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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Aufklärung 3
3. Die Aufklärung in Russland 6
4. Katharina die Große
4.1. Korrespondenz mit Voltaire und anderen Vertretern der Aufklärung 7
4.2. Politische Maßnahmen im Rahmen der Aufklärung 10
4.3. Die „Instruktion“
15
5. Fazit 17
Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Die Aufklärung war einer der wichtigsten geistigen Bewegungen der Neuzeit. Die Wissenschaft blühte. Philosophen wie Descartes, Kant, Voltaire und Diderot fanden an europäischen Höfen und im aufkeimenden Bürgertum großen Anklang. Überall redeten die Menschen von neuen Grundsätzen, wie die Kraft der Vernunft, Individualisierung und die Befreiung von Ständen und Hierarchie. Auch am russischen Hof verfehlten die revolutionären Ideen der Aufklärung nicht ihre Wirkung. Katharina die Große machte die Aufklärung zum Aushängeschild ihrer Politik. Doch war Katharina die Große tatsächlich eine aufgeklärte Herrscherin? Welche Aufgaben hat ein aufgeklärter Herrscher? Inwieweit konnte Katharina die Große die Ideen der Aufklärung in ihrer Politik umsetzen? Oder benutzte sie die Aufklärung nur als Rechtfertigung ihrer Politik und zur Steigerung ihres Ansehens in der europäischen Öffentlichkeit? Ziel dieser Arbeit wird es sein diese Fragen zu klären. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit der Bewegung der Aufklärung. Dabei wird vor allem auf die wesentlichen Merkmale der Aufklärung und auf die Definition eines aufgeklärten Herrschers eingegangen.
Punkt drei der Arbeit zeigt kurz die Entwicklung der Aufklärungsbewegung in Russland. Der vierte Punkt konzentriert sich auf Katharina und ihre Politik. Dabei wird zunächst auf Katharinas Korrespondenzen mit Philosophen der Aufklärung, wie Diderot und d’Alembert eingegangen, wobei vor allem die Korrespondenz mit Voltaire im Mittelpunkt stehen soll. Der nächste Teilpunkt beschäftigt sich mit den aufgeklärten oder im Rahmen der Aufklärung befindlichen Reformen und politischen Maßnahmen Katharinas, insbesondere der „Großen Kommission“, Katharinas Umgang mit den Bauern, ihrer Bildungspolitik und ihrer Reaktionen gegenüber den Freimaurern und der französischen Revolution. Im letzen Teilpunkt werden Katharinas Instruktion und die Reaktionen darauf dargestellt. Für die Definition des Aufklärungsbegriffes verwendet diese Arbeit hauptsächlich die Darstellung des Verlages Volk und Wissen 1 und für die russische Aufklärung den Lexikon-Artikel von Gert Robel 2 . Mit der Reformtätigkeit von Katharina der Großen hat sich im hohen Maße der Autor Erich Donnert 3 beschäftigt. Besonders hilfreich war auch die Darstellung von
1 Volk und Wissen (Hrsg.): Aufklärung. Erläuterung zur deutschen Literatur, 3. Auflage, Berlin 1971.
2 http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/schulung/FITGYM/Lexikon_Aufklaerung2.pdf (Lexikon-Artikel von Gert Robel, letzter Zugriff am 06.01.2010)
3 Donnert, Erich: Katharina II. die Große(1729-1796). Kaiserin des Russischen Reiches, Regensburg 1998. Donnert, Erich: Katharina die Große und ihre Zeit. Russland im Zeitalter der Aufklärung, Leipzig 1996.
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Heinz Duchhardt und Claus Scharf 4 , mit den Aufsätzen von Petr Zaborov 5 , Jochen Schlobach 6 , Aleksandr Myl’nikov 7 , Sergej Karp 8 und Manfred Hildemeier 9 sowie die Darstellung von Hans von Rimscha 10 .
2. Die Aufklärung
Für alle bedeutsamen Denker des 18. Jahrhunderts war es oberste ideologische Priorität die Gesellschaft mithilfe der Aufklärung humanistischer zu gestalten. Die Bewegung der Aufklärung, die sich zu einer nahezu gesamteuropäischen Bewegung entwickelte, hatte ihren Ursprung im England des ausgehenden 17. Jahrhunderts. 11 Sie stellt eine Epoche dar, die vor allem auf soziokultureller Ebene die Frühneuzeit von dem Zeitalter der Neuzeit trennt. 12 Trägerschicht der Aufklärungsbewegung ist das sich langsam herausbildende Bürgertum. Das Bürgertum versuchte seine ökonomische Kraft auszubauen und zu konsolidieren, um seinen Einfluss auf die Gesellschaft im soziologischen und wissenschaftlichen Bereich auszuweiten. In diesem intellektuellen Bürgertum entstand eine Ideologie, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, alle Bereiche des Denkens der Menschen zu beeinflussen. Außerdem wirkte sie sich wesentlich auf die intellektuellen Emanzipationsbemühungen fast aller europäischen Länder aus. Neben England gehörten auch die Niederlande und Frankreich zu den Ursprungsländern der Aufklärung. 13 Besonders die Entwicklung der französischen Aufklärungsbewegung bestimmte die Denkweise der gesamteuropäischen Aufklärer vor allem in der zweiten Hälfte
4 Duchhardt, Heinz/Scharf, Claus (Hrsg.): Interdisziplinarität und Internationalität. Wege und Formen der Rezeption der französischen und der britischen Aufklärung in Deutschland und Rußland im 18. Jahrhundert, Mainz 2004
5 Zaborov, Petr: Voltaire im Rußland des 18. Jahrhunderts, In: Duchhardt, Heinz/Scharf, Claus (Hrsg.): Interdisziplinarität und Internationalität. Wege und Formen der Rezeption der französischen und der britischen Aufklärung in Deutschland und Rußland im 18. Jahrhundert, Mainz 2004, S. 81-90.
6 Schlobach, Jochen: Vom guten zum aufgeklärten Herrscher, In: Duchhardt, Heinz/Scharf, Claus (Hrsg.): Interdisziplinarität und Internationalität. Wege und Formen der Rezeption der französischen und der britischen Aufklärung in Deutschland und Rußland im 18. Jahrhundert, Mainz 2004, S. 35-42.
7 Myl’nikov, Aleksandr: Die russische Aufklärung des 18. Jahrhunderts. Probleme der Typologie im Licht der historisch-kulturellen Traditionen, In: Duchhardt, Heinz/Scharf, Claus (Hrsg.): Interdisziplinarität und Internationalität. Wege und Formen der Rezeption der französischen und der britischen Aufklärung in Deutschland und Rußland im 18. Jahrhundert, Mainz 2004, S. 25-34.
8 Karp, Sergej: Die aufgeklärte Monarchie in Rußland. Historiographische Kollisionen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, In: Duchhardt, Heinz/Scharf, Claus (Hrsg.): Interdisziplinarität und Internationalität. Wege und Formen der Rezeption der französischen und der britischen Aufklärung in Deutschland und Rußland im 18. Jahrhundert, Mainz 2004, S.43-49.
9 Hildemeier, Manfred: Traditionen der Aufklärung in der russischen Geschichten, In: Duchhardt, Heinz/Scharf, Claus (Hrsg.): Interdisziplinarität und Internationalität. Wege und Formen der Rezeption der französischen und der britischen Aufklärung in Deutschland und Rußland im 18. Jahrhundert, Mainz 2004, S. 1-15.
10 Rimscha, Hans von: Katharina II.. Von der preußischen Generalstochter zur Kaiserin von Rußland, Göttingen/Frankfurt 1961.
11 Vgl. Volk und Wissen (Hrsg.): Aufklärung, S. 17.
12 Vgl. Myl’nikov, Aleksandr: Die russische Aufklärung des 18. Jahrhunderts, S. 25.
13 Vgl. Volk und Wissen (Hrsg.): Aufklärung, S. 17.
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des 18. Jahrhunderts. 14 In ihrer Ausprägung war die Aufklärungsbewegung, wie sie in England, den Niederlanden und Frankreich stattfand, deutlich radikaler, als sie es in Deutschland, Österreich und den slawischen Ländern war. Sie bereitete vorrevolutionäre Denkweisen und Konzeptionen vor, welche sich auf Bereiche, wie die Naturwissenschaft, die Philosophie, die Literatur, die Kunst aber auch der Handel und die Produktion, ausdehnten. Außerdem begünstigten und unterstützten diese neu geschaffenen Konzeptionen, die Durchsetzung sozialer Reformen und Programme in den feudal gegliederten und beherrschten Staaten Europas. 15
Das Bürgertum des Zeitalters der Aufklärung strebte seine geistige, soziale und ökonomische Emanzipation an und propagierte das Ideal der persönlichen und gesellschaftlichen Selbstverwirklichung. Die Vernunft sah es als Sinnbild und einzigen Indikator der menschlichen Denkweise und des gesellschaftlichen Wirkens an. In den meisten Ländern Europas, besonders in Frankreich, rechtfertigte und begründete dieser Prozess den Kampf gegen die feudale Ordnung mithilfe sozialökonomischer Zielstellungen. 16 Als geistige Bewegung verschiedenartig ausgeprägt und umgesetzt beinhaltet die Aufklärung in ihrem Wesen ähnliche, beziehungsweise gleiche, grundsätzliche Merkmale, ungeachtet vom jeweiligen Land und ihrer dort spezifischen Auslegung und Entwicklung. 17 Hauptmerkmal dieser Bewegung ist die Zentralisierung des Begriffs der menschlichen Vernunft. Die Tätigkeit des menschlichen Verstandes stellt die methodische Grundlage zur Erlangung einer aufgeklärten Erkenntnis dar. 18
Ein weiteres Merkmal ist die Berufung auf die intellektuellen Leistungen und Schöpfungen der Renaissance und der Antike. Die Aufklärer sahen sich als würdigen Nachfolger der antiken und mittelalterlichen Denker, Wissenschaftler und Philosophen an, welche im Zeitalter der Inquisition geächtet, verleumdet und verboten wurden. Ein wesentliches Merkmal war die Hinterfragung und Kritik an allem was das bisherige Weltbild beinhaltete und an allem was Dogmen und Staatsordnungen vorschrieben und als Wahrheit verkauften. Die sorgfältige Prüfung aller Fakten, basierend auf wissenschaftlichen Methoden und Erfahrungen, hatte oberste Priorität. Diese unbarmherzige Nachforschung hatte die Erschütterung und langsame Zerstörung des religiösen Weltbildes zur Folge. Der Begriff der Vernunft wurde klar vom Begriff des Glaubens getrennt. Die Naturwissenschaft behauptete sich gegenüber der Glaubensvorstellung des Christentums als autonome Gattung und ebnete
14 Vgl. Volk und Wissen (Hrsg.): Aufklärung, S. 21.
15 Vgl. Ebd., S. 18.
16 Vgl. Ebd.
17 Vgl. Ebd.
18 Vgl. Alt, Peter-André: Aufklärung, Lehrbuch Germanistik. 3. Auflage, Stuttgart/Weimar 2007, S. 11.
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den Weg zum Atheismus. 19 Ein Ergebnis dieser Entwicklung war die Erforschung wichtiger gesetzmäßiger und kausaler Gefüge der Natur, welche durch genaue Beobachtung der natürlichen Abläufe und die Durchführung und Auswertung wissenschaftlicher Experimente erlangt wurden. 20 Der Mensch wurde auf den obersten Richterstuhl gesetzt, welcher bis dato Gott vorbehalten war. Es wurde das Bild eines tugendhaften und für das Wohl der Gesellschaft handelnden Menschen erschaffen, der mit der Erlangung von wissenschaftlichen, philosophischen und literarischen Kenntnissen und Fertigkeiten wesentlich zur Schaffung einer sozialen und humanistischen Ordnung beigetragen hatte. Außerdem erkannten die Aufklärer, durch die Untersuchung historischer Zusammenhänge, die geschichtsprägende und verändernde Bedeutung des Menschen. Das Ziel der Aufklärungsbewegung war es, die Gesellschaft und den Staat zu reformieren und zu sozialisieren. Dies versuchten sie vor allem durch die Verbreitung ihrer Wahrheiten im gesamten nicht gelehrten Volk zu erreichen. Dies taten sie mithilfe von Journalen, Monumentalwerken, philosophischen Abhandlungen, Flugschriften, öffentlichen Reden, Gedichten und Bühnenstücken. Alles verfassten sie in der einfachen Sprache der ungelehrten Bürger, um diese aufzuklären und umzuerziehen. 21 Diese Erziehung spiegelte sich auch in der Neugestaltung des Unterrichts an Schulen und Universitäten wider. Die Aufklärer versuchten einen Leitfaden zu liefern, wie das Leben eines aufgeklärten und tugendhaften Bürgers auszusehen hatte. 22 Es galt, den Menschen von seiner Angst zu befreien, seinen eigenen Verstand ohne Leitung von außen beziehungsweise oben zu benutzen, um so aus seinen Trott, geprägt von Trägheit, Leichtgläubigkeit und Aberglaube, herauszukommen. 23
Ein Phänomen der Aufklärung ist das Bild des aufgeklärten Herrschers. Dieses Ideal entstand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und war ein Teil des Säkularisierungsprozesses. Die Loslösung von kirchlichen und feudalen Zwängen sollte durch gezielte Reformen eines nach den Prinzipien der Aufklärung handelnden Herrschers erreicht werden. Dieser Herrscher sollte sich vor allem um das Wohl und den Willen seines Volkes bemühen und über seine eigenen Angelegenheiten stellen. Friedrich II. von Preußen galt als ein solch aufgeklärter Herrscher. Voltaire definiert einen aufgeklärten Herrscher in einem Brief an Friedrich II folgendermaßen 24 : „Wirkliche gute Könige sind nur die gewesen, die wie Sie begonnen haben, sich zu bilden, die Menschen zu kennen, die Wahrheit zu lieben, die Unterdrückung
19 Vgl. Volk und Wissen (Hrsg.): Aufklärung, S. 18.
20 Vgl. Alt, Peter-André: Aufklärung, S. 12.
21 Vgl. Volk und Wissen (Hrsg.): Aufklärung, S. 19.
22 Vgl. Alt, Peter-André: Aufklärung, S. 11f.
23 Vgl. Ebd., S. 2.
24 Vgl. Schlobach, Jochen: Vom guten zum aufgeklärten Herrscher, S. 36f.
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Katja Riedel, 2010, Katharina die Große, München, GRIN Verlag GmbH
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