mauritius gelang in den 1980er Jahren ein viel beachteter wirtschaftlicher Aufschwung, verbunden mit steigendem Lebens-standard für einen Großteil der Bevölkerung. Dieser Erfolg sucht unter Entwicklungsländern, insbesondere im subsaharischen Afrika, bis heute seinesgleichen. Doch unter den veränderten weltwirtschaftlichen Bedingungen seit Beginn der 1990er Jahre, begann auch Mauritius zunehmend unter den Folgen der „verschärften Globalisierung“ zu leiden. Sozioökonomische Fragmentierung und räumliche Disparitäten wuchsen.
Im Folgenden soll am Beispiel Mauritius die Anwendbarkeit verschiedener theoretischer Konzeptionen zur Erklärung von Entwicklung und Unter- entwicklung im Zeitalter der Globalisierung diskutiert werden.
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2.1 Mauritius als Gegenbeispiel zur Dependenztheorie
Nach Scholz (2002: 7) lassen sich generalisierend zwei grundverschiedene theoretische Positionen zum Thema Entwicklung voneinander abgrenzen. Zunächst möchte ich mich dem Standpunkt der mehr oder weniger dependenz-theoretisch geprägten Globalisierungskritiker zuwenden. Die Quintessenz der Dependencia-Schule der 70er Jahre lautet zusammengefasst, dass „die Unter- entwicklungder Peripherieländer durch die Ausbeutung von seiten der kapitalistischen Zentren produziert sei“(Zapf 1997:35), genauer gesagt durch die kolonialhistorisch bedingten, ungerechten Terms of Trade. Demnach wäre gerade die Verflechtung in internationale Handelsbeziehungen nachteilig für Entwicklungsländer. Als logische Konsequenz daraus müsste auch die Globalisierung mit ihrer Entgrenzung der Märkte, dem wachsenden internationalen Wettbewerb, ihren Liberalisierungen etc. ( vgl. Scholz 2002: 7) den Ländern des „Südens“ schaden, oder zumindest die gegenwärtige Situation verfestigen.
Mauritius passte nach seiner 1968 erlangten, politischen Selbstständigkeit nur allzu gut in das Schema der Dependenztheorie: Der von den Briten geförderte Zuckerrohranbau dominierte die Landschaft (vgl. Bild 1) sowie mit 95% die mauritischen Exporterlöse.
Damit war jene einseitige Abhängigkeit vom Weltmarkt gegeben, die als typisches Merkmal von Entwicklungsländern gilt. Sie ging einher mit hoher Arbeitslosigkeit, Massenarmut und unterentwickelter Infrastruktur (vgl. Koop 2002: 24).Doch bereits in den 1970er Jahren bemühte sich die Regierung intensiv, die Attraktivität Mauritius' als Produktions- und Investitionsstandort zu erhöhen (Koop 2002: 26), indem sie die Insel als Exportproduktionszone (EPZ) auswies. Dies verhieß möglichen ausländischen Investoren konkrete steuerliche, infrastrukturelle und arbeitsrechtliche Erleichterungen (vgl. Koop 2002: 24).
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Bild 1: Zuckerrohranbau prägt die mauritische Landschaft
Quelle: Afrika aktuell (2004). Internet:http://www.afrikaaktuell.de/Mauritius/Ma/MaFAir.html.
Doch erst nachdem sich die Weltwirtschaft Anfang der 80er Jahre erholt hatte und sich in den Industrienationen, aufgrund der sog. fordistischen Krise, zugleich der Trend zur Auslagerung arbeitsintensiver Sparten in Niedriglohnländer heraus- kristallisierte, begannen diese Maßnahmen Wirkung zu zeigen (Koop 2002: 25).
Wie von Koop und Scholz (2001: 526/527) beschrieben, siedelten sich von1982 bis 1991 471 mehrheitlich ausländische Betriebe an; die Auslandsdirektinvestitionen (ADI) stiegen rapide. Eine dominierende Stellung nahm dabei die Textilindustrie ein. In gleichem Maße rasant stieg auch die Beschäftigung in der EPZ, die nun als wich- tigster Arbeitgeber sogar die Zuckerindustrie übertraf. Diesen positiven Trend unterstützend, begann jetzt auch der Tourismus zu boomen, was weitere Arbeits- plätze schuf und Devisen einbrachte (vgl. Bild 2).
Arbeit zitieren:
Simon Weller, 2005, Mauritius im Zeitalter internationaler Wirtschaftsverflechtungen, München, GRIN Verlag GmbH
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