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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Wien - Kindheit und Beginn der Filmkarriere 4
3. Berlin - erster Karrierehöhepunkt als Drehbuchautor 6
4. Wien - 1. Station des Exilweges 12
5. London - 2. Station des Exilweges 18
6. USA - Endstation des Exilweges und neue Heimat 20
6.1 Berufliche Integration im Exil 20
6.2 Soziale Integration im Exil 25
6.3 Remigrationsabsichten 30
7. Schlussbetrachtung 33
8. Literaturverzeichnis 36
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1. Einleitung
Der Walter Reisch war damals mein großes Vorbild, das war mein Gott. Er hatte die Riesenerfolge mit „Das Flötenkonzert von Sanssouci“ und später mit „Maskerade“, großartige Drehbücher. 1 (Billy Wilder)
Walter Reisch war ein Multitalent, der sowohl als Drehbuchautor und Songtexter sowie als Regisseur Welterfolge kreierte. Er hat der Nachwelt ein umfangreiches Werk 2 (Credits bei mehr als 60 Filmen) hinterlassen, das durch seine Vielfalt und Heterogenität beeindruckt. Reisch wurde für sein Schaffen mit drei Oskarnominierungen - für „Ninotschka“ (1939) - bestes adaptiertes Drehbuch (Co-Autor), „Comrade X“ (1940)beste Original-Story (Co-Autor), „Gaslight“ (1944) - bestes Drehbuch (Co-Autor) -und schließlich 1953 als Co-Autor mit einem Oskar für die beste Story und das beste Drehbuch für den Film „Titanic“ geehrt. Der von ihm geschriebene und inszenierte Film „Episode“ wurde 1935 beim Internationalen Filmfestival in Venedig als bester Film ausgezeichnet. Reisch hat sowohl in Österreich und Deutschland als auch in den USA mit filmschaffenden Künstlern zusammengearbeitet, die Rang und Namen hatten. Beispielhaft seien genannt: Fritz Lang, Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Erich Pommer, Marlene Dietrich, Paula Wessley, Peter Lorre, Greta Garbo, Heddy Lamarr, Robert und Curt Siodmak, Clark Gable, Charles Boyer und Ingrid Bergmann. Mit Lubitsch und Wilder verband Reisch zudem eine enge Freundschaft. Trotzdem ist Walter Reisch und sein Beitrag zum österreichischen Film und zur Filmgeschichte heute nahezu unbekannt. Erst Mitte der 1990er Jahre haben sich Filmhistoriker, vor allem Thomas Elsaesser, mit der Person Reischs und seinen Filmen beschäftigt. Elsaesser vermutet, dass Reischs Schaffen von den übermächtigen Schatten der Regisseure Lubitsch und Wilder sowie durch den langlebigen Mythos des Wienfilms verdeckt wurde, „hinter dem er (wie es Flaubert und Joyce formulierten) wie Gott in seiner Schöpfung nirgends zu sehen, aber überall zu spüren ist 3 “. Ziel meiner Hausarbeit soll es daher sein, das beachtenswerte Leben und Werk Walter Reischs in Erinnerung zu rufen. Mein Forschungsinteresse richtet sich dabei ins-
1 Sinyard,Neil und Turner, Adrian: Billy Wilders Filme. Berlin 1980, S. 15.
2 Er erhielt Credits für mehr als sechzig Filme.
3 Elsaesser, Thomas: Das Lied ist aus oder Wem gehört die Operette? In: Hagener, Malte und Hans, Jan (Red.): Als die Filme singen lernten: Innovation und Tradition im Musikfilm 1928-1938. München 1999, S. 88.
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besondere auf den von Reisch infolge Hitlers Machtübernahme 1933 eingeschlagenen Exilweg sowie die Einflüsse des Exils auf sein Leben und künstlerisches Werk.
2. Wien - Kindheit und Beginn der Filmkarriere
Walter Reisch wurde am 23. Mai 1903 als zweiter Sohn seiner jüdischen Eltern in Wien geboren. Seine Mutter Gisela Kreisler, die Schwester des Stummfilmproduzenten Otto Kreisler, starb als Walter Reisch erst sieben Jahre alt war. Reischs zwei Jahre älterer Bruder Hugo beging acht Jahre später wegen einer unglücklichen Liebe Selbstmord. Diese frühen Verluste in seinem engsten Familienkreis erklären die enge Bindung Walter Reischs zu seinem Vater Abraham. Reischs Cousin Georg Kreisler berichtet:
Walter hing mit abgöttischer Liebe an seinem Vater. Da der Vater kein Telefon hatte, schrieb er ihm täglich einen langen Brief aus Berlin. Und im Drehbuch zu DIE LUSTIGEN WEIBER VON WIEN setzte er ihm ein Denkmal. 4 Abraham Reisch war als Sohn eines armen Hausierers etwa zwanzigjährig aus Rumänien nach Wien gekommen. Zu dieser Zeit waren in Wien bereits antisemitische Strömungen spürbar, so dass er seinen Vornamen grotesker Weise in Adolf umbenannte, um nicht sofort als Jude erkannt zu werden. Somit lernte Reisch schon seit frühester Kindheit durch seinen Vater, seine jüdische Abstammung und damit einen Teil seiner Identität zu verbergen und sich innerhalb vorgegebener gesellschaftlicher und nationaler Verhältnisse zu assimilieren.
Reisch war schon als Jugendlicher sehr belesen und hegte früh schriftstellerische Ambitionen. Bereits als Gymnasiast schickte er wöchentlich selbst verfasste Gedichte an die Wiener humoristischen Zeitschriften „Der Faun“ und „Die Muskete“ und wurde zeitweilig als Verfasser von Textunterschriften für Witzzeichnungen engagiert. Diese bereits früh vorhandene Passion zur Literatur und zum Verfassen eigener Texte findet seine konsequente Fortsetzung in Reischs Entscheidung, ein Literaturstudium an der Wiener Universität aufzunehmen. Das Ende des 1. Weltkrieges im November 1918 war das Schlüsselereignis für den Beginn von Reischs Filmkarriere. Der Weltkrieg hatte unter anderem auch Hunderttausenden österreichischen Männern das Leben gekostet und so standen die erhalten gebliebenen Theater in Anbet-
4 Kreisler,Georg: Ich war Familie. In: Krenn, Günter (Hg.): Walter Reisch. Film schreiben. Wien 2004, S. 7.
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racht dieses Männermangels vor dem Problem, die männlichen Statistenrollen zu besetzten. Um dieses Problem zu lösen, erließ die österreichische Regierung denjenigen Schülern und Studenten die Schul- bzw. Studiengebühren, die sich verpflichteten, an den Abenden als Statisten an den Wiener Theatern aufzutreten. Einer dieser Statisten war Walter Reisch.
Ich kannte alle Stücke von Molnár bis Schnitzler ... Peer Gynt und Faust kann ich heute noch auswendig vorsagen. 5
Neben seinen Kenntnissen der Weltliteratur und seinem Schreibtalent, eignete sich Reisch durch seine Statistentätigkeit beim Theater die dritte wichtige Voraussetzung für seine zukünftige Laufbahn als Drehbuchautor und Regisseur an: das Grundverständnis für den Aufbau eines Dramas. Angelockt durch die für damalige Verhältnisse relativ gute Bezahlung als Filmstatist kam Reisch erstmals persönlich mit dem Filmgeschäft in Berührung. Schnell entbrannte seine Leidenschaft für das neue Medium und Reisch entschloss sich, sein Literaturstudium abzubrechen. Wie die meisten Pioniere der neuen Kunstgattung erlernt Reisch das Filmgeschäft, indem er mithilft, wo er gerade gebraucht wird. So arbeitet sich Reisch sukzessiv vom Statisten, zum Regieassistenten und Titelschreiber für Stummfilme bis schließlich zum Dreh-buchautor und Regisseur hoch.
It was the most wonderful, elaborate, and thorough schooling anybody possibly could have had to become a motion picture maker. It was the university of life, per se. It was something that will never exist again because we really learned it from the ground up. 6
Seine berufliche Entwicklung wurde, wie Reisch später in einem Interview berichtet, entscheidend durch die Bekanntschaft mit dem Grafen Alexander Kolowrat-Krakowsky geprägt.
Ich beherrschte das Handwerk, inszenierte auf dem Papier. Beschrieb genau Totale, Großaufnahme, Fahrt etc. Das lernte ich von Graf Kolowrat. 7 Graf Kolowrat-Krakowsky konstituierte durch die Gründung der Sascha-Film im Jahr 1910 die österreichische Filmindustrie und entdeckte zahlreiche Talente für das Filmgeschäft, u.a. Alexander Korda (Regisseur), Mihály Kertész (Michael Curtiz -Regisseur), Willi Forst (Schauspieler und Regisseur) und Marlene Dietrich. Mitte der zwanziger Jahre gelang es Reisch, den Grafen Kolowrat sowohl von seinen Qualitä- 5 Holba,Herbert: Drehbücher nach Maß. Ein Interview mit Walter Reisch. In: Krenn, Günter (Hg.): Walter Reisch. Film schreiben. A.a.O, S. 23.
6 Greenberg, Joel: Walter Reisch: The Tailor. In: McGillian, Pat (Hg.): Backstory 2. Interviews with screenwriters of the 1940s and 1950s. Berkeley, Los Angeles 1991, S. 210.
7 Holba, Herbert: Drehbücher nach Maß. Ein Interview mit Walter Reisch. A.a.O., S. 25.
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ten als Drehbuchautor als auch von der Idee zu überzeugen, einen Wien-spezifischen Film zu drehen.
Around that time we decided to make the most of the idea that Vienna is a world-famous city of music. Since everybody knew that Mozart and the Strausses were part of our tradition, I went to Count Kolowrat and said to him, “I’ve done a few semesters of literature, and I know how to write. Why can’t we make a picture with, say, the background of a Mozart biography?” 8 Letztlich entstand aus diesem Vorschlag ein Liebesfilm mit dem Titel „Ein Walzer von Strauss“ (1925), in dem der titelgebende Walzer eine entscheidende Handlungsfunktion einnimmt. Der Film avancierte zum Kassenschlager und bedeutete für Reisch seinen ersten Erfolg als Drehbuchautor. Es sind zwar Zweifel angebracht, inwieweit der Einsatz von österreichischen Motiven - Musik der Wiener Klassik, Walzer, Kaiserhof, Ballsäle, Weltschmerz - in diesem Film bereits mit ökonomischem Kalkül im Hinblick auf die Exportfähigkeit österreichischer Filme vorgenommen wurde 9 , letztendlich erwies es sich jedoch als das Erfolgskonzept für den österreichischen Film sowohl im Inland als auch im Ausland. Zahlreiche österreichische Regisseure und Drehbuchautoren, unter ihnen federführend Walter Reisch, etablierten und nährten den Mythos Wien, den Elsaesser sehr zutreffend beschreibt: Es ist der Mythos >Wien<, der sich immer wieder aus Walzern und Operetten zu einem Ort zusammensetzt, an dem Menschen bereit sind, sich ihrer Gefühle wegen zu opfern, wo es schnittigen, aber gewissenlosen jungen Offizieren gelingt, Herzen zu brechen und sich dann doch noch ein Duell zu liefern. Es ist die Welt der Intrigen am Hof Kaiser Franz Josephs, der Abende beim Heurigen und im Prater - und natürlich die Welt jenes Äußersten an verführerischer Naivität, des >Wiener Mädels<. 10
3. Berlin - erster Karrierehöhepunkt als Drehbuchautor
1927 heiratet Reisch die Wiener Tänzerin Ina Schulthess und geht im gleichen Jahr auf Initiative des Regisseurs Hans Otto Löwenstein mit ihr nach Berlin, da die verheerende Wirtschaftskrise und der Zusammenbruch der österreichischen Währung Reisch um seine Ersparnisse und Existenzgrundlage gebracht hatte. In den ersten Jahren hält sich Reisch mit dem Schreiben von Stummfilmdrehbüchern, u.a. für die
8 Greenberg, Joel: Walter Reisch: The Tailor. A.a.O., S.211.
9 Vgl. hierzu Elsaesser, Thomas: Flieger, grüß mir die Sonne: Österreich und Walter Reisch. In: Beckermann, Ruth und Blümlinger, Christa (Hg.): Ohne Untertitel. Fragmente einer Geschichte des österreichischen Kinos. Wien 1996, S. 326.
10 Vgl. hierzu: Elsaesser, Thomas: Das Lied ist aus oder Wem gehört die Operette? A.a.O., S. 88.
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damaligen Stars Harry Liedtke und Henny Porten, über Wasser bis 1929 die Ära des Tonfilms eingeläutet wird und Reisch eine Anstellung bei der Ufa erhält. Die Frühzeit des Tonfilms von 1929 bis 1933, in der Reisch bei der Ufa an 26 Filmen 11 mitwirkte, ist Reischs produktivste und vielseitigste Schaffensphase. Die meisten dieser Filme wie beispielsweise „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“, „Das Lied ist aus“, „Ein blonder Traum“, „F.P.1 antwortet nicht“ oder „Ich und die Kaiserin“ werden Welterfolge und Elsaesser zählt diese Musikfilme auch künstlerisch zu den beachtenswerten Leistungen des späten Weimarer Kinos 12 . Neben seiner dramaturgischen Stärke und seinem Ideenreichtum konnte Reisch durch das neue Medium Tonfilm eine weitere Begabung erfolgreich entfalten: seine Fähigkeit ungekünstelte, prägnante Liedtexte zu schreiben und diese Lieder so in den Film zu integrieren, dass der Text eines Liedes die Handlung weiterführt und nicht unterbricht. The songs were integral parts of the continuity of the shooting script. My songs were always so built-in that you couldn’t take them out. They were simply a link in the story, [..]. 13
Reisch kreierte die Texte von selbst heute noch bekannten Weltschlagern wie „Frag nicht warum“ oder „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“ aus dem Film „Das Lied ist aus“ oder „Flieger, grüß mir die Sonne“ aus „F.P.1 antwortet nicht“. Berlin markierte für Reisch die erste Lebensstation, bei der er sich in einem fremden Land erfolgreich neuen Arbeits- und Lebensbedingungen angepasst hat. Es fragt sich, wie sich für Reisch, dem Ausländer und Juden, dieser Weg der Assimilierung in Deutschland gestaltete und welche Faktoren seine enorme Erfolgsbilanz, die mit der Einstellung bei der Ufa seinen Anfang nahm, maßgeblich mitbeeinflusst haben. Ein erhellendes Licht auf diese Fragen wirft ein Ausschnitt aus einem Interview, das Elsaesser mit Reisch ungefähr ein Jahr vor dessen Tod geführt hat. Auf die Frage Elsaessers, ob die Einstellung einer Vielzahl von österreichischen Filmschaffenden bei der Ufa darin begründet lag, „daß es eine große Nachfrage nach österreichischen Filmen mit Schmalz und Walzern gab“ 14 , antwortete Reisch: Nein, es lag daran, daß die Österreicher sehr talentiert waren. Und sie mußten ihre Miete bezahlen. Die Berliner mochten auf sie herab-sehen, aber mit einer ungeheuren Sympathie und letzten Endes auch mit großem Respekt, weil die Vorstellung von den Österreichern als gemütlich und ständig Walzer tanzend falsch war. [...] Sie haben nicht gewußt, daß die Österreicher sich in Berlin
11 Ohne Berücksichtigung der mehrsprachigen Fassungen.
12 Vgl. hierzu: Elsaesser, Thomas: Das Lied ist aus oder Wem gehört die Operette? A.a.O., S. 89.
13 Greenberg, Joel: Walter Reisch: The Tailor. A.a.O., S. 215.
14 Elsaesser, Thomas: Flieger, grüß mir die Sonne: Österreich und Walter Reisch. A.a.O., S. 341.
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nicht einmal die Miete zahlen konnten, nicht einmal eine für 40 Mark, sie haben nicht eine einzige Mark gehabt! Sie mußten schwer arbeiten. Daher hat es eine große Nachfrage nach den Österreichern gegeben. [...] Wir haben 24 Stunden am Tag gearbeitet, Tag und Nacht, bis wir unsere eigene Wohnung gehabt haben. So war die Ufa - im Gegensatz zu all den Gerüchten, die man heute hört - das demokratischste und toleranteste Unternehmen, ohne eine Spur von Negativismus. 15
Diese Aussage Reischs belegt zunächst sehr deutlich die finanzielle Notsituation und die harten Arbeitsbedingungen, denen Reisch und seine österreichischen Kollegen bei ihrer Ankunft in Deutschland ausgesetzt waren. Der Umstand, dass die Österreicher gezwungen waren, sich ein derartig hohes Arbeitspensum aufzuerlegen, um sich eine billige Wohnung und den Lebensunterhalt leisten zu können, führt zu der Schlussfolgerung, dass sie eine unterdurchschnittliche Bezahlung für ihre Leistungen erhalten haben müssen. Auch wenn Reisch es nicht zu erkennen vorgibt, hat die deutsche Filmindustrie zunächst sehr wohl die Lage der zahlreich zugewanderten mittel- und arbeitslosen, österreichischen Filmschaffenden ausgenutzt, indem sie die Österreicher als billige und leistungsbereite Arbeitskräfte beschäftigt haben. Reischs zuvor zitierte Aussage macht darüber hinaus deutlich, dass Reisch in Deutschland gegen Vorurteile, und zwar nicht wegen seiner jüdischen Abstammung (zumindest nicht bis 1933), sondern wegen seiner österreichischen Nationalität zu kämpfen hatte. Reisch fühlte sich von den Deutschen trotz aller Freundlichkeit und Gastfreundschaft nicht als gleichwertig anerkannt. Diese von Reisch bemerkte latente Ausgrenzung in Form des Herabsehens und Nichternstnehmens der Österreicher „wegen der >Heurigen< und schmähführenden Charmeure“ 16 zeigt, dass es für ihn trotz seiner Erfolgsbilanz und Assimilierungsbemühungen keine vollständige Integration innerhalb der deutschen Gesellschaft gegeben hat. Reisch löst dieses Problem der Ausgrenzung und Fremdheit, indem er sich eine eigene Ersatzheimat schafft. Jeden Sonntag lädt er vor allem befreundete österreichische Filmschaffende, die wie er die Heimat verlassen haben, zu sich und seiner Frau ein, „wo bei Leberwurst, Salami-Broten und Bier oft bis Mitternacht Domino gespielt wird 17 “. Zu dieser Gemeinschaft gehören österreichische Landsleute wie Billy Wilder, Gustav Ucicky, Carl Froelich und Willi Forst, aber bemerkenswerter Weise auch deutsche Künstler der Filmbranche wie die Brüder Curt und Robert Siodmak oder Moritz Seeler. Diese Ersatzheimat
15 Ebenda, S. 341 f.
16 Ebenda, S. 341.
17 Hutter, Andreas und Kamolz, Klaus: Billie Wilder: eine europäische Karriere. Wien 1998, S. 199.
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Nicole Mühlhausen, 2006, Walter Reisch – der vergessene Autor, München, GRIN Verlag GmbH
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