Einleitung
Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit der Analyse der Zeitschrift für Pädagogik (im folgenden ZfPäd genannt).
Das Thema der Hausarbeit ist zweigeteilt. Zunächst soll anhand verschiedener Daten ein allgemeines Profil der ZfPäd erstellt werden. Hierzu gehört sowohl Rohmaterial (wie etwa Gründerzeit, Gründerväter, Auflage, thematische Fokussierung, inhaltliche Tendenzen u.ä.) als auch Beiträge der pädagogischen Fachliteratur, die sich mit der Bedeutung von Zeitschriften der Pädagogik auseinandersetzen.
Die Erstellung des Profils dient der Einordnung der ZfPäd innerhalb des Dschungels an pädagogischen Fachzeitschriften.
In einem zweiten Schritt geht es darum, das Thema „Didaktik“ und deren Entwicklung im Spiegel des erörterten Profils zu untersuchen. Die Frage, wie die ZfPäd das Thema behandelt, steht hier im Vordergrund. Ziel der Untersuchung ist eine Vertiefung und Präzisierung des im ersten Teil der Arbeit erstellten formalen Profils.
Es stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Einerseits soll eine empirische Analyse Aufschluss über die Verteilung der didaktischen Beiträge über die Jahrgänge hinweg geben. Durch Bildung von inhaltlichen Kategorien sollen eventuelle Schwerpunkte offensichtlich werden. So interessiert z.B. zunächst die Frage nach der allgemeinen Verteilung aller didaktischer Beiträge (untersucht wurden die Jahrgänge von 1955-2000). Durch Bildung weiterer Klassifikationen können Angaben im Anschluss präzisiert werden (z.B. Wie oft wurde das Thema historisch, diskursiv, forschend usw. behandelt?). Neben der empirischer Auswertung kommt es abschließend zu einer inhaltsanalytischen 1 Analyse von didaktischen Texten bedeutsamer Jahrgänge. Ein Fazit fasst die Ergebnisse überschaubar zusammen.
1 vgl. Mayring, 1999, 91-98
2
1 PÄDAGOGISCHE FACHZEITSCHRIFTEN
Zu Beginn stellt sich die Frage, was unter einer Zeitschrift zu verstehen ist. Eickhorst fasst hierunter all jene schriftlichen Veröffentlichungen zusammen, die in regelmäßigen Abständen unter gleichem Titel erscheinen. Als Pädagogische Periodika werden Zeitschriften begriffen, die die Pädagogik betreffende Themen zum Gegenstand haben und darüber hinaus auch solche, die eine pädagogische Intention aufweisen (wie z.B. Jugend- und Kinderzeitschriften). 2 Der Ursprung der Entstehung pädagogischer Zeitschriften führt zurück in das Zeitalter der Aufklärung. Der Glaube an die menschliche Vernunft und die Abwendung von religiösen Deutungsmustern ermöglicht ein säkularisiertes Weltbild 3 . Der Nutzen von Wissen wird betont, es soll zugänglich gemacht und flächendeckend verbreitet werden. Als erste explizit pädagogische Zeitschrift gilt die 1741 erschienene „Acta Scholastica“. Es folgen - bedingt durch die Lehre Rousseaus und den Philantropismus - weitere Periodika. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gibt es bereits mehr als 109 verschiedene pädagogische Zeitschriften. 4 Meist geht es um Modernisierungstheorien des Unterrichts und - damit einhergehend - Beiträge zur Lehrerbildung. Zu den wichtigen Erscheinungen gehören Pestalozzis „Wochenschrift für Menschenbildung“ (1807-1811) und Diesterwegs „Rheinische Blätter“ (1824). Seit 1900 ist die Volksschulbewegung sehr stark vertreten und seit dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts die Reformpädagogik. So gilt das „Pädagogische Zentralblatt“ (1919) und die Zeitschrift „Die Erziehung“ (1926-1943, gegründet von Fischer, Nohl, Spranger und Litt) als bedeutende Organe der Reformpädagogik. Die ZfPäd wiederum, das zeigt sich später, steht in Tradition zur letzteren. 5
2 Eickhorst, 2001, 91
3 vgl Blankertz, 1982, 21ff.
4 Eickhorst, 2001, 92
5 ebd.
3
1.1 Die Zeitschrift für Pädagogik
Die Zeitschrift für Pädagogik erschien erstmals 1955. Die damaligen Gründerväter waren Otto F. Bollnow (1901-1991, Professor für Pädagogik an der Universität Tübingen) 6 , Josef Dolch (1899-1971, Professor für Pädagogik an der Universität Saarbrücken) 7 , Wilhelm Flitner (1889-1990, Professor für Pädagogik an der Universität Hamburg) 8 , Erich Weniger (1894-1961, Professor für Pädagogik an der Universität Göttingen) 9 sowie Fritz Blättner (Professor für Pädagogik und Psychologie an der Universität Kiel) 10 .
Die Zeitschrift erschien damals vierteljährlich. Derzeit erscheint die ZfPäd alle zwei Monate im Julius Beltz Verlag Weinheim und erreicht eine Auflage von 3000 Stück. Der Umfang pro Heft beträgt ca. 150 Seiten; das Layout wirkt spartanisch und ist auf den Textkörper begrenzt. Bilder und Grafiken fehlen, lediglich empirische Daten werden tabellarisch festgehalten. Im Internet finden sich einige der o.a. Angaben zur Zeitschrift unter:
www.beltz.de/html/frm_Zfpaed.htm (Stand: November 2001).
1.2 Inhaltliche Tendenzen der ZfPäd
Nach Sichtung sämtlicher Exemplare (Jahrgänge 1955-2000) sind erste formale Angaben bezüglich Aufbau und Inhalt möglich. So weist jede Ausgabe einen thematischen Schwerpunkt auf, der bereits im Inhaltsverzeichnis steht. Hierdurch wird dem Leser eine zu umfangreiche Recherche erspart und er kann die Jahrgänge gezielt nach Themen durchsuchen. Weiterhin erfolgt eine Unterteilung der Beiträge in verschiedene Kategorien. Sie werden im folgenden kurz wiedergegeben:
(1) Beiträge zum Thema (Bezugpunkt ist das o.a. Titelthema)
(2) Allgemeine Pädagogische Abhandlungen (3) Diskussionen und Berichte
(4) Buchbesprechungen ( bezogen auf neue pädagogische Fachliteratur) (5) Jährliche Auflistung aktueller Dissertationen und Habilitationen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz im Bereich Pädagogik
6 Schaub und Zenke, 1999, 380
7 ebd.
8 ebd., 381
9 ebd., 389
10 Böhm, 2000, 87f
4
Diese Kategorien haben sich im Laufe der Zeit entwickelt. Die ersten Jahrgänge waren lediglich unterteilt in die Bereiche „Erziehungswissenschaft“ und „Lehrerbildung“. Ab dem Jahrgang 1962 wurde die Trennung jedoch aufgelöst „...und die Thematik erweitert.“ 11 Neben den obligatorischen Erscheinungen gab es etliche Beihefte, die ein Spezialthema intensiv behandelten (so etwa das zweite Beiheft 1960 mit dem Thema „Das Problem der Didaktik“). Diese werden in der Auswertung allerdings nicht berücksichtigt.
Inhaltlich durchläuft die ZfPäd im Laufe ihrer Geschichte einen Wandel. Hierauf verweist Preissler: „Die Zs. setzt die Aufgaben und Ziele der Monatsschrift `Die Erziehung´ fort...“ 12 Es wurde oben bereits darauf hingewiesen, dass „Die Erziehung“ ein wichtiges Organ der Reformpädagogik war. So sind in den Gründerjahren v.a. die „Beiträge zur Lehrerbildung“ sehr stark vertreten, ebenso das Thema „Schul- und Unterrichtsreform“ (um nur zwei Bereiche der Reformpädagogik zu nennen).
Mit der Erweiterung an inhaltlichen Kategorien (s.o.) jedoch kann folgende Tendenz bis heute beobachtet werden: Allgemein stehen die Begriffe „Pädagogische Geschichte“ und „Pädagogik als Wissenschaft“ im Vordergrund. Um sie herum formieren sich Beiträge aus den Bereichen „Erziehung“, „Bildung“ und „Lernen“. Um diese wiederum zirkulieren Abhandlungen aus verschiedenen pädagogischen Gebieten („Kindheit/Jungend“, „Geschlechterforschung“, „Schule“, „Internationale Pädagogik“ usw.) wobei Kernbegriffe in interdisziplinären, praxisnahen und exemplarischen Kontexten erörtert werden (Psychologie, Soziologie, Politik, Geschichte usw.). Diese Angaben beruhen methodisch darauf, dass sämtliche Überschriften der ZfPäd gelesen wurden.
Ein kurzer Blick auf die Herausgeber verweist darauf, dass die ZfPäd als erziehungswissenschaftliches Organ zu verstehen ist, das um einen theoretischen Überbau der Pädagogik bemüht ist. So schreibt Böhm über Flitner: „...Flitner hat sich immer wieder um die Klärung des Wissenschaftscharakters der Pädagogik bemüht...“ 13 . An anderer Stelle heißt es über Erich Weniger: „ Von der Jugendbewegung und seinem Lehrer Nohl angeregt, suchte er nach einer Pädagogik als eigenständiger Theorie der immer schon vorgängigen Erziehungspraxis.“ 14
11 Preissler, 1966, 11 und Eickhorst, 2001, 94
12 ebd.
13 Böhm, 2000, 176f.
14 ebd., 569f.
5
Zudem gehörten Weniger und Flitner zu den Vertretern und Entwicklern der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, ebenso wie Herwig Blankertz und Wolfgang Klafki, die später auch zu den Herausgebern zählten.
1.3 Zusammenfassung
Es lässt sich im Zwischenergebnis folgendes Profil der ZfPäd definieren:
Der reformpädagogische Schwerpunkt früherer Jahre ist offensichtlich einem Wandel unterlaufen.
Preissler charakterisiert die ZfPäd bereits 1966 als „...Organ einer weltanschaulich unabhän-Forschung.“ 15 gigen pädagogischen Hierdurch wird das allgemeinerziehungswissenschaftliche Profil der Zeitschrift unterstrichen. Auch Eickhorst unternimmt eine Klassifizierung der ZfPäd. Demnach ist sie in den „Gesamtbereich der Erziehungswissenschaft“ 16 einzuordnen womit scharf abgegrenzt wird von Periodika, die sich mit speziellen Teildisziplinen der Pädagogik auseinandersetzen.
Aufgrund dessen zielt die ZfPäd v.a. auf wissenschaftlich arbeitende Pädagogen, Studenten, Dozenten und allgemein fachlich Interessierte. Sie bietet v.a. Überblicke und nimmt Stellung zu allen pädagogischen Strömungen der jeweiligen Zeit. Beispielhaft kann man die Beiträge zur „Curriculumdiskussion“ anführen, die von Anfang bis Mitte der 70er Jahre sehr stark vertreten sind.
Die ZfPäd hat also allgemein-erziehungswissenschaftlichen Charakter und dient als Orientierung und primäre Informationsquelle für pädagogisch Interessierte. Wer hingegen ein Thema tiefergehend untersuchen möchte oder an speziellen Gesichtspunkten interessiert ist, wird auf pädagogische Zeitschriften zurückgreifen, die Teildisziplinen der Pädagogik gezielt erörtern.
15 Preissler, 1966, 11
16 Eickhorst, 2001, 93
6
2 DIDAKTISCHE BEITRÄGE DER ZFPÄD IM SPIEGEL EMPIRISCHER AUSWERTUNGEN
Das folgende Kapitel befasst sich mit der empirischen Auswertung von didaktischen Beiträgen in der ZfPäd.
Es geht nicht darum, welche didaktischen Erkenntnisse gewonnen werden, sondern lediglich darum, zu klären, auf welche Art und Weise die ZfPäd das Thema Didaktik behandelt. Insofern dient dass Thema „Didaktik“ als Mittel zum Zweck, d.h. es soll ermöglicht werden, an-hand des Themas das Profil der ZfPäd inhaltlich zu präzisieren. Zur Begründung der Themenwahl: Sowohl Erich Weniger als auch die nachfolgenden Herausgeber der ZfPäd Wolfgang Klafki und Herwig Blankertz spielen zentrale Rollen im Bereich der Didaktik 17 , so dass davon auszugehen ist, dass das Thema in der ZfPäd behandelt wird.
2.1 Wann ist ein Bericht ein „didaktischer Beitrag“?
Die Wahl der Beiträge, die sich mit Didaktik befassen führt zu einem ersten Problem. Zunächst stellt sich die Frage nach einer Definition des Begriffs.
Die in den Bereich der Didaktik einführende pädagogische Fachliteratur verweist darauf, dass Didaktik sowohl die Theorie vom Lernen als auch vom Lehren ist 18 . Allgemein kann man sagen, dass „... Didaktik als Theorie und Lehre des Lernens schlechthin begriffen...“ wird, die „... sich mit allen Lern- und Lehrerscheinungen befasst...“. 19
Diese Bestimmung hat zur Folge, dass sämtliche Prozesse, die mit Lernen und Lehren zu tun haben, im weiteren Sinne auch die „Didaktik“ tangieren. Und zwar völlig unabhängig davon, ob die Begriffe „Lehren“ und „Lernen“ im schulischen Kontext gebraucht werden. Die ZfPäd wiederum befasst sich weitgehend mit den Begriffen Lernen, Bildung und Erziehung (s.o.) und somit (zumindest implizit) mit Didaktik.
Daher ist es entscheidend, dass für die folgende Auswertung ein Indikator gefunden wird, der verdeutlicht, wann ein Beitrag explizit didaktischer Natur ist und wann nicht. Wir haben uns aus dazu entschlossen, folgende Definition eines „didaktischen Beitrages“ vorzunehmen:
17 vgl. Peterßen, 2001, 749
18 vgl. Gudjons, 1997, 235
19 Peterßen, 2001, 743
7
Arbeit zitieren:
Christian Hermes, Marc Sauer, 2002, Didaktische Beiträge im Spiegel der Zeitschrift für Pädagogik. Eine empirische und inhaltsanalytische Untersuchung zur Klärung des Profils der ZfPäd, München, GRIN Verlag GmbH
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