Die Semantische Analyse -
Modelle und Problematiken
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung. 1
2. Die Semanalyse. 1
2.1 Das Sem 2
2.2 Ursprung und Modus Procedendi’ 4
2.3 Ziele 6
3. Konzeptionen der Semanalyse. 8
3.1 Das Modell von Pottier (paradigmatische Dimension) 8
3.2 Das Modell von Hilty (syntagmatische Dimension) 11
3.3 Zusammenführende Betrachtung 13
3.3.1 Polysemie 13
3.3.2 Wortfeld. 14
3.3.3 Metapher. 15
3.3.4 Prototypensemantik. 15
4. Fazit 16
Bibliographie 18
Die Semantische Analyse - Modelle und Problematiken Franco Dahms
1. Einleitung
Diese Hausarbeit befasste sich mit der semantischen Komponentenanalyse, auch Semanalyse genannt. Im Vorfeld der eigentlichen Arbeit sollen grundsätzliche Fragen, wie Ursprung, Verwendung und Ziel der semantischen Analyse geklärt werden. Im darauf folgenden Schritt wird sich dann den jeweiligen immanenten Ideen der semantischen Komponentenanalyse gewidmet; die zwei bekanntesten Modelle werden hierbei präzisiert und ferner durch Beispiele jeweils begründet. Dabei liegt das Augenmerk vornehmlich auf den inhärenten Problematiken - dies gilt sowohl für die semantische Analyse an sich als auch für jedes präsentierte Modell en detail. Es geht demzufolge um die Grenzen der Semanalyse, sowohl um die sprachwissenschaftlichen in der Semantik als auch um die konzeptuellen in der Sprache selbst.
In den im Folgenden beschriebenen Konzeptionen sollen Vor- und Nachteile eruiert werdenmit dem Versuch daraus abschließend ein allgemeines und mögliches Konzept der Semanalyse zu skizzieren; letztlich ist es ein komplexer Weg - von mentalen
Minimalkonzepten über kleinere abstrakte Bedeutungen bis hin zu konkreten lexikalischen Einheiten (und vice versa), den die Semanalyse beschreitet. Abschließend sei erwähnt, dass der Fokus in der hier präsentierten Arbeit auf der semantischen Analyse lexikalischer im Gegensatz zu der grammatischer Einheiten liegt.
2. Die Semanalyse
Der Begriff Semanalyse setzt sich aus den Konstituenten bzw. (Basis-)Morphemen „Sem“ und „Analyse“ zusammen. Sem ist griechisch und heißt übersetzt „Bedeutung“, Analyse kommt von gr. Analysis und bedeutet „Zerlegung“. Die Semanalyse ist also eine ‚Zerlegung’ von bzw. in Seme. Linguistisch betrachtet ist das Sem „die kleinste distinktive, mentale Bedeutungseinheit“ 1 , i.e. das semantische Merkmal. Doch bevor näher auf das Phänomen „Semanalyse“ eingegangen werden kann, muss zuerst geklärt werden, was das „Sem“ als solches kennzeichnet.
1 Blanke (1973, S. 78)
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2.1 Das Sem
Der Begriff beschreibt übertragen das Hauptkriterium bzw. das ‚Substrat’ der Semantik: die Bedeutung.
[Bedeutung entsteht] im Ergebnis der schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen mit der objektiven Realität. Die objektiv existierende Außenwelt wird mit Hilfe verallgemeinernder und abstrahierender Denktätigkeit in Form von Begriffen, Urteilen und Schlussfolgerungerungen 2 . widergespiegelt
Dies verdeutlicht sogleich die implizite Diversität (und die daraus resultierende Kontroverse) der semantischen Analyse; denn wenn allgemein schon unterschiedliche und teils interferierende Formen von Bedeutung (assoziativ, referentiell, affektiv, etymologisch etc.) existieren 3 , sprich wenn der Begriff der Bedeutung bereits ‚polysem’ ist, dann müssen speziell auch für die Semanalyse a priori interne Abgrenzungs- bzw. Klassifizierungsproblematiken gelten.
Ferner sind Bedeutungen „als Bewusstseinselemente gesellschaftlich determiniert und durch semantische Komponenten (Seme) strukturiert“ 4 . Damit wäre hinlänglich erklärt, in welchem grundsätzlichen Verhältnis Bedeutung und Sem stehen. Das Sem selbst oder genauer gesagt die semantische Komponente eines Sprachsystems lässt sich anschließend als
Aufteilung der gesellschaftlich vollzogenen Erkenntnis der objektiven Realität auf Formative, die Fixierung von Erkenntnis als Bedeutung bestimmter Formative und die Regeln zur Kombination dieser somit in Zeichen fixierten Erkenntniseinheiten zu aktuellen interindividuell kommunikablen Abbildern der objektiven Realität 5
definieren.
Vereinfacht heißt das, dass sich in Semen das durchschnittliche gesellschaftliche (Sprach-)Wissen widerspiegelt, also all die Bedeutungen, die im Durchschnitt im mentalen Lexikon gespeichert und von der Mehrheit akzeptiert sind [=konventionalisiert]. Dahinter verbirgt sich ebenso die Finitheit der zerebralen Kapazitäten, welche einer Infinitheit von (möglichen) mentalen Konzepten gegenübersteht. Die evidente kognitive Fähigkeit des Menschen, bei begrenztem Speichervolumen ‚unendlich’ viele (mentale) Konzepte zu
2 Zimmermann (1989, S. 4)
3 Vgl. Blanke (1973, Kapitel 4)
4 Zimmermann (1989, S. 4)
5 Motsch / Kunze (1977, S. 100)
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generieren, lässt zu dem Schluss kommen: Konzepte müssen aus kleineren miteinander kombinierbaren Einheiten bestehen - und die Gesamtbedeutung eines Lexems (als deren konkrete räumlich-zeitliche Realisation) zerlegbar sein.
Für die Linguistik bedeutet dies faktisch, dass ein Sem die Bedeutung eines Wortes konstituiert. Ein Lexem ist demnach als ein Komplex von Semen, als ein sogenanntes Semem zu betrachten. Dieses ist an die Einzelsprache gebunden, wogegen die Seme für sich universell, d.h. sprachunabhängig sind. 6 Allein durch die spezifische Kombination der Seme erhält das Lexem seine distinktive Bedeutung.
Der Inhalt eines Wortes besteht nicht aus isolierten Einzelelementen, sondern aus einem Grundraster von kognitiven Konstanten. Nur die Bündelung oder Kombination von Merkmalen gestattet uns, ein Wort zu definieren […]. 7
Im Saussurschen Sinne ist das Semem folglich das Signifikat, d.h. die (gesamte) Inhaltsseite des sprachlichen Zeichens. Das Sem enspricht quasi en miniature dem Denotat, also der konventionellen Hauptbedeutung oder auch einem Teilaspekt des begrifflichen Inhalts. 8 Hierbei sei bereits erwähnt, dass Seme nicht nur denotativ sein können; unser sprachliches Wissen geht eng einher mit unserem weltlichen Wissen, mit dem „kulturellen Kode“. Manche Begriffe lassen sich nicht kontextunabhängig deuten - weil sie beispielsweise aus dem Bereich der Abstrakta stammen oder diachron betrachtet unterschiedliche Bedeutung haben. So kann also eine ursprüngliche oder primär individuelle Konnotation (=Nebenbedeutung) leicht an die Stelle der Denotation treten. Auch wenn für die lexikalische Semantik die überbzw. interindividuelle, konventionelle Bedeutung signifikant ist, so stellt dies nicht zwingend einen Widerspruch dar zu der Tatsache, dass ein Sem auch konnotativ sein kann. Es bestehtwie dieser Umstand deutlich macht - keine scharfe Grenze auf der Inhaltsebene, was dem Aporisma der semantischen Komponentenanalyse gewissermaßen vorgereift.
Weil die Merkmalkombination gemeinsprachlicher Wörter offen ist, kann ihre Analyse zu keinem vollbefriedigendem Ergebnis führen. Es kann nur versucht werden, einen situationsunabhängigen Komplex von wesentlichen Merkmalen zu finden, aus dem der Sprecher unbewußt die Teilkombination auswählt, die von einer Situation verlangt wird. 9
6 Vgl. Blanke (1973, S. 78)
7 Ders., S. 76
8 Vgl. Motsch / Kunze (1977, S. 100)
9 Blanke (1973, S. 76)
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Eine potentielle Lösung dieses Dilemmas wäre die Klassifizierung in denotative und konnotative Seme. Während erstere auf außersprachliche Entitäten referieren, beschreiben letztere die Einstellung zu ebendiesen, also zum Denotat. Die Tatsache, dass selbst diese Differenzierung der Seme nicht gänzlich unabhängig von einem gewissen Subjektivismus stattfinden kann, zeigt aber auch hier die Logikgrenzen respektive kognitiven Grenzen der intensionalen Bedeutungsbeschreibung, genau genommen der Semanalyse auf. Nachdem nun hinreichend die Aspekte Bedeutung, Sem und des Semem beleuchtet wurden, soll nun die Semanalyse, ihre Geschichte und Vorgehensweise und letztlich ihre Ziele erläutert werden.
2.2 Ursprung und ‚Modus Procedendi’
Die ersten Forschungen der strukturellen oder lexikalischen Semantik lassen sich ausnahmslos auf das Saussuresche Postulat zurückführen, welches besagt, dass in der Sprache nichts von sich aus gegeben sei, sondern alles ein Ergebnis von Oppostionen: eine Dichotomie.
Dieses Prinzip wurde zuerst in der Phonologie realisiert; ein Phonem erlangt seinen Wert demzufolge, weil es in direkter Opposition zu anderen Phonemen steht, von denen es sich mindestens in einem Merkmal unterscheidet. Die Zerlegbarkeit der Phoneme in noch kleinere Einheiten, also eine Art Merkmalshierarchie, ist ein weiteres Phänomen Saussureschen Denkens. Diese beiden Grundsätze wurden schließlich auf den lexikalischen Bereich der Semantik übertragen, woraus die bereits besprochenen semantischen Merkmale hervorgegangen sind. Während in der Phonologie die Merkmale akustisch respektive physikalisch nachweisbar sind, sind die semantischen Merkmale relativ vage - immerhin beruht ihre Wahrnehmung auf Kognition, nicht auf dem (technisch zugänglichen) Bereich der fünf Sinne des Menschen; Wo sozusagen die phonetischen Merkmale physikalischen Gesetzen folgen, sind die semantischen im Rahmen ihrer ‚(neuro-)physiologischen Gebundenheit’ nur begrenzt physisch bzw. physikalisch fassbar. 10 Die Oppositionen der semantischen Merkmale, die es zu deren Aufdeckung bedarf, können in zwei Dimensionen stattfinden: syntagmatisch und paradigmatisch. Analog zu den Minimalpaaren der Phonologie stehen Lexeme in Opposition zu anderen (z.B. Synonyma). Mithilfe derselben Methodik, die zur Bestimmung der Minimalpaare führt, können auch diese analysiert werden und so im gemeinsamen (lexikalischen) Vergleich die distinktiven
10 Pöll (2002, S. 59f.)
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Arbeit zitieren:
Franco Dahms, 2007, Die Semantische Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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