Torsten Kreissl Die Berufswahl: Zentrale Aufgabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 3
2 BERUFSWAHLTHEORIEN UND -ANSÄTZE 5
2.1 DIFFERENTIALPSYCHOLOGISCHER ANSATZ (TRAIT-AND-FACTOR-THEORIE) 5
2.2 ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE THEORIEN 8
2.2.1 Der entwicklungspsychologische Ansatz von E. Ginzberg 9
2.2.2 Die Theorie von Donald E. Super 11
2.3 PSYCHODYNAMISCHE THEORIEN 13
2.3.1 Die Theorie von Bordin und Mitarbeitern 14
2.3.2 Die Theorie von A. Roe 15
2.4 DIE TYPOLOGISCHE THEORIE VON HOLLAND 16
2.5 SOZIOLOGISCHE ANSÄTZE 19
3 FAZIT 23
LITERATUR 24
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Torsten Kreissl Die Berufswahl: Zentrale Aufgabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
1 Einleitung
Den Themen Berufsfindung, Berufswahl, Berufsausübung oder berufliche Entwicklung kann sich kaum ein Mitglied der modernen Gesellschaft entziehen. Vor allem die Betrachtung des ersten prägenden Schrittes in diese Richtung, die Berufsfindung, ist von besonderem Interesse; hier werden die Weichen für die weitere berufliche Entwicklung gestellt. Die Berufsfindung fällt in die Entwicklungsphase der Adoleszenz, in der Autonomie und die Ausbildung einer Ich-Identität angestrebt werden. Berufstätigkeit ermöglicht dabei u.a. finanzielle Unabhängigkeit und die Einordnung des Individuums in die Gesellschaft. Es überrascht daher kaum, dass verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre ergaben, dass die berufliche Zukunft von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch selbst als zentral erachtet wird (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2003).
Durch Industrialisierung, welche Arbeitsteilung, Bürokratisierung sowie die Entstehung neuer Industriezweige und Berufe ermöglichte und schließlich durch den Übergang zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, hat sich die Berufsarbeit stark verändert. Auch wenn der mittlerweile ständige und sich immer schneller vollziehende Wandel zur Folge hat, dass der einmal gewählte Beruf nicht mehr der ein Leben lang ausgeübte bleibt, „... der Beruf ist und bleibt auch in absehbarer Zukunft die Startposition, von der aus Spezialisierung, Aufstieg, Neuorientierung, Berufs- oder Betriebswechsel überhaupt erst möglich werden. Damit wird die Bedeutung der Berufswahl für jeden jungen Menschen an der Schwelle von der Schule ins Erwerbsleben hervorgehoben“ (learn:line).
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Berufsfindungsprozess deshalb so wichtig ist, weil „Über den Beruf ... marktfähige Qualifikationen gebündelt, Wertorientierungen und Haltungen vermittelt, gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung erreicht,“ werden und „über den Beruf und die Berufswahl werden "Lebenspläne" entwickelt.“( Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2003).
Im Rahmen dieser Arbeit soll daher die Frage geklärt werden, wodurch dieser Prozess eigentlich bestimmt wird, dem sich Jugendliche und junge Erwachsene gegenübersehen.
Zur Erklärung bietet die Wissenschaft eine Fülle von Berufswahltheorien an. Einige davon werden auf den folgenden Seiten vorgestellt. Alle je veröffentlichten Theorien und Ansätze zum Berufswahlprozess darzustellen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weshalb un-
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ter folgenden Aspekten eine Auswahl getroffen wurde: Einige Theorien werden erläutert, weil sie im Vergleich sehr unterschiedlich argumentieren und dadurch das Themengebiet umfassend umspannen, einige weil auf sie häufig Bezug genommen wurde und einige auch deshalb, weil sie den Ausgangspunkt für aufbauende Forschungsansätze boten.
Die folgenden Seiten machen also ebenfalls deutlich, dass und inwiefern sich die Konzepte der Wissenschaft unterscheiden.
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2 Berufswahltheorien und -ansätze
In der wissenschaftlichen Literatur sind verschiedene Einteilungen der Berufswahltheorien zu finden. In der folgenden Arbeit orientiere ich mich an der von Seifert vorgenommenen (vgl. Seifert 1977, S. 173-260).
2.1 Differentialpsychologischer Ansatz (trait-and-factor-Theorie)
Der differentialpsychologische Ansatz stellt die klassische Sichtweise der Berufseignungspsychologie dar, „...nach der es im Kern um eine Zuordnung der Berufswähler zu Berufen geht.“ (Hoppe 1980, S. 94) über die Bindeglieder der beruflichen Anforderungen und der damit zusammenhängenden Persönlichkeitsmerkmale der Wähler. Die klassische Form basiert auf fünf Grundannahmen, die im Kommenden wiedergegeben werden sollen:
1. Jeder Mensch ist entsprechend der individuellen Ausprägung seiner Persönlichkeitsmerkmale, besonders hinsichtlich der beruflich relevanten Fähigkeiten, für einen Beruf optimal geeignet.
2. Die in einem bestimmen Beruf Tätigen sind durch bestimmte, berufsspezifische Fähigkeits- und Persönlichkeitsschwerpunkte gekennzeichnet; Hierbei wird angenommen, dass die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Berufen zuvorderst aus der Persönlichkeitsstruktur der darin Tätigen resultiert, wenig beachtet wird dass der ausgeübte Berufe eine Person prägt bzw. ihre berufliche Umwelt sie beeinflusst.
3. Der individuelle Berufserfolg und die berufliche Zufriedenheit werden im Wesentlichen durch den Grad der Übereinstimmung zwischen den beruflichen Eignungsanforderungen und den individuellen Eignungsmerkmalen bestimmt.
4. Die Berufswahl ist (von bestimmten Ausnahmen abgesehen) ein, auf einen bestimmten Zeitpunkt beschränktes, einmaliges Ereignis
5. Die Wahl des Berufes besteht im wesentlichen aus einem bewussten, rationalen Problemlösungs- und Entscheidungsprozess, bei dem entweder die Person selbst oder ein berufspsychologischer Experte (Berufsberater, Eignungsdiagnostiker) die individuellen Dispositionen den Anforderungen der verfügbaren Berufe zuordnet und dann den am besten passenden Beruf auswählt (vgl. Seifert 1977, S.176).
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Eine frühe zusätzliche Annahme aus der Psychotechnik bestand in der Auffassung, dass die Berufseignung aus der Gesamtzahl der elementaren Fähigkeiten eines Berufsanwärters besteht. Durch Kritik an den Grundannahmen der Psychotechnik und der methodischen Weiterentwicklung der Psychometrie und der Testdiagnostik wurde dieser klassische Theorieansatz weiterentwickelt. Dies führte zu veränderten Grundannahmen der daraus entstandenen trait-and-factor-Theorie (eigenschaftstheoretisch-faktorenanalytisch). Es bestand nun nicht mehr die Meinung, dass eine Person nur für einen Beruf geeignet sei, sondern, dass dies die Ausnahme darstelle. Dem Ansatz der Gruppeneignung zufolge ist man daher für eine oder mehrere miteinander verwandte Berufsgruppen geeignet bzw. nicht geeignet. Weiterhin sind außer der Eignung auch weitere Persönlichkeitsmerkmale, wie Interessen und Neigungen sowie Leistungsmotivation, Anspruchsniveau, Umstellungsfähigkeit und Risikoverhalten, für Berufserfolg und -zufriedenheit verantwortlich (vgl. Scheller 1976, S. 26). Man betrachtete nun die Befähigung zur Ausübung und Erlernung eines Berufs aus einer ganzheitlichen Perspektive, wonach „... das „Fähigkeitsgefüge“, bzw. die Anlagenschwerpunkte im Rahmen der individuellen Eignungsstruktur ausschlaggebend.“ (Seifert 1977, S.177.) sind. Kurz gesagt ist es „Aufgabe der Berufsfindung ..., eine möglichst hohe Übereinstimmung zwischen den Fähigkeiten und Neigungen bzw. Interessen einerseits und den beruflichen Tätigkeiten bzw. Anforderungen anderseits zu erzielen.“ (Zihlmann 2001, S.1). Es besteht hier weiterhin die Auffassung, dass die individuelle Berufswahl darin besteht ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil zu dem passenden Anforderungsprofil eines Berufes zuzuordnen. Je mehr beides miteinander übereinstimmt oder sich ähnelt, desto besser bewährt man sich in dem Beruf und ist zufriedener. Die Berufsberatung sollte also anhand psychometrischer Daten (Testdiagnosen) bestimmen können, welche Person für welchen Beruf optimal geeignet ist und sich dort erfolgreich tätig sein wird. Dazu sind verschiedener Schritte seitens des Berufsberaters nötig:
1. Analyse: Daten sammeln in Bezug auf Einstellungen, Interessen, Kenntnisse, familiäre Verhältnisse, Aufbildungsfortschritte und Fähigkeiten
2. Synthese: die Daten in einem Merkmalsprofil des Klienten zusammenfassen
3. Diagnose: individuelle Stärken und Schwächen des Klienten beschreiben, die ermittelten Merkmalsausprägungen mit idealtypischen Berufsprofilen vergleichen und Ursachen für erfasste Probleme ergründen
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Arbeit zitieren:
Torsten Kreissl, 2007, Die Berufswahl, München, GRIN Verlag GmbH
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