Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften
Institut für Erziehungswissenschaft
S: Methoden der Fachberatung Teil2 (SS: 03)
Supervision
Ein Beratungsangebot für Menschen die mit Menschen arbeiten
Eine Hausarbeit von Katrin Malina
Inhalt
Was ist Supervision? 2
Ziele der Supervision. 4
Methoden und Interventionsformen 5
Organisationsformen (Settings) 10
Supervisionsprozess 16
Erfahrungsbericht einer Sozialarbeiterin 22
Literatur 25
Was ist Supervision?
Wenn sich Menschen in organisierter Form zusammenfinden, beispielsweise im Beruf, kann
es zu Spannungen oder Konflikten kommen. Diese Spannungen und Konflikte führen oft zu
verhängnisvollen psychischen Folgen für den Einzelnen und entsprechend negativen
Auswirkungen auf das Arbeitsergebnis.
Seit langem werden deshalb in unterschiedlichen Bereichen (in der Wirtschaft, Verwaltung,
im Gesundheits- und Sozialwesen, im Sport) verschieden Formen der psychosozialen
Unterst ützung, Begleitung und Reflexion von Arbeitsprozessen eingesetzt.
Eine Form ist die Supervision, die das Ziel verfolgt, die Beziehungen der Menschen in und
bei der Arbeit zu verbessern (vgl. Nando Belardi)
Bei meiner Internetrecherche, habe ich viele Definitionen zur Supervision gefunden.
Am eindeutigsten und verständlichsten fand ich die Erklärung auf der Homepage der
Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSV)
Im folgenden die wichtigsten Erklärungen:
- Supervision ist eine Beratungsmethode, die zur Sicherung und Verbesserung der Qualität
beruflicher Arbeit eingesetzt wird.
- Supervision bezieht sich dabei auf psychische, soziale und institutionelle Faktoren. Sie
setzt sich konstruktiv mit Erlebnissen, Problemen, Konflikten und Fragen aus dem
beruflichen Alltag auseinander.
- Supervision unterstützt die Entwicklung von individuellen Problemlösungskonzepten, bei
der Begleitung von Strukturveränderungen und die Entwicklung der Berufsrolle.
2
- Supervision bietet Chancen zur emotionalen Entlastung des Einzelnen, zur Erhöhung der Arbeitszufriedenheit im Team, zur Personalentwicklung der gesamten Organisation - und somit zu einer Effizienzsteigerung von Arbeit.
- Supervision arbeitet selbstreflexiv, sie instruiert oder schult nicht, sondern fördert das Lernen von Einzelpersonen, Gruppen, Teams und Organisationen.
- Supervision verläuft dabei in einer interaktiven Suchbewegung von Supervisor/in und Supervisand/innen.
- Supervision stammt aus der Tradition sozialer Arbeit und hat hier ein wichtiges Betätigungsfeld. Sie basiert auf Kenntnissen und Theorien aus Psychologie, Soziologie, Sozialarbeit und Kommunikationswissenschaften.
- Supervision reflektiert im beruflichen Alltag den Zusammenhang zwischen Person, beruflicher Rolle, Organisationen und Klientel. Weitere Definitionen:
„Supervision ist eine Methode zur Reflexion beruflichen Handeln und Erlebens. Denn neben der fachlichen Kompetenz müssen persönliche Fähigkeiten im ständigen Umgang mit Belastungssituationen und institutionellen Rahmenbedingungen entwickelt werden, die den arbeitsspezifischen Anforderungen gerecht werden. Supervision hat sich im sozialen Bereich etabliert und bietet damit Angehörigen beratender, therapeutischer, medizinischer, pflegerischer, sozialer und pädagogischer Berufe eine Möglichkeit, selbst beruflich handlungsfähig und zufrieden zu bleiben und gleichzeitig den anvertrauten Menschen gerecht zu werden.“ (www.dialograum.de) „Supervision ist eine Form berufsbezogener Beratung. Sie hat zum Gegenstand Szenen, Probleme, Konflikte aus ihrem beruflichen Alltag. Diese werden reflektiert vor dem Hintergrund von und der Dynamik zwischen
Supervision (supervidere = von ober herab überblicken) bedeutet, die Übersicht zu gewinnen. In der beruflichen Praxis versteht man allgemein die Supervision als Beratung und Reflexion von arbeitsbezogenen Problemstellungen.
Supervision ist ein professioneller Standard für Menschen, die mit Menschen arbeiten, ob in sozialen Berufsfeldern oder zum Beispiel im Personalbereich von Unternehmen. Oft versteckte Potentiale werden in der Supervision wieder nutzbar gemacht, was die Arbeitszufriedenheit wesentlich erhöht. Die Kommunikation verbessert sich, die Arbeitsatmosphäre wird wieder entlastend und die fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen werden wieder gefördert.
Während sich Beratung als „zielgerichtete Suche nach der Lösung eines bereits benannten Problems“ versteht, ist Supervision eine „zeitlich begrenzte fachliche Auseinandersetzung über die praktische Arbeit“ (Pallasch/Mutzeck/Reimers, S.10).
Ebenso wie die Beratung und das Training, orientiert sich die Supervision an den Prinzipien der humanistischen Psychologie. (www.berns-consulting.de)
Ziele der Supervision
Die drei Ziele von Supervision sind durch die Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V. wie folgt beschrieben:
1. Aktuelle Konfliktlagen am Arbeitsplatz, vor allem in Kommunikations- und Kooperationsbereich zwischen MitarbeiterInnen, ihren Klienten, Kunden und Vorgesetzten zu bearbeiten
2. Organisationen und Unternehmen besser in die Lage zu versetzen, die ihnen gesetzten Aufgaben zu erledigen und ihre eigentlichen Zielsetzungen zu erfüllen
3. MitarbeiterInnen sowie Führungskräfte im Sinne der Weiterbildung beruflich zu qualifizieren
Auf der Seite www.home.t-online.de findet man folgende Zielstellungen der Supervision:
4
1. Ziel von Supervision ist die Professionalisierung des beruflichen Handelns und die Bewältigung von Belastungen im Zusammenhang mit dem beruflichen Alltag. Als Erkennens-, Lern- und Verstehensprozess vermittelt sie neue Handlungsperspektiven und Initiative in schwierigen Situationen. Konflikte und Disziplinarprobleme können exemplarisch gelöst oder ganz vermieden werden ( (Schlee/Mutzeck, S.12-15)
2. Neben dem Training professionellen Verhaltens geht es auch um Persönlichkeitsentwicklung: die Findung und Akzeptanz der eigenen Rolle, die Entwicklung eigener Stärke und Durchsetzungskraft oder die Bearbeitung von überhöhten Ansprüchen (Lorent/Czarnecki, S.33).
3. Zweck von Supervision ist die Ausbildung von Persönlichkeit und professionellem Verhalten, jedoch nicht die Anpassung aller Beteiligten an bestehende Strukturen. Ziel ist es, auch eine Veränderung in Organisationsformen und Verhältnissen und damit eine Verbesserung von Arbeitsklima und Schulkultur zu erreichen (Schlee/Mutzeck, S.13).
Zusammenfassend würde ich sagen, Ziel der Supervision ist in erster Linie die Bearbeitung der beruflichen Probleme. Besonders der Bereich der Kommunikation und Kooperation wird hier angesprochen. Wo Menschen mit Menschen arbeiten, treten häufig Konflikte unterschiedlicher Art auf (z.B. Konkurrenz, Schwierigkeiten mit Klienten...). Die Supervision nimmt diese Probleme auf und versucht sie zu beseitigen oder zumindest zu verringern. Die Ziele für einen konkreten Supervisionsprozess werden dann mit den Supervisanden je nach Anlass für die Supervision ausgearbeitet.
Methoden und Interventionsformen
Ähnlich wie bei den Therapien gibt es auch bei der Supervision verschiedene psychologische Methoden und Modelle als Grundlage.
Im folgenden werde ich auf einige psychologische Basismethoden und Modelle näher eingehen.
Psychodramatische Supervision (www.ressourcen.at)
Unter der Leitung des Supervisors und mit Unterstützung der Gruppe werden verschiedene Alltagsszenen inszeniert, erfahren und untersucht, die sich in der Vergangenheit für den
5
Supervisanden auf einengende Art und Weise verfestigt haben. Sie werden damit für den Supervisor und die Gruppenmitglieder nachvollziehbar. Durch das Spiel werden bisher gebundene Kräfte der Phantasie, Imagination und Kreativität freigesetzt. Der Raum und die Bewegung sind wesentliche Elemente des Psychodramas. Diese supervisorische Arbeit im Raum und in Bewegung ermöglicht Wahrnehmung, bevor der Verstand das Erlebte analysiert und in Bekanntes einordnet. Die Bewegung des Supervisanden setzt soviel Aktivität bei den Einzelnen und in der Gruppe in Gang, dass die Verantwortung des Supervisanden gegenüber dem Prozess zunimmt. In der psychodramatischen Supervision gibt es verschiedene Techniken. Im folgenden werde ich kurz einige vorstellen (vgl. Elisabeth Tiebel „Das Psychodrama in der integrativen Supervision, S.23-24): Das Spiegeln
Beim Spiegeln erhält der Supervisand Gelegenheit, sein eigenes Rollenverhalten zu beobachten. Diese Arbeitsform findet Anwendung, wenn Supervisanden die Wirkung ihres Handelns auf ihre Interaktionspartner erkunden und gegebenenfalls verändern wollen. Durch Spiegeln gelingt es, Supervisanden aus einer exzentrischen Position heraus ihr Handeln untersuchen zu lassen. Die Wirkung des eigenen Handelns wird transparent. Das Spiegeln ist eine sehr starke Feedbackübung mit hohen konfrontativen Charakter. Sie sollte daher nur in Gruppen mit sehr vertrauensvollen Beziehungen angewandt werden. Der Rollentausch
Der Supervisand übernimmt im Spiel die Rollen seiner Interaktionspartner. Er erlebt die Wirkung seines Handels aus deren Sicht. Er kann die eigenen Muster aus der exzentrischen Position besser wahrnehmen. Der Rollentausch führt oft zu einer spontanen Veränderung von Deutungs- und Handlungsmustern. Der Rollenwechsel
Einzelne Rollen werden von den Gruppenmitgliedern verkörpert. Rollenwechsel ist immer dann sinnvoll, wenn sich Supervisanden mit unterschiedlichen Rollensegmenten auseinandersetzen wollen oder wenn es zu internen oder externen Rollenkonflikten kommt. Durch den Rollenwechsel ergeben meistens schon spontane Umstrukturierungen, da die unterschiedlichen Rollen zueinander in Beziehung gesetzt oder voneinander abgegrenzt werden.
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Arbeit zitieren:
Katrin Malina M.A., 2003, Supervision - Ein Beratungsangebot für Menschen die mit Menschen arbeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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