Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Forschungsstand 3
2.1 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität und Umverteilung. 3
2.2 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität mit Bürgerkriegen 3
2.3 Auswirkungen ethnischer Heterogenität auf den Output 3
3 Modell. 4
3.1 Grundzüge. 4
3.2 Bürgerkriege 5
3.3 Zeitlicher Ablauf innerhalb einer Periode 6
3.4 Gleichgewicht 6
4 Numerische Simulationen 7
5 Ergebnisse 9
5.1 Reaktion des BIP auf ethnische Heterogenität 9
5.1.1 Gründe für den Einkommensverlust. 10
5.1.2 Bedeutung der Nettobesteuerung 11
5.2 Weitere Parameter. 12
5.2.1 Pro-Kopf-Einkommen 12
5.2.2 Kapitalkoeffizient (K/Y) 13
5.2.3 Verhältnis von Kapital und Arbeit (K/L) 13
5.3 Bedeutung von Bürgerkriegen 14
5.3.1 Variation der Simultanität. 14
5.3.2 Variation von " 1 14
5.3.3 Einfluss des Parameters 15
6 Handlungsempfehlungen für die Politik 15
6.1 Verringerung der Bedeutung ethnischer Heterogenität. 15
6.2 Flexibilität der Regierungspolitik 16
7 Fazit und Bewertung 17
1 Einleitung
Bei dem zu behandelnden Text von Benjamin Bridgman, Why are ethnically divided countries poor?, handelt es sich um einen 2008 im Journal of Macroeconomics erschienenen Aufsatz. Hierin versucht der Autor, die empirisch belegten Einkommensunterschiede zwischen ethnisch homogenen und ethnisch heterogenen Ländern durch die Entwicklung eines Modells zu erklären.
Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass Länder mit ethnischer Heterogenität ein niedrigeres Einkommen haben als ethnisch homogene Länder. Eine mögliche Ursache hierfür ist, dass sich Konflikte zwischen ethnischen Gruppen oftmals zu Bürgerkriegen verschärfen. Dass Kriegsschäden das BIP senken, ist laut Bridgman unbenommen. Er konstatiert aber, dass auch friedliche ethnisch heterogene Länder ein Einkommen aufweisen, das um ein Drittel unter dem von ethnisch homogenen Ländern liegt. Bridgman formuliert daher, unter Einbeziehung verschiedener empirischer Befunde, ein dynamisches Wachstumsmodell eines ethnisch heterogenen Lands mit zwei Ethnien, um den Verlust an Wirtschaftsleistung gegenüber ethnisch homogenen Ländern zu quantifizieren und den möglichen Ursachen zuzuweisen. Er kommt zu dem Schluss, ethnische Heterogenität hemme in erster Linie dadurch Wachstum, dass die jeweils herrschende ethnische Gruppe Ressourcen zugunsten ihrer Mitglieder umverteilt. Dies führt zu Investitionsverzerrung, weil die Mitglieder der anderen Gruppe nicht frei über ihr Kapital verfügen können, sondern die Umverteilung finanzieren müssen. Umverteilung führt auch dazu, dass die Gruppe, die nicht an der Macht ist, bestrebt ist, durch militärische Gewalt einen Machtwechsel zu erzwingen. Die herrschende Gruppe wiederum setzt auf militärische Stärke, um ihren Gegner von vornherein abzuschrecken. Armeen zu unterhalten verzerrt gleichfalls Investitionsentscheidungen, da für das Militär benötigtes Kapital und Arbeit dem normalen Wirtschaftsleben entzogen werden. Aus Konflikten zwischen den beiden Gruppen werden häufig Bürgerkriege, deren Kriegsschäden ebenfalls auf die Wirtschaftskraft schlagen. Bridgman beziffert den Einkommensverlust, der durch Militär und Kriegsschäden bedingt wird, auf weniger als 25%. Von weitaus größerer Bedeutung sind nach seinem Modell die Umverteilungseffekte, die im Extremfall über 75% betragen. Im Folgenden wird, nach einem Überblick über den Forschungsstand bezüglich der Auswirkungen ethnischer Heterogenität (2), Bridgmans Modell im Einzelnen vorge- stellt. Zunächst geht es um die Grundzüge und Eigenschaften des Modells (3), danach
um numerische Simulationen (4) und Modellergebnisse und daraus folgende Politikansätze vorgestellt (5). Zuletzt soll eine kurze Einschätzung von Bridgmans Aufsatz vorgenommen werden (6).
2 Forschungsstand
Bevor Bridgman sein Modell vorstellt, gibt er einen kurzen Überblick über bisherige empirische Forschungsarbeiten. Er unterteilt die Arbeiten in drei Bereiche und fasst sie stichpunktartig zusammen.
2.1 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität und Umverteilung
Ethnische Heterogenität führt zu Umverteilungen. Dies geschieht oft in Form von direkten Transfers, wie z.B. in Kenia, wo nach der Wahl eines neuen Präsidenten dessen Volksgruppe plötzlich in größerem Umfang von öffentlichen Ausgaben profitierte als zuvor (Barkan/Chege, 1989, zit. n. Bridgman, 2008: 3).
Möglich ist auch Umverteilung durch Protektion, beispielsweise durch Beschäftigung im öffentlichen Sektor, wie es in ethnisch heterogenen Gegenden in den USA vorkommt (Alesina et. al., 2000, zit. n. Bridgman, 2008: 3)
2.2 Zusammenhang von ethnischer Heterogenität mit Bürgerkriegen
In ethnisch heterogenen Ländern kommt es häufiger zu Bürgerkriegen als in ethnisch homogenen Ländern. Dieser Zusammenhang ist umso ausgeprägter, je gleichmäßiger die Bevölkerung auf die beiden Ethnien aufgeteilt ist. Ferner dauern Bürgerkriege in ethnisch heterogenen Ländern länger an als in ethnisch homogenen Ländern. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein ethnisch heterogenes Land zu einem gegebenen Zeitpunkt im Kriegszustand befindet, ist deshalb höher als für ein ethnisch homogenes Land. Bridgman zitiert für diese Befunde Collier/Hoeffler (1998), Sandler (2000), Elbawasi/Sambanis (2002) und Collier et al. (2004).
2.3 Auswirkungen ethnischer Heterogenität auf den Output
Ethnische Heterogenität geht mit niedrigerem Output und niedrigeren Wachstumsraten einher. Laut Easterly/Levine (1997) ist ein Gutteil der niedrigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in afrikanischen Ländern ist auf diese Tatsache zurückzuführen (zit. n. Bridgman, 2008: 3). Dieses Ergebnis wurde trotz Kritik an der Studie selbst durch nachfolgende Arbeiten bestätigt; ein Überblick findet sich in Alesina/La Ferrara (2005, zit. n. Bridgman, 2008: 3).
Die Begründung für die relative Armut ethnisch heterogener Länder liegt nicht nur darin, dass in ethnisch heterogenen Ländern häufiger und längere Bürgerkriege geführt werden als in ethnisch homogenen Ländern. Dies spielt natürlich eine Rolle, kann jedoch nicht der einzige Grund sein, denn die direkten Kriegsschäden machen nur einen geringen Teil der negativen Effekte ethnischer Heterogenität auf die wirtschaftliche Entwicklung aus (Easterly/Levine, 1997, zit. n. Bridgman 2008: 3).
3 Modell
Bei Bridgmans nachfolgend dargestelltem Modell handelt es sich um ein dynamisches Wachstumsmodell. Großbuchstaben bezeichnen dabei aggregierte Werte, kleine Buchstaben sind Pro-Kopf-Werte.
3.1 Grundzüge
Es handelt sich um ein Modell für ein Land mit zwei Ethnien (! i = ! 1,2 ). Die Haushalte gehören zu einer dieser beiden Ethnien. Sie streben die Nutzenmaximierung ihrer eigenen Gruppe an und verhalten sich untereinander altruistisch, nicht aber gegenüber der anderen Gruppe. Innerhalb der jeweiligen Gruppe können die Haushalte ihre Handlungen vollständig und ohne Kosten koordinieren. Haushalte können zwischen Konsum- und Investitionsgütern wählen. Der Nutzen wird dabei allein durch den Konsum bestimmt, d.h. mehr Konsum führt zu einem höheren Nutzen. Innerhalb einer Gruppe haben alle Haushalte die gleichen Präferenzen.
Alle Haushalte verfügen über ein bestimmtes Anfangskapital K(0). Dieser Kapitalstock kann im Modell nur „hoch“ K H oder „niedrig“ K L sein. Investitionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Kapitalstock in der nächsten Periode höher ist als der jetzige Kapitalstock.
Dass Bridgman hier einen probabilistischen und keinen deterministischen Ansatz verwendet, hat einerseits technische Gründe, andererseits kann so sichergestellt werden, dass tatsächlich ein Gleichgewicht existiert.
Haushalte entscheiden sich nicht nur für Konsum, sondern auch für Investitionen, obwohl diese ihren Nutzen nicht direkt steigern. Durch Investitionen können die Haushalte mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ihren Kapitalstock erhöhen und damit in der nächsten Periode mehr produzieren. So können sie mehr Einkommen generieren und das Mehreinkommen dann für mehr Konsum ausgeben.
Nur eine der beiden Gruppen stellt die Regierung. Diese besteuert zwar brutto beide Gruppen, lässt jedoch die erhobenen Steuern nur derjenigen Gruppe zukommen, die zum jeweiligen Zeitpunkt an der Regierungsmacht ist. Die Nettobesteuerung wird daher allein von der Gruppe getragen, die nicht an der Regierung ist. Der Output ist determiniert durch die Faktoren Arbeit und Kapital, es wird eine Cobb-Douglas-Produktionsfunktion angenommen. Jeder Haushalt verfügt pro Periode über 1 Einheit an Arbeit.
Ein bestimmter Anteil der insgesamt geleisteten Arbeit wird für die militärische Produktion eingesetzt. Die Nachfrage nach Arbeit für militärische und zivile Produktion kann dabei höchstens gleich hoch sein wie das Gesamtangebot an Arbeit durch die Haushalte (Budgetbeschränkung).
Der Output determiniert das Einkommen, das entweder für Konsum- oder für Investitionsgüter verwendet werden kann. Das verfügbare Einkommen ist nicht unbegrenzt, es gilt die Budgetbedingung (Ausgaben für Konsum- und Investitionsgüter können höchstens genauso hoch sein wie das Nettoeinkommen). Alle Akteure verfügen über vollständige Informationen.
3.2 Bürgerkriege
Gruppen können sich dafür oder dagegen entscheiden, um die Vorherrschaft im Land zu kämpfen. Die Wahrscheinlichkeit zu siegen wird durch " ausgedrückt. " ist eine lineare Funktion mit einem Grenzwert, der die größtmögliche Wahrscheinlichkeit 1 ausdrückt.
Die Wahrscheinlichkeit ", einen Bürgerkrieg zu gewinnen, erhöht sich mit wachsender militärischer Stärke M i . Da Arbeit der einzige Faktor ist, der die militärische Stärke bedingt (Kapital spielt für die Militärtechnologie keine Rolle), ist die zahlenmäßig größere Gruppe im Vorteil. Ihre Haushalte müssen für die gleiche oder eine größere Armeestärke weniger Einheiten an Arbeit aufwenden als die kleinere ethnische Gruppe.
Entschließt sich eine Gruppe zu kämpfen, so muss sie einen Teil ihres eigenen Outputs für die Finanzierung des Bürgerkriegs aufwenden. Dies senkt den Output und das Einkommen des Landes insgesamt.
Kommt es nicht zum Bürgerkrieg, so verteilt die bisherige Regierung die Steuerein- künfte weiterhin an ihre eigene Gruppe.
Arbeit zitieren:
Thomas Güde, 2009, "Benjamin Bridgman - Why are ethnically divided countries poor" - eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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