meinem Vater im Himmel, der mich durch dieses Thema gestärkt, ermutigt und mir einen Blick in die Zukunft gewährt hat.
meiner Frau Regine Dilger, die mir viel Zeit zur Verfügung gestellt hat und eine große Ermutigerin war.
meiner Lektorin Waltraud Lutz, die keine Zeit und Mühe gescheut hat für mich diese Abschlussarbeit zu korrigieren.
meiner Fakultät und ihren Lehrkräften, die drei Jahre ihrer Zeit in mich investiert haben.
INHALT
Kapitel
1. VORWORT 1
2. GEMEINDEGRÜNDUNG 2
2.1. Grundlegendes vor der Gründung 3
2.2. Zielgruppe 8
2.3. Das Umfeld 10
2.4. Definition der Gemeinde 11
2.5. Gebet 12
2.6. Strategische Ortswahl 12
2.7. Kleingruppen 12
2.8. Soziales Engagement 13
2.9. Prinzip der vorhandenen Kraftnutzung 15
2.10. Finanzielle Transparenz 16
2.11. Der Name 16
2.12. Checkliste der Priorität 17
3. BESTÄNDIGES LEITEN EINER UNBESTÄNDIGEN GEMEINDE 18
3.1. Grundgedanken zur Leiterschaft 20
3.2. Prinzipien zur Leiterschaft 37
3.3. Praktisches zur Leiterschaft 52
4. SCHLUSSWORT 67
BIBLIOGRAFIE 68
iii
1.
Über welches Thema lohnt es sich zu schreiben? Welches Thema ist interessant? Welches Thema bringt mich für meinen zukünftigen Dienst weiter? Und allen Dingen voran: Welches Thema ist das Richtige für mich? Nicht zuletzt haben mich unter anderem diese Fragen beschäftigt. Da ich selbst keine Antwort hatte, stellte ich Gott die Frage, über was ich schreiben soll. Er sagte mir: Gemeindegründung und beständiges Leiten einer unbeständigen Gemeinde. Voller Erwartung habe ich mich auf dieses Thema gestürzt und einige Gedanken in dieser Abschlussarbeit niedergeschrieben.
Diese Abschlussarbeit ist ein Leitfaden und eine Gedankensammlung zugleich. Allem voran stellt sich die Frage, ob es wohl ein oder zwei grundlegende Thesen gibt, die den Inhalt zusammenfassen. Nachdem im ersten Teil mit Gemeindegründung und im zweiten Teil mit beständigem Leiten einer unbeständigen Gemeinde die Themen erarbeitet worden sind, soll im Schlusswort die Erkenntnis zusammengefasst und eine These vorgestellt werden.
Zu Beginn des ersten Teils dieser Abschlussarbeit soll kurz die Frage der Existenzberechtigung einer Gemeinde geklärt werden. Denn wenn diese nicht gegeben ist, macht es wenig Sinn, sich mit dem Thema Gemeindegründung und beständiger Leitung auseinanderzusetzen. Warum existiert die Gemeinde 1 überhaupt?
Gott möchte, dass alle Menschen errettet werden. Und so ist „die für sich genommen effektivste Evangelisationsmethode [… weltweit], die Gründung neuer Gemeinden, [denn] es ist einfacher, Babys auf die Welt zu bringen, als die Toten aufzuerwecken.“ 2 Jesus bestätigt diese Aussage vor seiner Himmelfahrt. „Gehet [nun] hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Mt 28,19-20 3 ). Der Grund für die Existenz lässt sich
1 Lokale Gemeinden und ihre Bezeichungen finden sich in Cutshall, Structuring Church, 25. 0-75 Familiengemeinde; 75-200 Pastoralgemeinde; 199-400 Programm/ Mitarbeiterstabsgemeinde; 399-800 Leiterschaftsgemeinde; 799-1500 Gesellschaftsgemeinde; 1499-3000 Großgemeinden; 3000+ Extragroßgemeinden.
2 C. Peter Wagner, Gemeinde Gründung, die Zukunft der Kirche (Mainz: C & P Verlag, 1990), 12+29. Dies beweist die Assemblies of God. Es gibt wohl keine Denomination die mehr Wert auf Gemeindeneugründung legt. Sie rühmt sich hierfür regelrecht. So kommen in Kalifornien auf 26 000 Einwohner und in Arkansas auf 5000 Einwohner jeweils eine Gemeinde. In den 90ger Jahren wurde durch den Vorstand eine Erklärung unterschrieben, dass eine Million Gebetspartner angeworben, fünf Millionen Menschen für Christus gewonnen, 20 000 Christen für den hauptamtlichen Dienst ausgebildet und 5000 neue Gemeinden gegründet werden sollen. Daher ist es kein Wunder, dass die Assemblies of God bis heute weltweit die größte Pfingstdenomination ist. Auf Amerika beschränkt sind die größten Pfingstdenominationen die Southern Baptists, Church of God und Christian and Missionary Alliance. Wagner, Gemeindegründung, 15-18.
3 Alle Bibelverse sind der Elberfelder Übersetzung entnommen.
3
anhand des Missionsbefehls recht einfach ableiten. So schlägt dieser zwei Gründe vor. Erstens: Gehen - Jünger machen (zur Evangelisation) und zweitens: Taufen - sie lehren (zur Erbauung) 4 Dies sind zwei wirklich bedeutende Gründe, welche der Gemeinde ihre Existenz zugestehen. Weil also die Gemeinde auf gutem Grund steht, kann man auch schlussfolgernd sagen: Leiter ebenfalls. Jesus verspricht Petrus „auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Jesus setzt Petrus als Leiter der Gemeinde ein. 5 Dieser Gedanke darf breiter weitergedacht und auf das Heute bezogen werden. Die Gemeinde und Leiter haben durch Gott ihre Berechtigung und ihren Platz in der Geschichte.
Wie wir alle aus der Apostelgeschichte wissen, ist die Gemeinde aufgrund der Erfüllung durch den Heiligen Geist geboren. Daher sollte eine Gemeinde auch nur dann und auch wirklich nur dann gegründet werden, wenn der Heilige Geist die klare Anweisung dazu gegeben hat. Hat Gott seine Zustimmung nicht gegeben, so darf diese Gemeinde nicht gegründet werden. Hat Gott den Auftrag zur Gründung der Gemeinde gegeben, dann hat sie alle Bestandteile, die sie braucht um wirksam und gesegnet zu sein. 6 Heute scheint dies oft nicht mehr der Fall zu sein, denn die kleinen und unrelevanten Kirchen legen hiervon ein deutliches Zeugnis
4 Getz, Sharpening the Fokus of the Church, 21-27. Eine Auflistung im Neuen Testament der beiden Aspekte findet sich auf den Seiten 24-27.
5 Masuch sieht dies in gleicher Weise. Dieser Befehl Jesu „…weide meine Lämmlein“ (Joh 21,15) an Petrus, hat er stellvertretend für alle Diener der Gemeinde erhalten. Die Geschichte lässt hierüber keinen Zweifel entstehen. Aufopfernd haben sich immer wieder berufene Menschen in den Dienst Gottes gestellt. Dabei kämpften sie einerseits gegen das Schwärmertum und andererseits gegen den Traditionalismus. Dabei ist die Mühe für eine dynamische Gemeindearbeit von der Urgemeinde bis in die heutige Zeit dasselbe geblieben. Herbert Masuch, Handbuch für eine dynamische Gemeindearbeit (Neuhausen: Hänssler Verlag, 1975), 17.
6 Gleiches gilt auch für den Standort einer Gemeinde. Niemals sollte ein Standort aus einer unüberlegten Entscheidung, sondern aus bedachter Überlegung heraus gewählt werden. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Beispielsweise sollte genug Platz zum Parken vorhanden sein, gute Sichtbarkeit, die Lautstärke sollte Anlieger nicht stören, aber dennoch, der Ort zentral platziert sein.
4
ab. So ist es gut möglich, dass mehr Wert auf Werbegags und Unterhaltungsprogramme gelegt wird, um Menschen in die Gemeinde zu bringen, als sich von der Leitung des Heiligen Geistes abhängig zu machen. Die Kirche begann durch die Kraft des Heiligen Geistes und so sollten wir sie auch fortführen.
Geht man hier nach der Apostelgeschichte, Kapitel 2, 42 stellt man fest, dass es vier grundlegende Aspekte gibt. „Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten“ (Apg 2,42). Ein Element soll noch hinzugefügt werden: Die Verkündigung des Evangeliums. Das Ergebnis hieraus ist verblüffend. Sie „lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volke. Der Herr aber tat täglich [zu der Versammlung] hinzu, die gerettet werden sollten“ (Apg 2,47). 7 2.1.2. Persönliche Beziehung zu Gott
Paulus schreibt, dass uns die Liebe Christi zusammenhält (2. Kor 5,14). Doch wie hält uns diese Liebe zusammen? Indem wir Gott täglich nahe sind, denn Er hält unsere Seele zusammen. In praktischer Weise bedeutet dies, dass wir täglich in Gottes Wort lesen, Zeit im Gebet und im Hören verbringen. So können wir gestärkt und mit den aktuellen Anweisungen für den Tag durchstarten. Der Aufbau der Gemeinde beginnt mit der Beziehung zu Gott. Aus dieser folgt dann alles Andere. Dort lassen wir uns durch Gott füllen, bis weit über den Rand hinaus. Denn dann fließt die Liebe Gottes über und drängt uns zu der Aufgabe, zu der er uns beruft. 8
7 John McArthur, „Das Vorbild der Urgemeinde,“ Gemeindegründung 88, Nr. 4 (2006): 12.
8 Wilfried Plock, „Gemeindeaufbau lebt von Beziehungen,“ Gemeindegründung 76, Nr. 4 (2003): 28.
Es sagte einmal jemand: „Träumen ist das Schönste und das Billigste, deshalb sollte man das Träumen niemals aufhören.“ 9 Das hat sich wirklich als wahr erwiesen. So soll auch der Gemeindegründer den selben Traum, den Gott von der Gemeinde träumt, träumen. Dieser Traum ist das Bild, die Vision, ein inneres Leitbild, das ungeheuere Kräfte freisetzt. Damit beginnt eine Gemeinde; mit dem Blick in die Zukunft. Dieses Leitbild sollte für die Gemeinde als Ganzes, wie auch für jeden einzelnen Bereich vorhanden sein. 10 Dabei ist es empfehlenswert, wenn man sich neben Gottes Kraft auf die eigenen Stärken konzentriert. 11 Der Traum allein bringt aber noch keine Veränderung. Erst ein Ziel bringt die Dynamik. 12 „Ein Ziel ist ein konkretes Resultat, das bis zu einem definitiven Zeitpunkt erzielt werden soll.“ 13 2.1.4. Gemeindegründungsplan
Warum sollte man überhaupt einen Plan für die Gründung einer Gemeinde erstellen? Weil in den seltensten Fällen ohne Planung das erwünschte Ziel nicht erreicht wird. Gründe hierfür könnten sein: „Weil wir Christen verantwortungsvolle Haushalter sein müssen, weil wir agieren und nicht nur reagieren müssen, weil unser Glaube die Zukunftsplanung bestimmen soll, weil Gemeindeaufbau mehr ist als ein einmaliges Projekt, weil wir Prioritäten set-
9 Volksmund.
10 Die meisten Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass wenn sie vorwärts rückwärts laufen und dabei den Blick auch noch nach hinten richten, die Konsequenzen meist nicht vorteilhaft sind, wohl eher schädlich, wenn man es genau bedenkt.
11 Die einzige Ausnahme ist, wenn diese Stärke nicht zum Gemeindeaufbau beiträgt.
12 Schwarz, Gemeindeaufbau, 174-177.
13 Cristian A. Schwarz, Praxis des Gemeindeaufbaus; Gemeindetraining für wache Christen (Neukirchen- Vlyn: Schriftenmissionsverlag, 1987), 176.
6
zen müssen [und] weil herausfordernde Ziele motivieren.“ 14 Die nun nachfolgenden Punkte beschäftigen sich mit den Grundschritten, die für eine Gemeindegründung notwendig sind. 2.1.5. Grundlegendes für Pastoren und Gründer
Laut Wagner gibt es sechs grundlegende Eigenschaften die ein Pastor besitzen sollte. Diese Charaktereigenschaften helfen ihm, seine Verantwortung wahrzunehmen. Er sollte ein Leiter, ein Mann des Glaubens, ein gesunder Optimist und ein guter Prediger sein. Dazu kommt Flexibilität und die Bereitschaft hart zu arbeiten. 15 Weiter schreibt Wagner, dass bei einem Gemeindegründer folgende Dinge zutreffen sollten: Er sollte ein Gott verpflichteter christlicher Arbeiter sein, ein Selbststarter, die Bereitschaft haben Einsamkeit zu ertragen, über große Anpassungsfähigkeit verfügen, ein hohes Maß an Glauben besitzen, unterstützende Ehepartner und Familie haben, über den Willen und die Fähigkeit zu leiten verfügen, eine gewinnende Persönlichkeit und eine klare Berufung von Gott zur Gemeindegründung haben. 16
2.1.6. Gemeinderegeln
Nach Schwarz 17 und Wagner 18 gibt es einige grundlegende Regeln, 19 die für eine Gemeinde gelten sollten. Kombiniert man diese, entsteht ein Block von zehn Regeln, welche als
14 Schwarz, Gemeindeaufbau, 172-173.
15 C. Peter Wagner, Eine wachsende Gemeinde leiten (Lörrach: Wolfgang Simson Verlag, 1984), 155-157. Eine fundamentale Sache soll an dieser Stelle noch angesprochen werden. Obgleich der Pastor diese Eigenschaften besitzt, kann er doch auf zwei unterschiedliche Arten leiten. Entweder als Alleskönner oder als Trainer. Entscheidet er sich für den Alleskönner, so wird er höchstwahrscheinlich eine Pastorenkirche haben, die einige Mitarbeiter umfasst, welche ihm bei seinen Aufgaben helfen. Diese Kirche umfasst normalerweise niemals mehr als fünfzig bis maximal hundert Mitglieder. Entscheidet er sich hingegen, ein Trainer zu sein, so ergibt sich gleiches wie zuvor erwähnt. Allerdings ist er nun nicht mehr in erster Linie der Alleskönner, sondern ein Trainer, der die Glieder des Leibes Christi anleitet und unterstützt. Somit formt er selbständige und reife Christen, welche beim Wachstum der Gemeinde ebenfalls in die Rolle eines Trainer wechseln und somit fähig sind, neue Diener auszubilden. Diese Gemeinde hat kein Limit von Mitgliedern, denn sie ist auf Wachstum ausgerichtet. Christian A. Schwarz, Der Gemeindetest; Kybernetisch Gemeinde bauen (Mainz: C & C Verlags GmbH, 1991), 21.
16 Wagner, Gemeindegründung, 61-64.
7
Leitfaden für die Gemeinde dienen können. Anhand dieser zehn Regeln ist immer wieder eine Rückbesinnung auf das Wesentliche möglich. 1. Biblische Prioritäten 2. Zielorientierter Pastor 3. Gabenorientierte Mitarbeiterschaft 4. Leidenschaftliche Spiritualität 5. Hoher Liebesquotient 6. Evangelistische Diakonie 7. Inspirierender Gottesdienst 8. Gleichgewicht in der Gemeindestruktur 9. Zweckmäßige Strukturen 10. Ganzheitliche homogene Kleingruppen 2.1.7. Gute Gründe für eine Neugründung
Wagner gibt einige gute Gründe warum es sinnvoll ist nicht eine bestehende Gemeinde zu erneuern, sondern eine Neugründung durchzuführen. Er schreibt, dass neue Gemeinden ein Schlüssel zur Evangelisation sind, schneller als alte wachsen, mehr Möglichkeiten für Menschen bieten, die gemeindefremd sind und den Bedürfnissen von bereits bekehrten Christen
17 Schwarz sagt an dieser Stelle Folgendes: Erstens ein zielorientierter Pastor; Zweitens: gabenorientierte Mitarbeiterschaft; Drittens: Leidenschaftliche Spiritualität (Die Gemeinde soll von einem intensiven Gebetsleben, Begeisterung und Elan geprägt sein); Viertens: Zweckmäßige Strukturen (sollten auf dem Aspekt der Nützlichkeit basieren); Fünftens: Inspirierender Gottesdienst (der Besucher soll eine inspirierende Erfahrung haben); Sechstens: Ganzheitliche Kleingruppen; Siebtens: Evangelistische Diakonie (beim Bedürfnis der Menschen anknüpfen die gewonnen werden sollen) und Letztens einen hohen Liebesquotienten. Schwarz, Der Gemeindetest, 17.
18 Wagner sagt: Erstens: „Ein zielorientierter Pastor mit einem gesunden Optimismus, dessen dynamische Leitung die gesamte Gemeinde auf Wachstum ausgerichtet hat.“ Zweitens: „Eine gabenorientierte Mitarbeiterschaft, die alle geistlichen Gaben entdeckt, entfaltet und zum Aufbau der Gemeinde anwendet.“ Drittens:. „Eine Gemeinde, die groß genug ist, um einen breit gefächerten Dienst anzubieten, der den Bedürfnissen und Erwartungen ihrer Mitglieder [, vor allem aber den der verlorenen Menschen, welche die gute Botschaft annehmen werden,] gerecht wird.“ Viertens: „Das richtige Gleichgewicht innerhalb der Gemeindestruktur zwischen Gottesdienstfeier, Versammlung und Zelle“ Fünftens: „Gemeindeglieder, die in erster Linie aus einer homogenen Gruppe stammen“ Sechstens: „Effektive Evangelisation, die nachweisbar Menschen in die verbindliche Nachfolge ruft.“ Und Letztens: „Es werden biblische Prioritäten gesetzt.“ Wagner, Eine wachsende Gemeinde leiten, 32-35.
19 Paulus folgte auch einigen wenigen Prinzipien bei der Gemeindegründung. Erstens: „Klare, einfache Lehre“; Zweitens: „Schlanke Organisation“; Drittens: „Finanzielle Eigenständigkeit“; Viertens: „Gegenseitige Verantwortung“; Fünftens: „Aktiver Einsatz von Geistesgaben“ und letztens den „Glauben“. Roland Allen und Kerstin Hack, Gemeinden gründen; dynamisch und stabil - von Paulus lernen (Berlin: Down to Earth, 2009), 38. Diese unterstützen die oben erwähnten Regeln voll und ganz.
8
begegnen. Auch werden sie gebraucht um die Aktivitäten der alten Gemeinden zu unterstützen und helfen nicht zuletzt, Denominationen zu überleben. 20
2.2. Zielgruppe
Geht man auf die Jagd, dann muss man sich im Vorfeld überlegen, auf welches Tier man Jagd machen will. Je nachdem um welche Gattung es sich handelt, muss man zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten sein. Daher macht es keinen Sinn, an einem Ort auf die Jagd zu gehen, an dem die zu jagenden Tiere nicht auffindbar sind, oder gar zur Jagdzeit schlafen. Auch braucht man unterschiedliche Munition. Einen Fasan schießt man beispielsweise mit Schrotkugeln, ein Hirsch hingegen mit Vollmantelgeschossen. Bedenke: Am erfolgreichsten ist man, wenn man wie das zu jagende Tier denkt. In gleicher Weise verhält es sich, wenn man eine neue Gemeinde gründen will. Jeder Ort ist anders strukturiert, da unterschiedliche Menschen dort leben. Das ist die Aufgabe, die sich stellt: Herauszufinden, was für eine Art von Menschen, mit welchen Vorlieben und Bedürfnissen dort leben. Hat man diese Information, bildet man einen Durchschnitt. Diesen kann man dann als die Zielgruppe bezeichnen. Um eben diese Zielgruppe zu definieren, muss im Vorfeld einige Zeit und Arbeit aufgewendet werden. In den folgenden Unterpunkten soll der Weg zur Definition dieser Zielgruppe dargelegt werden. 2.2.1. Die Umfrage
Eine Umfrage dient dazu, sich über das Umfeld bewusst zu werden. Diese Umfrage findet in einem Umkreis von maximal zehn bis zwanzig Kilometern, bei einer Fahrtzeit mit dem Auto von maximal zwanzig Minuten statt. Dies ist der Weg, den die meisten Menschen in Kauf nehmen, um regelmäßig in eine Gemeinde oder Veranstaltung zu kommen.
20 Wagner, Gemeindegründung, 37-41.
9
1. „Was denken Sie, ist das größte Problem in der Gegend?“ Durch diese Frage kommt man mit den Menschen ins Gespräch.
2. „Besuchen sie aktiv eine Kirche/ Gemeinde?“ Beantwortet der Gefragte diese Antwort mit Ja, geht man weiter zum nächsten Haus, damit man die Umfrage nicht durch die Meinung Gläubiger verfärbt.
3. „Was denken Sie, warum die meisten Menschen keine Kirche/ Gemeinde besuchen?“ Diese Frage stellt keinen persönlichen Angriff dar. Auf diese Weise erfährt man die generelle und die eigene Meinung.
4. „Wenn Sie eine Gemeinde suchen würden, [… in die Sie gehen könnten], auf welche Dinge würden Sie achten?“ An dieser Frage kann man erkennen, welche Bedürfnisse ein Nichtchrist hat.
5. „Was könnte ich für Sie tun? Welchen Rat können Sie einem Pastor geben, der Menschen eine wirkliche Hilfe sein will?“ Das ist die grundlegende Frage. Was möchten die Menschen, dass man ihnen tut? Alles beginnt bei den Bedürfnissen der Menschen. 21
Anhand dieser Daten kann eine Auswertung stattfinden, denn diese Menschen sollen erreicht werden. An ihren Bedürfnissen sollte man anknüpfen. Hier beginnt die Veränderung der Menschen und der Gesellschaft. 2.2.2. Beziehung zu Nichtchristen
Eine neue Gemeinde entsteht nicht mit dem Abwerben durch Mitglieder aus anderen Gemeinden, 22 sondern vielmehr durch Nichtchristen die aus der Finsternis ins Licht gerufen werden und so den Schritt vom Tod ins Leben machen. Dabei liegt der Fokus vorwiegend auf der zwischenmenschlichen Beziehung von Freunden und Verwandten. 23
21 Diese Umfrage basiert auf der von Rick Warren, Kirche mit Vision; Gemeinde, die den Auftrag Gottes lebt (Asslar: Gerth Medien, 2006), 182-183. Fragen, die hier eine Rolle spielen, können unter anderem sein: „Was für Menschen sind es, die im Einflussbereich Ihrer Gemeinde leben? Beachten Sie dabei Faktoren wie Alter, Bildung, traditionelle Prägung, Anteil der Ausländer etc. Fragen Sie die Menschen nach ihren Bedürfnissen. Sind hier viele alleinstehende Mütter, die Hilfe brauchen? Oder Asylanten? Oder Senioren? Oder Arbeitslose? Fragen Sie, was sie von einer Gemeinde in der Gegend erwarten. Beobachten Sie, wo sich Veränderungen im Verantwortungsbereich ihrer Gemeinde abspielen. Dies kann […] ein Hinweis für eine höhere Aufnahmebereitschaft gegenüber dem Evangelium sein. Wo ziehen Menschen zu? Wo gibt es vermehrt Arbeitsplatzwechsel? Wo ändert sich der Lebensstil? Wo verlassen Jugendliche das Elternhaus?“ Schwarz, Gemeindeaufbau, 169.
22 Es ist gut mit einigen reifen Christen, vorwiegend Ehepaaren, zu beginnen, doch stellen diese nur den Anfang der Gemeinde dar. Jedes weitere neu hinzukommende Mitglied sollte ein ungläubiger Mensch sein.
23 Plock, „Gemeindeaufbau,“ 28-29. Eine Umfrage bestätigt dies. Besondere Notsituationen 8%; Spontaner Gemeindebesuch 12%; Pastor 22%; Besuchsprogramm 4%; Großevangelisation 5%; Gemeinde-Programm 4%; Radio/ Fernsehen 0,5%; Freunde & Verwandte 76%. Plock, „Gemeindeaufbau,“ 29.
Das Umfeld sollte in verschiedener Hinsicht abgesteckt werden. Erstens: In geografischer Hinsicht. Hierbei sollte man sich auf einen Radius von zehn Kilometern beschränken und sich fragen wie viele Menschen hier leben. Zweitens: In demografischer Hinsicht. Dabei sollten nicht zu viele Einzelheiten eine Rolle spielen. Am wichtigsten sind Alter (Wie viele Menschen sind in jeder Altersgruppe?), Familienstand (Wie viele sind ledig, verheiratet, geschieden, verwitwet?), Einkommen (Durchschnitt pro Haushalt), Bildung (Bildungsstand dieser Gegend? Stadt, Land, Wirtschaftsort?) und Beschäftigung (Welcher Arbeit gehen die Menschen nach?). Drittens: In kultureller Hinsicht. Hierbei stellt sich die Frage nach dem Lebensstil und der Denkweise. Dabei spielen Werte, Interessen, Verletzungen, Vorlieben, Ängste etc. eine große Rolle. Viertens: In geistlicher Hinsicht. Glauben die Menschen an eine übersinnliche Kraft, an Gott, an sich selbst oder an den Materialismus? Sind sie aufgeschlossen oder verschlossen? 24
Hat man nun diese Faktoren berücksichtigt, ist es bedeutend einfacher, sich mit den dort lebenden Menschen zu identifizieren. Dies hat zwei grundlegende Vorteile. Erstens: Als Neuankömmling kann ich mich auf diese Gegend einstellen und anpassen und Zweitens: Es entsteht eine Vertrautheit zu den Menschen dieser Umgebung, deren Bedürfnissen ich als Diener Gottes entsprechen kann. 2.3.1. Die Zielperson
Aus den Faktoren der Umfrage und dem Umfeld erstellt man dann eine durchschnittliche Zielperson. Dieser Zielperson ordnet man die entsprechenden Eigenschaften zu. Sie dient als Hilfe in jeglichen Bereichen der Gemeindarbeit. Sie ist das Sinnbild für den Menschen der
24 Warren, Kirche mir Vision, 153-165.
11
die Gemeinde besucht, mit all seinen Bedürfnissen. Dies ist ein Beispiel wie die Zielperson aussehen kann:
Nachdem die Ergebnisse aus der Umfrage und dem Umfeld ausgewertet sind, sollte die Identität der Gemeinde definiert werden. Dabei sollte die Frage gestellt werden, falls Gott nicht schon klar gesprochen hat, welchen Zweck die Gemeinde erfüllen soll. Dieser Zweck stellt schlussendlich die Identität der Gemeinde dar. Je spezifischer dieser Zweck/ Identität 26 definiert ist, desto besser.
2.5. Gebet
Eines der wichtigsten zu beachtenden Dinge ist das Gebet. Alles fängt aus dem Dialog mit Gott heraus an. Daher sollten sowohl Leiter, als auch Mitglieder diesen Aspekt niemals
25 Warren, Kirche mir Vision, 165.
26 Schwarz, Gemeindeaufbau, 174. Schwarz gibt hierzu noch folgende Anmerkung. „Diejenigen , die schließlich die Arbeit tun sollen, müssen auch in den Planungsprozess einbezogen werden. Das gilt natürlich auch für alle anderen Planungsschritte. Die Identitäts- Definition muss schriftlich formuliert werden. Das zwingt Sie, präzise zu sein. Sie sollte kurz sein - 35 Worte sind genug. […] Die einmal gefundene Definition ist […] ständig für Änderung offen. Machen sie die Definition in der Gemeinde bekannt. […] Jedes Gemeindemitglied soll wissen, wozu ihre Gemeinde da ist.“ Schwarz, Gemeindeaufbau, 174-175. Wagner bemerkt das zwei grundlegende Fragen beantwortet sein müssen. „Wen sollen wir nach Gottes Berufung erreichen? Und wie nehmen wir diese Aufgabe in Angriff?“ Wagner, Gemeindegründung, 67.
12
vergessen. Empfehlenswert ist r den Gemeindeleiter und seine Mitar-persönliche Fürbitter fü beiter zu finden. Sowohl das Gebet des Einzelnen wie auch das gemeinsam Gebet sind absolut unentbehrlich, 27 „denn unser Kampf richtet sich nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Herrschaften, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Regionen“ (Eph 6,12). 2.6. Strategische Ortsauswahl
Über den Ort, an dem eine Gemeinde gegründet werden soll, sollte man sich einige Gegelassen wer-danken im Voraus machen. Dabei sollte das Wirtschaftliche nicht außer Acht den. Gründet man eine Ge dass es schwer werden wird meinde in einem Provinznest ist klar, das E vangelium von dort aus zu verbreiten. Nimmt man jedoch ein Handels-, oder Kulturzentrum, meistens also eine größere Stadt, fällt die Verbreitung von dort aus viel leichter. Ebenso muss die Frage der Zentralität des Ortes betrachtet werden. Je zentraler ein Ort liegt, desto mehr Menschen kann man von dort aus erreichen. Die Möglichkeiten sind ebenfalls um ein Vielfaches größer. Diese Frage kann allerdings nicht pauschal beantwortet werden, sondern ist abhängig vom jeweiligen Ruf Gottes. 28
2.7. Kleingruppen
Der Gemeindeaufbau lebt zu allererst von der eigenen Beziehung zu Gott, dann durch em beträchtlichen Teil auch von Beziehungen die Beziehung zu Nichtchristen und dann zu ein zwischen den Christen un eindeaufbau nur dort gelingen, wo tereinander. Doch wird der Gem Mens chen ihr Selbstleben aufgeben, weil sie von der Liebe Gottes entzündet sind, um Gott ihr Bestes geben. 29 Eine „neutestamentliche Gemeinde […wird] nicht nur durch Zustimmung zu
27 Wagner, Gemeindegründung, 56-60.
28 Allen, Gemeinden gründen, 8. & Warren, Kirche mit Vision, 29-41.
29 Plock, „Gemeindeaufbau,“ 30.
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Gregor Dilger, 2010, Gemeindegründung & Beständiges Leiten einer unbeständigen Gemeinde, München, GRIN Verlag GmbH
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