1. Einleitung
Interreligiöses Lernen! Besonders heutzutage in unserer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft ist es wichtig damit auch umgehen zu können. Schülerinnen und Schüler werden täglich mit dieser Tatsache konfrontiert, ob in ihren Klassen muslimische Mitschülerinnen oder Mitschüler sind, ihnen Frauen mit Kopftüchern begegnen oder medienwirksame Diskussionen ausgelöst werden wie bei der Veröffentlichung des Buches „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin.
Diese aktuellen Vorkommnisse, sowie mein Berufswunsch Religionslehrerin zu werden, waren für mich die relevantesten Punkte das Thema „Interreligiöses Lernen“ zu dem Thema meiner Hausarbeit zu machen. Vor allen Dingen möchte ich herausfinden, was interreligiöses Lernen überhaupt bedeutet und, welche Auswirkungen es hat? Welche Möglichkeiten gibt es und an welchen Orten kann man diese ausführen? Welche Herausforderungen stellt das interreligiöse Lernen an mich als Person und als Lehrerin?
Meine Hausarbeit werde ich mit einigen Zitaten belegen und durch ein paar Beispiele verdeutlichen. Vor allen Dingen das interreligiöse Lernen zwischen dem Christentum und Islam wird in meinen Darstellungen oft als Beispiel dienen, da dies in Deutschland die größte Diskussion entfachte.
Den Aufbau des Hauptteils möchte ich in drei Teile gliedern.
Im ersten Abschnitt werde ich eine kleine Einführung in das Thema „interreligiöses Lernen“ geben, mittels Definitionen, Bedeutungen sowie ein Einblick in die Geschichte. Eine kurze Zusammenfassung der Ziele von interreligiösem Lernen und dessen Herausforderungen an die Menschen. Die Ziele und Aufgaben sollen im Hauptteil näher erläutert werden. Diese kurze Einführung brauche ich um mir einen allgemeinen Überblick über das Thema zu schaffen und zum besseren Verständnis.
Was prägt uns so, dass wir Angst vor dem Fremden haben? Und warum sehe ich fremde Menschen als anders an? Dies sollen die Fragen sein, mit denen ich mich am Anfang des zweiten Teils beschäftigen möchte.
Als zukünftige Lehrerin interessiert mich natürlich, was kann die Schule tun um interreligiöses Lernen zu schaffen und kann sie das überhaupt?
Und wenn ja, welche Methode hat sich in welcher Klassenstufe am besten bewährt? Bei dem Begriff „interreligiöses Lernen“ trifft man sofort auf den Begriff „interreligiöser Dialog“. Da dies eine der wichtigsten Antworten auf unsere gesellschaftliche Pluralität ist möchte ich erfahren, was es damit auf sich hat und, welche Herausforderungen somit an mich gestellt sind.
In meinem ASP Praktikum vor ein paar Monaten waren einige Kinder und Jugendlichen mit einer anderen Herkunft. Diese Situation werde ich in meiner späteren Schule wahrscheinlich auch vorfinden und als engagierte Lehrerin werde ich bestimmt auch diverse Feste mitorganisieren. Doch ist das Zusammenführen dieser beiden Tatsachen überhaupt möglich? Gemeinsam Feiern geht das? Ich möchte in meiner Hausarbeit herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt um dies zu verwirklichen und welche Probleme dabei auftauchen könnten?
Der zweite Abschnitt des Hauptteils soll sich außerdem um das Thema interreligiöses Lernen im Religionsunterricht drehen. Da genau in diesem Bereich, ich als Lehrerin dafür verantwortlich bin, dass dieser auch stattfinden kann. Daher frage ich mich, welche weiteren Methoden außer die genannten gibt es und welche Auswirkungen haben diese auf die
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Schülerinnen und Schüler und welche auf mich?
Natürlich ist es auch wichtig zu erfahren, wie solch ein interreligiöser Unterricht im Rahmen der Kerncurricula ausgeführt werden kann und was ich zu bedenken habe? Im letzten Abschnitt des Hauptteils werde ich eine kleine Schulbuchanalyse zu diesem Hausarbeitsthema durchführen. Ich verwende ausschließlich Religionsbücher von Klasse 5-10, da es mein Ziel ist zukünftig an einer Realschule Religion zu unterrichten. Bände von verschiedenen Herausgebern und Verlagen, die mir bekannt waren durch Behandlung in Religionsseminaren oder aus meinen Praktika, habe ich zur Recherche benutzt. Die Anzahl dieser reicht aus um einen ersten Überblick zu erhalten.
Im Fazit werde ich den Inhalt in Bezug auf meine einleitende Fragestellung kurz wiedergeben. Daraufhin folgt eine reflektierte Stellungnahme meinerseits zum Thema „Interreligiöses Lernen“, sowie zu den Arbeitsergebnissen und deren Bedeutung für mich und meine Berufswahl. 2. Hauptteil
2.1. Einführung in das Thema „Interreligiöses Lernen“ 2.1.1. Gründe für interreligiöses Lernen
Wie schon im ersten Teil der Einleitung zu lesen, leben wir heute in einer multikulturellen Gesellschaft. Zahlreiche Menschen verschiedener kultureller und religiöser Zugehörigkeit haben ihr Zuhause an dem gleichen Ort gefunden. Diese Situation radikaler Pluralität beunruhigt und irritiert.
Nachzuvollziehen, wenn man bemerkt, dass es erst knapp hundert Jahre her ist, dass das kirchlich und konfessionell organisierte Christentum unangefochten die Religion in Europa war. „Evangelisierung der Welt in dieser Generation“ - so hieß das Motto der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh. Heute ist die Konfrontation miteinander und das allgemeine Wissen für einige selbstverständlich geworden. 1 Jedoch nicht alle fühlen sich in dieser „neuen Gesellschaft“ behütet, daher muss die Unsicherheit der Bevölkerung gedämmt werden. Genau aus diesem Grunde „ist es wichtig, dass alle Religionen es als ihre Aufgabe ansehen die Erde als lebenswerten Ort für alle Menschen zu gestalten.“ 2 2.1.2. Definition und Bedeutung
Es stellt sich die Frage, wie man dieser Aufgabe aktiv begegnen kann? Dazu zwei Zitate, die eine gute Definition meines gewählten Themas und die Lösung dieser Frage beinhalten.
„ Interkulturelles Lernen meint hier also sowohl die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Lebenswelten als auch pädagogische Intention eine bewusste kulturelle Verständigung innerhalb der multikulturellen Gesellschaft, zugunsten des Lebens in der Einen Welt. Dabei wird interkulturelles Lernen ein Interesse an Religion haben, aufgrund der in
1 Vött, Matthias: Interreligise Dialogkompetenz. Ein Lernprogramm für den muslimisch- christlichen Dialog. Frankfurt/ M. 2002, Otto Lembeck Verlag. S. 29
2 Orth, Gottfried: „Du sollst nicht bekehren deines Nächsten Kind“. Interkulturelles Lernen in Schule, Kirche und Gesellschaft 1. Auflage. Frankfurt/ M. 1995, Verlag Moritz Diesterweg. S. 99
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einer multikulturellen Gesellschaft vorhandenen gelebten Vielfalt religiöser Orientierungen und der vielfältig institutionalisierten Religionen.“ 3
„Interkulturelles Lernen ist ohne den Einbezug interreligiöser Fragen nicht möglich, und umgekehrt kann interreligiöses Lernen nicht auf die umfassenderen kulturellen Aspekte verzichten.“ 4
Die Antwort auf diese Frage ist also das interkulturelle Lernen. Da ich hier jedoch eine religionspädagogische Hausarbeit schreibe, werde ich mich mehr auf die Religion und somit auf das Interreligiöse Lernen konzentrieren. Besonders die Jahre nach der Unterzeichnung der Weltethoserklärung des Parlaments der Weltreligionen (1993) waren geprägt von einschlägigen Veröffentlichungen zu diesem Thema. 5
„Inter“ bedeutet ein „In-Bezug-Setzen“ verschiedener religiöser und weltanschaulicher Symbolsysteme. 6
„Lernen“ bezieht sich auf die Verhaltensänderung, aufgrund von Erfahrungen - in der Interaktion mit der Umwelt. 7
In der Literatur bezieht sich Interreligiöses Lernen auf drei Ebenen: 1. den Religionsunterricht, 2. auf die religionswissenschaftliche Ebene und 3. auf das „dialogische Begegnungs-Lernen“ 8 2.1.3. Geschichte
Der Ursprung des interreligiösen Lernens liegt in der (evangelischen) Religionspädagogik und stellt eine Evolutionsstufe des ökumenischen Lernens dar. 1971 forderte die evangelische Kirche von der Bevölkerung sich mit nichtchristlichen Religionen zu beschäftigen zur Kontrolle der eigenen Anschauung, um Andersdenkende zu verstehen und mehr Gemeinsamkeiten zu entdecken. 9 2.1.4. Ziele interreligiösen Lernens
Interreligiöses Lernen kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten die Unsicherheit der Menschen gegenüber der bestehenden kulturellen und religiösen Pluralität zu reduzieren und mit der Herausforderung umgehen zu können. Vor allen Dingen soll es Orientierung des Einzelnen ermöglichen und Verständigung einleiten. 10
„Ziel dieses interreligiösen Lernens ist weder das Einebnen der kulturellen Besonderheiten noch der Rückzug auf den größten gemeinsamen theologischen Nenner, sondern die Anerkenntnis der anderen und das gegenseitige Verstehen. Interreligiös kompetent ist, wer Zeugnisse fremder Religionen aus deren soziokulturellen Kontext zu interpretieren weiß und sich mit Angehörigen anderer Religionen einfühlsam verständigen kann“. 11
3 Fischer, Dietlind/ Schreiner, Peter/ Doyé, Götz: Auf dem Weg zur Interkulturellen Schule. Fallstudien zur Situation interkulturellen und interreligiösen Lernens. Münster, New York 1996, Waxmann Verlag. S.132
4 Ziebertz, Hans-Georg/ Stephan Leimgruber: Interreligiöses Lernen, in: Religionsdidaktik. Ein Leifaden für Studium, Ausbildung und Beruf, G. Hilber/ S. Leimgruber/ H.-G. Ziebertz (Hrsg.), München 2001. S. 435
5 Vgl. Vött, a.a.O. S.15
6 http://www.rpi-virtuell.net/workspace/users/3566/int/schrein/Interview_Schreiner.pdf
7 Jamal, Helgard: Die Bedeutung des interreligiösen Lernens. Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung, Band 15. Hamburg 1996, EB Verlag. S.105
8 Vgl. Jamal, a.a.O. S.118
9 Vgl. Vött, a.a.O. S.62-63
10 http://www.rpi-virtuell.net/workspace/users/3566/int/schrein/Interview_Schreiner.pdf
11 http://www.kibor-
tuebingen.de/fileadmin/user_upload/ibor_upload/pdf/Interrel._Lernen_eine_Dimension_im_RU_an_BBS_06.pdf
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Arbeit zitieren:
Lisa Hombaum, 2010, Interreligiöses Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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