Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung 2
1 Stay 3
1.1 Allgemeines 3
1.2 Inhalt 3
2 Orientierung und Desorientierung 5
2.1 Raum 5
2.2 Zeit 6
2.3 Perspektive 8
3 Filmische Gestaltungsmittel 9
3.1 Übergänge (Raum und Zeit) 9
3.2 Achsensprünge (Raum) 11
3.3 Zeitdehnung und Zeitraffung (Zeit) 12
3.4 Dutch Angle (Perspektive) 14
3.5 Weitere gestalterische Mittel 16
4 Zusammenfassung 19
5 Literaturverzeichnis 21
6 Medienverzeichnis 22
7 Anhang 23
1
0 Einleitung
Grundlegende Regeln sind beim Autofahren und bei Gesellschaftsspielen unumgänglich - genausowie beim Film. Bei Letzterem beziehen sie sich auf die verschiedensten Aspekte. Beispielsweise muss das Licht gesetzt werden - jedoch nicht nur so, dass der Rezipient erkennt, was sich abspielt. Stattdessen sollte es eine ganz bestimmte Bedeutung haben, z.B. Hinweischarakter. Ähnlich verhält es sich mit den meisten Stilmitteln im Film. Nichts
überlässt der Regisseur dem Zufall. 1 Jedes noch so kleine Detail ist darauf ausgerichtet, beim Zuschauer eine ganz bestimmte Wirkung auslösen. Doch wie lautet das berühmte Sprichwort? „Regeln sind da, um sie zu brechen“. Sachkundige Filmemacher kennen diese Vorgaben und brechen sie bewusst.
Dies tat auch Marc Forster im Film Stay aus dem Jahre 2005. Diese Grundsätze, wie die 180-
Grad-Regel, werden zum Beispiel durch Achsensprünge übergangen. 2 Forster gibt somit viele Rätsel auf, die zum Ende des Filmes teilweise aufgelöst werden. Diese Arbeit soll unter der Fragestellung „Zeit, Raum und Perspektive im fiktionalen Film - Wie desorientiert der Film Stay seine Zuschauer?“ auf filmische Gestaltungsmittel eingehen, die dem Zuschauer die
Orientierung nehmen und einen Ansatz 3 liefern, wie man diese Elemente analysieren und interpretieren kann. 4
Zuerst wird diese Arbeit allgemein in den Film einführen und ihn kurz zusammenfassen. Danach soll theoretisch erläutert werden, wie Orientierung bzw. Desorientierung im Raum geschaffen und wie im Film mit Zeit und Perspektive gearbeitet wird. Im Anschluss werden filmische Gestaltungsmittel, die entweder auffällig oder übermäßig oft verwendet werden, analysiert und an Beispielen erläutert. Letztendlich sollen möglichst alle gewonnenen Ergebnisse zu einem Fazit zusammengefasst werden.
1 Dies wurde beispielhaft am Regisseur Marc Forster und seinem Film Stay festgestellt.
2 Die zu analysierenden Regeln werden im Theorieteil definiert - auch die 180-Grad-Regel und das Brechen mit ihr: Der Achsensprung (Vgl. Beller 1999, S. 10f.).
3 Diese Filmanalyse hat nicht den Umfang, um den gesamten Film zu erklären. Es gibt nicht nur diese eine Interpretation oder Sichtweise, sondern eine Vielzahl, meint auch Marc Forster, der Regisseur von Stay (Vgl. DVD-Booklet 2005, S. 6).
4 Bei der Analyse wird sich grundsätzlich an das Vorgehen von Lothar Mikos gehalten - hier kurz zusammengefasst: Beobachtung, Analyse, Interpretation, Bewertung (Vgl. Mikos 2008, S. 83).
2
1 Stay
1.1 Allgemeines
Der 95-minütige Psychothriller Stay entstand 2005 in den USA wurde am 23. Februar 2006 zum ersten Mal aufgeführt. Der deutsch-schweizerische Regisseur Marc Forster („Wenn Träume fliegen lernen“) arbeitete nach dem Drehbuch von David Benioff („Troja“). Weiterhin waren Roberto Schaefer als Kameramann und Matt Chessé (beide „Ein Quantum Trost“) an
dem Film beteiligt 5 und sind wegen der außergewöhnlichen visuellen Effekte aus dem gesamten Produktionsteam hervorzuheben. Als Hauptdarsteller spielte Ewan McGregor („Die Insel“) den Psychologen Dr. Sam Foster und Ryan Gosling („Wie ein einziger Tag“) seinen Patienten Henry Letham. Naomi Watts („King Kong“) übernimmt die Rolle von Lila
Culpepper, der Freundin des Arztes (Vgl. DVD-Booklet 2005, S. 2 ff.). 6 Bemerkenswert ist außerdem, dass die drei Hauptdarsteller zum ersten Mal gemeinsam an einem Film arbeiteten.
1.2 Inhalt
Ein Auto überschlägt sich und bleibt auf der Straße liegen. Es ist Nacht und Henry Letham (Ryan Gosling), Kunststudent an der Columbia University, sitzt allein neben einem brennenden Auto auf der Fahrbahn der Brooklyn Bridge in New York. Kurz darauf verlässt er den Unfallort (Vgl. Stay 2005, 00:01:38).
Der Beginn des Filmes Stay setzt mit einer Wirklichkeitsebene ein, die man auch als
Handlungsrahmen 7 ansehen kann. Sie wird in knappen Passagen, sogenannten Flashbacks 8 , während des Filmes angedeutet und am Ende fortgeführt. Fast der gesamte Handlungsstrang beschränkt sich jedoch auf eine andere Bewusstseinsebene, welche sich ausschließlich in Henrys Gedanken abspielt. Beide Ebenen sind miteinander verflochten, was teilweise nur durch kurze Ausschnitte vom Unfallhergang angedeutet wird. Dies lässt Raum für mehrere Interpretationsansätze (Vgl. DVD-Booklet 2005, S. 6).
Der Psychiater Dr. Sam Foster (Ewan McGregor) empfängt seinen neuen Patienten Henry, der überrascht ist, nicht seine eigentliche Therapeutin anzutreffen. Er scheint von Sam
5 Erwähnenswert sind sie, da ihre Arbeit einen besonderen Anteil an der desorientierenden Wirkung hat (Vgl. DVD-Booklet 2005, S. 11 f.).
6 Die Verweise auf Filme, in denen die Personen mitgewirkt haben, stammen allesamt von der Filmdatenbank IMDb im Internet (Vgl. The Internet Movie Database 2010, S. 1).
7 Am Ende wird der Strang wieder aufgegriffen und fortgeführt. Es schließt sich sozusagen ein Kreis.
8 Gemeint sind Rückblenden, die als Einschübe in die Narration integriert werden.
3
abgeneigt und verlässt die Praxis, da er vor dem Hagelsturm zu Hause ankommen möchte. Den Psychiater verwirrt diese Aussage, da zu diesem Zeitpunkt die Sonne scheint. Noch am selben Tag werden Lila und Sam von einem plötzlichen Hagelschauer überrascht. Henrys Vorhersage hat sich bewahrheitet, was Sam veranlasst, ihn ab sofort ernst zu nehmen. (Vgl. Stay 2005, 00:09:30).
Beim nächsten Treffen sagt Henry voraus, sich in drei Tagen, am Samstag um Mitternacht, an seinem 21. Geburtstag das Leben nehmen zu wollen. Sam hat bereits seine Freundin Lila vor dem Suizid gerettet und versucht dies nun erneut bei seinem Patienten. Je mehr er sich in das
Vorhaben vertieft, desto mehr verliert er den Bezug zur Realität im weiteren Verlauf: 9 Lila nennt ihn Henry, er hat ein Déjà-vu und trifft Henrys angeblich tote Mutter. Trotz Sams Versuches, Henry davon abzubringen, nimmt sich dieser das Leben auf der Brooklyn Bridge (Vgl. Stay 2005, 01:21:30). Auffällig ist, dass die Schaulustigen am Unfallort allesamt im Film vorkamen.
Am Ende wird deutlich, dass sich die Handlung nur in Henrys Vorstellung, in einer anderen Zeitebene, abgespielt hat. Er hat einen Autounfall, da ihm ein Reifen geplatzt war. Die weiteren Insassen, seine Mutter, sein Vater und seine Freundin sind sofort tot. Nur er liegt noch im Sterben und bezieht alle anwesenden Personen, die ihn umringen, in seine Traumwelt ein.
9 Regisseur Marc Forster zu diesem Punkt: „Sam Foster ist ein Logiker, der versucht, alles zu erklären. Er ist ein Zuschauer, der langsam den Bezug zur Realität verliert. Plötzlich stimmt die Logik einfach nicht mehr.“ (Güßgen 2006, S.1)
4
2 Orientierung und Desorientierung
In diesem Abschnitt soll es nicht um die neurophysiologische Wahrnehmung im Sinne der Naturwissenschaften gehen, sondern um die logische Raumwahrnehmung des Menschen. Dabei werden die zwei wichtigsten Aspekte der Orientierung prägnant erläutert: Die räumliche und zeitliche Orientierung (Vgl. Kerstan 2000, S. 42). Informationen über Raum und Zeit stellen „eine sichere Einführung in Handlungs- und Erlebnisstrukturen dar“ (Kerstan 2000, S. 42). Bekanntes bedarf keiner weiteren Erklärung, Unbekanntes jedoch schon. Entweder werden die neuen Strukturen vorgestellt oder der Zuschauer benötigt ausreichend Zeit, um das ‚Neuland‘ erkunden zu können.
Das Konzept der Kontinuität verweist auf eine Gesamtheit von schlüssigen Elementen. Es baut unter anderem auf die „Einhaltung der Blickachse, [auch] eyeline-match“, (Beller 1999, S. 11) und des 180-Grad-Schemas auf. In den folgenden Abschnitten wird allgemein auf Raum, Zeit und Perspektive und ihren Einfluss auf die Orientierung eingegangen.
2.1 Raum
Zu Beginn jedes Filmes und jeder neuen Szene stellt sich der Zuschauer unbewusst die Frage: „Wo und in welcher Zeit befinde ich mich?“ Diese kann oder sollte vom Film wiederum
beantwortet werden - entweder durch Schrift, Symbole 10 oder auditiv (Vgl. Kerstan 2000, S. 47 f.). Den Ort zu definieren, ist dem Filmemacher in einer weiten Kadrierung 11 möglichmeist in Form einer totalen oder Panorama-Einstellung. 12
Nach Kerstan ist ohne Orientierung kein „begriffliches Wahrnehmen oder Denken“ möglich, egal in welcher Lebenslage (Kerstan 2000, S. 41). Um dem Zuschauer die „Horizontbildung“, wie der Autor das erste Orientieren an einem neuen Ort nennt, zu erleichtern, bedarf es
ausreichend Zeit. 13 Erhält der Rezipient diese Zeit nicht, ist er eventuell verwirrt und orientierungslos. 14 Die nachfolgenden Bilder ergeben möglicherweise keinen Sinn und können dadurch auch keinerlei Dramatik entwickeln (Vgl. Kerstan 2000, S. 42 ff.). Die
10 Unterbewusst erkennt der Rezipient ihm bekannte Symbole und ordnet sie einer Zeit oder einem Ort zu.
11 In der Medienwissenschaft wird in verschiedene Einteilungen unterschieden. Diese kann achtteilig sein: Weite/ Panorama, Totale, Halbtotale, Halbnahe, Amerikanische, Nahe, Große und Detaileinstellung (Vgl. Steinmetz 2009a, S. 21).
12 Nicht immer reicht dies zur Orientierung. Manchmal müssen weitere mittlere Kadrierungen eingefügt werden, um dem Zuschauer über die Zusammenhänge aufzuklären. Oftmals wird das Ende einer Szene oder eines Filmes auch mit einer weiten Einstellung abgeschlossen (Vgl. Kerstan 2000, S. 42 ff.).
13 Was hier ausreichend oder genügend ist, hängt vom Zuschauer ab und wird vom Regisseur festgelegt.
14 Bei allen Wirkungen auf die Zuschauer, die beschrieben werden, handelt es sich um Vermutungen. Darum wird der Konjunktiv verwendet.
5
Arbeit zitieren:
Christian Bach, 2010, Raum, Zeit und Perspektive im fiktionalen Film - Wie desorientiert der Film "Stay" seine Zuschauer?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen: Raum, Zeit und Perspektive im fiktionalen Film - Wie desorientiert der Film "Stay" seine Zuschauer? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Christian Bach gefällt Raum, Zeit und Perspektive im fiktionalen Film - Wie desorientiert der Film "Stay" seine Zuschauer?
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen: neuer Titel erschienen: Raum, Zeit und Perspektive im fiktionalen Film - Wie desorientiert der Film "Stay" seine Zuschauer?
Medien - Macht - Demokratie. Neue Perspektiven
Lothar Bisky, Jürgen Scheele, Konstanze Kriese
Best of the Silver Screen Series: The Academy Awards 2007 (Best Actor)...
Christine Parker, Jane Perry
David Janowski: Artist of the Chess Board
Alexander Chernaiev, Alexander Meynell, Alexander Cherniaev
Neue Perspektiven in der Sozialraumorientierung
Dimensionen - Planung - Gestal...
Ulrich Deinet, Christoph Gilles, Reinhold Knopp
0 Kommentare