Gliederung
1. Einleitung 3
2. Interpretation 4
3. Fazit 8
4. Literaturverzeichnis 9
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1. Einleitung
In der folgenden Interpretation des Märchens „Die weiße Schlange“ der Brüder Grimm geht es um die Entwicklung der Individuation und welche Entwicklungsstufen „das Kind“ dabei durchläuft.
Die Bearbeitung erfolgte mit Hilfe der Literaturliste, dem Internet und eigenen Assoziationen, letzteres waren ausschlaggebend für den kommenden Text und deshalb befinden sich darin keine Vergleiche oder Zitate, es wurde gezielt versucht dies zu vermeiden.
Das Märchen ist ebenfalls nicht anhängend, aber in jedem gutbetitelten Grimm-Märchenbuch zu finden.
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2. Interpretation
In dem Märchen „die weiße Schlange“ steht „der weise König“ als der allwissende Elternteil mit vollendeter Individuation, in Symbiose mit „dem Diener“ (Kind), der selbst an dessen Allwissenheit glaubt und die Individuation -Regierung des eigenen Selbst- erst begonnen hat.
Die Farbe „Weiß“ steht für die Unschuld des Kindes, aber „die Schlange“ auch für die Begierde, wie z.B. in der Schöpfungsgeschichte, in diesem Fall „von ihr zu kosten.“ Das Kind ist mit unschuldiger Neugier und erhöhter Triebkraft auf Entdeckertour und kommt dadurch seiner Entwicklungsvollendung näher. Es macht sich erste eigene Gedanken und versucht die Welt auf diese Weise zu begreifen. Dies wird im Märchen durch „die Sperlinge im Felde und Walde“ angekündigt. „Der gestohlene Ring der Königin“ zeichnet einen ersten Konflikt zwischen Kind und Elternteil ab, „denn der Diener wird beschuldigt.“ Das Kind versteht nicht, dass es nicht alles darf was es will. Es lernt Belohnung und Bestrafung, Förderung und Forderung kennen, was für die Individuation ein unumgänglicher Schritt ist. Jedoch ist dies, in diesem Augenblick, schwerbegreiflich für das Kind. „Der Diener beteuert seine Unschuld.“ Der begangene Fehler ist für das Kind nicht einsehbar, gar unverständlich, „aber der Diener soll gerichtet werden, wenn er den Ring nicht zurück bringen kann“. „Gerichtet“ kann man mit „Kopf abschlagen“ assoziieren, das soviel bedeutet wie Begrenzung bzw. Einschränkung der Sinnes- und Geisteswelt des Kindes durch den allwissenden Elternteil. Den „Hof“ kann man auch mit „trockener Wiese“ oder „Wüste“ vergleichen, „der Held ist in großer Not.“ Das Kind fühlt sich hilf- und ratlos. Die Gefühle, Emotionen, Sinneseindrücke sind nicht mehr im Gleichgewicht, im Fluss. Es ist hin- und hergerissen vom neuentdeckten Seelischen und dem Einspruch des Elternteils, dargestellt durch „die Enten am Teich“. Durch „das sich Putzen der Enten“ wird noch mal die Unschuld, Reinheit des Kindes widergespiegelt.
„Die Ente verschluckt den Ring der Königin.“ „Der Ring“ und „die Königin“ stehen im direkten Verhältnis zueinander. Sie spiegelt das Seelenleben des Kindes wider, durch „das Verschwinden des Rings“ ist der Kreislauf bzw. der Weg zur Höchstentwicklung unterbrochen und das „Verschlucken“ ist ein Versuch des Kindes, diese Unterbrechung zu überwinden.
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„Der Ente wird der Kopf abgeschlagen und anschließend vom Koch gebraten.“ „Der Koch“ ist hier das ausführende Organ, er bereitet „die Nahrung für Seele und Geist zu.“ Durch die Selbsteinleitung des „Kopfabschlagens,“ versucht das Kind „gewaltsam“ die Begrenzung und Einschränkung abzuwenden, die mit Begeisterung und Begierde angestrebt wird und durch das „Auffinden des Rings“ ist der Kreislauf wieder geschlossen.
„Der Diener beweist seine Unschuld und darf sich die höchste Ehrenstelle aussuchen, wüscht sich jedoch, auf Reisen gehen zu dürfen.“ Das Kind tritt aus dem Schatten der Eltern heraus und möchte keine weitere Unterordnung, im Märchen „Ehrenstelle als Diener.“ Das Kind ist hier an einem zentralen Punkt der Loslösung von den Eltern angekommen, gewollt oder nicht, aber die Individuation treibt es voran, verstärkt durch das Symbol „des Pferdes.“
„Die Reise des Helden führt ihn an einen Teich, dort steigt er vom Pferd ab.“ Die Entwicklung des Kindes kommt hier zum Stopp, es gilt hier einen Punkt, „eine Aufgabe,“ zu überwinden.
„Der Held befreit die Fische und wirft sie zurück ins sichere Wasser.“ „Die Fische“ sind ein weiteres Symbol der Unschuld. Diese und das „mitleidige Herz“ vertiefen sich in der Seelenwelt des Kindes, in einigen Büchern als Frommheit umschrieben. „Die Fische bedanken sich für ihre Rettung und möchten es ihm vergelten.“ Das Kind, hat in seiner Unschuld Mitgefühl gezeigt, den Egoismus unterdrückt und in diesem Zusammenhang Dankbarkeit kennen gelernt.
„Die Reise geht weiter“ bis „das Pferd“ zum „dummen Pferd“ wird. Das Kind muss die eigene Entwicklung und den hochausgeprägten Eifer zügeln, das dargestellt wird durch das zusammengestellte Sinnbild „der Ameise“ und „des Königs“ (Ameisenkönig). „Dieser klagt, das Pferd solle seine Leute nicht nieder treten.“ Das Kind schlägt deshalb einen „Seitenweg“ ein. Dies ist eine klar gewollte Handlung, ein Richtungswechsel, ein Besinnen der eigenen Gedanken, um die Richtung im Leben selbst zu kontrollieren. „Auch die Ameisen danken dem Helden und wollen es ihm vergelten.“ An diesem Punkt lernt das Kind das eigene Leben selbst zu lenken. Das „aus dem Nest werfen der Rabenkinder“ setzt neue Triebkräfte frei und der „Wald“ steht für einen Ort zur Suche nach dem Weg der Weiterentwicklung. „Die Rabeneltern,“ klassisch als eigene Eltern assoziiert, verunsichern das Kind, auch
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beschrieben als „Verlust einer Weisheit“, vielleicht Liebesentzug. „Die Rabenkinder können verhungern.“ „Verhungern“ steht hier symbolisch für unbefriedigte Bedürfnisse und Gefühle. „Der Held tötet daraufhin das Pferd mit dem Degen,“ das den eingeschlagenen Weg abbrechen lässt und durch „das Töten“ wird, scheinbar gewaltsam, die Kontrolle über den eigenen gewünschten Weg zurück erlangt. Das Kind hat einen entscheidenden Schritt zur Selbstwerdung gemacht. Nun bewegt das Kind sich auf „eigenen Beinen.“ Es besitzt eine gewisse Bodenständigkeit in der sozialen Gemeinschaft, Deutung „der Stadt“. Das Kind kommt in seiner Entwicklung an eine Wegkreuzung („einer zu Pferde“) an. Es entscheidet sich letztlich für „das Werben um die Königstocher.“ Sie steht für die Höchstentwicklung der Seele, das es zu erreichen gilt. Entweder das, oder das Kind kann auch alles erreichte verlieren, stellt sich aber „der schweren Aufgabe“, dessen Ende bis hier noch offen ist.
„Der Jüngling soll einen hineingeworfenen Ring aus dem Meer holen oder darin ertrinken.“ „Das Meer“ steht für die komplette Tiefe der Seele des Kindes, „das Ertrinken“ für das Vertiefen darin und „der Ring“ als Anlass zur Vertiefung. „Der Ring,“ der die Einigkeit im eigenen Selbst widerspiegelt muss aus der Tiefe ins Bewusstsein geholt werden.
„Die drei Fische vergelten nun ihre Rettung und legen dem Jüngling den Ring zu Füssen, dieser bringt ihn direkt zum König.“ Die Bodenständigkeit des Kindes bringt dessen Frommheit zur Höchstentwicklung, „jedoch bleibt der versprochene Lohn, die Königstochter zu heiraten, aus.“ „Sie verschmäht ihn.“ Das Kind hat die Individuation noch nicht abgeschlossen. Die Ausprägung der Persönlichkeit ist noch nicht vollendet. „Deshalb muss der Jüngling eine weitere Aufgabe erfüllen.“ „Die große Menge Hirse, die im Garten verstreut wurde“ bedeutet einerseits großes Glück bzw. Zufriedenheit und anderseits das geistige und körperliche Bedürfnis nach der Mutter, denn Hirse kann auch für sie stehen. „Das Einsammeln“ kann so verstanden werden, dass das Bedürfnis nach Wohlbefinden besteht, da „der Jüngling nicht selbst sondern die Ameisen, aus Dankbarkeit, die Arbeit erfüllen.“ Deshalb kann man sagen, die Bedürfniskontrolle wird durch Eifer und Zielstrebigkeit zurück erlangt bzw. ausgeprägt.
„Eine letzte Aufgabe gilt es für den Helden noch zu erfüllen.“ „Der Apfel vom Baum
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des Lebens“ hat die klare Bedeutung der Selbsterkenntnis, wie ebenfalls schon in der Schöpfungsgeschichte beschrieben wurde. Jedoch ist der Weg zur Selbstfindung lang auch „der Held weiß nicht wo der Baum zu finden ist.“ „Das Königreich“ ist ein Zusammenschluss der Sinnbilder „vom König“ und „Reich“ = Land, also eine Höchstausprägung der Sinneswelt des Kindes. Da „der Held durch drei Königreiche wandert,“ kann man sagen, dass das Kind noch einmal alle Entwicklungsstufen durchlaufen muss um aufkommende Gegensätze und Widersprüche zu beseitigen. Diese sind nun auch für das Kind erkennbar, nachvollziehbar und lösbar, aufgrund der fast vollendete Individuation. „Der Wald“ beschreibt wieder die erhöhten Triebkräfte, die genutzt werden müssen um das Selbst zu erkennen. „Der Baum“beschreibt einen natürlichen Prozess im Leben des Kindes. „Die Raben, die über das Meer fliegen,“ bedeuten instinktive Seelenkräfte. „Der Apfel“ stellt einen kommenden Neubeginn dar. Das Gold („goldener Apfel“) zeigt die Ganzheit und Vervollständigung der Individuation an. „Der Held und die Königstochter essen zusammen den Apfel.“ Das Symbol „des Apfelessens“ steht für die geistige Fruchtbarkeit und die abgeschlossene Selbstwerdung. Abschluss bedeutet immer auch einen folgenden Neubeginn. „Der Werber heiratet die Königstochter und beide leben in Liebe bis ins hohe Alter.“ „Die Heirat“ deutet die positive Verarbeitung der Widerstände und Konflikte im innern und äußeren des Kindes an. „Die Liebe“ mahnt nochmal davor die eigenen Gedanken und Vorstellungen nicht aufzugeben.
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3. Fazit
Das Kind durchläuft auf dem Weg zur Individuation, im Grimms Märchen „die weiße Schlange“ drei prägnante Entwicklungsstufen.
1. Das Erlangen der Frommheit. Das Kind hat gelernt seinen Egoismus zu zügeln und Nächstenliebe auszuüben.
2. Anfänglich aufkommender, übertriebener Eifer, der später zur ausgeprägten Zielstrebigkeit und Bodenständigkeit wird.
3. Die Individuation als Selbsterkenntnis, Selbstfindung und die Mahnung die erreichte Persönlichkeitsentwicklung nicht aufzugeben. In kindlichen und vor allem grimm'schen Märchen findet sich das Thema Individuation des Kindes stets wieder.
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4. Literaturverzeichnis Bildsprache der Märchen Lenz, Friedel
Urachhaus; Stuttgart 1976 Kinder leben im Märchen Garlichs, Ariane Erich Röth-Verlag; Kassel 1988
Komm, ich erzähl dir was: Märchenwelt und kindliche Entwicklung Diergarten, Anna; Smeets, Friederike Kösel; München 1991
Arbeit zitieren:
Diplom Sozialarbeiter/Sozialpädagoge Mano Anandason, 2007, Märchen-Interpretation "Die weiße Schlange", München, GRIN Verlag GmbH
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