normale Tageszeitung. Des Weiteren werden in diesem Zusammenhang das Aufkommen einer neuen Bewegung in der Germanistik und in der Politik analysiert werden.
1) Außersprachliche Einflüsse des 19. Jahrhunderts
Das 19. Jahrhundert war vor allem durch große technische Fortschritte und neue politische Umstände geprägt, die sich auf die gesamte deutsche Bevölkerung ausgewirkt haben. Hierzu zählen die Dampflokomotive, das Telefon und sogar der Urahn des Autos, um nur einige der technisch bedingten Neuerungen zu nennen. Durch einen zunehmend auflebenden Purismus und der deutschen Reichsgründung im Jahre 1871 kam es zu vielen weiteren lebensverändernden Neuerungen, welche auch einen großen Einfluss auf die damalige Sprachverwendung hatten. Schmidt beschreibt diesen Wandel so:
„Diese gesellschaftlichen Änderungen, die auch verbunden waren mit einer
Beschleunigung des Verkehrs auf Kanälen, Schienen und Straßen,
Spezialisierung in der Berufsausbildung, nationalem und internationalem
Warenverkehr, Beginn der erhöhten Medienwirksamkeit … , all diese
Entwicklungen zwangen die Bürger zunehmend zur aktiven und passiven
Teilnahme an der Kommunikation und brachten dem 19. Jh. - dem „Jahrhundert
der Massen und der Massenbewegungen“ - eine zunehmende Beteiligung der
Bevölkerung am öffentlichen Leben, die oft als „Demokratisierung“ bezeichnet
wird.“ 2
Damit soll gezeigt werden, dass es im 19. Jahrhundert fast rein außersprachliche Entwicklungen sind, welche die sprachlichen Verhältnisse beeinflussten und standardisierten. Denn „[n]ach Auffassung Mattheiers änderten sich durch die außersprachlichen Entwicklungen „die sprachlichen Verhältnisse in der deutschen Sprachgemeinschaft so grundlegend …, wie das seit der großen kommunikativen Revolution in der frühen Neuzeit nicht mehr der Fall gewesen ist“.“ 3
2 Schmidt, Wilhelm: Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Stadium,
Stuttgart 9 2004. S. 143-144.
3 Mattheier, K. J.: „Lauter Broke um den Kopp“. Überlegungen zur Sprache der Arbeiter im 19.
Jahrhundert. In: Rheinische Vierteljahresblätter 50, 1986, S. 221ff.. (hier in: Schmidt. S. 144)
2
Als zentrales Hindernis für eine weitgreifende sprachliche Normierung schien damals das Feudalwesen zu gelten, welches nach und nach verschwinden sollte. 4 Dem Feudalwesen wirkten vor allem die französische Fremdherrschaft und die daraus resultierende patriotische Bewegung entgegen, welche sich als Ziel einen vereinheitlichten Staat setzte. 5 Einen weiteren einschneidenden Aspekt bewirkte die Deutsche Reichsgründung. Die Kaiserliche Verfassung des Jahres 1871 erlaubte einen Wohnortswechsel, den folglich viele Bürger wahrnahmen und was schließlich zu einer bunten Mischung an Dialekten besonders in den Städten führte. 6 Die bis 1871 herrschenden feudalen Bedingungen ließen keinen Ortswechsel zu, also konnte auch kein Sprachaustausch oder sogar eine sprachliche Angleichung der unterschiedlichen Mundarten geschehen. Deshalb ist der außersprachliche Einfluss der Verstädterung nur auf das Ende des 19. Jahrhunderts zu begrenzen. 7 Die Wanderungsbewegungen wurden aber erst durch die fortschreitende Industrialisierung und den damit verbundenen Bedarf an Industriearbeitern bedingt.
1.1) Verstädterung durch Industrialisierung
„Eine sichtbare wirtschaftliche Umwälzung vollzog sich in Deutschland in den 50er und 60er Jahren des 19. Jh. … Industrialisierung bedeutete jedoch neben dem starken Anwachsen der Bevölkerung … zugleich eine weitere sprunghafte Verstädterung der Bevölkerung.“ 8 Die Verstädterung brachte zunächst auch ein hohes Verkehrsaufkommen und Vernetzung der Städte untereinander mit sich, was zu einem Aufeinandertreffen der verschiedensten Kulturen, Traditionen und vor allem der Mundarten führte.
„In Städten und industriellen Zentren trafen in diesem Zusammenhang - das ist
für die Sprachentwicklung bedeutsam - Menschen mit zum Teil recht
unterschiedlicher territorialer Herkunft, die gezwungen waren, sich sowohl im
Arbeitsprozess als auch im Privatleben miteinander zu verständigen,
zusammen.“ 9 S. 15 (Schildt)
4 Vgl. Schmidt. S. 143.
5 Ebd.
6 Vgl. Wells, C.J.: Deutsch: eine Sprachgeschichte bis 1945, Tübingen 1990. S. 369.
7 Vgl. Schildt, Joachim: Einleitung, in: Die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die deutsche
Sprachentwicklung im 19. Jahrhundert, hg. v. Joachim Schildt, Berlin 1981. S. 22.
8 Schmidt. S. 143.
9 Schildt. S. 15.
3
Die nun entstehenden Industriearbeitsplätze waren natürlich nicht von solch hohem sprachlichem Niveau wie die eines Ingenieurs und wurden deshalb von ihnen auch auf sprachlicher Ebene ausgeschlossen. Dennoch waren auch die Industriearbeiter gefordert und mussten sich einen großen Umfang an neuem Fachvokabular aneignen, um die neuen Abläufe und Mechanismen nachvollziehen zu können. 10 Hierin könnte man aber auch einen Kritikpunkt sehen, welcher der These widersprechen würde, denn anscheinend kam es fast nur zu einem sprachlichen Ausgleich innerhalb der verschiedenen sozialen Schichten und nicht zwischen ihnen. Auch Kettmann beschreibt eine große Problematik bei der sprachlichen Entwicklung in den Städten des 19. Jahrhunderts: Es gebe eine strikte Trennung zwischen dem Bürgertum und der Arbeiterklasse, wobei letztere direkter durch die Industrielle Revolution beeinflusst wurden. 11 Er spricht also davon, dass die von vielen angenommene sprachliche Einheit in Städten kaum oder teilweise auch gar nicht existierte und dass man regelrecht von einer Abschottung der sprachlichen Gruppierungen sprechen muss. Denn in Wirklichkeit bestanden „zwei stadtumgangssprachliche Varianten“, die sich besonders im Niveau der verwendeten Sprache unterschieden. 12 In einem anderen Aufsatz Kettmanns fokussiert er sich noch mehr auf den sprachlichen Gebrauch des Industriearbeiters in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde normalerweise an die 14 Stunden am Tag in einer Fabrik pro Arbeiter gearbeitet, was für einen regen sprachlichen Austausch innerhalb des Arbeitsumfeldes spricht. Dieser Aspekt zeugt für die große Bedeutung der Fabrik in Hinblick auf die damaligen, sprachlichen Entwicklungen. 13 Dem widersprechen würde aber eine weitere Erkenntnis Kettmanns, und zwar dass es innerhalb einer Fabrik keinen einheitlichen Jargon gegeben hätte und dass man folglich nicht von einer homogenen, sprachlich
10 Vgl. Schildt. S. 16.
11 Vgl. Kettmann, Gerhard: Die Existenzformen der deutschen Sprache im 19. Jahrhundert - ihre
Entwicklung und ihr Verhältnis zueinander unter den Bedingungen der industriellen Revolution, in: Die
Auswirkungen der industriellen Revolution auf die deutsche Sprachentwicklung im 19. Jahrhundert, hg.
v. Joachim Schildt, Berlin 1981. S.41.
12 Vgl. Ebd. S. 59.
13 Vgl. Kettmann, Gerhard: Zur Entwicklung der deutschen Umgangssprache in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung 33,
1980, S. 426-432. S. 427
4
Arbeit zitieren:
C. Köhne, 2006, Außersprachliche Phänomene des 19. Jahrhunderts als Wegbereiter für das Eindringen der neuhochdeutschen Standardsprache in alle Schichten?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Germanistik - Linguistik: Außersprachliche Phänomene des 19. Jahrhunderts als Wegbereiter für das Eindringen der neuhochdeutschen Standardsprache in alle Schichten? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Germanistik - Linguistik: neuer Titel erschienen: Außersprachliche Phänomene des 19. Jahrhunderts als Wegbereiter für das Eindringen der neuhochdeutschen Standardsprache in alle Schichten?
C. Köhne hat einen neuen Text hochgeladen
Das 19. Jahrhundert und seine Helden
Literarische Figurationen des ...
Jesko Reiling, Carsten Rohde
Die Antike im 19. Jahrhundert in Italien und Deutschland /L'Antichita ...
Karl Christ, Arnaldo Momigliano
0 Kommentare