Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Kapitalformen nach Bourdieu 4
2.1. Ökonomisches Kapital 5
2.2. Kulturelles Kapital 5
2.3. Soziales Kapital 7
2.4. Symbolisches Kapital 8
2.5. Kapitalumwandlungen 9
3. Der Einfluss der Kapitalformen auf die Migrationsentscheidung 11
3.1. Der Einfluss ökonomischen Kapitals 11
3.2. Der Einfluss kulturellen Kapitals 12
3.3. Der Einfluss sozialen Kapitals 12
3.4. Der Einfluss symbolischen Kapitals 14
4. Fazit 14
5. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Der Franzose Pierre Bourdieu (*1930-2002) zählt zu den bedeutendsten Soziologen der heutigen Zeit. In den drei Jahrzenten seiner Forschungstätigkeit schrieb er über dreißig Bücher und verfasste etliche Aufsätze und Vorträge. Auffallend ist die thematische Vielfalt seines umfassenden Lebenswerkes. So führte er beispielsweise Studien durch in den Bereichen der Politischen Soziologie, der Sprachsoziologie und der Bildungssoziologie durch und beschäftigte sich in seinen Aufsätzen mit den Themen der Religions-, Rechts- und Kunstsoziologie, sowie der Soziologie der Bürokratie. Er widmete sich außerdem der Ethnologie, den Geschlechter- und Generationenverhältnissen, der Kunst, der Photographie, der Kulturpolitik, dem Sport und auch der Mode (vgl. Schwingel 1995). Die meisten Arbeiten liegen in deutscher Sprache vor, jedoch liegt zwischen der übersetzten Version und der französischen Erstveröffentlichung meist ein längerer Zeitraum. In Deutschland wurde Bourdieu vor allem durch die Veröffentlichung des Werkes „Die feinen Unterschiede“ (1982) bekannt (vgl. Krais 2004). Nachdem er 1982 schließlich an das Collège de France berufen wurde, erhielt er 1993 die Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique, die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird. Außerdem wurde ihm 1997 der Ernst-Bloch-Preis der
Stadt Ludwigshafen verliehen. 1
Nachfolgend wird das Bourdieusche Kapitalverständnis vorgestellt und mit dem Begriff der Migration verbunden. Das Feld Migration wurde aufgrund seiner aktuellen
Relevanz gewählt. Laut des Bundesministeriums des Inneren 2 , hat die internationale Mobilität in den letzten Jahren stark zugenommen und wirkt sich vor allem auf die Zu-wanderung in die Industrieländer Europas aus. Auch in Deutschland bestimmen Begriffe wie Migration, Integration und Assimilation die aktuelle politische Integrationsdebatte und sind täglich in den Medien und in der Öffentlichkeit präsent. Die Entscheidung zur Migration ist dabei Ursprung jeglichen Integrationsprozesses, der in der aktuellen Debatte thematisiert wird. Im Folgenden soll daher der Einfluss der Bourdieuschen Kapitalien auf die Migrationsentscheidung beleuchtet werden.
Nach einer kurzen Vorstellung Pierre Bourdieus wird zunächst dargestellt, was nach der Bourdieuschen Theorie unter Kapital allgemein zu verstehen ist. Anschließend werden
1 http://www.suhrkamp.de/autoren/pierre_bourdieu_535.html
2 http://www.zuwanderung.de/cln_165/ZUW/DE/Home/home_node.html
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die verschieden Kapitalformen im Einzelnen definiert, wobei in einem gesonderten Abschnitt auf die Möglichkeiten der Umwandlung der vorher erläuterten Kapitalarten eingegangen wird. Daran anknüpfend wird der Einfluss der verschiedenen Kapitalformen auf die Migrationsentscheidung herausgearbeitet und evaluiert. In dieser Arbeit wird ausschließlich die männliche Form „Migrant“ benutzt, wobei dieser Begriff die Migrantinnen selbstverständlich mit einschließt. Die genderneutrale Sprache wird bewusst vermieden, da die Verwendung einerseits ein flüssiges Lesen des Textes erschwert und eine Geschlechterspezifizierung andererseits nicht zur Klärung der Fragestellung beiträgt. Des Weiteren ist zu beachten, dass mit den Migranten nicht alle Personen gemeint sind, die beabsichtigen zu migrieren oder alle Personen, die Mig-rationshintergrund haben, sondern eher die durchschnittlichen Migranten. Zwar erweisen sich derartige Stereotypisierungen oft als problematisch aber im Rahmen dieser Arbeit wird es jedoch als notwendig erachtet, um die Komplexität dieser Arbeit zu verringern und trotzdem zu einer angemessenen Schlussfolgerung zu gelangen.
2. Die Kapitalformen nach Bourdieu
Im Wesentlichen nennt Bourdieu vier verschiedene Arten von Kapital: das ökonomische, das kulturelle, das soziale und das symbolische Kapital. Zu Beginn seiner Arbeit unterstreicht Bourdieu (2005: 49), dass jegliche Form von Kapital in einem gewissen Zeitlauf akkumuliert wird. Demnach eignen sich Personen im Laufe vieler Jahre ihr Wissen an und besitzen es nicht von Geburt an. Kapital ist folglich in internalisierter und in sachlicher Form akkumulierte Arbeit. Nach Bourdieu ist Kapital „als vis insita […] eine Kraft, die den objektiven und subjektiven Strukturen innewohnt“ und gleichzeitig „[…] - als lex insita - auch grundlegendes Prinzip der inneren Regelmäßigkeiten der sozialen Welt“ (Bourdieu 2005:49). Der Begriff des Kapitals wird von Bourdieu mit Macht gleichgesetzt. Genauer gesagt, versteht der Soziologe jegliche Form von Kapital als Verfügungsmacht über ein Produkt, das im Vorfeld und über einen Zeitraum erarbeitet wurde (vgl. Bourdieu 1995: 10). Er schreibt den verschiedenen Kapitalformen jeweils verschiedene Arten von Macht zu. So ergibt sich aus ökonomischem Kapital eine andere Form von Macht als
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aus dem sozialen Kapital. Das Auftreten einer bestimmten Kapitalart hängt vom An-wendungsbereich 3 und von den erwarteten Transformationskosten ab.
2.1. Ökonomisches Kapital
Unter ökonomischem Kapital ist das Kapital zu verstehen, das unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar ist und sich in Form des Eigentumsrechts institutionalisieren lässt (vgl. Bourdieu 2005: 52). Dazu gehören Gegenstände wie Geld, Schmuck und Aktien. Personen, die über genug Geld verfügen, können direkt in ihre Bildung investieren, d.h. ihr ökonomisches in kulturelles Kapital umwandeln. Obwohl das ökonomische Kapital die Grundlage für die Kapitaltheorie bildet bedeutet dies nicht, dass die anderen Kapi-talsorten Ausprägungen des ökonomischen Kapitals sind.
2.2. Kulturelles Kapital
Kulturelles Kapital ist unter bestimmten Voraussetzungen in ökonomisches Kapital transformierbar. Diese Kapitalart wird zum Beispiel in Form von schulischen Titeln sichtbar gemacht. So können jene Personen mit einem abgeschlossenen Studium ein höheres Einstiegsgehalt erwarten als diejenigen, die kein abgeschlossenes Studium nachweisen können. Der schulische Titel einer Person repräsentiert folglich das kulturelle Kapital und kann somit in ökonomisches Kapital umgesetzt werden. Bourdieu differenziert zwischen den folgenden drei Arten von kulturellem Kapital (vgl. Bourdieu 2005: 53).
Das inkorporierte Kulturkapital bezeichnet das kulturelle Kapital, das im Laufe eines Verinnerlichungsprozesses angehäuft wurde (vgl. Bourdieu 2005: 55). Es meint also nicht nur die schulische Bildung, sondern die allgemeine Bildung und die daraus resultierenden Kompetenzen. Diese Kapitalakkumulation ist als persönliche Investition zu sehen, die mit erheblichem Zeitaufwand verbunden ist. Das Delegationsprinzip kann nach Bourdieu (2005: 55) ausgeschlossen werden, da sich die Inkorporation von Bildungskapital nicht durch eine außenstehende Person in die Tat umsetzen lässt.
3 Unter dem Anwendungsbereich ist das Feld zu verstehen, in dem eine Person vorhat zu agieren. Mit einem sozialen Feld ist ein Netz von sozialen Positionen, Machtverhältnissen und Handlungsregeln ge-
meint (vgl. Bourdieu 1995).
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Arbeit zitieren:
Vanessa Schäfer, 2010, Die Kapitalformen nach Bourdieu - Welchen Einfluss haben sie auf die Migrationsentscheidung?, München, GRIN Verlag GmbH
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