Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Der ethnophilosophische Ansatz 4
2.1 Placide Tempels: Bantu-Philosophie 4
2.1.1 Allgemeines über das Werk. 4
2.1.2 Lebenskraft als zentraler Wert der Bantu-Philosophie. 5
2.1.3 Die Ontologie der Bantu 5
2.2 Rezeption des ethnophilosophischen Ansatzes nach Tempels 7
3. Der universalistische Ansatz 8
3.1 Paulin J. Hountondi: Afrikanische Philosophie. Mythos und Realität 8
3.1.1 Allgemeines über das Werk. 8
3.1.2 Die Frage nach der Existenz afrikanischer Philosophie. 9
3.1.3 Die Rolle der afrikanischen Philosophen 10
3.1.4 Philosophie als Geschichte. 11
3.2 Kwasi Wiredu: Philosophy and an African Culture. 12
3.2.1 Allgemeines über das Werk. 12
3.2.2 Traditionelle Philosophie vs. moderne Philosophie 13
3.3 Rezeption des universalistischen Ansatzes nach Hountondji und Wiredu. 14
4. Schlussbetrachtung. 16
5. Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung
Afrikanische Philosophie oder Philosophie in Afrika? Es gibt wohl keine Frage, die die Diskussion um die afrikanische Philosophie der Gegenwart so entscheidend geprägt hat wie diese. Im Zentrum dieser Frage steht dabei der Philosophiebegriff selbst. Dieser kann entweder als kulturgebunden oder aber als kulturunabhängig, d.h. universal verstanden werden. Der afrikanische Philosoph Paulin Jidenu Hountdonji fasst die Problematik folgendermaßen zusammen:
Was ist Philosophie oder genauer, was ist afrikanische Philosophie? Das Problem lautet, ob durch das Hinzufügen des Wortes „afrikanisch“ die habituelle Bedeutung des Begriffes „Philosophie“ beibehalten bleibt oder ob es durch eine einfache Hinzufügung eines Adjektivs notwendigerweise zu einer Änderung der Bedeutung des Substantivs kommt. Was zur Disposition steht, ist die Universalität des Begriffes „Philosophie“ jenseits seiner möglichen geographischen Applikationen. 1
Kulturgebundenheit und Universalität des Philosophiebegriffs scheinen also unvereinbar einander gegenüberzustehen - zumindest dann, wenn es um den afrikanischen Kontinent geht.
Aufgabe dieser wissenschaftlichen Arbeit soll es sein, den Konflikt zwischen den beiden konkurrierenden Grundpositionen darzustellen und miteinander zu vergleichen. Dabei soll zunächst auf den belgischen Missionar Placide Tempels eingegangen werden, der mit seinem 1946 publizierten Werk Bantu-Philosophie den Grundstein für die sogenannte Ethnophilosophie gelegt hat und damit als Vertreter des kulturgebundenen Ansatzes gesehen werden kann. Darauf folgt eine Analyse des universalistischen Ansatzes, vertreten durch den wohl schärfsten Kritiker der Ethnophilosophie: Paulin J. Hountondji. Als zusätzlichen Repräsentanten des universalistischen Ansatzes soll der afrikanische Philosoph Kwasi Wiredu mit seinem Werk Philosophy and an African Culture vorgestellt werden. Den Schlussteil der Arbeit bildet eine kritische Gegenüberstellung der beiden Ansätze.
1 Hountdondji, Paulin J.: Afrikanische Philosophie. Mythos und Realität. Hrsg. von Gerd-Rüdiger Hoffmann. Berlin: Dietz Verl. 1993. S. 55.
3
2. Der ethnophilosophische Ansatz
2.1 Placide Tempels: Bantu-Philosophie
2.1.1 Allgemeines über das Werk
Der erste systematische Versuch, das traditionelle Denken in Afrika unter einem philosophischen Blickwinkel zu betrachten, wurde von der sogenannten Ethnophilosophie unternommen. Gerd-Rüdiger Hoffmann und Christian Neugebauer definieren diesen Begriff wie folgt:
Wir bezeichnen als Ethnophilosophie all jene idealistischen Strömungen, die sich mit der Rekonstruktion einer sogenannten traditionellen afrikanischen Philosophie aus Sprichwörtern, Grammatiken und/oder sozialen Institutionen beschäftigen und bei den Afrikanern […] eine kollektive und un-wandelbare „Philosophie“ annehmen. Wesentlicher Bezugspunkt und Resultat sind die traditionellen afrikanischen Werte und die traditionelle afrikanische Gesellschaft, beides empirisch kaum überprüfbar. 2
Als Basiswerk der Ethnophilosophie gilt gemeinhin die von dem belgischen Franziskanerpater Placide Tempels im Jahre 1946 veröffentlichte Bantu-Philosophie 3 . Tempels, geboren am 18.02.1906, war im Jahre 1933 als Missionar in die Kolonie Belgisch-Kongo, genauer gesagt an den Mweru See gegangen, um die dort lebenden Bantu zum katholischen Glauben zu bekehren. Zwischen 1933 und 1940 versuchte er dann das Denken der Bantu anhand ihrer Sprache, Sprichwörter und Gebräuche als Philosophie zu rekonstruieren. 4 Diese Philosophie soll im Folgenden näher bestimmt werden.
Ausgangspunkt von Tempels Werk ist die Erkenntnis, dass die verschiedenen traditionellen Gebräuche und Praktiken der Bantu, die man lange Zeit mit den Begriffen Manismus (Totenkult), Animismus (Glaube an Geister und Seelen in Menschen), Mythologie oder Totemismus (menschliche Beziehung zu Tieren und
2 Hoffmann, Gerd-Rüdiger/ Neugebauer, Christian: Ethnophilosophie = afrikanische Philosophie? Bemerkungen wider den Zeitgeist. In: Hountondji, Paulin J. : Afrikanische Philosophie. Mythos und Realität. Hrsg. von Gerd-Rüdiger Hoffmann. Berlin: Dietz Verl. 1993. S. 219-240. S. 223.
3 Belgische Originalversion: Bantoe-Filosofie. Antwerpen: de Sikkel 1946.
4 Vgl. Hoffmann, Gerd-Rüdiger/ Neugebauer, Christian: Ethnophilosophie = afrikanische Philosophie? S. 223.
4
Pflanzen) bezeichnet hatte, „durch eine und dieselbe Philosophie logisch verbunden und gerechtfertigt [sind]: nämlich durch die Bantu-Ontologie“ 5 . Tempels ist sich also sicher, dass es eine traditionelle Bantu-Philosophie gibt, wobei diese die Form einer Ontologie, d.h. einer allgemeinen Seinslehre annimmt. Bevor näher auf diese Seinslehre eingegangen wird, soll der zentrale Wert der Bantu-Philosophie erläutert werden: die Lebenskraft.
2.1.2 Lebenskraft als zentraler Wert der Bantu-Philosophie
Durch die Untersuchung der Sprache der Bantu hat Tempels herausgefunden, dass viele Wörter und Redewendungen die Bedeutung ‚Kraft’, ‚kraftvoll leben’ oder ‚Lebenskraft’ tragen. Dabei ist nicht immer die körperliche Kraft gemeint, sondern vielmehr eine „vollständig menschliche“ 6 . Die Bantu sprechen von der Kraft des ganzen Seins, des ganzen Lebens. So sind alle Gebräuche und Lebenspraktiken der Bantu darauf ausgerichtet, Lebenskraft und Lebensstärke zu bekommen. Zur Verdeutlichung dieser Lebensauffassung soll ein kurzes Beispiel gegeben werden: der bwanga ist bei den Bantu ein magisches Mittel zur Heilung von Verletzungen. Es muss dabei aber nicht unbedingt auf die Wunde selbst aufgetragen werden, denn es hat keine direkte therapeutische Wirkung. Stattdessen heilt bwanga den Kranken, indem es die Lebenskraft und das Sein selbst stärkt. 7 An diesem Beispiel lässt sich gut erkennen, dass „das höchste, das einzige Glück für den Bantu ist, eine große Lebenskraft zu besitzen, stark zu sein. Das größte und einzige Unglück ist, in seiner Lebenskraft, seiner Lebensstärke geschwächt zu sein“ 8 .
2.1.3 Die Ontologie der Bantu
Tempels Hauptthese über die Bantu-Philosophie ist, dass die Ontologie der Bantu durch den Grundsatz ‚Sein = Kraft’ ausgezeichnet ist. Hier liegt für Tempels der größte Unterschied zur abendländisch-christlichen Philosophie. Die westliche Philosophie, so Temples, baut auf einen statischen Seinsbegriff auf, d.h. der Begriff
5 Tempels, Placide: Bantu-Philosophie. Ontologie und Ethik. Heidelberg: Wolfgang Rothe Verlag 1956. S. 17.
6 Tempels, Placide: Bantu-Philosophie. S. 22.
7 Ebd.
8 Tempels, Placide: Bantu-Philosophie. S. 23.
5
Arbeit zitieren:
Imke Meyer, 2009, Afrikanische Philosophie oder Philosophie in Afrika?, München, GRIN Verlag GmbH
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