Inhaltsverzeichnis
Einleitende Fragen und erste Ausblicke 2
Die kindliche Entwicklung nach Jean Piaget 3
Normale Entwicklung? 5
Was ist ADHS? 6
Was ist ADHS und wie wird damit umgegangen? Zwei Ansichten 7
Gesellschaftskritik 9
Fazit 12
Literaturverzeichnis 14
Internetverzeichnis 15
Einleitende Fragen und erste Ausblicke
Anders sein als Andere. Größer sein als Andere. Dicker sein als Andere. Ist nicht jeder Mensch anders? Jeder Mensch ist doch auf seine Art und Weise einzigartig? Was ist an diesen Zuständen auszusetzen? Ist anders sein eine Krankheit? Wer sagt wer anders ist, wer von der Norm abweicht? Wer legt heutzutage fest was „normal“ und damit „richtig“ ist? Gerade im Hinblick auf Kinder kommen diese unzähligen Fragen nach Normalität zum Vorschein. Aktuell sind viele Eltern bezüglich der Entwicklung ihrer Kinder verunsichert. Aber zum Glück gibt es in der heutigen Zeit unzählige Debatten, Artikel und vor allem Tipps darüber wie man Kinder fördern und fordern kann/soll/muss, so dass sie sich gut, also „normal“ entwickeln. Diese Ratgeber sollten sich (angehende) Eltern ganz einfach zu Gemüte führen und dann klappt es auch mit der Erziehung und ebenso mit der richtigen Entwicklung der Kleinen.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA, hat für solch unsichere Eltern netterweise einen Entwicklungskalender entworfen und veröffentlicht, der die Entwicklungsschritte und die Fähigkeiten der Kleinsten unserer Gesellschaft beschreibt und genau festlegt, wann ein „normales“ Kind was können sollte 1 . Schon hier wird der Druck, der auf die Eltern aber auch auf die Kinder ausgeübt wird deutlich. Auch wird mit den so genannten U-Untersuchungen, die Kinder ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt bis ins frühe Teenageralter durchlaufen, geprüft ob sich Kinder altersgemäß entwickeln 2 . Es stellt sich die Frage ob man heute die Entwicklung seines Kindes mit der von anderen vergleichen sollte um zu wissen, ob sich sein Kind „normal“ und altersgemäß entwickelt? Ist nicht jedes Kind individuell in seinem Charakter und genauso auch in seiner Entfaltung? Natürlich gibt es gewisse Schwellen, Grenzen und Werte, die ein Kind in einem gewissen Zeitraum erreichen sollte, doch nicht auf den Tag oder die Stunde genau. Einige Kinder laufen früher als andere. Andere wiederum sprechen früh. Ganz andere lernen schnell soziale und emotionale Kompetenzen. Wichtig dabei ist doch, dass sich Kinder überhaupt entwickeln, jeden Tag lernen und die Welt auf ihre Weise und in ihrem Tempo entdecken. Eltern sollten sich vor Augen halten, dass jedes Kind anders ist, anders in bestimmten Situationen reagiert und anders mit bspw. Problemen, die im Leben auf jeden zukommen werden, umgeht. Wichtig dabei ist, das Kind als eigenständiges Individuum mit Bedürfnissen und Neigungen zu sehen.
1 Anja Tervooren, „Auswickeln, Entwickeln und Vergleichen: Kinder unter Beobachtung“, Juventa Verlag, München/ Weinheim, 2008, S. 41-58
2 Helga Kelle, Anja Tervooren, „Kindliche Entwicklung zwischen Heterogenität und Standardisierung- eine Einleitung“, Juventa Verlag, München/Weinheim, 2008, S. 7-14
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Die kindliche Entwicklung
In meiner Hausarbeit werde ich zunächst die kindliche Entwicklung nach Piaget skizzieren, aufzeigen was als „normal“ und anormal angesehen wird. Darauf folgt die Begriffserklärung bzw. Definition des Krankheitsbildes ADHS und die damit verbundene medikamentöse Behandlung, sowie die die Kritik der heutigen Gesellschaft. Im Folgenden werde ich von dem Kind sprechen und auch das
Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom bzw. Störung mit ADHS abkürzen, damit der Lesefluss erhalten bleibt. Ich bin mir jedoch im Klaren darüber, dass zwischen ADS also dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und ADHS dem
Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom Unterschiede bestehen 3 .
Ein kleiner Erdenbürger kommt zur Welt, die Eltern und der Rest der Verwandtschaft sind in heller Aufregung und jeder wünscht sich das Beste für das Kind. Jeder möchte es so gut es geht fördern, ist es schon größer soll es auch gefordert werden, so dass es sich gut entwickelt und so bestmöglich auf sein späteres Leben vorbereitet ist. Doch welche Ansprüche stellt man an die kindliche Entwicklung und damit auch an das Kind selbst? Wie kann man an diese kleine Person schon Erwartungen haben? Sollte man den Kindern nicht einfach Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit schenken und sie erst einmal gedeihen und wachsen lassen?
Der Direktor des Psychologischen Instituts in Genf, Jean Piaget 5 , gehört zu den Vertretern des Konstruktivismus 6 . Der Begriff Konstruktivismus besagt, dass Wissen, Erkenntnis und Handlungsfähigkeit nur entstehen können, wenn sich Personen aber gerade Kinder mit ihrer Umwelt aktiv auseinander setzen 7 . Jeder Mensch konstruiert sich demnach aktiv seine eigene Welt, kritisiert sie eventuell und erweitert so seinen eigenen Horizont 8 . Piaget hat nach
3 http://www.dr-gumpert.de/html/adhs_diagnose.html
4 http://www.zitate-online.de/sprichwoerter/altvaeterliche/19418/das-gras-waechst-nicht-schneller-wenn-mandaran-zieht.html
5 http://archivespiaget.ch/en/jean-piaget/life/index.html
6 http://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/texte/einfuehrung/einf_1.html
7 http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOGNITIVEENTWICKLUNG/PiagetmodellStufen.shtml; Psychologiereader WS 09/10, „Psychologische Grundlagen von Erziehung, Bildung und Unterricht“, Goethe-Universität, S. 19
3
Die kindliche Entwicklung
Beobachtungen und Experimenten Stadien der kognitiven Entwicklung aufgestellt. Hier gilt es zu betonen, dass er zur damaligen Zeit die Vorstellung hatte, jedes Stadium laufe nach dem andern ab, jedes Stadium muss zunächst abgeschlossen sein, bevor das nächste überhaupt beginnen kann und Rückschritte hat Piaget in seinem Modell nicht vorgesehen 9 . In der heutigen Zeit weiß man jedoch, dass solch klar abgetrennte Stadien der Kinderentwicklung nicht existent sind und dass es immer vorkommen kann, dass ein Kind in einem gewissen Abschnitt seiner Entwicklung auch wieder Rückschritte zum Baby machen kann. Auch wenn die kognitive Stadientheorie von Jean Piaget als nicht mehr aktuell und außerdem als falsch gesehen wird, lohnt sich dennoch ein kurzer Blick darauf. Jean Piaget unterscheidet vier große Stadien, wovon das erste Stadium, das Sensumotorische Stadium, mit der Geburt beginnt und im Alter von zwei Jahren endet. Hier wiederholt das Kind die angeborenen Reflexmechanismen, wiederholt sie so oft, dass es bspw. lernt die Flasche zu greifen. Weiterhin sollte ein Kind in diesem Stadium eine gewisse Objektpermanenz besitzen und zu ersten Als-Ob-Handlungen fähig sein 10 . Das nächste Stadium, ist das Stadium des voroperationalen, anschaulichen Denkens und schließt Kinder von zwei Jahren bis sieben ein. In dieser Phase macht das Kind noch die so genannten typisch kindlichen Denkfehler bspw. animistische Deutungen, finalistische Erklärungen oder zirkuläre Deutungen. Das Kind beherrscht schon eine Reihe von Schemata, assimiliert diese aber noch fehlerhaft, d.h. es passt sie noch fehlerhaft an. Der Begriff des Egozentrismus, gehört ebenfalls in diese Phase, denn das Kind ist noch nicht in der Lage die Perspektive eines anderen ein zu nehmen 11 .
Das Stadium der konkreten Operationen, ist die dritte Phase und schließt Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren ein. Bewegen sich Kinder in diesem Stadium so sind sie jetzt in der Lage bspw. Tiere in Klassen einzuteilen und zweidimensionale Sortierungen vorzunehmen. Weiterhin beschäftigen sich die Kinder mehr und mehr mit Zahlen, das Rechnen wird gelernt 12 .
Das vierte und letzte Stadium trägt den Zusatz der formalen Operation und beginnt nach Piaget mit dem Alter von elf Jahren. Hier geht das Denken der Kinder weit über die
8 ebenda.
9 ebenda. S. 21
10 ebenda.
11 ebenda.
12 ebenda. S. 22
4
Arbeit zitieren:
Svenja Christ, 2010, ADHS, Krankheit oder kulturelles Phänomen?, München, GRIN Verlag GmbH
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