Universität Potsdam WS 2002/2003
Bereich: Allgemeine Pädagogik Seminar: Sokratische Methode im 18. Jahrhundert
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Diesterweg und die Methode des Sokrates
Diesterweg und die Methode des Sokrates
Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg lebte im Zeitraum 1790 bis 1866. Er erarbeitete sich die Anerkennung zu einem der bedeutendsten bürgerlichen deutschen Schulpolitiker, Pädagogen und Lehrerbildner in der Mitte des 19. Jh. .Er wuchs in einer einfachen, bürgerlichen Familie auf, woraus sich später vielleicht seine Zielstellungen in der Bildungspolitik entwickelten. Doch zuvor besuchte er die Lateinschule, wo er einen trockenen, mechanischen Unterricht erfuhr. Einen Unterricht in dem sich die Wissbegierde bei den Schülern durch geistloses Memorieren trübte. Später studierte er an den Universitäten Heidelberg, Herborn und Tübingen Mathematik und Physik.
Durch den Einfluss des Bruders wurde er bewogen sich dem Beruf des Erziehers zuzuwenden. Nach beginnender Tätigkeit als Hauslehrer wurde er zunächst Gymnasiallehrer in Worms. Ab 1813 arbeitete er Mathematiklehrer in einer Frankfurter Musterschule. In Elberfeld an der Lateinschule wurde er als 2.Rektor ab 1818, eingesetzt. In den folgenden 27 Jahren bis zu seiner Entlassung bereitete er Seminare für Lehrer und angehende Volksschullehrer vor. Seine Lebenszeit und Wirkenszeit war gekennzeichnet durch die industrielle Revolution und deren sozialen Folgeerscheinungen.
Er forderte: die Trennung von Staat und Kirche, sowie von Kirche und Schule, wandte sich gegen Privat und Konfessionsschulen. Weiter verlangte er die Unterhaltung von Schule durch den Staat, neben Gymnasien sollten Real- und Bürgerschulen eingerichtet werden, um eine bessere naturwissenschaftliche und technologische Bildung zu vermitteln. Sein Hauptaugenmerk galt der Volksschule, die allen bis zum 14. Lebensjahr eine Allgemeinbildung vermitteln sollte. Er wollte entgegen der Kinder- und Frauenarbeit wirken, die in den Fabriken ohne Bildung tag ein tag aus arbeiteten und keine Chance hatten die elementarsten Kenntnisse zu erwerben.
Die Lehre von Diesterweg basiert auf sehr verständlichen Grundregeln. Das erste ist das Prinzip der Naturgemäßheit. Dieses Prinzip besagt, dass man von der natürlichen Entwicklung des Kindes ausgehen soll. Wenn man die Entwicklung der Persönlichkeit beobachtet ist es wiederum möglich die einzelnen Naturanlagen zu fördern. Diesterweg
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bezeichnete und erkannte die Psychologie als eine Grundwissenschaft der Erziehungswissenschaft.
Das zweite Prinzip ist das der Kulturgemäßheit. Es besagt dass man als Pädagoge die politische, ökonomische und technologische Entwicklung berücksichtigen sollte, denn jeder Mensch ist ein Produkt seiner Zeit und muss in dieser Zeit gesehen werden. Diese Verknüpfung legitimierte seine Gedanken alles überalterte zu verwerfen. Mit überaltert ist das geistlose Einpauken von leerem Wortwissen gemeint. Die zwei genannten Prinzipein Diesterwergs finden sich im Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehrer wieder.
Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehrer (1835 erschienen; 1850) in (Diesterweg, 1989, Band 1, S. 139 bis 256) sein bekanntestes Werk- schon zu Lebzeiten 4 Auflagen „1. Unterrichte naturgemäß!
2. Richte dich bei dem Unterricht nach den natürlichen Entwicklungsstufen des heranwachsenden Menschen (nach der allgemeinen Individualität der Menschheit!)! 3. Beginne den Unterricht auf dem Standpunkt des Schülers, führe ihn von da aus stetig ohne Unterbrechung, lückenlos und gründlich fort!
4. Lehre nichts, was der Schüler dann, wenn er es lernt, noch nichts ist, und lehre nichts, was dem Schüler später nichts mehr ist.! 5. Unterrichte anschaulich!
6. Schreite vom Nahen zum Entfernten, vom Einfachen zum Zusammengesetzten, vom leichteren zum Schwereren, vom Bekannten zum Unbekannten fort!
7. Unterrichte nicht wissenschaftlich (gemeint ist: nach den vortragenden Lehrmethoden der höheren Lehranstalten), sondern elementarisch!
8. Verfolge überall den formalen Zweck oder den formalen und materiellen zugleich, errege den Schüler durch den selben Gegenstand möglichst vielseitig, verbinde namentlich das Wissen mit dem Können und übe das erlernte solange, bis es dem unteren Gedankenlauf übergeben ist!
9. Lehre nie etwas was der Schüler noch nicht fasst! 10. Sorge dafür, dass die Schüler alles behalten was sie gelernt haben! 11. Nicht abrichten, ..., sondern die allgemeine Grundlage zur Menschen-, Bürger- und Nationalbildung legen!
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Arbeit zitieren:
Katrin Jackisch, 2003, Diesterweg und die Methode des Sokrates, München, GRIN Verlag GmbH
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