Universit ät St. Gallen Soziologie: Macht, Wissen und Gesellschaft Machttheorie
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Vorstellung ausgewählter Texte 2
2.1 Popitz: Phänomene der Macht 2
2.2 Foucault: Der Wille zum Wissen 4
2.3 Elias: Was ist Soziologie? 5
3. Vergleich der machttheoretischen Perspektiven 7
3.1 Wodurch kommt man an Macht? 7
3.2 Weshalb bleibt eine Machtstruktur erhalten? 8
Literaturverzeichnis 12
Literaturverzeichnis 12
Literaturverzeichnis 12
1. Einleitung
1.
„Wissen ist Macht.“
Dieser Ausspruch ist vom englischen Philosophen Francis Bacon und stammt aus seinem Werk
„Religiöse Betrachtungen“ Wissen, Macht, Religion - passt das zusammen? Ja
Warum dies der Fall ist, zeigt die vorliegende Arbeit unter anderem. Sie befasst sich mit einem
Vergleich der machttheoretischen Perspektiven von Heinrich Popitz, Michel Foucault und Norbert
Elias. Die Arbeit beginnt mit einer Betrachtung von Textausschnitten der drei Autoren und
beantwortet anschliessend die Fragen, wodurch man an Macht kommt und wodurch diese erhalten
bleibt.
bleibt.
bleibt.
bleibt.
bleibt.
Caesar Dreyer 1
Universität St. Gallen Soziologie: Macht, Wissen und Gesellschaft Machttheorie
2. Vorstellung ausgewählter Texte
2.1 Popitz: Phänomene der Macht
In Heinrich Popitz’ Werk „Phänomene der Macht“ werden anhand von drei Beispielen verschiedene Prozesse der Machtbildung untersucht und anschliessend in einen Zusammenhang gebracht. Das besondere an diesen Beispielen ist, dass sich nicht, wie gewöhnlich, viele Individuen gegen wenige durchsetzen, sondern genau andersherum: Minderheiten können ihre eigenen Interessen gegen die der Mehrheit behaupten. Ferner liegt allen Beispielen zugrunde, dass die Beteiligten ihren Aufenthaltsort nicht verlassen können und alle unter den gleichen Voraussetzungen anfangen (Popitz, 2004, S. 187). Erstes Beispiel
Im ersten Beispiel wird der Prozess der Entstehung von Verfügungsgewalten und als dessen Folge, die Ausbildung einer Drei-‐Klassengesellschaft untersucht: Auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es nur ein Drittel so viele Liegestühle wie Passagiere. Weil Belegungssymbole verboten wurden und jeder Passagier seine Liege nur für eine begrenzte Zeit benutzt, reicht die Anzahl der Liegestühle aus. Doch dann kommt eine kleine Anzahl neuer Gäste an Bord des Schiffes und erhebt einen dauerhaften Besitzanspruch auf die Liegen, den sie schliesslich auch durchsetzen kann. Dadurch haben die „Neuen“, die Privilegierten, nun die exklusive Verfügungsgewalt über die Liegestühle (Popitz, 2004, S. 187f.).
Im nächsten Schritt folgt die zeitweilige Vermietung der Liegen an die anderen, die durch einige Wächter kontrolliert wird, die als Ausgleich ihrer Dienstleistung für die Liegestuhlbesitzer ein zeitweiliges Benutzungsrecht erhalten. Somit ist eine dreiteilige Gesellschaft entstanden: die Besitzer, die Wächter und die Nur-‐Besitzlosen (Popitz, 2004, S. 189f.). Dass hier eine Minderheit ihren Willen gegen die Mehrheit durchsetzen und behaupten kann, liegt daran, dass die Wenigen viel organisationsfähiger sind und ihr individuelles und gemeinsames Interesse (Besitz und Verteidigung der Liegen) besser übereinstimmen (Popitz, 2004, S. 191f.). Aus dem Gegenseitigkeitsprinzip, nämlich die Liegestühle in Absprache abwechselnd zu besetzen, resultiert eine gewisse Legitimation (Popitz, 2004, S. 197). Diese herrscht zwar zunächst nur unter den Privilegierten (horizontale Ebene), doch indem die Abhängigkeit der Nicht-‐Privilegierten hergestellt wurde (vertikale Ebene), konnte die Legitimierung der gesamten Ordnung auf Grundlage der exklusiven Verfügungsgewalt über einen begrenzt vorhandenen Gebrauchsgegenstand
herbeigeführt werden (Popitz, 2004, S. 198f.). Wieso diese Machtordnung erhalten blieb, ist Thema des Kapitels 3.3. Caesar Dreyer 2
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Zweites Beispiel
Im zweiten Beispiel gelingt es einer kleinen Gruppe unter vielen Gefangen wegen einer ungewöhnlichen Solidarität zu einander, eine sehr produktive Kooperation aufzubauen. Sie helfen sich gegenseitig und nutzen ihre jeweiligen Spezialisierungen, um einen Herd in ihrem Gefangenenlager zu bauen (Popitz, 2004, S. 201.). Da diese Kochstelle die einzige im Lager war, hatte die kleine Gruppe das Monopol und konnte dadurch Macht durch die Abhängigkeit der übrigen Gefangenen von ihnen aufbauen (Popitz, 2004, S. 202f.). In diesem Beispiel beruht also der Produktivitätsvorsprung, der später in Macht resultiert, auf einer ungewöhnlichen Solidarität. Popitz (2004) behandelt im Anschluss die Frage, wie ein „Abhängigkeitsgefälle im Lager zustande kommt“ (S. 209). Die Antwort ist eine Staffelung der Macht (Popitz, 2004, S. 211-‐215): So ähnlich wie im ersten Beispiel gelingt es der Minderheit, die Mehrheit in verschiedene Gruppen aufzuspalten und somit handlungsunfähiger zu machen, da diese nun ein „Vergesellschaftungsdefizit“ (Popitz, 2004, S. 215) haben. Drittes Beispiel
Anhand des dritten Beispiels werden die Prozesse nach der Entstehung von Machtstrukturen untersucht. In einer Erziehungsanstalt hat der Prozess der Machtstaffelung bereits stattgefunden: Vier Jugendliche bilden in einer Gruppe von 13 Jungen das Machtzentrum, drei weitere fungieren als Hilfstruppe und die restlichen Kinder werden ausgebeutet, indem sie einen Teil ihrer Nahrungsration an das Machtzentrum abliefern müssen. Um die Eintreibung der Nahrung kümmern sich die Helfer, die als Ausgleich dafür selbst einen Teil der Ration der Ausgebeuteten bekommen (Popitz, 2004, S. 216).
Ein Missachten der vom Machtzentrum initiierten Ordnung wird bestraft (Popitz, 2004, S. 217). In diesem Beispiel wird die Legitimation der Machtordnung durch den Ordnungswert, den das System für die Ausgebeuteten und Helfer bedeutet, gebildet (Popitz, 2004, S. 221-‐224). Sie werden zwar unterdrückt, aber die klaren Regeln sind Orientierungspunkte, aus denen sich die Folgen ihrer Handlungen ableiten lassen, was ihnen dadurch eine gewisse Sicherheit für die Zukunft gibt.
Caesar Dreyer 3
Arbeit zitieren:
Caesar Dreyer, 2009, Machttheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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