Inhalt
0 Einleitung 3
1 Früher war alles besser? ? 4
2 Werte und Wertedebatte 6
2.1 Werte - Was bedeutet das eigentlich? 6
2.2 Die Wertedebatte - unterschiedliche Positionen
und Herangehensweisen 7
2.2.1 Einführendes 7
2.2.2 Die Vergangenheit als feste Größe 7
2.2.3 Die Vergangenheit als „Steinbruch“ 9
2.2.4 Die kritische Betrachtungsweise 10
3 Philosophische Ansichten 12
3.1 Einführendes 12
3.2 Aristoteles 12
3.3 Utilitarismus 14
3.4 Max Scheler 15
3.5 Kommunitarismus 17
3.5.1 Einführendes 17
3.5.2 Alasdair MacIntyre 18
3.6 Wertrelativismus 22
3.6.1 Einführendes 22
3.6.2 Friedrich Nietzsche 22
3.7. Fazit 25
4 Abschließende Gedanken 26
Literaturliste 30
2
0 Einleitung
Die Diskussion über Werte ist gerade in der letzten Zeit wieder etwas lauter geworden. Fast scheint dieser Begriff „Wert“ schon zu einem Modebegriff geworden zu sein. Es wurde noch nie zuvor so viel über Werte, Werteverlust und Wertewandel nachgesonnen. Überall hört oder liest man darüber. Sei es nun zur Kennzeichnung gesellschaftlicher Grundvorstellungen oder bei Forderung in politischen und/oder pädagogischen Belangen.
Der Zustand des Bildungs- und Erziehungssystems wird immer lauter beklagt. Die Jugend scheint moralisch in schlechter Verfassung. Die „richtigen Werte“ scheinen das Allheilmittel zu sein und werden immer wieder als Lösung der vielfältigsten Probleme heraufbeschworen.
In meiner Arbeit möchte ich mich nun diesem Thema etwas genauer widmen. Zunächst beschäftige ich mich einführend kurz mit dem Phänomen der Rückwärtsgewandtheit („Früher war alles besser“). Anschließend möchte ich etwas genauer auf den Begriff „Wert“ eingehen und dann versuchen, die Wertedebatte etwas genauer zu beleuchten. Im dritten Abschnitt widme ich mich einigen philosophischen „Wertebegründungsfiguren“ und gehe dann zu meinen abschließenden Gedanken über.
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1 Früher war alles besser!?!
Oft herrscht unter den Menschen der Generalverdacht, dass früher alles besser war und heute - beziehungsweise in der näheren Zukunft - die Menschheit dem Verfall aller Werte entgegenstrebt.
„Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.“ „Die Welt macht schlimme Zeiten durch. Die jungen Leute von heute denken an nichts anderes als an sich selbst. Sie haben keine Ehrfurcht vor ihren Eltern oder dem Alter. Sie sind ungeduldig und unbeherrscht. Sie reden so, als wüßten sie alles, und was wir für weise halten, empfinden sie als Torheit. Und was die Mädchen betrifft, sie sind unbescheiden und unweiblich in ihrer Ausdrucksweise, ihrem Benehmen und ihrer Kleidung.“
Diese beiden Zitate lassen sich fast mühelos in den aktuellen Tenor einbeziehen, der den Jugendlichen Egoismus, mangelnden Respekt und zu große Leichtsinnigkeit vorwirft. Doch tatsächlich stammen diese Ausführungen zum einen aus einem Keilschrifttext aus Ur, welcher um 2000 vor Christus verfasst wurde, und zum anderen aus der Feder eines Mönches um 1274. Die Debatte über den Verfall der Werte scheint also fast so alt zu sein, wie die Menschheit selbst. Die Jugend spielt hierbei immer eine wichtige Rolle. Seit jeher scheint sie bezüglich des Werteverlustes den Fokus auf sich gerichtet zu haben. Doch dies lässt sich unter wenigstens zwei Aspekten diskutieren:
Einerseits bedarf die Verallgemeinerung der „Jugend“ eines kritischen Blicks. Seit den 1980ern wurde die jugendkulturelle Szene immer heterogener. Weltanschauung, Kleidung, Geschmack und Treffpunkte wurden immer vielfältiger und differenzierten sich immer mehr. Somit kann der generalisierende Begriff „die Jugend“ nur sehr zurückhaltend für eine kritische Analyse angewendet werden. Andererseits muss beachtet werden, dass dem Wunsch, an die nachkommenden Generationen „Werte“, „Tugenden“ oder „Bewährtes“ weiterzugeben, hin und wieder andere Absichten zugrunde liegen. Der Abschied von Altbewährtem fällt den Erwachsenen schwer. Sie verwechseln meist Veränderung mit Destruktion und somit
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wird die Klage über die Jugend sehr schnell laut. 1 „Nicht die Art der Veränderung, sondern die Veränderung an sich ist es also, die Anlass zur Kritik gibt.“ 2 Die heutige Zeit ist mehr denn je von Schnelligkeit, Rastlosigkeit und Wandel geprägt, in der Verlustgefühle und Verunsicherung eine wichtige Rolle spielen. Einzig durch diesen Hintergrund ist das „Verlangen“ von Werten verständlich. Denn diesbezügliche Wandlungen geschehen einzig und allein als Reaktion auf Veränderungen in Gesellschaft und Leben. Ronald Inglehart, Wertewandelforscher, „spricht von einer Bewegung von materialistischen zu postmaterialistischen Werten.“ 3 Es erfolgte seit der Mitte der 1960er eine Verschiebung weg von Akzeptanz- und Pflichtwerten hin zu einer Entwicklung der Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung. Werte wie Disziplin, Gehorsam, Pflichterfüllung, Anpassung etc. wurden zurückgedrängt und Teilhabe, Demokratie, Autonomie usw. wurden in den Vordergrund getragen; ohne jedoch die anderen komplett zu verdrängen. In der Bundesrepublik Deutschland ist der Wertewandelschub unter anderem auch auf die Veränderungen in der Medienlandschaft, die „Bildungsrevolution“ und den Ausbau des Sozialstaates zurückzuführen. 4
Doch was versteht man denn nun eigentlich genau unter dem Begriff „Wert“? Welche Relevanz hat die heutige Wertedebatte? Diese Fragen versuche ich in dem nun folgenden Teil dieser Arbeit zu klären.
1 Vgl. Ebers, Thomas; Melchers, Markus: Vom Wert der Wertedebatte. Anmerkungen und Orientierung. Verlag
Herder. Freiburg im Breisgau 2002. S. 10 f.
2 Ebd., S. 11
3 Ebd., S. 11
4 Ebd., S. 12
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2 Werte und Wertedebatte
2.1 Werte - Was bedeutet das eigentlich?
Unter Werte verstehen wir:
„…die bewussten oder unbewussten Orientierungsstandards und Leitvorstellungen, von denen sich Individuen und Gruppen bei ihrer Handlungswahl leiten lassen.“ 5 Werte sind also etwas, nach dem man strebt, was erreicht werden soll oder was wir darstellen wollen. So können sie eine Vielzahl von Eigenschaften und/oder Zuständen sein, wie zum Beispiel Erfolg, Jugend, Härte, Mut, Bildung, Intelligenz, aber auch Sicherheit, Barmherzigkeit, Würde etc.
Ursprünglich stammt der Begriff „Wert“ aus dem Bereich der Ökonomie. Dinge, die einen hohen Preis erzielten, hatten einen Wert. Erst durch H. Lotze wurde der Wert ein Hauptinhalt in der Philosophie. Im Grunde hatte man sich auch schon zuvor mit diesem Thema - und zwar in der Betrachtung des Guten und seiner Gutheitbeschäftigt, jedoch unterscheidet die moderne (von Lotze und vorab Scheler ausgehend) Wertphilosophie klar zwischen Wert und Gut. Demnach gehören die Güter der Seinsordnung an, während die Werte dieser in „letzter Unabhängigkeit“ gegenüberstehen und ein eigenes Reich schaffen. 6
Wichtig zu erwähnen ist hier noch, dass der Begriff „Wert“ jenseits der Ökonomie schon seit jeher mit dem kulturellen System einer Gesellschaft zusammen gedacht wurde. Für die Soziologie sind Werte unantastbare Bestandteile im gesellschaftlichen Gefüge. 7
Doch was hat es nun mit der Wertedebatte auf sich? Sind einige Vorwürfe, wie zum Beispiel die des Erziehungsnotstandes, gerechtfertigt? Was hat es wirklich mit den Traditionen auf sich? Im folgenden Abschnitt werden diese Fragen etwas näher beleuchtet.
5 Vgl. Ebers, Thomas; Melchers, Markus: Vom Wert der Wertedebatte. Anmerkungen und Orientierung. Verlag
Herder. Freiburg im Breisgau 2002. S.39.
6 Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch. Verlag Herder KG. Freiburg im Breisgau 1976. S. 458.
7 Ebers, Thomas; Melchers, Markus: Vom Wert der Wertedebatte. Anmerkungen und Orientierung. Verlag
Herder. Freiburg im Breisgau 2002. S. 41.
6
2.2 Die Wertedebatte - unterschiedliche Positionen und Herangehensweisen
2.2.1 Einführendes
Betrachtet man die Wertedebatte auch unter dem Aspekt ihres Bezuges zur Vergangenheit, kann man unterschiedliche Positionen bezüglich dieser Herangehensweise betrachten. Dies wird in den folgenden Punkten deutlich.
2.2.2 Die Vergangenheit als feste Größe
Besonders gern wird in Bezug auf die Diskussion um Werte in die Vergangenheit geschaut. Es werden gewisse Aspekte aus der Vergangenheit und ihrem Kontext gelöst und idealisiert. Somit läuft man jedoch sehr schnell Gefahr, dass man gegenwärtige und positive Entwicklungen mit dem Mantel dieser Erinnerungen verdeckt und schlichtweg übersieht. So wird zum Beispiel die vorhandenen Leitkulturen der Jugendlichen und deren Potenzial, all das kreative und friedliche, das zum Beispiel im Hip Hop oder in den Begabungen bezüglich der neuen Medien und der Technik steckt, nicht realisiert. Der immerwährende Ruf nach Traditionen birgt solch eine Gefahr. Sie dienen oft dazu, „Bindungskräfte innerhalb sozialer Gruppen zu stärken“ 8 , doch sind sie auch hin und wieder mit machtpolitischen Interessen verbunden. So sind manche Traditionen nicht so traditionell wie man glauben mag, denn sie werden als Tradition nur erfunden - so auch zum Beispiel die Kernfamilie (Vater, Mutter, zwei Kinder und die klassische Rollenverteilung). Entgegengesetzt zu Erkenntnissen der Familienforschung wird dieser Lebensform heute immer noch eine lange Tradition unterstellt. Doch tatsächlich lag der Höhepunkt dieser Form des Zusammenlebens in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und schon zwanzig Jahre später büßte dieses Modell seine zentrale Bedeutung als gesellschaftliches Leitbild wieder ein. 9
Auch der kurze Schottenrock - eigentlich das Urbild schottischer Nationalidentitätist eine erfundene Tradition. Der Kilt wurde erst im 18. Jahrhundert von einem
8 Ebers, Thomas; Melchers, Markus: Vom Wert der Wertedebatte. Anmerkungen und Orientierung. Verlag
Herder. Freiburg im Breisgau 2002. S. 17.
9 Ebd., S. 17 f.
7
englischen Industriellen erfunden, denn so konnte man aus der vorher knöchellangen Tracht eine praktische Arbeitsbekleidung machen. 10
Historiker sprechen in dieser Beziehung von einer „Statuomania“. „Unter nationalen Vorzeichen wurde in Stein gemeißelt, was fürderhin Geltung beanspruchen sollte“ 11 Dies kann man auch in anderen Bereichen der Gesellschaft ausmachen. Besonders in den Fällen in denen zum Beispiel die Pädagogik über den Werteverfall und Werteverlust klagt oder über den Einfluss der Medien auf Kinder und Jugendliche und deren Gefährlichkeit diskutiert. Egal ob schlechte Leistungen, Auffälligkeiten im Verhalten oder Gewalt an Schulen - sehr gern und meist zu voreilig wird die Schuld bei den Medien gesucht. Bereits in den achtziger Jahren schildert Neil Postman das „Verschwinden der Kindheit“ 12 : Die Lebenswelten der unterschiedlichen Generationen würden sich immer mehr durch die Nutzung der Medien annähern. Sowohl Erwachsene als auch Kinder würden zunehmend eine gemeinschaftlich geteilte Realität erfahren und somit würde der Schonraum der Kindheit verschwinden. Dies hat zur Folge, dass vehement Versuche unternommen wurden, Kinder und Jugendliche vor den schlechten Einflüssen der Medien zu schützen, anstatt ihnen einen angemessenen Umgang beizubringen. Die Augen vor dem unumgänglichen, der Realität zu verschließen ist grundsätzlich keine Lösung, zeigt jedoch auch Verlustdenken auf, da die Vermittlung von Kompetenzen bezüglich der Medien mehrere „Prämissen des traditionellen pädagogischen
Selbstverständnisses“ 13 in Frage stellt:
Hier ist unter anderem das Monopol des Wissen zu nennen. Darüber verfügen traditionell die Eltern, Lehrer, Dozenten und Erzieher. Sie sind quasi Wissensverwalter, die allein darüber verfügen und es weitergeben. Dem gegenüber stehen die medienkompetenten Kinder und Jugendlichen, die sich das Wissen eigenverantwortlich aneignen. Das Wissen besteht aus hierarchischen, feststehender und strukturierter Fakten, die es den Lehrenden erst dadurch ermöglichen, ein Wissensmonopol aufzubauen, welches durch sie dann vermittelt und geregelt werden kann. Doch in Anbetracht der Begrenztheit des individuellen Wissens, der kurzen Halbwertszeit von Wissensbeständen und der Vernetzung des Wissens, steht das altbewährte Lehrer-Schüler-Rollengefüge in Frage. Somit wird eine gewohnte
10 Ebd., S. 18
11 Ebd., S. 18
12 Vgl. ebd., S. 19f
13 Vgl. ebd., S. 19
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Arbeit zitieren:
Maria Reichmann, 2007, Werte und Wertediskurs, München, GRIN Verlag GmbH
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