Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Begriffsklärung und Begriffsherkunft: Patriarchalismus 3
3 Merkmale des Patriarchalismus und ihre Bedeutung in Lenz’
Der Hofmeister 4
3.1 Durch den Begriffsursprung abgeleitete Merkmale 4
3.2 Die Patriarchalische Familie 5
3.3 Wertvorstellungen und Rollenmuster 6
3.4 Dualität 10
4 Schlussfolgerung: In wie weit ist die patriarchalische Familienordnung 12
in Lenz’ Hofmeister gegeben?
4.1 Wandel der Verhältnisse im Laufe des 18. Jahrhundert 12
4.2 Welche Bedeutung misst Lenz dem Patriarchalismus im Hofmeister zu? 13
5 Literaturverzeichnis 15
1
1 Einleitung
„So recht; so lieb ich’s; hübsch fleißig - und wenn die Canaille 1 nicht behalten will, Herr Läuffer, so schlagen Sie ihm das Buch an den Kopf, dass er’s Aufstehen vergisst“ 2 - so versucht Lenz gleich im ersten Akt die Rollenverteilung der Personen klar herauszustellen. Hier weist er dem Major, der die zentrale zu betrachtende Vaterfigur ist, seine Rolle als Patriarch zu, was im folgenden Verlauf näher erläutert wird.
Bei der Untersuchung des Werkes bin ich dann jedoch auf Zwiespältigkeiten gestoßen, die das gesellschaftliche Bild der Familie des 18. Jahrhunderts widerspiegeln. In wie weit ist also die patriarchalische Familienordnung in Lenz’ Hofmeister überhaupt gegeben?
Dies ist die zentrale Frage, der ich in folgender Arbeit nachgehen werde. Meine Untersuchungen stützen sich auf die Darstellung in Lenz’ Hofmeister, in dem es zwar vorrangig um die Debatte der Privaterziehung geht, die im 18. Jahrhundert aufstrebte, aber es lässt sich auch eine Positionierung zur Frage des Patriarchalismus erkennen. Meine Erkenntnisse bezüglich dieser Positionierung basieren vor allem auf Bengt Algot Sørensen Herrschaft und Zärtlichkeit, da dieses Werk sich intensiv mit der allgemeinen Idee des Patriarchalismus im Drama des 18. Jahrhunderts beschäftigt. Dabei werde ich wie folgt vorgehen: Nachdem ich zu Beginn zunächst den Begriff des Patriarchalismus erklärt und in seiner Herkunftsform definiert habe, werde ich die Merkmale des Patriarchalismus herausstellen, um anhand derer dann zu untersuchen, welche Bedeutung Lenz ihnen im Hofmeister zumisst. Darauf folgt dann meine Schlussfolgerung, in der ich mich zu meiner Leitfrage positionierend äußern möchte.
1 (abwertend) schurkischer Mensch, Gesindel, Pack
2 Jakob Michael Reinhold Lenz: Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung. Stuttgart: Reclam 2001. S. 10.
Alle Primärzitate sind dieser Ausgabe entnommen. Für einen besseren Lesefluss wird im Folgenden als HM im laufenden Text zitiert.
2
2 Begriffsklärung und Begriffsherkunft: Patriarchalismus
Patriarchalismus ist ein aus dem Kirchenlatein stammender Begriff und meint die „Herrschaft der Väter“. Er leitet sich ab von den griechischen Wörtern páter, was Vater bedeutet, und arché, was so viel heißt wie Ursprung oder Herrschaft. Der Patriarchalismus stellt eine Gesellschaftsform dar, in der der Mann oder Vater das Patriarchat und somit eine bevorzugte Stellung in der Gesellschaft innehat. Patriarchat, auch Andokratie genannt, beschreibt ein System, welches sich vom griechischen und römischen Recht ableitet, in dem das männliche Oberhaupt der Familie und des Haushaltes die rechtliche und ökonomische Macht über die abhängigen weiblichen und männlichen Mitglieder der Familie und des Haushalts ausübt. 3
Die hausväterliche Gewalt stellt also das organisierende Prinzip dieses Systems dar, welches im 18. Jahrhundert oft als reinster Typ traditioneller Herrschaft angesehen wurde. Dabei ist der Patriarchalismus geprägt von derzeitigen Wertvorstellungen, Ideologien, Gefühlen und Rollenmustern, deren Erfüllung für das System unumgänglich ist und auf die ich im weiteren Verlauf der Arbeit näher eingehen möchte.
Nachdem ich den Begriff des Patriarchalismus kurz erläutert und erklärt habe, möchte ich nun seine Merkmale erörtern und ihre Bedeutung anhand des im Seminar gelesenen Dramas betrachten.
3 Vgl. Moritz Zinkernagel: Patriarchat - Definition, Entstehung, Erklärungsansätze. 1. Aufl., Norderstedt: Grin Verlag 2007. S. 4.
3
3 Merkmale des Patriarchalismus und ihre Bedeutung in Lenz’ Der Hofmeister
3.1 Durch den Begriffsursprung abgeleitete Merkmale
Die Patrilinearität beschreibt die über die Stammbaumlinie des Vaters definierte Familienzugehörigkeit. Wichtig sind also nur direkte Blutsverwandte aus der Linie des Vaters. Außerdem beschreibt der Begriff der Patrilinearität die so genannte patrimoniale Erbfolge, d. h., es geht um die Frage, wer das Erbe des Vaters antritt und die Namensgebung, welche in diesem Zusammenhang auch Patronymie genannt wird. 4
In Lenz’ Der Hofmeister wird dies deutlich an den tragenden Figuren. Die Handlung dreht sich um die Familie des Majors, zu der auch dessen Bruder Herr von Berg und sein Sohn Fritz gehören. (z. B. HM 6) Es spielt also ausschließlich die Stammlinie des Majors eine Rolle und nicht zum Beispiel die der Majorin.
Ein weiteres für das 18. Jahrhundert bedeutsames Merkmal des Patriarchalismus stellt die Patrilokalität dar. Damit ist gemeint, dass der Wohnsitz junger Familien, z.B. frisch verheirateter Paare, bei dem Vater des Mannes bzw. bei der Herkunftsfamilie des Mannes lokalisiert ist.
Da in Lenz’ Der Hofmeister die Hochzeiten alle erst am Ende arrangiert werden, kann diesbezüglich keine genaue Aussage getroffen werden. Es lässt sich jedoch vermuten, dass auch dieses Merkmal eine Bedeutung findet, da sowohl der Major mit seiner Familie als auch der Herr von Berg in derselben Stadt ihren Wohnsitz haben. Das könnte bedeuten, dass deren Vater oder jemand aus der Herkunftsfamilie ihres Vaters dort gelebt hat, wie es in der patriarchalischen Familie üblich war.
Was noch üblich war im Gefüge der patriarchalischen Familie, möchte ich im nächsten Punkt darstellen.
4 Vgl. Moritz Zinkernagel: Patriarchat - Definition, Entstehung, Erklärungsansätze. 1. Aufl., Norderstedt: Grin Verlag 2007. S. 4.
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Arbeit zitieren:
Stine Schildhauer, 2009, Die Bedeutung des Patriarchalismus im Drama des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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